Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Johannes Gillhoff >

Jürnjakob Swehn der Amerikafahrer

Johannes Gillhoff: Jürnjakob Swehn der Amerikafahrer - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
booktitleJürnjakob Swehn der Amerikafahrer
authorJohannes Gillhoff
year1999
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-20119-3
titleJürnjakob Swehn der Amerikafahrer
pages3-184
created20001007
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1917
Schließen

Navigation:

Indianergeschichten und Kinderbriefe

So, nu brennt de Piep wedder, un de Döns (Stube) ward blag, un Wieschen schellt, dat ick ehr de witten Gledinen gel smök. Wieschen, segg ick, du büst en Irrgeist. Wo kan dat woll angahn, dat de blag Rok ut min brun Piep din witten Gledinen gel farwt? Un sei seggt: Jürnjakob, seggt sei, wo is dat woll mäglich, dat unsern Buren sin swart Kauh von'n Roden-Söcken gräun Gras frett un doch witt Melk un gel Bodder gifft? – Und in de Käk lacht ok wat. Das is min Dirn, und sei seggt: Wo is dat mäglich, Vadding, dat de hellsten Blitze grad ut de düstersten Wulken kamen? – So, dor hadd ick min Deil. Lat sick man einer mit de Frugenslüd in! Siehe, das ist eine ganz andere Nation, die, wo lange Haare hat.

Einen Winter zurück, da haben mir deine Enkeljungs geschrieben, ich soll ihnen ein paar Indianergeschichten schicken. Ne, das tu ich nicht, denn die hab ich nicht und die kenn ich nicht. Ich hab die Zeitung und den Kalender, und dann noch Bibel, Gesangbuch und Katechismus. Da weiß ich Bescheid in, denn das ist Gottes Wort. Daraus kenn ich Kreter, Araber und andere faule Bäuche. Ich kenn auch Parther und Meder und Elamiter und Kappodozier und von den Enden der Libyen bei Kyrene und all so'n Volk, was sich schwer aussprechen läßt. Aber von den ollen Indianers ist da keiner mang in der Apostelgeschichte.

Und dann fragen sie, was ich hier dicht bei schon Indianers gesehen habe. Ne, hab ich auch nicht. Mit so'n Taters (Zigeuner) und Takelzeug geben wir uns hier nicht mehr ab. Die und das kleine Raubzeug sind lange schon zurückgedrängt. Wir sind hier lauter gute Plattdeutsche als wie bei uns zu Hause. Bloß noch ein paar Hochdeutsche, und dann Engländer. Als die vier Brüder Dubbe in den vierziger Jahren nach Minnesota zogen, da wohnten bei ihnen noch viele Eingeborene von roten Menschen, die auch eine andere Sprache in ihrem Munde führten, Aber sie haben sich gut mit ihnen vertragen.

Zwei Jahre zurück hab ich doch noch rote Leute gesehen. Ich war zu Besuch bei Heinrich Fründt in Minnesota. Du weißt ja, dem sein Vater hinter dem Bäukenberg mal mit deinem Heu umschmiß und das zweitemal auch man noch so eben in die Scheune kam, wo es gegen die Wand sackte. Dem sein Sohn ist es. Heinrich sein Jüngster hat hier auf den Pastor studiert und priestert nun nicht weit von seinem Vater in einem kleinen Town. Da wohnen noch Indianers nahebei. Da hab ich sie gesehen. Ihre Reservation liegt da man bloß sieben Meilen ab. Von Federn und Tomahawks und Skalps und all solchen Dingen, davon ist bei ihnen nichts zu sehen. Sie tragen sich ganz vernünftig wie andere Leute, und zum Eulenspiegel machen sie sich nicht. Bloß daß sie rot aussehen.

Ob sie gut reiten können, weiß ich auch nicht. Beim Festzug auf der Weltausstellung in Chicago waren ja auch viele Indianer mit bei. Aber siehe, diese Indianers waren lauter Weiße. Sie hatten sich bloß rot geschminkt und als Indianers angezogen. Und einer von den Rothäuten hieß mit seinem Namen Lehmbecker und war ein Mecklenburger aus der Teterower Gegend. Darum war er auch ein Weißer und hatte sich doch richtig zum Eulenspiegel gemacht. Das gleiche ich nicht. Die vier Skalps, die er mit sich führte, hatte ihm der Barbier gemacht. –

Was die richtigen und waschechten Indianers waren, die kamen meist mit Ponyfuhrwerk von ihren Camps nach dem Town. Die Ponys sind so getrachtet wie alle Ponys und für schwere Arbeit nicht zu brauchen. Für gewöhnlich laufen sie frei im Busch. Zur Arbeit werden sie eingefangen. Nachher läßt man sie wieder laufen. Im Winter stehen sie im Stall. Dann wächst ihnen ein richtiger Pelz von Haaren.

