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Gutenberg > Ludwig Tieck >

Karl von Berneck

Ludwig Tieck: Karl von Berneck - Kapitel 5
Quellenangabe
typetragedy
booktitleSchriften, Elfter Band
authorLudwig Tieck
year1829
firstpub1795
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleKarl von Berneck
pages144
created20130605
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritter Akt.

(Auf der Burg Orla.)

Reinhard. Hofmeisterin.

Reinhard. Ist Euer Fräulein nicht zu sprechen?

Hofmeisterin. Sie kleidet sich eben an. – Woher so früh, Herr Ritter?

Reinhard. Ich hatte keine Ruhe auf meinem Schlosse, da ritt ich hier vorbei, und stieg ab, um zu sehn, wie Ihr Euch befindet.

Hofmeisterin. Viel Ehre für Eure demüthige Dienerin.

Reinhard. Sie ist wohl, munter?

Hofmeisterin. Leichtherzig und froh, wie ein Vogel in der Luft. – Was weiß die Jugend von Sorgen und Kummer? das lebt von einem Tage zum andern hinüber und wird es nicht überdrüssig, wenn immer dieselben Stunden und dieselben Freuden wiederkehren.

Reinhard. Ihr beschreibt da das schönste jugendliche Leben, das ruhigste Glück.

Adelheid tritt auf.

Adelheid. So wißt Ihr auch, wie ich sehe, unser Schloß zu finden, Herr Ritter?

Reinhard. Seltsam, wenn ich in der Gegend hier so wenig bekannt wäre, da Berneck gegenüber liegt.

Adelheid. Man vergißt oft das Naheliegende am ersten und am liebsten.

Reinhard. Etwas, das Ihr nicht von mir aussagen werdet.

Adelheid. Ich kann darüber mit Euch nicht rechten. – Was macht Euer Bruder?

Reinhard. Wohl und auch nicht, wie Ihr es nehmt, er hat ein finstres, trübsinniges Gemüth, ganz das Bild meines gestorbenen Vaters; eben so auffahrend und jachzornig. – Daß er so glücklich ist, daß Ihr Euch nach ihm erkundigt, vermuthet er schwerlich.

Adelheid. Warum ist er nicht froh und heiter?

Reinhard. Es giebt Geister, mein Fräulein, die immer von einem schweren Gewichte zu Boden gezogen werden, das sie selbst nicht kennen: die sich nie mit leichten Schwingen in die Luft erheben, sondern halb aus Eigensinn, halb aus Temperament immer schwer und verdrüßlich sind; und zu diesen gehört mein Bruder. Es ist daher ein unangenehmes Geschäft, mit ihm umzugehn.

Hofmeisterin. So ist er melankolisch?

Reinhard. Er war es von Jugend auf, und alle, die ihn umgeben, müssen seine Laune entgelten.

Adelheid. Ihr liebt ihn nicht?

Reinhard. Er vermeidet mich sorgfältig, et traut mir nicht, wie soll ich ihn da lieben können?

Adelheid. Ist er doch Euer Bruder.

Reinhard. An unsre frühern Kinderjahre denke ich immer mit Rührung zurück, damals waren wir ganz einverstanden, damals war er zärtlich und liebevoll. Aber wie ein böser Genius umhüllt ihn jetzt ein dunkler Schatten, der jeden mit Herzensfrost ergreift, der ihm näher tritt.

Hofmeisterin. Er sollte einen Arzt um Rath fragen.

Reinhard. Wenn man ihn nur erst dahin bringen könnte, daß er sich für krank hielte; aber so glaubt er sich gesund, und die ganze übrige Welt übel auf.

Hofmeisterin. Aber das ist grade das gefährlichste Zeichen seiner Krankheit: ich habe schon mehrere solche Menschen gekannt, die nachher wieder ganz ordentlich zurecht gebracht wurden.

Reinhard. Aber warum sprechen wir von ihm so weitläuftig? – Wir werden ihn doch nicht wieder herstellen. – Ihr waret nicht am Johannistage auf Berneck, mein Fräulein.

Adelheid. Und wohl mir, daß ich nicht dort war.

Reinhard. Ihr habt Recht, es war eine traurige Nacht. – Kaum sah ich meinen Vater und ich mußte ihn wieder verlieren.

Adelheid. Ein schreckliches Schicksal! Wie sehr hab' ich weinen müssen, als ich die That vernahm!

Reinhard. Ihr habt ein weiches mitleidiges Herz, mein Fräulein.

Adelheid. Jetzt hat Euer Bruder doch Recht, mit der Welt unzufrieden zu sein.

Reinhard. Wer hätte das nicht? – Ihr weckt selbst in meinem Herzen alle Wehmuth.

Hofmeisterin. Kommt in unsern Garten, Herr Ritter, der helle Himmel und die grünen Bäume werden Euch heiter machen. – Reinhard führt Adelheid, sie gehn ab.

 


 

(Schloß Berneck, der Vorsaal.)

