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Jungbrunnen

Rudolf Herzog: Jungbrunnen - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorRudolf Herzog
titleJungbrunnen
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
printrun51.-80. Auflage
year1919
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060809
projectid083bbaf3
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Zwei Menschen

Die kleine heitere Ebene, die sich am Strom ausgebreitet hatte, lag eingeschnürt von den Hügelketten des stillen Waldgebirges. Wohl hatte der blitzende Bach, der von den Höhen kam und zum Strome eilte, die Berge gespalten und ein schmales, tiefes Tal gerissen. Aber die kleine Stadt, die hochgegiebelt und schwarzgeschiefert die heitere Stromebene füllte, hatte nur ein paar ihrer Landhäuser als Vorposten in das Tälchen vorgeschoben und es bald aufgegeben, weiter hinanzuklimmen, da in dem Städtchen kein Mangel an guten und bequemen Wohnungen war und in seiner wohltuenden Abgeschiedenheit kaum mehr Menschen geboren wurden oder zuzogen, als hinaus ins heißere Leben drängten oder hinausgetragen wurden auf den pappelbestandenen Friedhof. So war das schmale Tal nur eine Art Notweg vom Gebirge zum Städtchen geblieben, wurde von der breiteren Fahrstraße, die aus den hochgelegenen Dörfern kam und oberhalb der Stadt mündete, in weitem Bogen umgangen und auch selten nur von Ausflüglern bevölkert, die, eine kleine Stunde vom Städtchen entfernt, in der Waldwildnis an einem weißen Gartenzaun vorbeiwanderten, ohne viel zu fragen, was sich dahinter verstecke.

Aber den Strom glitten die weißen Schiffe, an hellen Sonn- und Feiertagen von Menschen der Großstädte dicht besetzt, von bunten Wimpeln überflattert, von Musikklängen und dem Klingen der gefüllten Weinrömer umtönt. Jubelnde Lieder durchzogen die Luft und drangen durch das enge Tal bis zu den Wäldern und Höhen hinauf, und ein Brodem von Lebenslust drang hinterdrein, wenn ein Schiff am Landungssteg festgemacht hatte und sich die Menschenwoge in die ländlich geführten Gartenschenken ergoß, um für Stunden den draußen harrenden Werktag zu vergessen. Und noch einmal erzitterte die Luft von Jubelschrei und Lebensfreude, wenn am Abend die Schiffsglocke läutete, die der Sorgen ledig gewordenen Gäste lachend und singend an Bord drängten und hinter den Grüßen der letzten Schiffslaterne das Städtchen in seine Abgeschiedenheit zurücksank.

Dann stand wohl hoch droben in der Waldwildnis hinter dem weißen Gartenzaun ein großer, straffer Mann, lugte in das Stromgelände und horchte auf die rufenden, singenden, klingenden Töne, die mit den huschenden Schiffslichtern in dunkler Ferne zerflossen.

Wenn er sich umwandte, fiel sein Blick auf eine Mädchengestalt, die über den Gartenweg gekommen war. Sie trug das weiße Kleid einer Dienerin und hatte die erste Jugend wohl seit Jahren abgestreift, aber eine späte Jugend, eine letzte Süße war ihr geblieben, wie sie fein- und zartgegliederten Menschen eigen ist.

Das Mädchen stand und sah den Herrn an.

»Ich weiß schon, was du sagen willst, Charlotte. Spar es dir. Das bißchen Menschenfeuerwerk da unten – oder auch da draußen, soweit du willst –, ich hab' mein Teil gekriegt und bin nicht zu kurz gekommen. Was geht mich der Rest an? Sehe ich aus wie einer, der dem anderen den Knochen beneidet?«

Er faßte sie bei den Armen, zog sie einen Schritt vor und blickte ihr steil in die Augen.

»Mein altes Mädchen –«

Über sein hochmütiges Gesicht glitt ein weicher Schein. Seine Linke ließ ihren Arm los und streichelte ganz leise über ihr Haar, über ihre Wange. »Ich hab' mir ja noch genug erübrigt. Hab' meinen letzten Raub in die Einöde geschleppt, vor zehn Jahren, weißt du noch? Und der letzte war der beste.« Er lachte über sie hin.

»Ich hab' es Ihnen als Gunst abbetteln müssen – bei Ihnen bleiben zu dürfen –«

»Lauf, mein Mädchen. Ich komme. Du hast mich doch wohl zu Tisch rufen wollen.«

Die weiße Zierschürze leuchtete zwischen den dunkeln Stämmen auf. Die Schritte verhallten auf dem Gartenweg. Ruhig folgte der Herr.

Erst war es ein Obsthof, der sich in breitwüchsigen Hochstämmen, durchsetzt von langen Pyramidenreihen, Buschobst und Beerenobst, schachbrettförmig bis an den hohen weißen Gartenzaun des Talwegs zog. Hinter einer Stachelbeerhecke versteckt folgte der Gemüsegarten mit den Frühbeetfenstern. Wieder hob sich eine Hecke, aus übermannshohem, tiefgrünem Taxus geschnitten. Und nun erst breitete sich der Blumengarten aus, kunstvoll geordnet, daß ein immerblühender Flor ihn die wechselnden Jahreszeiten hindurch zu bedecken schien, und ein Laubengang aus Efeu und Rosen führte zu dem weißen Landhaus mit den grünen Fensterläden und Türen, mit der vom Weg aus um wenige Stufen erhöhten offenen Gartenhalle, und von der Diele leitete eine Stiege hinauf zu dem abgeplatteten Dach, gekrönt von einem heimlichen Luginsland. Alte Kastanien schirmten das Haus und entzogen es den Blicken aus der Höhe und aus der Tiefe. Wer den Talweg gewandert kam, sah nicht weiter als in den Obsthof hinein und ahnte hinter den Hecken nicht einmal den Blumengarten. Aber vom heimlichen Luginsland des Daches aus schweifte der Blick über die verschnittenen Kronen der alten Kastanienbäume unermeßlich weit ins Land hinein bis zu den schattenhaft fernen Türmen und Domen des reichen Lebens, und, wenn er sich wandte, weit hinein in das Wogenmeer der schweigenden Waldberge. Wer hier hauste, mußte das Leben lieben, wie es ein Überwinder liebt.

Der Herr war der Dienerin gefolgt, und als sie die Ampel in der offenen Gartenhalle entzündet hatte, trat er ein und ließ sich in dem breiten Korbsessel am weißgedeckten Tische nieder. Sie stand hinter ihm, schenkte ihm den Wein ein, rückte ihm mit leisen Bewegungen die Platten handgerecht, beugte sich oft um ein kleines vor und las aus großen Augen, auf deren Grund ein tiefes Glück zu schlummern schien, jeden Wunsch und Willen des Herrn.

Das Licht der Ampel fiel auf seine schlanke, breitschultrige Gestalt. Aber es fiel nicht minder auf das geradegehaltene Haupt und zeigte über den straffen Zügen das kurzgeschnittene, volle, aber schneeweiß gebleichte Haar. Nur der fadenweiche Schnurrbart und die Bogen der Brauen hatten das tiefe Blond aus Jugendjahren behalten, und wenn die stahlblauen Augen aufleuchteten in freudigem Blitzen, in Spottsucht oder lachender Munterkeit, war die Zeit vergessen, die das Haupthaar so weiß zu bleichen vermocht hatte.

Der Herr legte das Mundtuch hin und lehnte sich in seinen Korbsessel zurück.

«Ich danke dir, Charlotte.«

»Darf ich Ihnen einen Apfel bringen, frisch gepflückt?«

»Ja, Mädchen, nun sind die ersten auch schon wieder reif. Das bedeutet: wieder ein neuer Herbst. Bring mir nur den Apfel. Auch der Herbst hat seine Schönheiten, und seine Früchte sollen die Traurigkeit seines Namens nicht entgelten.«

»Nein,« sagte sie mit einem frohen Blick, »es paßt auch nicht zu Ihnen.«

»Was paßt nicht zu mir, du Schmeichlerin?«

»Daß Sie nicht den Herbst in seiner Schönheit nähmen wie den Frühling.«

»Plapperst du das nur daher, um mir etwas Vergnügliches zu sagen? Etwa nach der Weise: Jung gewohnt, alt getan? Oder willst du mir nur Mut auf den Herbst und, und – siehst du, da stolpere ich fast über das Wort – und auf den Winter machen?«

Sie räumte mit ihren leisen Bewegungen die Platten vom Tisch und schüttelte den Kopf.

»Der Winter traut sich nicht heran. Und wenn er käme. In Ihrer Nähe bleibt ja alles jung.«

«Ob das just die Absicht des lieben Gottes gewesen ist? Meiner ganzen – hm – Vorbildung nach? Na, lassen wir das. Im übrigen – alle Anerkennung. Du hast im Laufe der Jahre gelernt, wie aus einem Gedichtbuch zu sprechen.«

Sie tat ein paar schnellere Atemzüge. Und schon hatte sie sich und ihre Freudigkeit wieder.