Aber sie haben einen großen Fehler. Das ist das Saufen. Ich bin kein Prohibitionist oder Temperenzmann, aber das Saufen gleiche ich nicht. Wenn ich nun abends vom Pastor aus dem Town zurückkam, dann lagen sie oft besoffen am Busch entlang auf der Road und stanken auf indianisch vor sich hin. Soviel Whisky hatten sie getrunken. Dann stand ich still, kuckte sie der Reihe nach an und sprach: Un ji willt mal Engels warden? Na, da wird der liebe Gott auch kein besonderes Wohlgefallen haben, wenn ihr versoffenes Tatervolk mal bei ihm ankommt. Mich soll bloß wundern, woans Petrus mit euch umspringt, wenn er euch rausschmeißen tut. – Aber sie gaben nicht Achtung auf meine Wörter. Sie stanken weiter vor sich hin.

Bis nach ihrer Reservation sind nur ein paar Meilen, und doch betteln sie gern um ein Nachtlager; aber keiner nimmt sie gern in sein Haus. Beim Pastor ist spät am Abend mal einer ganz voll und duhn ins Haus gekommen, wo er just auf Reisen war. So hat die Frau erst einen mächtigen Schreck gekriegt. Als sie damit aber fertig war, hat sie ihn rausgeschubbst und den Riegel vorgeschoben. Denn man sagt ihnen nach, daß sie gern mitnehmen, was ihnen nicht gehört, und daß sie aus Versehen mennigmal eine Scheune anstecken. Akkrat als bei uns die Taters. Und einer war da, der fand einmal ein Hufeisen, an dem zufällig noch ein Pferd steckte. Ich weiß aber nicht, ob das alles an dem ist. Frauensleute erschrecken sich manchmal schon, wenn ihnen auf dem Gartensteig ein Regenwurm in die Quere kommt.

Daß sie aber runtergekommen sind, das ist durch das Saufen geschehen, und daran sind die Weißen schuld. Die haben ihnen den Schnapsteufel in den Leib gejagt. Das ist nun verboten. Aber sie tun's doch. Sie machen das so: Da ist mal ein armer Hausierer mit einem großen Buckel zu ihnen gekommen. Der hat ihnen bunte Bänder, Nadeln, Ketten, Glasperlen und all so'n Funzelkram verkauft. Aber siehe, der Buckel ließ sich abschnallen, und inwendig war er hohl und voll Branntwein.

Und dann ist ein Mann mit einem Karussell zu ihnen gekommen und hat gute Geschäfte in der Reservation gemacht. Aber als es Abend ward, da haben sie alle rumgetorkelt. Das viele Karussellfahren hatte sie düsig (schwindlig) gemacht. Dann aber ist es rausgekommen, und siehe, ihre Düsigkeit hatte einen andern Grund. Das war der Branntwein. Dem Kerl seine Pferde und Schweine und Löwen sind inwendig auch hohl gewesen und lauter Branntwein drin. Unter dem Schwanz und unter dem Bauch ordentlich ein Hahn. Auch der Bretterboden, wo die Tiere auf standen, war inwendig hohl und voll Branntwein. Den Kerl haben sie endlich abgefaßt und eingesteckt; aber sein Karussell wurde zu Brennholz verarbeitet. Und das ist gut, denn die Weißen haben da gerade keinen Ruhm von, bei Gott nicht und bei den Menschen auch nicht. Sie sollten ihnen das Christentum bringen und sie zur Arbeit gewöhnen. Aber sie bringen ihnen den ärgsten Whisky, den es gibt. Sie sollten sie wieder hochbringen, und siehe, sie verderben sie. Die Roten gehen an den Weißen zugrunde. Sie werden von ihnen vergiftet.

Nein, das ist doch nicht richtig. Die Roten gehen auch zugrunde, weil sie nicht arbeiten. Das Land gehört immer dem Volk, das arbeitet. Das ist auf der ganzen Welt so und in den Staaten auch. Amerika kommt bloß durch Arbeit hoch, und die Roten arbeiten nicht. Die welchen haben sich in den letzten Jahren kleine, nette Häuser gebaut. Aber sie sind zu faul, sie einzurichten und reinzuhalten. Faul sind sie man einmal, und von Rechts wegen sollten sie alle nach Güstrow ins Landarbeitshaus. Auf der Farm ist die Sorte nicht zu gebrauchen. Nun arbeitet die Mission an ihnen und will sie zum Christentum bekehren. Unsre Pastoren sagen, dann werden sie auch arbeiten lernen. Sie wollen wieder gut machen, was der Schnaps an ihnen gesündigt hat. Ich glaube, sie kommen zu spät. Ich glaube, bis die rote Natur sich zum Christentum und zum Arbeiten bekehrt, ist sie in den Staaten schon ausgestorben.

Was sonst noch zu erzählen ist von den Indianern, das kann Berti dir und deinen Enkeljungs schreiben. Ich hatte ihr lange eine Reise versprochen. So nahm ich sie mit. Sie ist über Weihnacht bei Fründts geblieben.