Karl steht allein in einer Ecke, stumm und betrübt, den Blick auf den Boden geheftet.

Conrad tritt auf. Seid Ihr hier, Ritter? – Ich suche Euch in der ganzen Burg. – Ritter! – Ritter Karl!

Karl auffahrend. Was willst Du?

Conrad. Wollt Ihr nicht zur Tafel kommen? Eure Mutter –

Karl. Nun, meine Mutter?

Conrad. Eure Mutter und Ritter Leopold haben schon oft nach Euch gefragt. Die Tischzeit ist schon vorüber.

Karl. Mag sie doch, ich komme nicht. – Sage mir, Conrad, warum soll ich essen, da ich nicht zu leben verdiene?

Conrad. Wie Ihr auch wieder sprecht!

Karl. Es ist wahr Conrad. – Hat nicht jeder Mensch, jeder Vogel, jedes Gewürm einen Zweck, warum es lebt? Sie erwerben sich ihre Nahrung und schützen sich gegen Feinde oder sterben, – und ich, zu feige mich dem Tode auszusetzen, schleppe ein träges unbefriedigendes Leben hinter mir, indeß die Welt vor mir immer enger und enger zusammenfällt.

Conrad. Wenn Ihr ausrittet, Besuche machtet, Euch in der Gegend umschautet –

Karl. Was würde es mir helfen? Alles weist nur nach einem Bilde hin, alles nennt mir nur einen und denselben Gedanken. – Ich erinnere mich aller Geschichten, die ich las oder erzählen hörte, und in keiner treffe ich einen so verworfenen, so nichtswürdigen Sohn an, als dieser Karl von Berneck ist.

Conrad. Ermuntert Euch, laßt doch Eure frische Jugend Herr über Euch werden.

Karl. Verdien' ich wohl den ritterlichen Schlag, den ich vom tapfern Schwert meines Vaters auf dieser Schulter empfing? Schon ist es so lang, – ach Conrad! gieb dieser Faust Thätigkeit, und diesem Herzen das Recht freier und muthiger zu schlagen. – Oft wenn ich auf meinem einsamen Lager liege und mein trübes Auge gedankenschwer den Flug der Wolken beobachtet, dann ball' ich meine Faust mit heißem Ingrimm, dann ist mir, als wenn ich den Geist meines Vaters vorüberschweben sehe, der mir lächelnd winkt, dann nehm ich Dolch und Lanze, dann hör' ich die Streitaxt klirren – und dann wird es Morgen und es geschieht nichts.

Conrad. Theurer Ritter, Ihr seid mir jetzt mit Eurer innern versteckten Wuth fürchterlich. Seht freier um Euch, so kann es doch nimmer gut werden.

Karl. Das wird es auch nicht; das Schlimme wird nimmer gut. – Sieh, Conrad, bück' Dich hieher auf den Boden, – was wirst Du dort gewahr?

Conrad. Ich weiß nicht.

Karl. Sieh diese rothen Streifen! Ruft es Dich nicht an? Schreit es nicht tief in Dein Herz hinein? – Es ist das Blut meines Vaters, ich kenne es wohl. – .Hier war der schändliche Kampf, hier erlag der Greis und hier steht sein Sohn – und besinnt sich, was er thun soll. – Sie haben dies fürchterliche Zeugniß nicht wegwaschen können, und unwillkührlich zieht diese blutige Stelle meinen Blick an sich.

Conrad. Ach Gott!

Karl. Mußte er darum allen Gefahren entronnen sein, um hier so schmählich zu fallen? Darum? – Und von wem? – O ich möchte meinen Kopf gegen diese Mauern stoßen. – Conrad, ist Dir nun noch, als wenn aus mir der junge Held Reinold werden sollte, der Stolz und der Ruhm seines Stammes? – Aber es soll anders werden, bei Gott, ich schwör' es hier dem Geiste meines Vaters, – es soll!

Conrad. Laßt nur die Vorsicht Eure Entschlüsse leiten.

Karl. Eben diese Vorsicht, diese langweilige und feigherzige Schwätzerin war Schuld, daß ich bisher Sohn zu sein vergaß. Sprich mir nicht davon! Sie ist nur eine Ausrede des Feigherzigen, ein Vorwand, Thaten und Entschlüsse aufzuschieben. Glaube mir, das Leben ist ein großer Baum, mit weit ausgebreiteten Zweigen, Wind und Zufall blasen hinein und die Früchte fallen ab. Wenn Du unten schüttelst, so kannst Du nicht voraussagen, welche That herunter stürzen wird; oft ist etwas Wunderbares im Wipfel versteckt, das sich unversehens mit dem andern losreißt – und darum ohne Besinnen, ohne Vorsicht und Gedanken. Mir ist es ängstlich zu überlegen, wenn ich mir eine That vorsetzen soll.

Conrad. Eure Reden erregen mir ein heimliches Grausen.

