Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Edgar Wallace >

Klub der Vier

Edgar Wallace: Klub der Vier - Kapitel 3
Quellenangabe
pfad/wallacee/clubvier/clubvier.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
booktitleDer unheimliche Mönch
titleKlub der Vier
publisherGoldmann Verlag
translatorHans Herdegen
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111024
projectidc4756dc8
Schließen

Navigation:

2

Bob Brewer blieb auf der zweiten Marmorstufe stehen, die zu dem prachtvollen Geschäftsgebäude der Vereinigten Versicherungsgesellschaften führte, und beobachtete interessiert den jungen Mann, der gerade in einer eleganten Limousine vorüberfuhr.

Der junge Mann trug einen grauen Filzhut und rauchte eine Zigarre. Er lehnte sich bequem in die Polster des Wagens zurück und blickte gelangweilt geradeaus.

Bob merkte sich die Nummer des Wagens und trat dann in das Innere des Gebäudes.

Einer der Angestellten grüßte ihn und führte ihn direkt in das Zimmer des Generaldirektors.

»Mr. Campbell erwartet Sie schon«, sagte er.

Der Generaldirektor hatte nichts zu tun – wie die meisten äußerst beschäftigten Leute –, als Bob ins Büro trat.

»Hallo!« rief er. »Schließen Sie bitte die Tür. Wie geht es Ihnen denn?«

»Ich habe Ihr Telegramm erhalten und habe eine ausgezeichnete Reise hinter mir. Das Wetter in Frankreich war glänzend. Ich habe Ihnen die Abrechnung über meine Ausgaben zugeschickt, und ich habe jetzt kein Geld«, erklärte Bob schnell. »Nach dieser kleinen Einleitung möchte ich mich nur noch erkundigen, warum Sie es so eilig haben.«

»Setzen Sie sich. Es handelt sich wieder einmal um die vornehme Gesellschaft, Bob«, erwiderte Mr. Campbell. »Wie Sie wissen, sind diese Leute furchtbar konservativ in ihren Gewohnheiten.«

»Nun hören Sie aber endlich mit Ihren Litaneien über die vornehme Gesellschaft auf. Ich weiß längst auswendig, was Sie mir sagen wollen.«

»Das können Sie gar nicht oft genug hören«, entgegnete Campbell. »Übrigens hörte ich, daß Ihr Freund Reddy der französischen Polizei entkommen ist?«

Bob nickte.

»Ja, er ist nach Spanien entwischt. Aber daraus können Sie mir doch keinen Vorwurf machen. Er sitzt auch noch in Spanien. Sie meinen doch nicht, daß er hier in London auf mich wartet und mir auflauert?«

»Nein. Ich habe Sie nicht hergerufen, um Sie zu warnen. Auf Reddy brauchen wir wohl einen oder zwei Monate lang keine Rücksicht zu nehmen.«

»Das ist auch meine Meinung. Reddy muß augenblicklich viel zu sehr auf seine eigene Sicherheit bedacht sein, als daß er an mich denken könnte. Außerdem ist er lange nicht so gefährlich wie zum Beispiel Soapy Wilkins.«

Mr. Campbell richtete sich überrascht in seinem. Sessel auf.

»Zum Teufel, wie kommen Sie denn auf den? Über den Kerl wollte ich gerade mit Ihnen sprechen.«

»Soapy ist für mich kein Geheimnis, ich kenne ihn schon von früher her. Vor zwei Minuten habe ich ihn hier in einem luxuriösen Auto vorbeifahren sehen, das er sich natürlich gemietet hat. Er war sehr elegant gekleidet.«

Mr. Campbell sah besorgt auf die Schreibunterlage.

