Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Hanns Heinz Ewers >

Kilian Menkes Veränderung

Hanns Heinz Ewers: Kilian Menkes Veränderung - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorHanns Heinz Ewers
titleKilian Menkes Veränderung
publisherJ. L. Schrag-Verlag
year1941
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131102
projectidfaf9020b
wgs9110
Schließen

Navigation:

IV.

Kilian Menke freute sich aus ehrlichem und unbeschwertem Herzen auf das Wochenende; er war glücklich, für seine großstädtischen Neigungen durch einen unglaubhaften Zufall einen Cicerone gefunden zu haben. Dabei empfand er es als besonders wohltuend, daß dieser Gefährte mit seinem Lüneburger Kreis, mit der Welt seiner Pflichten und Sorgen also, in keinerlei Berührung stand, so daß er vor Indiskretionen und Klatschereien gesichert war. Immer wieder in den drei Tagen bis Sonnabend dachte er mit heimlicher Vorfreude an seine Wochenendpläne; er fand, er habe nach all den Scherereien und Plackereien diesen Genuß redlich verdient, ja zur Auffrischung seiner Arbeitskraft geradezu nötig. Nichts lag ihm ferner, als die Verabredung zu widerrufen, die Adresse dieses Wilster brauchte er nicht, jener würde ihn, wie besprochen, von der Bahn abholen, da gab es nichts mehr zu regeln und zu schreiben.

Am Sonnabend morgen erklärte er daher dem ersten Buchhalter Schwarz, der sein Vertreter war, daß er über das Wochenende bis Montag früh zu verreisen gedenke. Schwarz möge am Sonntag sich im Kontor mal sehen lassen, um die Post vorzubereiten. Am Montag sei er dann wieder da. Auch Frau Lengfeldt teilte er seinen Plan, das Wochenende in Hamburg zu verbringen, mit, worauf diese bemerkte:

»Was muß ich hören, lieber Menke, sollte da irgendwo ein Funke übergesprungen sein? Sieh mal einer an!«

»Nein, nein, nicht so, wie Sie denken. Es handelt sich um eine durchaus männliche Verabredung.«

»So, also etwas Junggesellenhaftes? Da bin ich diskret und erkundige mich nicht weiter. Viel Vergnügen denn und auf Wiedersehen!«

Auf dem Bahnsteig in Hamburg stand Wüster und begrüßte seinen Kumpanen mit freudigem Hallo. Höflich nahm er ihm seine Handtasche ab, was Kilian rührend aufmerksam fand, aber doch nur ungern zuließ, und geleitete ihn zu einem vor dem Bahnhof parkenden hochherrschaftlichen sechssitzigen Wagen, der von einem hünenhaften Chauffeur mit bärbeißigem und wenig sympathischem Gesicht bedient wurde. Es war eine protzige Limousine mit Rollverdeck, das zu Ehren des schönen Frühlingswetters geöffnet war. Während der Bärbeißige die Handtasche Menkes, die Wüster ihm ausgehändigt hatte, hinten im Kofferraum verstaute, nahm man in den überbequemen Ledersitzen des Fond Platz. Kilian staunte über den geradezu aufdringlichen Komfort des Fahrzeuges.

»Und wohin soll die Reise gehn?«

»Ein bißchen in die Baumblüte, dachte ich. Und nachher zu ›Becker‹ nach Nienstedten zum Schlemmen. Was meinen Sie?«

Wilster gab dem athletischen Chauffeur seine Anweisungen. Ohne vernehmbares Motorengeräusch setzte sich der Wagen in Bewegung. Mit gedämpfter Stimme bemerkte Menke:

»Mein Lieber, vor Ihrem Kutscher da kann einem ja angst und bange werden. Wo hat denn der nur seine Visage her?«

»Da sind Sie nicht der erste, der das sagt. Aber was kann der arme Kerl für seine Fresse, die ihm Gott nun mal verliehen hat?! Er ist treu und zuverlässig, und, was für den Augenblick die Hauptsache ist, er fährt hervorragend.«

»Na denn man Hü, wenn er uns nicht ins Unglück fährt, ist es ja bestens in Ordnung. Aber allein im Dunkeln begegnen möchte ich ihm doch nicht.«

»Wolln mal schaun, was sich machen läßt«, antwortete Wilster mit vergnügtem Lachen.

