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Kasperles Spiele und Streiche

Josephine Siebe: Kasperles Spiele und Streiche - Kapitel 21
Quellenangabe
pfad/siebe/kasstrei/kasstrei.xml
typefiction
authorJosephine Siebe
titleKasperles Spiele und Streiche
publisherHerold-Verlag G. m. b. H.
printrunachtzehnte Auflage
year1940
illustratorErnst Kutzer
correctorreuters@abc.de
senderJens Sadowski
created20130201
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Ein Späßlein mit Kasperle

Kasperle aber lag im Sonnenschein auf einem Heuhaufen und schlief. Es schnarchte sogar ein bißchen. Da kam der Bauer, dem die Wiese gehörte, um das Heu einzufahren. Er sah Kasperle liegen und dachte, mit dem mache ich mir jetzt ein Späßlein. Er lud darum das schlafende Kasperle auf seinen Wagen. Daheim sollten alle das Kasperle recht necken und auslachen, wenn es aufwachen würde.

Als der Bauer mit seinem Wagen in den Hof einfuhr, schlief Kasperle noch immer. Als aber der Wagen auf einmal anhielt, wachte es auf und hörte den Bauer sagen: »Ich habe Kasperle mitgebracht. Es schläft, wir wollen es necken und auslachen, wenn es aufwacht.«

Der Bauer sagte das zu seiner Frau. Die trug gerade eine große Kanne voll Kaffee in die Gartenlaube, in der Besuch saß. Sie erzählte ihrem Mann von den Gästen und fügte hinzu: »Die sollen auch ihren Spaß an Kasperle haben.« Kasperle hatte das Gespräch mitangehört. Es ärgerte sich gewaltig über das, was man mit ihm vorhatte und beschloß auszureißen. Auf einmal schoß es einen gewaltigen Purzelbaum von dem Wagen herab und purzelbaumte die Bäuerin mit ihrer Kaffeekanne um.

»Jemine, was ist denn das?« rief die Magd, die der Bäuerin mit einer gefüllten Kuchenschüssel folgte. Weil sie wohl dachte, Kaffee und Kuchen gehörten zusammen, ließ sie vor Schreck die Schüssel fallen. Als der Bauer das Unheil sah, fing er an zu schelten. Er wollte Kasperle fangen, doch das hatte keine Lust dazu, sich fangen zu lassen. Es riß aus, rannte in den Garten hinein, raste die Wege entlang und kam auch an die Laube. Es wollte gerade hineinflüchten, als es die Gäste drin sitzen sah. Da der Bauer hinter ihm drein kam, flüchtete Kasperle erschrocken auf die Laube. Aber das Dach war schon altersschwach, es trug das kletternde, zappelnde Kasperle nicht mehr. Krach pardauz! ging es, das Dach brach zusammen und Kasperle saß plötzlich auf dem Kaffeetisch, und die Besuchstassen lagen in Stücken um es herum. Die Gäste aber starrten Kasperle entsetzt an, sie konnten sich gar nicht erklären, was das für ein sonderbares Wesen war, das da so plötzlich auf dem Tisch saß.

Da kam der Bauer und nahm Kasperle beim Kragen: »Warte, dir geht es jetzt ganz schlecht!« drohte er.

Kasperle schrie und zappelte, und unwillkürlich ließ es der Bauer los, und Kasperle riß wieder aus. Der Bauer rannte hinter ihm drein. Ihnen nach rannte der Besuch.

Die Bäuerin, die eine Kanne voll frischen Kaffee in die Laube bringen wollte, kam ihnen entgegen. Kasperle purzelbaumte über sie hinweg, der Bauer aber stieß mit ihr zusammen und klirr! lag auch die zweite Kanne am Boden, und die Magd, die mit neuem Kuchen kam, wollte der Bäuerin wieder auf die Beine helfen und warf dabei den Kuchen vom Teller.

Da lag nun der Kuchen neben den Scherben der Kaffeekanne am Boden, und Kasperle das das sah, griff rasch nach einem Stück Kuchen und rannte damit in den Hof zurück. Das fremde Bauernpaar sah das und dachte, das ist eigentlich richtig, man muß den Kuchen essen. Sie setzten sich einfach auf den Weg und aßen den Kuchen, als wäre der Erdboden der schönste Kaffeetisch. Die Bäuerin freute sich darüber, da konnten sich ihre Gäste wenigstens satt essen, denn einen anderen Kuchen konnte sie ihnen nicht vorsetzen. Ganz unzufrieden mit diesem Ausgang der Geschichte war aber der Bauer. Der lief mißmutig in den Hof, um Kasperle zu fangen und zu bestrafen.

