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Kilian Menkes Veränderung

Hanns Heinz Ewers: Kilian Menkes Veränderung - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorHanns Heinz Ewers
titleKilian Menkes Veränderung
publisherJ. L. Schrag-Verlag
year1941
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131102
projectidfaf9020b
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XX.

Kilian Menkes Rückkehr bedeutete für die ganze Stadt Lüneburg eine Sensation. In seiner Wohnung und noch mehr im Kontor von Lengfeldt Söhne häuften sich in den nächsten Tagen die Blumengrüße zu Bergen, so daß ihre Aufstellung einfach Verlegenheit bereitete. Glückwunschtelegramme und Adressen trafen in ganzen Stapeln ein! Die Fachgruppe Großhandel, der Schwimmverein, der Briefmarkenklub, der Kegelabend schickten Deputationen, um ihr freudiges Mitgefühl gebührend zum Ausdruck zu bringen; selbst die Stadtverwaltung ließ durch den Oberbürgermeister der Firma und »ihrem bewährten Betriebsobmann« die herzlichsten Glückwünsche ausrichten. Kilian Menke, an Einsamkeit und Grübelei gewöhnt, wurde es fast zuviel des Guten, er sagte gelegentlich zu seinem Bruder: »Komisch sind die Menschen doch! Erst wenn es einem einmal total dreckig gegangen ist, besinnen sie sich darauf, daß man vielleicht was wert sein könnte. Weißt du, was ich glaube? Dies ganze Weswerk treiben sie nur, um das Schicksal zu beschwören, sie selbst ungeschoren zu lassen. Sie feiern mich, meinen aber doch nur sich selber.« Hierauf wußte Uwe nur zu erwidern: »Du, hör mal, Kilian, mir ist, als hättest du früher dich weniger mit Philosophie abgegeben.« »Das kann gut sein. Aber was soll man in der Einsamkeit anderes anfangen, als den Menschen hinter ihre Schliche zu kommen. Man hat ja so unheimlich viel Zeit.«

Über der Feierei des Befreiten trat nach dem Gefühl von Frau Lengfeldt das Verdienst des Befreiers allzusehr in den Hintergrund. Sie gab diesem Gedanken nach dem Abendessen am Sonntag, als sie mit den Brüdern Menke, dem Ehepaar Klotze und der kleinen Elja gemütlich beisammensaß, Ausdruck. Ihr hielt Dr. Klotze entgegen:

»Das Verdienst des Herrn Dr. Roller in Ehren, aber was willst du? Menke ist ihm ja zuvorgekommen. Er konnte es nicht abwarten, bis man ihn befreite, und tat selbst das Richtige, ehe ihm von Außen geholfen werden konnte.«

»Doch nicht, Herr Dr. Klotze, da übersehen Sie die Zusammenhänge nicht ganz. Hätte Dr. Roller Brechert nicht gestellt und in die Enge getrieben, so hätte Brechert es nicht nötig gehabt, Hals über Kopf zu fliehen. Nur durch seine rasche und unvorbereitete Flucht aber wurde Elja und mir die Gelegenheit gegeben, uns den Banden zu entziehen. Ohne Dr. Rollers Mitwirkung wäre meine Flucht zu diesem Zeitpunkt bestimmt nicht, und vielleicht niemals geglückt.«

»Schön, daß du das anerkennst, Kilian«, sagte Uwe, »ich bin einfach begeistert von dem Mann. Wie er da mit dem Ziseliermesser seiner Logik darauf kam, daß ein Doppelgänger dich geraubt haben müßte, und wie er dann die Verbindungsfäden zu dem Attentat bei Schlünz knüpfte, das hättest du erleben müssen, das war ein glatter künstlerischer Genuß!«

»Jetzt ist er hinter den Diamanten her«, bemerkte Dr. Klotze, »und wir wollen ihm wünschen, daß er möglichst viel davon ergattert, damit er einen gehörigen Batzen von der Schlünzschen Belohnung einheimsen kann.«

»Ja, das wollen wir hoffen«, sagte Frau Lengfeldt, »denn wir sind nicht reich genug, um ihm seine Leistung angemessen zu entgelten.«