»Es ist auch ein Gedicht, was ich seit Jahren und Jahren erlebe. Bitte, spotten Sie nicht.«

»Laß mir meinen Spott, und ich lass' dir deine Anspruchslosigkeit. Ach, mein liebes, törichtes Mädchen, du erlebst seit Jahren nichts und gar nichts als deinen einsiedlerisch gewordenen Herrn, der dem Leben aus dem Wege geht, weil er es genugsam kennengelernt hat. Oder das Leben ihn. Beide Auslegungen scheinen mir aber kein Übermaß an Stolz hervorrufen zu können.«

»Für mich! Ich spreche ja nur von mir. Ich bin so stolz geworden wie die erste Dame im Reich.«

»Meine kleine, bescheidene Bedienerin, schwärme nicht und hol mir den ersten Herbstapfel.«

Sie trug die Platten hinweg und brachte auf einem kristallenen Teller den weingelben Apfel, rückte den Rosenstrauß näher heran, schenkte das Glas voll und schichtete auf die Tischecke Zeitungen und Bücher. Sie sah ihm nach den Augen, und als sie keinen Wunsch mehr darin gewahrte, ging sie mit ihrem leichten, leisen Schritt ins Haus hinein.

Er blickte ihr nach, und der Hochmut wurde Güte und die Spottlust Dank in seinem Blick.

»Wie sie gereift ist«, dachte er, »edel gereift, wie ein Wein, der sich auch erst mit den Jahren entwickelt und nun eine Blume ausduftet, die er nie besessen hätte, wäre er bald nach der Kelter verschenkt worden. Was kann aus einem Menschen alles entwickelt werden, wenn man ihm Zeit gibt und ein wenig liebevolle Beachtung. Aber sie werden fast alle jung getrunken wie die spritzigen Weine, die Menschen von geheimen Entwicklungsgraden. Und ich eigne mich zum Weltweisen wie der Vortänzer, der sich das Bein gebrochen hat.«

Er zerlegte den Apfel, aß ihn langsam wie in Erinnerungen, die weit über Sein und Nichtsein des Mädchens hinausgingen, tat einen kühlenden Schluck aus dem Glase und griff nach den Zeitungen. Die politischen Angelegenheiten fesselten ihn am meisten. Oft murmelte er ein Wort, ein lobendes, ein launiges, ein beißendes. Dann warf er die Zeitung hin, wie man das Überflüssigste der Welt beiseite schiebt, lehnte sich tief zurück und blickte über die kräuselnden Wölkchen seiner Zigarre hinweg schweigend in den Herbstabend.

Gestalten kamen zu Besuch. Er rührte sich nicht. Worte drängten sich an sein Ohr wie singende, schwingende Melodien. Er horchte nicht hin. Er saß wie wesenlos und atmete.

Die Dienerin war in die Halle getreten. Sie brachte eine Decke und wollte sie ihm um die Knie legen. »Es wird schon kühl,« sagte sie.

»Es wird schon Herbst,« sagte er. »Laß nur, ich geh' bald zur Ruhe.« Und er stand auf und strich sich durch das dichte, weißgebleichte Haar. Und als er sie vor sich stehen sah in ihrer fein- und zartgliedrigen Körperlichkeit und der letzten, tiefen Süße ihres Mädchentums, nahm er sie schweigend in seine Arme und an sein Herz.

Es war, als ob das Wesen des versteckten Hauses von unsichtbaren Händen geleitet würde, so geräuschlos und unaufdringlich vollzog sich jede Arbeit. Zu allen Zeiten des Tages waren die Räume bereit, als ob eine Anzahl geschulter Dienstboten mit dem Kammerdiener an der Spitze die Hände rührten; und doch bestand die gesamte Dienerschaft aus der einzigen Charlotte und einer alten Tagelöhnerin, die im nächstgelegenen Dörfchen wohnte und mit dem ersten Hahnenschrei zur Arbeit bereitstand. Denn der Herr pflegte mit der Sonne aufzustehen. Wenn er sein Bad genommen hatte, trank er eine Tasse Tee, die er pünktlich zur Sekunde in der Vorhalle vorfand, machte einen Erfrischungsgang durch Garten und Obsthof und griff zur Baumschere, zum Veredelungsmesser oder zum Spaten. Um acht Uhr morgens unterbrach er seine Tätigkeit, um, von Charlotte unhörbar bedient, sein Frühstück einzunehmen. Und wieder nahm er die Arbeit in Garten und Obsthof auf, bis die Sonne heißer stach und er in sein Zimmer zurückkehrte, um sich umzukleiden. Dann lagen die Räume in spiegelnder Frische und wohltuendem Behagen, ein jedes Ding an seinem Platz, als wäre ein Schwarm von Wichtelmännchen hindurchgehuscht und hätte spielend für Ordnung gesorgt. Wenn der Herr dann in sein Wohn- und Arbeitszimmer trat, fand er die Zeitungen auf dem Tisch, die die Tagelöhnerin vom Postamt des Städtchens holte, wenn sie ihre Früheinkäufe machte. Und nun saß er bei gutem Wetter in der offenen Halle oder einer der kleinen Gartenlauben, lesend und rauchend, bei schlechtem Wetter an seinem Arbeitstisch, bis Zeitung und Zigarre beendet war und ein Marsch durch die Bergwälder angetreten wurde.

Um zwei Uhr nahm er seine einfache Mahlzeit. Und wieder stand Charlotte in ihrem weißen Dienerinnenkleid hinter seinem Stuhl wie am Morgen und am Abend, schenkte ihm ein, reichte die Platten, sorgte mit aufmerksamen Augen für jede Bequemlichkeit. Dann nickte er ihr zum Schlusse freundlich zu. »Ich danke dir, Charlotte.« Und ging in sein Schlafzimmer zur Mittagsruhe, bevor er zum Nachmittag seine stillen Wege im Garten oder einen neuen langsamen Spaziergang in der Umgebung aufnahm, sich zu seinen Büchern und Mappen gesellte oder an klaren und fernsichtigen Abenden auf dem heimlichen Luginsland des flachen Daches saß und nichts tat, als in die Ferne blicken, als blickte er in ein fernes Leben.

Wohin er aber trat in Haus und Besitz, es war, als ob ihm von unsichtbaren Händen ein Teppich vor den Füßen gebreitet wäre. Und er fragte nicht. Er schritt darüber hin mit der Ruhe und selbstverständlichen Gelassenheit hoher Herren, denen die ständige Sorge anderer um die Wohlfahrt des Gebieters ein Gewohnheitsrecht geworden ist.

Wie groß die Arbeitslast war, die auf den Schultern des Mädchens ruhte, wußte er nicht und hätte es auch nie aus ihrem Munde erfahren. Wenn er sie brauchte, war sie ungerufen zur Hand, wenn er sie nicht mehr brauchte, war sie schon verschwunden. Er hörte kein Singen, Summen und Lachen, das ihn hätte stören können. Aber wenn er glaubte, sie lebe nur in einem Pflanzendasein dahin, brauchte er nur bei ihrem Eintritt aufzuschauen, um die tiefe, innere Freude in ihren Augen zu gewahren.

Früher als die Tagelöhnerin, früher als der Herr war das Mädchen auf, hatte ihr Zimmerchen gerichtet und ordnete schon die Wohnräume des Herrn, wenn die alte Tagelöhnerin durch das Gartentor trat und in der Küche das Herdfeuer entzündete. Und während die Frau kräftig Dielen und Fußböden wusch, bereitete sie den Tee. War der Herr dann im Garten oder zur Winterszeit in seinem Arbeitszimmer eingekehrt und die Tagelöhnerin zum Einkauf ins Städtchen hinunter, so huschte sie hinauf ins Schlaf- und Badezimmer des Herrn, das kein fremder Fuß betrat als der ihre, und sorgte und schaffte, bis ein Blitzen und Blinken war. Las der Herr seine Zeitung oder hatte er seinen Bergmarsch angetreten, so ging es mit flinken Händen an die Mittagsküche, zu der ihr die Tagelöhnerin die Vorarbeiten lieferte, und zur Tischzeit hieß es gar, unbemerkt vom Herrn, in zweierlei Gestalt zu erscheinen, als Köchin die Speisen anzurichten und als Bedienerin hinter dem Stuhle des Herrn zu sein. Dann legte sie im Durchgang hastig ihre weiße Kleiderschürze an und ab und wieder an, denn der Herr hatte verfeinerte Sinne und liebte es nicht, Küchengerüche wahrzunehmen.

War im Hause nichts mehr zu schaffen, so galt es, das Gemüseland zu bestellen, das Obst zu pflegen und zu pflücken, die Blumen zu schneiden, und wenn auch die Tagelöhnerin die rauhesten und schwersten Arbeiten auf sich nahm, so trug Charlotte doch auch hierfür die Verantwortung, und ihre Gedanken hatten bei allem und jedem zu sein, zumal in der Einmachzeit. Zum Abend aber stand sie mit frischgeflochtenem Haar und in frischem Kleide, wie der Herr es an ihr liebte, hinter seinem Stuhl, denn am Abend pflegte er sich oft mit ihr zu unterhalten, wenn die Tagelöhnerin gegangen war und alle Stimmen des Tages schwiegen.

»Heute hab' ich einen neuen Berggipfel besucht, Charlotte.«

»Es muß schön dort oben gewesen sein.«

»Schön? Ernsthaft, mein Kind, er war wie die anderen. Aber einen Vorzug hatte er doch.«

»Ich weiß es ja,« sagte sie fröhlich, »daß Sie immer noch mehr an den Dingen sehen als andere Menschen.«

»Richtig. Aber nun möchtest du wohl auch noch wissen, worin sein Vorzug gegenüber den anderen Berggipfeln bestand? Neige dein Ohr, mein Mädchen. Also –: es war – der letzte. Oder doch fast der letzte, den ich in dieser schönen Gegend noch nicht kannte. Und nun habe ich bald nichts mehr dort zu suchen.«

»Es bleibt noch das Städtchen,« wehrte sie seiner Stimmung.