Karl. Nun darum geh nur, sage, daß ich nicht zu Tische kommen wolle, nicht kommen könne.

Conrad. Sie werden sich wundern.

Karl. Wenn ein Fels zusammenstürzt, wer denkt da an das Nest der Schwalbe, das mit verschüttet wird?

Conrad ab.

Karl allein. Ja es sei. – er kniet nieder und küßt den Boden. O du theures, theures Blut, das hier so verrätherisch vergossen ward; ja, du bist meine Reliquie, du waffnest meine Hand. – Athm' ich doch freier! Weiß ich doch nun, wer ich bin und was ich will; die That selbst ist nur eine Zugabe zum Entschlusse – Kein Gift ist mir so zuwider, als das Gesicht des unverschämten Verräthers – und mein Bruder kann freundlich und vertraulich mit ihm sprechen; wahrlich, ich habe gesehn, wie er ihm die Hand drückte, dieselbe Hand, die seinen Vater niederschlug. – Nun will ich in die Kapelle gehn, und auf dem Sarge meines Vaters beten. ab.

Franz. Georg.

Georg. Aber sie werden nach uns rufen.

Franz. Je, sie bedürfen ja jetzt keiner Bedienung mehr. Die Tafel ist ja so gut wie aufgehoben.

Georg. Du hast immer Deine eigne Art zu erklären.

Franz. Ach! was willst Du davon verstehn? – Komm, da hab' ich eine Flasche guten Wein, die wollen wir mit einander ausleeren.

Georg. Aber woher?

Franz. So halb und halb geschenkt bekommen. – Siehst Du, denen da drinnen ist es ganz wohl, wenn wir sie allein lassen, wir sehn ihnen durch die Finger und dafür wird uns wieder durch die Finger gesehn.

Georg. Du bist ein wilder Bursch, ich könnte nicht so sein.

Franz. Und Du bist ein frommes, gutherziges Kind, ein wahres Schaaf.

Georg. Du hast die Johannisnacht schnell vergessen, wo Du Dir so ernsthaft vornahmst anders zu werden.

Franz. Ach! das war damals; – andre Zeiten andre Sitten. Sieh doch nur unsre Ritter an, besonders den wackern Herrn Leopold, das ist ein gescheidter Mann, der muß doch auch wissen was rechts und links ist, und wenn der sich nicht fürchtet, warum soll ich es denn thun?

Georg. Ich mag auf keine Autorität zum Satan fahren.

Franz. Gleich Satan! das Schlimmste gleich zum Aergsten. Sieh, das ist ein kluger Mann. Als ich letzt durch das Zimmer ging und er mit unsrer Hausfrauen auf einem Ruhebettchen saß, machte ich nur ein pfiffiges Gesicht, und seit der Zeit bin ich sein Vertrauter, ohne daß wir nur ein Wort mit einander gewechselt haben, – und sieh, indem er Geld zählt, das ist mein Einkommen.

Georg. Auf so etwas würde ich nimmermehr ausgelernt werden.

Franz. Dazu gehören auch natürliche Gaben. – Nun komm, hier ist ein Becher. – Auf des Herrn Leopolds Gesundheit!

Georg. Nein, nein, – sieh, hier auf dieser Stelle starb der alte Herr von Berneck, und hier sollt' ich seines Feindes Gesundheit trinken? Nimmermehr! die Dielen würden unter mir zusammen brechen. ab.

Franz. Thorheiten! er setzt sich nieder und trinkt.

 


 

Schloßgarten von Berneck.

Leopold allein. O über die unbegreiflichen Wünsche des Menschen! – Was heute mit allem Glanze auf mich wirkt, erscheint mir morgen nüchtern, schaal und ohne Bedeutung. Der Mensch jagt nach Räthseln, und kaum hat er die Auflösung entdeckt, so ärgert er sich über sich selbst. – Kann es denn keine Liebe geben, ohne daß uns der Gegenstand unsrer Zuneigung am Ende widrig und verhaßt wird, wenigstens in manchen einzelnen abgerissenen Stunden? – O es giebt Tage, an denen man sich selber zur Last ist, wo alle Gegenstände umher unsre Seele und unsern Muth zusammen drücken. – Und sie kömmt nicht! – Hab' ich ihr Unrecht gethan? Ach selten wissen es zwei Menschen, wie sie mit einander umgehn sollen.

Mathilde. Leopold.

Leopold. Nun, Mathilde, ist Euch besser?

Mathilde. Ach! Ihr habt mir eine sehr betrübte Stunde gemacht. – Dacht ich's, daß es so weit unter uns kommen sollte?

Leopold. Aber Ihr habt Tage, an denen Ihr schmollt, ohne zu wissen worüber.

Mathilde. Könnt Ihr es denn begreifen, was manchmal mein Herz zusammen drängt? Ob nicht zuweilen, stille, innere Vorwürfe, schwarze Gedanken –

Leopold. Nun gut, gut, müßt Ihr mich auch dadurch noch aufbringen? – Nun werd' ich noch Eure Gewissensbisse, wie Ihr es nennt, hören müssen, und Ihr werdet mir so meine Fröhlichkeit, Laune, mein Leben, alles verderben.