Auf dem Hof herrschte inzwischen große Aufregung, alles Getier war in Unruhe. Die Gänse und die Enten schnatterten, die Hühner gackerten, als hätte jede Henne zehn Eier gelegt, die Schweine grunzten, und die Kühe brüllten wütend. Selbst das Pferd, das noch immer vor dem Wagen angespannt war, wieherte. Ein Knecht und eine Magd aber standen dabei und barsten fast vor Lachen. Warum all der Lärm?

Kasperle saß auf dem Taubenschlag, aß seinen Kuchen, baumelte mit den Beinen und schnitt Gesichter.

Die Tauben gurrten wütend um es herum, aber Kasperle störte das kein bißchen. Es hatte alle Gefahr vergessen, so gut schmeckte ihm der Kuchen, auch fand es den Sitz auf dem Taubenhaus wunderschön. – Da kam der Bauer auf den Hof gerannt, und, wütend wie er war, schrie er: »Wenn du nicht gleich heruntergehst, hole ich mein Gewehr und schieße dich herunter!«

Das wurde gefährlich. Aber Kasperle war ein Bruder Leichtfuß und rief kühn: »Ich geh net runter!« Es dachte nämlich, wenn der Bauer ins Haus geht, um das Gewehr zu holen, reiße ich aus. Aber der Bauer ging nicht ins Haus, er ahnte wohl schon so etwas und gebot dem Knecht: »Jochen, geh ins Haus und hole mein Gewehr.«

Da saß nun Kasperle arg in der Klemme. Es überlegte, was es tun sollte. Da sah es den Wagen, und gerade, als der Bauer sich nach dem Hause umdrehte, sprang Kasperle mit einem kühnen Satz in den Wagen, ergriff die Zügel und schwang die Peitsche über dem erschrockenen Pferd. Heidi, begann das zu rennen!

Der Bauer sah seinen Wagen davonfahren; er ließ das Gewehr im Stich und rannte rasch hinterdrein.

Aber Pferd und Wagen waren schneller als der dicke Bauer. Er sah sie nach einer Weile nicht mehr und rannte eigentlich ins Blaue hinein.

Das Pferd aber dachte: Auf der Heuwiese war vorhin gut sein. Es lief daher nach der Heuwiese zurück. Dort stellte es sich an einen Heuhaufen und fraß lustig das frische Heu.

Kasperle dagegen kugelte vom Wagen herunter, legte sich auf den gleichen Heuhaufen und schlief im Umsehen ein. Es meinte, der Bauer würde es hier nicht finden. Der Bauer war inzwischen Leuten begegnet, an denen Kasperle vorbeigefahren war. Die gaben ihm Auskunft, wohin Kasperle ungefähr gefahren sein konnte. So kam der Bauer auf die Heuwiese und fand dort das schlafende Kasperle.

Er sagte unwillkürlich laut: »Donnerwetter, da liegt es ja.«

Der Bauer meinte, das hätte Kasperle nicht gehört. Das fing nämlich auf einmal rissel, rassel so laut zu schnarchen an, daß ein anderer als der dicke Bauer sicher auf den Gedanken gekommen wäre, Kasperle verstelle sich nur.

Der Schelm war wirklich putzmunter und wartete nur darauf, daß der Bauer ein Stückchen weitergehen würde, dann wollte er ausreißen. Der Bauer sah sich um. Da erblickte er einen Haselnußstrauch. Er ging rasch darauf zu und schnitt eine tüchtige Rute ab. Dabei sprach er immer halblaut zu sich: »Wart, mein Bürschchen, ich will dich lehren, Menschen und Kaffeekannen zu überrennen. Der Stock soll dir auf dem Buckel tanzen.« Wie er im besten Schnitzeln war, flog etwas wie ein großer Gummiball über ihn hinweg. Er setzte sich erschrocken hin und dachte, es wäre ein Adler. Als er aber näher hinsah, war es Kasperle.

Heidi, sprang da der dicke Bauer auf, um den Ausreißer einzuholen. Er holte ihn aber nicht ein, und da er Kasperle nie wiedersah, blieb sein schöner Stock unbenutzt, und die Bäuerin steckte ihn in den Ofen.

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