 

Liebster Freund, ich will auch mal einen Brief über das große Wasser schwimmen lassen. Es ist der erste. Ich werde ihn ordentlich zubacken, daß da kein Wasser reinkommt. Wenn er versaufen tut, müssen Sie es mir schreiben, please. Ich war im Sommer mit Vater nach Muskatin. Da sahen meine Augen ein Dampfschiff. Ich tat auf ihm fahren. Das war schön. Wenn ich Zeit habe, fahre ich nach Deutschland und besuche dich. Du bist meinem Vater sein allerliebster Freund und meiner auch. Aber dem Pastor Fründt seine Frau ist meine allerliebste Freundin. Unser neuer Lehrer ist verheuratet. Seine Frau kann ich gern leiden. Ich lerne bei ihr häkeln. In der Schule kriegten wir auch einen Tannenbaum. Jetzt in der Kirche. Ich bin schon konfirmiert.

Vater liegt auf dem Sofa und raucht uns all die weißen Fenstergledinen gelb. Mutter liegt auf dem Schaukelstuhl und schilt. Aber er lacht sich bloß, denn er hat da weiter keinen Kummer von, und waschen tut er sie auch nicht. Sonst kann ich ihn gut leiden. Ich kann reiten. Das hab ich zwei Jahr zurück gelernt. Ich bin mit dem Pastor seiner Frau oft zu den Indianers in ihre Camps geritten. Ich war mit Vater zu Besuch bei Fründts. Wenn einer von deinen Enkeljungs Zeit hat, so kann er mal rüber kommen. Ich will ihn anbesehen. Sie müssen es ihm sagen. Vergiß es nicht. Wie tut er heißen? Wir können zusammen ausreiten. Vater sagt, ein Pferd braucht er nicht mit sich zu bringen.

Vater sagt, ich soll dir vom roten Mann schreiben. Ich sage: Ja, Vater. Am ersten Tag ging ich nach dem Town und holte mir einen Bleistift. Da fuhren gleich zwei echte Indianers an mir vorbei. In die deutsche Schule kommen ihre Kinder nicht. Sie tun bloß in die Regierungsschule gehen. Die Indianers sind gar nicht so schlimm. Vater mag sie bloß nicht, weil sie nicht arbeiten tun. Das kann Vater nicht leiden. Die kleinen Mädchen von den roten Menschen sind sehr schüchtern und ducken sich wie kleine Küken. Wir hatten diesen Sommer über hundert Stück. Aber die Knaben spielen gern Ball und treffen ihn gut. In der Schule sind sie ganz zutraulich. In der Kirche auch.

Aber bekehren lassen sie sich immer noch nicht. Der Pastor ist forsch darüber her. Seine Frau hilft ihm in der Indianermission; aber viele Bekehrte hat sie auch noch nicht aufzuweisen. Es kam ein Sonntag, und der Pastor war unterwegs. Da hat Hans die Glocken geläutet. Das ist ihr Bruder. Er hat blaue Augen und braunes Haar. Er studiert auch auf den Pastor. Als das fertig war, hat er geörgelt. Aber siehe, ich habe Wind gemacht und Frau Pastor gepredigt. Erst hat sie ihnen eine biblische Geschichte erzählt. Weißt du, Herr Lehrer, die von dem großen Ungestüm, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt war, und er schlief and so on. Dann hat sie ihnen die Geschichte so richtig klargemacht, und sie haben aufgemerkt. Als das geschehen war, hat Hans wieder geörgelt und ich Wind gemacht. Er kann gut örgeln. Er will auch noch Musik studieren. Er will mir Unterricht auf der Örgel geben. Das soll schön sein.

An dem Tage hat sich wieder keiner bekehrt. Das ist schade. Nun kann ich dir nicht schreiben, woans es dabei hergehen tut. Vater sagt, sie sind zu faul, sich zu bekehren. Aber Mutter sagt, das kommt noch. Das ist mit Gottes Wort so wie mit Vater seiner Arbeit. Wenn der Farmer gesät hat, dann kann er auch nicht gleich ernten. Das muß wohl so sein. Das kann ich gut verstehen. Nun kommt was anders. Das ist unsere Katz. Sie springt auf den Stuhl. Jetzt auf den Tisch. Jetzt nimmt sie die Pfote und strakt mir die Backe. Das kitzelt fein. Ich gehe langsam durch die Stube. Sie geht neben mir wie ein Hund, immer auf und ab. Katzen mögen nicht gern laufen. Das ist so ihre Natur. Sie heißt mit ihrem Namen little Pussy. Aber Vater sagt Mieß. Sie ist schwarz und weiß. Jetzt jage ich sie fort.

Ihre Frauen tragen das Haar lose und keinen Hut. Zum Rock brauchen sie 12-14 Yards. Sie tragen eine lose Jacke und ein großes Umschlagetuch. Weihnacht war ich bei ihrer Feier. Die Synode hatte 25 Dollars geschenkt. Aber die Farmer was für den Magen und zum Warmhalten. Pastors Frau hat eine ganze Rolle Kattun gekauft. Hans hat sie aus dem Store geholt. Ich bin mit ihm gegangen. Ich sage: Laß mich auch mal tragen. Er sagt: Nein, das schickt sich nicht für junge Damen. Damit meint er mich. Na, denn man zu.