Mathilde. Wie dringt Eure Heftigkeit, Eure Wildheit durch mein Herz! Wie viel muß ich nicht jetzt schon von Eurer üblen Laune leiden! Euer ehemaliges leises und Liebevolles Benehmen ist dahin, da waret Ihr nur in der Leidenschaft der Liebe heftig und jetzt, – jeden Unmuth laßt Ihr an mir aus.

Leopold. Soll ich nicht? Soll ich nicht rasend werden? – wenn man sich der Liebe eines Weibes so ganz hingiebt, ihr Ruhm, Thaten und Ritterpflicht opfert, wenn man in ihrem Wohlwollen ganz gesunden, oder zu Grunde gehn möchte, – und man findet sie dann kalt und verschlossen, zurückgezogen vor den innigsten Liebkosungen, verzagt, wenn ich sie mit der heißesten Inbrunst in die Arme schließe –

Mathilde. Ach, was soll ich thun?

Leopold. Könnt Ihr Euch nicht mehr in Eurer Gewalt haben? Muß ich jede Eurer Thränen, jede Eurer trübseligen Stunden bemerken und fühlen? Warum kann ich mich zwingen? Ich lasse es Euch nie empfinden, wenn mir nicht wohl ist, oder ein Unwille mir im Herzen drängt und es zerreißen will.

Mathilde. Lieben wir uns denn also nicht?

Leopold. O solche Fragen, dergleichen Reden könnten mich verrückt machen. So wollt Ihr denn, daß wir uns trennen, eben so rasch und abgebrochen, als wir uns fanden? – Gut, es sei!

Mathilde. Leopold!

Leopold. Wollt Ihr etwas anders? – Oder Ihr wißt selbst nicht, was Ihr wollt.

Mathilde. Soll denn dies nun mit jedem Tage wiederkehren?

Leopold. Eben darum ist es besser, daß wir Abschied von einander nehmen.

Mathilde. O die wilden Männer! das rauhe, unbarmherzige Geschlecht! sie weint.

Leopold. Scheltet uns nicht, denn ihr erzürnt uns so lange durch diese kleinen Streifereien der weiblichen Kunst, bis wir endlich die Geduld verlieren.

Mathilde. Es ist nicht ohne Bedeutung, daß Walther grade in der Johannisnacht starb, in derselben Nacht, da Ulfo seinen Bruder mordete und diese Burg eingeweiht wurde.

Leopold. Werft Ihr mir auch das noch vor? –

Reinhard tritt auf.

Reinhard. Ha! treff' ich Euch doch grade recht, Ritter. – Guten Tag, Mutter, wie gehts Euch?

Mathilde. Gut, und Dir, mein Sohn?

Reinhard. Wie anders?

Mathilde. Man sieht Dich jetzt so selten auf Berneck.

Reinhard. Ich streife herum, hier und da, Berneck ist ein finstrer trauriger Aufenthalt, es ist mir hier immer zu einsam. Wirds mir doch auf meinem eigenen Schlosse zu enge, ob es gleich besser und freundlicher liegt.

Leopold. Ihr seht wohl aus und leicht..

Reinhard. Und so ist mir auch, die Jugend, dünkt mich, sollte sich nie anders fühlen, denn die Fröhlichkeit ist ihr Element. Was ich ändern kann, wenn es mir im Wege steht, suche ich zu ändern, und wo das unmöglich ist, lasse ich es auf sich selber beruhen.

Leopold. Dies ist die wahre Lebensweisheit, – wohl dem, der sie in keinem Augenblicke vergißt! Mathilde entfernt sich.

Reinhard. Man muß nicht zu oft, oder ängstlich daran denken, daß man lebt, denn sonst möcht' es sich kaum der Mühe verlohnen; wie die Zeit unmerklich forteilt, so müssen wir, ohne daß wir darüber sinnen, in der Zeit mitgehn; das vor und hinter sich sehn dient nur dazu, uns verwirrt zu machen.

Leopold. Ihr habt ganz Recht, das ist auch meine Meinung.

Reinhard. Und nun muß ich wieder zu Euch von Adelheid sprechen. Sie verträgt die Behandlung wahrlich nicht, die Ihr mir vorgeschrieben habt.

Leopold. Weil Ihr mit meinen Regeln nicht umzugehn wißt; der gute Freund braucht zuweilen einen Rath umgekehrt, den ihm ein anderer giebt; man muß keinen Dolch zum Pfropfenzieher machen wollen.

Reinhard. O Ihr kennt das Mädchen nicht, sie ist eine Ausnahme von allen Euren Erfahrungen, sie würde auch Euren Verstand in Verwirrung bringen.

Leopold. Glaubt Ihr das?