»Das ist ein merkwürdiges Zusammentreffen. Er wohnt im Hotel Magnificent, und er ist eine ständige Bedrohung für uns.«

»Warum melden Sie die Sache nicht der Polizei? Er ist ein bekannter Verbrecher. In Amerika kennt ihn jeder, und ich glaube bestimmt, daß auch die hiesige Polizei weiß, wer er ist. Er gehört zu den gerissensten und gefährlichsten Leuten, die es überhaupt gibt; er ist blitzschnell in seinen Bewegungen, bald hier und bald dort, und begeht nie zweimal ein Verbrechen an demselben Ort. Die meisten sind nur Spezialisten auf einem bestimmten Gebiet, aber Soapy ist unglaublich tüchtig. Er bringt alles fertig, vom einfachen Einbruch bis zur kompliziertesten Fälschung von Aktien und Bankpapieren; und man kann ihn niemals fassen. Ich bewundere ihn. Außerdem habe ich gehört, daß er sich in Gesellschaft tadellos bewegen und unterhalten kann. In gewisser Weise ist er ein Genie, und er hat auch sehr kluge Einfälle ...«

»Ich habe nicht nach Ihnen geschickt, damit Sie mir hier eine Lobrede auf Soapy Wilkins halten«, entgegnete Campbell fast ärgerlich. »Ich bin tatsächlich erstaunt, daß Sie so einen Menschen bewundern können. Ich habe mir das mit der Polizei auch überlegt, aber es ist unmöglich, ihn verhaften zu lassen. Die Polizei hat im Augenblick kein Beweismaterial und kann daher auch nicht eingreifen. Man beobachtet ihn ...«

Bob lachte ironisch.

»Ich sehe, daß Sie genau derselben Ansicht sind wie ich«, sagte Campbell nun freundlicher. »Aber nun will ich Ihnen erzählen, warum ich mir soviel Sorgen mache. Kennen Sie Windhever Castle?«

Bob nickte.

»Das ist der Sitz der Herzogin von Manton in Essex«, entgegnete er prompt. »Sie ist eine große Dame, die über ein bedeutendes Vermögen verfügt und großen Einfluß in der Gesellschaft hat.«

»Windhever Castle liegt acht Kilometer von Goodwood entfernt, und nächste Woche finden dort die alljährlichen Rennen statt, zu denen sich die ganze vornehme Gesellschaft Englands versammelt. Die anderen Leute gehen hin, weil es nun einmal Mode ist.«

»Sie sind schon wieder dabei, mir einen Privatvortrag über, die Gesellschaft zu halten. Teilen Sie mir doch lieber mit, um was es sich handelt.«

Mr. Campbell schluckte, »In der nächsten Woche werden in Windhever Castle viele vornehme Damen und Herren als Gäste weilen, die ihre kostbaren Juwelen mitbringen. Die Leute sind fast alle bei uns versichert. Und nun macht es mir besondere Sorge, daß vor einem Monat in Windhever Castle eingebrochen wurde.«

Bob nickte.

»Ist den Dieben etwas in die Hände gefallen?«

»Nein. Es waren damals keine Gäste im Schloß; die Herrin selbst war mit ihren Bekannten in Ascot. Nur ein paar Dienstboten hielten sich im Hause auf, und es war nichts von Wert vorhanden, was die Diebe hätten stehlen können. Trotzdem drangen sie während der Nacht in das Gebäude ein. Der Geldschrank des Herzogs wurde geöffnet, und drei verschlossene Türen wurden erbrochen oder mit Nachschlüsseln geöffnet. Die Sache war gut durchgeführt, und die Einbrecher kamen auch glatt davon.«

»Das ist merkwürdig«, entgegnete Bob nachdenklich. »Erzählen Sie mir doch noch weitere Einzelheiten über die Sache. Das interessiert mich außerordentlich.«

Mr. Campbell erzählte, was er wußte.

»Also drei Stunden haben sie dazu gebraucht?« fragte Bob. »Es war natürlich leicht, weil nur drei Dienstboten im Haus waren und sie sich genügend Zeit lassen konnten. Der Einbruch muß von Leuten ausgeführt worden sein, die ihre Sache verstanden. Aber sie müssen doch gewußt haben, daß zur Zeit kein Geld im Haus aufbewahrt wurde. Was mögen die nur gewollt haben?«

