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Kaiserbiographien

Sueton: Kaiserbiographien - Kapitel 4
Quellenangabe
typebiography
authorSueton
titleKaiserbiographien
seriesLangenscheidtsche Bibliothek sämtlicher griechischen und römischen Klassiker in neueren deutschen Musterübersetzungen
volume106. Band
publisherLangenscheidtsche Verlagsbuchhandlung
printrunSechste Auflage
yearo.J.
translatorAdolf Stahr
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151103
projectide729e93a
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Cäsar Octavianus Augustus.

1. Das Octavische Geschlecht ist, vielen Anzeichen zufolge, schon von alters her eines der angesehensten in Veliträ Das heutige Velletri im Kirchenstaate an der Straße von Rom über Albano und Genzano nach Neapel. (S. Stahr, Ein Jahr in Italien. T. I, S. 345.) gewesen. Denn schon seit unvordenklicher Zeit wurde dort eine Straße in dem belebtesten Stadtteile die Octavische geheißen und ein Altar gezeigt, den ein Octavius aufgerichtet, zum Andenken daran, daß er, zum Anführer in einem Nachbarkriege gewählt, auf die plötzliche Botschaft von einem Einfalle der Feinde die noch halb rohen Eingeweide vom Opferfeuer wegriß, sie zum Opfermahle zerschnitt Die Kühnheit bestand darin, daß er es im Drange der Not wagte, die für das Opfer bestimmten Eingeweide, welche gekocht dargebracht werden mußten, in halbrohem Zustande zu opfern, um nicht, ohne das Opfer vollzogen zu haben, dem Feinde entgegen zu gehen. und so zur Schlacht eilte, aus der er siegreich zurückkehrte. Auch bestand noch (zu Augustus Lebzeiten) ein Gemeindebeschluß, welcher anordnete, daß auch inskünftig auf eben dieselbe Weise die Eingeweide dem Mars dargebracht, das übrige Fleisch des Opfertiers aber den Octaviern abgeliefert werden sollte.

2. Dies Geschlecht, welches vom König Tarquinius Priscus unter die römischen Geschlechter aufgenommen, bald darauf von Servius Tullius unter die Zahl der Patrizischen versetzt worden war, ging im Laufe der Zeit zum Plebejerstande über und kehrte erst nach einer langen Zwischenzeit wieder zum Patriziate zurück. Der erste dieses Geschlechts, welcher durch Volkswahl ein obrigkeitliches Amt erhielt, war Gajus Rufus. Dieser zeugte als ein Mann von quästorischem Range zwei Söhne, Cnejus und Gajus, von denen die beiden Linien der Octavierfamilie abstammten, deren Schicksal ein sehr verschiedenes war. Cnejus nämlich und seine sämtlichen Nachkommen haben alle die höchsten Staatsämter bekleidet; Gajus dagegen und seine Descendenten verblieben, sei es Zufall oder eigene Wahl, fortwährend im Ritterstande, bis auf den Vater des Augustus. Der Urgroßvater des Augustus focht im zweiten Punischen Kriege als Tribun in Sizilien unter dem Kommando des Ämilius Papus. Der Großvater begnügte sich, Munizipalämter zu bekleiden, und erreichte bei großem Reichtume in behaglichster Ruhe ein hohes Alter. Doch dies kann man bei anderen lesen. Augustus selbst sagt nichts weiter, als daß er von einer alten, reichbegüterten Familie ritterschaftlichen Standes abstamme, in welcher sein Vater der erste Senator gewesen sei. Marcus Antonius wirft ihm vor, sein Urgroßvater sei Freigelassener aus dem Thurinergau und seines Handwerks ein Seiler, sein Großvater ein Geldwechsler gewesen. Weiteres habe ich über des Augustus Vorfahren von väterlicher Seite nichts gefunden.

3. Sein Vater, Gajus Octavius, besaß von Jugend an großes Vermögen und Ansehen, und ich muß mich daher wundern, daß auch von diesem einige Schriftsteller berichtet haben, er sei ein Geldwechsler, ja sogar einer von denen gewesen, deren Vermittelung man sich beim Stimmenhandel auf dem Marsfelde bediente. Denn von frühester Jugend an im ererbten Besitze eines sehr bedeutenden Vermögens, gelangte er selbst nicht nur leicht zu hohen Staatsämtern, sondern verwaltete sie auch vortrefflich. Nach seiner Prätur fiel ihm durchs Los Makedonien als Provinz zu, und bei seinem Abgange dorthin vernichtete er unterwegs, vom Senate damit in außerordentlicher Mission beauftragt, die letzten Reste der Scharen des Spartakus und Catilina, welche das Thurinische Gebiet Thurii, Stadt in Unteritalien, 443 v. Chr. von den Bewohnern der zerstörten Stadt Sybaris unweit der letzteren erbaut; Ruinen davon nordöstlich bei dem heutigen Flecken Terrannova in der Provinz Basilicata. besetzt hielten. Seine Provinz verwaltete er ebenso gerecht als tapfer. Er schlug die Besser und Thraker in einer großen Schlacht aufs Haupt, während seine Behandlung der verbündeten Völker von der Art war, daß Marcus Tullius Cicero in Briefen, welche noch vorhanden sind, seinen Bruder Quintus, der zu derselbigen Zeit als Verwalter seiner asiatischen Provinz keines günstigen Rufes genoß, dringend ermahnt, sich seinen Nachbar Octavius in der Sorge für das Wohl der Bundesgenossen zum Muster zu nehmen.

4. Bei seinem Abgange von der Provinz überraschte ihn der Tod, ehe er sich noch unter den Bewerbern um das Konsulat melden konnte. Er hinterließ drei Kinder, die ältere Octavia, die er mit der Ancharia, die jüngere Octavia und den Augustus, die er mit der Atia erzeugt hatte. Die Atia war eine Tochter des Marcus Atius Balbus und der Julia, der Schwester Gajus Cäsars. Balbus stammte von väterlicher Seite aus einem Geschlechte von Aricia und hatte eine reiche Zahl von Ahnen senatorischen Ranges; von mütterlicher Seite war er ganz nahe verwandt mit Pompejus Magnus. Er bekleidete die Prätur und war dann einer von den Zwanzigmännern, welche infolge des Julischen Gesetzes S. Leben Cäsars Kap. 20. das campanische Landgebiet unter das Volk verteilten. Der zuvor erwähnte Antonius jedoch, der auch auf Augustus mütterliche Abkunft verächtlich herabsieht, wirft ihm vor, sein Urgroßvater sei von afrikanischer Abstammung gewesen und habe bald einen Salbenhandel, bald das Müllerhandwerk zu Aricia betrieben. Cassius von Parma Bekannter Dichter und Anhänger der republikanischen Partei. nun gar behandelt den Augustus in einem Briefe nicht nur als den Enkel eines Müllers, sondern sogar eines armseligen Pfennigwechslers, wie folgt: » Das Mehl zu deiner Mutter war aus der erbärmlichsten Mühle von Aricia, das der nerulonensische Gassenbankier mit seinen von Pfennigschmutz bedeckter Händen geformt hat.« Nerulonensisch, d. h. aus der Stadt Nerulum in Campanien. »Gassenbankier« ( mensarius), weil er den kleinen Geldwechsel, wie heute noch in Rom und Neapel, auf der Gasse betrieb, wo diese Leute ihre Tische hatten. – Beiläufig bemerkt, lassen diese Schmähungen und Afterreden einen Einblick in die Sprache der politischen Pamphlete jener Zeit thun, aus denen sie entnommen sind.

5. Geboren wurde Augustus unter dem Konsulate des Marcus Tullius Cicero und des Marcus Antonius, am 23. September, kurz vor Sonnenaufgang, im Palatinischen Stadtquartier »Bei den Stierköpfen« So hieß eine Straße oder ein Platz der zehnten Region, wie Bremi meint, nach den daselbst in Stein gehauenen Stierköpfen., wo jetzt ein ihm geweihtes Heiligtum steht, das erst einige Zeit nach seinem Tode errichtet wurde. Wie in den Senatsverhandlungen zu lesen steht, führte nämlich ein junger Patrizier, Gajus Lätorius, der auf Ehebruch angeklagt war, unter den Milderungsgründen der harten Strafe, außer seiner Jugend und Abkunft, bei dem Senate auch den Umstand an, daß er der Besitzer und sozusagen der Pförtner der heiligen Stelle sei, die der vergötterte Augustus zuerst bei seiner Geburt berührt habe Anspielung auf die römische Sitte, die Kinder bei der Geburt auf die Erde, dem Vater zu Füßen zu legen, der sie anerkannte, indem er sie aufhob., und daß man ihn also aus Rücksicht auf diese ihm erb- und eigentümliche Gottheit begnadigen möge; worauf denn der Beschluß gefaßt wurde, daß dieser Teil des Hauses in ein Heiligtum verwandelt werden solle.

6. Der Ort seiner ersten Erziehung wird noch jetzt auf dem Landgute seiner Großeltern bei Veliträ gezeigt. Es ist eine Räumlichkeit von äußerst geringem Umfange, einer Vorratskammer ähnlich, und in der Nachbarschaft herrscht der Glaube, daß er daselbst auch geboren sei. Diesen Raum ohne Not und ohne Ehrerbietung zu betreten gilt für Frevel, und es herrschte ein alter Glaube, daß den Blicken derer, die ihn leichtsinnig betreten, dort Schauriges und Furchtbares erscheine. Auch wurde dieser Glaube bald bestätigt. Denn als ein neuer Besitzer der Villa, sei es zufällig oder aus Lust an dem Wagestück, dort sein Nachtlager genommen hatte, geschah es, daß er nach wenigen Stunden der Nacht plötzlich durch eine unsichtbare Gewalt hinausgeworfen und halbtot samt seinem Bette vor der Thür gefunden wurde.

7. Dem Kinde wurde der Beiname Thurinus gegeben, sei es zur Erinnerung an die Abkunft seiner Ahnen oder weil kurz nach seiner Geburt sein Vater in der Gegend von Thurii gegen die flüchtigen Sklavenhaufen so glücklich gefochten hatte. Dafür, daß er wirklich den Beinamen Thurinus geführt, vermag ich einen sehr sicheren Beweis beizubringen, da ich ein kleines Erzportrait alter Arbeit aus seiner Knabenzeit erworben habe, auf welchem sich mit eisernen, bereits dem Verlöschen nahen Buchstaben dieser Name eingeschrieben befindet und das, von mir unserem Kaiser geschenkt, jetzt unter den Laren seines Schlafkabinetts verehrt wird. In dem Schlafkabinett des Kaisers befand sich ein Altar der Laren (Hausgötter), bei welchem ein Opferknabe regelmäßigen Dienst hatte. Vgl. unten Domitian Kap. 17. Aber auch vom Marcus Antonius wird er zum Spott oft Thurinus genannt, worauf er selbst immer nur mit der Bemerkung erwidert: » er wundere sich, daß man ihm aus einem früheren Namen einen Schimpf mache«. Später nahm er den Beinamen Cäsar und dann den Beinamen Augustus an, den ersteren zufolge testamentarischer Verfügung seines Großoheims, den letzteren nach dem Antrage des Senators Munatius Plancus, da gegen den Vorschlag einiger, daß er gleichsam als zweiter Erbauer Roms den Namen Romulus führen müsse, die Ansicht durchdrang, ihn vielmehr Augustus Augustus heißt: »der Geweihte«. zu nennen, da dieser Name nicht nur ein völlig neuer, sondern auch ungleich erhabener sei, weil ja auch die heiligen Orte, an welchen von den Auguren eine Weiheceremonie vorgenommen wird, » geweihte« ( augusta) heißen, von dem Worte »Glücksfülle« ( auctus) oder von dem Behaben oder Fressen der Vögel ( avium gestus gustusve), wie auch Ennius lehrt in den Worten:

Augusto augurio postquam inclyta condita Roma est.
(Als das erhabene Rom mit geweihtem Augurium erbaut war. Diese etymologischen Ableitungsversuche sind nur für den der lateinischen Sprache Kundigen verständlich.

8. Im fünften Jahre verlor er den Vater; im zwölften hielt er seiner verstorbenen Großmutter Julia die öffentliche Lobrede. Solche Lobreden, deren Stil und Formen ganz konventionell waren, konnte ein junger Knabe der edlen römischen Häuser mit Hülfe seines Hofmeisters leicht verfassen. Ähnliche Beispiele solcher oratorischen Leistungen von Knaben erzählt Sueton mehrere (Tiberius 6; Caligula 10). Und noch heute werden in Rom ähnliche Deklamationen öffentlich in Kirchen von Kindern gehalten. Vier Jahre später, nachdem er bereits die männliche Toga angelegt hatte, wurde er bei Cäsars afrikanischem Triumphe mit militärischen Ehrengeschenken beliehen, obschon er seiner Jugend wegen an dem Krieg keinen Anteil genommen hatte. Dagegen erwarb er bald darauf, als sein Großoheim nach Spanien gegen die Söhne des Pompejus zog, dessen hohe Zufriedenheit, indem er, kaum noch von einer schweren Krankheit erstanden, demselben auf Wegen, die von feindlichen Streifpartieen unsicher gemacht wurden, mit geringer Begleitung, und nachdem er unterwegs obenein noch einen Schiffbruch durchgemacht hatte, auf dem Fuße nachfolgte und bald außer der durch diese Reise bewiesenen eifervollen Hingebung, auch sonst durch seinen Charakter sich ihm vorteilhaft bewährte. Als Cäsar nach der Unterwerfung Spaniens den Feldzugsplan gegen die Daker und weiterhin gegen die Parther vorbereitete, ward er nach Apollonia vorausgeschickt, wo er einstweilen in Muße den Wissenschaften lebte. Als er die Kunde erhielt, daß Cäsar ermordet und er von ihm zum Erben eingesetzt sei, schwankte er eine Zeitlang, ob er nicht den Beistand der nächsten Legionen in Anspruch nehmen sollte, verwarf aber diesen Entschluß als übereilt und unzeitig und ging zuletzt nach Rom zurück, wo er, trotz der Bedenken seiner Mutter und trotz der dringenden Abmahnung seines Stiefvaters, des Konsularen Marcius Philipus, die Erbschaft antrat. Von da ab währte es nicht lange, so sah er sich an der Spitze großer Heere, zuerst mit Marcus Antonius und Marcus Lepidus, dann nur noch mit Antonius zwölf Jahre lang und zuletzt vierundvierzig Jahre lang allein als Beherrscher der Republik.

9. Nachdem ich so die Hauptzüge seines Lebens gegeben habe, will ich die einzelnen Teile desselben gesondert und nicht chronologisch, sondern nach der inneren Zusammengehörigkeit ausführlich behandeln, damit meine Darstellung eine um so klarere und deutlichere Kenntnis derselben gewähre. Er hat fünf bürgerliche Kriege geführt, den Mutinensischen, Philippensischen, Perusinischen, Sizilischen und Aktischen; den ersten und letzten gegen den Marcus Antonius, den zweiten gegen Brutus und Cassius, den dritten gegen Lucius Antonius, den Bruder des Triumvirs, den vierten gegen Sextus Pompejus, des Cnejus Sohn.

10. Aller dieser Kriege Veranlassung und Ursache war für ihn die Überzeugung, daß es vor allem dringend seine Pflicht sei, den Tod seines Großoheims zu rächen und alle Einrichtungen desselben aufrecht zu erhalten; und so beschloß er denn zuerst, gleich nachdem er aus Apollonia nach Rom zurückgekommen war, den Brutus und Cassius mit Gewalt, ehe sie es vermuteten, dann, als sie sich der vorausgesehenen Gefahr durch die Flucht entzogen hatten, auf dem Wege der Gesetze anzugreifen und sie abwesend auf Mord anzuklagen. Zunächst gab er selbst die Spiele für Cäsars Sieg Er gab sie durch Matius, einen Freund Cäsars. S. Cicero, Briefe an Freunde XI, 28., da diejenigen, welche dazu amtlich verpflichtet waren, es nicht zu thun wagten. Und um auch alles übrige noch energischer durchsetzen zu können, meldete er sich als Bewerber um die Stelle eines zufällig verstorbenen Volkstribunen, obschon er Patrizier und noch nicht Senator war. Seit Sullas Zeiten konnte nur ein Senator Volkstribun werden. Da sich jedoch der Konsul Marcus Antonius, von dem er gerade den kräftigsten Beistand gehofft hatte, seinem Vorhaben zuwider zeigte und ihm nicht einmal die gewöhnlichste gesetzliche Unterstützung in irgend einem Falle anders als gegen große Geldsummen angedeihen ließ, so ging er zur Partei der Optimaten Senat und Adel. über, bei denen, wie er merkte, Antonius übel angesehen war, besonders, weil er den Decimus Brutus in Mutina Das heutige Modena. belagert hielt und ihn mit Waffengewalt aus der Provinz, welche Cäsar ihm verliehen, und in deren Kommando ihn der Senat bestätigt hatte, zu vertreiben trachtete. Er stiftete also, auf Zureden von Parteigenossen, Meuchelmörder gegen ihn an, und als der Anschlag entdeckt wurde, brachte er aus Furcht vor den Folgen zu seinem und der Republik Schutze mit den größten Geldopfern die Veteranen Die altgedienten Legionen Cäsars. auf seine Seite. Er erhielt hierauf den Befehl über dieses Heer als Proprätor und den Auftrag, mit Hirtius und Pansa, welche das Konsulat erhalten hatten, dem Decimus Brutus zu Hilfe zu eilen, und beendete den ihm aufgetragenen Krieg binnen drei Monaten durch zwei Schlachten. In der ersten ergriff er, wie Antonius berichtet, die Flucht und kam erst nach zwei Tagen ohne Feldherrnmantel und Pferd wieder zum Vorschein. Dagegen steht es fest, daß er in der folgenden nicht nur als Feldherr, sondern auch als Soldat seine Pflicht that, und daß er sogar mitten im Kampfe dem schwer verwundeten Adlerträger seiner Legion den Adler abnahm und ihn lange auf seinen Schultern trug.

11. Da in diesem Kriege Hirtius während der Schlacht, Pansa einige Zeit darauf an seiner Verwundung starb, so ging das Gerücht, daß beide auf sein Anstiften getötet seien, damit er, wenn Antonius geschlagen und die Republik ihrer beiden Konsuln beraubt sei, als alleiniger Sieger drei Heere unter seinem Befehle vereinen könnte. Pansas Tod erregte in der That solchen Verdacht, daß sein Arzt Glyko gefangen gesetzt wurde, weil man ihn beschuldigte, die Wunde vergiftet zu haben. Aquilius Niger berichtet außerdem noch, der andere Konsul, Hirtius, sei von Octavius selbst im Getümmel der Schlacht getötet worden.

12. Wie er nun aber erfuhr, daß Antonius nach seiner Flucht im Lager des Lepidus Aufnahme gefunden und daß die übrigen Feldherren und Heere auf seine Seite getreten seien, verließ er ohne langes Bedenken die Partei der Optimaten, indem er fälschlicherweise gewisse Handlungen und Worte derselben als Vorwand für seinen Abfall nahm, z. B. daß die einen ihn einen Knaben genannt, die anderen höhnisch geäußert hätten: » er sei ein Mensch, den man mit Ehrenbezeugungen ködern und dann befördern Das lateinische Wort für befördern ( tollere) hat einen Doppelsinn: es heißt ebensowohl »erhöhen« als »aus dem Wege schaffen«. müsse,« und daß weder ihm, noch seinen Veteranen die gehörige Dankbelohnung gewährt worden sei. Und um zu beweisen, wie sehr es ihn gereue, sich der früheren Partei angeschlossen zu haben, legte er den Einwohnern der Stadt Nursia Jetzt Norcia, Gebirgsstadt, am Nar, mit Resten alter Mauern. eine ungeheure Geldstrafe auf und vertrieb sie, als sie dieselbe auszuzahlen nicht im stande waren, aus der Stadt, weil sie den bei Mutina gefallenen Bürgern auf Stadtkosten ein Grabdenkmal mit der Aufschrift errichtet hatten: » Sie fielen für die Freiheit.«

13. Nachdem er sich mit Antonius und Lepidus verbunden hatte, beendigte er auch den Philippensischen Krieg, trotz seiner Krankheit und Körperschwäche, durch eine Doppelschlacht, wobei es ihm in der ersten kaum gelang, mit Verlust seines Lagers fliehend zu dem Flügel des Antonius zu entkommen. Seinen Sieg verfolgte er nichts weniger als gemäßigt. Das Haupt des Marcus Brutus schickte er nach Rom, um es zu Füßen der Bildsäule Cäsars hinwerfen zu lassen. Gegen die vornehmsten Gefangenen wütete er auch in Worten auf die beleidigendste Weise. Ja es heißt, er habe einem, der ihn fußfällig um ein anständiges Begräbnis bat, die Antwort gegeben: » dafür würden schon die Vögel sorgen!« Andere, Vater und Sohn, die um ihr Leben flehten, habe er geheißen, es durchs Los oder durch Morraspiel auszumachen, welchem das Leben geschenkt sein solle, und er habe beide vor seinen Augen sterben sehen, da, als der Vater freiwillig sich dem Henkertode überliefert hatte, auch der Sohn sich den Tod freiwillig gab. Daher überhäuften ihn auch die übrigen, und unter ihnen Marcus Favonius, als sie gefesselt wurden, in offener Versammlung mit den wildesten Verwünschungen, während sie den Antonius achtungsvoll grüßten. Bei der Verteilung der Geschäfte nach dem Siege übernahm es Antonius, den Orient zu verwalten, er selbst, die Veteranen nach Italien zurückzuführen und sie dort in den Besitz der (ihnen versprochenen) Munizipalländereien zu setzen, wobei er es jedoch weder den Veteranen, noch den Munizipalbesitzern zu Danke machte, indem diese klagten, daß man sie von dem Ihrigen vertreibe, jene, daß man sie nicht nach Verdienst und Würden behandle.

14. Um dieselbe Zeit nötigte er den Lucius Antonius, der im Vertrauen auf das Konsulat, welches er bekleidete, und auf die Macht seines Bruders Unruhen anzettelte, sich nach Perusia zu flüchten, und zwang ihn durch Hunger zur Übergabe, wobei er selbst jedoch sowohl vor als während des Krieges in große Gefahr geriet. Als er nämlich bei einem Schauspiel einen gemeinen Soldaten, der auf den Ritterbänken seinen Platz genommen hatte, durch einen Polizeidiener wegweisen ließ und seine Gegner das Gerücht verbreiteten, er habe den Mann unmittelbar darauf unter Martern hinrichten lassen, hing es an einem Haare, daß er bei dem Auflaufe der erbitterten Soldateska getötet worden wäre. Sein Glück war, daß der Vermißte plötzlich heil und gesund zum Vorschein kam. Unter den Mauern von Perusia aber wäre er beinahe, als er ein Opfer vollzog, von einer Fechterschar gefangen worden, welche gerade aus der Stadt einen Ausfall gethan hatte.

15. Nach der Einnahme von Perusia verhängte er zahlreiche Todesstrafen, wobei er die, welche Verzeihung zu erbitten oder Entschuldigungen vorzubringen wagten, immer nur mit dem einen Worte unterbrach: » Es muß gestorben sein!« Einige berichten: er habe von denen, die sich ergeben hatten, dreihundert aus dem Ritter- und Senatorstande auslesen und sie an einem dem vergötterten Julius errichteten Altare am 15. März wie Opfertiere schlachten lassen. Es hat sogar einige gegeben, welche erzählten: diese ganze Kriegsunternehmung sei ein abgekartetes Spiel Nämlich zwischen Augustus und Lucius Antonius. gewesen, damit sich die heimlichen Gegner und alle, die mehr aus Furcht, als aus gutem Willen sich ruhig verhielten, im Vertrauen auf einen Anführer, wie Lucius Antonius, bloßstellen und er in den Stand gesetzt werden möchte, mit den konfiszierten Gütern der Besiegten seinen Veteranen die versprochenen Belohnungen abzuzahlen.

16. Der Sizilische Krieg war einer der ersten, welche er begann, doch schleppte sich derselbe lange hin und erlitt mehrfache Unterbrechungen, bald weil es nötig war, die Flotten zu erneuern, deren er zwei durch Sturm und Schiffbruch, und zwar mitten im Sommer, verloren hatte, bald weil er Frieden machen mußte, da das Volk wegen der abgeschnittenen Zufuhren und der steigenden Hungersnot es heftig verlangte. Endlich gelang es ihm, nachdem er neue Schiffe erbaut und sie mit zwanzigtausend freigelassenen Sklaven als Ruderern bemannt hatte, den Julischen Hafen bei Bajä An der Bucht des heutigen Pozzuoli. mittelst einer Verbindung des Lukriner- und Averner-Sees mit dem Meere herzurichten. Hier übte er seine Flotte den ganzen Winter hindurch und schlug dann den Pompejus zwischen Mylä und Naulochus Mylä ist das heutige Melazzo an der Nordküste von Sizilien, Naulochus das heutige Kastell Spadaflera ebendort., bei welcher Gelegenheit ihn um die Stunde der Schlacht plötzlich ein so tiefer Schlaf überfiel, daß ihn seine Freunde aufwecken mußten, um das Zeichen zum Kampfe zu geben. Dies hat, wie ich glauben möchte, dem Antonius Veranlassung gegeben, ihm vorzuwerfen: » er habe nicht einmal mit festem Auge die geordnete Schlachtreihe anzuschauen vermocht, sondern auf dem Rücken, mit dem Blick gen Himmel, stumpfsinnig dagelegen und sei nicht eher aufgestanden und seinen Soldaten vor die Augen getreten, als bis die feindlichen Schiffe vom Marcus Agrippa völlig in die Flucht geschlagen worden seien« Diese Stelle scheint wieder aus einem der späteren politischen Pamphlete des Antonius entnommen, dergleichen die Parteien damals gegeneinander zu veröffentlichen und mit allen möglichen persönlichen Angriffen und Beschimpfungen auszustatten pflegten. Andere beschuldigen ihn der Irreligiosität in That und Wort, als habe er, nachdem seine Flotten im Sturmwetter zu Grunde gegangen, ausgerufen: » trotz dem Neptun werde er dennoch siegen«, und an dem nächstfolgenden Tage der Cirkusspiele habe er bei dem feierlichen Götteraufzuge das Bild des Gottes wegzulassen befohlen. Auch ist es nicht so von ungefähr, daß er in diesem Kriege mehr und größere Gefahren zu bestehen hatte, als in irgend einem anderen. So ward er bei dem Übersetzen seines Heeres nach Sizilien, als er nach der Landung des einen Teils sich zu dem anderen nach dem Festlande zurückbegab, unversehens von Demochares und Apollophanes, den Unterbefehlshabern des Pompejus, mit überlegener Macht angegriffen und entrann ihnen mit genauer Not auf einem einzigen Schiffe. Ein andermal, als er bei Lokri vorbei zu Fuße nach Rhegium Zwei Städte an Kalabriens östlicher Küste. ging und bei dem Anblick Pompejanischer Zweiruderer, die dicht an der Küste vorbeisegelten und die er für die seinigen hielt, zum Ufer hinabstieg, wurde er beinahe gefangen genommen. Damals war es auch, wo bei seiner Flucht auf unwegsamen Fußpfaden ein Sklave seines Begleiters, des Ämilius Paullus, der es nicht vergessen konnte, daß von ihm einst Paullus der Vater in die Acht erklärt worden war, den Versuch machte, diese günstige Gelegenheit der Rache zu benutzen, um ihn zu ermorden. – Nach der Flucht des Pompejus nahm er dem einen seiner beiden Kollegen, dem Lepidus, den er aus Afrika zu Hilfe gerufen hatte und der nun im übermütigen Trotze auf seine zwanzig Legionen mit heftigen Drohungen die erste Rolle zu spielen verlangte, das Heer ab Nämlich indem er durch Bestechung die Befehlshaber und Soldaten zum Abfall verleitete., schenkte ihm aber auf sein fußfälliges Bitten das Leben und verbannte ihn für immer nach Circeji. Kleine unbedeutende Küstenstadt zwischen Rom und Neapel, bei dem heutigen Vorgebirge Circello.