Was die Verfolgung der Diebe und die Wiederbeschaffung des Schatzes anlangt, so ergab sich im Laufe der nächsten Zeit folgendes Bild:

Brechert war in Konstanz durch die Grenzwache verhaftet, als er auf einen gefälschten Paß unter dem Namen Körber mit seinem Wagen die Grenze zu überschreiten versuchte. In seiner Begleitung war Paul Stieler, der sich mit seinem »Chef« in der Umgebung von Braunschweig getroffen hatte. In dem Benzintank des Austro-Daimler fand man ein Versteck, in welchem etwa zweihundert seltene und erlesene Edelsteine, darunter einige besonders hervorragende Exemplare von hohem Wert, verborgen waren. Außerdem waren in den beiden Sohlen bei Stieler zahlreiche Brillanten versteckt. Die beiden Verbrecher wurden nach Essen übergeführt, um dort abgeurteilt zu werden.

Jarmer hatte noch am Sonnabend abend von Munster aus veranlaßt, daß ein Celler Polizeikommando das Jagdschloß Wüstenheck überholte. Dort wurde Robert Kufahl angetroffen, der auf einen Polizisten einen Schuß abgab, durch den dieser am Arm verletzt wurde, dann aber angesichts der Übermacht den Widerstand aufgab. Robert, wie wir gewohnt sind, ihn zu nennen, war mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Er hatte in dem Stallgebäude hinter dem Jagdschloß ein Feuer angelegt, so daß dieses schon ziemlich ausgebrannt war. Allerdings hatte die eiserne Zellentür den Flammen getrotzt, so daß der Ort der Freiheitsberaubung ohne weiteres kenntlich blieb. Alle Papiere waren vernichtet, alle Behältnisse geleert. Aber Robert war, nachdem er nun einmal der Polizei in die Hände gefallen war, darauf aus, sich das Wohlwollen der Behörden zu sichern. Er zeigte den Beamten daher die Stelle im Park, wo unter Baumwurzeln noch Wertsachen vergraben waren. Hier fand man alle goldenen Teile des Kronschmucks, aus dem in mühsamer Arbeit die unzähligen Steine herausgebrochen waren. Robert gab dazu an, daß über dieser Arbeit der Freitag hingegangen sei, nachdem »der Chef« am Donnerstagnachmittag in höchster Aufregung plötzlich unangemeldet angekommen war und in erster Linie den Schreibtisch von allen Notizen und verfänglichen Schriftstücken gesäubert hatte. Am Sonnabend habe er bis südlich Braunschweig mitfahren müssen, weil man sich dort mit Stieler verabredet habe, der mit dem DKW aus Soest dahingekommen sei. Robert mußte sowohl den Wagen als auch die überflüssigen und verräterischen Gepäckstücke in Empfang nehmen. Außerdem hatte er dem Besitzer des Jagdschlosses Wüstenheck, einem Kaufmann Ziegler, in Braunschweig den letzten Teil des Pachtzinses bringen und ihm ausrichten sollen, daß die Pacht vor Beendigung des ursprünglich vereinbarten einen Pachtjahres, das am 1. Oktober ablief, aufgegeben werden solle. Die Pacht sei auf seinen Namen, also auf Robert Kufahl genommen. Er sei mittags gegen halbzwölf Uhr zurückgekehrt und habe sich zunächst zwei Stunden auf die Verfolgung der Entflohenen gemacht, allerdings von vorneherein mit wenig Hoffnung auf Erfolg. Dann habe er schwer gearbeitet, um hier, soweit irgend möglich, alle Spuren zu beseitigen. Seine Absicht sei gewesen, noch in der Nacht davonzufahren, aber nun sei er ja leider verschütt gegangen.