»Übrigens wurde uns der Einbruch nicht gemeldet, weil der Herzog selbst bei einer anderen Gesellschaft versichert ist. Aber ich habe es auf Umwegen erfahren und es mir zur Warnung dienen lassen. Deshalb möchte ich meine Vorkehrungen treffen. Der Herzog hat überall neue Türschlösser anbringen lassen und auch einen neuen Safe gekauft, einen der besten, die augenblicklich gebaut werden. Ich habe auch erfahren, daß die Bibliothek, in der der Geldschrank aufgestellt ist, während der Anwesenheit der Gäste von besonderen Posten bewacht wird.«

»Glauben Sie denn, daß Soapy etwas mit der Sache zu tun hat?«

»Ja. Er ist zur Zeit der einzige große Geldschrankknacker. Sie sollen nun nach Windhever Castle fahren und den Herzog aufsuchen. Von einem unserer Kunden habe ich mir ein Empfehlungsschreiben für Sie geben lassen. Sagen Sie ihm, daß Sie ihn in jeder Weise unterstützen wollen, und sehen Sie sich die Dienstboten an. Vielleicht können Sie den einen oder anderen als Verbrecher entlarven. Und seien Sie vor allem in der Nacht nach dem Hauptrennen auf dem Posten. Am Abend gibt die Herzogin einen großen Ball, und über Nacht werden die Penson-Smaragde in den Safe eingeschlossen. Lady Penson gehört zu den Gästen der Herzogin. Und vergessen Sie nicht ...«

»Sie haben mir schon so viel erzählt, daß ich es sicherlich nicht vergesse«, sagte Bob und empfahl sich.

*

Der Herzog war ein verhältnismäßig kleiner, hagerer Herr mit schmalem Gesicht und wenig ausdrucksvollen Zügen. Er stand in dem Ruf, ein großer Denker und Gelehrter zu sein, wahrscheinlich, weil er eine ausgedehnte und kostbare Bibliothek besaß und stets anderer Meinung war als die Leute, mit denen er sich unterhielt.

Er empfing Bob in der Bibliothek und reichte ihm seine müde, welke Hand.

»Ich glaube nicht, daß Sie sich um die Sicherheit des Schmucks meiner Gäste bemühen müssen. Aber da dieser Lord mir geschrieben hat, daß es sein Wunsch ist, können Sie sich frei im Haus bewegen. Nur die Zimmer meiner Frau dürfen Sie natürlich nicht betreten.«

»Ich verstehe vollkommen. Durchlaucht haben sicher schon alle Vorsichtsmaßregeln getroffen?«

»Selbstverständlich. Ich habe einen neuen Safe hier –«, er zeigte auf den großen Stahlschrank, der ein kleines Messingschild mit dem Namen einer führenden Firma trug. »Draußen vor dem Fenster steht einer der Diener Wache. Ich lasse den Posten jede Stunde ablösen, und Sie werden zugeben, daß es länger als eine Stunde dauert, diesen Schrank zu öffnen.«

Das mußte Bob zugeben. Er war davon überzeugt, daß es selbst mit modernsten Mitteln kaum möglich sein würde, diesen Safe aufzuschweißen.

»Wenn dieser Lord Pembroke glaubt, daß die Juwelen seiner Frau hier nicht sicher sind, dann braucht er ja nicht zu kommen«, fuhr der Herzog fort. »Ich habe zweihundert Pfund ausgegeben, nur um das Haus mit einer Alarmanlage auszustatten. Außerdem habe ich einen neuen Safe gekauft und überall neue Schlösser einbauen lassen.«

Er reichte Bob die Hand.

»Also suchen Sie möglichst unauffällig hier Wache zu halten. Am besten ist es, wenn Sie sich mit dem Butler in Verbindung setzen. Der wird Ihnen nach Kräften helfen.«

Bob folgte der Aufforderung und sprach mit ihm.

»Es gibt vom Park aus nur einen Eingang zur Bibliothek«, erklärte ihm dieser. »Das ist eine kleine Tür, die der Herzog immer benutzt. Außerdem hat die Bibliothek noch zwei andere Türen, die mit neuen Schlössern ausgestattet worden sind. Eine der beiden ist sogar von innen mit einer Stahlplatte versehen.«

»Kann ein Einbrecher nicht auch vom Haus aus in die Bibliothek kommen?«

»Dazu müßte er den Hauptkorridor entlanggehen, und dort halte ich während der Nacht Wache.«

Bob fuhr mit der Hand über das Kinn.