17. Die Verbindung mit Marcus Antonius, die stets schwankend und unsicher gewesen und durch verschiedentliche Auffrischungsversuche nur schlecht wiederhergestellt worden war, brach er endlich vollständig. Und um zu beweisen, wie sehr derselbe von römischem Wesen entartet sei, ließ er dessen in Rom zurückgelassenes Testament, in welchem er sogar die Kinder der Kleopatra Wie wir aus Plutarch und Dio Cassius wissen, war auch die Kleopatra zur Miterbin eingesetzt. Darauf bezieht sich das »sogar« im Texte. Über Augusts schmähliche Handlungsweise hierbei hat Plutarch (Leben des Antonius Kap. 58) ein treffliches Wort berichtet. zu Erben eingesetzt hatte, erbrechen und in öffentlicher Versammlung vorlesen. Doch verstattete er allen Freunden und Verwandten des Antonius, nachdem derselbe bereits für einen Feind erklärt worden war Im Jahre 723. Es war schon einmal geschehen im Jahre 710., sich zu ihm zu begeben, so unter anderen sogar dem Gajus Sosius und dem Cnejus Domitius, die damals noch Konsuln waren. Den Einwohnern von Bononia Das heutige Bologna., weil sie von alters her in der Klientel der Antonier standen, erließ er sogar öffentlich den Eid, mit welchem ganz Italien seiner Sache Treue zuschwören mußte. Nicht lange darauf siegte er in der Seeschlacht bei Actium, wo der Entscheidungskampf bis in die Nacht dauerte, so daß der Sieger auf dem Schiffe übernachten mußte. Kaum hatte er sich von Actium nach Samos in die Winterquartiere begeben, als er auf die Botschaft, daß die Soldaten, die er nach dem Siege aus allen seinen Legionen nach Brundusium vorausgeschickt hatte, meuterisch geworden seien und Belohnungen und Abschied forderten, nach Italien zurückeilte, wobei er zweimal mit schwerem Sturmwetter zu kämpfen hatte: zuerst zwischen den Vorgebirgen des Peloponnes und Ätoliens und dann wieder bei den Keraunischen Gebirgen, – und beide Male ein Teil seiner Galeeren zu Grunde ging und diejenige, an deren Bord er sich befand, Takelage und Steuerruder verlor. In Brundusium blieb er nicht länger als siebenundzwanzig Tage, bis er die Verlangnisse der Soldaten geordnet hatte; dann ging er auf einem Umwege über Kleinasien und Syrien nach Ägypten und eroberte nach kurzer Belagerung Alexandria, wohin Antonius mit Kleopatra geflüchtet war. Den Antonius, der zu spät Friedensversuche gemacht hatte, zwang er zum Selbstmorde und sah ihn befriedigt als Leiche. Der Kleopatra, die er gar zu gern für seinen Triumph lebend bewahren wollte, versuchte er durch Psyller Psyller hießen die Mitglieder eines Volksstammes in Afrika, dem man im Altertume die Kraft zuschrieb, Schlangen bändigen und das Gift derselben aus menschlichen Körpern durch Aussaugen der Wunde entfernen zu können. das Gift aussaugen zu lassen, weil man glaubte, daß sie an dem Bisse einer Natter gestorben sei. Beide ließ er gemeinsam begraben und das Grabmal, das sie für sich selbst zu erbauen angefangen hatten, vollenden. Den jungen Antonius, den älteren der von Fulvia geborenen Söhne, ließ er von der Bildsäule des vergötterten Cäsars, wohin sich jener nach vielen vergeblichen Bitten geflüchtet hatte, hinwegreißen und töten. Ebenso ließ er den auf der Flucht eingeholten Cäsarion, dessen sich Kleopatra als ihres Sohnes von Cäsar öffentlich rühmte, hinrichten. Die übrigen Kinder des Antonius und der Kleopatra ließ er, als wären es seine eigenen Verwandten, nicht nur am Leben, sondern ließ ihnen auch, jedem nach Verhältnis, Unterhalt und Förderung angedeihen.

18. Um dieselbe Zeit nahm er den Sarg und die Leiche Alexanders des Großen in Augenschein, die er aus ihrer Gruft heben und vor sich hatte bringen lassen, und bezeigte seine Verehrung durch eine goldene Krone und durch daraufgestreute Blumen; als man aber bei ihm anfragte: ob er vielleicht auch das Ptolemaion Das königliche Erbbegräbnis der Ptolemäer. in Augenschein zu nehmen wünsche, gab er zur Antwort: » einen König, nicht Leichname habe er zu sehen gewünscht«. Um Ägypten, das er in eine römische Provinz umgewandelt hatte, noch fruchtbarer und ergiebiger für den Kornbedarf Roms zu machen, ließ er alle Bewässerungskanäle, in welche der Nil einströmt, von ihrer langjährigen Verschlammung aufs neue durch seine Soldaten reinigen. Und um seinen Sieg bei Actium noch für die späte Nachwelt zu verherrlichen, gründete er bei Actium die Stadt Nikopolis D. h. »Siegesstadt«. Actium (das heutige Azio) lag am Vorgebirge gleichen Namens in Akarnanien, am Eingange in den Meerbusen von Ambrakia., stiftete dort Festspiele, welche alle fünf Jahre gehalten werden sollten, und weihte den Platz, wo sein Lager gestanden hatte, nachdem er ihn mit Schiffstrophäen ausgeschmückt hatte, dem Neptun und Mars zum Heiligtume.

19. Hierauf unterdrückte er zu verschiedenen Zeiten Unruhen, ja selbst Anfänge zu Schilderhebungen und zahlreiche Verschwörungen, von denen er durch Verrat Kunde bekommen hatte, noch ehe sie Kraft gewinnen konnten, so z. B. die des jungen Lepidus, dann die des Varro Murena und des Fannius Cäpio, bald darauf die des Marcus Egnatius, sodann die des Plautius Rufus und des Lucius Paullus, des Mannes seiner Enkelin. Diese Enkelin war Julia, Tochter des Agrippa und der Julia, der unglücksberühmten Tochter des Augustus. Vgl. Stähr, Torso T. II, S. 416. Ferner die Verschwörung des Lucius Audasius, eines altersschwachen halbverrückten Mannes, der obenein wegen Testamentsfälschung angeklagt war; desgleichen die des Asinius Epicadus, eines halben Ausländers, dessen Familie aus dem Parthinischen stammte Parthiner, Volk in und um die Stadt Parthus in Illyrien., endlich gar das Unternehmen des Telephus, eines Sklaven, der bei einer vornehmen Frau Nomenklator Nomenklatoren, d. h. Namennenner, hießen die Sklaven, deren Amt es war, möglichst viele, wo nicht alle Bürger bei Namen zu kennen und ihre Herren in vorkommenden Fällen, bei Bewerbungen um Ehrenämter, auf Spaziergängen etc. oder auch bei Einladungen zu Festen und dergleichen, mit solcher Kenntnis zu unterstützen. Aus dieser Stelle sehen wir, daß zu Augustus' Zeit auch Damen solche Nomenklatoren in ihrer Dienerschaft hatten, die für sie als lebendiges Adreßbuch dienten. Die Alten, die der Druckerkunst entbehrten, mußten sich auch hier mit Menschen helfen. war; denn auch an Verschwörungen und Gefahr von seiten der Menschen niedrigsten Standes sollte es seinem Leben nicht fehlen. Audasius und Epicadus hatten seine Tochter Julia und seinen Enkel Agrippa von den Inseln, wo sie verbannt und bewacht lebten, gewaltsam zu den Heeren zu entführen, Telephus, der die Herrschaft durch eine Prophezeiung sich bestimmt glaubte, ihn selbst und den Senat anzugreifen beabsichtigt. Ja, einstmals wurde sogar bei Nacht dicht bei seinem Schlafgemache ein Marketender vom illyrischen Heere, der die Thürwächter zu täuschen gewußt hatte, mit einem Jagdmesser an der Seite ergriffen; ob der Mensch wahnsinnig gewesen oder sich nur so gestellt habe, bleibt ungewiß, denn die Tortur konnte nichts aus ihm herausbringen.

20. Auswärtige Kriege hat er in eigener Person überhaupt nur zwei geführt, den Dalmatischen, als er noch Jüngling war, und nach Besiegung des Antonius den Kantabrischen. Gegen die Kantabrer, ein spanisches Volk, in den Jahren 25-19 vor Chr. G. Auf diesen Krieg spielt Horaz öfters in seinen Oden an. Im Dalmatischen Genauer ist hier Appian, Illyrica, Kap. 19 und 20. ward er sogar verwundet, in der einen Schlacht durch einen Schleudersteinwurf am rechten Knie, in einer zweiten durch den Einsturz einer Brücke, wobei ihm ein Schenkel und beide Arme verletzt wurden. Die übrigen Kriege ließ er durch seine Unterfeldherren führen, doch so, daß er sich bei einigen derselben, den Pannonischen und Germanischen, entweder selbst zeitweise ins Feldlager begab oder sich doch nicht weit vom Kriegsschauplatze aufhielt, indem er sich von Rom aus bald nach Ravenna, bald bis nach Mailand oder Aquileja verfügte.

21. Unterworfen hat er teils persönlich, teils durch seine Feldherren Kantabrien, Aquitanien, Pannonien, Dalmatien nebst ganz Illyrien, desgleichen Rhätien und die Vindelizier und Salasser, zwei Alpenvölker. Ferner hemmte er die Einfälle der Daker, denen er zahlreiche Heerhaufen nebst drei Heerführern tötete, und drängte die Germanen bis über den Elbefluß zurück; einen Teil derselben, die Ubier und Sicambrer, die sich unterwarfen, siedelte er nach Gallien über und gab ihnen Wohnsitze in den an den Rhein grenzenden Landstrecken. Auch andere unruhige Völkerschaften brachte er zum Gehorsam zurück. Jedoch bekriegte er kein Volk ohne gerechte Ursache und ohne Not und war überhaupt so weit von der Begierde entfernt, auf jede mögliche Weise das Reichsgebiet oder den römischen Kriegsruhm zu vermehren, daß er vielmehr einige Barbarenfürsten im Tempel des rächenden Mars den Schwur abzulegen nötigte: daß sie Frieden und Freundschaft, um welche sie baten, auch halten wollten, und von anderen sogar als eine neue Art von Geiseln Frauen zu erhalten versuchte Auch Tacitus sagt im achten Kapitel seiner Schrift über Deutschland: »Diejenigen Volksgemeinden, denen man unter den anderen Geiseln auch edle Jungfrauen zu stellen auferlegt, sind stärker gebunden.«, weil er die Erfahrung machte, daß die Barbaren sich um ihre männlichen Geiseln nicht viel kümmerten; – und doch verstattete er ihnen, so oft sie es verlangten, die Geiseln wieder auszulösen. Selbst über Völker, die sich wiederholt oder unter Umständen arger Treulosigkeit empörten, verhängte er nie eine härtere Strafe, als daß er die von ihnen, welche in Kriegsgefangenschaft gerieten, mit der Bestimmung in Sklaverei verkaufte, daß sie nicht in der Nähe ihres Vaterlandes als Sklaven dienen und innerhalb dreißig Jahren nicht freigegeben werden durften. Durch den Ruhm solcher Tapferkeit und Mäßigung bewog er selbst die Inder und Skythen, Völker, die man bis dahin bloß vom Hörensagen kannte, freiwillig durch Gesandte um seine und des römischen Volkes Freundschaft nachzusuchen. Auch die Parther überließen ihm nicht nur auf seinen Anspruch bereitwillig Armenien, sondern gaben auch die Feldzeichen, welche sie dem Marcus Crassus und Marcus Antonius abgenommen hatten, auf seine Forderung wieder heraus und boten obendrein Geiseln an; ja sie gingen so weit, daß sie unter den mehrfachen Bewerbern um den parthischen Thron nur dem von ihm Erkorenen die Huldigung erteilten.

22. Den Janus Quirinus D. h. das diesem Gotte geweihte und nach ihm benannte Doppelthor, durch welches Feldherr und Heer aus Rom zum Kriege auszogen. Es lag in der Nähe des Forum und enthielt die Bildsäule des Gottes mit dem Doppelantlitz., der seit Erbauung der Stadt vor seiner Zeit nur zweimal geschlossen worden war, schloß er während einer viel kürzeren Zeitfrist, nachdem er zu Land und Meer den Frieden hergestellt hatte, dreimal. Im kleinen Triumph Der »Ovation« genannt wurde, von dem Opfer eines Schafes ( ovis), das dabei vollzogen ward. zog er zweimal in die Stadt ein, das erste Mal nach dem Philippischen Diese Angabe ist nicht richtig. Die Kapitolinischen Jahrbücher ( Fasti) geben an, daß Augustus die erste Ovation nach dem Friedensschlusse mit Antonius feierte. S. Egger a. a. O., S. 271., dann wieder nach dem Sizilischen Kriege. Große Triumphe hat er drei gehalten, den Dalmatischen, Actischen und Alexandrinischen, von denen jeder drei Tage hintereinander währte.

23. Schwere und schimpfliche Niederlagen hat er überhaupt nur zwei und beide in dem einzigen Germanien erlitten, die des Lollius und die des Varus. Bei der Lollianischen war der Schimpf größer, als der Verlust, die Varianische dagegen war fast vernichtend für das Reich, indem drei Legionen mit dem Oberbefehlshaber, den Unterfeldherren und sämtlichen Hilfstruppen niedergehauen wurden. Als er diese Nachricht erhalten hatte, ließ er alle Stadtteile mit Soldatenabteilungen besetzen, damit kein Auflauf entstehe, und verlängerte sämtlichen Provinzialstatthaltern ihr Kommando, um durch erfahrene und mit den Einwohnern vertraute Männer die Unterthanen des Reiches in Gehorsam zu halten. Zugleich gelobte er dem besten höchsten Jupiter große Spiele mit der Gelöbnisformel: » wenn er den Staat wieder zu besserem Glücke gewendet haben würde«, wie das im Cimbrischen und Marsischen Kriege gleichfalls geschehen war. Ja, es heißt, seine Niedergeschlagenheit sei so groß gewesen, daß er Monate lang Haupthaar und Bart wachsen ließ und wiederholt den Kopf mit dem Ausrufe gegen die Thüren stieß: » Quinctilius Varus, gieb die Legionen wieder!« und daß er den Jahrestag der Niederlage stets als einen Klage- und Trauertag begangen hat.

24. Im Heerwesen traf er mannigfache Änderungen und neue Einrichtungen, sowie er auch auf manchen alten Brauch zurückgriff. Die Kriegszucht handhabte er aufs strengste. Selbst ein Legat erhielt nur schwer, und nur in den Wintermonaten, von ihm die Erlaubnis, seiner Frau einen Besuch zu machen. Einen römischen Ritter, der seinen beiden Söhnen, um sie der Kriegsdienstpflicht zu entziehen, die Daumen verstümmelt hatte, verkaufte er als Sklaven und zog sein Vermögen ein. Da er jedoch sah, daß die Zollpächter ihn zu kaufen beabsichtigten Um ihren Standesgenossen nachher freizulassen, denn die Zollpächter gehörten meist dem Ritterstande an., schlug er ihn einem seiner Freigelassenen zu, damit ihn dieser aufs Land schicke und ihn dort als einen Freien leben lasse. Die ganze zehnte Legion, welche mehrmals nur widerwillig gehorsamt hatte, entließ er mit Schimpf und Schande aus dem Dienst, und andere Legionen, welche in ungeziemender Weise ihre Entlassung gefordert hatten, verabschiedete er unter Entziehung der üblichen Belohnungen ausgedienter Soldaten. Kohorten, welche vor dem Feinde gewichen waren, dezimierte er und ließ ihnen Gerste als Brotkorn liefern. Centurionen, die ihren Posten verlassen hatten, strafte er, ganz wie die gemeinen Krieger, am Leben. Für andere Arten von Vergehungen belegte er sie mit mannigfachen Ehrenstrafen, ließ sie z. B. einen ganzen Tag über vor dem Feldherrnzelte Schau stehen, zuweilen auch mit einer Meßstange auf der Schulter oder wohl auch mit einem Rasenstück in der Hand. Bei Vermessung des Lagers die Meßstange tragen oder zu dem Wall und den Erdhütten Rasenstücke anschleppen, gehörte zum Dienste des gemeinen Soldaten. Die Strafe war also eine zeitweilige Degradation. Daß diese Strafen den Offizier in den Augen der gemeinen Soldaten ebensowenig wie in denen der anderen Offiziere dauernd herabsetzten, sondern mehr eine vorübergehende Beschämung waren, zeigt uns, wie verschieden der antike Ehrbegriff von dem unsrigen war. Nur in Rußland sehen wir heutzutage Ähnliches.

25. Auch nannte er nach den bürgerlichen Kriegen nie irgend einen Truppenteil, weder in mündlicher Anrede, noch in schriftlichen Erlassen, Kameraden, sondern schlechtweg Soldaten, und litt es auch nicht, daß seine Söhne und Stiefsöhne, wenn sie ein Kommando bekleideten, jene andere Benennung gebrauchten, weil er der Ansicht war, daß darin eine Schmeichelei liege, wozu weder die soldatische Unterordnung, noch die ruhige Lage der Dinge, noch seine und seines Hauses Majestät eine Veranlassung gebe. Freigelassene nahm er zu Soldaten – ausgenommen für den Dienst in Rom selbst bei Feuersbrünsten und wenn man bei teuren Kornpreisen Unruhen befürchtete – nur zweimal in seinem Leben: einmal zur Besatzung der an Illyrien grenzenden Kolonieen und das zweite Mal zum Schutze des Rheinufers. Und zwar ließ er diese Leute, die zur Zeit, wo sie auf seinen Befehl von reichen Männern oder Frauen gestellt wurden, noch Sklaven und in aller Eile freigelassen waren, nur in die erste disponible Reserve eintreten; auch bildeten sie eigene, von den Freigeborenen gesonderte und von ihnen durch Bewaffnung und Ausrüstung verschiedene Abteilungen. An kriegerischen Belohnungen erteilte er viel leichter Pferdeschmuck, Gnadenketten und sonstige Geschenke, deren Wert in Gold und Silber bestand, als Wall- oder Mauerkronen, welche ungleich höheren Ehrenwert hatten. Diese letzteren verlieh er überaus sparsam, stets nur dem wahren Verdienste und deshalb oft selbst gemeinen Soldaten. Dem Marcus Agrippa verlieh er wegen des bei Sizilien erfochtenen Seesiegs Über den Sextus Pompejus. eine meergrüne Fahne. Nur den Feldherren, welche bereits selbst Vor seiner Alleinherrschaft. Triumphe gefeiert hatten, glaubte er, obschon sie seine Feldzüge mitgemacht und seine Siege miterfochten, keine Ehrengeschenke anbieten zu dürfen, aus Rücksicht darauf, daß sie selber einst das Recht besessen hatten, dergleichen nach Belieben zu erteilen. Seine Ansicht von einem vollendeten Feldherrn war die, daß für einen solchen nichts unpassender sei, als Übereilung und Verwegenheit. Daher waren seine Lieblingssprüche das griechische:

» Eile mit Weile!«

und jener griechische Dichtervers:

» Besser ist ein wohlbedächt'ger, als ein kühner Feldhauptmann!«

sowie das lateinische:

» Schnell genug geschieht was ordentlich geschieht!«

Überhaupt meinte er: auf eine Schlacht oder einen Krieg müsse man sich nur dann einlassen, wenn die Hoffnung auf Gewinn augenscheinlich größer sei, als die Furcht vor Verlust. »Denn«, pflegte er zu sagen, »die, welche einem kleinen Gewinne mit Gefahr eines großen Verlustes nachjagen, glichen Leuten, welche mit einem goldenen Angelhaken angelten, dessen Verlust, wenn er abgerissen würde, durch keinen Fang ersetzt werden könnte.«

26. Magistratsämter und Ehrenstellen bekleidete er einige vor der gesetzlichen Zeit, einige von ganz neuer Art und auf Lebenszeit. Des Konsulats bemächtigte er sich schon im zwanzigsten Jahre, indem er seine Legionen feindlich bis in die Nähe der Stadt vorrücken ließ und Abgeordnete hineinsandte, die für ihn das Konsulat im Namen der Armee fordern mußten, wobei es vorkam, daß der Centurio Cornelius, der Vorstand der Abgesandten, als der Senat Bedenken zeigte, in der Kurie seinen Kriegsmantel zurückwarf und, auf seinen Schwertgriff deutend, ausrief: » Dieser wirds thun, wenn ihrs nicht thut!« Das zweite Konsulat bekleidete er neun Jahre später, das dritte ein Jahr darauf, die folgenden hintereinander in einer Reihe bis zum elften. Dann schlug er die weiteren, obschon sie ihm angetragen wurden, aus, bis er endlich das zwölfte nach einem großen Zwischenraume von siebzehn Jahren und zwei Jahre darauf das dreizehnte selber verlangte, um als erster Staatswürdenträger seine Söhne Gajus und Lucius bei ihrem ersten Auftreten als Volljährige aufs Forum hinführen zu können. Wo sie statt des Knabenkleides die männliche Toga anlegten. Gewöhnlich begleiteten zu dieser Feierlichkeit die Väter und die nächsten männlichen Verwandten die Jünglinge ( tirones), und Augustus wünschte, in diesem Falle als Konsul zu erscheinen. Die fünf mittleren Konsulate, vom sechsten bis elften, bekleidete er das ganze Jahr lang, die übrigen teils neun, teils auch nur sechs, vier und drei Monate, das zweite sogar nur einige Stunden lang. Denn kaum hatte er am ersten Januar vor dem Tempel des Kapitolinischen Jupiter eine Zeitlang auf dem kurulischen Stuhle den Vorsitz geführt, so legte er sein Ehrenamt nieder, indem er sich sofort einen Stellvertreter ernannte. Auch trat er nicht alle Konsulate zu Rom an, sondern das vierte in Asien, das fünfte auf der Insel Samos, das achte und neunte zu Tarraco.

27. Das Triumvirat zur Neugestaltung der Staatsverfassung bekleidete er zehn Jahre lang. Hier widersetzte er sich zwar geraume Zeit seinen Kollegen in betreff der von ihnen verlangten Maßregel der Achtserklärungen; als man sie aber einmal begonnen hatte, übte er sie härter, als beide. Denn während sie häufig bei manchen Persönlichkeiten der Gnade und Fürbitte Raum zu geben geneigt waren, drang er allein darauf, daß keiner geschont werde; ja, er ächtete selbst seinen Vormund Gajus Toranius, der zugleich als Ädil der Kollege seines Vaters Octavius gewesen war. Junius Saturninus erzählt außerdem noch: »Während nach vollzogener Ächtung Marcus Lepidus im Senate das Vergangene entschuldigt und für die Zukunft Hoffnung auf Milde gemacht hätte, weil nun genugsam gestraft worden sei, habe er im Gegenteil öffentlich die Erklärung abgegeben: er habe in eine Ermäßigung der Ächtungen nur insoweit eingewilligt, als er sich dabei völlig freie Hand für die Zukunft gelassen habe. War es doch Octavian auch gewesen, der die berüchtigte Rechtfertigung der Ächtungen an der Spitze des Proskriptionsdekrets abgefaßt hatte, die uns bei Appian (Bürgerkrieg IV, 8-11) erhalten ist. Doch zum Beweise, daß ihm sein Starrsinn leid war, verlieh er später dem Titus Vinius Philopömen, von dem es hieß, er habe seinen geächteten Patron damals verborgen gehalten, die Ehre der Ritterwürde. In derselben Zeit seiner Triumviratsgewalt zog er vielfachen Haß auf sich. So ließ er bei Gelegenheit einer Rede, welche er an die Soldaten hielt, den römischen Ritter Titus Pinarius, der sich mit einer Menge anderer Civilisten als Zuschauer eingefunden hatte und einiges in seiner Schreibtafel notierte, als er dies gewahr wurde, auf der Stelle als einen Aufpasser und Spion niederstoßen. Den Tedius Afer, der bereits zum Konsul erwählt war, versetzte er durch seine Drohungen, wegen eines scharfen Worts, das er sich über irgend eine Handlung des Triumvirs erlaubt hatte, in einen solchen Schrecken, daß er sich in die Tiber stürzte. Im Texte steht bloß: »daß er sich hinabstürzte« ( ut se praecipitaverit); es kann also auch ein Sturz vom Dache oder aus dem Fenster des Hauses oder vom Tarpejischen Felsen gemeint sein. Den Prätor Quintus Gallius, der bei einem Ehrenbesuch, den er dem Triumvir abstattete, unter dem Kleide eine zweiblättrige Schreibtafel verdeckt hielt und ihm so den Verdacht einflößte, als hätte er ein Schwert verborgen, ließ er nicht etwa sogleich untersuchen, weil er fürchtete, daß man möglicherweise doch etwas anderes finden möchte, wohl aber ließ er ihn durch Centurionen mit einem Soldatenhaufen von seinem Richterstuhle Auf dem Forum stand auf einer halbzirkeligen Erhöhung der Ehrenstuhl des Recht sprechenden Prätors. wegreißen, ihn wie einen Sklaven auf die Folter spannen und ihn, obschon er nichts bekannte, hinrichten, nachdem er ihm zuvor mit eigener Hand die Augen ausgestochen hatte. Er selbst jedoch stellt (in seinen Memoiren) die Sache so dar, als habe jener bei Gelegenheit einer nachgesuchten Unterredung einen Angriff auf ihn gemacht, sei dafür von ihm ins Gefängnis geworfen, später aus Rom verbannt worden und schließlich zur See oder durch Straßenräuber umgekommen.

Die Tribunengewalt übernahm er auf Lebenszeit; zweimal jedoch, und zwar jedesmal auf fünf Jahre, wählte er sich einen Amtsgehilfen. Gleichfalls auf Lebenszeit übernahm er das Aufsichtsamt über Sitten und Gesetze, und kraft desselben hielt er, obschon ohne den Ehrentitel eines Censors, dreimal den Census des Volkes ab Wobei die gesamte Bürgerschaft in vier Klassen und Centurien neu eingewiesen und eingeweiht und allerhand Versetzungen, Erhöhungen und Erniedrigungen vorgenommen wurden., das erste und dritte Mal mit einem Kollegen, das zweite Mal allein.

28. An Abdankung mit Herstellung der alten republikanischen Verfassung hat er zweimal gedacht. Das erste Mal sogleich nach Überwältigung des Antonius, eingedenk, daß ihm von diesem zum öfteren vorgeworfen worden war, als liege nur an ihm die Schuld, daß die Republik nicht wiederhergestellt werde, das zweite Mal aus Unmut über eine langwierige Krankheit, wo er sogar die ersten Staatsbehörden und den Senat zu sich in sein Haus kommen ließ und ihnen das Staatshaushaltsbuch übergab. Was dieses Staatshaushaltsbuch ( rationarium imperii, auch breviarium genannt) enthielt, sagt Sueton weiterhin im 101. Kapitel der Biographie Augusts. Die Erwägung jedoch, daß er seinerseits als Privatmann nicht mehr ohne Gefahr existieren und der Staat andererseits einem Vielregiment, ohne seine Existenz aufs Spiel zu stellen, nicht überliefert werden könne, ließ ihn in seinem Entschlusse verharren, das Ruder in der Hand zu behalten; und es ist kaum zu sagen, ob der Erfolg besser war oder die Absicht. Der Sinn der letzten Worte ist ehrenvoll für Augustus. Sueton will sagen: »Die Gesinnung und Absicht, welche ihn bewog, die monarchische Regierungsform beizubehalten und festzustellen, war ebenso lobenswert, als der Erfolg derselben heilbringend für das Reich.« Diese Absicht äußerte er zu wiederholten Malen und bezeigte sie auch in einem Edikte mit den Worten: » So wahr es mir vergönnt sein möge, die Republik heil und sicher auf ihrer Grundlage festzustellen und dafür den Lohn zu genießen, den ich erstrebe: der Schöpfer des besten Zustandes zu heißen und sterbend die Hoffnung mit mir ins Grab zu nehmen, daß die von mir gelegten Grundlagen der Republik fest auf ihrer Stelle bleiben werden.« Und in der That verschaffte er selbst sich dieses Wunsches Gewährung, indem er auf alle Weise zu bewirken strebte, daß niemand mit der neuen Lage der Dinge unzufrieden zu sein Ursache haben möchte.