»Das – Städtchen?« Er lehnte sich mit einem Ruck in seinen Sessel. »Suchst du Streit mit mir? Möchtest du mich in Schlapphut, Lodenmantel, Gummischuhen und Regenschirm zum Abendschoppen schleichen sehen? Bist du so entartet, daß du mir eine solche Entartung wünschest? Vielleicht noch einen Männerskat dazu und hitzige Reden über die politischen und künstlerischen Ereignisse von vorvorgestern. Und zu Kaisers Geburtstag ein Spanferkelessen in weißgewaschenen Benzinhandschuhen? Oder gleitet dein leichter Sinn gar bis zu den Töchtern des Landes hinterm Fensterladen oder dem Kaffeekuchen, die nicht wissen, ob sie lieber vor Erröten oder vor Langweile sterben sollen? Du lachst? Es ist dein Glück, Charlotte.«

»So meinte ich es ja mit dem Städtchen nicht.«

»Das Städtchen! Das Städtchen und ich! Sehr lustig, in der Tat. Ich bin zwar alt geworden und etwas abständig. Aber so abständig bin ich doch noch nicht geworden, daß ich den Geschmack verloren hätte. Ob Städtchen, ob seine Bewohner. Wer ein Leben hindurch Weine der edelsten Auslese getrunken hat, greift nicht nach dem Dünnbier, und wenn der Henker in Person dahinter stände und forderte: ›Du trinkst.‹« »Ich habe wohl etwas sehr Dummes gesagt.« Und er vernahm ihr schnelles Atemholen. Er nahm ihre Hand und klopfte sie.

»Du hast nichts Dummes gesagt. Es war nur mein Entsetzen, du könntest es. Aber du kannst es nicht. Dich allein nehm' ich aus. Und du genügst mir, verstehst du das? Sonst könnte ich mir ja das Haus mit einer Schar von Gästen bevölkern und zu jedem Gast einen Bedienten. Das wäre! Augen, die in mir herumwühlen. Neugier, die billig auf ihre Kosten zu kommen glaubt, und eine falsche Grimasse des Mitgefühls oder eine noch ekelhaftere der Bewunderung. Nein, mein Mädchen, so übermäßig laut ich gelebt habe, so ruhig und schweigsam gedenke ich einmal von dannen zu gehen. Aber nicht mit dem falschen Gold zusammengelaufener Gäste in der Hand, sondern in der Hand den letzten, allerletzten Edelstein einer Fürstenkrone, dessen Echtheit nur der Kenner kennt: dich, mein Mädchen.«

Da beugte sie sich aufschluchzend über seine Hände und küßte sie.

*

Der Laubwald verzehrte sich in seinem eigenen Feuer. Die roten Blätter sanken seufzend in sich zusammen, knisterten über den Waldboden hin und warteten auf ihre Auflösung. Schwarz und kahl streckten die Bäume ihr Geäst in den Himmel, und vom Tal aus konnte man durch das Geäst die Wolken ziehen sehen wie durch ein sparriges Gatter.

Sonst hatte der Spätherbst nicht vermocht, den Herrn von seinen Tageswanderungen im Waldgebirge abzuhalten. Jahre hindurch war ihm der Gedanke an Wetter und Jahreszeit überhaupt nicht gekommen. Der Gedanke, allein durch das weite Gebiet zu schreiten, hatte alle anderen beherrscht und niedergehalten. In diesem Jahre war es anders. Was er in halbem Scherz zu dem Mädchen gesagt hatte, das Wort von dem letzten Berggipfel, dem er nun auch seinen Besuch abgestattet habe, es arbeitete in einem ihm selbst unerklärlichen Ernst weiter in ihm. Und je rauher und grauer die Vorwinterstimmung auf dem Gebirge lastete, je mehr trieb es ihn, den Wald zu verlassen und sich dem Strome zuzukehren.

Der wälzte seine mächtigen Wogen Tag und Nacht in breiter Gelassenheit dem Meere zu, trug die weißen Schiffe der Freude und die dunkeln Schleppkähne der Arbeit, kräuselte kaum die Stirn, wenn der Regen darauf peitschte oder ein Schnee- und Schloßenwetter darüber hinfuhr, und trieb im ewigen Gleichmaß seine Wogen dem Meere zu und mit den Wogen Glück name="page 233" title="HannoS/JoergZiegfeld" id="page233">und Leid der Menschenfahrzeuge. Seit Jahrtausenden. So winzig war Menschenglück und -leid, daß ein paar Wogenschläge es von hinnen schaffen konnten.

Wenn der Herr jetzt sein Haus verließ, wanderte er oft durch das schmale Tal bergab und mußte die vorgeschobene Straße des Städtchens queren, um zum Strome zu gelangen. Es war ihm lästig, tagaus, tagein ein paar Dutzend Menschen zu begegnen, die er nicht kannte und die dennoch den Hut vor ihm zogen und zum Gruße seinen Namen nannten. »Guten Tag, Herr von Wallers.« »Schönen guten Abend, Herr von Wallers.« Erst hatte er sich erstaunt umgeblickt, ob der Gruß ihm wirklich gelte und der Name, den er kaum noch wußte. Dann war er mit seinem zusammengefaßten Gesicht und den hochmütigen Augen die Straße geschritten und hatte nur kurz die Hand an den Hutrand gehoben. Nun machten die Leute schon achtungsvoll Platz, wenn er mit ruhig ausgreifendem Schritt die Straße entlang kam, grüßten, ohne einen Gegengruß zu erwarten, und raunten sich ihre Bemerkungen zu.

»Lebt der immer noch? Was treibt er eigentlich?«

«Als Rentner lebt er. Wohl als Fünfgroschenrentner. Wird wohl nicht langen zum Verkehr in der Stadt.«

»Weshalb grüßt ihr denn so untertänig, ihr Dummköpfe?«

Das wußten sie nicht. Aber wenn seine Gestalt wieder auftauchte, schlank, breitschultrig und straff, mit dem schmalen, herausgearbeiteten Kopf, dem schlohweißen Haar und den jungblitzenden Augen, rissen auch die Fragesteller Hüte und Mützen herunter und hielten schon den kurzen Gegengruß für eine Ehre.

»Der war mal höherer Offizier, Nachbar. Teufel, die Augen.«

»Oder ein höherer Diplomat. Da liest man nichts in dem Gesicht, was er nicht will.«

Er war ein »Höherer«. Das stand fest in der Ansicht des Städtchens, wenn auch die Bücher des Rathauses nichts anderes ergaben als: Friedrich von Wallers, Rentner. Letzter Aufenthaltsort: Madeira. Und es war zehn Jahre her, daß er sich dort oben angekauft hatte und als vornehmer Sonderling lebte. Zehn Jahre. Und nicht zehnmal hatte man ihn gesehen.

Nun kannte er auch den Strand. Es war die kleine, heitere Stromebene, die von den Bergzügen zur Linken und zur Rechten eingeschnürt war.

»Es ist immer dasselbe,« sagte er nach kurzer Weile zu dem aufwartenden Mädchen. »Irgendwo läuft man immer mit dem Kopf gegen die Wand. Wir Menschen sind ins Leben hineingefangene Tiere und möchten Götter darstellen.«

»Wir können es auch,« sagte sie hinter ihm.

Er fuhr nach ihr herum. Und als er ihre Augen sah, verstand er.

»Mädchen, Mädchen, wer hat dich die göttliche Größe deiner Bescheidenheit gelehrt ...«

»Es ist keine Bescheidenheit. Es ist Stolz.«

»Stolz, in der Bescheidenheit Größe zu bewahren. Es ist der echte.«

»Was ich bin und geworden bin, habe ich Ihnen nur abgeschaut,« sagte sie hastig.

»Närrchen. Wir beiden Einsiedler. Da gibt der eine dem anderen.«

Niemals kam ein Besucher, niemals ein Gast. Es war, als ob es zwischen dem versteckten Haus und der ganzen weiten Welt keinerlei Verbindungen gäbe, als ob der Herr und seine Dienerin mit keinem Menschen der Erde durch Verwandtschaft oder Freundschaft verbunden wären. Nur weil sie allein für den Herrn zu sorgen hatte, war es dem Mädchen möglich, ihre ganze Kraft an diese einzige Aufgabe zu setzen und das kleine, stille Hauswesen wie ein Uhrwerk nach ihm zu richten. Selbst der Arzt war noch niemals über diese Schwelle geschritten. Der Herr wünschte keine Zuschauer, am wenigsten an Tagen, die ihm selber zuwider waren wie ein Schmutz am Körper. Dann hatte das Mädchen härteste Zeit. Aber es liebte sie als seine schönste.

»Ein weidwund Tier ist so verständig, sich zu verkriechen. Nur das gefallsüchtige Menschtier muß selbst mit seinen Krankheiten noch schöntun, um durch sein widerliches Klagegestöhn das ebenso widerliche Mitleidsecho zu erwecken und sich als Mittelpunkt der Schwingungslinie wichtig vorzukommen. Ich bin ein Höhlentier, Gattung Raubtier meinethalben, als ich noch jünger und dümmer war. Und um dieser edlen Eigenschaft willen mußt du mir eines versprechen, meine kleine, stolze Charlotte. Hand darauf. Keinen Arzt ins Haus! Keinerlei Barmherzigkeit, in welcher Gestalt auch! Ich habe mich auf das Leben verstanden, das so lange währte, und werde mich auch auf das Sterben verstehen, das nur einen Augenblick währt. Dich allein will ich.«

Sie gab dem Herrn die Hand darauf. In ihren Augen war ein Leuchten.

