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Kasperls Abenteuer in der Stadt

Josephine Siebe: Kasperls Abenteuer in der Stadt - Kapitel 15
Quellenangabe
pfad/siebe/kaspstad/kaspstad.xml
typefiction
authorJosephine Siebe
titleKasperls Abenteuer in der Stadt
publisherHerold-Verlag R. & E. Lenk
seriesKasperle-Bücher
volume3
printrunSechzehnte Auflage
illustratorErnst Kutzer
firstpub1923
correctorreuters@abc.de
senderjens.sadowski@yahoo.com
created20111108
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Geraubt

Am nächsten Morgen blieb Kasperle dabei, er wollte nicht auf den Jahrmarkt gehen. Dem blassen Christli war das schon arg recht. Der hatte sich am Tage vorher sehr nach seinem Kameraden gesehnt, und er freute sich auf den heiteren Gartentag. Die Sonne meinte es besonders gut, sie schien es sich vorgenommen zu haben: Heute scheinst du den Torburgern recht freundlich und warm zu ihrem Jahrmarkt.

Nach Mittag liefen die Leute darum auch alle auf den Platz. Alle fragten sie: »Ob heute Kasperle wohl wieder so pudelnärrisch kaspern wird?« Aber kein Kasperle ließ sich sehen. Das lag im Garten lang auf der Wiese und sah zu, wie Christli kasperte.

Der wollte nämlich von seinem Freund das Gesichterziehen lernen. Kasperle und Marlenchen saßen darum im Grase, sie waren Zuschauer, und Christli war Kasper. Aber es war kein gutes Kasperle, er blieb immer Christli, konnte kein Teufels-, Räuber-, Spitzbubengesicht machen, und wie die Prinzessin Gundolfine konnte er schon gar nicht dreinsehen. Er mühte sich ordentlich ab, aber es ging nicht.

»Ich glaube, es liegt an den Höslein,« sagte Kasperle plötzlich; »wir müssen tauschen.«

»Ach ja,« rief Christli, »jetzt ziehen wir uns um!«

Das war nun wirklich vergnüglich; Christli schlupfte in Kasperles grasgrünes Röcklein, dieser in Christlis feinen weißen Anzug, und dann schauten sie sich beide an, lachten und lachten. Marlenchen lachte mit, und als endlich Christli das Kaspern versuchte, da – konnte er es nicht.

»Fang mit dem Purzelbaum an!« riet Kasperle.

Sie saßen alle am Wiesenhang am Seitenrande des Wäldchens. Innen im kleinen Walde rief und lockte einmal ein Vogel, seltsam klang es, aber die Kinder hörten nicht darauf.

Und nun schoß Christli einen Purzelbaum. Bergab ging es ganz flink und geschickt. Er überschlug sich einmal, noch einmal, drehte sich ein wenig, kam an ein Gebüsch und – weg war er.

»Kasperle,« rief Kasperle, denn die Namen hatten sie auch vertauscht, »nun mußte rauf purzelbaumen.«

Unten blieb alles still.

»Kasperle, komm doch!« lockte Marlenchen.

Wieder blieb es still.

»Er hat sich versteckt,« sagten die beiden zueinander und schwiegen eine Minute.

»Es donnert,« sagte Kasperle plötzlich.

»Ach wo!« Marlenchen schaute zum Himmel empor. Strahlend hell war der. »Es war ein Wagen, – aber wo nur Christli bleibt?«

»Du mußt ‚Kasperle‘ sagen,« verbesserte Kasperle. Da riefen beide aus Leibeskräften: »Kasperle, komm doch!«

Es blieb alles still.

Eine jähe Angst ergriff die Kameraden. Sie rannten den Abhang hinab, suchten und riefen, riefen und suchten. Kein Christli war zu sehen. Einen Fluß, in den er gefallen sein konnte, gab es nicht, ein Erdloch auch nicht. Wo war er nur hin?

»Dort ist er hingelaufen,« rief Kasperle. Ein grünes Schleifchen lag da, eins von denen, mit denen seine Höslein unten geschmückt waren. »Er will uns necken, er ist in den Garten zurückgerannt,« sagten beide und liefen zusammen zurück.

