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Judith die Kluswirtin

Louise von François: Judith die Kluswirtin - Kapitel 5
Quellenangabe
typenovelette
authorLouise von François
titleJudith die Kluswirtin
publisherGauverlag Bayreuth GmbH.
addressBayreuth
seriesBayreuther Feldpostausgaben
volume
printrun
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year1944
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100401
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Enthüllung

»Schon ehe ich auf der Welt war, ist Simon Lauter auf dem Klushofe heimisch gewesen wie ein eignes Kind. Sein Vater, der von Bergleuten aus dem Schwabenlande abstammte und seines Zeichens ein Uhrmacher war, hatte über dem Meere sein Glück zu suchen gedacht, als, des Weges ziehend, seine Frau hier vor dem Kamp von einem Fieber geschüttelt zusammenbrach. Der Mann trug sie in das Haus, sein kaum dreijähriger Bube lief ihm weinend voran. Es war just der Tag, an welchem der neue Bau eingeweiht werden sollte, und der kleine Simon, der ein holdseliges Kind gewesen sein soll, wurde das ›Weiheengelchen‹ genannt, weil er als erster Einkehrer in die Wirtschaft getreten ist. Daß es unter Tränen und mit einem Hilferuf geschah, darin hat in dem hoffnungsvollen Jubel jener Zeit keiner eine Vorbedeutung gefunden. Der Name blieb ihm, und meine Mutter hat noch in ihrem letzten Augenblick den, der ihr Liebling war, bei ihm genannt.

Keine guttätigere Hand, als die meiner Mutter, Herr Pfarrer. Sie verpflegte die fremde Frau, bis ihr letztes Stündlein geschlagen, und sorgte für Mann und Kind, bis ihre Einrichtung getroffen. Der Winter war hereingebrochen, die Fahrt übers Meer mußte bis zum Frühjahr verschoben werden. Vater Lauter fand während der Zeit für seinen Uhrenkram, mit dem er jenseits zu beginnen gedacht, hier in der Gegend lohnenden Absatz, und da er nicht wußte, wie er sich ohne Frau mit seinem Kleinen in der Neuen Welt behelfen solle, gab er den Plan in die Weite auf, kaufte für sein Reisegeld das Häuschen des Wildhegers, der vor kurzem gestorben war, und übernahm neben seinem Uhrengeschäft die Hütung des Gemeindeforstes, für welchen ein Aufseher fehlte. Der kleine Simon aber, ohne Mutter im Haus, der Vater Tag für Tag im Wald oder hausierend und ausbessernd über Land, hielt sich mit Leib und Seele an die Klus, in welcher alle das Weiheengelchen gern sahen, Eltern, Bruder, Gesinde und Gäste, vor allem aber ich, die ich in dem nämlichen Jahre geboren wurde.

Ja, Herr Pfarrer, solange ich von meinem Leben weiß, habe ich den Simon liebgehabt, lieber als die meines eignen Bluts. Das laute Schenkenwesen widerstand mir von Natur, und ebenso natürlich zog es mich hinaus in Garten und Acker; der kleine Simon aber, als ich noch nicht laufen konnte, trug und führte mich ins Freie, suchte Kräuter und Blumen mit mir, lehrte mich spielend ihre Namen, die er alle schon kannte, ich weiß nicht woher, sie auch wohl spielend aus dem Stegreife nach Gestalt und Farbe erfand, wie er denn auch die erste Kenntnis des Bodens und seiner Bebauung in mir erweckte in jener späteren Zeit, wo wir beide allein, von keiner Seele vermißt oder bemerkt, wie flinke Vögel bis zur sinkenden Nacht die Gegend durchschwärmten. Denn der Simon war von Kind an wie ein vertrauter der heimlichen Säfte, die aus dem Erdengrunde treiben, und mit der Kenntnis, die er mir eingeflößt, wuchs die Liebe, wuchsen mir auch Kraft und Geschick für die Behandlung der Scholle, so daß ich sagen muß, der Simon hat es bewirkt, wenn ich im Heranreifen den Verfall des Erbes früher und deutlicher spürte als die, welche mit Lust und Hoffnung darin hausten, und in der Zuversicht, daß mein verunreintes Heimwesen nur durch den stillen Segen der Scholle wieder zu Ehren gebracht werden könne, späterhin handelte, wie es mich trieb.