Er gewahrte es und lachte sie an.

»Siehst du,« schloß er, »ich bin es dir doch schuldig, daß ich auch dir einmal gehorchen muß. Und das lern' ich in gesunden Tagen doch nie. Tränen? Lachen und Weinen? Komm doch einmal her, mein Mädchen.« –

Oben auf dem geheimen Luginsland saß der Herr, in seinen Mantel gehüllt, und blickte stundenlang in den kristallklaren Tag, der die Weite in greifbare Nähe rückte, nach den fernab am Stromlauf gelegenen großen Städten des reichen Lebens mit ihren Türmen und Domen. So klar hatte er sie noch nie in seiner Einsamkeit gesehen, so nahe waren sie ihm noch nie gekommen.

Und während er das Bild in sich aufnahm, kamen ihm alte Berichte in den Sinn. Daß die Jugend denen am nächsten rücke, die dem Abschied vom Alter am nächsten stünden. Das reiche Leben aber, das war seine Jugend. Wie klar und nahe die Bilder rückten. Staunend und wie in stiller Gier starrte er auf sie hin. Also stand er auch wohl dem Abschied am nächsten. Denn er war alt geworden in diesem Winter ... Und am nächsten Tage saß er wieder auf dem versteckten Luginsland, und seine Augen sogen die Bilder näher und näher heran, und seine Augen waren das Befehlen gewohnt. Und als er am übernächsten Tag hinaufgestiegen kam, war Nähe und Ferne verschwunden im wirbelnden Schnee, der alles gleichmäßig und unbestechlich überspann und überspann.

Mit heiterem Gesicht kehrte er zurück ins Haus und lehnte den Rücken, was er nie getan, gegen den wärmenden Kamin. »Ja, ja, Charlotte, du staunst mich an. Wir werden alt, mein Kind.«

»Wir werden nicht alt,« sagte sie rasch. «Nein und nie.«

»Du möchtest es nicht?«

»Ich darf nicht alt werden.«

»So, so, du darfst nicht. Hab darum keine Angst, mein Mädchen. Meine Liebe sieht und sucht mit anderen Augen als in Jugendjahren. Sie sucht und sieht – die Treue.«

Und das Mädchen stand wortlos und still und blickte auf den Herrn. –

Und dann saßen sie eingeschneit in ihrem Haus und ihren Gärten, und das schneebedeckte Dach lag unsichtbar zwischen den schneebedeckten Wipfeln der alten Kastanienbäume. Ein weißer Winter wie dieser war in all den zehn Jahren nicht gewesen. Selbst die Tagelöhnerin kam erst am hohen Vormittag und ging bei zeitigem Licht, denn der Schnee fiel immer noch und deckte die schmalen Wege stetig wieder zu, die tagsüber in den Schnee gestapft worden waren. Einmal nur in der Woche wurde ins Städtchen geschickt, um die notwendigen Einkäufe zu bewirken, und nur an diesem einen Tage wurden an der Post die eingelaufenen Zeitungen abgefordert, denn der Herr wollte nicht, daß der paar Fetzen bedruckten Papiers halber die Besorgerin in dem zugewehten Talweg täglich ihre Knochen aufs Spiel setzte.

»Seitdem ich keine Zeitungen mehr lese, Charlotte, fühle ich mich erst ganz und gar als freier Mann, unabhängig bis in die letzte Gedankenkammer. Denn die Zeitung nahm doch immer noch ein paar Gedanken an die Strippe und führte sie auf allerhand alte Jagdgebiete, weißt du, so wie in heimlicher Wilddieberei, und so war immer noch ein bißchen Schaumschlägerei in allem Einsiedlertum. Wenn ich jetzt die alten Zeitungsnummern vornehme, so ist das nicht anders, als ob ich gleichmütig in einem verstaubten Chronikbuch blättere, höchstens ergötzt über die Sprünge, die einmal für todernst genommen wurden, obschon der nächste Tag sich freute, nicht mehr daran erinnert zu werden.« Aber in den alten Chronikbüchern las er mehr denn je. Nicht in geschriebenen, gedruckten und gebundenen Büchern. Er trug sie im Kopf, in seinen Erinnerungen, in den verschlossenen Falten seiner Seele. Dann sah er am Kamin und ließ sich auch von dem sorgenden Mädchen eine wärmende Decke über die Knie breiten, ohne daß er es viel gewahrte, und seine Augen folgten dem wilden Funkengestiebe der prasselnden Buchenkloben, bis auch der stärkste und knorrigste zu stiller Asche verbrannt war. Und er wunderte sich gar nicht, wenn er wieder an eine verschlossene Seelenfalte kam und ein wenig den Vorhang lüftete oder im Kopf eine Erinnerung betrachtete, daß er nur noch Mumien vorfand, deren heißes, prasselndes, funkenstiebendes Leben längst zu Asche verbrannt war.

»Es sind alte Zeitungsnummern, Charlotte. Wenn die Menschheit erst einmal wüßte, wie unwichtig die Mehrzahl der Dinge in Wahrheit ist, wenn man sie aus einer gewissen Entfernung betrachtet, würde sie viel froher, freier und glückstrahlender ihr kurzes Erdengastspiel erledigen. Jedenfalls in bedeutend besserer Haltung. Was wird nicht alles an Klagen über verronnene und nie wieder einzubringende Dinge verschwendet. Saft und Kraft, Zeit und Gelegenheit. Und inzwischen läuft den Ärmsten vielleicht ein Glück nach dem andern durch die Maschen und darunter das Glück, das größer und vollkommener, das vielleicht das für sie und ihre neue Beschaffenheit einzig echte ist und zu dem alle voran- und verlorengegangenen nur die Vorstufen waren.«

Er hob den Blick von den prasselnden Buchenscheiten und sah sie an. Mit dem feinen, spottlustigen Lächeln.

»Ei, du rufst deinem Mitspieler nicht Beifall? Wohl weil du mitgespielt und ihm im letzten Augenblick das rechte Stichwort gegeben hast, damit er nicht von der Rampe fiel? Wie rauh deine Hände sind. Als sie mir das Stichwort reichten, waren sie glatt und weich. Weshalb sind deine Hände so rauh geworden?«

»Es gehörte zur Rolle,« sagte sie und hatte seinen Ton angenommen.

»Es gehörte zur Rolle,« wiederholte er. Seine Brauen zogen sich zusammen. Angestrengt dachte er nach. »Zur Rolle. Im fünften Akt. Der Einsiedler aus Stolz. Und damit der Stolz des Einsiedlers gewahrt werden konnte, damit sein nichtssagendes Geheimnis nicht in das Maul der Leute kam und ihn dazu Zwang, vor jedem Waschweib den Hut in die Augen zu ziehen, mußten die Hände der Mitspielerin – rauh werden. Auf einmal versteh' ich.«

»Da ist gewiß nichts zu verstehen ...«

»Sei doch nicht so atemlos. Ich sage ja nicht, daß ich es beklage. Im Gegenteil, Mädchen. Wenn noch die Rechte zu Recht bestünden, wie vor fünfhundert Jahren, würde ich dich zum Ritter schlagen. Steh auf, mein Kammerdiener, steh auf, mein Hausbesorger, Küchenmeister, Schenk, Feuerschürer und Wasserträger. Steh auf als mein Freund.«

Ihre Augen lachten ihn an.

»Ich habe ja schon längst aufstehen dürfen.«

»Als mein Freund?« Er hob den Arm und legte ihn um ihren Nacken. »Es wäre zu wenig gewesen, und es ist gut, daß es mehr geworden ist, als die Zeit noch nicht so eilte.«

Sie kauerte an seiner Seite, den Kopf mit dem welligen Blondhaar dicht an seinem Herzen, und rührte sich nicht. In das Zimmer fiel die Dunkelheit ein, ließ alle Linien ineinanderfließen, hob die letzte Unterscheidung auf. Nur die Funken im Kamin knisterten. Kein Laut sonst. Zwei Menschen allein. Und draußen fiel der Schnee, immerzu und immerzu, und zog Wall und Mauer um das verborgene Haus und deckte Weg und Steg in weiter Runde zu. Winter war. –

Winter.

Dem Mädchen war es recht. Wohl spürte sie, daß auch über den Herrn der Winter gekommen war, plötzlich, wie ein erstickender Schneefall und um ein Jahrzehnt zu früh. Wohl sah sie, wie er mit verdoppeltem Willen seine Kräfte spannte, um das Gesicht zu wahren und sie irrezuführen. Auch das war ihr recht. Gehörte er doch in diesem schweren Winter ihr allein. Ihr allein und ihrer Sorge.