Brechert gab seine Verfehlungen ohne Winkelzüge zu, weigerte sich aber bis zum Schluß, auch nur eine einzige Angabe zu machen, wer an den Verbrechen außer Baskow, Stieler, Robert und ihm sonst beteiligt sei. Er sagte zu dem ihn bedrängenden Beamten in dieser Hinsicht:

»Was die Polizei in ihrer Findigkeit herauskriegt, kann ich nicht verhindern. Mein Rat ist, ziehen Sie diesen gottsverdammten Dr. Roller zu Rate. Mein Kompliment für den Herrn! Ohne ihn hätten Sie mich nie und nimmer geschnappt. Aber wenn Sie glauben, ich bekäme vor Ihnen Achtung, weil Sie mich veranlassen wollen, an meinen Kameraden zum Verräter zu werden, so täuschen Sie sich in mir. Ich finde, daß zwischen strafbarer Handlung und Schufterei ein himmelweiter Unterschied ist. Als Gauner mögen Sie mich ästimieren, als Schuft nimmermehr!«

Brechert gab, was seine Person anlangt, zu, daß er der »Chef« gewesen sei, und daß ihm und Farchau gemeinsam die Ähnlichkeit bei dem Schwimmfest deshalb aufgefallen sei, weil sie in den nächsten Tagen sich mit Baskow hätten in Hamburg treffen wollen – alle hatten sich zum Teil vor längeren Jahren im Ausland kennengelernt und schon kleinere »Geschäfte« ähnlicher Art, einmal zum Beispiel in Kalifornien, miteinander gemacht – aber diese Angaben stammten von Stieler und nicht von Brechert –, weil sie es also sehr wohl für möglich gehalten hätten, daß der Mann da vorn auf der Tribüne Baskow sei, hätte Farchau zunächst ihn anreden wollen. Das aber habe er, Brechert, verhindert, da der Betreffende offenbar mit vielen Lüneburgern bekannt gewesen sei, was auf Baskow unmöglich zutreffen konnte. In der Pause habe er daher einen neben ihm Sitzenden gefragt, wer der Herr da vorne sei, und so erfahren, daß es sich um einen Herrn Menke handle. Diese geradezu verblüffende Ähnlichkeit sei ihnen zunächst, ohne weitere Absichten damit zu verbinden, im Gedächtnis haften geblieben.

Dann habe sich Anfang Dezember das Zusammentreffen Baskows, der sich damals übrigens in Begleitung von Wilster befand, mit irgendeinem Lüneburger Bekannten Menkes ereignet, wodurch also klargestellt wurde, daß auch die umgekehrte Verwechselung auf der Hand läge. Baskow habe ihm alsbald darüber berichtet und hinzugefügt, daß er aus einer dumpfen Ahnung heraus sich gehütet habe, den Irrtum des Lüneburgers aufzuklären, und in der Folgezeit sei dann die Idee, diese unwahrscheinliche Ähnlichkeit auszunutzen, sehr bald gereift. Schon zu dem Zeitpunkt, als er im Januar die geschäftlichen Beziehungen zu Schlünz, dessen Name als einer der bekanntesten Edelsteinsammler ihm natürlich geläufig gewesen sei, anknüpfte, habe der Plan in allen großen Zügen festgestanden. Gleichzeitig habe man in geeigneter Weise in Lüneburg Erkundigungen nach den Lebensgewohnheiten des Doppelgängers eingezogen, und sei sich sehr bald darüber im klaren gewesen, daß die Entführung am einfachsten gelegentlich eines der allmonatlichen Ausflüge Menkes nach Hamburg stattfinden könnte. Gegen ihren Willen habe sich alles um einen Monat hinausgezögert, weil Menke wider Erwarten im Verlaufe des März nicht nach Hamburg gefahren sei. Deshalb habe er erst im April Schlünz den Gedanken nahegelegt, sich den Kronschatz des Maharadscha von Warangel kommen zu lassen, auf den man es von Anfang an vornehmlich abgesehen hatte.

Die größte Schwierigkeit sei gewesen, wie man Kilian Menke habe bestimmen sollen, die von ihm erwartete Mitwirkung zu leisten. Ihre Annahme, daß dazu einfache Bedrohungen ausreichen würden, sei an der treuherzigen Rechtlichkeit des Mannes sehr bald gescheitert. Da habe es sich ganz vorzüglich getroffen, daß zwischen Wilster und dem Gefangenen ein beiderseitig bis zu einem gewissen Grade durchaus ernstgemeintes Verhältnis gegenseitiger Sympathie sich herausgebildet habe, so daß es Wilster nicht übermäßig schwer gefallen sei, gewisse irrige Annahmen, denen sich Menke wegen des Zweckes des an ihm verübten Verbrechens hingegeben habe, zu pflegen und zu nähren, wodurch sich ohne weiteres ergab, daß sie den Häftling bis zum Schluß über den Sinn seiner Haft völlig im dunkeln lassen mußten.