Als nun die Schulzeit diesem kindlichen Schwärmen ein Ziel setzte, da wurde der Simon erst recht ein Klusgeselle, denn er holte allmorgendlich meinen Bruder zum Schulgange ab, kehrte mit ihm zurück, arbeitete mit und nach seiner gutmütigen Art wohl auch für den Flatterling, der ohne sein Zureden nimmer in eine Regel zu zwingen gewesen wäre und über welchen zu keiner Zeit ein Mensch eine stetige Herrschaft ausgeübt, als der liebreiche Simon ganz allein, nur, Gott sei's geklagt, da jenem die Flügel wuchsen, nicht Herrschaft genug gegen den Schwarm.

Wieder etliche Jahre weiter, und ich ging mit den beiden des nämlichen Wegs und strengte mich an, alles das nachzulernen, was der emsige Simon mir vorausgelernt; und wenn mir eine rasche Rechnung und deutliche Handschrift in meinem Hauswesen zugute kommen, ich auch die Schriften verstehe und liebe, die von dem Naturreiche handeln, – das heißt liebte, Herr Pfarrer. Jetzt habe ich lange schon keine Stille in mir für ein Buch, – so muß ich also wiederum sagen: das hat der Simon an mir getan und keiner sonst. – Nach etlichen Jahren aber ging ich mit ihm allein zur Katechismuslehre in die Stadt, und daß wir beide die einzigen Kinder in der Gemeinde waren, die sich zu dem fremden Bekenntnisse hielten, das stiftete abermals eine Verwandtschaft zwischen uns. Alles in allem: wir zwei waren wie eines, verkehrten mit keinem Gespielen und gewöhnten uns darum auch nicht an die Mundart des Landes; alles bezog ich auf den Simon, und ich vermag es nicht mit Worten auszudrücken, wie mir zumute war, als die letzten Gedanken der alten Frau mich heute morgen an jene kindischen Zeiten gemahnten, damals, da, ohne zu ahnen was heiraten sei, wir uns lachend oder in Tränen die Treue verlobten und zueinander sagten: ›Noch ein zehn, zwölf Jahre, dann heiraten wir uns, und dann sind wir Mann und Frau, und alles ist gut.‹«

So war es denn ich vor allen anderen, die den Knaben in unsere Klus und, Gott sei's geklagt, – in sein Verderben lockte. Denn solch eine Schenkenwirtschaft ist eine mächtige Verführung, für einen zumal, dem ein wohlbestelltes Heimwesen gebricht, wie dem Simon. Nicht um der losen Gesellschaft willen, die er traf, nein, sein Auge und Ohr blieben ein Kinderauge und -ohr auch in den Zeiten, da er reif geworden. Der blöde Knecht heute morgen, er sagte: ›Der Simon war fromm wie ein Lamm‹, und die Mutter mit ihrem letzten Wort pries ihn als einen himmlischen Friedensboten. Ja, ja, Herr Pfarrer, das einfältige Auge und der brechende Blick, sie sahen recht: der Simon war ein Mensch nach Gottes Ebenbilde, und nur ein einziger Fleck hat an ihm gehaftet, der ihm auf der Klus ins Blut geimpft worden ist gleich einem Gift. Wenn der arme Junge im Winter, nichts Warmes auf dem Leibe und nichts darin, steif gefroren aus dem Walde zurückkehrte, da hieß es: ›Hurtig einen Tropfen für die erstarrten Glieder!‹ und wenn er in der Sommerhitze verlechzt und schweißtriefend gerannt kam, da hieß es wieder: ›Einen Tropfen gegen den Verschlag!‹ Aber ein Tropfen zieht den anderen an, aus der Gewöhnung wird ein Bedürfen und aus dem Bedürfen ein Laster; in diesem Lande vornehmlich und in einer Schenke, in welcher die hitzigen Getränke ohne Obhut stehen und einer dem anderen ein Prosit zutrinkt und an dem Ärgernis sein Gefallen findet. Ich aber, daß ich's von vornherein offenbare, was erst weiter hinaus in mein Bekenntnis gehört, ich fühlte vor keinem Laster solch ein Grauen wie vor dem des Trunks. In einer Wirtschaft gleich der unsrigen kehrt nicht nur die Tugend ein. Mein Bruder wurde ein Spieler unter den wüsten Gesellen, und die er seine Frau nannte, die war – sie ist tot, Herr Pfarrer, und Sylvians Mutter, darum still über sie, still! – DaS sind schlimme Sitten, schlimmere vielleicht als der Trunk –!«