Reinhard. Mir wird blind vor den Augen, wenn ich vor ihr stehe.

Leopold. Das kann ich mir denken, Ihr seid auch kaum zwanzig Jahre alt.

Reinhard. Was gilt's, ich heirathe sie, wenn sie mich will.

Leopold. Da habt Ihr meine Hand, daß sie mit Freuden Ja sagt, wenn Ihr thöricht genug seid; ihr Vermögen ist klein, ihr Bruder kömmt wahrscheinlich zurück, und dann hat sie außer ihrem Schmucke nichts.

Reinhard. Daß Ihr auch gleich daran denkt!

Leopold. Ich denke für Euch. – Nun Glück auf den Weg, ob es mir gleich weh thut, Euch auf dem Wege zu sehn.

Reinhard. Ihr seht die Sache von Eurer, ich von meiner Seite.

Leopold. Wir wollen darüber nicht streiten.

Mathilde kommt zurück.

Reinhard. Lebt wohl, Mutter.

Mathilde. Du eilst schon wieder?

Reinhard. Ich führe jetzt ein unstätes Leben, vielleicht daß ich bald um so häuslicher werde. geht ab.

Leopold und Mathilde gehn schweigend auf und ab.

Mathilde. Leopold! – zürnst Du noch?

Leopold. Nein, Mathilde, aber mißbrauche künftig meine Geduld nicht.

Mathilde. Ach, ich glaube, der Herbst kömmt schon herbei, alle Bäume sehn so dürre und abgestorben aus, große Wolken ziehn dort durch den Wald, jeder Fußtritt klingt so einsam wider – ich habe von Herzen weinen müssen; habt Geduld mit meiner Schwäche.

Leopold gerührt. Mathilde!

Mathilde. Es wird Winter werden und dann wieder Frühling, aber vielleicht erleb' ich das nicht. Indem wir uns umsehn, ist ein Jahr entflohn; ich hoffte, daß mir an Eurer Seite das Leben mehr Stand halten sollte, und es ist nun eben so.

Leopold. Ihr quält Euch mit traurigen Gedanken ab.

Mathilde. Ich kann sie nicht von mir zurückhalten. – Meinen Sohn Reinhard seh' ich wenig, und meinen zweiten Sohn möchte ich noch seltner sehn.

Leopold. Er hat ein unglückseliges Gesicht. –

Mathilde. Mich wirft sein ernster glühender Blick zusammen, ich halte es oft nicht aus, wenn er mir gegenüber sitzt. – Er ist nun bald Besitzer dieses Schlosses. – Ach! wie wird die Zukunft aussehn!

Leopold. Man muß in der Gegenwart nie daran denken, – laßt sie werden, wie sie will; indem wir darauf gefaßt sind, besiegen wir das Schicksal. – Kommt, das Wetter ist trüb und regnigt. – Heut Abend seh' ich Euch in Eurem Zimmer, aber Ihr müßt heiter sein. sie gehn ab.

 


 

(Rüstkammer.)

Karl allein. Nein, kein Meuchelmord, nein, ich will ihm offen entgegen treten und mein Leben gegen das seinige wagen. – Wie schlägt mein Herz, da ich hier die Panzer und die Schwerter aller meiner Ahnherrn vor mir sehe. – Hier sprechen mich Thaten und Geister an; – o ihr edlen Reste aus einer alten Zeit, als man euch noch gebrauchte, und diese Aexte und Schwerter im Getümmel klangen – wer dachte damals beim Feldgeschrei an jenen trüben Nachkommen, der hier unter Euch wandeln würde, um sein Herz zu einer guten That zu erweitern. – Dies ist vom ganzen Geschlechte übrig geblieben, – wie vertraut war die Hand meiner Väter mit diesen Griffen an den Lanzen, – o wie lieb' ich diese stummen, unbeseelten, mir reliquientheuren Waffenbildungen! – Welches dieser Schwerter mag wohl das älteste sein? – Dieses mit der wunderbaren Handhabe, mit der fein getriebenen Goldarbeit? – ja, du sollst von nun an das meinige werden.

Conrad tritt herein.

Conrad. Seid Ihr hier, Ritter? – Ich habe Euch allenthalben gesucht, es ist nicht recht, wenn Ihr jetzt allein seid.

Karl. Warum? – was meinst Du, daß daraus entstehen kann, wenn ich mit mir allein bin?

Conrad. Ach Gott! es ist mir selbst ängstlich zu Muthe, ich habe keinen hier im Schlosse, mit dem ich sprechen, mit dem ich umgehn könnte; da bin ich nun so dreist, mich immer noch zu Euch zu halten, weil ich Euch schon als Knabe kannte und liebte, und Ihr mir, wie ich glaube, auch immer etwas gut waret. Alle Gesichter hier in der Burg sind mir fremd und zuwider, den Knechten und Knappen bin ich mit meinem Alter zum Gespötte, – o wenn doch mein Sohn, mein Wilhelm mit seinem Herrn aus dem gelobten Lande zurückkehrte!

