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Kleinere Abhandlungen

Johann Gottlieb Fichte: Kleinere Abhandlungen - Kapitel 2
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titleKleinere Abhandlungen
authorJohann Gottlieb Fichte
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Appellation an das Publikum

J. G. Fichtes, des philosophischen Doktors und ordentlichen Professors zu Jena, Appellation an das Publikum über die durch ein Kurfürstlich Sächsisches Konfiskationsreskript ihm beigemessenen atheistischen Äußerungen. Eine Schrift, die man erst zu lesen bittet, ehe man sie konfisziertDie erste Auflage erscheint im Januar 1799 bei Cotta und Gabler – Tübingen, Jena und Leipzig. Noch im Frühjahr besorgte Fichte eine zweite.

(1799)

Aus der National-Zeitung von 1798, St. 51.


Folgendes Kurfürstl. Sächs. Reskript ist an die beiden Universitäten Leipzig und Wittenberg ergangen:

Kurfürstlich-Sächsisches Reskript an die Universitäten Leipzig und Wittenberg vom 19. November 1798

Von Gottes Gnaden, Friedrich August, Kurfürst usw. Würdige, Hochgelahrte, Liebe, Andächtige und Getreue. Wir haben wegen der in dem ersten und zweiten Aufsatze des ersten Hefts des von den Professoren zu Jena, Fichte und Niethammer, herausgegebenen Philosophischen Journals p. ao. 1798 enthaltenen atheistischen Äußerungen die Konfiskation dieser Schrift angeordnet. Und da wir zu den Lehrern unsrer Universitäten das gegründete Vertrauen hegen, daß sie jede Gelegenheit, welche ihnen ihr Amt und ihr Einfluß auf die Jugend und das Publikum überhaupt an die Hand gibt, dazu benutzen werden, die angegriffene Religion mit Nachdruck, Eifer und Würde in Schutz zu nehmen und dafür zu sorgen, daß vernünftiger Glaube an Gott und lebendige Überzeugung von der Wahrheit des Christentums überall gegründet verbreitet und befestiget werde. So lassen wir Euch solches hierdurch unverhalten sein. Datum Dresden am 19. Nov. 1798.

Heinrich Ferdinand v. Zedtwitz. Karl Gottlieb Kühn.


Der erste Aufsatz in dem genannten ersten Hefte des genannten Journals ist von mir; ich habe in demselben den Grund unsers Glaubens an Gott untersucht; ich habe Sätze aufgestellt, welche von einer gewissen abgöttischen und atheistischen Partei unter uns atheistisch genannt werden; jene Beschuldigung des Atheismus geht also auf mich.

Möchte man doch immer in Kursachsen die von mir verfaßten oder nur herausgegebenen Schriften verbieten. Sie haben da schon so manches Buch verboten und werden noch so manches verbieten; und es ist keine Schmähung, in dieser Reihe mit aufgeführt zu werden. Ich schreibe und gebe heraus nur für diejenigen, die unsere Schriften lesen wollen; ich begehre keinen zu zwingen; und ob die einzelnen selbst oder ob in ihrer aller Namen die Regierung versichert, daß sie meine Schriften nicht mögen, ist mir ganz einerlei. Sind etwa die einzelnen nicht gleicher Meinung mit ihrer Regierung, so mögen sie das mit ihr ausmachen; es ist nicht meine Sache.

Also – vom Verbote ist gar nicht die Rede, sondern von dem Grunde desselben. Sie geben mich für einen Atheisten aus. Dies ist meine Sache: dagegen muß eine Verteidigung erfolgen, und ich selbst muß diese Verteidigung übernehmen.

Die Beschuldigung der Gottlosigkeit ruhig ertragen, ist selbst eine der ärgsten Gottlosigkeiten. Wer mir sagt, du glaubst keinen Gott, sagt mir: du bist zu dem, was die Menschheit eigentlich auszeichnet und ihren wahren Unterscheidungscharakter bildet, unfähig; du bist nicht mehr als ein Tier. Ich lasse ihn bei diesem Gedanken; und sage ihm dadurch: du bist unfähig, über dergleichen Gegenstände zu urteilen, und unwürdig, daß man dich darüber urteilen lehre; dergleichen Gegenstände sind für dich gar nicht vorhanden; und ich mache ihn dadurch zum bloßen Tier. – Ich konnte, nachdem man wissen muß, daß diese Beschuldigung zu meinen Ohren gelangt, nicht stillschweigen, ohne eine Verachtung gegen mein Zeitalter zur Schau auszulegen, die ich nicht empfinde und welche zu empfinden mir mein Gewissen verbieten würde.

Ich konnte nicht stillschweigen, ohne meinen ganzen Wirkungskreis aufzugeben. Ich bin Professor an der Landesuniversität mehrerer Herzogtümer, deren Akademie auch von Ausländern zahlreich besucht wird; ich bin philosophischer Schriftsteller, der einige neue Ideen in das Publikum bringen zu können glaubt. Es müßte in Deutschland alle Achtung für das Heilige völlig verloschen und unsere Nation müßte wirklich sein, wessen jene mich zeihen, wenn nicht die christlichen Fürsten, welche die Hoffnung ihrer Länder, die Väter und Mütter, welche ihre Söhne auf dieser Akademie wissen, alle, welche angefangen, meine Philosophie zu studieren, ohne sie auf den Grund zu kennen, in ihrem Innern erbebten; wenn von nun an meine Person und meine Schriften nicht geflohen würden wie verpestete. Wer mir sagt, du bist ein Atheist, lähmt und vernichtet mich unwiederbringlich, wenn er Glauben findet. Ich bin jenen Erschrockenen Beruhigung, ich bin mir selbst Verteidigung meines Wirkungskreises schuldig. Geduldig mich lähmen zu lassen, verbietet mir die Pflicht.

Ich konnte zu dieser Beschuldigung nicht stillschweigen, ohne mich politischen Folgen, ohne mich der sichtbarsten Gefahr für meine bürgerliche Existenz, für meine Freiheit, vielleicht für mein Leben auszusetzen. Jenes Verbot ist nicht wie so manches andere Verbot durch das Ungefähr aus einem Lostopfe herausgezogen worden; es ist die Folge eines durchdachten und langsam und bedächtig ausgeführten Plans. Von geheimen Intrigen und Stadtgeschwätz zwar nimmt der rechtliche Mann keine Notiz; nachdem sie aber eine öffentliche Begebenheit veranlaßt haben, ist es Zeit, auch sie selbst der Publizität zu übergeben, damit jedes Ereignis in seinem Zusammenhange erscheine. Also – es ist mir sehr wohl bekannt gewesen, daß schon seit einem Vierteljahre und darüber die Partei, welche es für Gottesdienst halten würde, mich zu verfolgen, in demjenigen ihrer berühmten Sitze, der mir am nächsten liegt,Dresden über jenen Aufsatz beratschlagt, gemurmelt, gescholten, gepoltert hat; anfangs weniger laut, dann, durch die in geheim angeworbene Beistimmung dreist gemacht, lauter und entscheidender. Für aufgeklärt, für wohldenkend bekannte Theologen haben geäußert, daß sie nicht wissen würden, was sie von meiner Landesobrigkeit ferner zu denken hätten, wenn ich dasmal nicht abgesetzt würde. Andere haben, auf den Fall, daß sie in dieser Hoffnung doch sich täuschten, vom Reichsfiskal und Reichstage gesprochen. Der erste Schritt, den sie auf ihrem Wege zu tun hatten, ist gelungen; sie haben ein öffentliches Verbot jenes Journals, eine öffentliche Rüge jenes Aufsatzes, als eines atheistischen, sich zu verschaffen gewußt. Ich darf nicht hoffen, daß diese Helden mit dem ersten Siege sich begnügen und auf dem errungenen Lorbeer ruhen werden. Ich müßte sie nicht kennen, oder sie werden, so man sie nicht beizeiten entkräftet, alle die angekündigten Schritte tun, so wie sie den ersten getan haben, und nicht ruhen, bis ihr Ziel erreicht ist. Sie haben ihren ganzen Grimm und allen Schimpf, den sie vorderhand, mit jenem Verbote ausgerüstet, mir antun konnten, erschöpft: sie haben ihn übertrieben, und ein Verbot, das nur auf das erste Heft des Journals geht, auch auf das zweite öffentlichDies war ein Irrtum Fichtes, der auf Fehlmeldungen beruhte und durch geheime Intrigen auf das ganze Journal ausgedehnt. – Vanini zog aus dem Scheiterhaufen, auf welchem er soeben als Atheist verbrannt werden sollte, einen Strohhalm und sagte: wär' ich so unglücklich, an dem Dasein Gottes zu zweifeln, so würde dieser Strohhalm mich überzeugen. Armer Vanini, daß du nicht laut reden konntest, ehe du an diesen Platz kamest! Ich will es tun, noch ehe mein Scheiterhaufen gebaut ist; ich will, solange ich mir noch Gehör zu verschaffen hoffen kann, so laut, so warm, so kräftig sprechen, als ich es vermag. Dies zu tun, gebietet mir die Pflicht. Ich will ruhig erwarten, welche Wirkung es haben wird. Diese Ruhe gibt mir mein Glaube.

Der Erfolg für meine Person ist mir ganz gleichgültig. Ich weiß es und fühle es mit herzerhebender Gewalt, meine Sache ist die gute Sache, aber an meiner Person ist nichts gelegen. Unterlieg' ich in diesem Kampfe, so bin ich zu frühe gekommen, und es ist der Wille Gottes, daß ich unterliegen sollte; Er hat der Diener mehrere, und er wird, wenn seine Zeit kommt, die Sache, die seine eigne Sache ist, ohne allen Zweifel siegen lassen. Wann er dies tun wird und ob durch mich oder einen andern, davon weiß ich nichts und soll ich nichts wissen; nur so viel weiß ich, daß ich auch meine Person verteidigen muß, solange ich kann, indem für mich der Sieg der guten Sache allerdings auch an die Tätigkeit dieser Person mit geknüpft ist. Aber selbst, wenn ich gewiß wissen könnte, daß ich bestimmt sei, die unzähligen Opfer, welche schon für die Wahrheit fielen, um eines zu vermehren, so müßte ich doch noch meine letzte Kraft aufbieten, um Grundsätze in das Publikum bringen zu helfen, welche wenigstens diejenigen sichern und retten könnten, die nach mir dieselbe Sache verteidigen werden. Unter den Ruinen der Wahrheitsmärtyrer hat von jeher höhere Freiheit und Sicherheit für die Wahrheit gekeimt. In einem jeden Zeitalter ist die größere Menge unwissend, verblendet und gegen neue Belehrungen verstockt. Jedes Zeitalter würde das Verfahren der vorhergehenden gegen diejenigen, welche alte Irrtümer bestreiten, in allen Stücken nachahmen; wenn man sich doch nicht zuweilen schämte, selbst zu tun, was man nur soeben an den Vorfahren laut gemißbilligt hat. Die Zeitgenossen Jesu errichteten den Propheten Denkmäler und sagten: wären sie in unseren Tagen gekommen, wir hätten sie nicht getötet; und so tut bis auf diesen Augenblick jedes Zeitalter an den Märtyrern der vorhergehenden.Vgl. Matth. XXIII 29-30

Jedes hat darin ganz recht, daß es dieselben Personen, wenn sie wiederkämen, nicht verfolgen würde, indem diese ja nun größtenteils ihre untrüglichen Heiligen geworden sind; sie verfolgen jetzt nur die, welche jene nicht für untrüglich anerkennen wollen; aber darin muß man ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie es doch allmählich mit mehrerer Bedenklichkeit und mit besserem Anstande tun lernen.