Was der Pastor ist, der mußte zuschneiden und auch nähen. Sie saß dabei und sagte ihm, wie er nähen sollte. Das ging nicht nach der Mode, wie sie jetzt ist, sondern fünf Blatt in jedem Rock, daß man damit reiten kann. Dann haben wir Streifen aufgesetzt, sechs Stück und noch mehr. Geehrter Herr Lehrer, du kannst dir denken, da gab es lange an zu nähen.

Abends ist little Pussy spaßig. Vater sitzt und raucht und schreibt. Mutter und ich stopfen und flicken. Sie sitzt wie ein Präsident auf dem Tisch und guckt nach unsern Händen. Mit den Fingern, das geht ihr zu schnell. Sie steht leise auf. Sie kommt ran. Sie nimmt ihre Pfote und tippt auf meine Stricknadeln und auf Vater seinen Federhalter. Sie macht Falten auf der Stirn. Sie will sagen: Ihr lieben Leute, seid doch nicht so hastig. Das ist ja gar nicht auszuhalten. Seid man bloß ruhig. Das wird alles noch fertig zu seiner Zeit. Sprüche Salomonis, wie Vater sagt. Wenn sie das gesagt hat, dann geht sie wieder an ihren Platz. Dann legt Vater seine Feder hin und wir unsre Nadeln. Dann lachen wir uns ganz doll. Dabei verpusten wir uns von der Arbeit, denn beim Lachen kann man nicht arbeiten. Das ist fein eingerichtet. Aber sie bleibt immer ruhig und lacht sich nicht. Vater sagt, wo sie so ruhig ist, da kann mancher Wildfang von lernen. Damit meinte er mich. Er meint mich oft. –

Der Kattun war dunkelblau mit weißen Punkten. Darum setzten wir rote Streifen am Rock, Taille, Ärmel und Schultern. So sah es ganz freundlich aus und nicht so stumpf. Ich legte den Rock in Falten. So waren die Weihnachtskleider fertig. Lieber Freund, ich kann Ihnen noch mitteilen, daß sie auch Schuhe, Strümpfe, Haarbänder und Taschentücher gekriegt haben. Hans sagt, die Taschentücher haben sie drei Jahre zurück noch als Halstücher gebraucht. Jetzt zur Nase. Auch große Tücher zum Umbinden, wenn kaltes Wetter in der Reservation ist. Was hast du deinen Schulmädchen auf dies Jahr zu Weihnacht geschenkt?

Ihre Jungs kriegten Hosen, Hemden, Taschentücher, Halsbinden und Kämme, auch Nüsse und Candy. Bedanken aber tun sie sich nicht. Das ist ihre Gewohnheit aus alter Zeit, daß sie sich nie bedanken. Aber freuen taten sie sich doch. An ihren Augen habe ich das gesehen. Die waren ganz groß. Damit sahen sie uns freundlich an.

Höflich sind sie nun einmal. Viel höflicher als die Deutschen und die Engländer. Welche von ihnen verbeugen sich ganz fein, in der Kirche auch und unterwegs auf der Road. Hans sagt, da kann mancher Deutsche sich belernen. Immer rufen sie rüber: How do, das meint: How do you do? Wie geht es Ihnen? Das sagen sie hinten aber nicht als Frage, sondern als Gruß, als wenn wir Guten Tag sagen. Mal begegnete uns einer mitten im Busch. Der sprach uns französisch an, und Hans meinte, sein Französisch hätte ordentlich einen Schick gehabt.

Das ist aber wahr, daß sie oft duhn sind. Da hat Vater wieder mal recht. Darum ging ich abends nicht gern den Weg lang, der nach ihren Camps ging. Die andern Mädchen taten das auch nicht, weil da zu viele von ihnen den Weg lang am Busch lagen.

Draußen geht little Pussy auch immer neben mir. Sie tut als wie ein Hund. Vater sagt auch, sie ist bloß aus Versehen eine Katze geworden. Er sagt, sie muß von Rechts wegen Wasser oder Stromer heißen wie bei euch die Hunde. Zu Besuch kommt sie auch oft mit, und sonntags will sie gern mit nach der Kirche. So jage ich sie zurück. Einmal geschah ein Unglück. Einmal kam sie doch mit rein. Da geschah ein großes Halloh bei den jungen Leuten. Da stand sie hinter mir. Da sagte sie Miau. Sie sagte es mitten in der Kirche. Da hab ich mich bis in die graue Grund geschämt. Das ist noch ein mecklenburgisches Sprichwort von Vater. Die Kirchenältesten haben sie zuletzt rausgejagt. Vater hat nachher sehr gescholten. Ich sage: Das kommt nicht wieder vor. So haben wir uns wieder vertragen, und es ist nicht wieder vorgekommen. Aber geschämt hab ich mich acht Tage lang.