»Dem eignen Herzen wie dem Nächsten verderblichere, ja gewiß, gewiß!« schaltete der Pfarrer ein. – »Aber keine, die Gottes Ebenbild mehr entstellen, wie das Trinken, Herr Pfarrer«, versetzte Judith rasch. »Und daß jene schlimmen Sitten frech in unserm Hause schalten durften, wessen war die Schuld als des Übermaßes, das meinen Vater die Herrschaft über sich selbst, wie über Hof und Kind geraubt? Darum haßte ich den Trunk, Herr Pfarrer, und darum, darum wieder habe ich späterhin gehandelt, wie es mich trieb.« – Die Erzählerin machte eine Pause, welche der Zuhörer nicht unterbrach. Nachdem sie die Wallung niedergekämpft, die während der letzten Bemerkungen in ihr aufgestiegen, und ihre Gedanken zu einer Folge geordnet, fuhr sie fort.

»Die Liebe zu den Gebildnissen des Grund und Bodens, wie die Erinnerung an seine Vorfahren hatte von Kindesbeinen ab in dem Simon einen Trieb zum Bergwesen angezündet, und wenn ich von klein auf sagte: ›Ich will eine Bauernfrau werden, wie meine Großmutter selig gewesen ist, und weiter nichts‹, so sagte der Simon: ›Ich will ein Bergmann werden, wie mein Großvater selig gewesen ist, und weiter nichts.‹ – Da nun aber die Schulzeit zu Ende ging, so wollte Vater Lauter, der ein harter und karger Mann war, wenn er auch mancherlei Kenntnis und Geschicklichkeit aufzuweisen vermochte, von seines Sohnes Lust am Bergwesen nichts vernehmen. Er hatte ein paar hübsche Flecken Rodung rund um das Waldhaus für ein billiges an sich gebracht und sie durch Rigolen und rieselnde Wasserfäden in treffliches Ackerland umgewandelt, er simulierte auf mehr und immer mehr. Die Uhren vermochte er in seiner freien Zeit kaum hinlänglich für den Anspruch im Lande herzustellen, zumal seitdem sein Sohn die kunstfertigen Rahmen und Gehäuse darum schnitzelte, die sie von allen ihresgleichen auf unsern Höfen unterscheiden. Denn die feine, bildnerische Hand, die war auch eine der Gaben, welche dem Simon, wie man zu sagen pflegt, in der Wiege eingebunden worden sind. Damals freilich, als das junge Herz sich so mächtig von dem toten Holze ins grüne sehnte, da ahnete er nicht, daß des Vaters Härte den Grund zu eigner und fremder Wohltat für lange, nächtige Jahre legen sollte.