War es je notwendig, dergleichen Grundsätze zur Verteidigung der Glaubens- und Gewissensfreiheit in das Publikum zu bringen, so ist es gegenwärtig dringende Notwendigkeit. Verteidigen wir nicht jetzt, nicht auf der Stelle unsere Geistesfreiheit, so möchte es gar bald zu spät sein. Man unterdrückt den freien Forschungstrieb nicht etwa mehr, wie es ehemals geschah, hier und da, so wie es die augenblickliche Laune gebietet; man tut es aus Grundsätzen und verfährt systematisch. Welcher ist unter meinen Lesern, der nicht den durch das Unglück der Zeiten herbeigeführten Grundsatz behaupten, predigen, einschärfen gehört habe: Freiheit der eigenen Untersuchung gefährdet die Sicherheit der Staaten; Selbstdenken ist die Quelle aller bürgerlichen Unruhen: hier, hier ist die Stelle, wo man das Übel mit der Wurzel ausrotten kann. Die einzige untrügliche Wahrheit, über die kein menschlicher Geist hinauskann, die keiner weitern Prüfung, Erläuterung oder Auseinandersetzung bedarf, ist schon längst fertig: sie liegt aufbewahrt in gewissen Glaubensbekenntnissen; das Geschäft des Selbstdenkens ist schon längst für das Menschengeschlecht geschlossen: – so muß man sprechen. Diese Wahrheit auswendig zu lernen, sie unverändert zu wiederholen und immer zu wiederholen, darauf muß man alle Geistesbeschäftigung einschränken; dann stehen die Throne fest, die Altäre wanken nicht, und kein Heller geht an den Stolgebühren verloren. – Diesen Grundsatz auszuführen, schicken sie sich jetzt ernstlicher als je an. Für den Anfang mußte, um die Laulichkeit des Zeitalters aufzuschrecken, ein großes, die Ohren gehörig füllendes Wort, das des Atheismus, gewählt und dem Publikum das selten zu erlebende Schauspiel einiger Gottesleugner gegeben werden. Wie gerufen fiel gerade ich mit meinem Aufsatze ihnen unter die Hände. Man lasse sie nur erst mit mir fertig sein, sie werden dann allmählich schon weiter schreiten; und vor dem Ende eines Jahrzehnts wird über die geringste Abweichung von der geringsten Phrase in der KonkordienformelDie Formula concardiae von 1577 – eines der symbolischen Bücher der lutherischen Kirche – diente als Wiederholung und Erklärung einiger Artikel der Augsburger Konfession. Sie beendete wesentlich die Streitigkeiten der verschiedenen lutherischen Theologenschulen. kein kleineres Aufheben gemacht werden als jetzt über meinen vermeinten Atheismus. Es könnten daher zwar wohlmeinende, aber mit dem menschlichen Herzen und ihrem Zeitalter sicherlich unbekannte oder leichtsinnige und eines ernsthaften Nachdenkens unfähige Leser sein, welche mit dem Einwurfe meine Schrift in die Hand nähmen, mit dem Einwurfe sie fortläsen, daß ich einer geringfügigen Sache eine zu große Wichtigkeit gäbe und viel Lärmens erhöbe über wenig oder nichts. Abgerechnet, daß ohne alle Rücksicht auf die Umstände die Beschuldigung der Gottlosigkeit schlechterdings nicht für geringfügig aufgenommen werden darf, sind diesesmal die Umstände in der Tat so, daß meine ganze fernere Wirksamkeit, daß meine bürgerliche Sicherheit, daß die allgemeine Gewissensfreiheit sich in Gefahr befindet. Schon jetzt – ich schreibe dies einige und zwanzig Tage nach der Ausfertigung des Verbots – hat sich ohne mein Zutun und Mitwissen eine mißbilligende Stimme gegen meine Ankläger hören lassen;Fichte meint: „Etwas zur Antwort auf das Schreiben eines Vaters an seinen studierenden Sohn über den Fichtischen und den Forbergischen Atheismus", Jena 1799 es würden, wenn ich auch beharrlich schwiege, deren mehrere sich vernehmen lassen; denn die öffentliche, feierliche, aus einem hohen Regierungskollegio ausgehende Beschuldigung des Atheismus ist zu unerhört, zu ungeheuer; die Veranlassung dazu ist so offenbar und so gänzlich ohne Grund, und es sind denn doch noch nicht alle Exemplare meines Aufsatzes weggenommen, daß kein Mensch in ganz Deutschland mehr denselben mit dem deswegen ergangenen Reskripte vergleichen könnte. Meine Gegner werden sonach in kurzem zu ihrer eigenen Verteidigung genötigt sein, fort zu intrigieren und zu kabalieren, ihre Partei gegen mich in geheim zu verstärken, die Mächtigen gegen mich zu verhetzen; meine Worte so lange zu verdrehen, bis sie sagen, was sie wünschten, daß ich gesagt hätte, Lügen auf mich zu erdichten und herumzubieten; kurz, mich völlig schwarz zu machen, damit sie neben mir ein wenig weißer erscheinen. Oder, wenn auch möglich wäre, was ich zur Ehre meines Zeitalters für unmöglich halte, daß keiner unter allen freien Denkern ein Wort zu meinem Besten sagte und auf diese Weise meine Gegner von außen nicht weiter gereizt würden; wenn möglich wäre, was ich für noch unmöglicher halte, daß sie selbst durch ihren Feuereifer von innen nicht weiter gereizt würden und sich für diese Sache mit dem erhaltenen Triumphe begnügten: welches soll denn für die Zukunft unser beiderseitiges Verhältnis werden? – Ich habe in jenem Aufsatze, der meine Gegner gegen mich so verbittert hat, meine Grundsätze über Religion bloß angedeutet; es war ein Gelegenheitsaufsatz, welchen ich der gleich nach ihm abgedruckten Schrift eines anderen philosophischen Schriftstellers zur Begleitung mitgeben zu müssen glaubte; ich muß meine Grundsätze noch weiter auseinandersetzen, noch tiefer begründen, noch eingreifender anwenden. Können sie, ohne ihre vorhergehenden Lügen laut zu bekennen, zu diesem Unternehmen stillschweigen? Müssen sie nicht, nachdem ich durch die gegenwärtig getroffene mildere Maßregel, wie sie sie nennen mögen, mich nicht warnen, ihr gelinderes Zuchtmittel nicht an mir anschlagen lassen – müssen sie nicht notwendig, um konsequent zu erscheinen, zu härteren greifen und alle jene Schritte, die sie schon so bestimmt angekündigt, einen nach dem andern, tun? Also, ich müßte über dergleichen Gegenstände in offenem Drucke ganz schweigen, wenn ich vor ihnen Friede haben sollte. – Aber nur über dergleichen Gegenstände? Man würde sich sehr irren, wenn man glaubte, daß sie es nur mit meinem vermeinten Atheismus zu tun hätten: mit meiner ganzen Philosophie, mit aller neueren Philosophie haben sie es zu tun, und daran haben sie ganz recht, und zeigen, daß sie ihren wahren Feind wohl kennen; jener vorgebliche Atheismus ist nur Vorwand. Sie haben in der Freude des Herzens ihr Geheimnis verraten, indem sie frohlockend ausgerufen: nun sähe man doch gottlob endlich klar, worauf die neuere Philosophie hinauslaufe, auf puren Atheismus. Meine Philosophie, meine ganze Denkart ist durch sie nun einmal in allen ihren Teilen für eine Lehre erklärt, die notwendig zum Atheismus führt, und sie können konsequenterweise keinen einzigen Zweig derselben anders aufnehmen als alle übrigen; was ich auch nur vorbringen mag, sind sie durch ihre Lage genötigt zu verfolgen. Ich müßte sonach überhaupt nichts mehr drucken lassen, wenn ich vor ihnen Frieden haben sollte. – Aber ist denn der Druck der einzige Weg, auf welchem ich meine Überzeugung mitteile? Bin ich nicht auch akademischer Dozent? Oh, sie haben sich das nicht entgehen lassen, denn noch gellen mir die Ohren von der oft gehörten Litanei: es ist kläglich, wie viele junge Leute dieser Verführer in den Abgrund des Verderbens mit sich hineinzieht! Nachdem einmal bekannt ist, daß sie es wissen, ich sei akademischer Dozent, können sie nun, so gewiß man bei meiner Verfolgung sie vom Eifer für die Ehre Gottes und für die Wohlfahrt des Nächsten getrieben glauben soll – sie können nicht ruhen, bis meine Stimme ebenso auf dem Katheder als in öffentlichen Schriften verstummt ist. – Aber man bleibt doch in der Gesellschaft; man kann doch durch Unterredungen zwar nicht mehr ganze Haufen von Seelen, aber denn doch immer Seelen verführen, und ihr Wächteramt erstreckt sich auf die Erhaltung aller. Sie müssen sonach notwendig, wenn sie konsequent sind, mich sogar aus der menschlichen Gesellschaft vertreiben; und nun erst könnten sie nach ihren Grundsätzen vernünftigerweise ruhen. Also, wenn auch der unerwartetste Zusammenfluß von Umständen und eine noch weniger zu erwartende Milde meiner Gegner es ihnen möglich machte, das Vergangene zu verzeihen, so ist doch ihre Ehre, ihre Würde, ihr ganzes äußerliches Ansehen, die Möglichkeit ihrer innern Selbsttäuschung, unauflöslich daran gebunden, mir nur auf diese Bedingung zu verzeihen, daß ich vom literarischen Schauplatze und dem der Gesellschaft auf die Zukunft gänzlich verschwinde. In dieses Verhältnis mit einer zahlreichen, kühnen, politisch geltenden Partei gekommen zu sein – wer möchte dieses für geringfügig und für eine Begebenheit halten, bei der man ruhig sein und zusehen könnte?

Wer möchte meine Vorhersagung und Befürchtung für übertrieben halten, wenn er sich nur einen Augenblick an die Erfahrung der vorigen Zeiten erinnert? Auch da hob man nicht, weder in den ältern Zeiten beim Verbrennen noch in den neuem bei der Vertreibung vom Amt, Haus und Hof durch den Reichsfiskal, an. Das erste waren immer Konfiskationsbefehle, und selten so geschärfte, als gegen unser Journal ergangen; daß die Schrift atheistisch genannt worden, daß man den Debit derselben bei Geld- und Gefängnis- – ich sage Gefängnisstrafe, verboten hätte. Hätten die unglücklichen Opfer der Wahrheit die ersten Angriffe ihrer Gegner nicht so gleichgültig behandelt, hätten sie nicht von ihnen erwartet, was man von Feinden der Wahrheit nie erwarten muß, Menschlichkeit und Vernunft – es wäre wohl mit den wenigsten so weit gekommen, als es kam. BahrdtKarl Friedrich Bahrdt wurde als Professor für biblische Theologie in Leipzig angeblich wegen liederlichen Lebenswandels entlassen. Dann war er Professor und Prediger in Göttingen, doch 1775 vertrieben ihn seine orthodoxen Gegner auch von dort. Als Generalsuperintendent in Durkheim wurde er 1778 durch ein Urteil des Reichshofrates für unfähig erklärt, ein geistliches Amt auszuüben, und erhielt Druckverbot. 1779 floh er nach Halle und hielt dort philosophische und philologische Vorlesungen. Wegen eines anonymen Pasquills auf das preußische Religionsedikt von 1788 büßte er 1789 ein Jahr Festungshaft ab., auch im übrigen wenig wert, für die Wahrheit zu leiden, verdarb sich durch seinen Leichtsinn; Lessing widerstand unter dem Schutze eines großmütigen und aufgeklärten Fürsten kräftig seinem unbarmherzigen Ankläger Goeze, der auch vom Reichsfiskal redete, und seine Gegner schämten sich und verstummten.

Also – verteidigen muß ich mich, jetzt da es noch Zeit ist, und ich will mich verteidigen.

I

Meine Lehre ist atheistisch, sagen sie. Was enthält denn nun eigentlich diese atheistische Lehre, und was wird insbesondere in jenem verschrienen Aufsatze über Religion und Glauben an Gott behauptet?

Ich hätte der Strenge nach zu meiner Verteidigung nichts weiter zu tun, als jenen Aufsatz noch einmal abdrucken zu lassen und um ein nicht unaufmerksames Lesen desselben zu bitten. Er enthält seine Verteidigung ganz in sich selbst, und ich kann auch jetzt nichts Neues hinzusetzen. Ich will das dort Gesagte bloß auf eine andere Art sagen, weil ich in jenem Journale für ein philosophisches, hier für ein gemischtes Publikum rede.

Was ist wahr; was ist gut? – Die Beantwortung dieser Fragen, die jedes philosophische System beabsichtigen muß, ist auch das Ziel des meinigen. Dieses System behauptet zuvörderst gegen diejenigen, welche alles Gewisse in der menschlichen Erkenntnis leugnen, daß es etwas absolut Wahres und Gutes gebe. Es zeigt gegen diejenigen, welche unsere gesamte Erkenntnis aus der Beschaffenheit unabhängig von uns vorhandener Dinge erklären wollen, daß es nur insofern Dinge für uns gibt, als wir uns derselben bewußt sind und wir sonach mit unserer Erklärung des Bewußtseins zu den von uns unabhängig vorhandenen Dingen nie gelangen können. Es behauptet – und darin besteht sein Wesen –, daß durch den Grundcharakter und die ursprüngliche Anlage der Menschheit überhaupt eine bestimmte Denkart festgesetzt sei, die zwar nicht notwendig bei jedem einzelnen in der Wirklichkeit sich finde, auch sich ihm nicht andemonstrieren lasse, wohl aber einem jeden schlechterdings angemutet werden könne. Es gebe etwas den freien Flug des Denkens Anhaltendes und Bindendes, bei welchem jeder Mensch sich beruhigen müsse; welches in unserer eigenen Natur, aber freilich außerhalb des Denkens selbst, liege; indem, was das letztere betrifft, dem Skeptizismus die absolute Unaufhaltsamkeit der Spekulation durch ihre eigenen Gesetze vollkommen zuzugeben sei. Es ist in dieser Rücksicht in jenem verrufenen Aufsatze gesagt worden: »Hier (bei dem Bewußtsein meiner moralischen Bestimmung) liegt dasjenige, was dem sonst ungezähmten Fluge des Räsonnements seine Grenzen setzt, was den Geist bindet, weil es das Herz bindet; hier der Punkt, der Denken und Wollen in Eins vereinigt und Harmonie in mein Wesen bringt. Ich könnte an und für sich wohl weiter, wenn ich mich in Widerspruch mit mir selbst versetzen wollte; denn es gibt für das Räsonnement keine immanente Grenze in ihm selbst, es geht frei heraus ins Unendliche und muß es können, denn ich bin frei in allen meinen Äußerungen, und nur ich selbst kann mir eine Grenze setzen durch den Willen.« Jenes, unser freies Denken Bindende, unsere Vorstellung in eine Erkenntnis Verwandelnde und durch das ganze Gebiet unsers Bewußtseins Gewißheit Verbreitende sucht unsere Philosophie und findet hierüber folgendes:

Es drängt sich öfters unter den Geschäften und Freuden des Lebens aus der Brust eines jeden nur nicht ganz unedlen Menschen der Seufzer: unmöglich kann ein solches Leben meine wahre Bestimmung sein, es muß, oh, es muß noch einen ganz andern Zustand für mich geben. Ein heiliger Mann sagt dies mit besonderer Stärke: sogar die Kreatur möchte sich sehnen mit uns und seufzen immerdar, daß sie frei werde vom Dienste der Eitelkeit, dem sie unterworfen ist ohne ihren Willen.Vgl. Röm. VIII, 19–22. Sage man es, wie man wolle, dieser Überdruß an dem Vergänglichen, dieses Sehnen nach einem Höhern, Bessern und Unvergänglichen liegt unaustilgbar im Gemüte des Menschen. Ebenso unaustilgbar ertönt in ihm die Stimme, daß etwas Pflicht sei und Schuldigkeit, und lediglich darum, weil es Schuldigkeit ist, getan werden müsse. Ergehe es mir auch, wie es immer wolle, sagt dann der in sich zurückgetriebene Mensch, ich will meine Pflicht tun, um mir nichts vorzuwerfen zu haben. Durch diese Ansicht allein wird ihm das an sich zum Ekel gewordene menschliche Tun und Treiben wieder erträglich. Die Pflicht gebeut nun einmal, sagt er sich, daß ich dieses Leben fortführe und in ihm frisch und fröhlich vollbringe, was mir vor die Hand kommt; und sowenig Wert auch dieses Leben um sein selbst willen für mich hat, so soll es mir doch um der Pflicht willen heilig sein. Die Stimmung bei dem Bewußtsein des Vorsatzes, unsere Schuldigkeit zu tun, weil es Schuldigkeit ist, deutet uns jenes wunderbare Sehnen. Indem man die Pflicht schlechthin um ihrer selbst willen erfüllt, erhebt man sich über alle sinnlichen Antriebe, Absichten und Endzwecke; man tut etwas, nicht damit dies oder jenes in der Welt erfolge, sondern bloß und lediglich, damit es selbst geschehe und der Stimme in unserm Innern Gehorsam geleistet werde. Durch dieses Bewußtsein wird nun zwar jenes Sehnen nicht befriedigt, aber doch das schmerzhafte Gefühl, mit welchem es sich äußerte, gehoben; man erhält nicht Ausfüllung seines Strebens, aber doch Ruhe und inneren Frieden. Jenes Sehnen heischt Befreiung von den Banden der Sinnlichkeit überhaupt, in unserm ganzen Zustande, von dem uns die Vollbringung der Pflicht in Rücksicht unsers Handelns wirklich befreit. Durch jene Anlage in unserem Wesen eröffnet sich uns eine ganz neue Welt. Ohne dieselbe geht alles Dichten und Trachten des menschlichen Herzens lediglich auf sinnlichen Genuß, höchstens auf Herrschaft unsers unbedingten Eigenwillens; sonach immer auf etwas in der äußeren Erfahrung Gegebenes und vom Zufalle Abhängendes.