Nun durfte sie bei ihm bleiben, solange sie wollte. Und hielten die Pflichten des Hauses sie länger vom Zimmer entfernt, so rief er nach ihr: »Laß das für die Frau, die morgen kommt.«

»Sie kommt des Lichtes wegen nur immer auf ein paar Stunden.«

»Bist du betrübt deshalb? Der Winter ist für das Jahr, was der Sonntag für die Woche ist: die Zeit des Ausruhens. Die Natur weiß es und atmet leiser, und das Tier geht schlafen. Nur der widerspruchsvolle Mensch, der nie zufrieden ist, bevor er den letzten Puppenbalg aufgerissen und das Innerste nach außen gekehrt hat, tobt mit verdoppelter Kraft. Hab' ich's anders gemacht? Nein. Können wir es noch ändern? Ja. Also ändern wir's. Komm. Bleibe bei mir. Rück' dir einen Stuhl an den Kamin heran und streck' die Füße vor. Ah, das tut gut.«

Das war des Mädchens schönster Winter. Kein schönerer konnte ihr kommen. –

Das Sprechen schaffte dem Herrn Beschwerde. Das Herz machte sich bemerkbar. »Erzähle du,« sagte er. »Von mir hat die Welt genug erzählt. Ich möchte einmal ganz etwas anderes hören, damit ich weiß, daß es auch so etwas gibt.«

Es wurde ihr nicht leicht, zu erzählen. Erst wenn die Dunkelheit alle Linien ineinanderfließen ließ und alle Unterscheidungen aufhob, begann sie. Kleine, unbedeutende Geschichtchen, die nur schön waren, weil sie in der Sonne lagen. Von dem Schulhaus im Dorf, das ihr Elternhaus war. Von ihren Spielen im Schloßpark zu Wallers und ihrem frohen Staunen, wenn die Herrschaften vorüberritten mit den Gästen, den Jägern und der Meute. Von der Sorgfalt der Erziehung, die ihr Vater selber leitete, um auch sie einmal dem Erzieherinnenberuf zuzuführen, und von der fröhlichen Eifersucht der Mutter, daß sie nicht zu sehr der Küche entfremdet würde. Von dem Glück daheim, das in nichts anderem bestanden habe, als eben zu dritt zusammen zu sein. Und dann auch von der großen Seuche, die durchs Dorf gegangen sei und an einem Tage Vater und Mutter dahingenommen habe. An einem Tage. Als hätte Gott sie für ihre Liebe belohnen wollen. »Ja, bei aller Traurigkeit – es war doch wohl das schönste von allem.«

Er blickte sie lange an, ohne daß sie es wußte, und grübelte hinter dem Worte her.

»Und dann kamst du in Wallers aufs Schloß?«

»Ich war zwanzig Jahre, hatte alles gelernt, was der Vater mir aus eigenem Wissen hatte beibringen können, wußte auch, dank der Mutter, in Küche und Garten Bescheid. Da kein Erbteil vorhanden war, mußte ich mir eine Stellung suchen, und ich fragte im Schlosse an. Ja,« sagte sie, »ich weiß es noch, als wär's erst heute gewesen. Ich mußte mich einer langen Prüfung unterwerfen und habe nie im Leben so gezittert. Aber – ich bestand sie und kam zu dem kleinen, zweijährigen Eberhard.«

»Gottlob, daß du die Prüfung bestanden hast.«

Sie antwortete nicht mehr. Sie blieb ganz still, und ihr Herz schlug stark und fest.

»So bist du zu mir gekommen.« sagte er und legte seine Hand schwer auf ihren Scheitel.

*

Immer härter wurde der Winter, je mehr es dem Frühjahr zuging. Nie hatte der laue Landstrich am Strom solch eine Härte erlebt. Die Rosen erfroren unter ihren Umhüllungen, der Kirschlorbeer warf seine Blätter ab, und selbst der Taxus verlor den immergrünen Schmuck. ›Der Herr wird seinen Garten nicht mehr erkennen‹ dachte das Mädchen oft, wenn es eilig durch die Wege gestreift war. ›Sein Herz hängt daran.‹

Aber das Herz, um das sie sich sorgte, hatte anderes zu tun. Es hatte zu arbeiten, um dem Willen des Gehirns zu gehorchen und den Körper aufrecht zu erhalten. Besonders, wenn der Herr Charlotte in der Nähe wußte. »Nur dem Mädel nicht noch Angst machen zu allen Sorgen, nur nicht Angst machen.« Und er riß sich zusammen, wenn sie ins Zimmer trat und ihn umhegte und pflegte, und je mehr er das abgetriebene Herz zum Gehorsam zwingen mußte, desto heiterer und gesprächiger zeigte er sich, um sie zu täuschen.

Einmal fand sie ihn am Morgen vor dem Bette liegen. Er hatte, von Herzschwäche gequält, sich erheben wollen und den Sessel nicht mehr erreicht. Die Lippen zusammengepreßt, nur ein trockenes Würgen in der Kehle, griff sie zu und half dem schweren Manne in den Sessel.

»Nichts, nichts!« stieß er hervor. »In der Schlaftrunkenheit – ausgeglitten. – Sonst nichts.«

Aber sie hatte ihr Ohr auf sein Herz gelegt, stand vor ihm und sah ihn mit vorgestrecktem Kopfe an.

Er hatte sich erholt und zog die Brauen zusammen.

»Daß du dich nicht unterstehst. Keinen Menschenflicker. Wort ist Wort. Ich hab' dir das meine gehalten, du hältst das deine. Sorg' für einen starken Kaffee, Kind.«

»Nur dies eine Mal ...« bat sie.

»Ich kenn' mich doch aus. In mir selber kenne ich mich doch sicherlich aus. Dazu habe ich Zeit genug gehabt. Es ist dasselbe wie vor – vor zehn Jahren. Was verschrieben mir die Ärzte damals? Ein paar Pulver. Ein paar Tropfen. Und Ruhe, Ruhe. Die Ruhe hab' ich. Die Pulver und Tropfen kannst du mir bringen, wenn es dir Spaß macht. Vorrat genug in der Hausapotheke.«

Sie brachte ihm beides. Sie reichte es ihm genau nach der Vorschrift, und die Beschwerden schienen geschwunden. Aber zu Bett ging er nicht mehr. Auch des Nachts blieb er in seinem Sessel, und sie richtete das Sitzlager durch Kissen und Fußpolster so weich und bequem, daß er nichts vermißte. Sie selbst aber lag Nacht für Nacht im Winkel des Zimmers auf dem großen Ledersofa, und in ihrem leisen Schlummer wurde sie jeder seiner Bewegungen gewahr und war bei ihm, bevor er ihr wehren konnte. »Gut. Nun lasse ich alles mit mir geschehen. Nun hast du deinen Willen. Bist du nun glücklich?«

Sie sagte nichts. Sie lächelte ihn nur an und hielt in ihrer Beschäftigung nicht inne.

Dann folgten seine Augen ihren leisen, sicheren Bewegungen und hefteten sich oft lange auf das blasse, frohe Gesicht. ›Auch sie ist gealtert,‹ ging es ihm durch den Sinn, ›auch sie streift langsam die Blüte ab, die sie so lange – zehn lange, einsame Jahre – für mich bewahrt hat. Aber das Schwingende, Singende in ihren feinen Gliedern ist unversehrt geblieben. Mein gutes Mädchen ...‹

Die Frühlingsstürme setzten ein. Von Süden her brausten sie durch das Stromtal, schwangen sich aufjauchzend hinauf auf die Berge und rasten und rüttelten in den Wäldern. »Platz da. Platz da für das neue Geschlecht! Die Jugend ist da! Die Jugend will ihr Recht!«

Der Herr in seinem Sessel horchte Tag und Nacht auf die rücksichtslosen Stimmen der Jugendwildheit. »Brüllt nicht so. Ich habe ein feines Gehör und ein ungeschlachtes Erinnern. Auch ich schrie mal mit in eurem Chor. Ach, und genau so rücksichtslos. Aber ich habe mir auch so viel Geschmack bewahrt, um ohne euer Gebrüll zu verstehen.«

Die Frühlingsstürme aber kehrten sich nicht an eine vornehme Gebärde von Menschenhand und trieben ihr trunkenes Wesen fort Tag und Nacht, Nacht und Tag, trunken von ihrer eigenen Jugend und ihrer nichtsachtenden Kraft. Die überständigen Bäume splitterten, der Schnee zerfloß und stürzte in Bächen zu Tal, in zagender Flucht vor den Peitschenhieben des Siegers, das Schweigen floh mit der Ruhe, und der tobende Aufruhr juchheite mit Befehlshaberstimme in den Lüften, Tag und Nacht, Nacht und Tag.

Hochmütig horchte der Herr im Sessel. Seine schmalen Hände klammerten sich um die Lehnen. »Mich schreckt ihr nicht. Ich habe ja selbst mit euch hinter der Hecke gejagt, euch allen vorauf, und wies euch den Weg.« Und dann begannen seine Gedanken mit dem Lenzsturm zu ziehen, als ritte er wie in eigener Jugend auf gehetztem Pferd und schrie sein »Hussa, hussa! Um Kopf und Kragen! Wer fällt, der fällt!« in den Wind. In sein Blut kam eine Unruhe, in seine Augen ein Glühen. Oft sprach er hastig und brach mitten im Satze ab. »Fort damit, fort damit. Das Beste kam nachher.«

In einer Nacht aber steigerte sich der Sturm zur wilden Raserei. Die Stimmen überschlugen sich, die Wälder kreischten in Todesangst, und die alten Kastanienbäume, die das Haus schirmen sollten, trommelten mit dem Geäst unablässig gegen die Fensterscheiben, als wollten sie die Menschen zur Hilfe rufen. Der Herr saß in seinem Sessel aufrecht. Das Mädchen kniete neben ihm und wärmte ihm die Hände.

