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Kasperles Spiele und Streiche

Josephine Siebe: Kasperles Spiele und Streiche - Kapitel 8
Quellenangabe
pfad/siebe/kasstrei/kasstrei.xml
typefiction
authorJosephine Siebe
titleKasperles Spiele und Streiche
publisherHerold-Verlag G. m. b. H.
printrunachtzehnte Auflage
year1940
illustratorErnst Kutzer
correctorreuters@abc.de
senderJens Sadowski
created20130201
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Kasperle als Lehrer

Personen:

Kasperle

Plumpmann, der Schuldiener

Schulkinder (sämtliche Puppen, die es gibt)

Lehrer Müller

Spielt in einer Schule.

Kasperle (tritt auf; ehe man es sieht, hört man es nach Kasperleart schreien, dann betritt es den Schulhof, fällt auf die Nase und schreit erst recht):

»Jemine, jemine,

Mein Bein tut weh,

Meine Nase auch

Und auch der Bauch.« (steht wieder auf)

»Wenn alles weh tut, kann man nicht dichten, und mein Freund, der Kasperlemann, hat doch gesagt, das wünschen die Kinder.« (Man hört die Kinder Hans, Heinz, Hinz, Lotte, Lore, Liese durcheinander rufen.)

Kasperle: »Wenn man von Kindern spricht, sind sie auch nicht mehr weit, da hör’ ich schon welche.« (Geht in die Schule) »Heda, was macht ihr denn da?«

Kinder: »Wir warten auf den neuen Lehrer.«

Kasperle: »Der bin ich.«

Kinder: »Hat der eine große Nase!«

Plumpmann (der Schuldiener, kommt eilig herbei): »Was sagen Sie, mein Herr, der neue Lehrer wollen Sie sein? Wer das glaubt, so sehen Sie gar nicht aus.« (Beiseite: »Den will ich mal ausfragen, daß er vor Angst bibberbebbern soll.«)

Plumpmann »Hören Sie, wie heißen Sie denn, am Ende Müller?«

Kasperle: »Jawohl, Müller 18000. So viele Müller gibt es noch außer mir bei uns daheim.«

Plumpmann: »Ach nein.« (Beiseite: »Scheint ein heller Kopf, daß er gleich die Zahl weiß, aber ich frag’ weiter«): »Woher kommen Sie denn, aus Frankfurt?«

Kasperle: (stolz): »Aus Frankfurt, lieber Mann!«

Plumpmann (beiseite: »Jetzt fällst du rein«): »Plumpmann heiße ich, das wissen Sie wohl sicher nicht.«

Kasperle: »Plumpmann heißen Sie, wie sollt’ ich das nicht wissen?«

Plumpmann (beiseite: »Er ist’s scheint’s doch, alle Fragen beantwortet er«) »Daß unser Bürgermeister Dick heißt, wissen Sie wohl auch?«

Kasperle: »Jawohl, weiß ich, Dick und nicht Dünn!«

Plumpmann: »Jemine, er ist’s! Kommen Sie nur rein, Herr Lehrer. Wir haben lange auf Sie gewartet, weil Herr Strohmeyer – wissen Sie übrigens, wie unser richtiger Lehrer heißt?«

Kasperle (schlau): »Strohmeyer natürlich.«

Plumpmann: »Sie sind anscheinend doch der neue Lehrer. Die Kinder sind schon lange ohne Aufsicht, und vertreten Sie Ihren Kollegen gut.«

Kasperle (tritt Plumpmann auf den Fuß.)

Plumpmann: »Au! Aber Herr Lehrer Müller!«

Kasperle: »Sie wollten doch getreten sein.« (Lacht)

Plumpmann (beiseite: »Er ist’s scheint’s doch nicht, er sieht auch so merkwürdig aus«): »Sie wissen wohl nicht, daß Sie Sing-, Lese- und Rechenstunden geben sollen. Was für Stunden wollen Sie denn jetzt geben?«

Kasperle: »Singen, Lesen und Rechnen, singen kann ich selbst sehr gut.« (Singt):

»Bei meinem Kasperlebein,

Jetzt komm’ ich in die Schule rein

Und haue rechts und haue links

Jedes Trippeltrappeldings –

Nehmet euch in acht,

Daß mir niemand lacht,

Kasperle ist ein ernster Mann –

Seht nur meine Nase an.«

Kinder (alle): »Kasperle, hurra, Kasperle kommt!«

Kasperle:

»Wollt ihr wohl nicht so schrein,

Potz Donner, Licht und Strampelbein,

Gleich gebt ihr jetzt Ruh’,

Mäuler auf und Ohren zu.