»Sie kennen doch alle Diener seit Jahren?« fragte er.

»Jeden einzelnen«, entgegnete der Butler prompt. »Sie sind alle hier in der Gegend aufgewachsen, und mit einer Ausnahme waren sie auch dauernd bei dem Herzog im Dienst.«

*

Es war Bob klar, daß sein Auftauchen in diesem kleinen Dorf sofort die Aufmerksamkeit auf ihn lenken würde. Ein paar Stunden nach seiner Ankunft wußten auch bereits alle Leute, warum er hergekommen war. Der Wirt des kleinen Gasthauses, in dem Bob logierte, hatte versucht, eine Unterhaltung mit ihm anzufangen, um seine Meinung über den letzten Einbruch im Schloß zu erfahren. Die ganze Gegend sprach noch darüber.

»Man erwartet für nächste Woche eine Anzahl von Damen und Herren zu den Rennen«, sagte der Wirt, während er das Essen servierte. »Ich habe gehört, Sie sollen hier aufpassen, damit nichts gestohlen wird?«

»Ja, da haben Sie ungefähr recht.«

»Aber diesmal können die Einbrecher doch nichts machen. Der junge Mann von der Geldschrankfabrik sagte, es sei unmöglich, den Safe zu öffnen, den er beim Herzog eingebaut habe.«

»Das dürfte auch sehr schwierig sein«, meinte Bob gut gelaunt.

»Mich wundert nur, warum sie den Einbruch ins Schloß überhaupt gemacht haben. Alle Leute im Dorf wußten doch, daß der Herzog nicht dort war, und sogar das Silbergeschirr hatte er zur Bank schaffen lassen. Ich habe mit Mr. Cole, dem Kammerdiener des Herzogs, darüber gesprochen, und der bestätigte mir auch, daß die Kerle verrückt gewesen sein müßten. Sehen Sie, da kommt er gerade«, sagte er, während er zum Fenster hinausblickte.

Bob sah gleichfalls hinaus und bemerkte einen der Diener, den er am Morgen schon im Schloß gesehen hatte. Der Mann mochte etwa dreißig Jahre alt sein. Er war sauber und ordentlich gekleidet, aber sein Gesicht war ausdruckslos, wie man das von einem Kammerdiener nicht anders erwarten konnte.

»Er kommt öfter hierher, um ein Glas Wein zu trinken«, erklärte der Wirt. »Der Herzog hält große Stücke auf ihn, und Cole ist sozusagen seine rechte Hand. Der Mann ist hier in der Gegend geboren und war früher schon bei ihm. Dann ging er sechs Jahre nach Australien. Als sein Bruder kürzlich starb, mußte er hinüberfahren, um dessen Ländereien zu verwalten. Das Vermögen muß aber nicht groß gewesen, sein, denn als er wieder nach Windhever kam, hatte er kein Geld. Es war ein großes Glück für ihn, daß der Herzog in dem Augenblick gerade einen Kammerdiener brauchte und ihm die Stelle gab.«

Bob erhob sich und ging durch die Halle nach dem hinteren Hof. Der Kammerdiener erkannte ihn und legte die Hand an die Mütze. Bob unterhielt sich eine Zeitlang mit ihm und brachte das Gespräch schließlich auf englische Hügel und einzelne Berge, vor allem auf die einzelnen großen Erhebungen in Devonshire.

»Nein, da irren Sie sich«, sagte der Kammerdiener. »Hay Tor ist der höchste Berg in der Gegend, man kann ihn viele Kilometer weit sehen.«

»Ja, von der Spitze hat man eine glänzende Aussicht«, meinte Bob.

Der Kammerdiener zögerte einen Augenblick. »Oben bin ich nie gewesen«, meinte er. »Aber wenn ich es mir überlege, müssen Sie recht haben.«

Sie sprachen dann noch über Pferde, besonders über Ponys, und auch hier wußte Cole gut Bescheid.