Durch sie erhalten wir eine höhere Existenz, die von der ganzen Natur unabhängig und lediglich in uns selbst gegründet ist; durch sie kommen wir in eine Reihe hinein, die sehr schicklich eine übersinnliche genannt wird.

An jenes Bewußtsein nun, unsere Pflicht um ihrer selbst willen getan zu haben, knüpft unmittelbar sich ein neues an: die unerschütterliche Zuversicht, daß man durch Befreiung seines Willens von der Sinnlichkeit der Befreiung von derselben in Absicht seines ganzen Zustandes wenigstens würdig werde und daß, nachdem man nur getan hat, was von uns abhing, das, was nicht in unserer Gewalt steht, von selbst sich allmählich einfinden werde.

Dieses Bewußtsein einer höheren, über alle Sinnlichkeit erhabenen Bestimmung, eines absolut pflichtmäßigen, eines notwendigen Zusammenhanges der Erfüllung des letzteren mit der Würdigkeit und der allmählichen Erreichung der ersteren, welches jeder gebildete Mensch in sich finden wird, kann aus keiner Erfahrung hervorgehen; denn es erhebt uns ja über alle Erfahrung. Wir müssen es in unserm eignen, von aller Erfahrung unabhängigen Wesen finden; wir müssen es unmittelbar dadurch wissen, daß wir von uns selbst wissen. Es ist so gewiß als unser eigenes Dasein und von nichts abhängig als von diesem Dasein selbst.

Dieses Bewußtsein, welches in der Selbstbeobachtung gleichsam abgebrochen, jedes der genannten Stücke einzeln als ein besonderes Faktum in uns vorkommt, wird durch mein System in einen notwendigen Zusammenhang gesetzt. Es ist, zeigt dieses System, der zwar zu keiner Zeit zu erreichende, jedoch unaufhörlich zu befördernde Zweck unseres ganzen Daseins und alles unseres Handelns, daß das Vernunftwesen absolut und ganz frei, selbständig und unabhängig werde von allem, das nicht selbst Vernunft ist. Die Vernunft soll ihr selbst genügen. Diese unsere Bestimmung kündigt sich uns eben an durch jenes Sehnen, das durch kein endliches Gut zu befriedigen ist. Diesen Zweck sollen wir schlechthin, müssen wir schlechthin, wenn wir uns selbst treu bleiben wollen, uns setzen. Was wir unsers Orts zu tun haben, um denselben zu befördern, und inwieweit seine Erreichung von uns abhängt, lehrt uns gleichfalls die unmittelbar gebietende, unaustilgbare und untrügliche innere Stimme des Gewissens. Das Gewissen ist es, das in jeder Lage des Lebens, wenn wir nur dasselbe befragen, uns entscheidend sagt, was in dieser Lage unsere Pflicht sei, das heißt, was wir in derselben zur Beförderung jenes Zwecks aller Vernunft beizutragen haben. Wir müssen schlechthin jenen Zweck wollen, dies ist die einige unabänderliche Bestimmung unseres Willens – die besondere, durch Zeit und Lage bestimmte Pflicht, ohnerachtet sie im gemeinen Bewußtsein als etwas Unmittelbares erscheint, wollen wir doch nur, wie sich bei einer gründlichen philosophischen Untersuchung des gesamten Bewußtseins ergibt, als Teil und als Mittel jenes Endzwecks. – Hieraus erklärt sich auch die unerschütterliche Zuversicht dessen, der um des Gewissens willen recht tut, daß er der Erfüllung seines Zwecks sich annähere. Er fühlt unwiderstehlich, wenn er es sich auch nicht bis zum deutlichen Denken entwickeln sollte, daß jene Gesinnung eben die Bedingung und das Mittel sei zu seiner Befriedigung und Befreiung und daß er durch dieselbe schon eintrete in die Reihe, die sein unaustilgbares Sehnen fordert. – Ich will jene absolute Selbstgenügsamkeit der Vernunft, jene gänzliche Befreiung von aller Abhängigkeit, Seligkeit nennen; unter welchem Worte ich ausdrücklich das Beschriebene und schlechterdings nicht irgendeinen Genuß, von welcher Art er auch sei, verstanden wissen will.

Und nun läßt der behauptete Zusammenhang sich so beschreiben: Ich will notwendig meine Seligkeit, nicht als einen Zustand des Genusses, sondern als den der mir zukommenden Würde; nicht weil ich die Seligkeit begehre, sondern weil sie dem vernünftigen Wesen schlechterdings gebührt; und ich kann diese Forderung nicht aufgeben, ohne mich selbst, ohne mein wahres Sein aufzugeben und mich für einen leeren Schein und für ein Truggebilde zu halten. Als das einzige, aber untrügliche Mittel der Seligkeit zeigt mir mein Gewissen die Erfüllung der Pflicht; nicht, daß nur überhaupt das Pflichtmäßige geschehe, sondern daß es lediglich um der Pflicht willen geschehe. An dieser unmittelbar in meinem Innern aufgestellten Heilsordnung kann ich abermals nicht zweifeln, ohne mich selbst aufzugeben; ohnerachtet ich freilich nicht begreife, auch nicht zu begreifen bedarf, wie und auf welche Weise jene pflichtmäßige Gesinnung mich zu meinem notwendigen Zwecke führen möge. Kurz, es ist so, es ist schlechthin so, es ist ohne allen Beweis so; ich weiß es unmittelbar, so gewiß als ich irgend etwas weiß, und so gewiß als ich von mir selbst weiß. Es dringt sich mir auf der unerschütterliche Glaube, daß es eine Regel und feste Ordnung gebe – ich Sterblicher bin wohl genötigt, das Übersinnliche durch Begriffe, die von der Sinnenwelt hergenommen sind, zu denken –, daß es eine feste Ordnung gebe, nach welcher notwendig die reine moralische Denkart selig mache sowie die sinnliche und fleischliche unausbleiblich um alle Seligkeit bringe; eine Ordnung, welche mir unerklärlich ist und der mir allein bekannten Ordnung in der Sinnenwelt geradezu entgegen – indem in der letzten der Erfolg davon abhängt, was geschieht, in der ersteren davon, aus welcher Gesinnung es geschieht; eine Ordnung, in welcher alle sinnlichen Wesen begriffen, auf die Moralität aller und vermittelst derselben auf aller Seligkeit gerechnet ist; eine Ordnung, deren Glied ich selbst bin und aus welcher hervorgeht, daß ich gerade an dieser Stelle in dem Systeme des Ganzen stehe, gerade in die Lage komme, in welcher es Pflicht wird, so oder so zu handeln, ohne Klügelei über die Folgen, indem gar nicht auf Folgen in der sichtbaren, sondern in der unsichtbaren und ewigen Welt gerechnet ist, welche, vermittelst jener Ordnung, zufolge des untrüglichen Ausspruchs in meinem Innern, nicht anders als selig sein können. »Indem ich jenen durch mein eignes Wesen mir gesetzten Zweck (der Seligkeit) ergreife« – sage ich darüber in dem verrufenen Aufsatz – »und ihn zu dem meines wirklichen Handelns mache, setze ich zugleich die Ausführung desselben durch wirkliches Handeln als möglich. Beide Sätze sind identisch; denn ich setze mir etwas als Zweck vor, heißt: ich setze es in irgendeiner zukünftigen Zeit als wirklich; in der Wirklichkeit aber wird die Möglichkeit notwendig mitgesetzt. Ich muß, wenn ich nicht mein eigenes Wesen verleugnen will, das erste, die Ausführung jenes Zwecks, mir vorsetzen; ich muß sonach auch das zweite, seine Ausführbarkeit, annehmen: ja, es ist eigentlich hier nicht ein erstes und ein zweites, sondern es ist absolut eins; beides sind in der Tat nicht zwei Akte, sondern ein und ebenderselbe unteilbare Akt des Gemüts.«

Daß der Mensch, der die Würde seiner Vernunft behauptet, auf den Glauben an diese Ordnung einer moralischen Welt, dieses Übersinnliche, über alles Vergängliche unendlich erhabene Göttliche, sich stützte, jede seiner Pflichten betrachte als eine Verfügung jener Ordnung, jede Folge derselben für gut, d. i. für seligmachend halte und freudig sich ihr unterwerfe, ist absolut notwendig und das Wesentliche der Religion. Daß er die verschiedenen Beziehungen jener Ordnung auf sich und sein Handeln, wenn er mit anderen davon zu reden hat, in dem Begriffe eines existierenden Wesens zusammenfasse und fixiere, das er vielleicht Gott nennt, ist die Folge der Endlichkeit seines Verstandes; aber unschädlich, wenn er jenen Begriff nur zu weiter nichts benutzt als eben zu diesem Zusammenfassen der unmittelbar in seinem Innern sich offenbarenden Verhältnisse einer übersinnlichen Welt zu ihm. Er tut dann nichts anderes, als was wir alle tun, indem wir gewisse Bestimmungen unseres Gefühls in dem Begriffe einer außer uns vorhandenen Kälte oder Wärme zusammenfassen; ohnerachtet wohl kein Vernünftiger behaupten wird, daß für ihn eine solche Wärme und Kälte unabhängig von diesen Beziehungen auf sein Gefühl vorhanden sei. Die Beziehung jener Gedankendinge auf unser s innliches – die Beziehung einer übernatürlichen Weltordnung auf unser sittliches Gefühl ist das erste, schlechthin Unmittelbare; der Begriff entsteht später und ist durch das erste vermittelt. Es ist im ersten Falle Schwäche des Kopfes, es ist im zweiten Falle Schwäche des Herzens, das Verhältnis zu ändern und das Gefühl vom Begriffe abhängig machen zu wollen. Wer nicht eher glauben wollte, daß er friere oder erwärme, bis man ihm ein Stück reine substantielle Kälte oder Wärme zum Zerlegen in die Hände geben könnte, über diesen würde ohne Zweifel jeder Vernünftige lächeln; wer aber einen auch nur im mindesten ohne Beziehung auf unsere moralische Natur entworfenen und von ihr im kleinsten Stücke unabhängigen Begriff vom Wesen Gottes verlangt, der hat Gott nie erkannt und ist entfremdet von dem Leben, das aus ihm ist. Ich werde diese letztere Behauptung tiefer unten, sonnenklar, wie ich hoffe, erweisen.

Moralität und Religion sind absolut eins; beides ein Ergreifen des Übersinnlichen, das erste durch Tun, das zweite durch Glauben. Hat es irgendwo der Menschheit geschadet, eine durch die Philosophie gemachte Distinktion der Ansicht für eine wirkliche Unterscheidung der Sachen zu halten, so war es hier. Religion ohne Moralität ist Aberglaube, die den Unglückseligen mit einer falschen Hoffnung betrügt und ihn zu aller Besserung unfähig macht. Vorgebliche Moralität ohne Religion mag wohl ein äußerer ehrbarer Lebenswandel sein, da man das, was recht ist, tut und das Böse meidet aus Furcht vor den Folgen in der Sinnenwelt, nimmermehr aber das Gute liebt und es um sein selbst willen vollzieht. Aber sobald man sich zum Wollen der Pflicht, schlechthin weil sie Pflicht ist, erhebt, zu einem Wollen, das keine sinnliche Triebfeder hat, sondern nur die übersinnliche des Gedankens, und dem es schlechthin nicht um das Objekt der Tat, sondern um das Übersinnliche der Gesinnung zu tun ist – also durch seine Denkart sich selbst in eine andere Welt versetzt, dringt sich uns sogleich unwiderstehlich der Geist und die Gewißheit dieser anderen Welt auf; die Befreiung des Willens, welche wir uns selbst verschaffen, wird uns Mittel und Unterpfand einer Befreiung unseres ganzen Seins, welche wir uns selbst nicht verschaffen können. – Diejenigen, welche sagen: die Pflicht muß schlechthin, ohne Rücksicht auf irgendeinen Zweck geschehen, drücken sich nicht genau aus. Abgerechnet, daß sie in ihren Philosophien nimmermehr werden erklären können, woher denn dem bloß formalen Sittengebote ein materieller Inhalt entstehe – welches, als eine Schwierigkeit des Systems, nur für innige Kenner der Philosophie angemerkt wird –; dies abgerechnet, verkennen sie gänzlich die Denkart des endlichen Wesens. Es ist schlechthin unmöglich, daß der Mensch ohne Aussicht auf einen Zweck handle. Indem er sich zum Handeln bestimmt, entsteht ihm der Begriff eines Zukünftigen, das aus seinem Handeln folgen werde, und dies eben ist der Zweckbegriff.