Karl. Bleib immer bei mir, Conrad. – Horch! donnert es nicht fern ab in den Bergen?

Conrad. Ich glaube, ja, die Winde rauschen gewaltig durch die Bäume, ungeheure Wolken arbeiten sich durch den Himmel und schwarze Schatten liegen in den Thälern. Ich glaube, es kömmt ein Gewitter herauf. – Seht, es leuchtet schon heftig aus der Ferne – nun, Gott im Himmel sei uns gnädig. –

Karl. Fürchtest Du Dich beim Gewitter, Conrad?

Conrad. Ja, Herr.

Karl. Ich nicht.

Conrad. Und doch solltet Ihr's. Es ist die Stimme des Herrn selbst, die dann über die Wolken hinfährt, und die arme zitternde Welt in banger Erwartung festhält; seht, Bäume, Wälder und Felsen fürchten sich, warum sollte es dem Menschen nicht ziemen?

Karl. Wie lange hast Du meinen Vater gekannt?

Conrad. Von seiner Jugend auf.

Karl. Und Du hast ihn geliebt?

Conrad. Daß ich's Euch nicht sagen kann. – Seht, wenn ich ganz zu Euch aufrichtig sein soll, so fährt mir's durch Mark und Gebein, so oft ich nur den Fremden sehe. Gott hatte in der vorigen Woche sein Angesicht so sehr von mir gewendet, daß ich ihm gern Gift in den Becher geschüttet hätte, als ich ihn bei Tische bedienen mußte.

Karl. Du bist mein wahrer Freund. – Und sage mir, wie denkst Du von meiner Mutter?

Conrad. Es kümmert mich Tag und Nacht, – (aber zürnt über meine Rede nicht) daß sie die Wege des Herrn verlassen hat. – Der Fremde hat sie verführt, – denn ehmals –

Karl. Nun, er soll nicht wieder zu ihr gehn. – Da Dein Herz so viel leidet, Conrad, o so kannst Du fühlen wie das meinige zerrissen wird, da ich von diesem ermordeten Vater der Sohn bin, da diese Entehrte meine Mutter ist. Er soll ihr Schlafgemach nicht wieder betreten, ich will es nicht länger dulden.

Conrad. Ach, ich zittre für Euch. Er ist ein geübter Ritter.

Karl. Mag ich doch sterben, wenn er nur gestraft wird; und zu wessen Freude sollt ich auch weiter leben? Mein Bruder und meine Mutter hassen mich, kein ander Wesen fragt nach mir, – Dich ausgenommen, Conrad, darum weine nicht; Dich ausgenommen.

Conrad. Nun da seht Ihr, daß Ihr doch einer Seele lieb und theuer seid, und so werdet Ihr noch mehrere finden, recht wackre brave Menschen. Laßt's nur gut sein, jeder findet doch endlich seinen Bruder aus diesem irdischen Getümmel heraus.

Karl. Hast Du ihn herausgefunden?

Conrad. Nein.

Karl. Nun so schweig davon. Ich fühl's, daß sich alles vor mir zurückneigt; schon als Kind, wenn man meinem Bruder schmeichelte, ließen mich alle einsam stehn und meine Mutter ließ mich aus dem Zimmer führen, wenn ich dann in Unmuth schrie und weinte. Mein Bruder Reinhard schien mich zu lieben, als er ein Knabe war, kaum war er zu Verstande gekommen, als er mich auch haßte.

Conrad. Wollt Ihr denn Euer ganzes Leben unter diesen traurigen Phantasieen aufzehren?

Karl. Sieh, Conrad, so steh ich in einer schrecklichen Einsamkeit; ich bin nicht leicht, gewandt und schnell, ich habe keinen behenden Verstand, ich habe keinen Ruf, Niemand weiß von mir, Niemand mag von mir wissen. –

Conrad. Liebster Karl!

Karl. Und so mag denn das Gewitter heraufziehn! Warum sollt' ich mich fürchten? Mich wird es nicht suchen!

Conrad küßt ihm die Hand. Hört auf, so zerbrecht Ihr mir doch nur das Herz.

Karl, der ihn in die Arme nimmt und herzt. Alter Mann! siehst Du, Du bist der einzige, der mich liebt und Dich lieb' ich auch dafür von ganzer Seele. Du bist meine Welt, mein Nachruhm, meine Geliebte, Du bist mir Mutter und Vater. Glaube ja nicht, daß ich es Dir je vergessen kann, wenn ich auch zuweilen ein verdrüßlich Gesicht machen, und Dich wie die übrigen anfahren sollte; so finster ich auch äußerlich sein mag, so steht mein Herz für Dich doch immer im Sonnenschein der Liebe.

Conrad. Wie soll ich mich darüber genug freuen?

Karl. Aber dafür laß mich auch die übrige Welt so hassen, wie sie es verdient. – Sieh dies Schwert.