»Mr. Cole, Sie müssen ein Glas Wein mit mir trinken«, sagte Bob und führte den Mann in das Privatzimmer, das er im Gasthaus bewohnte. Trotz des Widerspruchs des Wirtes holte er eigenhändig Flasche und Gläser. Vor der Tür blieb er stehen und reinigte sie noch besonders mit seinem Taschentuch.

»Also, auf Ihre Gesundheit«, sagte Mr. Cole und leerte sein Glas in einem Zug.

Bob nahm ihm das Glas aus der Hand und stellte es sorgfältig auf den Tisch. Dann gingen die beiden in die Gaststube. Später verabschiedete sich Bob von dem Kammerdiener, setzte sich in sein Zimmer und schrieb einen Brief an Douglas Campbell:

 

Ich glaube, ich habe das Geheimnis gelöst und kann den früheren Einbruch aufklären. Und ich kann auch jetzt schon voraussagen, wie der Einbruch in der Nacht nach dem großen Rennen ausgeführt werden soll. Ich habe von einem Glas einen Fingerabdruck abgenommen, an Hand dessen man in Scotland Yard wahrscheinlich wird feststellen können, daß es sich hier um einen alten Sträfling handelt. Der Mann heißt Cole und war angeblich sechs Jahre in Australien, und zwar kurz nach der Gefangennahme der Perres-Bande. Allem Anschein nach hat der Herzog keine Ahnung von Coles Vorleben, und das Verbrechen des Mannes ist auch den Dorfbewohnern unbekannt. Er kennt die Gegend von Dartmoor ganz genau, besonders die einzelnen Höhenzüge, und er weiß auch sehr gut Bescheid mit den Ponys der dortigen Gegend. Meiner Meinung nach war er im Gefängnis von Princetown.

 

Bob Brewer besuchte die Rennen in Goodwood, obwohl dort kaum die Möglichkeit bestand, Verbrecher zu beobachten. Er war fest davon überzeugt, daß die Leute, die es auf die Juwelen im Schloß abgesehen hatten, erst spät in der Nacht ans Werk gehen würden. Als er von den Rennen ins Gasthaus zurückkehrte, fand er ein Telegramm von Douglas Campbell vor.

 

Habe bedeutende Entdeckung gemacht. Ihre Theorie ist falsch. Fahre heute abend 7.53 Uhr nach Portsmouth. Kommen Sie mit dem Auto herüber und treffen Sie mich um zehn Uhr fünfzehn im Grand-Hotel.

 

Bob faltete das Telegramm zusammen und ließ den Wirt kommen. »Ich möchte telefonieren, um mir einen Wagen zu mieten«, sagte er. »Ich muß noch nach Portsmouth fahren.«

Um acht Uhr hielt ein Wagen vor der Tür. Bob ließ den Auftrag zurück, daß alle für ihn eintreffenden Nachrichten telefonisch durchgegeben werden sollten. Auch verabredete er mit dem Wirt, daß er ihm den Inhalt der Telegramme, die für ihn kämen, nach Portsmouth durchsagen sollte.

»Es tut mir leid, daß Sie schon fortgehen«, erklärte der Wirt. »Ich dachte, Sie würden wenigstens bis nach dem großen Ball beim Herzog bleiben.«

»Ich glaube nicht, daß meine Anwesenheit hier länger notwendig ist«, entgegnete Bob lachend, »und ich mache Ihnen jetzt ein Geständnis, das nur wenige Detektive in meiner Lage machen würden: Ich kann Ihnen im Vertrauen sagen, daß ich auf der falschen Spur war.«

Er mußte noch einige Zeit warten, denn er hatte ein Ferngespräch nach London angemeldet«. Kurze Zeit darauf läutete das Telefon, und er sprach mit Mrs. Campbell.

»Ich habe ein Telegramm von Ihrem Gatten erhalten, in dem er mir mitteilt, daß er mich in Portsmouth treffen will. Kann das stimmen?«

»Ja, er fährt mit dem Zug 7.53 Uhr nach Portsmouth«, erwiderte sie.