Jener durch die pflichtmäßige Gesinnung zu erreichende Zweck ist nur kein Genuß – das wollen sie sagen, und darin haben sie recht; er ist die Behauptung der der Vernunft gebührenden Würde. Welche sagen: selbst wenn jemand an Gott und Unsterblichkeit verzweifelte, müßte er dennoch seine Pflicht tun, setzen absolut unvereinbare Dinge zusammen. Erzeuge nur in dir die pflichtmäßige Gesinnung, und du wirst Gott erkennen und, während du uns anderen noch in der Sinnenwelt erscheinst, für dich selbst schon hienieden im ewigen Leben dich befinden. Darin aber haben sie abermals recht, daß die pflichtmäßige Gesinnung sich nicht auf den Glauben an Gott und Unsterblichkeit, sondern daß umgekehrt der Glaube an Gott und Unsterblichkeit auf die pflichtmäßige Gesinnung sich gründet. Man kann jedem, welcher nur der wahren Spekulation und einer anhaltenden Aufmerksamkeit fähig ist, leicht und klärlich dartun, daß unsere gesamte Erfahrung nichts ist als das Produkt unsers Vorstellens. Konsequente Idealisten haben dies von jeher angenommen, und bis diesen Augenblick gründet der sich selbst verstehende und durchgeführte Skeptizismus sich auf die sehr wahre Behauptung, daß es nichts Bindendes für das freie Vorstellen gebe. Was ist es denn nun, das, zufolge des gemeinen Bewußtseins, uns dennoch bindet; das da macht, daß wir unsere eigenen Produkte für von uns unabhängige Dinge halten, unsere eigenen Geschöpfe fürchten, bewundern, begehren und unser Schicksal von einem Schein abhängig glauben, den ein einziger Hauch des freien Wesens zerstören sollte? Das Übersinnliche, dessen Widerschein in uns unsere Sinnenwelt ist – dieses ist es, welches uns hält und zwingt, auch seinem Widerscheine Realität beizumessen: dies ist das wahre »An sich«, das aller Erscheinung zum Grunde liegt; und nicht auf die Erscheinung, sondern nur auf ihren übersinnlichen Grund geht unser Glaube. Meine sittliche Bestimmung, und was mit dem Bewußtsein derselben verknüpft ist, ist das einzige unmittelbar Gewisse, das mir gegeben wird, so wie ich mir selbst gegeben werde, das einzige, welches mir selbst für mich Realität gibt. Auch wenn ich mir jener hohen Bestimmung nicht deutlich bewußt würde und noch weniger sie zu erreichen arbeitete, so dauert denn doch die Anforderung, sie anzuerkennen, fort, und diese Anforderung allein ist es, die mir noch Leben und Dasein gibt. Der gleichfalls unmittelbare Ausspruch meines Gewissens, Was meine Pflicht sei, auch wenn ich nicht auf ihn höre, bestimmt mir mein Verhältnis in der Reihe anderer sittlicher Wesen; und dieses Verhältnis allein ist es, welches meinem sinnlichen Auge nach nachzuweisenden Gesetzen sich in eine Körperwelt verwandelt. Es gibt keine Gewißheit als die moralische; und alles, was gewiß ist, ist es nur insofern, inwiefern es unser moralisches Verhältnis andeutet. – Ich sage hierüber in dem verrufenen Aufsatze: »Die ursprünglichen Schranken meines Wesens sind ihrer Entstehung nach allerdings unbegreiflich; aber was verschlägt dir auch dies? – sagt die praktische Philosophie; die Bedeutung derselben ist das Klarste und Gewisseste, was es gibt, sie sind deine bestimmte Stelle in der moralischen Ordnung der Dinge. Was du zufolge ihrer wahrnimmst, hat Realität, die einzige, die dich angeht und die es für dich gibt; es ist die fortwährende Deutung des Pflichtgebots, der lebendige Ausdruck dessen, was du sollst, da du ja sollst. Unsere Welt ist das versinnlichte Materiale unsrer Pflicht; dies ist das eigentliche Reelle in den Dingen, der wahre Grund aller Erscheinung. Der Zwang, mit welchem der Glaube an die Realität derselben sich uns aufdringt, ist ein moralischer Zwang; der einzige, welcher für das freie Wesen möglich ist. Niemand kann ohne Vernichtung seine moralische Bestimmung so weit aufgeben, daß sie ihn nicht wenigstens noch in diesen Schranken für die künftige höhere Veredlung aufbewahre.«

Weit entfernt sonach, daß das Übersinnliche ungewiß sein sollte, ist es das einige Gewisse, und alles andere ist nur um seinetwillen gewiß; weit entfernt, daß die Gewißheit des Übersinnlichen aus der des Sinnlichen folgen sollte, folgt vielmehr umgekehrt die theoretische Notwendigkeit, das letztere für existierend zu halten, und die moralische Verbindlichkeit, dasselbe als Mittel zu ehren, aus dem ersteren. Die übersinnliche Welt ist unser Geburtsort und unser einziger fester Standpunkt; die sinnliche ist nur der Widerschein der ersteren. Du glaubst nicht an Gott, weil du an die Welt glaubst, du erblickst vielmehr eine Welt, lediglich darum, weil du an Gott zu glauben bestimmt bist.

Nach allem ist meiner Lehre zufolge der Charakter des wahren Religiösen der: es ist nur ein Wunsch, der seine Brust hebt und sein Leben begeistert, die Seligkeit aller vernünftigen Wesen. Dein Reich komme, ist sein Gebet.Vgl. Matth. VI, 10. Außer diesem einen hat nicht das geringste für ihn Reiz; er ist der Möglichkeit, noch etwas anderes zu begehren, abgestorben. Er kennt nur ein Mittel, jenen Zweck zu befördern, das, der Stimme seines Gewissens in allen seinen Handlungen unverrückt, ohne Furcht und Klügeln zu folgen. Das verknüpft ihn wiederum mit der Welt, nicht als einem Gegenstande des Genusses, sondern als mit der, durch sein Gewissen ihm angewiesenen Sphäre seines pflichtmäßigen Wirkens; er liebt die Welt nicht, aber er ehrt sie um des Gewissens willen. Zweck wird sie ihm nie, in ihr hat er nie etwas zu beabsichtigen oder hervorzubringen, sondern nur durch sie, nach einem ihm unbegreiflichen und ihn nicht kümmernden Zusammenhange. Seine Absicht geht immer auf das Ewige, welches nie erscheint, das aber der untrüglichen Zusage in seinem Innern zufolge sicherlich erreicht wird. Darum sind ihm auch die Folgen seiner pflichtmäßigen Handlungen in der Welt der Erscheinungen völlig gleichgültig; wie sie auch scheinen mögen, an sich sind sie sicherlich gut; denn wo die Pflicht geübt wird, da geschieht der Wille Gottes, und dieser ist notwendig gut. Nicht mein Wille, sondern Seiner geschehe, nicht mein Rat, sondern der Seinige gehe vonstatten, ist der Wunsch seines Lebens; und so verbreitet sich unerschütterliche Freudigkeit über sein ganzes Dasein.

Dieser jedem Menschen anzumutende Charakter kann nun, meinen Grundsätzen zufolge, nur dadurch entwickelt werden, daß man den Menschen fürs erste nicht zur äußern Ehrbarkeit, sondern zur innern Rechtschaffenheit führe. Mit der letztem, wenn sie nur wirkliche innere Rechtschaffenheit ist, findet der wahre Glaube und die äußere Ehrbarkeit sich von selbst; ohne sie ist die äußere Ehrbarkeit eine innere Verkehrtheit und die Religion ein verderblicher und den Menschen völlig zugrunde richtender Aberglaube.

II

Diese hier im Zusammenhange dargestellte, auch in meinen anderen Schriften, z. B. in meiner SittenlehreDas System der Sittenlehre nach den Prinzipien der Wissenschaftslehre, Jena und Leipzig 1798 enthaltene, in jenem verrufenen Aufsatze zwar nicht in derselben Sprache, der ich mich hier bediene, aber doch demselben Inhalte nach klar und vollständig vorgetragene Lehre – dieselbe und keine andere ist es, welche jene Atheismus nennen, deren Verbreitung sie bei Gefängnisstrafe verbieten, um derentwillen sie mir Absetzung und Vertreibung durch den Reichsfiskal drohen.

Ehe ich weitergehe, frage ich jeden Leser, frage ich selbst meine unbarmherzigen Verfolger auf ihr Gewissen, ob sie im Ernste für gefährlich halten würden, daß alle Menschen in der Welt dem soeben aufgestellten Bilde meines Religiösen glichen; ob sie im Ernste glauben, daß sie sich werden entbrechen können, einen Menschen dieses Charakters zu verehren – ich frage sie auf ihr Gewissen, ob sie nicht selbst dieser Mensch sein möchten, wenn sie es durch ein plötzliches Wunder werden könnten? Ich frage jeden, der nur einigemal in das Neue Testament geblickt hat, ob er da nichts von einer gänzlichen Wiedergeburt als der ausschließenden Bedingung unseres HeilsVgl. Joh. 111,5. gefunden; nichts von einer Ertötung des FleischesVgl. Röm. VIII,13. und einem Absterben der Welt,Vgl. 2. Kor. V,17. nichts von einem Leben im Himmel, ohnerachtet man sich noch in diesem Leibe befinde,Phil. 111,20. ich frage ihn, ob diese Worte wohl einen Sinn haben und welches dieser Sinn sein möge?

Jedoch, so ist nun einmal die Sache, sie haben festgesetzt, daß diese Lehre atheistisch sei. Sie mögen ihre guten Gründe dafür haben. Ich mag sehen, wie ich diese Gründe entdecke.

Oh, ich kenne die Partei, welche ein solches Verbot veranlassen konnte, und ihre Denkart zu wohl, als daß mir schwerfallen könnte, ihre Gründe zu erraten.

Diese Gründe sind in der soeben gegebenen Darstellung enthalten. Nach mir ist die Beziehung der Gottheit auf uns, als sittliche Wesen, das unmittelbar Gegebene; ein besonderes Sein dieser Gottheit wird gedacht lediglich zufolge unseres endlichen Vorstellens, und in diesem Sein liegt schlechthin nichts anderes als jene unmittelbar gegebenen Beziehungen; nur daß sie darin in die Einheit des Begriffs zusammengefaßt sind. Nach meinen Gegnern sollen jene Beziehungen der Gottheit auf uns erst gefolgert und abgeleitet sein aus einer, unabhängig von diesen Beziehungen stattfindenden Erkenntnis des Wesens Gottes an und für sich; und in dieser Erkenntnis soll überdies noch nach einigen mehr, nach anderen weniger liegen das gar keine Beziehung auf uns hat. Ich bekenne, von Wärme und Kälte nur dadurch zu wissen, daß ich wirklich erwärme oder friere; sie kennen, ohne je in ihrem Leben eine Empfindung von dieser Art gehabt zu haben, die Wärme und Kälte als Dinge an sich und bringen erst nun, zufolge dieser Erkenntnis, Frost oder Hitze in sich hervor durch die Kraft ihrer Syllogismen. Mein Unvermögen, dergleichen Syllogismen zu machen, ist es, was sie meinen Atheismus nennen.

Um zu dieser Erkenntnis des göttlichen Wesens, welche sie selbst keineswegs für eine unmittelbare Erkenntnis ausgeben, unabhängig von den Beziehungen der Gottheit auf uns, welche sie erst davon ableiten wollen, zu gelangen, müssen sie notwendig Erkenntnisquellen haben, die mir verschlossen sind. So ist es; aus der Existenz und Beschaffenheit einer Sinnenwelt schließen sie auf das Dasein und die Eigenschaften Gottes. Eben indem man ihnen eine solche Existenz der Sinnenwelt, als unabhängig von unsrer Vorstellung, und diese Vorstellung, als unabhängig von unserer sittlichen Bestimmung, geradezu ableugnet, machen sie diesen Schluß; beweisen sie aus dieser Existenz, anstatt, wie nun not täte, sie selbst erst zu beweisen; und zur wohlverdienten Strafe ihrer Beweise im Zirkel bringen sie bei dieser Gelegenheit sehr unverständliche Lehren vor. Sie lassen entweder aus Nichts nicht nur Etwas und Viel, sondern Alles entstehen; oder sie lassen durch die bloßen Begriffe einer reinen Intelligenz einen unabhängig von derselben vorhandnen Stoff an sich geformt werden; fassen den unendlichen in einen endlichen Begriff und bewundern die Weisheit Gottes, daß er alles geradeso eingerichtet hat, wie sie selbst es auch gemacht hätten. Da ich hier nicht in die Tiefen der Spekulation hinabzusteigen, sondern lediglich auf den unaustilgbaren sittlichen Sinn in jeder menschlichen Brust mich zu stützen habe, so will ich in diesem Aufsatze über eine solche Beweisart weiter kein Wort verlieren. – Bloß folgender Wunsch an meine Gegner! Möchte es ihnen doch gefallen haben, bei dieser Gelegenheit das von mir erbetene erste verständliche Wort darüber vorzubringen, was das doch eigentlich heißen möge: Gott habe die Welt erschaffen, und wie man sich eine solche Schöpfung zu denken habe – inwiefern nur von der wirklichen Welt, von der Sinnenwelt, nicht aber etwa von der sittlichen Ordnung der reinen geistigen Intelligenzen die Rede ist. Möge es ihnen noch gefallen; möchten sie auf dieses erste verständliche Wort Preise aussetzen, doppelte, zehnfache Preise! Solange aber dieses einzige Wort nicht vorgebracht wird, habe ich das Recht, dafür zu halten, daß man seinen gesunden Verstand verlieren müsse, um wie sie an Gott zu glauben; und daß mein Atheismus lediglich darin besteht, daß ich meinen Verstand gern behalten möchte.