Nicht doch, nicht doch, andersrum –«

Kinder: »Heisassa, ist Kasperle dumm.«

Kasperle: »Ich heiße doch, na wie?«

Kinder: »Du heißt Kasperle.«

Kasperle:

»Potz Donner und Licht,

Das bin ich nicht –

Bin Herr Müller, wer mich anders nennt,

Dem bald sein Buckel brennt –«

Kinder:

»Oje! Kasperle will Lehrer sein,

Das wird aber fein.«

Kasperle:

»Grob oder fein, mir ganz gleich,

Paßt auf, nun kommt der erste Streich:

Wieviel ist ein Bein und noch ein Bein?«

Kinder (alle): »Zwei, zwei, zwei!«

Kasperle: »Falsch! Das sind drei.« (Es streckt seine Beine u. seinen Stock über die Brüstung u. zählt): »Eins, zwei, drei!«

Kinder: »Das eine ist doch ein Stock!«

Kasperle:

»Stock her, Stock hin,

Ein Bein soll’s sin.«

Kinder: »Er kann selbst nicht rechnen.«

Kasperle:

»Oho, das kann ich gut,

Gebt mir mal einen Hut –

Wieviel Stücke sind das?«

Kinder: »Eins.«

Kasperle:

»Zwei, denn er geht einmal entzwei,

vielleicht werden’s auch gleich drei.

Aber ihr seid dumm, laßt’s Rechnen bleiben,

wir wollen jetzt mal schreiben.«

Kinder: »Kasperle.«

Kasperle: »Das geht leider nicht, die Wandtafel hängt zu hoch –«

Kinder: »Du bist doch Herr Müller!«

Kasperle: »Ach so! Herr Müller – das war ja nur ein Spaß. Bald kommt der rechte Herr Müller!« (Man hört vor der Türe Lärm, der richtige Lehrer kommt.)

Der richtige Lehrer: »Lassen Sie mich rein, ich muß hinein, bin zur Vertretung hergeschickt. Was sagen Sie? Ich wär’ schon drin, ich, der Lehrer Müller aus Frankfurt? Platz da, Plumpmann, ich kenne meine Pflicht, Sie vertreiben mich nicht!«

Plumpmann: »Nee, noch einer wird nicht reingelassen!«

Richtiger Lehrer: »Das wollen wir doch mal sehen!« (Er schiebt Plumpmann heftig zur Seite, der vor Schreck über die Brüstung fliegt.)

Plumpmann (von unten): »Der andere, der schon drin ist, ist doch der Richtige, der hat alles gewußt, was ich ihn gefragt habe!«

Richtiger Lehrer: »Still! Jetzt gehe ich in die Klasse!« (Kasperle macht einen Satz und kriecht unter das Katheder.)

Richtiger Lehrer: »Guten Morgen, Kinder!«

Kinder: »Guten Morgen, Herr Schulze!«

Richtiger Lehrer: »Ich heiße Müller.«

Kinder: »So hieß ja der, der vorher da war.«

Richtiger Lehrer: »Wo ist er denn?« (Dreht sich im Kreise herum, jedesmal, wenn er am Katheder vorbeikommt, zwickt ihn Kasperle in die Beine.) »Potzwetter, das ist ja eine verhexte Schule.«

Kasperle:

»Schrippelschrappelschrumm,

Ein Gespenst geht hier um,«

Richtiger Lehrer:

»Ich lasse mich nicht schrecken,

Von dem Gespenst nicht necken,

Denn – (er packt Kasperle)

Hab’ ich dich oder nicht,

Du bist es sicherlich – du Wicht.«

Kasperle (heult): »Ich bin Kasperle.«

Richtiger Lehrer: »Was, Kasperle hier in der Klasse? Was ist das für ein Unsinn? Raus mit ihm!« (Er wirft Kasperle hinaus; Plumpmann, der gerade horchen will, bekommt ihn an den Magen.)

Plumpmann: »Herr Lehrer, das war nicht fein.«

Kasperle:

»Laß sein, ich will nur raus,

Der da drin ist mir zu graus.«

(Purzelt über die Brüstung)

Plumpmann:

»Ich sehe rechts, ich sehe links,

immer ist’s dieses Klapperdings.

Müller hin, Müller her,

ich gehe heim, ich mag nicht mehr.«

(Er verläßt die Szene.)

(Man hört den richtigen Lehrer in dem Klassenzimmer sagen): »Das Gelächter hört jetzt auf. Jetzt wird gelernt! Das –«

Kasperle (steckt den Kopf über die Brüstung): »Guten Tag, ihr Kinder, ich bin wieder da. Wollt ihr mich haben, bin gleich wieder bei euch.«

Kinder:

»Herein, herein, Kasperle klein,

Du sollst uns willkommen sein.«

Plumpmann (kehrt zurück): »Ruhe, es ist jetzt Schluß.« (Klingelt mit einer großen Glocke)

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