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Kindertodtenlieder

Friedrich Rückert: Kindertodtenlieder - Kapitel 216
Quellenangabe
typepoem
booktitleKindertodtenlieder
authorFriedrich Rückert
year1993
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-33245-6
titleKindertodtenlieder
pages43-400
created19990330
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1872
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Ich wollt' eine Knospe pflücken / Meine Knaben brachen Blüten

1.

                Ich wollt' eine Knospe pflücken
Im Morgenglanz,
Mich frühlingsgemäß zu schmücken
Mit einem Kranz.

Da hört' ich die Knospe sprechen
Mit leisem Ton:
Und willst du mich also brechen
Im Frühthau schon?

Ich bitte bei deinem Kinde,
Dir früh geraubt:
Mir sei noch im Frühlingswinde
Ein Tag erlaubt!

2.

          Meine Knaben brachen Blüten,
Welche mir am Herzen lagen,
Und ich wollte sie behüten,
Aber doch den Grund nicht sagen.

Und ich sprach: dem Strauch wenn heute
Ihr die Blüten habt genommen,
Wird euch keine Frucht zur Beute,
Wenn im Herbst wir wiederkommen.

Doch ich dachte jener Blüten,
Die ich vor dem Tod, dem frechen,
Leider konnte nicht behüten,
Als er wollte Rosen brechen.

Aber ihnen wollt' ichs schenken,
Nicht bei welken Blumenstielen
In der Lust daran zu denken,
Daß des Todes Amt sie spielen.

Sollt' ich diesen trüben Schatten
Werfen auf die frohen Knaben?
Gott sei Dank, auf grünen Matten
Daß sie spielen unbegraben!

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