Jedoch verhalte sich auch dies, wie es immer wolle, und mögen darin meine Gegner recht haben oder ich, so haben sie doch darin sicherlich unrecht, daß sie deshalb das Verbot meiner Schrift auswirkten. Ist es der einige Zweck der Religion, jenen rein religiösen Charakter zu bilden, den wir oben beschrieben haben, so ist alles, was auf diese Bildung keinen Einfluß hat, für gleichgültig zu achten. Aber es hat sicherlich darauf keinen Einfluß, wie man sich die lediglich philosophische Frage über den Entstehungsgrund dieses Glaubens im menschlichen Geiste beantworte. Der gemeine Verstand bleibt bei der Tatsache stehen und überläßt das Erklären dem Philosophen. Es hat auf dieselbe sicherlich keinen Einfluß, ob man in seinem Begriffe Merkmale von Gott mit aufnehme oder nicht, von denen ausdrücklich zugestanden wird, daß sie keine Beziehung auf unsere sittliche Bestimmung haben. – Sonach hätten meine Gegner gar nicht als Wächter über die Volksreligion und als selbst Religiöse, sondern sie hätten lediglich als Philosophen, als meine philosophische Gegenpartei das Verbot meiner Schrift ausgewirkt. Überlegen sie selbst, ob es für die Güte ihrer Sache und für ihren Mut ein günstiges Vorurteil errege, daß sie lieber verbieten mögen als widerlegen.

So steht die Sache, wenn sie mir nur zugeben, daß die von mir auseinandergesetzte moralische Überzeugung von einer göttlichen Weltregierung – möglich sei und hinreichend für die Bildung einer echt religiösen Gesinnung. Geben sie mir dies nicht zu; behaupten sie vielmehr, daß der von ihnen angegebene Weg der Überzeugung nicht nur möglich, sondern auch der einzig mögliche sei und daß ich ihnen mit ihrem unhaltbaren Beweise zugleich die Gottheit selbst geraubt habe, dann steht freilich unsere Sache anders: dann leugne ich ihren Gott in der Tat, dann bin ich wirklich für sie ein erklärter Atheist. – Ich kenne das System meiner Gegner von Grund aus; ich kenne es besser, als es viele unter ihnen selbst kennen, und weiß nur zu wohl, daß das letztere unser Fall ist; und dies nötigt mich, noch ein wenig länger bei ihnen zu verweilen.

Ich sage, daß der Begriff von Gott als einer besonderen Substanz ein unmöglicher und widersprechender Begriff sei. (Substanz nämlich bedeutet notwendig ein im Raum und der Zeit sinnlich existierendes Wesen, aus Gründen, deren Anführung ich hier umgehen kann; es ist für meinen gegenwärtigen Zweck genug, daß ich meinen philosophischen Sprachgebrauch erkläre.) Ich sage, daß der Beweis des Daseins Gottes aus dem Dasein einer Sinnenwelt unmöglich und widersprechend ist. Ich leugne sonach allerdings einen substantiellen, aus der Sinnenwelt abzuleitenden Gott. Dadurch nun, daß ich dies leugne, werde ich ihnen, ohnerachtet alles anderen, was ich über einen übersinnlichen Gott und über den moralischen Glaubensgrund bejahe, zum Gottesleugner überhaupt. Was ich bejahe, ist sonach für sie nichts, absolut nichts: es gibt für sie überhaupt nichts anderes als Substantielles und Sinnliches, sonach auch nur einen substantiellen und aus der Sinnenwelt abzuleitenden Gott. Zuvörderst nun, warum gibt es für sie nichts anderes und warum ist ihnen denn das Übersinnliche nichts, für sie gar nicht, auch nicht seiner Möglichkeit nach, vorhanden? Das kann ich ihnen sagen. Die Sphäre unserer Erkenntnis wird bestimmt durch unser Herz; nur durch unser Streben umfassen wir, was je für uns dasein wird. Jene bleiben mit ihrem Verstande bei dem sinnlichen Sein stehen, weil ihr Herz durch dasselbe befriedigt wird; sie kennen nichts über dasselbe hinaus Liegendes, weil ihr Trieb nicht darüber hinausgeht. Sie sind Eudämonisten in der Sittenlehre, müssen sonach wohl Dogmatiker werden in der Spekulation. Eudämonismus und Dogmatismus sind, wenn man nur konsequent ist, notwendig beieinander, ebenso wie Moralismus und Idealismus. Dieser ihr substantieller und um der Sinnenwelt willen angenommener Gott, was ist er denn nun für ein Wesen? Daß die fromme Einfalt Gott als eine ungeheuere Ausdehnung durch den unendlichen Raum oder die noch einfältigere ihn so, wie er vor dem alten Dresdner Gesangbuche abgemalt ist, als einen alten Mann, einen jungen Mann und eine Taube, sich bilde – wenn dieser Gott nur sonst ein moralisches Wesen ist und mit reinem Herzen an ihn geglaubt wird –, das kann der Weise gutmütig belächeln; aber daß man denjenigen, der die Gottheit unter dieser Form sich nicht vorstellen will, einen Atheisten nenne, seine Schriften verbiete und ihn vor den Ohren der Nation verschreie, ist um vieles ernsthafter zu nehmen. Und dieses ist ohne Zweifel hier der Fall. Der Hauptgrund dieser Bezichtigung ist ohne Zweifel der, daß ich Gott als eine besondere Substanz leugne. Ein substantieller Gott aber ist notwendig ein im Raume ausgedehnter Körper, welche Umrisse man übrigens auch seiner Gestalt gebe.

Ich gehe zum zweiten Gliede ihrer Rüge, bei welchem ich mich noch verständlicher machen kann. Wie fällt denn ein Gott, der um der Sinnenwelt willen angenommen wird, und von einem Herzen, das über dieselbe sich nicht zu erheben vermag, notwendig aus?

Ihr Endzweck ist immer Genuß, ob sie denselben nun grob begehren oder noch so fein ihn geläutert haben, Genuß in diesem Leben, und wenn sie eine Fortdauer über den irdischen Tod hinaus sich gedenken, auch dort Genuß – sie kennen nichts anderes als Genuß. Daß nun der Erfolg ihres Ringens nach diesem Genusse von etwas Unbekanntem, das sie Schicksal nennen, abhänge, können sie sich nicht verhehlen. Dieses Schicksal personifizieren sie – und dies ist ihr Gott. Ihr Gott ist der Geber alles Genusses, der Austeiler alles Glücks und Unglücks an die endlichen Wesen, dies ist sein Grundcharakter.

Auf dem angezeigten Wege des unausfüllbaren Sehnens nach Genusse sind sie zu diesem Gotte gekommen; und sie irren sich sonach und tun ihrem eigenen Glauben unrecht, wenn sie ihn für mittelbar, für eine Folge von anderen Erkenntnissen halten. Er ist ebenso unmittelbar wie der unsrige; er geht, so wie dieser, vom Herzen aus und nicht vom Verstande. Daß sie die Sinnenwelt, welche den letzten Zweck des Daseins ihrer eignen Personen in sich enthält, für an sich existierend, für etwas Wirkliches halten; und ihrem Gotte, der in derselben Glück und Unglück austeilen soll, die absolute Herrschaft über dieselbe zuschreiben, so daß er auch der Schöpfer dieser Welt sein muß, indem sie sonst nicht gänzlich von ihm abhinge, ist ganz konsequent und in ihrem Systeme notwendig. Nur irren sie sich über die Weise, wie sie zu dieser Annahme kommen. Sie wissen es in der Tat unmittelbar und haben es nicht durch Schlüsse. Was sie für Demonstrationen ausgeben, sind bloße Wiederholungen dessen, was ihr Herz unabhängig von allen Demonstrationen glaubt.

Daß ihr Gott den oben angegebenen Grundcharakter wirklich trage, daß er der Herr des Schicksals und der Geber der Glückseligkeit sei, daß es bei Schöpfung der Welt sein Plan gewesen sei, die höchstmögliche Summe des Genusses hervorzubringen; dessen haben sie gar kein Hehl; es geht durch ihr ganzes System hindurch, sie erschöpfen ihre Beredsamkeit, um es als etwas sehr Sublimes einzuschärfen, sie sind darüber so unbefangen, daß ich es im Geiste mit ansehe, mit welchem Beifalle die meisten von dieser Denkart die von mir soeben gegebene Beschreibung ihres Gottes lesen, sich freuen, daß ich die Sache so wohl darstelle und ihnen Gerechtigkeit widerfahren lasse, und wie weit entfernt sie sind, sich einfallen zu lassen, daß man dagegen etwas haben könne. Und dadurch legen sie denn ihre radikale Blindheit über geistliche Dinge, ihre gänzliche Entfremdung von dem Leben, das aus Gott ist, völlig an den Tag. Wer da Genuß will, ist ein sinnlicher, fleischlicher Mensch, der keine Religion hat und keiner Religion fähig ist; die erste wahrhaft religiöse Empfindung ertötet in uns auf immer die Begierde. Wer Glückseligkeit erwartet, ist ein mit sich selbst und seiner ganzen Anlage unbekannter Tor; es gibt keine Glückseligkeit, es ist keine Glückseligkeit möglich; die Erwartung derselben und ein Gott, den man ihr zufolge annimmt, sind Hirngespinste. Ein Gott, der der Begier dienen soll, ist ein verächtliches Wesen; er leistet einen Dienst, der selbst jedem erträglichen Menschen ekelt. Ein solcher Gott ist ein böses Wesen; denn er unterstützt und verewigt das menschliche Verderben und die Herabwürdigung der Vernunft. Ein solcher Gott ist ganz eigentlich »der Fürst der Welt«, der schon längst durch den Mund der Wahrheit, welchem sie die Worte verdrehen, gerichtet und verurteilt ist. Ihr Dienst ist Dienst dieses Fürsten. Sie sind die wahren Atheisten, sie sind gänzlich ohne Gott und haben sich einen heillosen Götzen geschaffen. Daß ich diesen ihren Götzen nicht statt des wahren Gottes will gelten lassen, dies ist, was sie Atheismus nennen, dies ist's, dem sie Verfolgung geschworen haben.

Das System, in welchem von einem übermächtigen Wesen Glückseligkeit erwartet wird, ist das System der Abgötterei und des Götzendienstes, welches so alt ist als das menschliche Verderben und mit dem Fortgange der Zeit bloß seine äußere Gestalt verändert hat. Sei dieses übermächtige Wesen ein Knochen, eine Vogelfeder oder sei es ein allmächtiger, allgegenwärtiger, allkluger Schöpfer Himmels und der Erde – wenn von ihm Glückseligkeit erwartet wird, so ist es ein Götze. Der Unterschied beider Vorstellungsarten liegt bloß in der bessern Wahl der Ausdrücke; das Wesen des Irrtums ist in beiden dasselbe, und bei beiden bleibt das Herz gleich verkehrt.

Hier sonach ist der wahre Sitz meines Streites mit ihnen. Was sie Gott nennen, ist mir ein Götze. Mir ist Gott ein von aller Sinnlichkeit und allem sinnlichen Zusatze gänzlich befreites Wesen, welchem ich daher nicht einmal den mir allein möglichen sinnlichen Begriff der Existenz zuschreiben kann. Mir ist Gott bloß und lediglich Regent der übersinnlichen Welt. Ihren Gott leugne ich und warne vor ihm als vor einer Ausgeburt des menschlichen Verderbens und werde dadurch keineswegs zum Gottesleugner, sondern zum Verteidiger der Religion. Meinen Gott kennen sie nicht und vermögen sich nicht zu dessen Begriffe zu erheben. Er ist für sie gar nicht da, sie können ihn sonach auch nicht leugnen und sind in dieser Rücksicht nicht Atheisten. Aber sie sind ohne Gott und sind in dieser Rücksicht Atheisten. – Aber es ist fern von meinem Herzen, sie auf eine gehässige Weise mit dieser Benennung zu bezeichnen. Meine Religion lehrt mich vielmehr, sie zu bedauern, daß sie das Höchste und Edelste gegen das Geringfügigste aufgeben. Diese Religion lehrt mich hoffen, daß sie über kurz oder lang ihren bejammernswürdigen Zustand entdecken und alle vergangenen Tage ihres Lebens für verloren betrachten werden, gegen das ganz neue und herrliche Dasein, welches ihnen dann aufgehen wird.

Jetzt, um sie mit sich selbst noch näher bekannt zu machen, prüfen wir noch ferner ihren Götzen – der heilige Name Gottes kommt ihm nun einmal nicht mit Recht zu. – Eigenwillig, wie sie selbst es sind, nach deren Bilde er geformt ist, knüpft er die von ihm zu erwartende Glückseligkeit an die Erfüllung gewisser Bedingungen, schlechthin weil er nun einmal diese Bedingungen will. Je unbegreiflicher dieser Wille, desto glaubwürdiger ist es, daß es sein Wille sei; denn dadurch wird er um so mehr ein unerforschlicher, d. i. ein eigensinniger Gott, dem seine Übermacht statt alles Rechts gilt. Erfüllung gewisser Zeremonien, Hersagen gewisser Formulare, Glauben an unverständliche Sätze wird das Mittel, bei ihm sich einzuschmeicheln und seiner Segnungen teilhaftig zu werden. Geht die Sache noch am erträglichsten, so wird die Tugend dieses Mittel; es versteht sich, die bloße äußere Ehrbarkeit: denn die wahre Moralität besteht darin, daß die Pflicht schlechthin um ihrer selbst willen geübt werde, und wo Genuß als Belohnung beabsichtigt wird, da ist die Sittlichkeit schon aufgegeben und unwiederbringlich vertilgt. In dieser Funktion hat jener Gott wenigstens das Verdienst, mangelhaften Polizeianstalten nachzuhelfen.

In diesem Systeme wird Gott ohne Unterlaß gelobt und gepriesen, wie kein rechtlicher Mensch sich selbst möchte preisen lassen. Da ist nur immer die Rede von seiner Güte und wieder von seiner Güte, und sie können nicht müde werden, dieser Güte zu gedenken, ohne auch nur einmal seiner Gerechtigkeit zu erwähnen. Da ist ihm alles einerlei; er läßt sich alles gefallen und muß sich alles gefallen lassen; und was die Menschen auch tun mögen, er ist mit seinem Segen immer hinterdrein. Und, was noch das Heilloseste dabei ist, sie glauben es selbst nicht, indem sie es sagen, sondern meinen nur, daß das ihr Gott gern höre, und wollen ihm nach dem Munde reden.

