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Kasperles Spiele und Streiche

Josephine Siebe: Kasperles Spiele und Streiche - Kapitel 10
Quellenangabe
pfad/siebe/kasstrei/kasstrei.xml
typefiction
authorJosephine Siebe
titleKasperles Spiele und Streiche
publisherHerold-Verlag G. m. b. H.
printrunachtzehnte Auflage
year1940
illustratorErnst Kutzer
correctorreuters@abc.de
senderJens Sadowski
created20130201
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Kasperle ist krank

Personen:

Kasperle

Der Arzt

Spielt beim Arzt.

Kasperle: »Schlechten guten Tag, Herr Doktor!«

Arzt: »Was willst du denn, Kasperle, warum wünschest du mir einen schlechten Tag?«

Kasperle: »Weil es mir schlecht ist, miserabel schlecht, au, au!«

Arzt: »Na, Kasperle, wo tut es denn weh?«

Kasperle: »Überall, Kopf, Bein, Bauch.«

Arzt: »Wo denn im Bauch?«

Kasperle (deutet auf den Magen): »Hier, aber arg!«

Arzt: »Kasperle, das ist doch nicht der Bauch, das ist der Magen.«

Kasperle:

»Ob Bauch, ob Magen,

Schmerz kann ich net vertragen.«

Arzt: »Und welches Bein tut dir weh?«

Kasperle: »Das linke.«

Arzt: »Du hinkst aber doch mit dem rechten.«

Kasperle:

»Ob links, ob rechts ist eine Soße,

Mit beiden fahr ich in die Hose.«

Arzt: »Und wie ist es mit dem Kopf?«

Kasperle: »Da hab ich einen so furchtbaren Druck darauf.«

Arzt: »Nimm mal deine Mütze ab.« (Kasperle tut es, und ein großes Gewicht fällt heraus.)

Kasperle: »O jemine, das habe ich aus Versehen eingesteckt, das hat aber gedrückt.«

Arzt: »Das glaube ich. Ein Zehnpfundgewicht auf dem Kopf tragen, ist keine Kleinigkeit. Nun zieh mal deinen rechten Schuh aus.« (Kasperle zieht den linken Schuh aus.)

Kasperle: »Der tut doch gar nicht weh.«

Arzt (lacht): »Weil du den verkehrten ausgezogen hast, den anderen.«

Kasperle: »Das hättest du doch gleich sagen können.« (Zieht den rechten Schuh aus und ein Bund Schlüssel fällt heraus)

Arzt: »Himmel, was ist denn das?«

Kasperle: »Hurra, meine Hausschlüssel. Ich dachte schon, ich hätte sie verloren.«

Arzt: »Na, die müssen freilich gedrückt haben. Tut der Fuß immer noch weh?«

Kasperle: »Kein bißchen mehr. Aber au, mein Magen, der tut schrecklich weh.«

Arzt: »Was hast du denn gegessen?«

Kasperle: »Oh, ganz wenig.«

Arzt: »Na, was denn zum ersten Frühstück?«

Kasperle: »Bloß sechs Semmeln gegessen und sechs Tassen Kaffee getrunken.«

Arzt: »Na, das genügt für einen kranken Magen. Und was hast du zum zweiten Frühstück gegessen?«

Kasperle: »Nur sieben Butterbrote, mehr nicht.«

Arzt: »Ist schon genug für einen ganzen Tag.«

Kasperle: »Och, so wenig. Dann habe ich zu Mittag ein paar Kartoffelklöße gegessen, ich glaube zehn Stück, und nur vier Portionen Hasenbraten, dann war es zu Ende, der Magen tat zu weh.«

Arzt: »Du bist ein Vielfraß, Kasperle. Es hilft nichts, ich muß den Magen aufschneiden, sonst stirbst du.«

Kasperle: »Uh jegerle, jetzt werde ich aufgeschnitten wie eine Wurst.« (Der Arzt nimmt Kasperle und legt es hin, nimmt eine Schere und tut, als ob er Kasperle aufschneide.)

Kasperle (lacht): »Hihihihihihi, wie das kitzelt.« (Der Arzt zieht eine große Pillenschachtel aus dem aufgeschnittenen Bauch hervor.)

Arzt: »Was ist denn das?«

Kasperle: »Die sollte ich einnehmen, immer drei Pillen auf einmal, aber ich habe gleich die ganze Schachtel mit den Pillen verschluckt, damit ich schneller gesund werde.«

Arzt: »Wer hat sie dir verschrieben?«

Kasperle: »Ein anderer Doktor. Er versteht aber nichts, alle seine Medizin hat nichts genutzt.«

Arzt: »Ja, du Schafskopf, wenn du die ganze Schachtel gleich mitverschluckst.«

Kasperle: »Es stand doch da: Eine Schachtel Pillen.«

Arzt (bringt eine Flasche Medizin zum Vorschein): »Und was ist denn das hier?«

Kasperle: »Das ist die andere Medizin, die mir der andere Doktor auch noch verschrieben hat.«

Arzt: »Oh, Kasperle, bist du dumm. Und was ist das?« (Hält ein Paket Tee in die Höhe)

Kasperle: »Da ist Tee drin, den sollte ich trinken.«

Arzt (lacht): »Hahahahaha, und jetzt kommen die Löffel, mit denen du alles löffelweise schlucken solltest.« (Hält einen Teelöffel und einen Eßlöffel in die Höhe)

Kasperle: »Hach, nun bin ich gesund.« (Er will aufspringen, aber der Arzt hält ihn fest.)

Arzt: »Erst muß ich dich wieder zunähen.« (Nimmt eine große Stopfnadel und einen Faden grüner Wolle und näht an Kasperle herum): »So, und nun acht Tage nur Wassersuppe essen, dann bist du gesund.«

Kasperle (weint): »Wassersuppe kann ich nicht essen, die liegt mir zu schwer im Magen, davon stirbse ich.«

Arzt (lacht): »Was willst du denn essen?«

Kasperle (springt auf): »Pfannküchlein und Schweinebraten. Hurra ich bin gesund!« (Ab)

Arzt: »Das Danken hat er natürlich vergessen.« (Der Vorhang fällt.)

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