Mit verhaltener Geschwindigkeit ging die Fahrt in die Baumblüte, indem die Unterhaltung zwischen den beiden Gefährten fröhlich dahinplätscherte. In einem Gartenkaffee unter schneeweißen Kirschbäumen nahm man Kaffee mit etlichen Kognaks zu sich. Bei einfallender Abenddämmerung, ein wenig abgekühlt durch den Zug der köstlichen Fahrt, landete man bald nach sieben Uhr in dem renommierten »Beckerschen Lokal«. Unterwegs hatte man sich wieder über allerhand persönliche Dinge unterhalten, Menke hatte insbesondere mancherlei über die Geschäfte von Lengfeldt Söhne erzählt, erhielt aber wiederum den Eindruck, daß Wilster nur aus Höflichkeit, aber nicht aus wahrem Interesse ihm dabei zuhörte. Über seine eigenen beruflichen Angelegenheiten zeigte er sich ausgesprochen wortkarg, und erklärte auf eine direkte Frage Menkes hin dies damit, daß ihm angesichts der vielen Fabrikgeheimnisse, die bei der chemischen Industrie eine Rolle spielten, äußerste Zurückhaltung bei Gesprächen dieser Art zur besonderen Pflicht gemacht sei. Menke ließ das gelten und war es zufrieden, daß das Gespräch sich fortan beiderseits mehr persönlichen Dingen zuwandte.

Als man auf dem Parkplatz bei Becker hielt, hatte Wilster mit seinem Chauffeur irgendwas zu bereden, vermutlich wegen der Mahlzeit, die er für sich bestellen sollte. Kilian Menke ging wartend gemessen um den enormen Wagen herum und entdeckte zu seiner Überraschung, daß das Fahrzeug kein gewöhnliches Erkennungszeichen trug. An diesem Wagen war ein ovales Schild angebracht, das lediglich eine fünfstellige Zahl enthielt. Beim Hineingehen wandte er sich dieserhalb an Wilster:

»Sagen Sie mal, das ist ja gar kein deutscher Wagen, in dem wir da fahren. Was hat denn der für eine merkwürdige Polizeinummer?«

»Aber klar ist das ein deutscher Wagen. Er ist nur vor einem Vierteljahr erstmalig für einen Auslandsdeutschen, unseren Filialleiter in Spanien, zugelassen worden, da er ihn bei seinem letzten Besuch von hier aus dahin mitnehmen wollte. Aber das Werk hat dann umdisponiert und diesen Wagen nach Hamburg getan, der Spanier hat sich dort einen anderen zugelegt. Dieser hier soll demnächst polizeilich umgemeldet werden.«

»Aha, so ist das also. Diese ovalen Schilder sieht man bei uns ziemlich selten; aber ich habe, wie mir einfällt, schon von ihnen gehört.«

Die beiden tafelten bei Horsd'oeuvre und fünf Gängen ausgiebig. Dazu trank man ausgezeichnete Weine und vorzügliche Liköre, so daß sich die Stimmung erfreulich hob. Beide tranken sich fleißig zu und schwatzten über dies und das. Von Geschäften war nicht mehr die Rede, dagegen berichtete Wilster von seinem männlichen und weiblichen Verkehr, wobei er es, wie er sich ausdrückte, weniger mit »Weltkindern als mit Halbweltkindern« zu tun habe. Solche und ähnliche Drolligkeiten Wilsters verursachten geradezu Lachsalven bei Kilian Menke. Höchst amüsiert war er auch, als Wilster ihm von dem Klub berichtete, dem seine meisten Freunde mit ihm angehörten. Dazu erzählte er:

»Wissen Sie, Klub ist eigentlich ein wenig viel gesagt. Satzungen und so haben wir nicht richtig, aber feste Übungen und Gebräuche dafür, und das ist viel verpflichtender als so'n öder Paragraphenkram. Wir haben draußen in Eppendorf allerliebste Klubzimmer, wo immer abends sich einige fröhliche Männer einfinden, die je nach Lust und Laune von da aus nächtliche Streifzüge unternehmen. Unser Klub hat, ich weiß gar nicht, woher eigentlich, den Namen ›Sarabande‹. Schon vor etlichen Jahren hat ein Witzbold darum die Mitglieder als ›Sarabanditen‹ bezeichnet. Das hat sich jetzt fest eingebürgert. Wir nennen uns heutzutage nur noch schlicht und einfach ›Sarabanditen‹.«

Es war neun Uhr vorüber, als die beiden Becker verließen, um ins »Nachtasyl« zu fahren. Kilian Menke war selig beschwipst, unterwegs sang er mit rauher und unsauberer Grölstimme Schlager vor sich hin, während Wilster zwar ebenfalls vergnügt war, aber immer mehr eine gönnerhafte Überlegenheit hervorkehrte. Das störte Kilian aber in keiner Weise, da er seinen Führer als Meister im Reich der Lebenslust willig anerkannte.

Das neueröffnete »Nachtasyl« war ein Kellerkabarett, dessen äußere Aufmachung nicht grade erstklassig war; aber Kilian Menke in seiner Weinseligkeit hatte dafür keinen Blick mehr. Man fand zur Seite des Podiums noch ein freies Tischchen, und kaum hatte man Platz genommen, so gesellten sich zwei Mädchen in Balltoilette zu den Kavalieren, die Zubehör des Lokals waren. Auf die Frage, was getrunken werden solle, erklärte die Weiblichkeit, daß anderes als Sekt überhaupt nicht zur Debatte stehen könne, und Menke stimmte ihnen entschieden bei. Die beiden übrigens nicht besonders reizvollen Geschöpfe tranken Menke immer wieder zu, und dieser tat wacker mit, während Wilster sich mehr zurückhielt und zu erkennen gab, daß ihm die Gesellschaft dieser recht aufdringlichen Frauenzimmer nicht besonders behagte.

Es war richtig: Rio und Rita standen noch auf dem Programm. Sie traten aber erst unmittelbar vor der Pause auf, und bis dahin war noch eine kleine Stunde Zeit, während der Kilian Menkes Beschwipstheit sich zu einem richtigen Rausch steigerte. Aber seine Bezechtheit war doch nicht groß genug, als daß er nicht feststellen konnte, daß es mit Rio und Ritas Tanzkunst nicht gar so weit her sei. Er meinte daher, nachdem sie ihre Produktionen beendet hatten, mit leicht anstoßender Stimme:

»Mein lieber Kerl, mit Ihren Rio de Janeiros da oder, wie die heißen wollen, können Sie mir aber gestohlen bleiben. Das ist ja bloß glatter Durchschchnitt (›Durchschnitt‹ brachte er nicht mehr heraus), das können wir beinahe selbst ebensogut. Komm, Kathinka, laß uns unsere Sohlen auf dem Parkette wetzen.« Und er entschwebte leise schwankend mit einem der beiden Zubehörstücke. Als er zurückkehrte, sagte Wilster mit einem freundschaftlichen Schlag auf die Schulter zu ihm:

»Menke, alter Tanzsachverständiger, Sie haben übrigens blödsinnig recht. Diese Müller und Schulze haben seit dem letztenmal entschieden alles verlernt. Zum Teufel mit ihnen! Haben Sie schon die Bar besichtigt? Kommen Sie, mein Knabe, wir wollen uns dort trösten.«

»Trost muß sein«, lallte Menke und ließ sich von dannen führen. In der Bar gab es zwar nicht das mindeste Besondere zu sehen, aber man konnte sich dort einen Flip geben lassen. Während sie an der Theke hockten, fing Wilster folgendermaßen an:

»Menke, mein Freund, nun nimm mal den bedeutenden Grips zusammen. Ich hab dich nur hierher gelotst, um mit dir ein ernstes Männerwort unter vier Augen zu führen. Hand aufs Herz, hast du Liebesgefühle?«

»Wieso denn Liebesgefühle, wie meinst du?«

»Ich meine, ob du mit diesen Kindern der Lust da drinnen zusammenbleiben möchtest. Ich für meine Person, ehrlich gestanden, finde alle beide unisono einfach zum Kotzen.«

»Von solchen wie denen da habe ich jeden Tag an jedem Finger zehn Stück zu Hause bei mir, verstehst du«, log Menke.