Da hört man erbauliche Gedanken, wie folgende: wie gütig ist doch Gott; er hat uns nicht nur Nahrung gegeben, um unser Leben zu erhalten, sondern derselben noch einen besonderen Wohlgeschmack mitgeteilt. Nun so schmecke doch recht hin, andächtige Seele, wie süß diese Traube, wie würzhaft dieser Apfel sei, damit du die Güte Gottes recht schätzenlernst. Armer, vielleicht wohlmeinender, aber blinder Schwätzer: alle auch durch deine sinnliche Existenz verbreiteten Annehmlichkeiten sind nicht dazu da, daß du über denselben andächtig brütest, sondern daß deine Kraft gestärkt, belebt, erhöht werde, das Werk des Herrn auf der Erde freudig zu tun. So lehre sie die Sache ansehen, und dann werden sie auch über dergleichen Dinge Gott preisen, wie er gepriesen sein will. Dieses System ist's, in dessen Munde die erhabenste und heiligste Lehre, die je unter Menschen kam, die des Christentums, allen ihren Geist und Kraft verloren und sich in eine entnervende Glückseligkeitslehre verwandelt hat. – Ich will sie nicht beschuldigen, daß sie diese Lehre mutwillig verdrehen: aber so wie dieselbe nur in ihre Sphäre gelangt, verliert sie ihren erhabenen Sinn. Jene sehen in ihr absolut nichts; und deuten und drehen nun so lange an ihr, bis ein Sinn herauskommt, den sie fassen können. Durch ihren Mund redet der, der die Leiden erduldete, da er Freuden hätte haben können, wie ein feiner Epikureer. »Kreuziget euer Fleisch, samt den Lüsten und Begierden«Gal. V,24. – das sind bei ihnen orientalische Bilder und Redensarten, welche nach unserer Denkart ohngefähr soviel heißen: sparet und verteilet weislich eure Genüsse, damit ihr desto mehr genießen könnt; eßt nicht zu viel, damit ihr nicht Bauchgrimmen bekommt, betrinkt euch nicht, damit ihr nicht des anderen Tags Kopfschmerzen bekommt. »Werdet wiedergeboren, werdet aus dem Geiste geboren,Joh. 111,5. werdet eine neue Kreatur«2. Kor. V,17. – heißt nach ihnen in unserer Sprache ungefähr soviel: werdet von Tage zu Tage verständiger und klüger auf eure wahren Vorteile. »Unser Wandel ist im Himmel;Phil. 111,20. ich lebe, doch nicht ich, sondern ein neuer Mensch lebt in mir«Eph. IV,24 und 2. Kor. V,17. – ist nach ihnen bloßes Bild, das in unserer Sprache gar nichts bedeutet.

Wer weiß dies alles besser, wer könnte es besser wissen als mehrere ehrwürdige Mitglieder der kursächsischen höheren Regierungskollegien? Sie, die in einer gewissen GemeineHerrnhuter Brüdergemeinde. , deren Sprache ich zwar nicht gebrauchen würde, welche aber allerdings das hohe Verdienst hat, das Übersinnliche und Ewige nicht zu verkennen – die in dieser Gemeine oder vielleicht auf anderen Wegen vor jener entnervenden Lehre verwahrt, die Anpreisung der Religion Jesu als einer Glückseligkeitslehre von kursächsischen Kanzeln und in Kinderlehren gewiß oft und gewiß nicht ohne innigen Widerwillen gehört haben. Wer könnte es besser wissen als sie; von deren einzelnen mir bekannt ist, daß sie sogar die wahre Quelle dieses Übels sehr wohl kennen – die eudämonistische, oberflächliche, schöngeisterische, süßschwatzende Philosophie, welche bei ihren Studierenden soviel Beifall gefunden; und daß sie gewünscht haben, diese seichte Philosophie durch das Studium einer allerdings gründlichern und kräftigern, der Crusiusischen, zu verdrängen. Möchten doch diese die neuere Philosophie kennen; möchten sie, nicht zufrieden mit einseitigen Berichten andrer, sie mit eignen Augen kennenlernen wollen! Allerdings ließ sich das Studium derselben damals, als sie in ihren Hauptquellen noch äußerst unverständlich war und Ausleger erhielt, welche selbst von ihr nichts verstanden, anderwärts beschäftigten Männern nicht füglich anmuten. Diese Zeit ist vorbei; gegenwärtig läßt sich diese Philosophie Wohldenkenden und Unbefangenen auf die leichteste Weise beibringen. – Möchten jene Männer wenigstens die gegenwärtige Schrift eines aufmerksamen Lesens würdigen; und sie würden schon aus ihr die eigentliche Tendenz dieses Systems ersehen können. Daß ich es mit wenigen Worten sage: in Absicht der Religionslehre ist ihr einiger Zweck der dem Menschen alle Stützen seiner Trägheit und alle Beschönigungsgründe seines Verderbens zu entreißen, alle Quellen seines falschen Trostes zu verstopfen; und weder seinem Verstande noch seinem Herzen irgendeinen Standpunkt übrigzulassen als den der reinen Pflicht und des Glaubens an die übersinnliche Welt. Daher auch in ihrem theoretischen Teile die Behauptung der absoluten Idealität alles sinnlichen Seins gegen den Dogmatiker, dessen Kopf dem letztern für sich bestehende Realität beimißt, weil sein Herz sich mit demselben begnügt. – Unsere Philosophie leugnet nicht alle Realität; sie leugnet nur die Realität des Zeitlichen und Vergänglichen, um die des Ewigen und Unvergänglichen in seine ganze Würde einzusetzen. Es ist sonderbar, diese Philosophie der Ableugnung der Gottheit zu bezichtigen, da sie vielmehr die Existenz der Welt, in dem Sinne, wie sie vom Dogmatismus behauptet wird, ableugnet. Welch ein Gott wäre dies, der mit der Welt zugleich verlorenginge! Unsere Philosophie leugnet die Existenz eines sinnlichen Gottes und eines Dieners der Begier; aber der übersinnliche Gott ist ihr Alles in Allem; er ist ihr derjenige, welcher allein ist; und wir anderen vernünftigen Geister alle leben und weben nur in Ihm. – Das Christentum ist kein philosophisches System; es wendet sich nicht an die Spekulation, sondern an den moralischen Sinn des Menschen; es kann daher nicht so sprechen und nicht so artikuliert sein wie ein philosophisches Lehrgebäude. Aber wenn nicht neun Zehnteile desselben aufgegeben werden sollen als absolut ohne Sinn und in der Erklärung des noch übrigbleibenden Zehnteils die oben angeführten Auslegungen die einzig richtigen sein sollen, so hat es denselben Zweck als unsere Philosophie. Diesen Zweck des Christentums nun kennen jene würdigen Männer sehr wohl; möchten sie nur auch den der neueren Philosophie kennenlernen wollen! Sie würden sich dann nicht mehr durch andere, welche weder Christentum noch Philosophie kennen, verleiten lassen, Aufsätze im Geiste dieser Philosophie als atheistisch zu verbieten; und der Name eines verehrungswürdigen FürstenFriedrich August III., Kurfürst von Sachsen. , welcher wohl wahrhaft religiös sein muß, da er so gut und gerecht ist, würde nicht an der Spitze von Reskripten stehen, in denen Verteidigungen der wahren Religion Angriffe auf dieselbe genannt werden. Selbst vor denjenigen Staatsmännern, die um Religion sich nun eben nicht kümmern, denen aber gründliches Studium und der Fortgang der Wissenschaften am Herzen liegt, kann ich meine Sache mit dem höchsten Vorteile führen. Alle Kraft des Menschen wird erworben durch Kampf mit sich selbst und Überwindung seiner selbst; und die Geisteskraft insbesondere durch Kampf mit den uns angebornen und in unserer sinnlichen Natur begründeten Vorurteilen und durch Überwindung des blinden Hanges der Ideenassoziation. Wer nur treibt, wozu er eben Lust hat, nie mit eigentlicher Selbsttätigkeit, d. i. einem Hange zuwider, produziert, sondern sich nur durch den Strom seiner Einfälle forttreiben läßt, der ist und bleibt, so glücklich auch zuweilen diese Einfälle und so fließend ihr Strom sein mag, ein seichter Kopf, unwürdig des Namens eines Gelehrten. Nur derjenige, der mit Willkür und Vorsatz seine Aufgabe, von welcher Art sie auch sei, übernimmt, mit Abhaltung aller fremden Gedanken systematisch seinen Weg verfolgt, nicht ruht, bis er Grund gefunden oder wenigstens weiß, wie weit der Grund geht und wo keiner weiter zu suchen ist, der nicht glaubt, etwas getan zu haben, solange noch etwas zu tun übrig ist – nur derjenige ist ein gründlicher Gelehrter. Dieses Vermögen erhält man nur dadurch, daß man mit Mühe und Anstrengung Grundsätze verstehen und wahr finden lernt, die sich uns nicht von selbst darbieten, sondern der gewöhnlichen ersten Ansicht des Menschen zuwider sind. Dieser einzig möglichen Methode der Geistesbildung ist nichts entgegengesetzter, es gibt nichts, das den Jüngling so von Grund aus verseichte und um allen Geist bringe als jenes eudämonistische System. Hier bleibt der Mensch so ganz in seinem Gleise, in welches ihn die Natur stellte, und hat keine Mühe, ein neues einzuschlagen; denn jenes System ist uns allen angeboren, und es bedarf keiner Anstrengung, um den Zweck unsers Daseins in Genuß zu setzen. Der sich nur zum Genusse bestimmt glaubende studierende Jüngling faßt mit Widerwillen auf der Oberfläche seines Gedächtnisses, wessen er doch schlechterdings bedarf, um durch die leider! verordneten Prüfungen zu kommen, und treibt übrigens in geistlosen Gedichten und Romanen die Jagd ästhetischer Floskeln, damit er einst recht rührend die Lüsternheit der Menschen erregen könne. Selbst zu denken, seine Gedanken zu ordnen, über die Ordnung derselben Rechenschaft abzulegen, ist ihm eine harte, unbillige unerhörte Zumutung. – Ich fordere jeden, der die Welt kennt und zu beobachten Gelegenheit hat, auf, mir zu sagen, ob er nicht diese eudämonistisch Gesinnten überall und in allen Fächern, in welche sie geraten, als Schwätzer und seichte Nachbeter befunden habe. –Ich maße mir nicht an zu entscheiden, sondern überlasse den Pflegern der Wissenschaft in dem Lande, von dessen Grenzen man die neuere Philosophie so sorgfältig abhält,Kursachsen. selbst zu untersuchen, inwiefern diese Schilderung auf den wissenschaftlichen Zustand dieses Landes passe.

Selbst vor denjenigen Staatsmännern, die weder um Religion noch Wissenschaft sich kümmern, sondern die lediglich die Erhaltung der bürgerlichen Ruhe und Ordnung beabsichtigen, kann ich meine Sache mit dem höchsten Vorteile führen. Wenn es wahr ist – was ich hier weder behaupten noch leugnen will –, wenn es wahr ist, daß in unserem Zeitalter ungezähmtere Lüsternheit und Willkür und Abneigung gegen das Gesetz, ein vermeßneres Klügeln über Dinge, die man nur von einem höhern Standpunkte aus beurteilen kann, ein lebhafteres Drängen vieler, ihren angewiesenen Platz in der Ordnung der Dinge zu verlassen und auf einen höheren zu treten, ein zügelloseres Streben, sich neue Quellen der Genüsse zu eröffnen, nachdem die alten versiegt sind, häufiger und unverhohlener sein Haupt emporhebt als in den vorigen Zeitaltern, so höre man doch ja auf, die neuere Philosophie darüber anzuklagen. In die Denkart des großen Haufens greift eine verderbliche Philosophie nicht eher ein, als bis sie eine Zeitlang ausschließend die Schule beherrscht, in dieser Ruhe durch ihre Bearbeiter, die keine auswärtigen Kriege zu führen hatten, popularisiert worden, in die einige Philosophie des Volks, in seine Religion und zu seinen einigen Lehrern, den Geistlichen, herabgekommen ist; bis sie das Sträuben des gesunden Menschensinnes in dem Zeitalter, dem sie zuerst vorgetragen worden, überwunden und sich schon vom Katechismusunterricht aus ihre Generation selbst gebildet hat. Ihr selbst wißt nur zu wohl, daß die neuere Philosophie, ihr inneres Wesen jetzt ganz beiseite gesetzt, in diese äußere Lage noch nicht gekommen und noch weit entfernt ist, darein zu kommen. Ihr selbst, Aufseher der Nationen, wißt höchstens, daß so etwas herumgehe, aber nicht, was es eigentlich sei; was eure Prediger etwa hier und da aus dieser Philosophie vorgebracht haben, sind Formeln, die ihnen selbst, so wie den andern allen, unverständlich sind und die weder schaden noch helfen können. Soll der Unfug von einem philosophischen Systeme abgeleitet werden, so müßt ihr weiter zurückgehn, zu demjenigen, welches vor dem neuem das herrschende war; und da findet ihr denn abermals jenen Eudämonismus. Daß nach diesem die Religion Jesu umgeschaffen, daß dieser den Unmündigen aus der Seele abgefragt und den Mündigen von der Kanzel gepredigt werde, daran habe ich euch schon erinnert. Und ihr könnt noch fragen, woher das Verderben des Zeitalters entstehe! Predigt nur dem Menschen und predigt ihm immer wieder, der einige Zweck seines Daseins, der Zweck der ganzen Schöpfung, der wahre Wille Gottes sei seine Glückseligkeit; schon durch sich selbst geneigt, wird er euch ohne Zweifel glauben; wird er, da unstreitig er selbst der beste Richter ist, was ihn für seine Person glücklich mache, dieses sein Glück auf alle Weise zu befördern streben; in der Erringung dieses höchsten Zwecks seines Daseins durch keinen nur untergeordneten Zweck sich irremachen lassen und, nach der Lehre, die ihr ihm beigebracht habt, daran nichts weiter zu tun glauben, als was der Wille Gottes ist. Nachdem ihr durch jene Formel ihn des wahren Bandes, das ihn halten sollte, der Moralität, entledigt habt, werdet ihr vergebens durch eine andere – aber dies ist nicht dein wahres Glück – ihn wieder zu binden suchen. Er lacht eurer, denn was sein Glück erfordere, müsse er selbst wohl besser wissen als ihr, denkt er und denkt daran recht. Ihr mögt das wohl nur so sagen, denkt er, weil auch ihr euer Glück zu befördern strebt und er gegenwärtig anfängt, demselben im Wege zu stehen. Ihr werdet ihn nimmermehr überreden, daß es sein Glück sei, sich abzuarbeiten, damit ihr, wie es ihm scheint und vielleicht in der Tat ist, müßiggehen könnt; daß er des Notwendigsten entbehre, damit ihr, wie es ihm scheint und vielleicht in der Tat ist, euch gütlich tun könnt; daß er gehorche, damit ihr herrschen könnt. – Hättet ihr ihm dagegen beigebracht, von Jugend auf ihm eingeprägt, zu einem Bestandteile seines Selbst gemacht jenen erhebenden Gedanken: diese Welt ist nicht meine Heimat, und nichts, was sie zu geben vermag, kann mich befriedigen; mein wahres Sein hängt nicht von der Rolle ab, die ich unter den Erscheinungen spiele, sondern von der Art, wie ich sie spiele. Da ich an diesem Platze stehe, so ist es der Wille Gottes, daß ich an ihm stehe und freudig und mutig vollbringe, was an diesem Platze sich gehört. So unscheinbar mein Geschäft sei, es geschieht um Gottes und der Pflicht willen, und dadurch erhält es Würde. Nachzusehen, ob auch andere auf ihren Plätzen tun, was dort sich gehört, ist nicht meine Sache: ich habe mit mir selbst vollauf zu tun. Tun sie es nicht, so sündigen sie auf eigene Gefahr: Gott aber wird ohne Zweifel alle Unordnungen, die daraus entstehen, zu seiner Zeit in die schönste Harmonie auflösen. – Hättet ihr ihm diesen Gedanken beigebracht; den Grundgedanken des Christentums, wie ich glaube, und meiner Philosophie – der Heldensinn und die unaussprechliche Ruhe, welche derselbe über sein Leben verbreiten müßte, würde ihn ohne allen Zweifel zum nützlichen und ruhigen Bürger gemacht haben.

