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Kasperles Spiele und Streiche

Josephine Siebe: Kasperles Spiele und Streiche - Kapitel 3
Quellenangabe
pfad/siebe/kasstrei/kasstrei.xml
typefiction
authorJosephine Siebe
titleKasperles Spiele und Streiche
publisherHerold-Verlag G. m. b. H.
printrunachtzehnte Auflage
year1940
illustratorErnst Kutzer
correctorreuters@abc.de
senderJens Sadowski
created20130201
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Kasperle und Prinzessin Gundolfine

Personen:

Kasperle

Binchen, Kammerjungfer

Prinzessin Gundolfine

Die erste Szene spielt im Walde, die zweite Szene im Schloß der Prinzessin.

Kasperle (tritt auf, seufzt und stöhnt): »Uff, ich habe sechzehn Küchlein gefressen und dreizehn Bratwürstlein, ich bin plumpsatt.« (Binchen kommt und weint.)

Kasperle: »Jemine, was ist denn dir etwa passiert?«

Binchen: »Ach, was ganz Schreckliches.«

Kasperle: »Erzähle mal, Kleine, wie heißt du denn?«

Binchen: »Binchen.«

Kasperle: »Ach so, Tinchen.«

Binchen: »Nein, Binchen.«

Kasperle »Also Linchen.«

Binchen: »Nein, Binchen.«

Kasperle »Meinetwegen Minchen.«

Binchen: »Ach, du machst dich über mich lustig.«

Kasperle (weinerlich): »Ich bin doch Kasperle, ich muß doch ein Späßlein machen.«

Binchen: »Ach, Kasperle bist du, dann kannst du mir nicht helfen, denn auf dich ist die Prinzessin Gundolfine ganz schlecht zu sprechen.«

Kasperle: »Uh je, die Prinzessin Gundolfine, ich bekomme gleich Leibschmerzen vor Schreck.«

Binchen: »Das glaube ich, die kann dich auch gar nicht leiden.«

Kasperle: »Was hast du denn mit der Prinzessin zu tun?«

Binchen: »Ich bin ihre Kammerjungfer.«

Kasperle: »Ach so, ihre Jammerkungfer.«

Binchen: »Ach du verdrehtes Kasperle! Ich habe wirklich meine Tränen vergessen über deinem Unsinn. Aber nun muß ich gehen. Na, das wird einen schönen Krach von der Prinzessin geben.« (Fängt wieder an zu weinen)

Kasperle: »Warum heulst du denn schon wieder, alte Heulsuse?«

Binchen: »Ach, ein Bauer hat sich auf den neuen Hut der Prinzessin gesetzt.«

Kasperle: »Was ist denn dabei?«

Binchen: »Nun ist er ganz zerdrückt.«

Kasperle: »Wer? Der Bauer?«

Binchen: »Aber nein doch, der Hut.«

Kasperle: »Ist das schlimm?«

Binchen: »Sehr schlimm.«

Kasperle: »Was gibt’s denn da?«

Binchen: »Krach.«

Kasperle: »o jerum, das ist schlimm! Aber nicht so schlimm wie Hiebe. Ich habe einen Einfall!«

Binchen: »Wenn es nur kein Reinfall ist. Was willst du tun?«

Kasperle: »Ich ziehe mich als Mädchen an und gehe zur Prinzessin. Ich käme an deiner Stelle, sage ich, du hättest den Schnupfen bekommen oder wärest von Räubern geraubt oder von einem Löwen zerrissen worden.«

Binchen: »Bleibe nur beim Schnupfen! Hazzih! (niest), den habe ich wirklich, und vor einem Schnupfen hat die Prinzessin große Angst.«

Kasperle: »Gut, ich werde sagen, du hättest schon eine ganz rote Nase. Und weißt du, was ich tue? Ich bringe die Prinzessin dazu, daß sie sich selbst auf den Hut setzt. Patsch, da soll sie sitzen.«

Binchen: »Und patsch, da fällt Kasperle rein.«

Kasperle: »Es fällt nicht herein, dazu bin ich zu klug.«

Binchen: »Ja, schon neunmalklug. Aber woher bekommst du Mädchenkleider?«

Kasperle: »Waldwärters Liese borgt mir ihre Sonntagskleider, warte hier, ich bin gleich wieder da.« (Kasperle verschwindet.)