Sie kamen an ihren Spielplatz, kein Christli war da. Die Türe des Gartenhäuschens stand offen. Sie schauten hinein, riefen, aber keine Antwort kam.

»Er ist zu Meister Helmer gelaufen,« riefen die beiden sich tröstend zu. Sie liefen auch zu Meister Helmer. Der saß vor seinem kleinen Haus im bunten Garten; er war allein. Er hatte Christli auch nicht gesehen. Der gute alte Mann geriet in Angst um das Prinzlein. Er ging mit Kasperle und Marlenchen suchen, denn er dachte: Christli ist vielleicht etwas zugestoßen und liegt irgendwo blaß und ohnmächtig. Er suchte und suchte, die beiden Kameraden halfen, aber nirgends war eine Spur von Christli zu erblicken. Nur da, wo Kasperle die Schleife gefunden hatte, sah Meister Helmer, daß jemand mit großen, schweren Schuhen gegangen war. Eine furchtbare Angst überfiel ihn. »Christli ist geraubt worden,« sagte er. »Schnell, schnell, man muß Hilfe holen!«

Marlenchen schluchzte auf, Kasperle brüllte gleich ganz entsetzlich, aber dann lief er doch, als Meister Helmer sagte: »Es eilt!«, um den Fürsten und Meister Severin zu holen. Und wie rannte Kasperle. Er sprang, purzelbaumte, riß beinahe drei Menschen, einen Hund und einen kleinen Herrn um und kam sehr geschwind auf dem Kirchplatz an. Dort geschah noch das letzte Unheil. Er riß einen um, der ihm sehr gewichtig entgegenkam: den Bürgermeister.

Plauz! saß der dicke Herr da. Kasperle aber raste schreiend weiter: »Christli ist geraubt worden, Christli ist geraubt worden!«

Der Bürgermeister wurde so weiß wie sein frischgewaschenes Schnupftuch. Was schrie Kasperle da? Und wie kam Kasperle überhaupt noch hierher?

»Christli ist geraubt worden, Christli ist geraubt worden!« Kasperles Geschrei scheuchte den Fürsten, den Professor und die Waldhausleute auf. Die kamen heraus, und der dicke Bürgermeister konnte sich nicht mehr vor ihnen verstecken. Eigentlich hätte er es gern getan.

»Kasperle, schrei nicht so, rede!« Wenn Meister Severin so sprach, dann wurde das Kasperle meist ganz vernünftig. Er erzählte jetzt auch, freilich mit jämmerlichem Geheul, was geschehen war.

»Mein Christli verschwunden!« Der Fürst wurde totenbleich, und da er den Bürgermeister noch immer auf dem Platz sitzen sah, rief er: »Herr Bürgermeister, haben Sie es gehört: Am hellen Tag wird mein Kind hier in Torburg geraubt!«

»Ach, das schwätzt der Kasper!« brummte der Bürgermeister und sah ganz bissig zu diesem hin.

»Das ist wahr!« Hei, sah Kasperle auf einmal fuchsteufelswild aus! Ordentlich ängstlich wich der Bürgermeister zurück.

»Aber Kasperle, du hast Christlis Anzug an!« rief da Frau Liebetraut.

Kasperle nickte und erzählte, wie das gekommen sei.

»Dann haben sie den Kasper rauben wollen – und«

»Kasperle hat recht gesehen, die Prinzessin Gundolfine war hier in Torburg,« rief der Meister Severin. Dabei sah er unwillkürlich den Bürgermeister an, sah den ganz grün werden, und er dachte bei sich: Er hat ein böses Gesicht – vielleicht auch ein böses Gewissen.

»Man muß suchen,« stotterte der Bürgermeister. »Ich werde sofort reitende Boten überallhin schicken. Aber geraubt, – ich kann es mir nicht denken! Er ist vielleicht in ein Erdloch gefallen.«

»Nä, wir haben alles durchsucht.« Kasperle sah trotzig drein. »Er ist fort.«

»Seit wann denn?«

Ja, das wußte Kasperle nicht genau. Ein paar Stunden mochten während dem Suchen vergangen sein. Der Nachmittag war schon weit vorgerückt, und der Fürst drängte: »Schnell, schnell! Die Polizei soll suchen, Herr Bürgermeister!«

»Ja gewiß, ganz schnell!« rief der.