Ich kann auch all ein bißchen örgeln. Ich tu bei unserm Lehrer Stunde nehmen. Die Örgel steht in unserer Stube. Vater sagt, er will hier abends die Lieder hören, die er bei dir auf der Schulbank gesungen hat. – Siehe, den Dintklecks hat Vater gemacht. Vater drückt immer so doll auf die Feder. Dann spritzt es, und die Feder bricht ab. Das kommt oft vor, denn seine Faust ist so schwer und das Drücken mit dem Pflug so gewohnt.

Vater kann ich gut leiden, aber rasieren tut er sich bloß sonntags. Darum sind seine Backen in der Woche ganz kratzig, und sein Kinn ist am Sonnabend wie der Urwald. Vater ist so breit in den Schultern, die ganze Familie kann sich dahinter verstecken. Ich kann ihm noch immer unter dem Arm durchlaufen. Seine Hände sind inwendig wie Baumborke getrachtet, und wenn ich darauf langstrake, das ist auch kratzig. Er ist immer fröhlich und hat einen forschen Gang. Wenn er im Zug ist, dann muß ich laufen; sonst bleibe ich zurück. Aber im rechten Auge hat einen Rostfleck. Der geht wie ein Strich nach Südwest. Vater sagt, er hat mir den Rostfleck vererben wollen. Aber da wär ein Versehen passiert, und meine Augen wären ganz und gar verrostet. Hans sagt, meine Augen sind goldbraun um und um. Ich sage: That's nonsense, das meint Quatsch. Aber ich hab es ganz gern gehört. Manchmal sind sie wieder blau. Schreibe mir das nächstemal, woher das kommen tut. Vergiß es nicht.

Wenn Vater still sitzt und liest, dann komme ich ganz leise von hinten. Dann ziehe ich ihn am Bart. Dann schnappt er zu. Dann erschrecke ich. Dann springe ich zurück. Dann lachen wir uns beide. Dann macht er ein ernsthaftes Gesicht und sagt: Dirn, sagt er, kennst du das vierte Gebot? Ist das ein Sonntagnachmittagsvergnügen für die Tochter, daß sie ihren alten Vater am Bart durch die Stube zieht?

Eure alten Lieder mag Vater gern singen hören, aber vom Singen der Vögel hält er nicht viel. Als ich mal die Nachtigall lobte, meinte er: ja, wenn so eine Nachtigall bei Martini rum ihre 18 Pfund wiegt und Gickgack sagt, dann höre ich sie auch ganz gern. Vater gehört zu den Leuten, die lieber gut und viel essen, als daß sie hungern. Am letzten Sonntag hatten wir ein paar Hühner nach dem Rezept der Neger zubereitet. Wir machten das so. Mutter zerlegte die Hühner in Stücke, ich drehte sie in grobem Kornmehl um, und Cora warf ein Stück nach dem andern in das Fett, das auf dem Herde kochte. Fett und Mehl geben eine dichte Kruste; darunter geht nichts verloren von dem Saft. Mutter meinte auch, das Negerrezept sei besser als das deutsche. Aber Vater wischte sich den Mund und sprach: Ein Volk, das ein so verständiges Rezept macht, kann nicht das geringste sein unter allen Völkern auf Erden. Cora ist die Frau von meinem ältesten Bruder. Er hat viele Kranke, und sie ist mit ihrem kleinen Charly hier zu Besuch. Vater trägt ihn auf dem Arm. Das haben die beiden gern. Gestern trug er ihn auch auf dem Arm durch die Stube. Da stand er still. Da nahm er die Taschenuhr aus der linken Tasche und steckte sie in die rechte. Als das geschehen war, hob er den Zeigefinger in die Höhe und sprach zu dem Kleinen: My chicken! Daß du mir aber nicht wieder in die Westentasche zischst wie am letzten Sonntag, als meine Uhr stehenblieb! – Mit den Uhren nimmt Vater es sehr genau. Abends hängt er seine Taschenuhr gewöhnlich an den Haken. Von seinem Platz aus kann er sie dann schlecht sehen. Cora ihre Uhr hängt an einem andern Haken; die kann er gut sehen. Wenn er dann nach der Uhr sehen will, sieht er nicht auf Coras Uhr, die vor ihm hängt. Nein, dann dreht er sich so weit herum, bis er seine eigene Uhr sieht. Cora spricht: Warum tust du das, Vater? Er spricht: Mein Kind, ich will deine Uhr nicht abnutzen! Dabei sieht er sie ganz ernsthaft an. Ja, so ist er manchmal.

Mir ging es auch so mit ihm. Wenn ich was nicht verstehe in der Zeitung, dann frage ich ihn. Es geschah einmal, da klagten die Leute über unsere Eisenbahn, daß der letzte Wagen immer so doll rüttelt und klappert. Das stand in der Zeitung. Ich sage: Vater, was ist da zu machen, daß der letzte Wagen nicht so rüttelt und klappert? Weißt du ein Mittel? – Ja, sagt er, ich weiß ein Mittel. Die Leute sollen den letzten Wagen abhängen; dann rüttelt und klappert er nicht. – Was sagst du nun? Ja, so ist er manchmal.