Binchen (singt):

»Ein Kasperlemann, der alles kann,

Auch reinfallen kann! Trallala.«

Kasperle (kommt wieder, als Mädchen verkleidet):

»Bin ich nicht ein Mägdelein

Hübsch und fein?«

Binchen:

»Bis auf die Nase

Wie meine Base.«

Kasperle:

»Nun führ mich, liebe Bine,

Zur Prinzessin Gundolfine.«

(Der Vorhang fällt.)

Kasperle (schreit hinter dem Vorhang): »Warten, sitzenbleiben, ich komme gleich wieder.«

Der Spielleiter (sagt an): »Hier ist das Schloß der Prinzessin.«

Prinzessin: »Wo nur das Binchen mit meinem neuen Hute bleibt?«

Kasperle (poltert draußen laut und schreit): »Potz Blitz, komme ich denn gar nicht hinein.« (Kommt herein) »Uff, da wäre ich endlich drin.«

Prinzessin: »Wer bist du denn?«

Kasperle: »Ich bin Linchen, nein Minchen, nein Tinchen.«

Prinzessin: »Ich erwarte nicht Minchen, Linchen oder Tinchen, sondern Binchen.«

Kasperle: »Die hat der Löwe gefressen.«

Prinzessin: »Wie traurig.«

Kasperle: »Nicht doch, die hat der Räuber geraubt.«

Prinzessin: »Wie schade.«

Kasperle: »Nicht doch, sie hat einen Schnupfen.«

Prinzessin: »Um Himmelswillen, wie entsetzlich, wenn sie mich nur nicht ansteckt.«

Kasperle: »Ja, und sie schickt mich, ihre Base, mit dem Hut, und Eure Hoheit möchte sich draufsetzen.«

Prinzessin: »Draufsetzen? Aufsetzen meinst du wohl?«

Kasperle: »Aufsetzen natürlich, erst aufsetzen, dann draufsetzen, nein, erst draufsetzen, dann aufsetzen.«

Prinzessin: »Was redest du für Unsinn?«

Kasperle: »Ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist.«

Prinzessin: »Dann ist er dir sehr verkehrt gewachsen.«

Kasperle: »Dir auch.«

Prinzessin: »Was, du nennst du mich? Warte, ich werde dich einsperren lassen.«

Kasperle (schreit): »Ich will nicht eingesperrt sein!«

Prinzessin: »Ha, wie ist mir denn, du bist doch Kasperle. Ich rufe gleich die Polizei!«

Kasperle (fällt in die Hutschachtel): »Hach, jetzt wäre ich aber reingefallen.«

Prinzessin: »Oh, er ist in meine Hutschachtel gefallen. Bist du auf meinen Hut gefallen?«

Kasperle: »Dumme Frage! Denkst du, ich sei in Apfelmus gefallen?« (Steht auf und schlenkert die Glieder): »Au weh, mein Einfall war wirklich ein Reinfall.«

Prinzessin (schreit): »Hilfe, Polizei! Hier ist ein Mädchen, das wahrscheinlich ein Kasperle ist. Hilfe, Polizei!«

Kasperle: »Lebt wohl, ich reiße aus, ich habe nichts mit der Polizei zu tun. Wenn sie etwas mit mir zu tun hat, soll sie mich suchen.« (Kasperle verschwindet) (Man hört die Polizei kommen.)

Prinzessin: »Sie kommt zu spät, und es war doch Kasperle, das schreckliche Kasperle!« (Der Vorhang fällt.)

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