Aber so arg schnell ging es nicht. Erst müsse der Garten ganz genau abgesucht werden, behauptete der Bürgermeister. Er sagte, am besten wäre es, vorläufig über den Raub zu schweigen. Ja, das wäre schon gegangen, wenn Kasperle nicht gewesen wäre! Der heulte so laut, daß bald ganz Torburg in Aufregung geriet. Es war doch unerhört: Am hellen Tage wurde in der guten Stadt ein Kind geraubt!

»Wir müssen suchen, wir müssen suchen!« rief alles.

»Niemand darf über die Grenze gehen; das ist verboten,« befahl der Bürgermeister.

Ja freilich, das war verboten, aber in der Dämmerung stieg doch die gute Gräfin Agathe in einen Wagen, um Christli nachzufahren. Sie sagte auch wie Frau Liebetraut: »Den hat die Prinzessin Gundolfine rauben lassen. Ich hole ihn; ich werde es schon herausbekommen, ob er im Schloß ist. Und vor mir fürchtet sich der Herzog August Erasmus ein wenig.«

Warum denn? dachte Marlenchen. Sie wußte noch nicht, daß manche, die bös und ungut sein können, sich vor sehr guten Menschen fürchten.

Als der Wagen abfahren sollte, kamen Meister Severin und Frau Liebetraut aus ihrem Hause. Marlenchen stand bitterlich weinend am Wagen, und auf einmal sagte die Gräfin: »Kasperle soll mir noch beschreiben, wie es in den Turm auf Burg Himmelhoch hineingeht. Wo ist er denn?«

Ja, wo war Kasperle.

»Vorhin hat er noch hier gesessen und geweint,« sagte Frau Liebetraut ängstlich.

»Sie haben ihn auch geraubt!« klagte Marlenchen erschrocken.

»Nä!« klang es jämmerlich aus dem Wagen heraus.

»Aber Kasperle, was machst du denn da?«

»Ich will mit, ich – ich – will Christli befreien; ich – ich bin – doch – sein Freund!« Kasperle schluchzte laut.

»O du gutes kleines Kasperle!« sagte der Fürst. In all seiner schweren Sorge um den Liebling war ihm das Kasperle, das so treu die Freundschaft hielt, ein rechter Trost.

»Es ist recht, mein Kasperle; du fährst mit, und wir befreien Christli zusammen. So, nun komm, lege dich unter den Sitz und wickle dich in die Decke, damit dich niemand sieht!« sagte die Gräfin.

Marlenchen schluchzte herzbrechend. »Ich will auch mit!« rief sie. Aber die Muhme Agathe sagte mild: »Du mußt Christlis Vater trösten.«

Da legte Marlenchen ihre kleine Hand in die des Fürsten und sagte: »Ich weiß schon, daß Christli zurückkommt, ich will aber fleißig darum beten.«

Zuletzt stieg Herr Severin, als Diener verkleidet, mit auf den Bock. »Kasperle, wir helfen alle zusammen,« sagte er.

Torburg hatte zwei Tore. Durch eins rannten alle, durch das andere niemand. Durch dieses fuhren an diesem Tag die Gräfin und Kasperle. Der kleine Schelm heulte; tropf, tropf! liefen ihm die Tränen herab, ein Dorfbrünnlein konnte nicht mehr Wasser vergießen.

»Sei ruhig, mein Kasperle!« sagte die Gräfin. »Hab' nur keine Angst, ich lasse dich nicht auf Himmelhoch!«

Herr Severin kannte allerlei Seitenwege, denn er lief oft stundenlang spazieren. Die fuhr man entlang. Durch den Wald ging es, da war es still und friedsam. Kasperle durfte unter dem Sitz hervorkriechen, und die Gräfin nahm ihn auf den Schoß. So fuhren sie durch die milde, warme Sommernacht.