Conrad. Ich habe mich schon längst gewundert, wie es in Eure Hände kömmt.

Karl. Warum?

Conrad. Hängt es wieder dort hin, ich bitte Euch.

Karl. Du bist seltsam.

Conrad. Laßt es immer seltsam und thöricht klingen, wenn ich Euch sage, mir graut recht innerlich davor, aber es ist so.

Karl. Desto besser; – siehst Du, Conrad, das ist das große Rachschwert, wodurch ich den Geist meines Vaters versöhnen will.

Conrad. O hängt es, hängt es weg. – Seht, es ist für Euch zu gewichtig.

Karl. Hältst Du mich für einen Knaben?

Conrad. Es ist ein gefährliches, furchtbares Eisen.

Karl. Das soll es sein.

Conrad. Es ist, o laßt mich nicht vergeblich bitten, es ist ein Mörderschwert.

Karl. Ich will's behalten, Conrad, ich habe es mir zur Rache auserlesen und eingeweiht.

Conrad. Komm' ich mir doch selbst als ein Kind vor, daß mir so viel dran liegt. – Aber so muß ich Euch denn sagen, es ist dasselbe Schwert, mit dem Ulfo seinen Bruder erschlug. – Ihr wißt doch die Geschichte?

Karl nachdenkend. Ja.

Conrad. Und darum ist es ein ruchloser Stahl und zu keinem edlen Werke brauchbar.

Karl. Laß ihn, er soll geadelt werden, ich will das Bruderblut mit dem Blut eines Mörders und Ehebrechers abwaschen. – Zu welchen seltsamen und widersprechenden Endzwecken sich ein todtes Werkzeug muß gebrauchen lassen! So ist es auch vielleicht mit dem Menschen. Die dunkle Bestimmung geht hinter uns, und wir nehmen es nicht wahr, wie sie uns vor sich hintreibt; wir wundern uns dann als schwache Menschen, wenn wir in Wüsten stehn, wenn unsre Schritte sich gegen einen Abgrund richten und wagen es nicht, uns umzudrehn. Siehst Du, Conrad, so ist es, und darum will ich dies gute Schwert mit mir nehmen. – Die Nacht kömmt schon herauf, das Gewitter zieht näher. – Horch, wie seltsam diese Panzer und Schilde an einander klirren. – Hörst Du nichts?

Conrad. Nein.

Karl. Wie der Anfang eines wunderbaren Gesprächs; es sind die Geister meiner Vorfahren, die über uns flattern und mir ihr Wohlgefallen zu erkennen geben. – Komm. – sie gehn ab.

 


 

(Ein finstres Gemach, im Hintergrunde eine Thür, zu der einige Stufen führen.)

Mathilde mit einer Lampe. Wie gewaltig das Wetter leuchtet! – Ist es die Sünde, das Verbot des Richters, das in meinem Gewissen herbergt, und mein unruhiges Herz von Leopold abwendet? – Ach, was ist dann die Sünde für ein Gewinn, selbst in diesem irdischen Leben! – Oder ist es die Veränderlichkeit des Menschen und seines unbegreiflichen Willens? Was ist dann Liebe und Freundschaft, die wir so gern für das wahre Element unsrer Seele halten möchten? – Alles was ich von Walther fürchtete, quält mich nun beständig in Leopolds Gestalt, in der Gestalt, die mir einst so theuer war. – Er will diese Nacht kommen. – Horch, es donnert! – Ich kenne mich selbst nicht mehr, so sehr bin ich verändert. – Ach Gott! es kann ja vielleicht noch alles gut werden. – Ich fühle mich so einsam, mein Muth, meine frohe Laune ist hin, – wenn er nur bald käme! – Und kann ich denn zurücktreten? – Und was wär' ich, wenn ich es thäte? – Wie unglücklich würd' ich sein, wenn er mich verließe und nun alles, alles nur ein Traum war, und vorüber wäre? Wenn dann die Erinnerungen die Vergangenheit schöner machten als sie war, alle traurigen Stunden mit weißen Schleiern verdeckten – o über die Untreue der Männer! – sie geht ab.

Karl tritt auf. Nein, es soll nicht sein. – Dulde es nicht länger, mein Herz, daß mein Vater selbst noch im Grabe entehrt wird. – Das Gewitter zieht nach und nach näher, Donner und Blitz, er geht umher das Schwert unterm Arm und setzt sich auf die Stufen vor dem Schlafgemach nieder. Wie der Sturm heraufbraust, wie das Wetter schwer näher zieht. – Wie ein Gespenst sitz' ich hier in der dunkeln, einsamen Nacht, mein Herz schlägt ungeduldig und die furchtbare Stunde rückt mir meinen Feind immer näher und näher.

Leopold tritt auf.