Daß ich alles zusammenfasse:

Der Mittelpunkt des Streits zwischen mir und den Gegnern ist der, daß wir in zwei verschiedenen Welten stehen und von zwei verschiedenen Welten reden – sie von der Sinnenwelt, ich von der übersinnlichen; daß sie alles auf Genuß beziehen, welche Gestalt nun auch dieser Genuß haben möge, ich alles auf reine Pflicht. Durch diese absolute Entgegensetzung der Prinzipien wird nun, inwieweit wir beide konsequent sind, notwendig unser ganzes Denksystem, unsre Philosophie und unsre Religion entgegengesetzt. Was mir das allein Wahre und Absolute ist, ist für sie gar nicht vorhanden, ist für sie Schimäre und Hirngespinst: was sie für das Wahre und Absolute halten, ist nach mir bloße Erscheinung, ohne alle wahre Realität.

Zu diesen Prinzipien alles unseres Denkens sind wir nun beide nicht durch das Denken selbst gelangt, sondern durch etwas, das höher liegt als alles Denken und das ich hier füglich das Herz nennen kann. Aber was wir selbst nicht auf dem Wege des Räsonnements erlangt haben, können wir auf diesem Wege auch keinem anderen mitteilen; wir können also gegenseitig uns unsere Prinzipien nicht erweisen. Was wir uns auch demonstrieren mögen, demonstrieren wir doch immer aus jenen Prämissen, und unsere Folgerungen gelten uns gegenseitig nur, wenn wir uns die Prämissen zugeben; diese aber leugnen wir uns ja von beiden Seiten entschieden ab. Es ist also schlechthin unmöglich, daß wir uns gegenseitig widerlegen, überzeugen, belehren. Ich müßte ihre Gesinnung annehmen, um ihre Wahrheit anzuerkennen; und dieses ist, nachdem ich nun einmal da bin, wo ich bin, unmöglich. Oder sie müßten meine Gesinnung annehmen, um meine Wahrheit anzuerkennen; und dies halte ich von meiner Seite allerdings für möglich; ja ich bin im Gewissen verbunden zu glauben, daß sie dieselbe dereinst noch annehmen werden, aber nötigen kann ich sie dazu auf keine Weise.

Ich habe mich wohl zuweilen noch eines anderen Vorteils über sie gerühmt; aber derselbe verschwindet, wenn die Sache schärfer angesehen wird, beinahe in Nichts. Sie können, habe ich zuweilen geäußert,J. G. Fichte: Versuch einer neuen Darstellung der Wissenschaftslehre. (Erste) Einleitung, in: Philosophisches Journal, Bd. V (1797), Heft 1. nicht erklären, was sie zu erklären unternehmen, und bringen statt der gehofften Erklärungen leere und unverständliche Worte vor; und dieses wenigstens sollte man ihnen ja nachweisen können. Aber selbst dies kann man ihnen so schwer nachweisen, indem sie in derjenigen Höhe der Spekulation, in welcher die Unverständlichkeit ihrer Behauptungen erhellt, größtenteils selbst nichts mehr verstehen.

Was ist nun bei dieser Lage der Sachen zu tun?

Zuvörderst, was könnte etwa zunächst den Gegnern einfallen, zu tun?

Wollen erhitzte feindliche Gemüter – ach, daß das edle Ringen um Wahrheit in persönliche Gehässigkeit ausarten kann! –, wollen diese auch über diese Schrift herfallen, wie sie es bisher mit so vielen meiner Schriften getan haben, Stellen aus ihrem Zusammenhange gerissen oder wirklich verfälscht anführen, um dem Verfasser einen Sinn anzudichten, den sein Herz verabscheut, und ihn leidenschaftlich zu schmähen und zu verunglimpfen: so sei ihnen dies vergönnt! Ich hatte gehofft, man werde in meinen bisherigen Antworten auf dergleichen Begegnungen den guten Mut und die fröhliche Laune nicht verkennen noch sie selbst für leidenschaftliche Hitze nehmen; man hat sie verkannt und sich daran geärgert, und so gebe ich denn dem Publikum bei dieser Gelegenheit auf immer das Wort, auf keine leidenschaftliche Äußerung gegen mich weiter Rücksicht zu nehmen. Wollen andere ganz unleidenschaftlich auch jetzt mir abermals erzählen, was wir schon so oft gehört haben, daß es nun einmal nicht im Menschen liege, auf allen Genuß Verzicht zu leisten, so erinnere ich dieselben bloß, daß darin eben der Sitz unseres Streits ist, daß sie mir da eben das Prinzip anführen, um meinen Aufsatz zu widerlegen, welches ich im ganzen Aufsatze durchaus abgeleugnet habe; und daß sie wohl wissen werden, wie dieser Fehler im Beweisen in der Logik genannt wird. Das können sie gegen andere vorbringen, die es ihnen glauben, nur nicht gegen mich.

Will eine dritte Partei – und ich fürchte, daß diese sehr zahlreich sein werde – sagen: der Fehler liege nur darin, daß man jene Stützen zu plötzlich wegreißen wolle; man solle doch gemach gehen, durch jene Lockungen und Schreckmittel des Aberglaubens die Menschen nur erst zur Legalität bringen, um sie von da aus zur Moralität zu erheben, so erinnere ich dieselben, daß sie da nur die gewöhnliche Ausrede der Schwäche und der Halbheit vorbringen, welche die Wahrheit einsieht, ohne den Mut zu haben, sie anzuerkennen und zu befolgen; und daß sie sich in einem sehr gefährlichen Irrtume befinden. Es gibt von der Sinnlichkeit zur Sittlichkeit keinen stetigen Übergang, der etwa durch die äußerliche Ehrbarkeit hindurchgehe; die Umänderung muß durch einen Sprung geschehen, und nicht bloße Ausbesserung, sondern gänzliche Umschaffung, sie muß Wiedergeburt sein. Da wir sonach, wie die Sache gegenwärtig steht, weder an- noch auseinander kommen können, so erlauben sie mir einen Vorschlag zur Güte: Daß ich bei ihnen unrecht habe, das versteht sich, und hierüber eben will ich vorderhand nicht weiter mit ihnen rechten. Aber es wird denn doch wohl auch bei ihnen einen Unterschied in meiner Schuld machen, ob meine Behauptungen nur so frech und kühn und gleichsam ihnen zum Trotze hingeworfen worden; oder ob sich Gründe dafür und einiges Scheinbare zu ihrem Vorteile anführen läßt. Sie werden denn doch hoffentlich, nachdem sie diese Schrift bis zu Ende gelesen, das letztere nicht ganz ableugnen wollen. – Ferner müssen sie mir doch wohl zugestehen, daß diese Lehre in ihren Folgen nicht gefährlich ist. Wenn sie recht haben und ich unrecht, so ist die schlimmste Folge die, daß die Anhänger und praktischen Befolger dieser Lehre gutmütige Schwärmer werden, die sich selbst um den Genuß des Lebens bringen: aber was schadet dies Ihnen? Wenn sie in ihrer Denkart konsequent sind, so müssen sie sich vielmehr freuen und von ihrer Seite alles mögliche beizutragen suchen, um auf diese Weise recht vieler Mitringer und Mitbewerber um ihre Glückseligkeit entledigt zu werden. Schon diese ihre Inkonsequenz, diese ihre Begierde, andere ebenso klug und so glückselig zu machen, als sie selbst es sind, ohne daß ihnen daraus der geringste Vorteil erwächst, könnte sie bedenklich machen, ob denn nicht doch sogar ihrem eignen Verfahren ein erhabneres Prinzip zugrunde liege, als sie zugestehen wollen. – Endlich regt sich doch – ich weiß das sicher und kann es wissen – selbst in ihrem eigenen Innern in geheim der Zweifel, ob ich nicht doch recht haben dürfte; und sie mögen – ich weiß das sicher – nicht ihr ganzes Glück in Zeit und Ewigkeit daransetzen, daß ich gewiß unrecht habe: eigentlich, wenn sie sich recht prüfen, werden sie finden, daß sie nur eine gelegnere Zeit abwarten wollen, um die Sache zu überlegen. Nun so erwarten sie diese gelegnere Zeit! – Wenn ich ganz allein so etwas behauptete, als ich behaupte, so dürfte ihnen allenfalls noch eher geglaubt werden, daß ich ein Schwärmer und meiner Vernunft nicht mächtig sei; aber stehe ich denn auch so ganz allein? Welchen durch keinen Parteinamen bezeichneten ganz unverdächtigen Theologen nenne ich doch als meinen Gewährsmann? Möchtest du, ehrwürdiger Vater Spalding, dessen Bestimmung des Menschen es war,J. J. Spalding: Die Bestimmung des Menschen, Wien 1769. die den ersten Keim der höheren Spekulation in meine jugendliche Seele warf, und dessen Schriften alle, so wie die genannte, das Streben nach dem Übersinnlichen und Unvergänglichen so trefflich charakterisieren – möchtest du in meiner Sache stimmen können und wollen! Und der Herr Oberhofprediger Reinhard, der im kursächsischen Kirchenrate unter den Richtern über meinen Atheismus und über meine Angriffe auf die Religion gesessen haben muß – ich habe keine seiner neuesten Schriften bei der Hand, aber ich finde in einer gelehrten Zeitung eine Anzeige seiner neusten Predigtsammlungen –, was kann er in Predigten »über den frohen menschenfreundlichen Glauben, daß es immer besser auf Erden werden müsse – daß man ohne einen gewissen Grad edler Begeisterung kein wahrer Christ sein könne – von dem Gefühle der Unvergänglichkeit mit welchem Christen die Hinfälligkeit alles Irdischen betrachten sollen – was kann der geistvolle und gründliche Mann in dergleichen PredigtenF. V. Reinhard: Predigten im Jahre 1797, Sulzbach 1798. Reinhard war Mitglied des Dresdener Oberkonsistoriums und Mitunterzeichner der Anklage vom 29. Oktober 1797 gegen das Philosophische Journal. anderes sagen, als was auch ich in jenem verbotenen Aufsatze und in diesem gesagt habe, und was jeder sagen muß, dem wahre innere Religion am Herzen liegt? Und unter den Philosophen du, edler Jacobi, dessen Hand ich zutrauungsvoller fasse; so verschieden wir auch über die bloße Theorie denken mögen, das, worauf es hier ankommt, hast du schon längst, geradeso, wie ich es denke, gesagt, mit einer Kraft und Wärme gesagt, mit welcher ich es nie sagen kann, [Besonders: Brief über die Lehre des Spinoza S. 234ff., 2. Ausgabe, in seiner Verteidigung gegen Mendelssohn; und so in allen seinen Schriften.F. H. Jacobi: Über die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn, Breslau 1785; Neue, vermehrte Ausgabe, Breslau 1789; Ders.: Wider Mendelssohns Beschuldigung betreffend die Briefe über die Lehre des Spinoza, Leipzig 1786. ] hast es zur Seele deines Philosophierens gemacht: »durch ein göttliches Leben wird man Gottes inne«.

Also, da dieses alles sich so verhält, mein Vorschlag Zur Güte! – Haben wir beide lieber von nun an unmittelbar gar nichts mehr miteinander zu tun. Wenden sie sich lieber an diejenigen, bei denen sie noch hoffen können, Eingang für ihre Lehre zu finden; und ich will dasselbe von meiner Seite tun. Jede Partei tue für sich alles, was sie vermag, um Einstimmigkeit mit sich außer sich hervorzubringen. Nur tue darin keine der anderen Eintrag; nur sei unser Wetteifer redlich, und keiner bediene sich unerlaubter Waffen. So wie ich ihre Schriften sicher nicht verbieten und konfiszieren, die Besuchung der Universitäten, auf denen sie ihren Sitz haben, und ihrer Vorlesungen gewiß nicht untersagen und verschreien würde, auch wenn ich's vermöchte; so tun auch sie von ihrer Seite nicht. Erwarten sie, daß zwischen uns die Zeit richte. Nur eine kurze Frist erbitte ich mir. Wenn nicht nach einem Jahrzehnt die größere Menge der guten Köpfe und Herzen auf meiner Seite sein werden, wenn dann nicht selbst viele, die jetzt gegen mich eifern, ganz meiner Meinung, und die anderen wenigstens gemäßigter sein werden – dann will ich kein Wort weiter sagen; sie mögen dann gegen mich verfahren, wie sie können.