Einen Winter zurück mußte er jeden Abend eine Tasse Tee von Leinsamen trinken, weil er sich verkühlt hatte. Er tat es nicht gern. Da paßte ich gut auf. Mit seinem Trinken war das so beschaffen: 1. Er ging immer rum um den Tee. 2. Ich hielt mein Taschentuch vor den Mund. 3. Er machte ein Gesicht wie die drei Tage Regenwetter im Märchen. 4. Ich hielt mein Taschentuch vor den Mund. 5. Er trank den Tee und kriegte den Schüttelfrost. 6. Ich prustete los; ich konnte mein Lachen nicht behalten. 7. Er nahm mich beim Zopf und lobte den Tee, er sprach: Du kannst jeden Abend eine Tasse Tee abbekommen; er tut dir auch gut. 8. Ich sprach: Nein, Vater, wenn ich dich so ansehe beim Teetrinken, das ist besser als eine Buddel Medizin. –

Vater sagt oft: Der Mensch muß Ordnung halten in seinem Leben. Den Spaß muß er hintun an spaßige Stellen, aber den Ernst an ernsthafte Stellen. Bei uns hat auch jeder Tag ernsthafte Stellen. Meist ist das abends bei der Andacht. Dann räumt Vater auf mit dem, was am Tage liegengeblieben ist. – Acht Tage zurück war der alte Reusch zu Besuch hier, und Mutter wollte Apfelmus kochen, aber ich und Cora hatten beim Schälen die meisten gleich aufgegessen. Mutter schalt: Das ist ein Unrecht, wo wir doch so wenig Äpfel haben. Aber wir haben darüber gelacht. Abends nahm Vater die Bibel und sprach: Wir lesen heut abend Sprüche Salomonis Kapitel 28. Er las eine Zeitlang. Dann sagte er: Nun kommt Vers 24. Das ist ein Spruch, den Kinder und junge Leute oft nicht zu Herzen nehmen. Sie müssen sich das Wort aber gut merken, daß sie ihr Leben danach machen. So las er den 24. Vers: Wer seinem Vater oder Mutter etwas nimmt und spricht, es sei nicht Sünde, der ist des Verderbens Geselle.

Ja, sagte Mutter, heut mittag die schönen Äpfel! Vater sagte nichts, aber er las den 24. Vers gleich noch einmal langsam vor. Ich und Cora wurden rot bis hinter die Ohren, als Vater uns strafte aus Gottes Wort. Dann las er weiter. Als das Kapitel fertig war, kuckte er uns der Reihe nach an. Dann fragte er mich: In welchem Kapitel steht der Spruch? Ich wußte es nicht mehr. Er fragte Cora. Sie wußte es auch nicht. Er sprach zu Reusch: Heut morgen hast du mir gesagt, ich habe eine feine Familie gereest; aber wenn man die jungen Leute nach der Schrift fragt, dann schweigen sie. Mutter sprach: Na, sie sind eben noch jung. Vater kuckte Mutter an: Weißt du es noch, welches Kapitel wir eben gelesen haben? Ja, antwortete sie, gib mir mal die Bibel her, dann will ich es dir sagen. Vater sprach: Zwischen Kleeschlag und Kornschlag geht eine schmale Grenze, und zwischen weltlichen und heiligen Dingen auch, Mutter. Aber Gott hat dem Menschen die Augen und den Verstand gegeben, daß er die Grenze sehen kann. Das sagte er ganz ruhig. Da waren wir alle drei still und schämten uns. Heut schäme ich mich nicht mehr, aber Sprüche Salomonis 28 und Vers 24 behalte ich jetzt.

Gott sei Dank. Nun ist der Brief fertig. Ich habe sieben Wochen daran geschrieben. Darum freue ich mich jetzt. Freust du dich auch? Du mußt es mir schreiben. Es grüßt dich deine allerliebste Freundin Berti.

 

Geehrter Freund! Ich will auch mal versuchen, einen Brief über das große Wasser zu schicken. Wie geht es dir? Mir geht es gut. Geehrter Freund, ich habe gehört, daß die Leute dort alle deutsch sprechen. Darum will ich deutsch schreiben. Aber im Englischen bin ich besser. Im Deutschen muß Vater mir helfen. Ich bin den ganzen Sommer in die deutsche Schule gegangen und hab auch Landkarte 3 × 4 Fuß von der ganzen Welt gelernt. Ihr wohnt auf dem Tiger seinem Rücken, denn Deutschland ist auf der Karte wie ein Tiger getrachtet. Aber euer Haus kann ich nicht sehen. Vater sagt, da liegt der Bänkenberg vor. Darum kann ich es nicht sehen.