Zuletzt versiegten Kasperles Tränen, und er schlief ein, schlief fest und ruhig, und die Gräfin betrachtete sein Gesicht und dachte: Wie hübsch kann doch das Kasperle aussehen! So lieb und brav und so gut ist es. Fährt mit zu dem Herzog, vor dem es doch solche Angst hat, um seines Freundes willen. Wirklich, der Herzog könnte sich eigentlich an Kasperle ein Beispiel nehmen.

Als der Morgen dämmerte, tauchte Burg Himmelhoch auf. Etliche Fenster waren erleuchtet, und die Gräfin dachte: Dort muß etwas geschehen sein. Sie bekam auf einmal heftige Angst um Christli. Der zarte, blasse Bube, – wer weiß, was man mit ihm angefangen hatte! Oh, sie wußte wohl, die Base Gundolfine konnte böse sein!

»Kasperle,« sagte sie ängstlich, »wache auf! Wir sind gleich da.«

»Wo denn?« Kasperle rieb sich die Augen. Erst wußte er gar nicht, wo er war, als aber die Gräfin sagte: »Kasperle, sei brav und schrei nicht! Wir kommen jetzt nach Himmelhoch,« erschrak er gewaltig, und die Gräfin mußte ihm den Mund zuhalten, sonst hätte er losgebrüllt. Ganz ängstlich kroch er wieder unter den Sitz, Gräfin Agathe wickelte ihn in ein Tuch, stellte noch einen kleinen Reisesack vor, und dann mahnte sie noch einmal: »Kasperle, sei vernünftig, schrei nicht, mache keine Dummheiten!«

»Huhu!« stöhnte Kasperle.

»Jetzt fahren wir zum Schloß hinauf, über die Brücke. Kasperle, sei still!«

Da war Kasperle plötzlich muckstill. Der Wagen rollte in den Burghof hinein, Herr Severin knallte mit der Peitsche und rief: »Hollahe, wir sind da!«

Einer kam angerannt, der brummte: »Wer sind denn wir?«

»Ich bin es.« Die Gräfin schaute zum Wagenfenster hinaus, und der Diener blickte sie etwas verdutzt an. »Ich will den Herzog sprechen.«

»Aber der liegt doch im Bett und schläft!«

»Warum ist denn so viel Licht im Schloß?«

»Der Herzog hat doch morgen Geburtstag!« sagte der Diener.

»Aber sprechen muß ich ihn.«

»Das geht nicht.«

Da war die Gräfin schon ausgestiegen, und der Herr Severin setzte ein Pfeiflein an den Mund und pfiff eine lustige Weise. Die lockte und rief.

»Sei stille!« rief der herzogliche Diener.

Da tat sich die Schloßtüre auf und Kasperle hörte eine gute, wohlbekannte Stimme. Der alte Haushofmeister war es. Der erkannte auch gleich die Gräfin, und merkwürdig, er war gar nicht sehr verwundert.

»Der Herzog steht bald auf,« sagte er und führte die Gräfin in das Schloß. Er führte sie durch einen langen Gang, öffnete sein Zimmer und da – lag Christli auf dem Sofa und schlief.

»Christli – also ist er doch hier!« rief die Gräfin.

Der alte Haushofmeister nickte. »Die Prinzessin Gundolfine hat ihn heute nacht gebracht. Sie denkt aber, es sei Kasperle, und sie will ihn morgen dem Herzog zum Geburtstag schenken.«

Christli hatte das Sprechen gehört, er schlug die Augen auf, sah seine gute Muhme und jauchzte: »Du bist da! Oh, mich hat so eine böse, böse Frau gestohlen!« Und dann erzählte er, wie es gekommen war. Er war beim Purzelbaumen ganz dicht an den Waldrand gefallen und hatte gedacht: »Jetzt bin ich mal ein Weilchen ganz still und lasse Kasperle und Marlenchen nach mir rufen.« Und wie er so dagelegen hatte, war plötzlich ein dunkles Tuch über ihn gefallen, und ehe er noch wußte, wie und was, hatte ihn jemand rasch zusammengerollt, hatte ihm etwas in den Mund gesteckt, und dann hatte er gefühlt, wie er fortgetragen wurde. Darauf wurde er in einen Wagen geworfen, und fort ging es.