Leopold. Alles in der Burg schläft, nur Mathilde wacht. – Ich wundre mich über mich selbst, daß ich immer noch diesen gewohnten Weg gehe und seiner doch noch nicht überdrüßig bin. – Unser Vergnügen liegt nur in der Einbildung. – Doch sie wartet, um eine zärtliche Versöhnung mit mir zu feiern. Er nähert sich dem Schlafgemach.

Karl. Zurück!

Leopold. Zurück? – Wer ist es, der das ruft? –

Karl. Karl von Berneck.

Leopold. Wie kommt Ihr, in der einsamen Nacht, hieher, Ritter!

Karl. Ueber die seltsame Frage! – Dies ist die Burg meines Vaters, müßt Ihr wissen, ich bin sein Sohn, ich sitze hier vor dem Schlafgemach meiner Mutter und kann nicht begreifen, welcher Weg Euch hieherführt.

Leopold. Ihr habt darnach nicht zu fragen.

Karl. Gut.

Leopold. Und so werd' ich also ungehindert meinen Weg fortsetzen.

Karl. Zurück! sag' ich noch einmal.

Leopold. Und das so trotzig, junger Mensch?

Karl. Warum nicht? – Ich bin hier Herr im Schlosse, und ihr seid ein ungebetener, überlästiger Gast.

Leopold. Was muß ich hören?

Karl. Was Ihr schon längst hättet hören sollen, wenn ich dem Rufe meines Herzens gefolgt wäre. – Wenn Ihr Muth habt, so trefft Ihr mich morgen auf der Wiese im Walde.

Leopold. Gut, aber wenn es denn so steht, wenn Ihr es denn wißt und so mit mir zu sprechen wagt, so will ich auch jetzt zu Eurer Mutter gehn.

Karl. Das sollt ihr nicht, bei Gott nicht.

Leopold. Wer will es mir wehren?

Karl. Fragt nicht so einfältig, eben ich!

Leopold. Ich werde diese Drohung nicht achten. er betritt die untere Stufe.

Karl. Laßt Euch weisen, ich beschwöre Euch, seht, Ihr sollt nicht in dies Gemach, ohne meinen Leib zur Stufe zu gebrauchen. er wirft sich queer vor die Thür.

Leopold. Wie Du willst!

Karl, der schnell aufspringt. O mein Vater! hast Du es wohl gesehn, wie ein Verworfner, ein Nichtswürdiger, dein Mörder auf deinen Sohn seinen verrätherischen Fuß setzt! – Was wär' ich, wenn ich das erduldete? – er schleudert Leopold zurück. Hieher, Bösewicht! wagst Du es, mir in die Augen zu sehn? Wagst Du es, Dich Mann, Dich Ritter zu nennen?

Leopold. Was muß ich hören? – Wißt Ihr, frecher Jüngling, daß ich Euch dafür züchtigen werde?

Karl. Hier ist ein gutes Schwert, zieh das Deine, wenn Du keine Memme bist! Sieh, der Donner spricht mir zu, der Blitz leuchtet herein, – Du bist verloren!

Leopold. Geh, junger Mensch, Unbesonnener, verschlaf Deinen Rausch.

Karl. Zieh, oder ich haue Dich wehrlos nieder, Schändlicher; Du zu schlecht, um von meiner Hand zu sterben, Du, der dem Henker angehört, den Raben und Geiern des Feldes.

Leopold. Knabe! er zieht, Gefecht.

Karl. Steh mir bei, Geist meines Vaters! – Rausche Verderben und Verdammniß über mich, wenn ich ihn nicht überwältige. – Er faßt das Schwert mit beiden Händen und haut ihn nieder.

Leopold. Hülfe!

Die Thür im Hintergrunde öffnet sich, Mathilde tritt mit einer Leuchte hervor.

Mathilde. Welch Geräusch? –

Karl. Ha, seid Ihr auch da! – Da liegt er! –

Mathilde. Er ist wahnwitzig! – Mord! – sie tritt schnell zurück und verschließt die Thür.

Karl. Ja, wahnwitzig, toll, unbändig bin ich. – Aufgemacht, Ehebrecherin! Hörst Du mich nicht! – er rennt gegen die Thür, sie fliegt auf.

(Hinter der Scene.)

Mathilde. – Sohn! Sohn Karl! – eine Pause, Karl kömmt bleich und wahnwitzig zurück.

Conrad tritt ihm entgegen.

Conrad. Heiliger Gott! was ist hier vorgegangen?

Karl stößt das Schwert gegen die Erde, daß es in Stücke springt. Das verdammte Schwert! – O Du hattest wohl Recht, Conrad! –

Conrad. Wie ist Euch?

Drinne Hülfe! Hülfe!

Karl. Hörst Du den Donner? – Gott spricht zu mir, jetzt fürchte ich ihn! – laut schreiend. O rette mich, laß mich entfliehn! er stürzt hinaus, Conrad eilt ihm nach, stillschweigend schleicht das Gespenst des Greises herein, nimmt die Stücke des zerbrochenen Schwertes auf und entfernt sich. Der Vorhang fällt.

 


 

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