Die Hauptstadt, deren äußeres Ansehen damals noch nicht der Majestät ihrer Weltherrschaft entsprach und die zugleich vielfach von Überschwemmungen und Feuersbrünsten heimgesucht wurde, verschönerte er dergestalt, daß er schließlich mit Recht sich rühmen durfte: » er hinterlasse eine Stadt mit Marmor, während er eine Stadt von Backsteinen vorgefunden habe«. Für ihre Sicherung aber, selbst auf die weiteste Zukunft hinaus, leistete er alles, was nur irgend von menschlicher Umsicht geleistet werden konnte.

29. Öffentliche Bauwerke errichtete er eine große Menge, von denen die bedeutendsten etwa das Forum mit dem Tempel des rächenden Mars, der Apollotempel auf dem Palatinhügel und der Tempel des donnernden Jupiter auf dem Kapitol sein dürften. Zur Erbauung des Forums bewog ihn die Menge der Menschen und der Gerichtsverhandlungen, für welche die zwei vorhandenen nicht ausreichten, sodaß ein drittes durchaus notwendig erschien. Die zwei älteren Fora waren das alte römische ( Forum romanum) und das Forum Cäsars (man vgl. Lebensbeschreibung Cäsars, Kap. 26). Von dem letzteren war das neue Forum des Augustus nur durch eine Gasse geschieden. Es wurde daher etwas eilig, und ehe noch der (dazu gehörige) Tempel des Mars vollendet war, dem öffentlichen Gebrauche übergeben und dabei bestimmt, daß hier im besondern die öffentlichen Kriminalgerichte und die Wahlen der Richter durchs Los vorgenommen werden sollten. Den Tempel des Mars hatte er im Philippensischen Kriege gelobt, den er um seinen Vater zu rächen unternommen hatte. Er verordnete daher, daß hier der Senat über Kriege und Triumphe in Beratung treten, die Provinzialgouverneure von hier aus bei ihrer Abreise in die Provinzen das Ehrengeleit empfangen und die siegreich zurückkehrenden Feldherren hier die Insignien ihrer Triumphe weihend niederlegen sollten. Dies alles geschah früher auf dem Kapitol. Den Tempel des Apollo ließ er an der Seite des Palatinischen Wohnpalastes sich erheben, wo durch einen eingeschlagenen Blitz nach der Deutung der Haruspices der Gott diesen Bau selbst gefordert hatte. Diese Weise, den Bau eines Gotteshauses zu motivieren, ging später in das katholische Christentum über. Er fügte demselben Säulengänge nebst einer lateinischen und griechischen Bibliothek hinzu; auch hielt er dort in seinen älteren Tagen oft Senatssitzungen, wie er auch daselbst die Musterung der Richterabteilungen vornahm. Dem donnernden Jupiter weihte er den Tempel in dankbarer Erinnerung an seine Rettung aus Todesgefahr im Kantabrischen Kriege, wo bei einer nächtlichen Reise der Blitz dicht bei seiner Sänfte niedergefahren war und einen vorleuchtenden Sklaven getötet hatte. Einige Bauwerke errichtete er auch unter fremdem Namen, nämlich im Namen seiner Enkel, seiner Gemahlin und Schwester: wie z. B. den Portikus und die Basilika des Gajus und Lucius, desgleichen die beiden Portikus der Livia und Octavia und das Theater des Marcellus. Aber auch die übrigen bedeutenden Männer forderte er wiederholt auf, jeder nach seinem Vermögen die Stadt mit öffentlichen Denkmälern, sei es mit neuen oder durch Ausbesserung und Verschönerung bereits vorhandener, schmücken zu helfen, und in der That folgten viele diesem Aufrufe. So ward vom Marcius Philippus der Tempel des Musenführers Herkules, vom Lucius Cornificius der Tempel der Diana, vom Asinius Pollio das Atrium der Libertas, vom Munatius Plancus der Tempel des Saturnus, vom Cornelius Balbus ein Theater, vom Statilius Taurus das Amphitheater und endlich vom Marcus Agrippa eine ganze Reihe der herrlichsten Gebäude aufgeführt. Darunter vor allen das noch heute zu einem Teile vorhandene Pantheon, über welches man vergleiche Ein Jahr in Italien I, S. 170; II, 266.

30. Den ganzen Stadtumfang teilte er in Regionen Der alte Name dieser Bezirkseinteilung ist noch in den heutigen Rioni erhalten. Über diese wichtige Einteilung handelt Egger a. a. O. im Appendice II. Augustus teilte Rom in vierzehn Regionen und 265 Straßenquartiere. Jede Region hatte einen eigenen Obervorstand hohen Ranges (Prätor) und einen Untervorstand, der etwa die Funktionen eines Pariser Maire d'arrondissement ausübte. Unter den letzteren standen je ein Denunciator (zusammen 14), der seine Befehle und Anordnungen den Quartiermeistern mitteilte, deren es für jedes Straßenquartier ( vicus) vier gab (zusammen 1060), die wieder jeder einen Polizeidiener unter sich hatten. Alle diese 2162 Munizipalbeamten von Rom waren Plebejer, mit Ausnahme der obersten 14 Prätoren. und Straßenquartiere und traf zugleich die Einrichtung, daß über jene alljährlich durchs Los bestimmte Behörden, über diese die von der Einwohnerschaft jedes Straßenquartiers gewählten Quartiermeister die Aufsicht führen sollten. Gegen die Feuersbrünste führte er Nachtwachtposten und Wächter ein. Über diese Institution handelt eine Schrift von O. Kellermann und Egger a. a. O., S. 253. Um den Überschwemmungen Einhalt zu thun, ließ er das Bett der Tiber, das schon seit lange von Schutt angefüllt und durch eingefallene Gebäude verengt war, erweitern und reinigen. Um die Kommunikation der Stadt mit den Provinzen nach allen Seiten hin zu erleichtern, übernahm er selbst die Fortführung der Flaminischen Heerstraße bis nach Ariminum Das heutige Rimini. hin und verteilte die übrigen unter die Feldherren, welche Triumphe gefeiert hatten, zur Herstellung aus den ihnen zugefallenen Beutegeldern. Heilige Gebäude, welche vor Alter zusammengestürzt oder durch Feuersbrunst zerstört worden waren; stellte er wieder her und stattete sie wie die übrigen mit sehr reichen Geschenken aus, wie er denn allein in den Tempelschatz des Kapitolinischen Jupiter in einer einzigen Schenkung sechzehntausend Pfund Gold und an kostbaren Steinen und Perlen im Werte von einer halben Million Sesterzien Eine halbe Million Sesterzien sind nach der Goldwährung der Kaiserzeit 108 760 Reichsmark. Ein Sestertius betrug damals 0,218 Mark. – 16 000 römische Pfund = 4639,200 kg. niederlegte.

31. Sobald er aber das Oberpriesteramt, das er dem Lepidus, solange derselbe lebte, nicht hatte entziehen mögen, nach dessen Tode endlich übernommen, ließ er alles, was an Weissagungsbüchern, sowohl griechischen als lateinischen, von entweder völlig unbekannten oder unglaubwürdigen Verfassern, im Umlauf war, über zweitausend Bände, zusammenbringen und verbrennen. Nur die Sibyllinischen behielt er, und auch diese nur in Auswahl, zurück und bewahrte sie in zwei vergoldeten Schränkchen unter dem Fußgestell des Palatinischen Apollo auf. Den von dem vergötterten Julius geordneten, später aber durch Nachlässigkeit in Unordnung und Verwirrung geratenen Kalender brachte er wieder in die frühere Ordnung und benannte dabei statt des Septembers, in welchem er geboren war, den Monat Sextilis mit seinem Zunamen August. in Erinnerung daran, daß er in diesem Monate sein erstes Konsulat und ausgezeichnete Siege gewonnen hatte. Er vergrößerte die Zahl und die Würde, aber auch die Einkünfte der Priester, zumal der Vestalinnen; und als einmal an die Stelle einer gestorbenen eine andere gewählt werden mußte und viele Väter es als eine Gunst nachsuchten, ihre Töchter nicht zum Losen zu stellen, beteuerte er mit einem Schwure: wenn irgend eine seiner eigenen Enkeltöchter das zureichende Alter hätte, würde er sie freiwillig dargebracht haben. Die zwanzig Jungfrauen, welche in einem solchen Falle dem Pontifex Maximus zur Wahl gestellt wurden, durften nicht über zehn und nicht unter sechs Jahren alt sein. Auch von alten heiligen Bräuchen führte er manches allmählich Abgekommene wieder ein, so z. B. das Augurium des Staatswohls, das Priestertum des Flamen Dialis, die Luperkalienfeier, die Hundertjahrspiele Die später unter den Kaisern nicht bloß alle hundert Jahre, sondern auch öfter gefeiert wurden. und die Kreuzwegspiele. Am Luperkalienfeste verbot er unbärtigen Jünglingen die Teilnahme an dem Festlaufe; desgleichen verordnete er, daß an den Hundertjahrspielen jüngere Leute beiderlei Geschlechts keines der nächtlichen Schauspiele, außer in Begleitung eines älteren Verwandten, besuchen dürften. Ferner führte er zweimalige Bekränzung der Laren der Kreuzwege mit Frühlings- und mit Sommerblumen ein. Diese Feste wurden im Mai und August gefeiert; Ovid, Festkalender V, 129 ff. Über diese ganze hochwichtige, politisch-religiöse Institution handelt Egger S. 367 ff. Indem Augustus den Laren einen Altar mit der Inschrift Laribus publicis (den Staatslaren) weihte, dessen vollständige Weihinschrift uns noch erhalten ist, stellte er die ganze römische Welt unter den Schutz dieser uralten römischen Hausgottheiten, denen sich der Genius des Kaisers als Gottheit zugesellte. Nächst den Göttern erwies er die höchste Ehre den großen Heerführern, welche des römischen Volkes Macht von der niedrigsten auf die höchste Stufe gebracht. Darum stellte er die Bauwerke eines jeden derselben unter Beibehaltung der alten Inschriften wieder her und stellte die Statuen aller im triumphatorischen Schmuck in den beiden Portiken seines Forums weihend auf, indem er durch ein Edikt bekannt gab: » seine Absicht hierbei sei gewesen, daß an dem Musterbilde jener großen Männer sowohl er selbst, solange er lebe, als auch die Staatsoberhäupter der kommenden Generationen von den Bürgern gemessen werden könnten«. Auch die Statue des Pompejus ließ er aus der Kurie, in welcher Cäsar ermordet war, fortbringen und unter einem marmornen Janusbogen, gegenüber dem bei dem Theater des Pompejus liegenden Prachtpalaste desselben, aufstellen. Diese Statue ist wahrscheinlich noch erhalten in dem Pompejus des Palastes Spada zu Rom. Vgl. Torso von Ad. Stahr, Teil I, S. 529 ff.

32. Viele arge Übelstände schaffte er ab, die zum Verderben des gemeinen Wesens teils infolge der langdauernden Gesetzlosigkeit der Bürgerlichen Kriege sich eingewurzelt, teils selbst während des Friedens sich eingeschlichen hatten. Denn es zeigten sich öffentlich in großer Zahl Landstreicher, die dem Vorgeben nach zu ihrem eigenen Schutze mit dem Schwert an der Seite gingen. Reisende auf dem Lande wurden vielfach, mochten sie Freie oder Sklaven sein, ohne Unterschied geraubt und verschwanden in den Sklavenhäusern der großen Grundbesitzer; überall bildeten sich Zusammenrottungen, unter den Namen irgend einer neuerrichteten Innung, zur gemeinsamen Verübung jeder Art von Schandthaten. Augustus steuerte der räuberischen Landstreicherei dadurch, daß er überall an den geeigneten Orten Militärposten aufstellte. Die Sklavenhäuser unterwarf er einer strengen Musterung; die Innungen hob er, mit Ausnahme der alten und gesetzlich berechtigten, auf; die Verzeichnisse derer, welche von alter Zeit her Schuldner der Staatskasse waren und die einen Hauptstoff für die Schikane bildeten, verbrannte er; Grundstücke in der Stadt, die für Gemeingut galten, bei denen es aber streitig war, ob sie nicht eigentlich Privaten gehörten, erkannte er festen Besitzern zu. Alle Namen von Angeklagten, deren Prozeß sich lange verschleppt hatte und aus deren unglückseligem Anklagezustande nur ihren Feinden Befriedigung erwuchs, strich er von der Prozeßliste, mit der Bedingung, daß jeder, der dieselbe Klage gegen einen solchen wieder aufnehmen wollte (wenn er mit derselben durchfiel), dieselbe Strafe über sich nehmen sollte, die jenen getroffen haben würde. Damit aber kein Verbrechen unbestraft durchschlüpfe und kein Rechtsfall sich allzusehr in die Länge ziehe, so widmete er mehr als dreißig Tage, die sonst durch die öffentlichen Spiele, welche die obrigkeitlichen Personen bei ihrem Amtsantritt dem Volke zu geben pflegten, ausfielen, der richterlichen Untersuchung und Entscheidung der Rechtshändel. Die drei bisherigen Richterdekurien Richterdekurien, d. h. Richterkollegien. Die erste war die der Senatoren, die zweite die der Ritter, die dritte die der Schatztribunen und der reichsten Plebejer. Die vierte von Augustus hinzugefügte bestand aus Personen, welche nur zweihunderttausend Sesterzien [43 500 Reichsmark], also nur die Hälfte des zum Ritterstande notwendigen Vermögens besaßen. Noch eine fünfte, minder reiche, stiftete später Caligula. Die Absicht war Beschleunigung der Prozesse. Näheres siehe in Paulys Realencyklopädie IV, S. 355 ff. vermehrte er durch eine vierte, die aus Staatsbürgern bestand, deren Vermögen geringer war, als das der anderen, und die deshalb die Dekurie der Zweihunderter hieß und über minder wichtige Gegenstände zu richten hatte. Als Richter nahm er schon Personen vom fünfundzwanzigsten Im Texte steht: »vom dreißigsten Jahre an«. Ich folge der Verbesserung von Geib, Geschichte des römischen Kriminalprozesses, S. 204. Vgl. Pauly a. a. O., S. 359. Lebensjahre auf, also um fünf Jahre früher, als sonst üblich gewesen war. Und da viele die Übernahme des Richteramts ablehnten, ließ er sich nur mit Mühe zu der Konzession bewegen, daß jede einzelne Dekurie abwechselnd ein Jahr lang Ferien haben und daß im November und Dezember allgemeine Gerichtsferien stattfinden sollten.

33. Er selbst sprach fleißig Recht, zuweilen bis in die Nacht hinein; wenn er nicht ganz wohl war, in seiner vor dem Tribunal gestellten Sänfte, ja auch wohl zu Hause auf seinem Lager. Seine Rechtsentscheide waren aber nicht nur äußerst sorgfältig erwogen, sondern auch von großer Milde, wie denn z. B. erzählt wird, daß er einem Vatermörder, um ihn von der Strafe des Säckens, die nur über Geständige verfügt wird Ein solcher ward in einen ledernen Sack eingenäht, mit einem Affen, einem Hunde, einem Hasen und einer Schlange, und so in fließendem Wasser ersäuft. Die Vorbereitungen dazu schildert Cicero, Von der rhetorischen Erfindungskunst II, 50. Die Strafe war uralt., zu retten, die Frage so gestellt habe: » Nicht wahr, du hast deinen Vater nicht umgebracht?« Bei einer Verhandlung wegen Testamentsfälschung, wobei alle Zeugen nach dem Kornelischen Gesetze strafbar waren, gab er den Gerichtsbeisitzern nicht bloß die beiden Stimmtäfelchen der Lossprechung und der Verdammung, sondern auch noch ein drittes der Verzeihung für diejenigen, von denen sich herausgestellt haben würde, daß sie sich durch Betrug oder durch Mangel an Vorsicht und Überlegung zur Unterschrift hätten verleiten lassen. Was die Appellationen betrifft, so übertrug er sie, wenn die streitenden Parteien in Rom wohnten, jährlich dem Präfekten der Hauptstadt Dieser praefectus Urbis war eine Magistratur, die erst Augustus neu geschaffen hatte. S. Kap. 37. Der »Präfekt der Hauptstadt« war eine Art Justiz- und Polizeiminister, sein Amt lebenslänglich und seine Macht größer als die aller anderen Magistrate., die der Provinzialen dagegen Männern, welche die Konsulwürde bekleidet hatten und deren er jeder Provinz je einen für diese Rechtsfälle zuordnete.

34. In betreff der Gesetze nahm er eine allgemeine Revision vor und setzte einige von neuem in Kraft, wie das Aufwandgesetz Vgl. Leben Cäsars Kap. 43., das Gesetz über Ehebruch und Verletzung der Keuschheit, über Amtserschleichung, über die Beförderung der Ehen in den verschiedenen Ständen. Da er aber diesem letzteren strengere Bestimmungen als den übrigen hinzugefügt hatte, so konnte er es gegen das allgemeine Geschrei des Widerstandes nur durchbringen, indem er schließlich einen Teil der Strafen entweder ganz aufhob oder doch milderte, bei Todesfällen eine Frist zur Wiederverheiratung von drei Jahren stellte und die Belohnungen erhöhte. Als nun trotzdem bei einem öffentlichen Schauspiele die versammelten Ritter mit anhaltender Heftigkeit die Abschaffung des Gesetzes forderten, da ließ er die Kinder des Germanicus holen, nahm einige derselben zu sich, während ihr Vater die anderen auf den Schoß nahm, und zeigte sie so öffentlich dem Volke, indem er durch Handgebärde und Miene zu verstehen gab: sie möchten keine Beschwerde darin finden, dem Beispiele eines so jungen Vaters zu folgen. Und da er die Erfahrung machte, daß man die Absicht seines Gesetzes Augustus wollte durch sein Gesetz die mehr und mehr zusammenschmelzende Zahl der römischen Bürger vergrößern. durch Verlobung mit unreifen Bräuten und häufigen Wechsel der Ehebündnisse umging, so kürzte er die Zeit des Brautstandes ab und schränkte die Ehescheidungen ein.

35. Dem Senate, der durch die Überzahl seiner Mitglieder zu einer mißgestalteten und unförmlichen Körperschaft geworden war – es waren nämlich über tausend Senatoren vorhanden, unter denen mehrere höchst unwürdige und erst nach Cäsars Tode durch Gunst oder für Geld aufgenommene, die man im Publikum die Orcusmitglieder Um diesen Stadtwitz zu verstehen, muß man wissen, daß Orcini, welches im Texte steht, die Bezeichnung für diejenigen Sklaven war, welche durch das Testament ihres Herrn nach dessen Tode in Freiheit gesetzt wurden. »Orcusmitglieder« oder, wie Plutarch erzählt, »Charoniten« nannte man also die Senatoren, welche Marcus Antonius unter dem Vorwande: »Cäsar habe sie in seinen hinterlassenen Papieren dazu notiert«, in den Senat aufgenommen hatte. – Augustus setzte die Zahl der Senatsmitglieder auf sechshundert herab. nannte – gab er seine frühere beschränkte Mitgliederzahl und seinen alten Glanz zurück, indem er zwei Regierungswahlen veranstaltete. Bei der ersten, wo jeder seinen Mann wählte, entschied der Senat selbst nach eigenem Gutdünken seiner Mitglieder; bei der zweiten traf er und Agrippa die Auswahl. Bei diesem Akte soll er mit einem Panzer unter dem Gewande und ein Schwert an der Seite den Vorsitz geführt haben, während zehn Freunde von senatorischem Range und großer Körperkraft seinen Sessel umstanden. Cordus Cremutius Ein Schriftsteller zur Zeit Augusts und Tibers, der eine Geschichte der Bürgerkriege und des Augustischen Zeitalters geschrieben hatte, deren Freimütigkeit ihm Sejan, Tibers allmächtiger Minister, zum Verbrechen machte. Er tötete sich freiwillig, um dem Henkertode zu entgehen. Seine Bücher wurden vernichtet, doch erhielten sich einzelne Exemplare. S. Sueton, Leben Caligulas, Kap. 16. Vgl. Gerlach, Die Geschichtschreiber der Römer, S. 192-193. schreibt, daß damals kein Senator auch nur bei ihm zur Audienz vorgelassen worden sei, außer einzeln und nachdem man zuvor seine Kleider durchsucht hatte. Einige brachte er dahin, selbst auf ihre Stellen bescheiden Verzicht zu leisten, und ließ ihnen dann das Recht, ihr Senatorenkleid zu tragen, ihren Ehrenplatz im Theater und das Vorrecht, bei öffentlichen Festmahlen an gesonderten Plätzen zu speisen. Um aber bei dem so gereinigten Senate die Ausübung seiner Amtspflichten einerseits wichtiger und feierlicher, andererseits minder beschwerlich zu machen, führte er die Sitte ein, daß jeder Senator, bevor er Platz nahm, erst am Altare des Gottes, in dessen Tempel gerade die Versammlung gehalten wurde, ein Opfer von Weihrauch und ungemischtem Wein brachte und daß ferner nur zweimal jeden Monat, am ersten und am dreizehnten oder fünfzehnten, regelmäßige Sitzung stattfand, sowie auch, daß im September und Oktober nur eine bestimmte, durchs Los gewählte Anzahl von Mitgliedern, die eben zur Abfassung der Beschlüsse hinreichte Früher mußten dazu vierhundert Senatoren versammelt sein., anwesend zu sein brauchte. Zu seiner Bequemlichkeit ließ er alle halbe Jahre durchs Los Ausschüsse erwählen, um mit denselben über die dem Plenum des Senates vorzulegenden Gegenstände vorher zu beraten. Zur Abgabe der Stimme bei irgend einem wichtigeren Gegenstande forderte er die Mitglieder des Senates nicht der Reihenfolge nach, wie es sonst Sitte war, auf, sondern wie es ihm eben beliebte, um alle stets in gleicher Geistesspannung zu erhalten, als wenn es gälte, nicht sowohl nur dem Vormanne beizustimmen, sondern vielmehr ein eigenes motiviertes Urteil abzugeben.

36. Zu so vielen anderweitigen Anordnungen, die er traf, gehörte auch folgende. Er verbot, die Protokolle der Senats-Versammlungen zu veröffentlichen Was Cäsar eingeführt hatte. S. Leben Cäsars Kap. 20., ferner, daß die Magistratspersonen sofort nach Niederlegung ihres Ehrenamtes in die Provinzen abgingen. Den Prokonsuln setzte er zur Anschaffung von Maultieren und Zelten, die ihnen früher auf Staatskosten geliefert wurden, eine bestimmte Geldsumme fest; die Aufsicht über den Staatsschatz nahm er den städtischen Quästoren ab und übertrug sie den gewesenen oder wirklichen Prätoren, und die Berufung des Centumviralgerichts, mit der sonst die gewesenen Quästoren betraut gewesen waren, übergab er den Decemvirn.

37. Um aber möglichst viele an der Staatsverwaltung zu beteiligen Ein eklatantes Beispiel dieser echt monarchischen Politik der Beamtenvermehrung zu einem zweiten stehenden Heere sahen wir oben Kap. 30. Vgl. Egger, S. 374., ersann er neue Ämter, so z. B. die Aufsicht über öffentliche Arbeiten, über Wegebau und Wasserbau, über die Reinhaltung des Tiberbettes, über die Getreideverteilung an das Volk, ferner die Stadtpräfektur, ein Triumvirat für die Senatorenwahl, ein anderes für die Musterung der Ritterschwadronen, so oft diese Funktionen von nöten sein mochten. Die Censoren, deren Stelle lange unbesetzt gewesen war, wählte er aufs neue und vermehrte die Zahl der Prätoren. Auch stellte er die Forderung, daß ihm jedesmal, wenn man ihm das Konsulat übertrage, zwei Kollegen statt eines gegeben würden; doch setzte er dies nicht durch, indem allgemein dagegen erwidert wurde: es sei so schon eine Minderung seiner Majestät, daß er dieses Ehrenamt nicht allein, sondern gemeinschaftlich mit einem zweiten bekleide. Wie es scheint, belog man sich hier gegenseitig. Augustus wollte offenbar die Konsulwürde herabsetzen, denn die althergebrachte Zahl von zwei Konsuln neben ihm als dritten machte jene geradezu zu Nullen. Der Senat merkte das recht gut, motivierte aber sein ablehnendes Votum durch das Gegenteil.

38. Nicht minder freigebig bewies er sich in der Belohnung kriegerischen Verdienstes; über dreißig Generalen dekretierte er vollständige Triumphe, noch weit mehreren triumphalische Auszeichnungen. Die letzteren, die Vorläufer der modernen Ordenszeichen, bestanden in der Erlaubnis, eine gestickte Toga ( toga picta) und eine Tunika von Purpur mit handbreitem Goldstreifen zu tragen, auf einem kurulischen Sessel zu sitzen, sowie einen Lorbeerkranz zu tragen; auch durften ihnen Ehrenstandbilder auf Wagen errichtet werden. Den Söhnen der Senatoren erlaubte er, um sie früh in die Staatslaufbahn einzuführen, sofort nach Ablegung des Knabenkleides die breitstreifige Senatorentracht anzulegen und den Sitzungen des Senates beizuwohnen; und wenn sie den Kriegsdienst wählten, so ernannte er sie nicht nur zu Legionstribunen, sondern auch zu Reiterobersten der Bundestruppen. Ja, um möglichst allen die Militärlaufbahn zu eröffnen, stellte er auch wohl zwei solcher Jünglinge als Obersten bei je einer Reiterabteilung an. Die Abteilungen der Ritter musterte er häufig und führte nach langer Unterbrechung die Sitte des festlichen Paradeaufzuges nach dem Kapitol wieder ein. Dagegen erlaubte er nicht, daß bei diesem Aufzuge ein Ritter, wie das bisher üblich gewesen war, von seinem Ankläger vom Pferde oder aus der Reihe gezogen werden durfte, wohl aber gestattete er denjenigen Mitgliedern des Ritterstandes, die das Alter oder ein körperliches Gebrechen in dem Paradeaufzuge mitzureiten hinderte, ihr Pferd in der Reihe sich voraus führen zu lassen und sich dem Aufrufe des Censors zu Fuße zu stellen. Auch erlaubte er denen, welche über fünfunddreißig Jahre alt waren, wenn sie es wollten, das Ritterpferd Das der Staat lieferte und der Ritter unterhalten mußte. abzugeben.

39. Zugleich hielt er mit zehn Kollegen, die er sich vom Senate hatte zuteilen lassen, eine allgemeine Censur über die Ritter ab, bei welcher jeder einzelne von seinem Lebenswandel Rechenschaft ablegen mußte. Infolgedessen bestrafte er einige der anstößig und schuldig Befundenen mit Geld-, andere mit Ehrenstrafen, noch andere mit Verwarnungen verschiedener Art. Die mildeste Art solcher Verwarnung war die Übergabe eines Blattes, das jeder stillschweigend auf der Stelle lesen mußte. Einige erhielten auch darüber öffentlichen Verweis, weil sie Geld zu geringeren Zinsen aufgenommen und zu höheren wiederverliehen hatten.