»Ich weiß, du bist ein wüster Suitier, mein lieber Menke. Also was soll das hier noch? Ich bin für Lokalwechsel.«

»Vorzüglich, Lokalwechsel! Auf, laßt uns brechen!«

»Nicht so wild, hör zu. Ich schlage vor, wir nehmen die ›Erossäle‹ in St. Pauli aufs Korn, und um den Genuß voll zu machen, sehe ich mal zu, ob ich nicht ein paar Sarabanditen erreichen kann. In solchem Ausschank tut man sich besser in einem größeren Kreis.«

»Ein Bombengedanke! Auf die Sarabanditen bin ich verflucht scharf. Kannst du sie jetzt noch kriegen!«

»Will's versuchen. Während ich telephoniere, geh rein und erledige die Berappung. Und dann löse dich geschickt von den Vestalinnen da drinnen. Ich erwarte dich in der Garderobe. Mach's gut!«

Menke ging also an den Tisch und rief: »Ober, zahlen!« Auf den verwunderten und empörten Einspruch der beiden Mädchen stotterte er ihnen folgende unglaubhafte Geschichte vor:

»Kinner, seid verständig. Paßt mal auf. Mein Freund da, der ist Arzt, Mediziner, nicht wahr, ihr versteht das. Den hat man eben zu einer schweren Operation gerufen, Kaiserschnitt oder so, ihr kennt das ja. Ich muß ihm dabei asti ... assimi ... affichie ... nanu, wie heißt das denn noch? Ich muß also dabei sein und das Messer halten oder so, ihr wißt das ja. Und nun mit Gott! Eisenbahn tut not.«

»Mensch, nun quatsch man bloß nicht, du bist ja knille voll«, rief ihm Kathinka nach; aber Menke war das einerlei, er war froh, als er in der Garderobe wieder mit Wilster zusammen war. Dieser empfing ihn mit den Worten:

»Alles klar an Backbord. Drei Sarabanditen sind begeistert bei der Sache. In den ›Erossälen‹ fängt die Chose erst richtig an. Nichts als hin!«

Die »Erossäle« in St. Pauli waren ein weiträumiger Tanzpalast in einem pavillonhaften Gebäude, wo in drei Sälen Jazzkapellen jaulten und außerdem in Bars und Nebenräumen Schifferklaviere zu kleinen Extratänzen animierten. Als die beiden Gefährten ankamen, war der sonnabendliche Nachtbetrieb auf dem Höhepunkt. Durch den Zug während der Fahrt hatte Menke einen glühheißen Kopf bekommen, die Augen tränten ihm, als man in das hitzige Gewühle hineinging; ihm schien das ganze festliche Gepränge zu schwanken und er sah alles wie durch einen verschwimmenden Nebel.

An einem Tisch irgendwo neben einer Treppe wurden ihm drei Männer als die bestellten Sarabanditen vorgestellt. Der eine von ihnen, dessen Name Farchau oder so ähnlich lauten sollte – er hatte keinen Namen richtig verstanden –, kam ihm untergründig bekannt vor. Er tippte diesem Farchau daher mit dem Finger auf die Brust und baute sich schwankend vor ihm auf:

»Freundchen, wir kennen uns doch, wir haben einander doch schon erblickt, wenn mir recht ist.«

»Nicht daß ich wüßte, mein Herr«, antwortete der Angeredete ziemlich abweisend.