»Das ist schöner als der Winter, Charlotte. Weshalb? Weil er kein Ende nehmen wollte, kein Ende. Und das bezechte Geschrei da draußen kündet das Ende an. Auch im Leben schließt alles mit einem wüsten Zechgelage ab, bevor die Ernüchterung ans Aufbauen geht. Wer nichts mehr zum Aufbauen hat, macht seine Abschiedsverbeugung. Einmal war ich nahe daran.«

»Nicht davon sprechen ...«

»Ich bin nicht mehr müde. Mir ist ganz leicht und frei und fröhlich zu Sinn. Nur der schleichende Winter hatte mir die Füße weggeschlagen. Dafür habe ich mir Flügel wachsen lassen und lass' mich von den Gedanken tragen. Hui, das war ein Sturmstoß! Ist dir bange, Charlotte? Ich meine, es ist so viel Stimmung da, so viel Stimmung zum Plaudern. Weißt du noch, wie du mir von deiner Kindheit und Mädchenzeit erzählt hast? Bis du aus dem Lehrerhaus nach Schloß Wallers verpflanzt wurdest? Du hast starke Wurzeln mitgebracht, so stark, daß sie die meinen mit festzuhalten wußten.«

Er nickte ihr zu.

«Soll ich dir auch einmal aus meiner Kindheit und Jugendzeit erzählen? Es ist nicht viel, aber wir wollen ja auch nur ein Plauderstündchen halten. Wenn ich die großen Worte liebte, könnte ich beginnen: Im Schatten eines Thrones wurde ich geboren. Es war nur ein mittlerer Fürstenthron, aber der Schatten war beträchtlich, denn ich kam als Letztgeborener zur Welt. Sonst im Leben pflegt das Nesthäkchen der Verzug des Hauses zu sein. Es stellt Ansprüche, wie es will, und alle beeifern sich lachend, sie ihm zu erfüllen. Im Schatten eines Thrones ist es umgekehrt, wie in so vielen Dingen, hier ist der Erstgeborene, der Erbprinz, das Nesthäkchen. Und in unserem Ländchen hatten die Gebärdenspäher so viel Wesen mit ihm, daß für den Jüngstgeborenen nicht mehr viel übrigblieb. Ich war das sechste Kind. Bis die Reihe der Beachtung an mich kam, war der Rahm abgeschöpft.

»Hörst du auch zu, Charlotte? Siehst du, zu einer Zeit, in der du nichts als Elternliebe empfandest, hatte der junge Prinz Friedrich den Stallknecht zum besten Freunde. Die Erzieher hatten mit dem Erbprinzen zu tun, dem Bruder, mit den Schwestern. Ich war, wie alle weniger beachteten Kinder, etwas unbändiger Natur und eigenen Willens. Da sahen sie um ihrer Bequemlichkeit willen gern durch die Finger und übten um so feiner den Erbprinzen ein, auch wohl den gehorsamen Bruder und die drei netten Mädchen. Wenn wir vorgeführt wurden, kam ich ohnehin als letzter an die Reihe, und bis dahin war die Aufmerksamkeit der hohen Eltern erlahmt und die Spannung hatte nachgelassen. Keinem war das lieber als mir selber. Hurra, in den Stall!«

Draußen jubilierte ein Sturmstoß das Echo nach. Der Herr horchte auf und lachte.

»Hörst du, Charlotte? Wie ein Erkennungszeichen. Wie ein Wiedererkennen. Ich habe fast alles im Leben mit Hurra und Sturm und Drang getan und immer gesorgt, daß ich das richtige Echo fand. Weiß Gott, ein feines Echo. Der älteste Bruder, der Erbprinz, begönnerte mich. Das ließ ich mir nicht gefallen, und ich tat ihm jedes Unwesen an, bis ich ihn von den hohen Einbildungsstelzen herunter und in den allergewöhnlichsten Jungenzorn gebracht hatte. Dann trug er es mir heimlich nach, daß er aus der Rolle gefallen war. Aber zu einer fröhlichen Jungenprügelei, nach der man sich nur noch inniger liebt, kam es bald nicht mehr, denn er blieb zart und schmächtig, und ich wuchs auf wie ein Baum und forderte als Sechsjähriger den Zwölfjährigen heraus. Mit dem zweiten Bruder wurde ich auch bald fertig. Er zeigte mich jedesmal gehorsam dem Herrn Vater an. Und die Schwestern waren mir zu geziert und kamen nicht in Betracht. So waren es zwei Dinge, die meinen Weg bestimmten: der Mangel an Liebe, den ich empfand, und die überschüssige Kraft, die ich nicht loswerden konnte.

»Bist du müde, Charlotte?«

»Nein, nein –«

»Ich erzähle umständlich. Aber ich erzähle heute so gern. Das Sturmwetter macht mir warm. Das rechte Wetter für so ein Plauderstündchen zwischen dir und mir. Hei, da flogen ein paar Dachpfannen in Stücke! Ja, mir flogen auch bald die Dachpfannen vom Haupt. Ich wurde ›aufgeklärt‹. Die vom Stalldienst schworen auf mich, hatten ihren Narren an meiner Ungezügeltheit gefressen, unterstützten sie, taten nach meinem Willen, hielten mich versteckt, wenn ich gesucht wurde, bis ich ungesehen verschwinden konnte, und waren bei jedem Streich meine begeisterten Beifallspender.

»Als ich größer wurde, war ich kein Licht in den Wissenschaften geworden, aber ein Reiter von todsicherem Sitz und ein Jäger und Schütze von todsicherem Auge. Und meiner Körperkraft mutete ich alles zu. Der arme Körper. Er hat herangemußt im Leben.«

Er schwieg erschöpft, und das Mädchen mußte ihm das Weinglas reichen.

»Herrgott, wie habe ich die jungen Leute beneidet, die sich in wildem Spiel und Ringkampf austoben durften. Ich mußte immer gesittet tun und vornehm überlegen einherschreiten, wenn ich nicht den hohen Eltern gemeldet werden wollte. Und so sammelte sich die überschüssige Kraft zum Zerspringen an. Ach, du mein liebes Mädchen, es ist nicht immer schön, ein Prinz zu sein.«

»Und dann wurde die überschüssige Kraft mit einem Male losgelassen. Ich war auf die Universität, ich war ins Regiment gekommen. Der Adjutant machte mit. Was sollte er Besseres tun? Es wäre zu Auseinandersetzungen gekommen, und ich hätte einen anderen Adjutanten erhalten. Das wäre weder in seinem noch in meinem Interesse gewesen. So legten wir lieber Jugend zu Jugend.

»Eine Zeitlang hielt's. Ein paar überlustige, übermütige Brausejahre. Dann erfolgten die Meldungen von anderer Seite. Besorgte Familienväter, besorgte Gelddarleiher wandten sich an das Geheimkabinett des Landesvaters. Ich wurde heimbefohlen und nach einem fürchterlichen Ungewitter zur Erholung auf Reisen gesandt. Während ich in neuer, ausgewählter Begleitung mit dem Baedekerbuch um die Welt fuhr, suchte man mir die Lebensgefährtin aus. Irgend eine geheimrätliche Exzellenz, die von der Jugend so weit entfernt war, daß sie eine Erbauungsschrift für einen immer noch hitzigen Leidenschaftsroman erachtete, machte den Vorschlag. Die junge Prinzessin sei anmutig – jede Prinzessin, die nicht einen Höcker hat, ist von Staats wegen anmutig –, sie sei häuslicher Sinnesart und vorbildlich fromm. Diese Blinden und Toren! Diese blöden Laien im Kupplerfach! War mir mit häuslichem Philistertum zu helfen, war ich mit Choralsingen einzulullen? Ich hatte eine Lebensgefährtin, einen Kameraden nötig, stark und gesund wie ich, heiß, verliebt, unermüdlich und genußfreudig wie ich, mit der das Kräftemessen eine Wonne war. Einen Menschen, der die Sprache meines Blutes verstand, weil er sie selber sprach. Eine Frau von köstlichem Verstand, die da als erstes weiß: ein echter und rechter Mann ist nicht umzukrempeln wie ein Handschuh, wohl aber durch lachende Frauenwürde in Ritterschranken zu halten. Statt dessen erhielt ich einen Spinnrocken mit einem Gesangbuch.«

»Nicht, nicht!« bat das Mädchen neben ihm, und er sah ihre Angst und lenkte ein.

»Es ist Mitternacht,« sagte er ruhig, »die Zeit, in der man in seiner wahren Gestalt erscheint. Und ich wünsche auch vor deinen Augen, weder unritterlicher noch ritterlicher zu erscheinen, als ich war. Aber der unbändige Frühlingssturm da draußen war mir noch einmal ins Blut gefahren. Und damals fuhr er mir auch ins Blut, jedesmal, wenn in meiner Ehe der Spinnrocken schnurrte, jedesmal, wenn die Litaneien aus dem Gesangbuch erschollen. Jedesmal, wenn ich selber nach dem Leben schrie in dieser widernatürlichen Abkehr vom Leben, die der Herrgott sicher nicht gewollt hat, so wenig zwar, wie er meine Gegenmittel geschätzt haben wird. Damals hatten wir uns auf das kleine Jagdschloß Wallers zurückgezogen, das mir als Hochzeitsgabe überwiesen worden war. Einige Male ritt die Prinzessin wohl auch eine Jagd mit mir. Da hast du uns, als du Mädchen warst, gesehen, Charlotte. Dann zogen wir in die Residenz, und die Bekehrungsversuche begannen. Ich will nicht mehr daran denken. Es war, als ob man einem Falken sagte: Leg dein Gefieder ab und nimm das Kleid des Kanarienhähnchens, setz' dich aufs Stängelchen und pfeif zur Kurzweil einen Triller. Nun, sie haben mich nicht zur Strecke gebracht. Und als ich einen Jagdschrei ausstieß und mich über die Wolken schwingen wollte, versuchte man es mit einem Sohn. Ich wurde Vater.«

Er tastete mit der Hand nach dem Weinglas. »Schenk mir ein,« sagte er rauh.