40. Wenn in den Volksversammlungen zur Wahl der Volkstribunen keine Senatoren als Kandidaten auftraten, so erwählte er die ersteren aus den römischen Rittern, indem er ihnen dabei anheimstellte, nach vollendeter Amtsführung entweder in dem einen oder in dem andern Stande nach Belieben zu verbleiben. Da ferner sehr viele Mitglieder des Ritterstandes, deren Vermögen im Laufe der Bürgerkriege sehr geschmälert worden war, aus Furcht vor der von den Theatergesetzen bestimmten Strafe Welche diejenigen traf, die, ohne das ritterliche Vermögen von 400 000 Sesterzien [87 010 Reichsmark] zu besitzen, im Theater auf den vierzehn Sitzbänken der Ritter Platz nahmen. nicht wagten, ihre Rangplätze im Theater einzunehmen, erließ er die Bekanntmachung, daß jene Strafbestimmung auf diejenigen keine Anwendung finde, die selbst oder deren Väter irgend einmal das ritterliche Vermögen besessen hätten. Die Volkszählung nahm er straßenweise vor; und damit das Volk zu den Getreidespenden nicht allzuhäufig von seiner Arbeit abgerufen würde, bestimmte er, daß dreimal jährlich Getreideanweisungen auf je vier Monate ausgegeben würden. Da jedoch das Volk nur ungern von der alten Gewohnheit abstand, so gab er später wieder nach, daß jeder seine einzelne Monatsanweisung erhielt. Auch das alte Recht der Wahlversammlungen führte er wieder ein, und während er vielfache Strafen auf den Stimmenkauf setzte, verteilte er an seine Tribusgenossen, die Mitglieder der Fabischen und Scaptischen Tribus, damit sie von keinem Kandidaten etwas verlangen möchten, jedem einzelnen aus seiner Tasche tausend Sesterzien. Da es ihm endlich von höchster Wichtigkeit erschien, das Volk von aller Vermischung mit Leuten von fremdländischer oder sklavischer Herkunft rein zu halten, verlieh er einerseits das Bürgerrecht nur sehr sparsam und setzte auch der Freilassung Maß und Schranken. Dem Tiberius, der sich für einen griechischen Klienten verwendete, schrieb er zurück: » er werde demselben das Bürgerrecht nur dann verleihen, wenn er ihn mündlich von der Zulänglichkeit seiner Gesuchsansprüche überzeugt haben werde«. Der Livia, die für einen tributpflichtigen Gallier das Bürgerrecht erbat, schlug er vor, jenem die Abgabenfreiheit zu verleihen: » denn er wollte«, sagte er, » lieber zugeben, daß der Staatsschatz einen Verlust erleide, als daß die Ehre des römischen Bürgerrechts gemein werde«. In betreff der Sklaven begnügte er sich nicht damit, ihnen die Freiheit und noch mehr die Gelangung zur Vollfreiheit geraubt zu haben, sondern er fügte den genauesten Bestimmungen über die Anzahl, die Beschaffenheit und den rechtlichen Zustand derer, welche freigelassen wurden, auch noch die Beschränkung hinzu, daß kein Sklave, der jemals Kettenstrafe oder Tortur erlitten, durch irgend eine Art von Freilassung zum Bürgerrecht gelangen dürfe. Selbst die altrömische Tracht und Kleidung suchte er wieder einzuführen; und als er einmal bei einer Volksversammlung eine große Menge von Anwesenden in dunkelfarbigen Mänteln erblickte, rief er unwillig aus: » Siehe da:

Römergeschlecht, die Beherrscher der Welt, und das Volk in der Toga

(Nach Binder.)

und gab sofort den Ädilen den Auftrag: künftig keinen auf dem Forum und in der Nähe desselben zu dulden, der nicht den Mantel ablege und in der Toga erscheine. Nämlich bei den Volksversammlungen, wo der römische Vollbürger alten Schlages nie anders, als in der weißen wollenen Toga erschien. Viele Arme freilich besaßen gar keine Toga, sondern nur eine Tunika. Andere trugen statt der Toga einen schlechten groben Mantel ( paenula oder lacerna), im Sommer von leichtem, im Winter von wärmerem Zeuge, oder trugen einen solchen auch wohl über der Toga, die immer als das Ehrenkleid des öffentlich erscheinenden Bürgers galt. Der von Augustus citierte Vers ist aus Virgils Äneis I, 282.

41. Freigebigkeit bewies er bei passenden Gelegenheiten häufig gegen alle Stände. Als er beim Alexandrinischen Triumphe den königlichen Schatz nach Rom gebracht hatte, kam dadurch so viel Geld in Umlauf, daß der Zinsfuß sank und die Grundstücke beträchtlich im Preise stiegen. So oft später aus dem Erlös der Konfiskationen Geld reichlich in der Kasse war, lieh er es zinsfrei auf bestimmte Zeitfrist an solche aus, welche doppeltes Unterpfand bieten konnten. Das Minimum des senatorischen Vermögens erhöhte er und setzte es von achtmalhunderttausend auf zwölfmalhunderttausend Sesterzien, indem er denen, welche nicht so viel besaßen, das Fehlende zuschoß. Geldspenden Der allgemeine Name dieser Geldspenden congiaria kommt von den in republikanischer Zeit üblichen Ölspenden an das Volk, wobei ein congius (d. h. 3,283 l) das gewöhnliche Maß war. Später gab man neben Öl und Getreide auch bares Geld. Cäsars großartige Geschenke an das Volk erzählt Sueton in dessen Lebensbeschreibung Kap. 38. an das Volk verteilte er häufig, doch fast immer von ungleichem Betrage, bald vier-, bald dreihundert, einigemal auch nur zweihundertundfünfzig Sesterzien auf den Mann. 87,01, 65,26 und 54,38 Reichsmark, was denn doch immer eine Ausgabe von jedesmal cirka 9-15 Millionen Mark ausmachte. Dabei überging er selbst nicht die kleineren Knaben, von denen sonst keiner vor dem elften Jahre etwas zu bekommen pflegte. Auch Getreide ließ er in teueren Zeiten für sehr geringen Preis, oft ganz umsonst, Mann für Mann zumessen und verdoppelte auch wohl die Anweisungskarten auf Geldspenden.

42. Zum Beweise aber, daß er mehr die wirkliche Wohlfahrt, als die Gunst des Volkes bei seiner Freigebigkeit beabsichtigte, kann die strenge Abfertigung dienen, die er einmal dem über Mangel und teuren Preis des Weines klagenden Volke mit den Worten gab: » sein Schwiegersohn Agrippa habe durch mehrere Wasserleitungen ausreichend dafür gesorgt, daß niemand Durst leiden könne«. Ein andermal, wo das Volk ihn an eine allerdings ihm versprochene Geldspende mahnte, gab er zur Antwort: » er sei ein Mann von Wort«; und bei einer anderen Gelegenheit, wo es eine nicht versprochene Spende ungestüm forderte, bezeichnete er solches Betragen in einem öffentlichen Edikte als Gemeinheit und Unverschämtheit und verkündete, daß er das Geschenk nicht geben werde, obschon er früher dasselbe dem Volke bestimmt gehabt hatte. Mit gleichem Ernste und gleicher Energie erklärte er, als er einmal in Erfahrung gebracht hatte, daß zu einer bevorstehenden Geldspende viele Sklaven freigelassen und in die Bürgerlisten eingeschwärzt seien: » niemand werde etwas erhalten, außer die, denen die Spende versprochen sei« Also keiner der Freigelassenen, die erst nach der Verkündigung der Geldspende in eine Bürgerabteilung aufgenommen worden waren.; und zugleich gab er den übrigen einzeln weniger, als er versprochen hatte, damit die bestimmte Summe ausreiche. Einmal bei großem Mißwachs, wo Abhilfe schwierig war, ließ er alle Sklaven der Gladiatorenfechtmeister und Sklavenhändler und alle Fremden, mit Ausnahme der Ärzte und Lehrer, sowie einen Teil des Sklavengesindes aus der Stadt entfernen; und als endlich der Getreidemarkt sich wieder gebessert hatte, sagt er selbst in seinen Memoiren: » er habe einen Anlauf dazu genommen, die öffentlichen Getreidespenden für immer abzuschaffen, weil die sichere Hoffnung auf dieselben dem Ackerbau eine Menge Hände entziehe; aber er habe von der Durchführung dieser Maßregel Abstand genommen, weil er überzeugt sei, daß nach seinem Tode das Streben nach Volksgunst doch den alten Mißbrauch über kurz oder lang wieder einführen werde«. So begnügte er sich, den letzteren wenigstens in der Art zu ermäßigen, daß er auf die Klasse der Landbautreibenden und Kornhändler gleiche Rücksicht nahm, wie auf das Volk. Ich übersetze nach der Lesart rationem duceret statt deduceret. In welcher Weise aber Augustus es möglich machte, die Interessen der Landbau und Getreidehandel treibenden Klasse bei den öffentlichen Kornspenden nicht zu beeinträchtigen, ist mir nicht ganz klar. Wahrscheinlich stellte er den Preis (denn viele solche Getreidespenden wurden nicht völlig umsonst gegeben, sondern das Brotkorn nur zu einem geringeren Preise als der geltende Marktpreis abgelassen) nur so niedrig, daß die Getreidehändler und die Ackerbautreibenden dabei bestehen konnten, ohne zu große Verluste beim Umsatz ihrer Vorräte zu erleiden. Ausführliches über die römischen Getreidespenden findet man in Paulys Realencyklopädie T. IV, S. 776 ff., woselbst auf S. 781 auch die Augustischen Einrichtungen besprochen sind, die zum Teil auf die Cäsars zurückgingen.

43. Mit den Schauspielen, welche er dem Volke gab, übertraf er sowohl an Zahl, als an Mannigfaltigkeit und Pracht alle früheren. Er selbst berichtet, daß er öffentliche Schauspiele in seinem eigenen Namen viermal, für andere Magistratspersonen, die entweder abwesend oder unvermögend waren, dreiundzwanzigmal veranstaltet habe, und zwar nicht selten in den verschiedenen Stadtquartieren und auf mehreren Bühnen durch Schauspieler aller Sprachen. Fechterspiele gab er nicht nur auf dem Forum und im Amphitheater, sondern auch im Cirkus und in den Septen Septa hieß der eingefriedigte Raum für die Volksversammlungen auf dem Marsfelde. S. Pauly Bd. VI, 1, S. 1050-1051.; bisweilen ließ er es auch nur bei einem Tiergefechte bewenden. Auch Wettkämpfe der Athleten gab er auf dem Marsfelde, denen das Volk von hölzernen Tribünen zuschaute, desgleichen ein Seegefecht, wozu er nahe bei dem Tiberflusse einen See graben ließ da, wo jetzt der Park der Cäsaren sich befindet. An den Tagen solcher Spiele, wo nur wenige zu Hause blieben, ließ er in allen Teilen der Stadt Wachtposten aufstellen, um dieselbe vor Raubgesindel zu bewahren. Im Cirkus ließ er Wettfahrer, Schnellläufer und Tierbekämpfer auftreten, und zuweilen waren dies junge Leute aus den ersten Adelsfamilien. Aber auch das Trojaspiel veranstaltete er häufig und ließ dazu aus kleineren und größeren Knaben Die ersteren nicht über vierzehn, die zweiten nicht über achtzehn Jahre alt. die vorzüglichsten auswählen, weil er es für eine uralte wohlanständige Sitte hielt, daß die Jugend von altberühmtem Geschlechte hierbei dem Volke ihre adeligen Talente kundgebe. Als bei diesem Festspiel Gajus Nonius Asprenas durch einen Sturz beschädigt ward, beschenkte er ihn mit einer goldenen Gnadenkette ( torques) und erlaubte ihm, für sich und seine Nachkommen den Beinamen Torquatus zu führen. Doch stellte er bald darauf diese Art von Schauspielen ganz ein, nachdem der Redner Asinius Pollio über einen ähnlichen Unglücksfall seines Enkels Aserninus, der einen Beinbruch erlitten hatte, im Senate heftige und bittere Klage erhoben hatte. Auch bei den scenischen Aufführungen und den Gladiatorspielen ließ er zuweilen sogar römische Ritter auftreten; doch geschah dies, ehe es durch einen Senatsbeschluß verboten wurde. Später ließ er nur noch einmal den Lucius Der Name ist verdorben oder unvollständig. Nach Plinius' Naturgeschichte (VII, 16) gab es zu Augustus' Zeit drei solcher berühmten Zwerge in Rom, von denen zwei dem Ritterstande angehörten., einen Jüngling von edler Geburt, auftreten, nur um ihn dem Volke zu zeigen, weil derselbe nicht volle zwei Fuß [590,14 mm] hoch und nur siebzehn Pfund [8,5 kg] schwer und dabei mit einer immensen Stimme begabt war. An einem solchen Schauspieltage ließ er auch die damals zuerst von den Parthern gesendeten Geiseln zur Schau mitten durch die Arena führen und ihnen über seiner eigenen Loge ihre Plätze auf der zweiten Sitzreihe anweisen. So oft außer solchen Schauspieltagen irgend etwas Niegesehenes oder sonst Merkwürdiges nach Rom gebracht wurde, so pflegte er es besonders an irgend einem beliebigen Orte dem Volke öffentlich zur Schau zu bieten, so z. B. ein Rhinozeros bei den Septen, einen Tiger auf dem Theater, eine Schlange von fünfzig Ellen [22,18 m] auf dem Komitium. Bei der Feier eines von ihm gelobten Cirkusspiels traf es sich, daß er, plötzlich von Unwohlsein ergriffen, den Zug der Götterwagen S. zu Cäsars Leben Kap. 76. in einer Sänfte liegend anführte, und ein andermal bei den Fechterspielen, mit denen er das Theater des Marcellus einweihte, passierte es ihm, daß sein Thronsessel (die Sella Curulis) unter ihm auseinanderbrach und er rücklings überstürzte. Als bei einem Fechterspiele, das seine Enkel gaben, sich unter dem zuschauenden Volke die Furcht vor dem Einsturz der Tribüne verbreitete und dasselbe auf keine Art zurückzuhalten und zu beruhigen war, verließ er seinen Platz und setzte sich an der Stelle nieder, welche als am meisten gefährdet bezeichnet worden war.

44. Die bei den Schauspielen eingerissene übergroße Unordnung und Zügellosigkeit stellte er durch genaue Verordnungen ab. Veranlassung dazu gab ihm die beleidigende Behandlung, die ein Senator erfahren hatte, dem bei einem sehr besuchten Schauspiele in voller Theaterversammlung niemand hatte neben sich Platz machen wollen. Er ließ also einen Senatsbeschluß fassen, daß überall, wo irgend ein öffentliches Schauspiel gegeben würde, allemal die erste Sitzreihe für die Senatoren vorbehalten sein sollte, und für Rom erließ er die Verordnung, daß die Gesandten der freien und verbündeten Nationen nicht mehr in der Orchestra D. h. auf den vier bis fünf untersten, für die Senatoren und höchsten Magistrate sowie für die fremden Gesandten bestimmten Sitzreihen. ihre Plätze einnehmen sollten, da es sich herausgestellt hätte, daß zuweilen zu solchen Sendungen auch Freigelassene genommen würden. Das Militär trennte er (im Theater) vom Volke. Den verheirateten Männern aus dem niederen Volke wies er besondere Sitzreihen an, den Knaben, die noch das Knabenkleid trugen, eine eigene Abteilung Diese »Abteilung« heißt im Original cuneus, d. h. Keil, weil in den Amphitheatern die Sitzreihen von unten keilförmig nach oben liefen. Die Stufengänge, auf welchen man zu den Sitzen gelangte, schlossen solche »Keile« ein. und eine andere, dicht daneben befindliche, ihren Pädagogen; auch bestimmte er, daß kein armes und schmutziges Volk künftig in der Mitte des Theaters Dies erklärt Bremi so: Zuerst saßen, wie wir gesehen haben, die Senatoren in der Orchestra, dann die Ritter in ihren »vierzehn Reihen«, endlich das Volk, allein nicht alle untereinander. In der Mitte des Sitzraumes, nahe bei den Rittern, sollten künftig nur die honetten Bürger sitzen, daher namentlich also die verheirateten Familienväter. Da hatten sie ihre eigenen Plätze. sitzen sollte. Den Frauen erlaubte er nicht einmal bei den Fechterspielen, bei denen sonst nach alter Sitte Männer und Frauen gemischt saßen, anders, als von den höchsten Sitzreihen, und zwar abgesondert von den Männern, zuzuschauen. Den Vestalinnen gab er einen besonderen Platz im Theater gegenüber dem Tribunal des Prätors. Von den Athletenvorstellungen aber hielt er das ganze weibliche Geschlecht so streng entfernt Der Grund dazu war, weil die Athleten nackt kämpften., daß er bei den Spielen, die er als Oberpriester veranstaltete, den vom Publikum verlangten Wettkampf eines Faustfechterpaares auf die Morgenstunden des nächsten Tages verschob und durch Edikt bekannt machte: » er befehle, daß die Frauenzimmer vor der fünften Stunde D. h. etwa nach zehn Uhr vormittags. nicht ins Theater kommen sollten«.

45. Er selbst pflegte den Cirkusspielen gewöhnlich aus den oberen Stockwerken der Häuser seiner Freunde oder Freigelassenen zuzuschauen; zuweilen jedoch nahm er dabei, und zwar sitzend, von Frau und Kindern umgeben, seinen Platz auf dem Pulvinar. Pulvinar, d. h. Götterpolster, bezeichnet hier wohl den Platz, wo die Götterstatuen, welche zur Pracht der Cirkusspiele gehörten, auf Polstern lagen. Unter ihnen nahm also zuweilen auch Augustus seinen Platz, aber aus Bescheidenheit sitzend, nicht liegend. Diese »kaiserliche Loge« befand sich in der ersten Reihe und war den Blicken aller Zuschauer ausgesetzt. S. Claudius 3. Beim Schauspiel blieb er oft viele Stunden, zuweilen ganze Tage abwesend, doch nie, ohne solche Abwesenheit zu entschuldigen und die Personen vorzuschlagen, die statt seiner dabei den Vorsitz übernehmen sollten. So oft er aber gegenwärtig war, beschäftigte er sich nie mit anderen Dingen; sei es, daß er dem Tadel entgehen wollte, der seinen Vater Cäsar vielfach getroffen hatte, weil derselbe während des Schauspiels Briefe und Eingaben las oder beantwortete, oder sei es aus lauter Lust und Teilnahme am Schauspiel, die er nie verbarg und oft freimütig bekannte. Daher pflegte er denn auch selbst bei Schauspielen und Fechterspielen, die von anderen gegeben wurden, aus seiner Tasche noch besondere Geschenke und Belohnungen häufig und reichlich zu verteilen, und nie wohnte er einem griechischen Wettkampfe bei, ohne bei jedem der dabei Auftretenden nach seinem Verdienste eine Ehrengabe reichen zu lassen. Am meisten Interesse nahm er an den Faustkämpfern, zumal den lateinischen, und zwar nicht nur an den gewöhnlichen Kämpfern von Profession, die er auch wohl mit griechischen kämpfen ließ, sondern auch an Personen aus dem gemeinen Volke der Hauptstadt, die in den engen Straßen, wie es kam und ohne Kunstübung, miteinander balgten. Endlich widmete er überhaupt der ganzen Klasse aller derer, die ihre Fertigkeit bei öffentlichen Gelegenheiten zur Schau stellten, eine besondere Aufmerksamkeit. Den Athleten bestätigte und erweiterte er ihre Privilegien. Gladiatoren auf Leben und Tod ohne Pardon kämpfen zu lassen, verwehrte er durch ein Verbot. Gegen Schauspieler durften die Magistrate nicht mehr wie bisher kraft eines alten Gesetzes an jedem Orte und zu jeder Zeit mit Strafen einschreiten, sondern nur zur Zeit der Spiele und auf dem Theater. Nichtsdestoweniger hielt er über die Wettkampfübungen der Athleten, die sie zur Winterszeit in bedeckten Gängen anstellten, und über die Kämpfe der Gladiatoren scharfe Aufsicht D. h. er hielt streng darauf, daß beide Arten von Schaukünstlern sich gehörig vorübten., und die Ausgelassenheit der Schauspieler bestrafte er so streng, daß er den Togaschauspieler Der in solchen Stücken auftrat, welche »Togastücke« ( togatae) hießen, weil in ihnen römische Sujets und Charaktere behandelt wurden. Die Stücke, wo beides griechisch war, hießen »Pallienstücke« ( fabulae palliatae), von dem Pallium, das die Griechen statt der Toga trugen. Die Aufführung eines solchen »Togastückes« von dem Dichter Afranius erwähnt Sueton, Nero 11. Mehr bei Mommsen, Römische Geschichte I, S. 871; 885 ff. (2. Ausg.) Stephanio, von dem er in Erfahrung gebracht hatte, daß er sich von einer als Knabe gekleideten und geschorenen römischen Frau bei Tische bedienen lasse, durch drei Theater mit Ruten peitschen und dann aus der Stadt verbannen und dem Hylas, einem Pantomimen, über den der Prätor Klage führte, im Atrium seines Hauses vor aller Welt die Peitsche geben ließ, ja daß er den Pylades aus Rom und ganz Italien entfernte, weil er auf einen Zuschauer, der ihn auspfiff, mit dem Finger gezeigt und ihn dadurch zum Gegenstande der öffentlichen Aufmerksamkeit gemacht hatte.

46. Nachdem er so die Hauptstadt und die hauptstädtischen Verhältnisse geordnet hatte, bevölkerte er Italien durch die Gründung von achtundzwanzig Kolonieen, die er vielfach mit öffentlichen Bauwerken und Zolleinkünften ausstattete, ja selbst an Rechten und Ehren teilweise gewissermaßen der Hauptstadt gleichstellte, indem er eine gewisse Art der Wahlabstimmung ausdachte, der zufolge die Magistrate dieser Koloniestädte jeder in seiner Kolonie die Stimmen für die Wahl der hauptstädtischen Magistrale sammelten und gegen den Tag der in Rom stattfindenden Wahlen versiegelt dorthin sandten. Und damit es diesen Kolonieen nicht an einer Art von Adel und an jungem Nachwuchs der bürgerlichen Menge fehle, verlieh er allen denen, welche eine Offiziersstelle in der Reiterei nachsuchten, sobald sie von ihrer Stadt empfohlen wurden, den ritterlichen Rang und beschenkte dagegen bei seinen Rundreisen durch Italien alle Väter, welche ihm ihre Söhne oder Töchter als tüchtige Kinder empfehlend vorstellten, einzeln für jedes Kind mit tausend Sesterzien [218 Reichsmark].

47. Was die Provinzen anlangt, so übernahm er die bedeutendsten derselben, welche durch jährlich wechselnde Befehlshaber nicht leicht und nicht mit Sicherheit regiert werden konnten, selbst; die übrigen verloste er unter Prokonsuln. Doch auch bei diesen ließ er zuweilen Wechsel eintreten und besuchte die einen wie die anderen von Zeit zu Zeit persönlich. Von den Städten nahm er einigen, welche im Bundesverhältnis standen, aber durch Zügellosigkeit ins Verderben zu stürzen drohten, ihre Freiheit; anderen, die von Schulden gedrückt wurden, schaffte er Erleichterung, baute die durch Erdbeben zerstörten wieder neu auf und beschenkte solche, die Verdienste um das römische Volk für sich anführten, mit dem lateinischen Recht oder auch wohl mit dem Bürgerrecht. Auch giebt es meines Wissen keine Provinz, mit Ausnahme von Afrika und Sardinien, die er nicht in Person besucht hat. An den Besuch der letzteren, zu dem er sich nach Besiegung des Sextus Pompejus von Sizilien aus anschickte, hinderten ihn damals andauernde und über alle Maßen heftige Stürme; und später fand sich keine Gelegenheit oder Veranlassung, dorthin zu gehen.

48. Die Königreiche, deren er sich durch Waffenrecht bemächtigt hatte, gab er mit wenigen Ausnahmen entweder ihren früheren Besitzern, denen er sie genommen, zurück oder teilte sie Fremden zu. Die verbündeten Könige vereinigte er auch untereinander durch gegenseitige Verschwägerungen als ein allezeit fertiger Vermittler und Begünstiger jeder solchen verwandtschaftlichen und Freundschaftsverbindung; ja, er sorgte für sie alle insgesamt nicht anders, als wären sie Glieder und Teile seines Reiches, setzte auch gewöhnlich den minderjährigen oder verstandesschwachen Kronprinzen bis zu ihrer Großjährigkeit oder Genesung einen Vormund und ließ die Kinder sehr vieler Fürsten mit den seinigen zusammen erziehen und unterrichten. So z. B. den Agrippa, Enkel des Herodes, wie Josephus (18, Kap. 8.) meldet. Gleiche Ehre widerfuhr aber auch Kindern römischer Bürger, indem der damals berühmte Lehrer Verrius Flaccus in Gesellschaft aller seiner Schüler den Enkeln des Augustus im Palaste Unterricht geben mußte. Er siedelte zu dem Ende mit seiner ganzen Schule, wie Sueton in der Schrift »Von berühmten Grammatikern« erzählt, zum kaiserlichen Palatium über, durfte aber von da ab keine neuen Schüler mehr annehmen. Vgl. Pauly III, S. 462.

49. Was die Armee anlangt, so verteilte er die Legionen und Hilfstruppen provinzweise. Von der Flotte stationierte er die eine Abteilung zu Misenum und die andere zu Ravenna, zum Schutz des Oberen und des Unteren Meeres. D. h. des Tyrrhenischen und des Adriatischen Meeres. Vgl. Tacitus, Annalen IV, 5. Eine gewisse Truppenzahl behielt er teils zum Schutze der Hauptstadt, teils als eigene Leibwache; dagegen entließ er das Korps der Kalagurritaner Kalagurris hießen zwei spanische Städte, die eine am Ebro im heutigen Navarra, die andere in Aragonien, unweit des heutigen Huesca gelegen. Sie waren römische Kolonieen., das er bis zur Besiegung des Antonius, und ebenso das Korps der Germanen, das er bis zur Niederlage des Varus unter seinen Leibwächtern um sich gehabt hatte. Doch ließ er nie mehr als drei Kohorten Etwa 1800-2000 Mann. in der Stadt verweilen, und zwar ohne daß sie in einem besonderen Lager kaserniert waren. Die übrigen entließ er regelmäßig in ihre Sommer- und Winterlager bei den zunächstliegenden Städten. Alles Kriegsvolk aber, mochte es stehen, wo es wollte, band er an eine feste Norm der Dienstzeit und der Belohnungen, indem er die Dienstjahre sowie auch die Vorteile nach erlangtem Abschiede nach dem Range eines jeden genau bestimmte, damit die Soldaten weder durch allzulange Dienstzeit, noch durch Mangel nach der Verabschiedung zu Unruhen aufgereizt werden könnten. Um ferner immer noch ohne Schwierigkeit die Mittel zu ihrem Unterhalt während der Dienstzeit und nach derselben in Bereitschaft zu haben, gründete er eine mit eigenen neuen Einkünften ausgestattete Kriegskasse. Und um schneller und unter der Hand Meldung und Bericht von dem, was in jeder Provinz vorging, erhalten zu können, stationierte er auf allen Heerstraßen in mäßigen Abständen zuerst junge rüstige Fußboten, später Wagen für Kuriere. Das letztere fand er zweckmäßiger, weil er dadurch die, welche von Ort und Stelle ihm die Depeschen überbrachten, zugleich, wenn es not that, persönlich ausfragen konnte. Es ist dies der erste Anfang eines römischen Postwesens. Mittelst solcher bereitstehender Kurierwagen legte Tiberius in 24 Stunden 50 deutsche Meilen [371,022 km] zurück. Hadrian, der unermüdlich reisende Kaiser, gab dem Postwesen seine vollkommene Organisation. Näheres über den Gegenstand findet man in Paulys Realencyklopädie T. V. S. 1944 ff.

50. Zum Siegeln von Beglaubigungsschreiben Diese diplomata, wie sie im Texte heißen, sicherten dem, der sie erhielt, auf der Reise oder in den Provinzen von Staats wegen irgendwelche Vorteile, so z. B. freie Beförderung durch die Staatspost und andere dergleichen Vergünstigungen., Depeschen und Privatbriefen bediente er sich anfangs einer Sphinx, später des Bildnisses Alexanders des Großen, zuletzt des seinigen, das Dioskorides Der berühmteste Steinschneider zur Zeit des Augustus, von dem wir noch heute einige Arbeiten übrig haben, auf denen er sich aber griechisch Dioscurides nennt. Man s. Winckelmann, Geschichte der Kunst Bd. XI, Kap. 2, § 8 (S. 457 der Ausgabe der Werke von 1847) und daselbst die Anmerkung von Meyer. eigenhändig geschnitten hatte und mit dem auch seine Nachfolger fortwährend gesiegelt haben. In seinen Briefen vermerkte er als Datumbezeichnung selbst die Stunde nicht nur des Tages, sondern auch der Nacht, in welcher sie geschrieben wurden.