»Aber, mein lieber Mann, da lasse ich mir doch eine Hand abhacken, wenn wir nicht schon – weiß der Bock, wo in aller Welt – einander begegnet wären!«

»Davon ist mir aber nicht das mindeste bekannt, ich weiß nicht, wie Sie überhaupt darauf kommen.«

»Laß das, Menke, was soll der Blödsinn«, unterbrach Wilster die etwas peinliche Unterhaltung, »woher willst du wohl meinen Freund Farchau kennen? Waren Sie schon jemals in Lüneburg, Farchau? Daher stammt nämlich unser guter Menke.«

»Lüneburg? Noch nie in meinem Leben.«

»Siehst du, Menke, woher willst du also wohl Farchau kennen?«

Allmählich beruhigte sich Kilian Menke, schließlich schien es ihm ja nun auch nicht weiter wichtig, ob er diesen Farchau schon mal gesehen habe oder nicht. Die Hauptsache war, daß es was möglichst Kühles zu trinken gab; denn ihm war entsetzlich heiß. Dementsprechend schlug Wilster Schwedenpunsch vor, und alle fanden das äußerst vernünftig. Kilian Menke trank die ölig-eiskalte Flüssigkeit glasweise, indem er mit allen Tischgenossen reihum anstieß. Das kühlte zwar für den Augenblick, aber es machte den Kopf immer benommener. Menke, in dem der Zwischenfall mit jenem Farchau noch rumorte, wurde immer ungemütlicher. Da er nichts von der ihm versprochenen besonderen Lustigkeit in diesem Kreise spürte und da auch Wilster selbst sich auffallend zurückhielt, machte sich seine betrunkene Ungehaltenheit in einer Tischrede Luft, die er herausstammelte, indem er seinen Oberkörper weit über die Tischplatte baumeln ließ und die Konsonanten entweder wegließ oder willkürlich durcheinanderwirbelte:

»Kinner, ihr seid ja nicht ganz richtig, ihr seid ja Langweiler! Hiek Eros hiek Salat sagten die ollen Griechen und sie hatten verdammt recht. Los dafür, über die Stränge geschlagen! Oder ihr könnt mir sonstwas. Ihr wollt Sarabanditen sein? Ihr seid ja überhaupt keine Banditen, weder Sara- noch Lea-Banditen, keinen Schimmer von Banditen, sondern hundsgemeine saudumme Spießbürger. Nun bitte ich mir aber in aller Ehrfurcht ganz gehörige Banditenstreiche aus ...«

Da man an den Nachbartischen langsam aufmerksam wurde, fiel Wilster dem Betrunkenen in die Rede:

»Halt's Maul, mein lieber Menke, du bist hier nicht allein. Wenn du Tischreden halten willst, müssen wir woanders hingehen, wo wir mehr unter uns sind.«

»Gut, ich bin kein Spielverderber, ich gewiß nicht, gehn wir woanders hin. Dann aber dalli, hier wird es mir zu tranig, ihr gottverdammten Banditen!«

»Nun benimm dich aber, Menke, dies Banditengeschrei geht nicht mehr, man denkt ja, wir wären Gauner.«

»Hahaha, von mir aus können sie uns hier getrost für Gauner halten, das ist ja zum Brüllen komisch, hahaha...« Und Menke erstarb in sinnlosem Gelächter. Die Tafelrunde stand auf, man bezahlte, und der älteste der Männer und der Mann, der sich als Farchau hatte vorstellen lassen, nahmen Menke in ihre sichere Mitte, um ihn mehr aus dem Lokal zu schleifen als zu führen. Plötzlich war er ganz in sich zusammengefallen, er wimmerte immerlos vor sich hin: »Kinder, ist mir übel, o so übel« und langsam schwanden ihm die Sinne. Man zerrte ihn in den draußenstehenden Wagen, wie eine Leiche sank er in das Polster. Unklar vernahm er noch, wie irgend einer sagte: »So, Paule, jetzt ist es Zeit. Fang an.« Er spürte, daß ihm jemand ein scharf riechendes Gestell über das Gesicht hielt, wollte es entfernen, brachte aber den Entschluß nicht auf, seine Absicht auszuführen, und verlor sich in traumloses Nichts.

 << Kapitel 4  Kapitel 6 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.