Ganz still saß er dann eine Weile und mühte sich mit dem Atem. »Hör' doch den Sturm,« stieß er hervor. »Hör' ihn doch nur. Der hat seine guten Lungen behalten. Und den ungebrochenen Herzschlag.«

Sie horchte kaum hin auf die Urkraft, die draußen rüttelnd und schüttelnd am Werke war. Sie horchte nur auf ihn und den erzwungenen Atem. Ihre Hand strich wieder und wieder über seinen Arm, als müßte sie bannen, beruhigen, verwischen.

»Nein,« sagte er, »ich habe mich geirrt. Ich wurde nicht Vater. Denn so ohne Maß und Grenzen, wie die Prinzessin Mutter wurde, vermochte ich nicht Vater zu werden. In mir behielt der Mann die Oberhand, der Mann von wenigen dreißig Jahren. Sie legte Frau und Gattin beiseite wie ein ausgedientes Kleid und widmete sich von Stund' an nur noch den Erziehungsfragen und den Erbauungsstunden. Was willst du, Mädchen? Du hast mich nicht gekannt in meiner Manneskraft. Du hast nur die Reste zu sehen bekommen, und vor denen bist du noch zuweilen erschrocken. Nicht doch. Du bist nie vor mir erschrocken. Du hattest mich einfach lieb.«

Jetzt lagen ihre Hände ganz still. Und ihr Atem mühte sich wie der seine.

»Was schlug dort die Uhr? Ein Uhr nach Mitternacht? Da kriechen die Geister zu Bett. Ich bin nie so früh zu Bett gekrochen, ich habe die Nächte gelängt, um die Tage besser zu überstehen, und habe nach Frauen und Wein verlangt. Die Prinzessin zog sich mit dem zweijährigen Knaben nach Wallers zurück. Dort kamst du aufs Schloß. Ich hab' dich nie gesehen, denn ich kam nicht allzuoft hinaus, und die hohe Tugend der Prinzessin scheute vor meiner irdischen Sündhaftigkeit zurück. Mädchen, so wahr der junge Sturm da draußen wie ein Hochzeiter jubiliert, wenn auch eher wie ein Naturbursche als nach höfischer Weise, so wahr rang in mir der Jugendsturm und nicht die blöde Sündhaftigkeit. Ich hatte als Jüngstgeborener zu wenig Pflichten, wohl auch keinen übermäßigen Pflichtendrang. Ich war überhaupt nicht zum Prinzen geboren, dem jeder Naseweis auf den Schritt passen darf. Ich hätte in der Arbeit geboren werden müssen, wo meine kräftigen Arme zu tun bekommen hätten und ich auch nach Feierabend der Stärkste in der Freude gewesen wäre. Irgendwo und zu irgendeinem Zwecke. Nichts, nichts, um mich zu entladen. Und als der erbprinzliche Herr Bruder und der wohlerzogene Bruder und die gezierten Schwestern, die inzwischen »Gemahlinnen« geworden waren, sich in meine Ehe und in meine Lebensführung einzumischen und mich zu hofmeistern begannen, einen heißblütigen, sehnsüchtigen, verdurstenden Menschen, nur weil er anders ausgefallen war als ihre gekünstelte Art – da riß das Tau. Und mit dem zerrissenen Tau ging ich über Bord.«

Er atmete hastiger. Seine Stimme wurde klangloser.

»Laß jetzt dein Sorgen, Mädchen. Das Plauderstündchen muß zu Ende gehalten werden. Obwohl ich keine Lossprechung brauche. Liebe kann mehr als lossprechen. Liebe kann Frieden geben. Deine konnte es. Sei still, du. Du hast nicht viel gefragt. Du hast gehandelt. Mein Gott, war das ein Leben, das ich weiterführte. Kein Kräftemessen. Ein Kräftevergeuden. Die Gesellschaft war nicht immer einwandfrei. Um so schneller kriegt' ich sie klein, warf sie beiseite, holte eine andere, schritt darüber hinweg. Hinter mir viel Geschrei. Vor mir neuer Jubel. Immer weiter, immer weiter. Bis es auch meinen Kräften zu viel wurde und ich von den Ärzten nach Madeira verschickt wurde. Wie ich wiederkam, weißt du.«

»Ich weiß es,« sagte sie leise und schauerte in den Schultern.

»Die Prinzessin hatte die Scheidung durchgesetzt, das Hausministerium hatte mein Zahlungsunvermögen erklärt, der neunjährige Knabe name="page 259" title="HannoS/JoergZiegfeld" id="page259">war gestorben. Er starb an einem Scharlachfieber, an dem das halbe Dorf zugrunde ging. Aber es wurde verbreitet: aus Gram über seinen Vater. Da packte mich der Ekel vor der Menschheit, dem Leben, vor mir selbst, daß ich in der Einsamkeit von Wallers zur Pistole griff. Mädchen, du warst in Wallers zurückgeblieben, Mädchen, du kamst ins Zimmer und rangst mit mir um mein bißchen Leben. Du schriest mir zu: ›Es ist nicht wahr, es ist nicht wahr! Soll der Pöbel recht behalten? Sind Sie nur stark, die lustigen Akte zu spielen und nicht die ernsten? So schuldig sind Sie nicht, daß der Tod das Urteil zu sprechen hätte statt des Lebens!‹ Mädchen, wer gab dir die Worte ein –?«

»Ich weiß es nicht!« stieß sie heraus.

»Du weißt es – du weißt es. Deine Liebe war's. Nicht zu mir. Deine Menschenliebe. Die Liebe, die nicht lange nach der Verfehlung fragt, sondern nach der Not. Ich war in Not. Kein Prinz und hoher Herr. Ein zusammenbrechender Mensch. Du fingst ihn auf, um dir und mir den Anblick einer Schmach zu ersparen. Das war die Tat deines Lebens: die Achtung selbst vor dem Elendesten, weil er ein Mensch war wie du. Und als wir – hierhergeflohen waren – der Herr von Wallers – und seine Dienerin Charlotte – und ich wieder aufrecht ging – und meine Angelegenheiten mit denen daheim geordnet hatte – mit dem Hofe und dem Hausministerium – unter der Verpflichtung der Unnahbarkeit auf beiden Seiten und des Verschweigens meines neuen Namens und Aufenthaltes – als ich ein Niemand geworden war und ein Weltverächter – was tat ich da?«

» Ich tat's! Ich tat's!«

»Ich gebärdete mich noch einmal wie ein Fürst und schenkte dir meine Liebe.«

Sie hob die Arme und verschränkte sie um seinen Nacken. Sie hob den Kopf und zeigte ihm ihre weinenden Augen.

»Was sind das für Tränen, du?«

»Glückstränen. Glückstränen.«

»Dann ist es gut. Du mußt der Gebende bleiben bis zum letzten Atemzug. So bist du heute, wie du zu Anfang gewesen bist. Und so muß ich dein Bild mit mir nehmen.«

Sie wehrte ihm nicht mehr. Es war wie eine Hellsichtigkeit in ihr, auch wenn sie die Augen schloß.

Der Herr saß in seinem Sessel vornübergebeugt. Sein ganzes Wesen war ein Lauschen. Auf den Frühlingssturm, der durch die Nacht zog und seine Schlachten schlug. »Platz da! Platz da! Für das neue Geschlecht! Die Jugend ist da! Die Jugend will ihr Recht!« Und er nickte ein-, zweimal vor sich hin. »Weltordnung. Sonst nichts.«

Die Uhr schlug die zweite Nachtstunde. Ein Frösteln lief durchs Zimmer. Das Mädchen war mit ihrem leichten Schritt an den Kamin getreten und hatte neue Scheite aufgeschichtet. Hoch schlug die Lohe auf und warf einen purpurnen Schein durch das Gemach und über die einsamen Menschen.

»Frühlingssonnenwende,« murmelte der Herr. »Für mich muß ein Kaminfeuer diesmal den Zauber bestreiten.« Und nun hatte er sein altes, spottlustiges Gesicht wiedergefunden.

Das Mädchen rückte ihm die Kissen. Es schob die Polsterrollen fester an das Fußende und legte die Decken wärmer. Es mischte die herzstärkenden Tropfen und reichte sie ihm. »Dein Wohlsein,« scherzte er und trank das Glas leer, tastete nach ihrer Hand und legte sie auf sein dumpf pochendes Herz.

»Das ist besser als alle Arznei,« sagte er nach einer Weile. »Nun werde ich einschlafen wie ein Fürst. Hab' Dank, meine wackere Zeltgenossin. Es ist Zeit, daß du auch einmal an dich denkst.«

»Wenn ich an Sie denke, denke ich an mich. Es ist Selbstsucht.«

»Ich danke dir auch für deine Selbstsucht. Sie ist dein unsterbliches Teil. Ich bin nur sterblich. Und das ist kein Schaden für die Menschheit. In meinem Schreibtisch liegen zwei Briefe. Wenn ich einmal meine Sterblichkeit unwiderruflich bewiesen habe, nimm sie an dich und öffne sie als erstes. Im übrigen: Gute Nacht, mein Mädchen, meine Abendsonne. Ja, mir ist warm und ich liege gut. Habe Dank.« Sie löschte die Lampe und bettete sich auf dem großen Ledersofa, auf dem sie fast verschwand. Lange horchte sie noch auf seine müden Atemzüge. Dann hörte sie im Halbschlaf noch das Juchheien des Frühlingssturmes.