51. Von seiner Milde und Bürgerlichkeit Civilitas ist die Weise des Benehmens, in welcher ein Bürger mit seinesgleichen umgeht und verkehrt. Es liegt in diesem Begriffe ein demokratisches Element allgemeiner Gleichheit, das im Umgange damals noch nicht ganz erstorben war. giebt es viele schlagende Beweise. Um nicht ausführlich aufzuzählen, wie vielen und welchen Personen der Gegenpartei er nicht nur vollständige Begnadigung, sondern auch Beförderung zu den höchsten Staatsämtern angedeihen ließ, – so begnügte er sich z. B., den Junius Novatus und den Cassius Patavinus, zwei Plebejer, jenen mit Geld, den anderen mit einer milden Verbannung zu bestrafen, obschon jener im Namen des jungen Agrippa einen höchst beleidigenden Brief gegen ihn publiziert, dieser bei einem zahlreich besuchten Gastmahle laut bekannt hatte: » es fehle ihm weder an Lust, noch an Mut, den Augustus zu ermorden«. Bei Gelegenheit einer Kriminaluntersuchung, wo gegen den Ämilius Älianus aus Corduba unter anderen Anschuldigungen vorzugsweise auch die erhoben wurde, daß derselbe fortwährend eine üble Meinung vom Cäsar äußere Es war dies eine Anklage aus »Impietät« ( crimen impietatis), bei dem meist das Verfahren gleich mit der Exekution begann. S. Dirksen in den Abhandlungen der Berliner Akademie 1849, S. 149., wandte er sich mit allen äußeren Anzeichen großer Aufregung gegen den Ankläger mit den Worten: » Ich wünschte wohl, daß du mir das bewiesest. Ich werde dann den Älianus fühlen lassen, daß ich gleichfalls eine Zunge habe, denn ich werde ihm noch mehr nachreden.« Und damit ließ er nicht nur für jetzt, sondern für immer die ganze Untersuchung fallen. Auch dem Tiberius, der über dieselbe Sache sich in einem Briefe an ihn mit großer Heftigkeit äußerte, schrieb er wörtlich zurück: » Laß dich, mein bester Tiberius, von deiner Jugendhitze nicht fortreißen, allzugroßen Unwillen darüber zu empfinden, daß es Leute giebt, die von mir übel reden! Denn es ist genügend, wenn wir die Sicherheit haben, daß uns niemand Übles thun kann.«

52. Tempel ließ er sich in keiner Provinz, außer im Verein des Namens der Göttin Roma mit dem seinigen, weihen, obschon er wußte, daß dergleichen Ehre sogar seinen Prokonsuln erwiesen wurde. In der Hauptstadt dagegen wies er solche Ehrenbezeigung durchweg zurück; ja, er ließ selbst die silbernen Statuen, die man ihm früher gesetzt hatte, einschmelzen und weihte aus dem Erlöse dem Palatinischen Apollo dreifüßige Opferbecken von Gold. Die Diktatur, welche ihm das Volk mit großer Heftigkeit aufdringen wollte, verbat er sich flehentlich, indem er niederkniete und, seine Toga von den Schultern werfend, die Brust entblößte. Diese Scene schildert ausführlich auch der Historiker Dio Cassius im ersten Kapitel des 54. Buchs seiner Geschichte.

53. Den Titel und die Anrede Gebieter Das lateinische Wort Dominus bezeichnete in der Zeit der römischen Republik das Verhältnis des Herrn zu seinem Sklaven. Auch Tiberius lehnte deshalb diesen Titel noch ab (s. Leben Tibers Kap. 27). Erst Caligula und Domitian nahmen ihn an. Unter Trajan und später war die Anrede Domine gewöhnlich und gleichbedeutend mit dem französischen Monseigneur und Sire. Domina war üblicher Titel der Frauen, der Kaiserin so gut wie der geringen Bürgersfrau. Böttiger, Sabina S. 31. wies er stets als eine Beschimpfung und Beleidigung mit Abscheu zurück. Als einmal, während er im Theater unter den Zuschauern war, in einem Mimus die Worte auf der Bühne ausgesprochen wurden: » O der milde und gütige Gebieter!« und sämtliche Anwesenden diese Worte mit ausschweifendem Beifallsjubel auf ihn bezogen, wies er nicht nur auf der Stelle durch Mienen und Gebärden diese Ausbrüche unwürdiger Schmeichelei zurück, sondern rügte dieselben auch am Tage darauf in einem besonderen Edikt und ließ sich später nicht einmal von seinen Kindern und Enkeln, weder im Scherz noch im Ernste, mit Herr anreden, ja er verbot ihnen auch, untereinander sich solcher Schmeichelanreden zu bedienen. Wenn irgend möglich, richtete er es bei seinen Reisen immer so ein, daß Abfahrt und Ankunft aus und nach der Hauptstadt oder einer Provinzialstadt immer auf die Spätabends- oder Nachtzeit fielen, um keinem durch Empfangs- und Abschiedsehrenbezeigungen Mühe und Unruhe zu machen. Während seines Konsulates erschien er im Publikum meist zu Fuße, außerdem aber häufig in einer ganz offenen Sie war ganz offen, damit jeder sich ihm nahen und ihm Anliegen vorbringen konnte. Sänfte. An den Aufwartungstagen verstattete er auch Leuten aus dem geringsten Volke Zutritt und bewies bei der Entgegennahme ihrer Anliegen solche Freundlichkeit, daß er einmal einen Supplikanten mit den scherzenden Worten ausschalt: » er reiche ihm ja seine Bittschrift mit solcher Ängstlichkeit her, wie einem Elefanten ein Geldstück«. »Das Volk legte nämlich den Elefanten, die herumgeführt wurden, Münzen in den Rüssel als Trinkgelder für die Führer; natürlich mochte sich mancher dabei sehr ängstlich gebärden.« Bremi. An Senatsversammlungstagen begrüßte er die Senatoren immer nur in der Kurie »D. h. er ließ sie nicht in seine Wohnung kommen, um ihm aufzuwarten, was sonst an Tagen, wo keine Senatssitzung war, geschah.« Bremi., und zwar auf ihren Sitzen und jeden einzeln, ohne dabei eines Nomenklators zu bedürfen. Ebenso pflegte er bei seinem Weggehen aus der Versammlung allen, während sie auf ihren Plätzen sitzen blieben, Lebewohl zu sagen. Geselligen Verkehr Der gesellige Verkehr, welchen Sueton durch officia bezeichnet, bestand in gegenseitigen Besuchen und persönlichem Erscheinen bei Namens-, Geburts-, Verlobungs- und Hochzeitstagen u. dgl. m. Daß es bei diesen antik-römischen »Routs« oft so drangvoll wie bei den modernen englischen herging, sehen wir aus der Ursache, welche in späteren Lebensjahren den »bürgerfreundlichen« Imperator von der Übung solcher Höflichkeiten abbrachte. unterhielt er mit vielen Familien, und erst in höherem Alter und nachdem er einmal bei einem Verlobungsfeste in einer zahlreichen Versammlung hart ins Gedränge gekommen war, hörte er auf, persönlich an den Familienfesten derselben zu erscheinen. Den Gallus Terrinius, der nicht gerade zu seinen näheren Freunden gehörte, besuchte er dennoch, als derselbe, von plötzlicher Blindheit befallen, den Entschluß gefaßt hatte, sich deshalb durch Hunger zu töten, und bewog ihn durch seine tröstenden Vorstellungen, leben zu bleiben.

54. Es ist vorgekommen, daß ihm jemand, als er im Senate sprach, zurief: » Ich habe nicht verstanden!« und daß ein anderer sich verlauten ließ: » Ich würde dir widersprechen, wenn ich dürfte!« Mehrmals, wenn er verdrießlich über die unmäßigen Zänkereien der Streitenden sich mit Heftigkeit aus der Kurie entfernte, schalten ihm einige nach: » es werde denn doch den Senatoren wohl noch erlaubt sein, über den Staat zu reden«. Bei Gelegenheit der Senatorenwahl, wo jeder einzelne seinen Mann zu wählen hatte, wählte Antistius Labeo den Marcus Lepidus, einen damals noch im Exil befindlichen politischen Gegner Augusts, und gab auf die Frage des letzteren: » ob es nicht vielleicht noch würdigere gäbe?« bloß die Antwort: » jeder habe sein eigenes Urteil«. Und doch gereichte solcher Freimut oder solcher Trotz niemals irgendwem zum Schaden.

55. Sogar die über ihn im Senate hin und wieder verbreiteten Schmähschriften flößten ihm weder Besorgnis ein, noch gab er sich bedeutende Mühe mit ihrer Widerlegung. Ja er ließ nicht einmal Nachforschungen über die Verfasser derselben anstellen, sondern begnügte sich damit, zu erklären: » daß in Zukunft gegen diejenigen eingeschritten werden solle, die Schmähschriften oder Spottgedichte, auf wen es immer sei, unter fremdem Namen veröffentlichen würden«.

56. Selbst boshaften oder mutwilligen Spottreden, mit welchen ihn gewisse Personen angegriffen hatten, antwortete er durch ein öffentlich bekannt gemachtes Edikt. Dagegen litt er es nicht, daß der Senat durch einen Beschluß die in den Testamenten häufig vorkommende Frechheit der Äußerung beschränkte. Es kam nämlich häufig vor, daß die Römer in ihren Testamenten sich über politische Dinge und Personen mit großer Herbheit äußerten und dabei auch ihres jetzigen Herrn nicht schonten. Diese Art von Rache übten sie auch später noch gegen ihre Tyrannen, wie z. B. Dio Cassius (58, 25) vom Fulcinius Trio, der sich im Gefängnisse entleibt hatte, erzählt, daß er in seinem Testamente dem Tiber die bittersten Dinge gesagt habe. Augustus war gegen solche Äußerungen sehr empfindlich. S. Kap. 66. So oft er den Wahlen der Magistrate beiwohnte, ging er mit den von ihm vorgeschlagenen Bewerbern bei den Wahlmännern umher und bat nach althergebrachter Art um ihre Stimmen. Desgleichen gab er, wenn es zur Abstimmung kam, in den beiden Tribus, denen er angehörte, seine Stimme selbst ab wie ein gewöhnlicher Bürger. Als Zeuge vor Gericht beschieden, ließ er sich ohne Äußerung irgend eines Unwillens Verhör und Widerlegung gefallen. Seinem Forum gab er einen geringeren Umfang, als er wünschte, weil er es nicht übers Herz bringen konnte, die nächstgelegenen Häuser ihren Besitzern abzudringen. Nie empfahl er seine Söhne dem Volke, ohne dabei hinzuzusetzen: » wenn sie es verdienen werden«. Als einmal bei dem Erscheinen derselben im Theater alle sich von ihren Sitzen erhoben und ihnen stehend Beifall klatschten, führte er darüber auf das ernsthafteste Klage. Seine Freunde wünschte er allerdings groß und mächtig im Staate zu sehen, doch ohne die allgemeine bürgerliche Gleichheit vor dem Gesetz und den Gerichten irgendwie zu beeinträchtigen. Als ein ihm sehr nahe stehender Mann, Asprenas Nonius, von Cassius Severus wegen Giftmordes vor Gericht gezogen wurde, befragte er den Senat um seine Ansicht, wie er sich dabei verhalten solle: » denn« sagte er, » er könne zu keiner Entscheidung darüber kommen, weil er fürchte, daß er, wenn er als Beistand des Beklagten auftrete, ihn den Gesetzen entreiße, und andererseits, wenn er es nicht thue, dadurch die Meinung erwecke, als lasse er einen Freund im Stich und verurteile denselben im voraus«. Infolge des mit allgemeiner Übereinstimmung abgegebenen Gutachtens saß er dann einige Stunden lang auf der Bank neben den Verteidigern des Angeklagten, verhielt sich aber schweigend und gab nicht einmal das gewöhnliche allgemeine Zeugnis für den Angeklagten ab. Auch Klienten leistete er vor Gericht Beistand, wie z. B. einem gewissen Scutarius, der einst als Freiwilliger Evocatus. So hießen die Soldaten, die nach Ablauf ihrer gesetzlichen Dienstjahre sich durch Bitten und Geschenke bewegen ließen, weiter fortzudienen. unter ihm gedient hatte und jetzt wegen Injurien angeklagt worden war. Nur einen einzigen Angeklagten entzog er der (verdienten) gesetzlichen Verurteilung, und auch diesen nur durch dringende Bitten, mit denen er vor dem versammelten Gericht den Ankläger gewann. Es war dies jener Castricius, der ihm einst die Anzeige von der Verschwörung Murenas gemacht hatte.

57. Welche Liebe ihm ein solches Benehmen erwarb, läßt sich leicht begreifen. Ich schweige von den Senatsbeschlüssen, weil es scheinen kann, als seien Zwang oder Schmeichelei bei denselben im Spiele gewesen. Aber die römischen Ritter feierten alljährlich, solange er lebte, zwei Tage lang sein Geburtsfest. Alle Stände warfen jährlich, zufolge eines Gelübdes für sein Leben, ein Geldstück in den Lacus Curtius. So hieß die mit einem Altar bezeichnete Stelle auf dem Forum, wo sich einst Marcus Curtius in den klaffenden Schlund gestürzt haben sollte (s. Livius Buch 7, Kap. 6). Der Altar war, wie es scheint, eine Art Puteal (Brunnenbecken) mit einer Öffnung in die Tiefe; die Darbringung, welche Sueton erzählt, war offenbar eine Nachahmung des Opfers, welches einst auf ähnliche Weise für die Dauer des Staates gebracht worden war. Desgleichen brachten sie ihm am ersten Januar, selbst wenn er abwesend war, auf dem Kapitol eine Neujahrsgabe dar, deren Gesamterlös er dazu verwandte, die kostbarsten Götterbilder zu kaufen, die er dann in den verschiedenen Stadtquartieren weihend aufstellen ließ, wie z. B. den Apollo Sandaliarius und den Jupiter Tragödus. Diese Beinamen erhielten die Götterbilder, wie einige meinen, von den Stadtquartieren und Straßen, wo sie aufgestellt wurden. Nach anderen ist das umgekehrte der Fall. S. Pauly, Realencyklopädie VI, a, S. 426 und 741. Bezeichnend ist es, daß Suetonius wohl die Kostbarkeit der Kunstwerke, aber nicht die Namen der Künstler erwähnt, von denen sie herrührten. Zum Wiederaufbau seines Hauses auf dem Palatin, das durch eine Feuersbrunst verzehrt worden war, brachten die Veteranen, die Dekurien Die Gilden der subalternen Staatsdiener, Schreiber, Liktoren, Gerichtsboten etc. Die Sache selbst erzählt Dio Cassius etwas anders. die Tribus und ebenso auch einzelne aus den übrigen Volksklassen, freiwillig jeder nach seinem Vermögen, Geldbeiträge zusammen, von welchen Summen er jedoch nur eine Kleinigkeit, nämlich von keinem der Geldhaufen mehr als einen Denar (0,87 Reichsmark), für sich nahm. Wenn er aus der Provinz zurückkehrte, empfing man ihn nicht nur mit Glück wünschenden Zurufen, sondern auch mit wohlgeübten feierlichen Gesängen. Die man sonst nur den Göttern darbrachte. Auch hielt man sorgsam darauf, daß, so oft er die Stadt betrat, niemals ein Todesurteil an irgend einem Verbrecher vollzogen wurde.

58. Den Beinamen Vater des Vaterlandes erteilte ihm das gesamte Volk aller Stände ebenso unerwartet, als einstimmig. Zuerst der dritte Stand (die Plebejer), und zwar zunächst mittelst einer nach Antium gesendeten Deputation; sodann, weil er die Ehre ablehnte, bei seinem Eintritt ins Theater durch die gesamte mit Lorbeerzweigen festlich bekränzte Versammlung. Darauf folgte der Senat in der Kurie, und zwar weder durch ein Dekret, noch durch Acclamation, sondern durch den Mund des Valerius Messalla, der als Sprecher im Auftrage sämtlicher Kollegen die Worte an ihn richtete: »Glück und Heil, Cäsar Augustus, dir und deinem Hause! – denn mit diesem Wunsche sind wir überzeugt, zugleich dauerndes Glück für den Staat und Freude dieser Stadt von den Göttern zu erflehen –: der Senat, in Übereinstimmung mit dem römischen Volke, grüßt dich als Vater des Vaterlandes!« Ihm antwortete mit Thränen in den Augen Augustus in folgenden Worten (ich führe nämlich, wie vorhin des Messalla, so jetzt auch des Augustus, eigene Worte an): » Nach dieser Erreichung aller meiner Wünsche, ihr versammelten Väter, was kann ich da noch anders von den unsterblichen Göttern erflehen, als daß es mir vergönnt sein möge, diese eure einmütige Liebe bis an das letzte Ziel meines Lebens mir zu bewahren!«

59. Seinem Arzte, Antonius Musa Über diesen Arzt des Augustus findet man weiteres bei Dio Cassius 53, 30. Vgl. auch Plinius, Naturgeschichte 19, 8 und 29, 1., durch dessen Hilfe er von einer gefährlichen Krankheit hergestellt worden war, errichtete man aus freiwilligen Beiträgen ein Standbild neben der Bildsäule des Äskulap. Gar manche Hausväter verordneten testamentarisch, daß von ihren Erben Opfertiere, unter Vorantragung einer die Bestimmung aussprechenden Inschrift, aufs Kapitol geführt und dort in ihrem Namen als gelobtes Dankopfer für das Glück dargebracht werden sollten, » daß Augustus sie (die Verstorbenen) überlebe!« In manchen Städten Italiens machten die Stadtgemeinden den Tag, an dem Augustus zuerst ihre Stadt besucht hatte, zum Jahresanfang. Sehr viele Provinzen stifteten außer Tempeln und Altären zu seiner Ehre auch fast in allen Städten Festspiele, die alle fünf Jahre wiederkehrten.

60. Die befreundeten und verbündeten Könige, und zwar die einzelnen jeder in seinem Reiche, erbauten ihm zu Ehren Städte, die nach seinem Namen Cäsarea hießen, und alle insgesamt vereinigten sich in dem Entschlusse, den vor alters zu Athen begonnenen Bau des Tempels des Olympischen Jupiter auf gemeinsame Kosten zu vollenden und denselben dem Genius des Augustus zu weihen. Ein Unternehmen, das erst Kaiser Hadrian zu stande brachte. S. Torso von Adolf Stahr, T. 2, S. 375. Oft auch verließen sie ihre Staaten, um ihm nicht nur zu Rom, sondern auch wenn er die Provinzen bereiste, in römischer Bürgertracht, ihrer königlichen Insignien entkleidet, täglich als dienstbereite Klienten aufzuwarten.

61. Da ich nun im bisherigen gezeigt habe, wie er sich als Feldherr und Staatsbeamter sowie in der kriegerischen und friedlichen Oberleitung des weltbeherrschenden Staates bewährt und erwiesen hat, will ich jetzt von seinem Privat- und Familienleben berichten und erzählen, in welcher Weise und unter welchen Umständen des Geschickes er in seiner Familie von seiner Jugend bis zum Tage seines Todes gelebt hat. Die Mutter verlor er im ersten Konsulat, seine Schwester Octavia, als er im vierundfünfzigsten Jahre stand. Beiden erwies er, wie er sie im Leben höchst achtungsvoll behandelt hatte, so auch nach ihrem Tode alle möglichen Ehren.

62. Verlobt war er als junger Mensch mit der Tochter des Publius Servilius Isauricus gewesen. Allein nach seiner ersten Aussöhnung mit Antonius heiratete er auf das Andringen beider Heere, welche die Verbindung auch durch eine Verwandtschaft befestigt zu sehen wünschten, dessen Stieftochter Claudia, die Tochter der Fulvia vom Publius Clodius, obschon sie damals kaum mannbar war, schied sich aber von ihr, infolge eines Zwistes mit ihrer Mutter Fulvia, als Jungfrau und ohne sie berührt zu haben. Bald darauf nahm er die Scribonia zur Frau, die früher zweimal an Männer konsularischen Ranges verheiratet gewesen war und von dem einen derselben Kinder hatte. Auch von dieser schied er sich, weil er, wie er selbst schreibt Nach anderen Berichten war seine Leidenschaft für die Livia Ursache zur Verstoßung der Scribonia, Dio Cassius 48, 34. Vgl. weiter unten Kap. 69. »ihren ausschweifenden Charakter nicht länger ertragen konnte«, und entführte sofort dem Tiberius Nero dessen Frau Livia Drusilla, obschon dieselbe bereits schwanger war, und bewies derselben bis an sein Ende die größte Hochachtung und Treue.

63. Von der Scribonia hatte er die Julia, von der Livia gar keine Kinder, so sehnlich er sie auch wünschte. Ein Kind, mit dem sie schwanger ging, kam unzeitig zur Welt. Die Julia verheiratete er zuerst an Marcellus, den Sohn seiner Schwester Octavia, der nur erst aus dem Knabenalter getreten war, dann, als derselbe starb, an den Marcus Agrippa, indem er seine Schwester durch Bitten bewog, ihm ihren Tochtermann zu überlassen. Agrippa hatte nämlich damals die eine der beiden Schwestern, Marcella, zur Frau und Kinder von ihr. Als auch dieser starb, erwählte er, nachdem er sich lange sogar im Ritterstande nach Partieen umgesehen hatte, seinen Stiefsohn Tiberius zu Julias Gatten und zwang denselben, seiner eigenen hochschwangeren Frau, die ihn bereits zum Vater gemacht hatte, den Scheidebrief zu geben. Marcus Antonius schreibt: zuerst habe er die Julia seinem Sohne verlobt, darauf dem Getenkönige Cotys, und zu derselben Zeit habe er auch für sich um eine Tochter des Königs angehalten. Antonius bemerkte dies letztere wohl in irgend einem Pamphlet, um dem Augustus den Vorwurf zurückzugeben, den ihm derselbe aus der Verbindung mit Kleopatra gemacht hatte.

64. Enkel aus der Ehe der Julia mit Agrippa hatte er drei: Gajus, Lucius und Agrippa, Enkelinnen zwei: die (jüngere) Julia und die Agrippina. Die Julia verheiratete er an Lucius Paullus, Censorssohn, die Agrippina an Germanicus, den Neffen seiner Schwester. Den Gajus und Lucius adoptierte er, nachdem er sie vorher zu Hause ihrem Vater nach der alten Formel Diese alte Formel wird im Texte durch die Worte per assem et libram (d. h. »in richtiger Münze«) ausgedrückt. Der leibliche Vater mußte den Sohn dem, der ihn adoptieren wollte, zuvor vor Zeugen dreimal zum Schein verkaufen, wobei der Adoptivvater ein Stück Geld als Kaufpreis in eine von einem Zeugen gehaltene Wage warf. Diese Adoption hieß adoptio per aes et libram, d. h. Adoption durch Geld und Wage. Die Form selbst beruhte auf der unumschränkten Gewalt des römischen Vaters über seine Kinder, die derselbe dreimal verkaufen konnte und, wenn er sich seiner Gewalt über sie entäußern wollte, dreimal zum Schein verkaufen mußte, wie dies hier geschah. Näheres in Paulys Realencyklopädie Bd. I, S. 69. abgekauft hatte, ließ sie früh in den Staatsdienst treten und sie, nachdem sie zuvor zum Konsulat designiert worden waren, die Provinzen bereisen und die verschiedenen Heere besuchen. Seine Tochter und seine Enkelinnen erzog er so streng, daß er sie sogar zum Wollespinnen anhielt und daß sie nichts reden und thun durften, was nicht die Öffentlichkeit vertrug und in das Hausjournal Das Hausjournal ( diurni commentarii) ist ein Tagebuch über die häuslichen Vorkommnisse, das ein besonderer Sklave führte. So Bremi. aufgenommen werden konnte. Von dem Verkehr mit der Außenwelt hielt er sie so streng entfernt, daß er einmal dem Lucius Vinicius, einem jungen Manne von edler Abkunft und Sitten, es brieflich » als einen Mangel an schicklichem Betragen« verwies, » daß er nach Bajä gekommen sei, um seiner Tochter aufzuwarten«. Seine Enkel unterwies er im Lesen, Schreiben Im Texte steht notare (nach einer Konjektur von Lipsius, statt natare = schwimmen, was die Handschriften haben), was eigentlich heißt: in Abbreviaturen ( notae) schreiben. Über diese Abbreviaturschrift und die Geheimschrift der Römer s. Pauly a. a. O. Bd. V, S. 706 ff. und den sonstigen Anfangsgründen des Unterrichts größtenteils selbst und ließ es sich ganz besonders angelegen sein, daß sie seine eigene Handschrift nachahmen konnten. Wenn er mit ihnen speiste, so saßen sie ihm zur Rechten auf dem Seitenpolster des Trikliniums Dieser Platz hieß lectus imus und hatte den niedrigsten Rang. Kinder und Frauen saßen, Männer lagen bei Tische. S. Pauly Bd. II, S. 1309 ff.; auf Reisen fuhren sie ihm stets voraus oder ritten neben ihm her.

65. Aber mitten in seiner freudigen Zuversicht auf seine Nachkommenschaft und ihre Erziehung verließ ihn das Glück. Die beiden Julien, die Tochter und die Enkelin, die durch Ausschweifungen aller Art ihren Ruf befleckt hatten, verbannte er. Julia, die Mutter, ward nach der Insel Pandataria (jetzt Vandotina) an der kampanischen Küste verbannt (Sueton, Leben Tibers Kap. 53). Ihre Tochter lebte zwanzig Jahre in der Verbannung auf der Insel Trimerus (jetzt Tremiti) an der Küste Apuliens. S. Tacitus, Annalen IV, 71. Den Gajus und Lucius verlor er beide in Zeit von achtzehn Monaten; Gajus starb in Lycien, Lucius in Massilia. Den dritten Enkel Agrippa samt seinem Stiefsohne Tiberius adoptierte er auf dem Forum vor den versammelten Kurien. Von diesen beiden verstieß er nach kurzer Frist wieder den Agrippa wegen seines gemeinen und wilden Charakters und verwies ihn nach Surrentum. Doch beugte ihn der Tod der Seinen minder tief, als die Schande derselben. Den Verlust des Gajus und Lucius hatte er ziemlich ungebrochenen Mutes ertragen, über seine Tochter aber ließ er schriftlich durch einen Stellvertreter, den Quästor, der seinen Aufsatz vorlas, an den Senat Bericht erstatten und hielt sich überhaupt aus Schamgefühl lange von allem Verkehr mit Menschen entfernt; ja, er dachte sogar daran, sie töten zu lassen. Wenigstens äußerte er, als um diese Zeit eine der Vertrauten Julias, eine Freigelassene Namens Phöbe, ihrem Leben durch Erhängen ein Ende machte: » er hätte wohl gewünscht, der Vater der Phöbe gewesen zu sein«. Der verbannten Tochter entzog er den Genuß des Weines und jede feinere Bequemlichkeit des Lebens. Kein Mensch, weder Freier noch Sklave, durfte ihr ohne seine vorher eingeholte Erlaubnis nahen, und zwar ließ er sich dabei zuvor über Alter, Statur, Gesichtsfarbe, besondere Kennzeichen und Narben des Leibes genau Bericht erstatten. Er that dies, um sich später selbst von der Identität der zugelassenen Personen überzeugen zu können. Erst nach einem Zeitraume von fünf Jahren versetzte er sie von der Insel auf das Festland Italiens und ließ ihre Gefangenschaft in etwas mildern. Sie vollständig zurückzurufen konnte ihn aber kein Flehen bewegen; und als das römische Volk nach wiederholten Bitten einmal heftiger als sonst ihn bestürmte, erwiderte er ihnen darauf in offener Versammlung mit den furchtbaren Worten: » er wünsche ihnen solche Töchter und solche Gattinnen!« Ein Kind, das seine Enkelin Julia nach ihrer Verurteilung gebar, verbot er anzuerkennen und aufzuziehen. Den Agrippa, der nicht fügsamer, sondern täglich nur toller wurde, ließ er auf eine Insel bringen und obenein durch ein Kommando Soldaten eng bewachen. Auch verordnete er mittelst eines Senatsdekrets, daß er für ewig dort gefangen bleiben sollte; und so oft seiner oder einer der beiden Julien Erwähnung geschah, pflegte er tief aufseufzend den griechischen Vers Aus Homers Ilias 3, 40, wo Hektor diese Worte dem feigen Ausreißer Paris (natürlich mit der Veränderung: wärst du etc.) zuruft. zu recitieren:

Wär ich doch ehelos blieben und kinderlos einsam gestorben!

auch nannte er sie nicht anders, als seine drei Eiterbeulen oder seine drei Krebsgeschwüre.