Brechert gab noch an – aber man wußte nicht, wieweit das ganz ehrlich war –, daß jedenfalls ihm und Wilster Menke stets leid getan habe, da er ohne jede eigene Schuld oder Veranlassung ihr Opfer habe werden müssen. Wilster habe daher zur Bedingung gemacht, daß dem Verhafteten keinerlei Unbilden bereitet werden dürften, er habe ausdrücklich erklärt, daß er sich nicht scheuen würde, die ganze Geschichte zu verpfeifen, wenn ohne zwingende Not ihm ein Leid angetan würde. Er, Brechert, habe grundsätzlich die gleiche Haltung eingenommen und angeordnet, daß Menke so anständig behandelt würde, wie es mit ihren Interessen vereinbar sei. Er hoffe, fügte er hinzu, daß Menke sich nicht über besondere Quälereien zu beklagen habe.

Von Stieler erfuhr man, daß er gelegentlich der Verbüßung einer Zuchthausstrafe als rückfälliger Betrüger in der Strafanstalt Dreibergen den Robert Kufahl kennengelernt habe, der dort wegen Straßenraubes sechs Jahre zu verbüßen hatte. Stieler gab weiter an, daß entsprechend dem von Anfang an aufgestellten Plan als erster mit einem Teil der gestohlenen losen Steine Wilster über die Grenze gegangen sei. Einen weiteren Teil habe Farchau mitgenommen, der um die gleiche Zeit wie Baskow, aber getrennt von ihm, die Grenze passiert habe; Baskow selbst habe keinerlei Steine beim Grenzübertritt bei sich gehabt, weil man damit rechnen mußte, daß er als einmal verdächtig Gewesener besonders gründlich untersucht werden würde. Den kleinen Rest der losen Steine habe er, Stieler, bei seiner Ausreise mitnehmen sollen; der Termin seiner Ausreise sei noch nicht endgültig festgesetzt gewesen. Ebenso sei noch nicht entschieden worden, was mit dem möglichst unversehrt zu lassenden Schatz des Maharadscha geschehen solle. Brechert habe den Plan gehabt, ihn irgendwo in der Lüneburger Heide zu vergraben, um ihn nach Jahr und Tag, wenn kein Mensch mehr an die alte Geschichte denke, irgendwo in Amerika wieder auftauchen zu lassen. Nun habe man von einem zum anderen Tag umdisponieren müssen, weil dieser Berliner die Zusammenhänge, Gott wisse, wieso, aufgedeckt habe. Brechert habe nun wenigstens die wertvollen Edelsteine des Schmuckes retten wollen, was ja aber nicht mehr gelungen sei. Zu seiner übereilten Flucht sei Brechert namentlich durch den Hinweis des Detektivs, daß man vermute, daß Kilian Menke irgendwo in der Lüneburger Heide in Haft gehalten werde, veranlaßt. Denn danach mußte er sich sagen, daß die Entdeckung des Jagdschlosses Wüstenheck nur noch eine Frage von Tagen sein könne, also dringendste Beschleunigung geboten sei. Die übrigen Beteiligten hätten sich nach Mittelamerika auf Umwegen begeben sollen; sie seien aber durch Brechert noch vor seiner Verhaftung gewarnt; er wisse nicht, wo und unter welchem Namen sie jetzt zu finden seien.