*

Plötzlich fuhr sie auf. Es mußten Stunden vergangen, der Morgen nahe sein. Hatte der Herr sie gerufen? War es der letzte Ruf des Sturmes, der in der Ferne wie ein befreites Lachen verhallte? Sie sprang auf die Füße und horchte, bis es ihr in den Ohren sauste. Totenstille im Zimmer, in den Gärten, in den Wäldern. Jetzt – jetzt! Mit brennender Kerze war sie am Sessel, bei ihrem Herrn. Sein Kopf war auf die Brust gesunken, ein Seufzer quoll über seine Lippen. Er richtete die Augen auf das Licht.

»Charlotte –?« fragte er kaum hörbar. Sie kniete neben ihm. Er sank vornüber und fiel auf ihre Schulter.

Ohne einen Laut in der Kehle hatte sie ihn in den Sessel zurückgelegt. Seine Pulse hielt sie in ihren eiskalten Händen. Sie schlugen nicht mehr. Das Herz hatte ausgesetzt. Der Frühlingssturm hatte ganze Arbeit getan.

Durch die Ritzen der Fensterläden drang das Morgenlicht ein. Sie löschte die Kerze und stieß die Fensterläden auf. Da lag die Welt friedlich und sonnenbeschienen im heiligen Frühlingsahnen. Kein Lüftchen regte sich.

Nun mußte bald die Tagelöhnerin kommen. Welche Arbeit mußte zuerst geschehen? Der Herr war ja nicht mehr, das Haus leer, und ihr Gehirn – ihr Gehirn so leer wie das Haus. Nun mußte sie wohl ins Städtchen, den Tod melden, den Arzt mitbringen? Ja, den Arzt zuerst, der die Todesbescheinigung ausstellte. Und einen Sarg mußte sie kaufen. Einen Sarg allein? Nein, auch den Begräbnisplatz. Einen schönen, stillen Platz, für alle Zeiten gesichert. Und schnell mußte sie es erledigen, um wieder bei ihm sein zu können, ihn zu kleiden, ihn ins letzte Bett zu betten. Er bedurfte ihrer im Tode mehr als im Leben. Dann fiel ihr ein, daß Leute kommen würden, Gerichtspersonen, um den Nachlaß zu bestimmen. Den Nachlaß? Hatte er ihr nicht noch eine Anordnung gegeben? Sie raffte ihre Gedanken zusammen. Sie war eine schlechte Dienerin. »Im Schreibtisch,« klang es in ihrem Ohr. »Nimm die Briefe an dich und öffne sie als erstes.« Sie tat, wie er befohlen hatte. Der Schlüssel stak im Schubfachschloß. Sie öffnete und zog die Lade heraus. Zwei Briefe lagen obenauf. Beide trugen die Aufschrift: »An meine Charlotte.«

Sie nahm sie und drückte die Augen auf die Schriftzüge. Nicht zögern, er hatte es so bestimmt. Mit kalten Fingern öffnete sie den ersten Umschlag und lehnte sich gegen das Fenster.

Nur wenige Zeilen von seiner Hand. Ihre Augen sahen durch einen Schleier. Dann nahm sie alle ihre Willenskraft und las, las Wort für Wort.

»Meine liebe Charlotte, dies ist der Augenblick, in dem ich Dir ganz gehöre. Dir allein und für immer. Der Tod nimmt die letzten Hemmungen fort, die das Leben, in dem wir erzogen werden, doch nie restlos bewältigen kann. Der tote Mann sagt Dir, was Dir der lebende nur in einer Wallung des Blutes anzudeuten vermochte, wenn er Dich in die Arme nahm: Ich liebe Dich und alles an Dir und in Dir. Ich liebe Dich so sehr, daß ich Dir mit der Aufrichtigkeit des Sterbenden aussprechen kann: Es hat sich gelohnt, nicht voreilig zu sterben. Ich wäre von hinnen gefahren, ohne zu wissen, was Menschenliebe vermag. Mir hat sie die Stirn geglättet und das Herz. Mit Deinen Händen, meine kleine Charlotte. Und nun tut sich das Jenseits auf, und ich trete ruhig ein, wie ein Mensch, dem das Leben nichts schuldig geblieben ist. Dort werde ich ruhig an der Pforte niedersitzen und warten, bis auch Dich einmal der Weg hindurchführt. Dann werde ich wieder Deine guten Hände spüren. Denn wie meine Welt das lange letzte Jahrzehnt nur aus Dir bestand, so soll es auch in der Ewigkeit bleiben, in der wir noch namenloser sind. Dein tief dankbarer Friedrich von Wallers.«

Ein lautloses Schluchzen rüttelte den Körper des Mädchens, aber das Glück, das immer tief auf dem Grunde ihrer Augen gelegen hatte, war unirdisch groß geworden und leuchtete wie Fackeln.

Langsamer öffnete sie den zweiten Brief. Was sollte er ihr noch nach diesem ersten? Sie hielt das Testament des Herrn in der Hand. Friedrich von Wallers verschrieb ihr seine Einsiedelei und sein Vermögen, niedergelegt in der Bank der nächsten Stadt, ausreichend, um sorgenfrei das Leben zu führen.

Sie senkte die Briefe in ihre Tasche. Den Inhalt des Testaments wußte sie kaum noch. Der Inhalt des ersten Briefes füllte ihr Hirn bis in die letzte Zelle. »So soll es auch in der Ewigkeit bleiben, in der wir noch namenloser sind.« Namenlos. Er war ein Fürst gewesen und hatte sein bißchen Menschenglück doch erst in der Namenlosigkeit gefunden. Die sollte ihm keiner antasten, durchwühlen, zerlegen und beschwatzen. Sie war die Erbin, auch seines Lebens, seiner Namenlosigkeit. Das Schubfach des Schreibtisches barg seine Papiere. Sie hob die Lade heraus, trug sie zum Kamin und schüttete mit einem Ruck den Inhalt in die Flammen. Und der Tote sah, von der Lohe seines Lebens umhüllt, und als die Lohe niedersank, war erst sein Leben mit allem gestorben. Bis auf ein Blättchen: »An meine Charlotte.«

Die Tagelöhnerin räumte in der Küche. Sie ging zu ihr hinaus und sagte ihr den Tod des Herrn an. Da ließ die Frau die Arbeit ruhen und setzte sich an die Ecke des Küchentisches, um des Mädchens Rückkehr abzuwarten. Und das Mädchen ging durch das schmale Tal und ging durch die süße Frühlingsahnung, bis sie ins Städtchen kam und den Arzt verständigte. Und sie ging weiter in das traurige Geschäft des Sarghändlers und kaufte den Sarg und bestimmte, daß er am Tage noch herausgebracht würde. Und sie ging weiter zum Kirchenvorstand und erwarb auf dem Friedhof einen schönen, geräumigen Platz und ließ sich die Verschreibung ausfertigen. Und als sie heimgekehrt war, kam auch der Arzt, der die Totenschau vornahm und »Herzschlag« in den Totenschein schrieb und wieder ging.

Dann war auch der Sarg gebracht worden, und die Tagelöhnerfrau mußte ihr helfen, den Toten betten, aber sie durfte nur an den Decken anfassen und ihn selber nicht berühren. Und jetzt entließ sie auch die Frau und sagte ihr, sie brauche erst zur Beerdigung zu kommen, in drei Tagen.

Sie saß neben dem offenen Sarge und las in dem Brief »An meine Charlotte« und sah den Toten an. An der Pforte wollte seine Seele auf sie warten. Auch im Jenseits wollte er ihre guten Hände spüren. Sie streckte die Hände aus. Sie waren rauh von der Arbeit. Aber für ihn waren sie weicher gewesen als alle weißen Damenhände, die er in seinem wilden Mannesleben gekost hatte. Damals, als sie ihn noch nicht kannte. Und plötzlich spürte sie, daß sie weinte, fassungslos, wie ein Weib um den Mann.

»Lieber, Lieber, Geliebter – o du Geliebter ...«

*

Als am dritten Tage die Männer kamen, um den Sarg zu verschrauben und hinwegzutragen, war es still im Haus, und die Läden lagen fest vor den Fenstern. Sie tasteten sich name="page 268" title="HannoS/JoergZiegfeld" id="page268">durch das Zimmer, um Licht zu schaffen. Und sie stolperten am Sarge über einen weichen Körper und hielten ihn für einen Hund, der seinen Herrn bewachte. Als sie aber die Läden aufgestoßen hatten und das Licht hereinflutete, sahen sie, daß es das Mädchen war, die Dienerin. Der Sarg stand auf dem Fußboden, verschlossen und verschraubt. Und über dem Sarg lag das erstarrte Mädchen, krampfhaft die Pistole in den Fingern, die sie einmal dem Herrn entrungen hatte, um ihm das Leben zu bewahren.

Nun hatte sie noch einmal zu der Waffe gegriffen, um ihn auch an der Pforte des Jenseits nicht auf das warten zu lassen, was ihm das Leben war. Und ihr mehr als ihm.

Die Männer waren ins Städtchen hinabgeflüchtet. Das Gericht kam und fand nichts als das Testament des Fremdlings und eine Bestimmung des Mädchens, in der Besitzung und Vermögen zu einer Freistatt für Heimatlose bestimmt wurde.

Der erworbene Platz auf dem Friedhof war geräumig genug für zwei. Man bettete sie nebeneinander. Kein Trauergeleit folgte. Aber es war ein Frühlingstag voll verschwiegener Seligkeit.

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