66. Freundschaften zu knüpfen entschloß er sich zwar nicht leicht, war aber von ausharrender Treue im Bewahren derselben und wußte nicht nur eines jeden gute Eigenschaften und Verdienste würdig zu ehren, sondern auch seine Fehler und Vergehen, wenn sie nur ein gewisses Maß nicht überstiegen, zu ertragen. Denn man wird aus der gesamten Zahl seiner Freunde kaum irgend welche in Ungnade gefallene finden, mit Ausnahme des Salvidienus Rufus, den er bis zum Konsulat, und des Cornelius Gallus, den er zur Präfektur von Ägypten, beide aus niedrigsten Verhältnissen, befördert hatte. Den ersteren, der einen Aufstand gegen ihn anzettelte, übergab er dem Senate zur Verurteilung; dem anderen, der sich undankbar und böswillig gegen ihn gezeigt hatte, untersagte er den Zutritt an seinem Hofe und den Aufenthalt in seinen Provinzen. D. h. Gallus durfte nicht in die Provinzen kommen, deren Oberbefehl und Verwaltung Augustus sich selbst vorbehalten hatte. Er mußte also in den Provinzen sich aufhalten, die der Senat verwaltete. Vgl. oben Kap. 47. Über das Schicksal dieses Mannes, das der gelehrte Philologe Becker zur Grundlage seines antiquarischen Romans gemacht hat, findet man dort ( Becker, Gallus, Scenen aus dem römischen Leben zur Zeit Augusts, T. I, S. 49 ff.) weitere Nachricht. Doch selbst in dem letzteren Falle, als Gallus, von den wider ihn auftretenden Anklägern und den Beschlüssen des Senates hart bedrängt, sich selbst entleibte, belobte er zwar den in dieser Sache von den Verfolgern für ihn bewiesenen großen Pflichteifer sittlicher Entrüstung, vergoß aber nichtsdestoweniger Thränen über das Los des Mannes und beklagte seinerseits laut: » daß ihm allein nicht vergönnt sei, seinen Freunden nur soweit er wolle zu zürnen!« Seine übrigen Freunde genossen, jeder als der erste seines Standes, Einfluß und Reichtum bis an ihr Lebensende, wenn sie ihm auch manchmal zur Unzufriedenheit Anlaß gaben. So hatte er zuweilen Ursache, um anderer nicht zu erwähnen, sich über Marcus Agrippas zu große Empfindlichkeit und über Mäcenas' Mangel an Verschwiegenheit zu beklagen, als jener einmal auf einen leichten Anschein von Kälte seinerseits, und weil er sich dem Marcellus nachgesetzt glaubte, mit Imstichlassung aller Geschäfte sich nach Mitylene zurückgezogen und dieser das Geheimnis der entdeckten Verschwörung Murenas an seine Frau Terentia ausgeplaudert hatte. Dagegen verlangte auch er seinerseits von seinen Freunden Beweise ihres Wohlwollens gegen ihn, und zwar ebensowohl nach ihrem Tode Zur Erklärung vergleiche man, was Kap. 56 von den Testamenten der Römer damaliger Zeit gesagt ist., als bei ihren Lebzeiten. Denn obschon er keineswegs nach Erbschaften strebte – wie er sich denn niemals dazu herbeigelassen hat, von dem Vermächtnisse eines Unbekannten irgend etwas anzunehmen –, so war er doch bei seinen Freunden in betreff der Urteile über ihn, welche sie ihrem letzten Willen einverleibten, überaus empfindlich und verhehlte ebensowenig seinen Schmerz, wenn jemand allzu kurz und in minder achtungsvollen Ausdrücken, als er seine Freude verhehlte, wenn einer mit Dankbarkeit und Pietät sich über ihn geäußert hatte. Legate oder Erbschaftsanteile, die ihm von Eltern, mochten diese sein, welche sie wollten, vermacht worden waren, pflegte er entweder sofort an deren Kinder abzutreten oder, wenn dieselben noch unmündig waren, am Tage ihrer Mündigkeitserklärung, wenn es Söhne, oder am Tage ihrer Verheiratung, wenn es Töchter waren, mit Zins zurückzugeben.

67. Als Patron seinen Klienten und als Herr seinen Sklaven gegenüber war er ebenso streng als umgänglich und gütig, und viele Freigelassene, wie z. B. Licinius, Enceladus und andere mehr, erfreuten sich seiner Achtung und seines Vertrauens. Den Cosmus, seinen Sklaven, der sich sehr arge Reden über ihn zu Schulden kommen ließ, begnügte er sich, statt harter Strafe bloß in den Bock legen zu lassen. Als sein Hausverwalter Diomedes ihn einmal bei einem gemeinsamen Spaziergange einem plötzlich anrennenden wilden Eber gegenüber aus Furcht im Stiche ließ, wollte er darin lieber Furchtsamkeit, als böse Absicht erblicken und machte aus einem Verhalten, bei dem sein Leben auf dem Spiel gestanden hatte, weil doch keine böse Absicht vorhanden gewesen war, einen Scherz. Derselbe so milde Mann aber zwang den Proculus, einen seiner liebsten Freigelassenen, zum Selbstmorde, als es herauskam, daß er mit vornehmen Frauen im Ehebruch lebe, und ließ dem Thallus, seinem Sekretär, weil er für eine Bestechung von fünfhundert Denaren [435 Reichsmark] einen seiner Briefe ausgeliefert hatte, die Beine verstümmeln. Den Hofmeister und die Diener seines Sohnes Gajus, welche dessen Krankheit und Tod dazu benutzt hatten, in der Provinz mit Grausamkeiten und Erpressungen arg zu wirtschaften, ließ er mit schweren Gewichten am Halse im Flusse ersäufen.

68. Als ganz junger Mensch wurde ihm vielerlei Schimpfliches nachgesagt. Sextus Pompejus schalt ihn einen weibischen Weichling; Marcus Antonius sagte ihm nach, er habe die Adoption seines Oheims Des Cäsar. durch unkeusche Preisgebung verdient; Lucius, des Marcus Bruder: er habe seinen zuerst von Cäsar genossenen Leib auch dem Aulus Hirtius in Spanien für dreimalhunderttausend Sesterzien [65 250 Reichsmark] preisgegeben und um das Haar an seinen Schenkeln weicher zu machen, dasselbe häufig mit glühenden Nußschalen abgesengt. Ja auch das Volk bezog einmal in Masse am Tage einer Bühnenvorstellung als schimpfliche Anspielung auf ihn unter allgemeinem Beifall einen Vers, in welchem es von einem die Pauke schlagenden Priester der Göttermutter hieß:

» Sieh, wie dieser Weichling mit dem Finger hier den Kreis regiert«! Die Zweideutigkeit liegt in dem Worte orbis (Kreis), das hier die kreisrunde Pauke bezeichnet, sonst aber auch den Erdkreis bedeutet. Das Volk also legte in den Vers, der nur sagte: »Wie geschickt der Weichling ( cinaedus, denn die Priester der Cybele waren Verschnittene) das Tamburro regiert!« den boshaften Sinn: »Wie geschickt der Weichling Augustus den Erdkreis beherrscht!«

69. Seine Liebschaften mit verheirateten Frauen stellen jedenfalls selbst seine eigenen Freunde nicht in Abrede, obschon sie allerdings entschuldigend hinzufügen: hier sei nicht Wollust, sondern Politik als Motiv im Spiele und solche Buhlschaften für ihn das Mittel gewesen, um so leichter die Anschläge seiner Gegner durch deren Frauen auszukundschaften. Marcus Antonius wirft ihm außer der eilfertigen Verheiratung mit der Livia auch noch die Geschichte mit der Frau eines Mannes von konsularischem Range vor, die er in Gegenwart ihres Gatten aus dem Speisesaale ins Schlafzimmer geführt und darauf mit geröteten Ohrläppchen und in Unordnung gebrachter Frisur wieder zur Tafel zurückgeführt habe; desgleichen daß er die Scribonia darum verstoßen, weil sie ihren Unwillen über den maßlosen Einfluß der Mätresse Der Livia, später Augustus' Gemahlin, voller: Livia Drusa oder, wie sie im verkleinerten Schmeichelnamen weiterhin heißt, Drusilla. zu heftig geäußert und daß er seine Freunde als Kuppler benutzt habe, die in seinem Auftrage verheiratete Damen und erwachsene Jungfrauen zu diesem Zwecke, als kauften sie dieselben, bei dem Sklavenhändler Thoranius nackt in Augenschein nehmen mußten. Auch schreibt ihm Antonius einmal in einem vertraulichen Briefe aus der Zeit, wo er ihm noch nicht völlig entfremdet oder gar offenbarer Feind war: » Was hat dich (gegen mich) verändert? Etwa, daß ich bei der Königin schlafe? Sie ist meine Frau. Habe ich denn erst jetzt damit angefangen oder nicht vielmehr schon vor neun Jahren? Und du selbst, schläfst du nur bei der Drusilla? Ich wette auf dein Leben Die römische Schwurformel im Texte lautet: »Du mögest so gewiß gesund sein oder unter der Bedingung gesund sein, daß du nicht bei der etc. geschlafen hast.« In dieser Versicherungsformel liegt also zugleich eine Art von Drohung., daß du, wenn du diesen Brief liesest, bereits die Tertulla oder die Terentilla oder die Rufilla oder die Sylvia Titiscennia oder alle zusammen gehabt hast. Und liegt denn überhaupt etwas daran, wo und bei wem man seine Lust befriedigt

70. Auch von einer geheimen Tischgesellschaft, die man die Gesellschaft der Zwölf-Götter nannte, fabelte man viel in den Stadtgesprächen. Die Gäste sollten in der Tracht der Götter und Göttinnen bei Tische gelegen und Augustus selbst die Rolle des Apollo übernommen haben; so lautet der Vorwurf nicht nur in den Briefen des Antonius, wo die Namen der einzelnen mit den bittersten Bemerkungen aufgezählt sind, sondern auch in jenen allbekannten Versen eines anonymen Autors:

Als den Choragen der Tisch der sauberen Brüder gedungen D. h. als die Tischgenossen ihre Maskierung als Götter und Göttinnen beendet hatten. Der »Chorag« war derjenige, welcher in Athen die Ausstattung eines Theaterstückes besorgte. Hier scheint mit dieser Bezeichnung die im folgenden Verse genannte Mallia gemeint zu sein, von der uns sonst nichts weiter bekannt ist.
Und sechs Götter und sechs Göttinnen Mallia sah;
Als dort Cäsar sich frech vermißt den Apollo zu spielen,
Feiernd beim nächtlichen Schmaus göttlicher Liebschaften Bild, –
Alle Himmlischen wendeten da den Blick von der Erde,
Jupiter selber, er floh fort von dem goldenen Thron. Den er im Tempel zu Olympia und auf dem Kapitol hatte.

Verstärkt wurde das Gerede von dieser Tischgesellschaft durch die damals in der Stadt herrschende sehr große Hungersnot, und tags darauf rief man bei seinem Erscheinen auf der Straße laut: » Alles Brotkorn hätten die Götter aufgegessen!« und: » Cäsar sei der richtige Apoll Apoll führte den Beinamen »Henker« ( Tortor) von seinem Verfahren gegen Marsyas. Eine Bildsäule dieses Apollo Tortor zeigt den Gott mit Lorbeer bekränzt, in der Rechten das Messer, in der Linken die Marsyasmaske mit der abgestreiften Haut. Paulys Realencyklopädie Bd. VI, 2, S. 2035 ff., aber der Henkerapoll!« Unter diesem Beinamen wurde nämlich der genannte Gott in einem gewissen Stadtteile verehrt. – Gestichelt wurde auch auf ihn wegen seiner übergroßen Begier nach kostbarem Hausrat und korinthischen Gefäßen sowie auf seinen Hang zum Würfelspiele. Denn zur Zeit der Ächtungen schrieb man an seine Statue:

Mein Vater war ein Argentarius, ich bin ein Korinthiarius! Ein Wortspiel, in welchem das Wort Korinthiarius (d. i. ein Händler mit korinthischen Erzgefäßen) dem Worte Argentarius, welches einen Geldhändler, Wechsler bedeutet, nachgebildet ist. Die in diesem Kapitel von Sueton mitgeteilten Verse sind wahrscheinlich aus den politischen Epigrammen des Dichters Cassius von Parma, eines der bedeutendsten Männer unter den Mördern Cäsars, den Augustus nach der Schlacht von Actium zu Athen töten ließ. Egger a. a. O. S. 78 und 118.,

weil die Meinung verbreitet war, daß er manche bloß wegen ihrer korinthischen Gefäße habe auf die Liste der Geächteten setzen lassen; und später, im Sizilischen Kriege, setzte man gegen ihn das Epigramm in Umlauf:

Nachdem er zweimal zu Meer besiegt die Schiffe verlor,
Treibt er, um endlich einmal zu siegen, das Würfelspiel!

71. Von diesen soll man sagen Anschuldigungen oder boshaften Verleumdungen hat er die schimpfliche Beschuldigung unnatürlicher Wollust am leichtesten durch die Keuschheit seines damaligen gleichzeitigen und späteren Lebens widerlegt. Desgleichen den gehässigen Vorwurf der Prunkliebe, indem es Thatsache ist, daß er nach der Eroberung von Alexandria, mit Ausnahme eines einzigen myrrhinischen Über die myrrhinischen oder murrinischen Gefäße der Alten, die in der Kaiserzeit zu den köstlichsten Geräten gehörten, sehe man die Abhandlung in Paulys Realencyklopädie Bd. V, S. 259, wo die Frage nach dem Stoffe derselben dahin entschieden wird, daß sie aus Flußspat gearbeitet gewesen seien. Kelches, von dem gesamten königlichen Hausrate für sich nicht das geringste zurückbehielt und bald darauf auch das zum täglichen Gebrauche dienende goldene Tafelgeschirr samt und sonders einschmelzen ließ. In den Netzen der Frauenliebe dagegen blieb er sein Leben lang verstrickt und war auch in späteren Jahren, wie die Rede geht, ein großer Freund junger Mädchen, die er von überall her, sogar durch Vermittelung seiner eigenen Frau, sich zu verschaffen wußte. Das Gerede über sein Würfelspiel ließ er sich vollends in keiner Weise anfechten und spielte ohne Hehl und Heimlichkeit zu seinem Vergnügen fort, selbst noch als Greis und nicht bloß im Dezembermonat Wo am Feste der Saturnalien alle solche Vergnügungen von der Sitte gestattet waren., sondern auch an anderen Fest- und Werkeltagen. Auch steht dies zweifellos fest. In einem eigenhändig geschriebenen Briefe an den Tiberius sagt er zu demselben: » Meine Tischgesellschaft war die dir bekannte, noch durch Vinicius und Silius den Vater als außergewöhnliche Gäste verstärkt. Bei der Tafel haben wir alten Leute ganz gemütlich Im Texte steht hier ein griechisches Wort (γεροντιϰῶς d. h. »wie es sich für alte Leute schickt«); solche eingestreute griechische Wörter und Phrasen geben dem römischen Briefstile die Färbung, die einst der deutsche durch ähnliche französische Brocken erhielt. unser Spielchen gestern wie heute gemacht. Wir würfelten nämlich so, daß, wer den Hund oder den Sechser warf, für jeden Würfel einen Denar [0,87 Reichsmark] in den Pott setzen mußte, und wer die Venus warf, das Ganze bekamMan würfelte mit vier Würfeln ( tali geheißen), von deren sechs Seiten nur vier flach, die beiden übrigen gegenüberstehenden gerundet waren. Die vier ebenen Flächen waren mit den Zahlen 1 und 6, 3 und 4 bezeichnet; 2 und 5 fehlten. Man warf die Würfel aus einem Becher. Der schlechteste Wurf, wenn alle Würfel eine Eins zeigten, hieß »der Hund«; der beste, wenn alle Würfel verschiedene Zahlen zeigten, hieß »die Venus«. Näheres findet man in Beckers Gallus, T. 2, Scene 10, Exkurs 3, wo auch über das am Ende des Kapitels erwähnte Paar- und Unpaarspiel Nachweisungen gegeben werden. – Wieder in einem anderen Briefe heißt es: » Wir haben, lieber Tiberius, das Minervenfest der fünf Tage Es ward im März (vom 20.-25.) gefeiert. recht heiter verlebt. Wir haben nämlich alle Tage gespielt und das Würfelbrett nicht kalt werden lassen. Dein Bruder hat dabei ein großes Geschrei verführt; zuguterletzt hat er indessen nicht viel verloren, sondern sich aus seinen großen Verlusten allmählich wider Erwarten herausgezogen. Ich habe zwanzigtausend Sesterzien [4350 Reichsmark] verloren, doch nur, weil ich überaus liberal gespielt habe, wie das gewöhnlich meine Art ist. Denn wenn ich alle die nachgelassenen Würfe eingefordert oder das behalten hätte, was ich den einzelnen Mitspielern geschenkt habe, so hätte ich wohl an die fünfzigtausend [10 875 Reichmark] gewonnen gehabt. Aber es ist mir so lieber. Denn der Ruhm meiner Freigebigkeit wird bis an den Himmel erhoben werden.« An seine Tochter schrieb er: » Ich schicke dir hier 250 Denare [217,5 Reichsmark], als die Summe, welche ich jedem meiner Tischgäste zum Würfeln oder Paar- und Unpaarspiel bei Tisch gegeben habe.« – In allen übrigen Lebensverhältnissen war er thatsächlich von höchster Enthaltsamkeit und ohne den Verdacht eines Fehlers.

72. Seine Wohnung war zuerst am römischen Forum oberhalb der Stiegengasse der Ringschmiede, in dem Hause, welches ehemals dem Redner Calvus Zeitgenosse und Gegner Ciceros. Vgl. Cicero, Brutus 81. gehört hatte, später auf dem Palatium, aber auch dort nur in dem mäßigen Hortensischen Hause, das weder durch großen räumlichen Umfang, noch durch bauliche Pracht in die Augen fiel, nur kurze Säulenhallen von albanischem Peperin Ein weicher vulkanischer Tuffstein. Über den Marmorluxus im späteren Rom vgl. man Ein Jahr in Italien T. 3, S. 149 ff. und in den Zimmern keinen Schmuck von Marmor oder kunstvollen Mosaiken hatte. Und zwar bewohnte er über vierzig Jahre lang Sommers und Winters dort ein und dasselbe Schlafzimmer Dies stimmt nicht ganz mit Kap. 82., obgleich die Erfahrung ihn lehrte, daß die Stadt im Winter seiner Gesundheit keineswegs zuträglich war, und er den Winter durchgängig in der Stadt zubrachte. Die wohlhabenden Römer hatten je nach dem Wechsel der Jahreszeiten verschiedene Schlaf-, Wohn- und Speisezimmer, die sommerlichen, wie Varro sagt, meist gegen Morgen, die winterlichen gegen Abend gelegen. Vgl. Paulys Realencyklopädie Bd. II, S. 1243. Wollte er einmal etwas im geheimen und ohne Störung arbeiten, so hatte er dazu eine besondere, auf der Höhe liegende Wohnung, die er sein Syrakus und sein Atelier Auch im Original steht hier ein (griechisches) Fremdwort (τεγνόφυον), das diesen Sinn hat. Den Namen Syrakus gab Augustus diesem seinem Arbeitskabinett wohl mit Bezug auf Archimedes von Syrakus, der in seiner Studierstube selbst die Eroberung der Stadt nicht bemerkte. zu nennen pflegte. Dorthin begab er sich in solchen Fällen oder auch wohl auf die nahe bei der Stadt gelegene Villa irgend eines seiner Freigelassenen. In Krankheitsfällen pflegte er das Haus des Mäcenas zum Aufenthalte zu benutzen. Sommeraufenthalte machte er meistens am Meere und auf den Inseln Kampaniens oder auch in den der Hauptstadt nahe gelegenen kleinen Landstädten Lanuvium und Präneste sowie in Tibur, wo er auch in den Portiken des Herkulestempels sehr oft zu Gericht saß. Große und prächtige Lusthäuser konnte er nicht leiden. Das von seiner Enkelin Julia mit verschwenderischer Pracht erbaute Landhaus ließ er sogar bis auf den Grund niederreißen und seine eigenen, so mäßig sie auch waren, schmückte er nicht mit Statuen und Gemälden, sondern mit Spazierwegen und Baumpflanzungen sowie mit Altertümern und Raritäten aus, wie zum Beispiel in seinem Landhause auf der Insel Capri noch jetzt die Sammlungen von Riesenknochen ungeheurer Land- und Seetiere sich befinden, welche man Gigantenknochen und Heroenwaffen nennt.

73. Die Sparsamkeit in betreff seines Mobiliars und Hausgerätes erkennt man auch jetzt noch an den erhaltenen Ruhebetten und Tischen, wovon das meiste kaum für einen gewöhnlichen Privatmann schicklich ist. Selbst seine Schlafbettstelle war stets niedrig Während der Luxus prachtvolle, mit Elfenbein, edlen Metallen und Schnitzwerk gezierte, sehr hohe Bettgestelle liebte, zu denen man mittelst einer Fußbank aufstieg. S. Becker, Gallus I, S. 42. und die Polster und Betten von geringem Werte. Als Kleidung trug er nicht leicht etwas anderes, als sein Hauskleid Dies geht wohl, auf die von den Frauen seiner Familie selbst gewobenen und genähten Unterkleider., das ihm Gattin, Schwester, Tochter und Enkelinnen anfertigten. Seine Toga war weder zu eng, noch übermäßig weit; der Purpurstreifen derselben hielt die Mitte zwischen dem breiten und dem schmalen, dagegen trug er etwas erhöhte Sohlen, um größer, als er war, zu erscheinen. Seine Amtskleider endlich und seine Schuhe mußten stets in seinem Schlafzimmer befindlich und für plötzliche und unerwartete Fälle bereit sein.

74. Tafel mit Gästen hielt er regelmäßig und nie anders, als vollständig Eine solche Mahlzeit hieß und heißt im Text coena recta, eine »richtige«, ordentliche, im Hause des Gastgebers stattfindende, bei welcher alle die Speisen, die zu einer ordentlichen Hauptmahlzeit gehören, aufgetragen werden, im Gegensätze zu einer solchen, wo man den Gästen Speisen in Körbchen ins Haus schickte oder sie nur, wie wir sagen, à la fortune du pot einlud. Vgl. Sueton, Claudius 21., doch beobachtete er bei den Einladungen genaue Rücksicht auf Rang und Charakter. Valerius Messala erzählt, daß er nie einen Mann freigelassenen Standes zur Tafel gezogen habe, ausgenommen den Menas, der jedoch, nachdem er die Flotte des Sextus Pompejus verraten hatte, mit allen Rechten eines Freigeborenen beschenkt worden war. Augustus verlieh ihm als Lohn für die gegen Pompejus begangene Verräterei die Ritterwürde. Augustus selbst schreibt, er habe einmal einen Mann, auf dessen Villa er Quartier zu nehmen beabsichtigte, zur Tafel gezogen, der früher sein Speculator So hießen die aus der Leibwache genommenen, als Ordonnanzen, Kuriere u. s. f. gebrauchten Soldaten des Kaisers. gewesen. Zur Tafel kam er zuweilen später (als die übrigen) und verließ sie auch wohl früher, doch durften die Gäste die Tafel beginnen, ehe er Platz nahm, und blieben auch an derselben weiter sitzen, wenn er sich zurückgezogen hatte. Seine Tafel bestand meist nur aus drei, wenn es hoch herging aus sechs Gängen, aber wenn der Aufwand auch nicht übermäßig war, so war doch seine Freundlichkeit als Wirt vollendet, denn er zog gern die Schweigenden oder halblaut sich Unterredenden zur allgemeinen Unterhaltung heran und ließ auch wohl zur Abwechslung nicht nur Vorleser, Sänger und Schauspieler, sondern selbst gewöhnliche Possenreißer vom Cirkus und noch häufiger sogenannte Moralprediger Diese »Aretalogen« (Tugendprediger) hat man sich im Behaben und Geiste etwa gleich dem Schillerschen Kapuziner zu denken. Seneca nennt sie Straßenphilosophen, und ihre Sittenpredigten, denen ihr eigenes Leben widersprach, gaben durch den komischen Kontrast den Zuhörern Stoff zum Lachen. auftreten.

75. Feste und feierliche Jahrestage feierte er mit großer Freigebigkeit, bisweilen jedoch bloß mit irgend einem Scherze. So pflegte er am Saturnalienfeste, und wenn es ihm sonst einfiel, bald Geschenke an Kleidung, Gold- und Silbergeschirr, bald Münzen von jedem Gepräge, auch wohl alte königliche und ausländische, zu verteilen, zuweilen aber auch gar nichts, außer härene Decken, Schwämme, Rührlöffel, Zangen und dergleichen mehr, mit dunklen und zweideutigen Die Schalkhaftigkeit solcher Festgeschenke und die Zweideutigkeit der Inschriften bezieht sich wohl darauf, daß die genannten Dinge alle in der Volkssprache eine obscöne Nebenbedeutung hatten. Inschriften. Auch pflegte er bei Tafel zuweilen Lose für Gewinne von den allerungleichsten Werten und verdeckte Gemälde zu versteigern, wobei dann der ungewisse Ausfall die Hoffnung der Käufer bald täuschte, bald erfüllte. Die Gäste boten dabei tischweise Eigentlich: jedes der drei Polster (welche ein Triclinium ausmachten, und auf deren jedem der Regel nach drei Personen lagen) für sich ( per singulos lectos)., so daß Gewinn und Verlust gemeinsam war.

76. An Speise (denn auch dies möchte ich nicht unerwähnt lassen) genoß er überaus wenig und meist nur Hausmannskost. Schwarzbrot, Sardellen, mit der Hand gepreßter Kuhkäse und frische Feigen von der Art, welche zweimal des Jahres reifen, waren seine Lieblingsgerichte. Dabei pflegte er auch vor der Hauptmahlzeit zu jeder Zeit und an jedem Orte, sobald er Appetit verspürte, zu essen. Er sagt darüber einmal in seinen Briefen wörtlich: » Wir haben im Wagen etwas Brot und Datteln genossen ...« und an einer anderen Stelle: » Auf der Rückkehr nach Hause von dem Pompejanischen Palaste habe ich in meiner Sänfte eine Unze Brot nebst einigen harthäutigen Weinbeeren gegessen ...« und an einer dritten: » Kein Jude, mein lieber Tiberius, hält sein Fasten am Sabbat strenger, als ich es heute gehalten habe; denn erst im Bade, eine Stunde nach Sonnenuntergang, habe ich, bevor ich mich salben ließ, ein paar Bissen gekaut.« Infolge dieser Unregelmäßigkeit speiste er dann auch wohl vor Anfang oder auch nach dem Ende der Tafel allein zu Nacht, während er bei der Tafel selbst nichts anrührte.

77. Auch im Weingenusse war er von Natur höchst mäßig. Im Lager von Mutina trank er während der Hauptmahlzeit, wie Cornelius Nepos erzählt, gewöhnlich nur dreimal. Später ging er, selbst wenn er sich recht gütlich that, nicht über sechs Gläser Im Texte steht: sechs » sextantes«. Ein Sextans enthielt zwei Cyathi [0,0456 Liter], d. h. zwei Maße des Schöpfgefäßes, mit dem der Schenke den Wein in die Becher füllte. Zwölf solcher Maße bildeten einen Sextarius, d. h. den sechsten Teil eines Congius, der 3,283 Liter enthielt. Ein Sextarius ist also = 0,547 Liter, und sechs Sextantes sind also ebensoviel, d. h. etwa eine moderne Flasche.; oder wenn er ja einmal darüber hinausging, so pflegte er sich zu übergeben. Am liebsten trank er rhätischen Der in Graubünden und bei Verona heimisch war und den Virgil (Landbau II, 96) mit den Worten:
– »wie soll ich würdig dich preisen,
Rhätiens Wein!« –
gewiß mit Anspielung auf Augusts Vorliebe feiert. Ein genaueres Studium des Sueton zeigt, wie die Dichter des Augusteischen Zeitalters ihrem Herrn selbst im kleinen zu huldigen wußten. Vergißt doch selbst Horaz in der berühmten Epistel an Augustus (II, 1, V. 123) nicht das Hausbackenbrot, das der Kaiser dem feinen weißen, wie Sueton (Kap. 76) lehrt, vorzog!
Wein. Zwischen den Mahlzeiten trank er selten. Statt Getränkes nahm er in solchen Fällen in kaltes Wasser getauchtes Brot oder ein Stück Wassermelone, einen Lattichstengel oder frisches herbes Obst von weinsäuerlichem Geschmacke.