Wir haben drei Sort Lesebücher. Das erste Buch, das zweite Buch, das dritte Buch. Ich bin im dritten Buch. In der deutschen Schule müssen wir den Katechismus tüchtig lernen. Viele Gesänge auch. Das ist hart. Die welchen müssen nachsitzen. Das ist auch hart. Oder was mit dem Stock. Solche sind immer faul. Aber wir haben viel Zeug an. So kommt es nicht durch. Erst ein paar Unterhemden. Dann einen Sweater. Dann ein paar Overalls. Dann einen Coat. Aber zuletzt kommt der Überzieher. Der wird in der Schule ausgezogen. Wo soll der Mann da durchkommen? Und manchmal ist es bloß ein Fräulein. Bloß im Sommer kommt er durch. Vater kommt immer durch. Ich muß mir dann erst das meiste ausziehen. Ich sage: Vater, das macht Umstände. Er sagt: Das macht nichts, ich habe so lange Zeit. Wenn er fertig ist, dann fühle ich schlecht. Ich sage zu mir: Was ist das Leben? Ich antworte zu mir: Lauter Sauerkraut! Nachher vertragen wir uns wieder.

Bei viel Maratz bleiben die Mädchen heim. Deine auch? Wir manchmal auch. Das tun wir gleichen. Wenn wir morgens zu spät kommen, that don't hurt. Diesen Winter besuche ich wieder die deutsche Schule. Nächsten Sommer bin ich wieder englisch. Englisch bin ich bloß mit der Zunge in der Schule; aber im Hemd bin ich deutsch. So sagt Vater. – Als ich klein war, wollte ich Millionär werden. Vater sagte: Das ist ein guter Posten. Zwei Dollars eignete ich schon. I said: Vater, was kriege ich zur Belohnung wenn die Million voll ist? Er sprach: Wenn die Million voll ist, dann sollst du mitgezählt werden, wenn mal wieder Volkszählung ist.

Dear friend, I can tell you, daß ich gern essen mag. Vater sagt: Das kommt davon, daß ich ein Mecklenburger bin. Ich sage: Das kommt davon, because I am always hungry. – Mittag essen tun wir in der Schule. Nach Hause ist zu weit. Wir nehmen unsre Kessel mit. Das waren mal Sirupdosen. Die Deckel sind unsere Bratpfannen. Die legen wir mit unsern Sandwiches und Wurst oder Speck auf den Schulofen. Der ist oben flach. Well, da tut es rösten. Aber unsre Teacher zieht mit der Nase. Das meint unsre Lehrerin. Vater sagt, der Geruch vom Ofen ist zu bunt für ihre Nase. I say: Das kommt daher, daß sie noch deutsch riecht mit der Nase. Eingemachtes nehmen wir auch mit. Mittags haben wir nur eine Stunde Zeit zu essen und zu spielen. Das ist zu wenig. Wenn ich erst Präsident bin, dann kommen andre Gesetze auf mit zwei Stunden zu essen und zu spielen.

Wir spielen Jäger und Hirsch, auch Wippwapp mit einem Brett. Das gibt einen schönen Ride, das meint einen schönen Ritt oder Fahrt. Auch Gefangennehmen. Aber wir laufen dem Policeman oft weg. Dann steht er mit einem langen Gesicht.

Im Winter schießen wir von der Fenz koppheister (kopfüber) in den Schnee. Auch nehmen wir unsern Kopf und bohren uns mit ihm durch die Schneeschanzen. Einer blieb stecken. Den haben wir an den Füßen wieder herausgezogen.

Die Mädchen spielen auch gern. Sie spielen: Mariechen saß auf einem Stein; Ziehet durch, ziehet durch, durch die goldne Brücke; Fuchs, du hast die Gans gestohlen and so on. Aber dafür sind es auch bloß Mädchen.

In der Schule spielen wir auch. Das darf die Teacher nicht merken. Sonst bekommt es uns schlecht. Mir ist es auch mal schlecht bekommen. Andre lassen Matches, das meint Streichhölzer, fallen und pedden mit dem Fuß drauf rum. Das hat fein gestunken. Aber see! sie hat es gemerkt. Mit ihrer Nase hat sie es gemerkt. Da war das auch vorbei. Im Herbst machten wir uns dann Musikdinger aus Gänsefedern. Aber das hat sie gemerkt mit den Ohren. Da war das auch vorbei. Geehrter Freund, alles geht schnell zu Ende, wo man eine schöne Freude an hat. Wenn ich erst Präsident bin, dann gebe ich eine andre Schulordnung. Die Gänsefedern muß sie dann auch wieder rausrücken.

Einmal kam ein Tag, da mußten wir viele Sätze aufschreiben. Bloß aus dem Kopf. Ein Mädchen schrieb: Das Huhn reicht mit beiden Füßen bis an die Erde. Da haben wir gelacht. Vater nachher auch. Ein Mädchen schrieb: Im März legen die Hasen Eier, und im August kommen sie raus. Da haben wir wieder gelacht. Hasen gibt es hier sehr viele. Vater will sie nach Sibirien wünschen. Aber see! Ich fange sie in der Falle.