Den kursächsischen Kirchenrat, oder welches Kollegium es war, das den Konfiskationsbefehl und die Beschuldigung des Atheismus aussprach, rechne ich, nicht nur wegen der Ungleichheit des Verhältnisses, sondern überhaupt nicht unter meine Gegner. Geschäftsmänner haben weder Zeit noch Beruf, dergleichen Gegenstände zu ergründen; sie müssen sich darüber an die Berichte ihrer Gelehrten halten: Aber werden denn nun diese Geschäftsmänner auch meinen Bericht vernehmen und beherzigen? Werden sie einsehen, was das zu bedeuten habe, öffentlich, vor den Ohren der deutschen Nation, als Atheisten und Feind aller Religion einen Mann anzukündigen, von welchem – denn jetzt will ich als das Äußerste ihnen die Denkart meiner Gegner zuschreiben und annehmen, daß sie mir nichts weiter zugestehen müssen, als diese zugestehen – von welchem es denn doch nicht unmöglich ist, daß er recht habe und daß seine Schrift vielmehr eine Verteidigung der Religion als ein Angriff auf dieselbe sei? Werden sie den Mut haben, sich zu gestehen, welches die allermindeste Genugtuung sei, die sie meinem, soviel an ihnen war, verunglimpften guten Namen, meinem, soviel an ihnen war, angegriffenen Wirkungskreise schuldig sind; und den daraus folgenden Mut, diese Genugtuung zu geben? Alles dies sei lediglich ihnen selbst überlassen und kann um desto mehr ihnen überlassen werden, nachdem gar nicht mehr mein Interesse, sondern lediglich das ihrige – wenn sie ein solches Interesse haben – in diese Angelegenheit verwickelt ist. Mir konnte ihre Beschuldigung nur durch die Wirkung derselben auf das deutsche Publikum bedeutend werden. Ich habe jetzt die Sache unmittelbar an dieses Publikum gebracht, und eine große Stimmenmehrheit wird, wie ich hoffe, schon jetzt oder, wie ich nicht hoffe, sondern gewiß weiß, nach Verlauf einiger Jahre für mich entscheiden. Es kann nunmehr nur noch ihnen nachteilig sein – denn daß sie sagen sollten: ei, wer kann uns etwas schaden, wir sitzen viel zu hoch, was machen wir uns daraus?, erwarte ich nicht – es kann, sage ich, nun nur noch ihnen nachteilig sein, jene harte Beschuldigung ausgesprochen und sie nicht zurückgenommen zu haben; so wie es nur noch ihnen Ehre, Zutrauen der Nation in ihre Urteile und Einfluß auf die gesamte Literatur des deutschen Vaterlandes bringen kann, wenn sie freimütig erklären: wir sind infallibil in bürgerlicher Gesetzgebung und Richterspruch und verlangen da unbedingte Unterwerfung; aber in unseren Urteilen über literarische Angelegenheiten können wir uns irren, denn wir sind Menschen; hier haben wir uns geirrt und nehmen frei und offen unseren Irrtum zurück. – Ich traue ihnen diese Großmut zu; und die Erfahrung mag lehren, ob ich ihnen zuviel zutraute.

Ich gebe ihnen durch diese Schrift eine Veranlassung, dies auf eine schickliche Weise zu tun. Ihre Leipziger Bücherkommission hat nebst dem ersten durch das kurfürstl. Reskript konfiszierte Heft auch noch das zweite, aus eigner Machtvollkommenheit, konfisziert. [Nunmehr zwar scheinen sie dies bemänteln zu wollen. In einem, namens dieser Kommission ausgestellten, von dem Bücherinspektor Herrn Mechau unterschriebenen Attestate, das sich in meinen Händen befindet, wird gesagt, daß man den ersten und zweiten Aufsatz (die doch nur noch mit einem dritten zusammengeheftet und nirgend einzeln vorhanden waren) des ersten Heftes in den Buchhandlungen aufgesucht. – Nach demselben Attestate steht in dem Reskripte der Ausdruck: daß jene beiden Aufsätze die gröbsten atheistischen Äußerungen enthalten.Dies war ein Irrtum Fichtes, der auf Fehlmeldungen beruhte. ] Ich klage sie dessen hierdurch öffentlich an. Befehle der kursächsische Kirchenrat, daß dieses zweite Heft zurückgegeben werde; gebe er bei dieser Gelegenheit auch den Verkauf des ersteren frei, auf die Bedingung daß mein gegenwärtiger Aufsatz mit ihm zugleich verkauft werde, indem dieser letztere zur Erklärung mehrerer bedenklichen und leicht mißzuverstehenden Auslegungen in den beiden ersten Aufsätzen des ersteren diene; oder welchen Mittelweg sonst ihnen ihre Weisheit eingibt; behandle man diesen Befehl nicht, wie gewöhnlich geschieht, als ein Geheimnis, sondern lasse ihn öffentlich bekannt werden; und ich werde diese Großmut dankbar verehren.

Ich wende mich an die unbefangenen Leser, welche in dieser Angelegenheit weder gehandelt noch für oder wider die Meinungen, welche hier streitig geworden sind, schon Partei genommen haben. Es war die Absicht meiner Schrift, diese Unbefangenen zu einem Publikum für diese Angelegenheit zu erheben und sie zu meinem Richter zu machen. Nur die Unbefangenen – denn sowenig meine Gegner eine Stimme fordern können, ebensowenig verlange ich, daß die Freunde der neuesten und selbst der neueren Philosophie gehört werden; welche letzten, sowenig sie auch meinen Schlüssen folgen mögen, dennoch mehr oder minder mit meinem Prinzip, dem des reinen Moralismus, einverstanden sind.

Ich habe die Lehre meiner Gegner, zufolge welcher die meinige ihnen als Atheismus erscheinen muß, und die meinige, zufolge welcher die ihrige mir als abgöttisch und götzendienstlich erscheinen muß, treu und klar dargestellt. Es ist jetzt an diesen Unbefangenen, vorerst bei sich selbst und dann auch, wenn sie wollen, vor anderen zu entscheiden, ob ihnen denn die Lehre meiner Gegner so vortrefflich, die meinige so heillos erscheine; zu entscheiden, nach welcher von beiden sie ihren eigenen geistigen Charakter lieber gebildet sähen; zu entscheiden, welche selbst in der Schilderung ihrem Herzen wohltätiger ist. Sie erlauben mir nur noch eine solche Beziehung auf ihr Herz; und dann überlasse ich sie ruhig ihrer eignen Überlegung.

Durch jene Lehre machen sie euch lüstern, durch eure Lüsternheit bedürftig, durch eure Bedürftigkeit abhängig, klein und niedrig. Der Anfang eurer Erscheinung für euch ist zwar allerdings nicht glänzend; ihr findet euch zuerst als Produkt der Sinnenwelt, durch euren Mangel an dieselbe gekettet, ein unsterbliches Wesen, bedürftig dessen, was nur Staub und Asche ist. Von diesem Zustande euch zu erlösen, gibt es nur einen Weg, die Erhebung zur reinen Sittlichkeit; und ihr seid bestimmt und berufen, diesen Weg zu gehen. Von dem Augenblicke an, da ihr ihn einschlagt, wird eure bisherige Gebieterin, die Natur, euch unterworfen und verwandelt sich in euer folgsames leidendes Instrument. – Jene aber wollen das Denkmal eures anscheinenden Ursprungs aus der Eitelkeit eurem unsterblichen Geiste unauslöschlich einbrennen, indem sie es billigen und heiligen. Indem sie die Begier in euch nicht ausrotten lassen, sondern sie pflegen und zu Ehren erheben und einen Gott mit derselben beschäftigen, verewigen sie eure Bedürftigkeit.

Die andere Lehre will alles, was ihr zu bewundern, zu begehren, zu fürchten pflegt, vor eurem Auge in Nichts verwandeln, indem sie auf ewig eure Brust der Verwunderung, der Begier, der Furcht verschließt. Ihr sollt euch nur zum Bewußtsein eures reinen sittlichen Charakters erheben; und ihr werdet, verspricht sie euch, ihr werdet finden, wer ihr selbst seid; und werdet finden, daß dieser Erdball mit allen den Herrlichkeiten, welcher zu bedürfen ihr in kindischer Einfalt wähntet, daß diese Sonne und die tausend mal tausend Sonnen, die sie umgeben, daß alle die Erden, die ihr um jede der tausend mal tausend Sonnen ahnet, und die in keine Zahl zu fassenden Gegenstände alle, die ihr auf jedem dieser Weltkörper ahnet, wie ihr auf eurer Erde sie findet, daß dieses ganze unermeßliche All, vor dessen bloßem Gedanken eure sinnliche Seele bebt und in ihren Grundfesten erzittert – daß es nichts ist als in sterbliche Augen ein matter Abglanz eures eigenen in euch verschlossenen und in alle Ewigkeiten hinaus zu entwickelnden ewigen Daseins. Ihr werdet, verspricht sie euch, bloß selbsttätiges Prinzip, und allein durch euer pflichtmäßiges Handeln bestehend – den Genuß nicht entbehren, sondern verschmähen, alles, was da Ding ist, die Herrlichkeiten eurer Erde und jener tausend mal tausend Weltkörper und des ganzen unermeßlichen All, vor dessen bloßem Gedanken eure sinnliche Seele erbebt, tief unter eurer eignen geistigen Natur finden, und die Liebe und die Berührung damit für Befleckung und Entweihung eures höheren Ranges halten. Ihr werdet, verspricht sie euch, kühn eure Unendlichkeit dem unermeßlichen All, vor dessen bloßem Gedanken eure sinnliche Seele erbebt, gegenüberstellen und sagen: wie könnte ich deine Macht fürchten, die sich nur gegen das richtet, was dir gleich ist, und nie bis zu mir reicht. Du bist wandelbar, nicht ich; alle deine Verwandlungen sind nur mein Schauspiel, und ich werde stets unversehrt über den Trümmern deiner Gestalten schweben. Daß die Kräfte schon jetzt in Wirksamkeit sind, welche die innere Sphäre meiner Tätigkeit, die ich meinen Leib nenne, zerstören sollen, befremdet mich nicht; dieser Leib gehört zu dir und ist vergänglich wie alles, was zu dir gehört, aber dieser Leib ist nicht Ich. Ich selbst werde über seinen Trümmern schweben, und seine Auflösung wird mein Schauspiel sein. Daß die Kräfte schon in Wirksamkeit sind, welche meine äußere Sphäre, die erst jetzt angefangen hat, es in den nächsten Punkten zu werden – welche euch, ihr leuchtenden Sonnen alle, und die tausend mal tausend Weltkörper, die euch umrollen, zerstören werden, kann mich nicht befremden; ihr seid durch eure Geburt dem Tode geweiht. Aber wenn unter den Millionen Sonnen, die über meinem Haupte leuchten, die jüngstgeborne ihren letzten Lichtfunken längst wird ausgeströmt haben, dann werde ich noch unversehrt und unverwandelt derselbe sein, der ich jetzt bin; und wenn aus euren Trümmern so viele Male neue Sonnensysteme werden zusammengeströmt sein, als eurer alle sind, ihr über meinem Haupte leuchtende Sonnen, und die jüngste unter allen ihren letzten Lichtfunken längst wird ausgeströmt haben, dann werde ich noch sein, unversehrt und unverwandelt, derselbe, der ich heute bin; werde noch wollen, was ich heute will, meine Pflicht; und die Folgen meines Tuns und Leidens werden noch sein, aufbehalten in der Seligkeit aller. Ihr sollt, verspricht sie euch, auch in eurem mütterlichen Lande, der übersinnlichen Welt, und Gott gegenüber, frei und aufgerichtet dastehen. Ihr seid nicht seine Sklaven, sondern freie Mitbürger seines Reichs. Dasselbe Gesetz, das euch verbindet, macht sein Sein aus, so wie es euren Willen ausmacht. Selbst ihm gegenüber seid ihr nicht bedürftig, denn ihr begehrt nichts, als was er ohne euer Begehr tut; selbst von ihm seid ihr nicht abhängig, denn ihr sondert euren Willen nicht ab von dem seinigen. »Ihr nehmt die Gottheit auf in euren Willen, und sie steigt für euch von ihrem Weltenthrone herab.«

Und jetzt habt ihr, noch uneingenommene und unbefangene Leser, bei euch selbst zu entscheiden, nach welcher von diesen beiden Lehren ihr gebildet zu sein wünscht, ob nach der, die euch erniedrigt, oder nach der, die euch unaussprechlich zu erheben verspricht. Wie die erstere auf ein menschliches Gemüt wirke, werdet ihr ohne Zweifel an euch selbst empfunden haben; wir haben es alle empfunden, denn wir sind bis jetzt noch alle genötigt, durch diese Denkart hindurchzugehen. Ob die zweite ihre großen Versprechungen halte, könnt ihr zwar allerdings durch Einbildungskraft und Nachdenken, wenn beides nicht in ganz gemeinem Grade euch zu Gebote steht, zum Teil ermessen; aber wahrhaft zur Überzeugung darüber kommen könnt ihr nur dadurch, daß ihr wirklich tut, was sie von euch fordert. Möchten diese Schilderungen recht viele unter euch reizen, den Versuch an ihrem eignen Herzen zu machen. Macht ihr ihn recht und findet euch getäuscht; nun dann verdammt mich, wozu ihr wollt.

Und hiermit lege ich denn die Feder nieder, mit der Ruhe, mit welcher ich einst mein ganzes irdisches Tagwerk niederzulegen und in die Ewigkeit hinüberzutreten hoffe. Das noch zu sagen, was ich hier gesagt habe, war meine Sache; was nun weiter geschehen soll, ist Sache eines Andern.

Quelle: J. G. Fichtes, des philosophischen Doktors und ordentlichen Professors zu Jena, Appellation an das Publikum über die durch ein Kurfürstlich Sächsisches Konfiskationsreskript ihm beigemessenen atheistischen Äußerungen. Eine Schrift, die man erst zu lesen bittet, ehe man sie konfisziert. Zweite Auflage, Jena 1799.

 


 

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