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Kasperles Spiele und Streiche

Josephine Siebe: Kasperles Spiele und Streiche - Kapitel 9
Quellenangabe
pfad/siebe/kasstrei/kasstrei.xml
typefiction
authorJosephine Siebe
titleKasperles Spiele und Streiche
publisherHerold-Verlag G. m. b. H.
printrunachtzehnte Auflage
year1940
illustratorErnst Kutzer
correctorreuters@abc.de
senderJens Sadowski
created20130201
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Kasperle will ein Dichter werden

Personen:

Kasperle

Ein berühmter Dichter

Ein Polizist

Ein Feuerwehrmann

In der Stube des Dichters.

Kasperle: »Guten Tag, Herr Dichter.«

Dichter: »Na Kasperle, was willst du denn?«

Kasperle: »Ich will dichtern lernen.«

Dichter: »Aber, Kasperle, dichten heißt es.«

Kasperle: »Meinetwegen gedichten.«

Dichter: »Dummkopf!«

Kasperle: »Das ist leicht gesagt zu einem, der erst was lernen will.«

Dichter: »Aber dichten kann man nicht lernen, das muß man können.«

Kasperle: »Wenn man es aber nicht kann?«

Dichter: »Dann lernt man es auch nicht.«

Kasperle: »Das ist schlimm, denn ich will ein großer Dichter werden und sehr viel Geld verdienen.«

Dichter: »Als Dichter verdient man aber nur sehr wenig Geld.«

Kasperle: »Mit dem Kaspern auch, und das habe ich satt, nun will ich Dichter werden.«

Dichter: »Da kannst du keine Windbeutel essen.«

Kasperle: »Ich esse nicht viel, höchstens sechzehn Stück auf einmal.«

Dichter (lacht): »Hahahahaha, du Vielfraß!«

Kasperle: »Ich bin ein Vielfraß, aber du sollst mir nun endlich das Dichtern beibringen, morgen ist mein Geburtstag, da will ich ein großer Dichter sein.«

Dichter: »Hallo, das soll ja flink gehen! Nun, sag mir mal einen Vers.«

Kasperle: »Paß auf, nun kommt etwas ganz Feines: Also höre gut zu:

Da stehn Rosen,

Ich setz mich auf die Hosen;

Und fresse fünfzehn Küchlein,

Gelt, das ist fein?«

Dichter: »Fein ist das nicht gerade. Paß auf, wir wollen eins zusammen dichten. Du mußt den Reim finden auf: Im Himmel schwingt ein Lilienstengel.«

Kasperle: »Der Dichter ist ein dummer Bengel.«

Dichter: »Das ist frech.«

Kasperle: »Das ist Blech!« (Lacht)

Dichter: »Das ist nicht zum Lachen.«

Kasperle: »Ich soll doch Verse machen.«

Dichter: »Aber ordentliche Verse.«

Kasperle: »Machst du se nicht, macht er se.«

Dichter: »Halt den Mund.«

Kasperle: »Dichten ist gesund.«

Dichter: »Du bist ein elender Reimschmied.«

Kasperle: »Du kannst im Dichten nicht mehr mit.«

Dichter: »Wart nur, du unnützes Kasperle, gleich ruf ich die Polizei!«

Kasperle: »Davon geh ich nicht entzwei!«

Dichter: »Polizei! Polizei!«

Kasperle: »Herbei! Herbei!« (Ein Polizist tritt auf.)

Polizist: »Schön guten Tag, was soll ich denn?«

Dichter: »Kasperle mitnehmen, es stiehlt mir meine Zeit.«

Kasperle (weinerlich): »Das ist nicht wahr! Ich will doch dichtern lernen!«

Polizist: »Ein löblicher Vorsatz, Herr Dichter, kann es denn das noch nicht?«

Kasperle: »Jawohl, ich kann es, gleich sage ich euch einen wunderschönen Vers. Hört gut zu:

Da stehen Rosen,

Ich setz mich auf die Hosen;

Und fresse fünfzehn Küchlein,

Gelt, das ist fein?«

Polizist: »Ein respektables Gedicht, wunderschön.«

Dichter: »Einer ist so dumm wie der andere. Ich werde die Feuerwehr rufen und sie beide hinausschmeißen lassen, damit ich endlich weiterarbeiten kann.« (Ruft am Fernsprecher): »Feuerwehr!«

Kasperle: »Das wird ungemütlich, ich reiße aus.« (Springt davon)

Polizist: »Halt, halt, ausgerissen wird nicht.« (Rennt ihm nach)

Dichter: »So, nun wären sie ja beide draußen, nun kann ich arbeiten, nun werde ich das Gedicht vom Engel mit dem Lilienstengel selbst schreiben. Mein Genius erscheine!« (Ein Feuerwehrmann tritt auf und spritzt mit einer Blumenspritze den Dichter naß.)

Feuerwehrmann: »Wo brennt’s denn?«

Dichter: »Na, hier doch nicht, Dummkopf!«

Feuerwehrmann: »Das ist eine Beleidigung, indem daß ich ein Feuerwehrmann und kein Dummkopf bin, dafür werden Sie bestraft, und dafür, daß es nicht brennt, werden Sie auch noch bestraft, bestraft werden Sie auf alle Fälle.«

Dichter: »Naß gespritzt und auch noch bestraft werden, an allem ist das verflixte Kasperle schuld.« (Der Vorhang fällt.)

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