78. Nach dem Pranzo Dem zweiten Frühstück, prandium, das um 12 Uhr genommen ward. pflegte er vollständig bekleidet und beschuht mit bedeckten Füßen ein wenig zu ruhen, indem er die Hand vor die Augen hielt. Vor der Hauptmahlzeit zog er sich in sein Studierzimmer auf sein Arbeitssofa zurück. Hier verweilte er, mit der vollständigen oder doch hauptsächlichen Beendigung der laufenden Tagesgeschäfte beschäftigt, bis tief in die Nacht hinein. Dann begab er sich in sein Schlafzimmer, wo er meist nicht über sieben Stunden schlief und selbst diese nicht hintereinander weg, weil er wohl während dieser Zeit drei- bis viermal aufwachte. Konnte er den durch solche Unterbrechungen gestörten Schlaf, wie es zuweilen vorkam, nicht wiedergewinnen, so ließ er einen Vorleser oder Erzähler an sein Bett kommen und sich wieder in den Schlaf bringen, den er dann wohl bis an den hellen Morgen fortsetzte. Auch wachte er in der Nacht nie, ohne daß jemand bei ihm saß. Frühes Aufstehen war ihm widerwärtig, und wenn er sich eines Geschäfts oder eines Opfers wegen früh wecken lassen mußte, so übernachtete er gewöhnlich der Bequemlichkeit halber in der dem Orte, wohin er sich zu begeben hatte, am nächsten liegenden Wohnung des ersten besten seiner Hausbekannten. Aber auch dann schlief er oft aus Schlafbedürfnis, während man ihn in seiner Sänfte durch die Straßen trug oder wenn die Sänfte niedergesetzt wurde, in Zwischenpausen wieder ein.

79. Seine Körpergestalt war überaus schön und durch alle Altersstufen von großer Anmut, obschon er alle Toilettenkünste verschmähte und in betreff seiner Haarfrisur so unbekümmert war, daß er sein Haar in Eile von mehreren Friseuren zugleich schneiden und den Bart bald mit der Schere, bald mit dem Messer abnehmen ließ und unter der Zeit immer entweder etwas las oder schrieb. Sein Gesichtsausdruck war, er mochte nun reden oder schweigen, von solcher Ruhe und Heiterkeit, daß ein gallischer Häuptling einmal seinen Landsleuten gestand, durch diesen sanften Ausdruck verhindert worden zu sein, ihn, wie er sich vorgenommen hatte, beim Übergange über die Alpen, als er unter dem Vorwande einer Mitteilung in seine Nähe gelangt war, in einen Abgrund hinabzustürzen. Seine Augen waren hell und glänzend; er mochte gern, daß man in ihnen eine gewisse göttliche Kraft fand, und freute sich, wenn jemand, der ihn scharf anblickte, wie von der Sonne geblendet das Auge niederschlug Auch hierin, wie in so manchem anderen, hat er Ähnlichkeit mit Ludwig XIV. von Frankreich, der in vieler Hinsicht ihn sich zum Vorbilde nahm. S. Egger S. 21-22.; doch sah er im Alter mit dem linken weniger scharf. Seine Zähne waren abstehend, klein und schadhaft, sein Haar sanft gewellt und ins Gelbliche spielend, die Augenbrauen zusammengewachsen, die Ohren mittelgroß, die Farbe ein Gemisch von sonnenbraun und weiß; seine Statur war kurz – (Julius Marathus, sein Freigelassener, giebt sie in seiner Biographie auf fünfdreiviertel Fuß [etwa 1,7 m] an) –; doch verdeckte die Schönheit und das Ebenmaß der Glieder diesen Umstand, der sich nur durch Vergleichung bemerkbar machte, wenn er neben einem schlanker Gewachsenen stand.

80. Sein Körper war, wie erzählt wird, mit Flecken und Mälern besetzt, die über Brust und Unterleib so zerstreut waren, daß sie Form, Ordnung und Zahl des Siebengestirns bildeten, sowie auch mit Schwielen, die wie Flechtenausschlag anzusehen waren und die er sich durch beständigen und heftigen Gebrauch der Badestriegel infolge des Hautjuckens zugezogen hatte. Hüftgelenk, Schenkel und Wade der linken Seite waren minder kräftig, als die der rechten, und er hinkte zuweilen infolge dieser Schwäche, stellte sich aber durch den Gebrauch von (warmen) Sandbädern und Schilfumschlägen immer wieder her. Auch fühlte er zuweilen in dem Gesundheitsfinger Einer der Namen des Zeigefingers. Die hier gemeinte Krankheit ist der sogenannte Schreibkrampf. S. Dirksen in den Abhandlungen der Berliner Akademie 1848, S. 44. der Rechten eine solche Schwäche, daß er das erstarrte und von Kälte abgestorbene Glied nur mühsam mittelst eines umgelegten hornenen Reifs zum Schreiben brauchen konnte. Auch litt er zuweilen an Blasenbeschwerden, von deren Pein er gewöhnlich erst, wenn die Steine mit dem Urin abgingen, erleichtert wurde.

81. Schwere und gefährliche Krankheiten hat er im Laufe seines Lebens mehrere durchgemacht, die bedeutendste nach Beendigung des Kantabrischen Feldzuges, wo er, zuletzt durch Stockungen in der Gallenabsonderung der Leber zur Verzweiflung gebracht, sich einer, der gewöhnlichen zuwiderlaufenden, gefährlichen Kurmethode unterwarf. Da nämlich warme Bähungen keinen Erfolg gewährten, ließ er sich notgedrungen auf den Rat des Antonius Musa S. zu Kap. 59. Man hat hier die älteste Kaltwasserkur, die infolge von Augustus' glücklicher Herstellung bald in Rom Mode wurde (s. Horaz' Episteln I, 15, 2-3 und dazu Th. Schmid). Augustus hatte nach den warmen Pyrenäenbädern keine Besserung, sondern starke Rückfälle verspürt. Daher änderte Musa die Kurmethode, bei der er auch nach Plinius (Naturgeschichte 19, 38) den Gebrauch des Salats ( Lactuca) verordnete. Vgl. Egger a. a. O. S. 187. mit kalten Mitteln behandeln. Manche Krankheiten machte er alljährlich und zu bestimmt wiederkehrenden Zeiten durch. So litt er um die Zeit seines Geburtstages fast regelmäßig an Nervenabspannung, und während ihn bei Frühlingsanfang eine Entzündung des Zwerchfells heimsuchte, litt er, wenn Scirocco wehte, am Schnupfen. Daher vermochte sein erschütterter Körper weder starke Kälte, noch starke Hitze ohne Beschwernis zu ertragen.

82. Im Winter schützte er sich durch vier übereinander angezogene Tuniken und eine dicke Toga, dazu durch ein Hemd und einen Brustlatz von Wolle und durch Schenkelbeinkleider und Strümpfe. Im Sommer schlief er bei offenen Thüren, oft auch im Peristyl neben einem Springbrunnen S. zu Kap. 72., oder er ließ sich auch wohl von einem Diener fächeln. Sonne konnte er selbst im Winter nicht ertragen und ging deshalb selbst zu Hause nie im Freien ohne Sonnenhut spazieren. Reisen machte er in der Sänfte, meist bei Nacht, und zwar langsam und in kurzen Stationen, so daß er zu einer Tour nach Präneste oder Tibur zwei Tage brauchte und, wenn er zur See an den Ort, wohin er wollte, gelangen konnte, lieber die Reise zu Schiffe machte. Bei dieser großen Schwächlichkeit des Körpers hielt er sich indessen durch äußerste Sorgfalt der Diät aufrecht, besonders dadurch, daß er selten badete. Salben ließ er sich öfter, schwitzte dann am Feuer und ließ sich darauf mit lauem oder von starker Sonnenhitze erwärmtem Wasser übergießen. So oft er aber seiner Nerven wegen (warme) Seesalzbäder oder albulische Quellbäder Von der Schwefelquelle, die zwischen Rom und Tivoli in den Anio einmündet. brauchen mußte, begnügte er sich damit, daß er, in seiner hölzernen Badewanne sitzend, die er mit einem spanischen Worte »Dureta« zu nennen pflegte, Hände und Füße abwechselnd bewegte.

83. Die kriegerischen Waffen- und Reitübungen gab er gleich nach den Bürgerkriegen auf und ging dafür anfangs zum Ball- und Ballonspiel über. Später machte er sich nur noch Bewegung durch Spazierreiten oder Spazierengehen, wobei er in einen Überwurf von Leder oder Linnen eingehüllt am Ende der Bahn jedesmal in kleinen Sprüngen lief. »Wahrscheinlich nach Vorschrift der Ärzte, welche sehr pünktlich in der Bestimmung der verschiedenen Bewegungen waren, die sich für verschiedene Körperzustände schickten.« Zur geistigen Abspannung fischte er auch wohl mit der Angel oder spielte mit Würfeln oder mit Schnellkügelchen und Nüssen in Gesellschaft kleiner Sklavenknaben, an deren artigem Äußern und geschwätzigem Wesen er seine Freude hatte und die er deshalb von allen Weltgegenden her, besonders aus Syrien und Mauretanien, anschaffen ließ. Denn vor Zwergen und Verwachsenen, und was sonst dahin gehört, hatte er einen Abscheu Während sich die aristokratische Roheit seiner Zeit, wie noch heute die Fürsten Ostindiens, z. B. in Java, an solcher Umgebung ergötzte., weil sie ihm als Spottgeburten der Natur und von übler Vorbedeutung erschienen.

84. Die Beredsamkeit und die übrigen zur freien Bildung gehörenden Künste trieb er von früher Jugend an mit großem Eifer und höchstem Fleiße. Im Mutinensischen Kriege soll er, trotz der auf ihm lastenden Geschäfte, dennoch täglich gelesen, geschrieben und Redeübungen gehalten haben. In der Folgezeit sprach er weder im Senate, noch zum Volke oder zum Heere, ohne vorher die Rede meditiert und schriftlich ausgearbeitet zu haben, obschon ihm bei unvorhergesehenen Fällen die Fähigkeit, aus dem Stegreife zu reden, keineswegs mangelte. Um ferner nicht in den Fall zu kommen, einen Gedächtnisfehler zu begehen oder Zeit auf das Auswendiglernen zu verschwenden, machte er sichs zum Gesetz, alles abzulesen. Selbst Unterredungen mit einzelnen, ja sogar die wichtigeren mit seiner Gemahlin Livia, hielt er nach schriftlich in seinem Taschenbuche verzeichneten Notizen Natürlich schrieb er nur die Hauptpunkte, über die er reden wollte, oder die Erklärungen, Bescheide und Zusagen u. s. w., die er abgeben wollte, diese letzteren aber wörtlich, vorher nieder, damit ihm niemand dieselben verdrehen konnte., um nicht ohne solche Vorbereitung zu viel oder zu wenig zu sagen. Der Klang seiner Sprache war anmutig und von einem eigentümlichen Wohllaut des Organs, auch übte er dasselbe fleißig bei dem Stimmlehrer. Zuweilen jedoch, wenn er an Schwäche des Halses litt, ließ er seine Reden an das Volk durch einen Herold vortragen.

85. Er hat viele Schriften mannigfaltigen Inhalts in Prosa verfaßt, wovon er manches im engeren Kreise seiner Freunde, der ihm als Auditorium diente, vorlas, wie z. B. die » Gegenschrift wider Brutus über Cato«, bei deren Vorlesung er, als ihm nach Beendigung eines großen Teiles die Kraft ausging, den Tiberius für sich weiter lesen ließ; ferner » Ermunterungen zur Philosophie« und » Eigene Lebenserinnerungen«, die er in dreizehn Büchern, aber nicht weiter als bis zum Kantabrischen Kriege geführt hat. Über sämtliche Schriften Augusts handelt die Schrift von A. Weichert (1841). Seine Memoiren haben Sueton, Plutarch und Appian benutzt. Siehe Egger S. 18. In der Poesie machte er nur leichte Versuche. Es existiert von ihm ein Gedicht in nur einem Buche in Hexametern, dessen Inhalt und Titel » Sizilien« ist; desgleichen ein zweites von nicht größerem Umfange, » Epigramme«, die er meist im Bade zu entwerfen pflegte. Eine Tragödie (Ajax), die er mit großer Lebhaftigkeit begonnen hatte, vernichtete er, da ihm die Darstellung nicht gelingen wollte, und gab seinen Freunden, die sich erkundigten, » was der Ajax mache?« die Antwort: » Mein Ajax ist in den Schwamm gefallen.« Komische Anspielung auf den Ausgang der Ajaxtragödie, zufolge dessen der Held bekanntlich in sein Schwert fällt.

86. Im sprachlichen Ausdruck strebte er nach geschmackvoller Wahl der Worte und Einfachheit der Diktion und vermied alle gekünstelten Pointen und, wie er sich einmal ausdrückt, » den Modergeruch veralteter Wortformen«. Überhaupt verwandte er die höchste Sorgfalt darauf, den Gedanken möglichst klar auszudrücken. Zu dem Ende, und um den Leser und Hörer nirgends zu verwirren und aufzuhalten, wiederholte er unbedenklich die Präpositionen der mit solchen zusammengesetzten Zeitwörter sowie auch die Konjunktionen, deren Auslassung, obschon sie hier und da einige Dunkelheit verursacht, doch den Stil gefälliger macht. Gegen die modernen Puristen hatte er gleiche Abneigung, wie gegen die gesuchten Altertümler, und zog sie nicht selten durch, zumal seinen lieben Mäcen, über dessen »parfümiertes Dies Wort ist im Texte wieder griechisch. Stilgekräusel«, wie er sich ausdrückt, er sich in einem fort lustig macht und es durch parodierende Nachahmung verspottet. Aber auch den Tiberius schont er nicht, der zuweilen nach ungewöhnlichen und veralteten Ausdrücken hascht. Den Marcus Antonius schilt er gar einen Verrückten, weil sein Stil mehr die Verwunderung, als das Verständnis der Leser bezwecke. Dann fügt er in seinem Spotte über dessen schlechte und launenhafte Manier in der Wahl des stilistischen Ausdrucks hinzu: » Und du, du bist im Zweifel, ob du den Cimber Annius und den Verranius Flaccus Zwei altertümelnde Grammatiker. nachahmen und Worte brauchen sollst, die Gajus Sallustius aus Catos ›Anfängen‹ Über diese Schrift das alten Cato s. Mommsen I, S. 630 ff. sich excerpiert hat, oder ob du lieber den gedankenleeren Wortschwall der Redner der Asiatischen Schule bei uns einbürgern sollst!« In dem anderen Briefe, in welchem er die guten Anlagen seiner Enkelin Agrippina belobt, sagt er: » Doch hast du darauf zu achten, daß du dich schreibend oder redend nicht schwerfällig ausdrückst.«

87. In der Sprache des täglichen Verkehrs brauchte er, wie seine eigenhändigen Briefe bezeugen, gewisse Ausdrücke sehr oft und andere auf eigentümliche Weise. Dazu gehört, daß er sehr häufig, um auszudrücken, daß jemand niemals Zahlung leisten werde, die Phrase braucht: » derselbe werde an den griechischen Kalenden Kalendae, die römische Bezeichnung des ersten Monatstages, der zugleich der gewöhnliche Zahltag war, existierte in der griechischen Sprache nicht. bezahlen«. Die Ermahnung, die Dinge der Gegenwart zu nehmen, wie sie fallen, kleidet er in die Worte: » Seien wir zufrieden mit dem Cato, den wir haben!« Zum Ausdruck der Schnelligkeit einer eilig betriebenen Sache braucht er die Phrase: » Schneller als man Spargel kocht.« Für thöricht ( stultus) sagt er regelmäßig stockdumm ( baceolus), für schwarz ( pullus) schwarzfarbig ( pullejaceus), für verrückt ( cerritus) tollhausreif ( vacerrosus) Eigentlich »pfahlreif«, d. h. wie einer, den man an den Pfahl ( vacerra) binden muß.; ferner braucht er absein Wie abgestandener Wein, vappa. ( vapide se habere) für sich schlecht befinden, und embetiert sein ( betizare), was man in der gemeinen Volkssprache »verkohlt sein« heißt, für abgeschmackt sein Zum Verständnis der letzteren Ausdrücke dient, daß beta und lachanon Kohlarten sind, die ohne Würze sehr fade schmecken.; desgleichen sagt er wir seind ( simus) statt wir sind ( sumus) und domos als Genetivus Singularis für domus, und zwar finden sich diese beiden letzteren Worte nie anders, was ich bemerke, damit man nicht statt der Gewohnheit vielmehr einen Schreibfehler vermute. Ferner habe ich auch in seiner Handschrift unter anderem noch folgendes bemerkt: er bricht nämlich nicht die Wörter ab Jede Zeile schloß er also mit einem vollen Worte. Nach dieser Regel ist eine Ausgabe des Sueton (von Charles Patin, Basel 1671) gedruckt. und trägt auch nicht die am Ende einer Zeile überzähligen Buchstaben auf die nächste über, sondern setzt sie gleich an Ort und Stelle unter das Wort, zu dem sie gehören, und verbindet sie mit demselben durch einen Hakenzug. Z. B. so: statim subjicit circum-ducitque.

88. Mit der Orthographie, d. h. mit der von den Grammatikern eingeführten vorschriftsmäßigen Schreibweise, hat er es nicht sehr genau genommen, wie er denn vielmehr der Ansicht derjenigen gefolgt zu sein scheint, welche meinen: man müsse schreiben, wie man spreche. Daß er übrigens häufig nicht nur Buchstaben, sondern auch Silben verwechselt oder ausläßt, das sind Schreibfehler, die bei allen vorkommen, und ich würde diesen Umstand gar nicht anmerken, wenn ich nicht bei einigen Schriftstellern zu meiner Verwunderung die Nachricht fände: er habe einmal einem Legaten von konsularischem Range Der als Gouverneur einer Provinz vorstand., als einem unwissenden und ungebildeten Menschen, einen Amtsnachfolger gegeben, weil er in der Handschrift desselben ixi statt ipsi ( selpst statt selbst) geschrieben gefunden habe. So oft er in Chiffren schreibt, setzt er b für a, c für b und so weiter durch die folgenden Buchstaben des Alphabets; für x aber setzt er ein doppeltes a.

89. Nicht geringeren Fleiß (als auf die lateinische) verwandte er auf die griechische Sprache und Litteratur und auch hier mit bedeutendem Erfolge. Sein Lehrer im griechischen Stil und Ausdruck war Apollodorus von Pergamus, den er, obschon derselbe bereits hochbejahrt war, auch auf seiner Reise nach Apollonia Stadt in Illyrien, wohin ihn Cäsar kurz vor seiner Ermordung zu dem für den Krieg gegen die Parther zusammengezogenen Heere schickte. Siehe oben Kap. 10. als junger Mann von Rom mitgenommen hatte. Ferner gewann er einen großen Schatz vielseitigen Wissens durch das Zusammenleben mit dem Philosophen Areus und mit dessen Söhnen Dionysius und Nikanor, doch sprach er das Griechische nicht fließend und wagte auch nicht, selbständig in dieser Sprache etwas zu komponieren. War ein solcher Aufsatz nötig, so faßte er ihn lateinisch ab und ließ ihn von einem anderen übersetzen. Doch war er selbst in der poetischen Litteratur gar wohlbewandert und liebte sogar sehr die alte Komödie, deren Stücke er oft an öffentlichen Schauspieltagen aufführen ließ. Bei seiner Lektüre der Schriftsteller beider Sprachen richtete er sein Augenmerk vorzugsweise auf heilsame Beispiele und Lehren für das öffentliche wie das Privatleben, die er sich wörtlich auszog und häufig in seinen Briefen an seine Hausgenossen oder auch an die Befehlshaber der Heere und Provinzen oder an die Beamten der Hauptstadt einflocht, je nachdem jeder einer Mahnung zu bedürfen schien. Sogar ganze Schriften derart las er teils im Senat ab, teils wies er das Volk durch Edikte auf dieselben hin, wie zum Beispiel auf die Rede des Quintus Metellus » Über die Sorge für die Kindererzeugung« und auf die des Rutilius » Über das bei Hausbauten einzuhaltende Maß«, um es dem Volke desto überzeugender zu beweisen, daß diese beiden Gegenstände nicht von ihm zuerst ins Auge gefaßt, sondern bereits von den Vorfahren in sorgsame Überlegung gezogen worden seien. Die Talente seines Zeitalters förderte er auf jede Weise. Er war ein wohlwollender und geduldiger Zuhörer literarischer Vorlesungen, nicht nur wenn es Poesieen und Geschichtswerke, sondern auch wenn es Reden und Dialoge anzuhören gab. Doch konnte er es nicht dulden, daß über ihn selbst von Dichtern und Schriftstellern etwas geschrieben wurde, wenn es nicht die ersten ihrer Art waren; ja, er gab sogar den Prätoren die Weisung, seinen Namen nicht den poetischen und rhetorischen Wettkämpfen Über dergleichen Huldigungen des Schwulstes und der gemeinen Schmeichelei spricht auch Plinius der Jüngere in seinem Panegyrikus. Die Prätoren hatten zu solchen Darstellungen die Erlaubnis zu erteilen. Vgl. Egger a. a. O. S. 160 und weiter unten die Bemerkung zum Leben Caligulas 53. bei den öffentlichen Schauspielen preisgeben zu lassen.

90. Von seinem Verhältnis zu Gegenständen des Glaubens und Aberglaubens ist uns folgendes berichtet worden. Vor Donnern und Blitzen hatte er, seit er einmal, wie wir früher erzählt haben, bei einer nächtlichen Reise durch einen dicht bei ihm einschlagenden Blitz erschreckt worden war, eine übertriebene Angst. Er führte deshalb immer die Haut eines Seekalbes mit sich und verbarg sich bei jedem Anzeichen eines etwas stärkeren Gewitters sofort in einem tiefen unterirdischen Gewölbe.

91. Auf Träume achtete er sehr, sowohl auf seine eigenen, als auf die anderer von ihm. So verließ er bei Philippi, obschon er beschlossen hatte, eines Krankheitsanfalls wegen sein Zelt nicht zu verlassen, dasselbe dennoch, weil ihn der Traum eines Freundes Dieser Freund war Augusts Leibarzt Artorius. Vgl. Dio Cassius 47, 41 und daselbst die Erklärer. warnte; und es war zu seinem Glück, da das Lager vom Feinde genommen und seine Sänfte, in welcher man ihn krank liegend zurückgeblieben wähnte, von den stürmenden Feinden durchstoßen und zerrissen wurde. Er selbst hatte den ganzen Frühling hindurch immer sehr viele furchtbare, doch leere und ohne Bedeutung sich erweisende Traumgesichte, in der übrigen Zeit des Jahres wenigere, aber dafür öfter eintreffende. In der Zeit, wo er den von ihm geweihten Tempel des Donnernden Jupiter häufig besuchte, träumte ihm einmal, der Kapitolinische Jupiter beklage sich, daß ihm seine Verehrer entzogen würden, und er gebe darauf die Antwort: »der Donnerer sei ihm nur als Thorhüter beigegeben«. Und deshalb ließ er denn auch den Giebel des letzteren Tempels mit Glocken versehen, weil dergleichen gewöhnlich an den Hausthüren hingen. Ausführlicheres über diese Geschichte erzählt uns Dio Cassius 54, 4. Infolge eines solchen nächtlichen Traumgesichts pflegte er auch alljährlich an einem bestimmten Tage vom Volke Almosen zu erbetteln, indem er jedem Begegnenden die hohle Hand zur Aufnahme der ihm gespendeten Asse entgegenstreckte. Dio Cassius 54, 35 bezweifelt diese der Nemesis dargebrachte Huldigung ohne Grund.

92. An gewisse Vorbedeutungen und Wahrzeichen hatte er festen Glauben. Wenn man ihm morgens die Schuhe verkehrt, den linken statt des rechten, anzog, sah er darin eine sehr böse Vorbedeutung. Wenn an dem Morgen des Tages, an dem er zu Lande oder zur See eine weite Reise antrat, starker Tau gefallen war, galt es ihm für das fröhliche Wahrzeichen einer baldigen und glücklichen Rückkehr. Aber auch ungewöhnliche Naturerscheinungen machten einen sehr großen Eindruck auf ihn. Eine vor seinem Hause aus dem Steingefüge hervorgesproßte junge Palme versetzte er sofort in das Compluvium So, oder auch Impluvium und Cavädium, hieß der offene Raum in der Mitte des römischen Hauses, wohin das Regenwasser abströmte und der das Haus kühl erhielt. Hier war die Stelle der Penaten, d. h. der »Götter des sich selbst versorgenden Hausstandes«., wo die Hausgötter stehen, und trug alle mögliche Sorge für ihr Fortkommen. Als er erfuhr, daß auf der Insel Capri die schon welk zur Erde niederhängenden Zweige einer uralten Steineiche bei seiner Ankunft wieder neue Triebkraft gewonnen hätten, freute er sich darüber dermaßen, daß er diese Insel der neapolitanischen Stadtgemeinde abtauschte, indem er ihr dafür die Insel Änaria (Ischia) gab. Auch gewisse Tage beachtete er sorgfältig; so trat er am Tage nach den Nundinen nie eine Reise an und begann nichts irgend Wichtiges am Tage der Nonen, und zwar aus keinem anderen Grunde, als weil ihn, wie er an den Tiberius schreibt, der üble Klang des Namens davon abhielt. Nundinae hieß der neunte Tag oder der römische Wochenabschnitt, der den Wochenmarkt bezeichnet. Nonae hieß in den Monaten März, Mai, Juli und Oktober der siebente, in allen übrigen der fünfte Tag jedes Monats. Der abergläubische Anstoß, den Augustus nahm, beruhte darauf, daß die erste Silbe dieser Tagnamen so viel als »nicht« ( non) bedeutet.

93. Von fremden Religionsgebräuchen hielt er die alten und vor langer Zeit eingeführten in eben dem Maße heilig, als er alle übrigen verachtete. Er hatte sich zu Athen in die Mysterien einweihen lassen, und als er später einmal zu Rom in öffentlicher Gerichtssitzung über ein Privilegium der Priester der Attischen Ceres zu erkennen hatte und gewisse Geheimpunkte der Mysterien zur Sprache gebracht werden mußten, ließ er das Richterkollegium und die versammelten Zuhörer sich entfernen und verhörte die streitenden Parteien allein. Dagegen hielt er es, als er Ägypten bereiste, nicht der Mühe wert, einen kleinen Reiseumweg zu nehmen, um den Apis zu besuchen » Nur Götter pflege ich zu verehren, nicht Ochsen,« gab er zur Antwort, als man ihn dazu aufforderte. Dio Cassius 51, 16., und er belobte ausdrücklich seinen Enkel Gajus darüber, daß derselbe, als er bei Judäa vorbeizog, in Jerusalem nicht seine Andacht verrichtet habe.