Bob legte den Hörer auf, und gleich darauf fuhr er in Richtung Chichester davon.

*

Um halb zwei war nach dem Ball bereits alles zur Ruhe gegangen, und das Schloß lag in Dunkelheit. Nur vor dem Gartentor der Bibliothek wachte einer der Diener und räusperte sich ab und zu. Um Viertel nach zwei wurde er abgelöst. Kaum war er verschwunden, als ein Mann geräuschlos aus den Sträuchern des Parks hervorkam und auf den Posten zuging.

»Sind Sie es, Cole?« fragte er leise.

»Ja. Aber machen Sie schnell. In einer Dreiviertelstunde werde ich abgelöst.«

»All right«, brummte der andere.

Er ging an dem Posten vorbei zur Tür, aber als er sich zum Schlüsselloch neigte, um aufzuschließen, legte sich plötzlich ein Arm um seinen Hals, und eine Hand faßte in seine Tasche und nahm die geladene Pistole heraus.

»Wollen Sie sich zur Wehr setzen und Spektakel machen, oder kommen Sie ruhig mit, Soapy?«

»Ich komme mit«, entgegnete der Verbrecher mit philosophischer Ruhe und streckte ohne weiteres seine rechte Hand, aus, um sich fesseln zu lassen.

»Sie sind also nicht Cole, sondern Brewer?«

»Erraten, mein Junge. Vor allem werde ich Ihnen erst einmal alle Nachschlüssel und Dietriche abnehmen, die Sie bei sich haben, ferner den Schlüssel zum Geldschrank und den Schlüssel zu dieser Tür.«

»Ich dachte, Sie wären in Portsmouth?«

»Glauben Sie denn, daß Sie mich mit einem so einfachen Trick hereinlegen können?«

»Aber Sie haben doch mit Mrs. Campbell telefoniert.«

»Ich wußte zufällig, daß Mr. Campbell sowieso nach Portsmouth fahren mußte, und Sie haben es wahrscheinlich auch gewußt. Kommen Sie mit, Soapy. Sie werden wieder ein paar Jahre in Dartmoor sitzen.«

*

»Die Verbrecher hatten sich die Sache leicht gemacht; der Trick ist schon früher angewendet worden«, erklärte Bob dem Direktor der Versicherungsgesellschaft. »Der erste Einbruch war natürlich nur vorgetäuscht, um die Unzulänglichkeit der Schlösser und des Geldschrankes offenbar zu machen. Kurz darauf machte Soapy als Vertreter der Geldschrankfabrik einen Besuch bei dem Herzog und überredete ihn, sein ganzes Haus neu sichern zu lassen.

Der Herzog ist geizig über alle Maßen. Als Soapy ihm daher den Vorschlag machte, ihm einen neuen Geldschrank, neue Schlösser an den Türen und neue Sicherungen für zusammen zweihundert Pfund zu liefern, nahm er das Angebot an. Ich kam darauf, weil der Herzog mir erklärte, er habe zweihundert Pfund für alles bezahlt. Ich wußte aber, daß allein der Safe mindestens das Doppelte wert war. Soapy hatte einen alten Freund im Hause. Er brauchte also nur hinzugehen, die Tür aufzuschließen und den Safe zu öffnen, von dem er natürlich auch die Schlüssel besaß, da er ihn ja selbst dem Herzog verkauft hatte. Dann konnte er sich mit der Beute davonmachen. Niemand hätte erfahren, wann oder wie der Einbruch verübt wurde. Es war natürlich für Soapy ein glücklicher Zufall, daß Cole Kammerdiener im Hause war.«

»Was hat der Herzog denn dazu gesagt?« fragte Campbell.

»Er hat furchtbar geflucht, geschimpft und getobt, weil er den besten Kammerdiener dadurch verlor.«

»Ich sage Ihnen ja immer wieder, diese vornehmen Leute sind dickköpfig und schwer von Begriff –«

»Wir wollen uns lieber über meine Spesen unterhalten, die diesmal ziemlich hoch geworden sind!«

 << Kapitel 2  Kapitel 4 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.