Tatsächlich wurden die Entflohenen nicht ermittelt. Das Strafverfahren wurde nur gegen Kunz Brechert, Paul Stieler und Robert Kufahl durchgeführt; alle drei erhielten langjährige Zuchthausstrafen; verhältnismäßig am besten kam Brechert weg, weil Kilian Menke als Zeuge, während er für Stieler und Kufahl kein Wort einzulegen wußte, ihm auf Befragen seines Verteidigers bestätigte, daß Brechert auch nach seiner Überzeugung bestrebt gewesen sei, jede unnötige Schikane zu vermeiden, und daß, wenn er, Menke, im allgemeinen nicht unter besonderer Todesdrohung gestanden und das sichere Gefühl gehabt habe, daß man sein Leben, wenn irgend möglich, schonen wolle, er dies neben Wilster in erster Linie dem mäßigenden Einfluß Brecherts zu danken habe. Im übrigen gab Kilian Menke die viel beachtete Erklärung ab, daß er von seiner Freiheitsberaubung keinerlei dauernden Schaden davongetragen habe; im Gegenteil, so möchte er eher sagen, er sei um eine Erfahrung bereichert, die in seinem ferneren Leben vielleicht nicht ohne Segen sein werde. Die Frage des Vorsitzenden, was er damit andeuten wolle, bat Kilian Menke nicht weiter beantworten zu brauchen. Es falle ihm schwer, hierüber sich allgemeinverständlich auszudrücken, es handle sich dabei um Dinge, die in einem Gerichtssaal besser unerörtert blieben.

Elja, die übrigens mit Nachnamen Sinter hieß, wurde bei Frau Lengfeldt als Haustochter untergebracht. Man begegnete ihr dort allseitig mit dem günstigsten Vorurteil, weil man wußte, wie sehr sie Kilian Menke seine Leiden erleichtert, und welche entscheidende Rolle sie bei seiner Flucht gespielt hatte. Sie rechtfertigte dieses Vorurteil durch die ausgeglichene Gradheit und Unschuld ihres geheimnisvollen Wesens, das sich auch in der städtischen Umgebung durch ihre besondere und einfach-beschwingte Redeweise ausdrückte. Frau Lengfeldt aber wuchs auch sie besonders an das Herz, weil sie in diesem Naturkind ihrer Frauenseele innig verwandte Züge erkannte und weil sie mit der jüngeren das gleiche frohe Gefühl für Kilian Menke teilte.

Für allen männlichen und weiblichen Stadtklatsch aber wurde die sonderbare Beziehung und Nähe, die als Bleibsel der abenteuerlichen Entrückung zwischen Kilian und Elja auch in der neuen Umgebung beibehalten wurde, eine nie ausgeschöpfte Fundgrube des Kopfschütteins und des Nachrichtendienstes. Das war kein Wunder; denn was hätten die Bürger auch dazu sagen sollen, wenn sie das Gespräch belauscht hätten, das Kilian und Elja an einem Märzsonntag des nächsten Frühjahrs auf einem Spaziergang miteinander führten, mit dem wir diese an äußeren und inneren Abenteuern reiche Geschichte abschließen wollen?

»Kleine Elja, nun bist du mehr als ein halbes Jahr bei uns. Was soll denn mit dir werden?«

»Nichts soll werden. Bleiben soll's, wie es ist.«

»Aber du mußt doch irgendwo hinaus mit deinem Leben wollen.«

»Mein Leben ist höher hinausgegangen, als ich es mir je erträumen durfte, in Ihre Nähe. Höher geht's nimmer.«

»Aber das ist doch kein Beruf, kein Zweck, nur so in meiner Nähe zu sein.«

»Ein Beruf mag's nicht sein. Aber ein Zweck ist es schon; es ist die Erfüllung.«

»Aber wieso denn die Erfüllung, liebste Elja?«

»Der erste stille, schöne Mensch, der mir begegnet, waren Sie; mir ward die Gnade, Ihnen helfen zu dürfen. Nun bleibt mir nichts, als treu zu sein.«

»Das war ein schönes Wort, Elja, ein Wort aus unsrer Einsamkeit zu zwein. Sieh, früher, damals, ehe die Veränderung kam, hätte ich es für Unsinn gehalten, was du da sagst. Aber nun habe ich gelernt, es zu verstehen. Hast du es mich gelehrt?«

»Ich? Aber nein, wer bin denn ich? Das dunkle Walten, das über uns ist, ist unser Lehrmeister.«

 

Ende.

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