Und da war es dem armen kleinen Prinzen Christli ganz übel ergangen. Die Prinzessin Gundolfine hatte ihn eingepackt liegen lassen und ihn sogar manchmal mit dem Fuß angestoßen und gefragt: »Na, Kasperle, wie gefällt es dir, daß du nun hier so still liegen mußt? Warte nur, dir soll es noch arg schlimm gehen!«

Christli hatte zwar das dicke Taschentuch, das ihm der Mann in den Mund gesteckt hatte, herausziehen können, er war aber ganz, ganz still gewesen. Sie halten mich für Kasperle, hatte er gedacht. Nun soll die böse Prinzessin auch erst im Schloß sehen, was für ein Kasperle sie gefangen hat.

Endlich hatte jemand gesagt: »Prinzessin, Sie werden Kasperle noch tot machen, er ist sowieso so still.«

Da hatte die Prinzessin den armen Christli liegen lassen, und als sie spät abends angekommen waren, hatte sie Christli eingewickelt, wie er war, in den Keller tragen lassen wollen. Aber da war der Herzog gekommen, und sie hatte nur noch rasch zu dem Haushofmeister gesagt, er solle das Paket gut in acht nehmen, das sei ihr Geburtstagsgeschenk für den Herzog, und im Keller müsse es liegen.

Der Haushofmeister hatte gleich gedacht: Da steckt eine böse Geschichte dahinter. Er hatte das Paket ausgewickelt und den blassen und erschöpften Christli darin gefunden, den er wohl kannte.

»Es ist schon ein Bote an den Fürsten von Wolkenstein unterwegs,« sagte der Haushofmeister. »Ich habe ihm geschrieben, daß Prinz Christli hier ist.«

»Warum haben Sie nicht nach Torburg zu Christlis Vater geschickt?« fragte die Gräfin erstaunt.

»Ei,« antwortete der Haushofmeister, »der Bürgermeister in Torburg ist ein guter Freund der Prinzessin, der hat ihr sicher geholfen, der und auch die alte Kräuterfrau Mummeline aus Waldrast.«

So hatte Kasperle doch recht gehabt mit seiner Angst.

»Armes Kasperle!« sagte Christli traurig.

Die Gräfin lächelte ein wenig. »Kasperle ist so ein guter Freund, wie du einer bist,« sagte sie. »Nun schlafe aber noch, mein Christli! Und wenn dich die Prinzessin Gundolfine holen läßt, dann gehe ich mit. Ich will es dem Herzog einmal sagen, wie böse sie ist!«

»Ich muß aber Christli wieder einpacken, wie er angekommen ist, denn die Prinzessin soll erst in Gegenwart des Herzogs sehen, wen sie mitgebracht hat.« Der alte Haushofmeister sah ordentlich böse drein, als er von der Prinzessin sprach.

»Wenn sie aber vorher hereinkommt?« Christli wurde nun doch ein wenig ängstlich.

»Ich schließe zu, und die Prinzessin mag mich suchen lassen, wo sie will; sie soll mich erst finden, wenn der Herzog schon aufgestanden ist und in den Thronsaal geht,« sagte der Haushofmeister. »Ich weiß schon allerlei Winkel im Schloß, wo man sich verstecken kann. Heute steht der Herzog auch sehr früh auf, weil so viele Leute kommen, um ihm zu gratulieren.«

Der gute alte Haushofmeister brachte selbst noch etwas zu essen herein, einen Krug Milch dazu, dann nahm er Abschied und sagte: »Na, unser Herzog wird Augen machen, wenn er statt Kasperle seines Bruders Sohn sieht! Ich glaube, – er schämt sich gewiß.«

Und dann ging der Haushofmeister hinaus, schloß sorgsam die Türe zu und sagte draußen zu Veit: »Du bleibst immer in meiner Nähe, und wenn die Prinzessin kommt, warnst du mich.«

Das versprach Veit, und just da klingelte der Herzog. Er wollte aufstehen.

Es ist auch Zeit, dachte der Haushofmeister.

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