94. Da ich einmal auf diese Dinge gekommen bin, wird es nicht unpassend sein, hier gleich diejenigen Vorbedeutungen anzufügen, die vor, bei und nach seiner Geburt auf seine künftige Größe und sein ununterbrochenes Glück deutlich hinwiesen. In seiner Vaterstadt Velletri war schon vor alters, als der Blitz einen Teil der Mauer traf Solche Blitze, welche das Rathaus, die Befestigungsmauer oder sonst eine wichtige Örtlichkeit einer freien Stadt trafen, hießen in der Kunstsprache der Auguren, welche dieselben zu deuten hatten, »Königliche Blitze«. Vgl. Seneca, Physikalische Untersuchungen II, 49; Plinius, Naturgeschichte XI, 54., daran die Weissagung geknüpft worden, ein Bürger dieser Stadt werde einst sich der höchsten Gewalt bemächtigen; und im Vertrauen auf diese Deutung hatten die Velletriner nicht nur sofort, sondern auch später zum öftern bis zur Gefährdung ihrer Existenz Krieg mit den Römern geführt. Erst spät gaben die Thatsachen den deutlichen Beweis, daß jenes Vorzeichen auf die Macht des Augustus hingedeutet habe. Julius Marathus bekundet, wenige Monate vor Augusts Geburt sei an einem öffentlichen Orte zu Rom ein Wunderzeichen geschehen, durch welches wiederholt verkündigt wurde, die Natur sei im Begriff, dem römischen Volke einen König zu gebären, worauf der erschreckte Senat den Beschluß gefaßt habe, kein in diesem Jahre geborenes Kind sollte auferzogen werden; aber die, deren Frauen schwanger waren, hätten, weil jeder von ihnen die Hoffnung auf die seine bezog, dafür zu sorgen gewußt, daß jener Senatsbeschluß nicht Gesetzeskraft erhalten habe. Im Texte steht: »nicht im Ärarium niedergelegt worden sei«, wodurch er erst Gesetzeskraft erhielt. S. Sueton, Cäsar 28. Das Ärarium war der Schatz und zugleich das Archiv, wo sich die Bücher befanden, in welche die Senatsbeschlüsse eingetragen werden mußten. In den griechisch geschriebenen »Theologischen Abhandlungen« des Asclepiades von Mendes lese ich: Atia habe sich um Mitternacht zu einem feierlichen Gottesdienste in den Tempel des Apoll begeben und sei dort in ihrer Sänfte, die anderen Frauen erwartend, ein wenig eingeschlafen. Da sei eine Schlange zu ihr in die Sänfte geschlüpft und habe sich bald darauf wieder entfernt, sie selbst aber habe sich beim Erwachen, in dem Gefühl, daß ihr Mann den Beischlaf mit ihr vollzogen, von demselben gereinigt, und sofort habe sich an ihrem Leibe ein Flecken gezeigt, der wie ein gewaltiger Drache gestaltet und nicht wegzubringen gewesen sei, sodaß sie sich fortan des Badens in öffentlichen Bädern enthalten habe; im zehnten Monate darauf habe sie den Augustus geboren, der deswegen für einen Sohn Apolls gegolten habe. Asclepiades von Mendes, einer Stadt im ägyptischen Nildelta, die durch ihren wüsten Götterkult berufen war ( Herodot II, 42). Von welcher Art seine »Bücher theologischer Abhandlungen« waren, sieht man aus der hier mitgeteilten Probe. – Atia, die Mutter Augusts, siehe Kap. 1. Zugleich träumte Atia kurz vor ihrer Niederkunft, daß ihre Eingeweide gen Himmel flögen und sich dort über den ganzen Umfang von Himmel und Erde ausbreiteten. Auch Augusts Vater, Octavius, träumte, daß aus dem Schoße der Atia der Strahlenglanz der aufgehenden Sonne sich erhebe. Am Tage seiner Geburt, wo gerade über die Verschwörung Catilinas in der Kurie verhandelt wurde und Octavius wegen der Niederkunft seiner Frau etwas zu spät in die Sitzung kam, steht es als eine allbekannte Thatsache fest, daß Nigidius Figulus Senator, großer Astronom und Astrolog, Freund des Cicero und sehr gelehrter Mann. Seine Prophezeiung erzählt ausführlicher Dio Cassius 45, 1., als er die Ursache der Verzögerung und zugleich die Stunde der Geburt selbst vernahm, den Ausspruch gethan hat, in dieser Stunde sei dem Erdkreise der Herr geboren. Die gleiche Versicherung erhielt Octavius später, als er bei seinem Heerzuge durch Thrakiens Öden in einem Haine des Liber pater das dortige thrakische Orakel über seinen Sohn befragte, von den Priestern, weil, als er den Wein über den Altar goß, eine Flamme aufschlug, die über das Tempeldach hinaus bis zum Himmel aufstieg: ein Wunderzeichen, das, wie die Priester sagten, ähnlich nur allein noch dem großen Alexander, als er an denselben Altären opferte, zuteil geworden sei. Der thrakische Liber pater ist der Bacchus-Sabazius, dessen Tempel auf dem Gebirge Zilmissus stand. Vgl. Macrobius, Saturnalien I, 18. Gleich in der darauf folgenden Nacht sah er denn auch seinen Sohn in übermenschlicher Größe mit Blitz und Scepter sowie mit den Prachtgewändern des Olympischen Jupiter und einer Strahlenkrone angethan, hoch thronend auf einem lorbeerbekränzten Wagen, den zweimal sechs glänzendweiße Rosse zogen. – Als ganz kleines Kind war er eines Morgens, wie in der Standrede des Gajus Drusus Die derselbe, wie Sueton weiterhin (Kap. 100) erzählt, dem verstorbenen Augustus hielt. zu lesen steht, nachdem ihn die Amme abends zuvor auf einem ganz ebenen Orte in die Wiege gelegt hatte, plötzlich verschwunden, bis man ihn endlich nach langem Suchen auf einem hohen Turme, der aufgehenden Sonne zugewendet, liegen fand. Als er zu sprechen begann, gebot er einmal den zufällig in seiner Nähe Lärm machenden Fröschen, sie sollten schweigen, und seitdem behauptet man, daß da noch jetzt die Frösche nicht quaken. Als er beim vierten Meilensteine der Kampanischen Heerstraße in einem Gehölz sein zweites Frühstück hielt, riß ihm unversehens ein Adler das Brot aus der Hand, schwang sich damit hoch in die Lüfte und gab es ihm dann, sanft niederschwebend, ebenso unvermutet wieder zurück. Als Quintus Catulus das Kapitol geweiht hatte, kamen ihm in den beiden nächsten Nächten folgende Träume: in der ersten, daß der Jupiter Optimus Maximus aus mehreren Knaben, die in der Nähe des Altars spielten, einen beiseite genommen und ihm das Bild der Göttin Roma So nach Dio Cassius 45, 2. Die früheren Übersetzer und Ausleger verstanden wunderlich genug die Worte signum reipublicae so, als habe der Kapitolinische Jupiter das »Staatssiegel« in der Hand gehalten., das er auf der Hand trug, in den Schoß gesteckt habe; in der zweiten Nacht dagegen sah er im Traum denselben Knaben auf dem Schoße des Kapitolinischen Jupiter sitzen, und als er die Tempeldiener ihn herunterziehen hieß, wehrte ihnen der Gott mit dem Bedeuten: der Knabe werde zum Heile des Staates erzogen. Am folgenden Tage begegnete ihm Augustus, den er übrigens nie gesehen hatte, auf der Straße, und mit großem Erstaunen sprach er bei seinem Anblick aus: er sei das leibhafte Abbild des Knaben, von dem er geträumt habe. Einige erzählen den ersten der beiden Träume des Catulus anders, nämlich so, als habe Jupiter mehreren Knaben, die ihn um einen Vormund baten, einen aus ihrer Mitte mit dem Finger bezeichnet, dem sie alle ihre Wünsche mitteilen sollten, und zugleich habe er das Gesicht desselben mit der Hand gestreichelt und einen Kuß darauf gedrückt. Als Marcus Cicero einmal den Julius Cäsar auf das Kapitol begleitete, erzählte er gelegentlich einigen Freunden, er habe in der vergangenen Nacht geträumt, ein Knabe von lieblicher Gestalt werde an einer goldenen Kette vom Himmel herabgelassen und trete vor das Portal des Kapitols hin, wo ihm dann der Jupiter eine Geißel gereicht habe. Mitten in dieser Erzählung erblickte er den August, der ihm, wie den meisten Anwesenden, noch unbekannt war und den sein Oheim Cäsar zu der Opferfeier hatte herbeikommen lassen; und so versicherte er, das sei derselbe Knabe, dessen Bild ihm während des Schlafes erschienen sei. – Als Augustus zum erstenmal die männliche Toga anlegte, fiel ihm die breitverbrämte Tunika, an welcher auf beiden Seiten die Hefteln aufgegangen waren, zu den Füßen nieder. Dies deuteten manche als ein Zeichen, daß der Stand, dessen Auszeichnung das genannte Kleidungsstück war Der Ritterstand., einmal unter seine Herrschaft kommen werde. Als der vergötterte Julius Cäsar bei Munda Munda, wo Cäsar (45 v. Chr.) die letzte Entscheidungsschlacht gegen die Söhne des Pompejus schlug, am Guadalquivir, in der spanischen Provinz Bätica. einen Wald niederhauen ließ, um das Lager aufzuschlagen, befahl er, einen im Walde gefundenen Palmbaum als gute Vorbedeutung des Sieges stehen zu lassen. Ein Schößling, der sofort aus dieser Palme hervortrieb, wuchs in wenigen Tagen zu solcher Höhe empor, daß er nicht nur dem Mutterstamme gleich kam, sondern denselben sogar überwucherte und eine Menge Tauben auf ihm ihre Nester bauten, obschon sonst dieser Vogel Bäume mit harten und rauhen Blättern vorzugsweise meidet. Die Tauben waren der Venus, der Stammutter des Julischen Geschlechts heilig. S. Virgil, Äneis VI, 190; I, 347. Durch dieses Vorzeichen hauptsächlich soll Cäsar bestimmt worden sein, keinen anderen, als den Enkel seiner Schwester, Octavius, zu seinem Nachfolger zu erwählen. – Während seines einsamen Aufenthaltes in Apollonia war er einmal in Begleitung des Agrippa auf die Sternwarte des Astrologen Theogenes gestiegen. Als nun hier dem Agrippa, der den Astrologen zuerst befragte, große und fast unglaubliche Dinge geweissagt wurden, so verschwieg er selbst hartnäckig seine Geburtsstunde und wollte sich nicht dazu verstehen, die Konstellation derselben anzugeben, aus Furcht und Scham, daß dieselbe minder bedeutungsvoll erfunden werden möchte. Kaum aber hatte er auf vieles Zureden endlich mit Not und zögernd beides angegeben, als Theogenes aufsprang und ihm verehrend zu Füßen fiel. Seitdem hatte Augustus so großes Vertrauen auf seinen Stern, daß er das Zeichen, in welchem er geboren war, öffentlich bekannt machte und eine silberne Münze mit dem Bilde des Steinbockes, unter welchem er geboren war, schlagen ließ.

95. Als er nach Cäsars Ermordung, von Apollonia zurückkehrend, in die Stadt einzog, zeigte sich plötzlich, bei reinem und hellem Himmel, ein Zirkelreif, wie ein Regenbogen gestaltet, um die Scheibe der Sonne, und unmittelbar darauf wurde das Grabdenkmal von Cäsars Tochter Julia durch einen Blitz getroffen. In seinem ersten Konsulate zeigten sich ihm, als er den Vogelflug beobachtete, zwölf Geier, wie dem Romulus; und beim Opfer erschienen die Lebern aller Opfertiere von unten her auf die innere Seite gedoppelt, was kein Kundiger anders deuten konnte, denn als ein Vorzeichen großer und glücklicher Erfolge.

96. Auch über den Ausgang aller Kriege hat er immer vorher gewisse Vorahnungen gehabt. Als die Triumvirn ihre Truppen bei Bononia vereinigt hatten, setzte sich ein Adler auf sein Zelt und richtete zwei Raben, die ihn von beiden Seiten angriffen, so übel zu, daß er sie zur Erde warf, was denn das ganze Heer auf den zwischen ihm und seinen Kollegen in der That später eingetretenen Zwiespalt bezog und auf dessen Ausgang zu deuten nicht ermangelte. Bei Philippi verkündete ihm ein Thessalier den bevorstehenden Sieg im Auftrage des vergötterten Cäsar, der ihm bei einer Wanderung durch eine öde Gegend erschienen sei. Bei Perusia wollte ihm das Opfer nicht von statten gehen, und er hatte eben Befehl gegeben, andere Opfertiere herbei zu bringen, als bei einem plötzlichen Ausfalle die Feinde alle Opfergeräte und Opfertiere wegnahmen. Sofort vereinigten sich alle Opferpriester in der Erklärung, daß nun die Gefahren und Unglücksfälle, welche ihm beim Opfern verkündet worden seien, samt und sonders auf diejenigen zurückfallen würden, welche jetzt die Opfer in Besitz hätten. Und genau so geschah es. Am Tage, ehe er die Seeschlacht bei Sicilien lieferte, schnellte sich, als er am Ufer spazieren ging, ein Fisch aus der See und blieb vor seinen Füßen liegen. Bei Actium, als er, von der Uferhöhe niedersteigend, sich zu seiner in Schlachtordnung gestellten Flotte begab, begegnete ihm ein Eseltreiber mit seinem Esel, von denen der Mensch Eutychus (d. h. Glückskind), das Tier Nikon (d. h. Sieger) hieß. Nach dem Siege stellte er das eherne Standbild von beiden in dem Tempel auf, welchen er auf der Stelle seines Lagers erbaute.

97. Auch sein Tod, von dem ich weiterhin reden werde, und seine Vergötterung nach dem Tode sind ihm durch die deutlichsten Vorzeichen verkündet worden. Als er auf dem Marsfelde vor zahlreich versammeltem Volke das fünfjährige Reinigungsopfer abhielt, flog ein Adler mehrmals um ihn herum und schwang sich dann auf den in der Nähe stehenden Tempel, woselbst er sich über dem Namen des Agrippa, und zwar über dem ersten Buchstaben desselben niedersetzte. Sobald Cäsar dies bemerkte, beauftragte er seinen Kollegen Tiberius mit dem Geschäft, die hergebrachten Gelübde für die nächstfolgende fünfjährige Periode auszusprechen, weil er, wie er sagte, obschon die Gelübde bereits fertig ausgeschrieben dalagen, kein Gelübde thun wolle, das er doch nicht mehr werde ausführen können. Um dieselbe Zeit wurde durch einen Blitzstrahl aus der Inschrift seines Standbildes der erste Buchstabe seines Namens weggeschmolzen. Die befragten Zeichendeuter gaben zur Antwort: »er werde nur noch hundert Tage leben, welche Zahl der Buchstabe C bedeutet,« und: »er werde unter die Götter aufgenommen werden«, weil Äsar, d. i. der Rest von dem Namen Cäsar, auf etruskisch so viel als »Gott« heiße. Da er nun den Tiberius, den er nach Illyricum zu senden im Begriff war, bis Benevent begleiten wollte und gewisse Leute mit immer neuen Prozessen, die er entscheiden mußte, ihn auf dem Richterstuhle festhielten, rief er aus (was später auch unter die Vorbedeutungen gerechnet wurde): » er wolle jetzt nicht mehr länger in Rom bleiben, und wenn auch alles sich vereinige, ihn aufzuhalten«. So trat er denn sofort die Reise an und kam den ersten Tag bis Astura. Einem kleinen Hafenstädtchen, wo der unglückliche Konradin 1268 gefangen genommen ward. S. Gregorovius, Figuren S. 226 ff. Als er von dort des günstigen Windes wegen gegen seine Gewohnheit sehr früh, noch vor Tagesanbruch, zu Schiffe abreiste, legte er, indem er sich den Durchfall zuzog, den Grund zu seiner Krankheit.

98. Nachdem er hierauf die Küsten von Kampanien und die nächsten Inseln besucht hatte, schenkte er auch seiner Lieblingsinsel Capri einen ruhigen Aufenthalt von vier Tagen, den er so recht in voller Mußestimmung und Heiterkeit der Seele genoß. Als er zufällig vor dem Busen von Puteoli vorbeifuhr, hatten Passagiere und Matrosen eines alexandrinischen Schiffes, welches eben erst eingelaufen war, in Festkleidern, bekränzt und Weihrauch opfernd, ihm alles mögliche Glück angewünscht und ihn mit Lobeserhebungen überhäuft, indem sie ihm laut zuriefen: » unter seinem Schutze lebten sie; unter seinem Schutze trieben sie ihre Schifffahrt; unter seinem Schutze genössen sie Freiheit und Wohlstand«. Dies machte ihm so viele Freude, daß er jedem seiner Reisegefährten vierzig Goldstücke Kaiserliche aurei, von denen jeder 21,75 Reichsmark galt. schenkte, aber sich dabei von jedem einzelnen zuschwören ließ, daß sie die empfangene Summe auf nichts anderes, als auf den Ankauf alexandrinischer Waren verwenden wollten. Auch an allen folgenden Tagen teilte er Geschenke verschiedener Art aus und obenein noch römische Togen und griechische Mäntel, indem er bestimmte, daß die Römer griechisch, die Griechen römisch sprechen und gekleidet gehen sollten. Auch war er ein fleißiger Zuschauer bei den gymnastischen Übungen der griechischen Ephebengenossenschaften, die noch zahlreich infolge der alten Stiftung Capri war zuerst von Griechen bevölkert worden. auf Capri vorhanden waren. Er gab denselben sogar einen Schmaus, dem er selbst zuschaute, und er erlaubte es nicht nur, sondern er forderte sogar, daß sie alle Freiheit der Späße, das Plündern des Obstes und anderer Eßwaren und der zum Werfen bestimmten Dinge in Anwendung brächten; mit einem Worte, er überließ sich jeder Art von Fröhlichkeit. Eine in der Nähe von Capri liegende Insel nannte er Apragopolis Stadt des Müßiggangs., wegen des müßigen Lebens, welches einige seines Gefolges dort führten. Er hatte früher die Gewohnheit gehabt, einen von seinen Lieblingen, Namens Masgabas, als wenn er der Stifter der Insel wäre, mit dem griechischen Namen Ktistes Ktistes. d. i. Stifter, Gründer, hieß der, der eine Stadt zuerst gründete oder eine Kolonie irgendwohin führte. zu benennen. Dieser Masgabas war ein Jahr zuvor gestorben, und als er nun von seinem Speisesaale aus sah, daß das Grab desselben von einer großen Fackeln tragenden Menschenmenge besucht wurde, deklamierte er laut folgenden aus dem Stegreif gemachten griechischen Vers:

» Des Stifters Grabmal seh ich hell vom Fackelglanz!«

worauf er sich zu dem ihm gegenübersitzenden Thrasyllus, einem Griechen aus dem Gefolge des Tiberius, der von der Sache nichts wußte, wendete und ihn fragte, aus welchem Dichter seiner Ansicht nach der Vers wohl sei? Da dieser es nicht anzugeben vermochte, fügte er sofort den zweiten hinzu:

» Du siehst, man ehrt den Masgabas mit Lichterschein!«

und fragte ihn auch nach dem Verfasser dieses Verses. Als nun der Gefragte nichts weiter erwiderte, als: »die Verse seien vortrefflich, möge auch der Verfasser sein, wer er wolle«, schlug, er ein helles Gelächter auf und erging sich in zahllosen Scherzreden. Bald darauf setzte er nach Neapel über, und obschon er noch immer an Schwäche der Eingeweide litt und die Krankheit bald ab-, bald zunahm, so wohnte er dennoch dem zu seiner Ehre gestifteten fünfjährigen gymnastischen Wettstreite bis zu Ende bei und reiste dann mit dem Tiberius weiter bis zu dem bestimmten Orte. Auf der Rückreise aber nahm die Krankheit sehr stark zu, und endlich mußte er in Nola Stadt in Kampanien, an der Straße zwischen Capua und Nuceria. liegen bleiben. Dorthin ließ er den Tiberius von seiner Reise zurückberufen und hatte eine lange geheime Unterredung mit ihm, worauf er denn auch sich mit keinem irgend wichtigeren Geschäfte mehr befaßte.

99. An seinem letzten Lebenstage erkundigte er sich wiederholt danach, ob über seinem Zustand sich bereits im Publikum Unruhe zeige; ließ sich einen Spiegel reichen, das Haupthaar kämmen und die niedersinkenden Kinnladen in Ordnung bringen. Darauf richtete er an die Freunde, welche er vor sich gelassen, die Frage, » ob sie nicht meinten, daß er das Schauspiel des Lebens Wörtlich: »den Mimus des Lebens«. Über die »Mimen« vgl. die Anmerkung zu Cäsar, Kap. 39. ganz artig gespielt habe?« und fügte dann auf griechisch die hergebrachte Schlußformel Die am Schlusse des Stücks einer der Schauspieler vortretend an das Publikum zu richten pflegte. hinzu:

Hat das Ganze euch gefallen, nun so klatschet unserm Spiel,
Und beginnt mit Freuden alle insgesamt den Beifallruf!

Darauf verabschiedete er alle Anwesenden, und während er die eben aus Rom Ankommenden nach dem Befinden der kranken Tochter des Drusus fragte, verschied er plötzlich in den Armen der Livia mit den Worten: » Livia, gedenke unserer glücklichen Ehe und lebe wohl!« leicht und schmerzlos, wie er immer gewünscht hatte. Denn so oft er früher vernahm, daß irgendwer schnell und ohne Schmerzen gestorben sei, pflegte er von den Göttern eine ähnliche »Euthanasie« Ein griechisches Wort, das sanftes Sterben bedeutet. für sich und die Seinen zu erbitten. Nur ein einziges Zeichen von Geistesabwesenheit gab er, ehe er den Geist verhauchte, indem er plötzlich erschreckt auffahrend klagte, daß er von vierzig Jünglingen fortgeschleppt werde. Auch das war indessen vielmehr eine Vorahnung als ein Irrereden; denn ebensoviel Soldaten seiner Leibwache waren es, die den Leichnam hinaustrugen.

100. Er starb in demselben Gemache, wo sein Vater Octavius gestorben war, unter dem Konsulate des Sextus Pompejus und des Sextus Appulejus, am 19. August in der neunten Tagesstunde, in einem Alter von sechsundsiebenzig Jahren weniger fünfunddreißig Tage. Die Leiche trugen die Dekurionen Titel der städtischen Magistratspersonen. der Municipal- und Koloniestädte von Nola bis nach Bovillä Ein Städtchen an der Appischen Straße, am Fuße des Albanergebirges, da, wo jetzt bei der Osteria delle Frattocchie die neue Straße mit der alten zusammenfällt. Es war von Rom aus die erste Station auf der Appischen Straße. Westphal, Campagna S. 19. und zwar der Jahreszeit wegen bei Nacht, während dieselbe tagsüber in der Basilika oder in dem Haupttempel einer jeden Stadt niedergelegt wurde. »Dies ist darum besonders merkwürdig, weil sonst die Leichen, die von einem Ort zum anderen getragen wurden, über Nacht nicht einmal innerhalb einer Stadt, geschweige in einem Tempel bleiben durften.« Bremi. Von Bovillä an übernahm der Ritterstand die Leiche und trug sie in die Stadt, woselbst sie im Vestibulum des Hauses niedergesetzt ward. Der Senat ging im Wetteifer für die prächtige Ausstattung des Leichenbegängnisses und für die Verherrlichung seines Andenkens so weit, daß unter vielem anderen manche darauf antrugen: der Leichenzug solle durch das Triumphthor Das Thor, durch welches die triumphierenden Feldherrn die Stadt betraten. ziehen, während das Bild der Viktoria, welches in der Kurie steht, ihm vorangehen und die Kinder beiderlei Geschlechts aus den vornehmsten Familien das Trauerlied singen sollten. Andere beantragten, am Begräbnistage die goldenen Ringe abzulegen und dafür eiserne anzuthun, einige, daß die Priester der obersten Kollegien die Gebeine aufsammeln sollten. Einer sprach sogar dafür, den Namen des Monates August auf den September zu übertragen, weil Augustus in dem letzteren geboren, in jenem gestorben sei; ein anderer schlug vor, den ganzen Zeitabschnitt vom Tage seiner Geburt bis zu seinem Ende das Augustische Zeitalter zu benennen und unter diesem Namen im Kalender zu verzeichnen. Doch ward letztlich Maß in den Ehrenbezeigungen beobachtet und ihm eine doppelte Lobrede gehalten, die eine von Tiberius vor dem Tempel des vergötterten Julius und die andere von der alten Rednerbühne des Forums herab von Drusus, dem Sohne Tibers. Senatoren trugen ihn auf ihren Schultern zum Marsfelde, wo die Verbrennung stattfand. Auch fehlte es nicht an einem Manne – er war von prätorischem Range –, der eidlich bezeugte, er habe die Gestalt des Verbrannten zum Himmel emporsteigen sehen. Seine Reste sammelten die Vornehmsten des Ritterstandes, in der bloßen Tunika, umgürtet und mit nackten Füßen, und setzten dieselben im Mausoleum bei. Diesen Bau Von dem man noch jetzt in der Via degli Pontefici zu Rom die Reste sieht. hatte er zwischen der Flaminischen Straße und dem Tiberufer in seinem sechsten Konsulate errichtet und die um denselben angelegten Lusthaine und Spaziergänge schon damals dem Genusse des Volkes geöffnet.

101. Sein Testament, welches er ein Jahr und vier Monate vor seinem Tode am dritten April unter dem Konsulate des Lucius Plancus und Gajus Silius gemacht und in zwei Abteilungen, teils eigenhändig, teils durch die Hand der Freigelassenen Polybius und Hilarion, geschrieben hatte, brachten die Vestalischen Jungfrauen, bei denen es niedergelegt war, nebst noch drei anderen in gleicher Weise versiegelten Schriftrollen zum Vorschein. Alle diese Schriftstücke wurden im Senat eröffnet und vorgelesen. Als erste Erben setzte er den Tiberius mit der Hälfte und einem Sechsteil und die Livia mit einem Dritteil ein, welche beide zugleich seinen Namen führen sollten Daher nennt Tacitus, den Tod der Livia erzählend, dieselbe Julia Augusta: Annalen V, 1., als zweiten Erben den Drusus, Tibers Sohn, mit einem Dritteil; mit den übrigen Teilen bedachte er den Germanicus und dessen drei Kinder männlichen Geschlechts, als Erben dritten Grades seine Verwandten und zahlreiche Freunde. Dem römischen Volke als Gesamtheit vermachte er vierzig Millionen Sesterzien [8 700 000 Reichsmark], den Tribus D. h. den städtischen Tribus, die lauter arme Plebejer enthielten. drei und eine halbe Million [761 250 Reichsmark], jedem Prätorianer tausend [217,5 Reichsmark], jedem Soldaten der städtischen Kohorten fünfhundert [108,75 Reichsmark] und jedem Legionssoldaten dreihundert Sesterzien [65,35 Reichsmark], welche Gesamtsumme er sofort bar auszuzahlen verordnete, wie er sie denn auch stets zu diesem Zwecke gesondert im Schatze vorrätig gehalten hatte. Die übrigen Legate waren mannigfacher Art, und einzelne stiegen auf zwanzigtausend Sesterzien [4350 Reichsmark]. Zu ihrer Auszahlung bestimmte er ein Jahr Frist, indem er sich mit der Geringfügigkeit seines Vermögens entschuldigte; auch bekannte er offen, daß auf seine Erben nur hundertundfünfzig Millionen kommen würden, obschon er im Laufe der letzten zwanzig Jahre vierzehnhundert Millionen durch die Vermächtnisse seiner Freunde empfangen habe; doch habe er fast diese ganze Summe nebst den beiden Erbschaften von väterlicher Seite und die übrigen Erbschaften auf den Staat verwendet. Man sieht, daß die Erbschaft des Augustus nur der antreten konnte, der ihm zugleich in der Herrschaft folgte; denn er vermachte weit mehr, als er hinterließ. Sein hinterlassenes Vermögen betrug nämlich nur etwa 28 000 000 Reichsmark. Über die Posten seines Testaments vergl. man Tacitus, Annalen I, 8. Die beiden Julien, seine Tochter und seine Enkelin, verbot er nach ihrem Tode in seinem Grabmale beizusetzen. Von den drei (oben erwähnten) Schriftstücken enthielt das eine Anordnungen über seine Bestattung, das zweite ein Verzeichnis seiner Thaten, welches in Erz gegraben und vor dem Mausoleum aufgestellt werden sollte, das dritte eine statistische Übersicht des Reiches, die Stärke der in den verschiedenen Provinzen befindlichen Truppenteile, die Summe des im Staatsschatze in den Kassen und an Zollausständen vorhandenen Geldes. Über diese von Augustus hinterlassenen Staatsschriften findet man die gründlichsten Aufschlüsse in der gekrönten Preisschrift von A. E. Egger ( Examen critique des historiens anciens de la vie et du règne d'Auguste, Paris 1844) S. 29-58. Die zweite derselben, die Verzeichnung der Thaten Augusts, ist uns teilweise durch die zu Ancyra entdeckte Inschrift ( Monumentum Ancyranum, s. Realencyklopädie V, S. 155) erhalten. Sie schließt mit den einfach erhabenen Worten: » Dies habe ich geschrieben im sechsundsiebenzigsten Jahre meines Alters Zugleich hatte er auch die Namen der Freigelassenen und Sklaven beigefügt, welche darüber Rechenschaft abzugeben hätten. Es sind die Geheimschreiber Augusts und Vorstände für die verschiedenen Verwaltungsabteilungen der Finanzverhältnisse gemeint.

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