Im letzten Sommer habe ich das Korn beinah allein bearbeitet. Auch haben wir uns einen Heuauflader gekauft. Er nimmt ein Schwad acht Fuß breit und wird hinter den Wagen gehakt. Ich stehe vorn auf dem Wagen und treibe die Pferde. Vater in der Mitte und schmeißt auseinander. Es kommt sehr dick rauf. Vater muß gewaltig schmeißen. Er fällt manchmal auf den Rücken. Dann halte ich still. Dann geht es mit Hurra nach Hause. In fünf Minuten ist es abgeladen. Die Tür oben am Giebel ist 7 × 10 Fuß. Aber manchmal ist der Forkvoll so groß, daß es nicht hinein will.

Letzten Sommer haben wir achtzig Fuder reingefahren. Die Türen laufen auf Rädern und werden zurückgeschoben. Wenn der Wagen leer ist, nehmen wir den Meß (Mist) gleich mit aufs Feld. Auf dem Hof verbrennt er bloß. Mit dem Meß machen wir das so: Durch den Stall läuft ein Drahtseil unter der Decke lang bis vor die Tür. An dem Seil hängt eine Karre an kleinen Rädern. Die laufen oben auf dem Seil. Ich lasse die Karre mit einem Hebel runter und schmeiße sie voll. Ich drücke auf den Hebel, und die Karre steigt wieder nach oben. Ich gebe ihr einen Stoß, und sie läuft am Seil bis vor die Tür, denn das Seil geht schräg abwärts nach draußen. Dort wird die Karre umgekippt, und der Meß fliegt gleich auf den Wagen. Wir haben eine große Farm mit vielen Abteilungen im Stall. Darum haben wir auch mehrere Seile und Wagen. Es ist eine richtige Schwebebahn im Stall. – Well, so machen wir das hier mit unserm Meß, denn wir sind praktische Leute.

Mähen kann ich gut. Zu Anfang ging es schlecht. Die Sense ging hin und her, und Vater sah mir zu. Er sprach: Dir geht es auch, wie Joab sprach: Das Schwert frißt bald diesen bald jenen. Dazu schüttelte er sich mit dem Kopf. Aber die Sense hat hier wenig Arbeit. Das Mähen besorgt die Maschine. –

John Williams ist ein Jahr älter als ich und einen Fuß länger. Aber see! ich schmeiße ihn runter. Dann fingert er mit den Beinen in der Luft rum. Dann schimpft er: Damned German! und stößt mit den Beinen nach mir. Einmal traf er mich hart. Da packte ich ihn bei seinen Hinterpfoten und muwte ihn auf dem Rücken über die Weizenstoppel. Ich sprach: Ich ziehe dich bis nach Chicago, wenn du noch einmal stößt. Da hat er bloß noch geblökt. Er hat Waden wie unser schwarzer Hammel. Meine sind dick und stramm. Vater sagt: Es ist gut, daß du ihn schmeißen tust.

Die Hälfte Schweine sind hier in Iowa klapiert an die Kolera. Wir haben noch keins, wo uns klapiert ist. Mit unsern Äpfeln haben ein Jahr zurück die Schweine aufgeräumt. Wir hatten so viele. In diesem Jahr kamen uns die Nachtfröste zu früh. Da sind uns die Äpfel an den Bäumen erfroren. Ein Nachbar hat 3000 Bushel Äpfel verloren. Wir haben uns drei Faß Grafbirnen schicken lassen aus Michigan, das Faß mit vier Bushel, den Bushel zu 65 Cents, und jedes Faß hat 1,47 Dollars Fracht gekostet. Es hat zehn Tage genommen bis hier. Aber sie sind gut angekommen.

Wir haben ein Telephon im Hause. Die Nachbarn auch. Das Telephon kann auch plattdeutsch sprechen. Vater hat ein Piano gekauft. Geehrter Freund, weißt du, was ein Piano ist? In Springfield wollten sie 450 Dollars dafür haben. Vater hat es in Chicago gekauft. Es ist dieselbe Nummer und kostet 375 Dollars mit Fracht. Ich soll darauf spielen lernen. Auf der Örgel soll ich auch spielen lernen. Es ist sehr hart. Sie kostet 85 Dollars. Mit der Maschine pflügen, säen und mähen, das tu ich lieber als auf den weißen und schwarzen Tasten rumklopfen. John schmeißen, das tu ich auch lieber. Ich habe eine Windbüchse, aber Hasen kann ich noch nicht treffen. Vor und hinter den Hasen ist zuviel Platz. Hühner treffe ich much better, sie sind nicht so fix. Wenn ich eins getroffen habe, dann schilt Mutter mit mir und kocht es.

I hope, du hast schon lange auf meinen Brief gewartet. I hope, mein Brief wird nicht naß über das große Wasser. Well, mein Brief ist sehr lang geworden. Ich habe vier Wochen daran geschrieben. I am your friend Hans.

 << Kapitel 9  Kapitel 11 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.