Widerstand war nicht des Simons Sache, am wenigsten seinem Vater gegenüber. Er drückte die heimlichen Lockungen herzhaft hinunter, wurde des Alten Gehilfe in seinen mancherlei Hantierungen, blieb aber auch in diesen Jahren dem Klushofe ein Angehöriger wie zuvor, war der Vater über Land, so trug der Simon sein Werkzeug zu uns hinunter, und einmal hielt er sich wochenlang unablässig dort beschäftigt, als er die Wasserspeisung in dem gerodeten Kampe ausgetüftelt und lediglich mit seinem Ersparten vollführt, zum Dank und Denkmal genossener Wohltat, wie er sich äußerte. Es war das erste Unternehmen dieser Art, das ihm geglückt; von allen Seiten wurde er um Ähnliches angesprochen, reichlich gelohnt und so jung noch an Jahren schier als ein Wundertäter angesehn. Als er einige Zeit später das heiße Schwefelwasser unter der Wiese aufgespürt, nannte man das Badhäuschen, das darüber aufgerichtet wurde, ›die Simonsquelle‹, und der Simon hieß seit der Zeit im Lande nicht anders als ›der Quellensimon‹ oder ›Simon der Quellenfinder‹.

Und auch in jenen halbwüchsigen Jahren gingen er und ich miteinander um wie zueinander gehörig oder füreinander bestimmt, wenn wir auch nicht mehr wie als Kinder von Heirat zusammen redeten. Ich war in dem Alter, wo ein Mädchen sich vor solchen Gedanken schämt, aber den Trieb, ihn wahr zu machen, noch nicht kennt, und ewiglich, sonder Begehr hielt auch der Simon Schritt mit meinem Sinn, so daß ich die drei Jahre Unterschied zwischen uns nicht gewahr geworden bin. Aber eine weit mächtigere Menschenfreundlichkeit wohnte in dem Simon als in mir. Es war just die Zeit, wo die Sylvia auf der Klus ihr Wesen trieb und meines Vaters tobsüchtige Krankheit ihren Anfang nahm. Sanftmütigkeit war nie mein Ding, – nein, nein, Herr Pfarrer, sie war nie mein Ding!« wiederholte sie mit Heftigkeit, einem Einwande ihres Begleiters vorbeugend, »nicht meine Gabe und auch nicht mein Los. Ich hatte Geduld bei der Arbeit, aber keine Duldung für die Menschen; das rohe Wesen erweckte mir Ekel, vor der Sünde schwoll mir die Galle, und mit der Schande habe ich noch heute kein Erbarmen. Zu jener Zeit würde ich von Hof und Haus und als Magd in die weite Welt gelaufen, wenn nicht gar einer Missetat an mir selber schuldig geworden sein, hätte nicht der Simon mit dem Troste des Friedfertigen neben mir gestanden, bis meine Vernunft zur Reife und der Entschluß, die Unehre meines Erbes abzuwaschen, zur Oberherrschaft in mir gekommen wäre.

Als der Simon neunzehn Jahre geworden«, nahm die Kluswirtin nach einer Weile gelassen wie zuvor den Faden der Geschichte wieder auf, »starb sein Vater jählings auf einem Gange durchs Land, und der Sohn, nachdem die ersten heißen Waisentränen getrocknet, konnte es nicht anders empfinden, als ob ihn ein Zwingherr freigelassen. Die heimliche Liebe zum Bergwesen seiner Altvordern wachte wieder auf, und er zauderte nicht, sie zur Tat zu machen. Im Grunde dachte er sich bei der Sache wohl etwas anderes, als den Stollen zu befahren und im Schachte Kohlen und Erze loszuschlagen; er meinte, das Geheime unter der Erde kennenzulernen, wie er sich denn auch nicht minder freudig mit dem über der Erde befaßt haben und ein Kräutersammler geworden sein würde oder dergleichen mehr. Mit einem Worte, es trieb ihn, das Naturreich mit dem Kopf zu ergründen, nur etwa das Tierreich ausgenommen, für das er keine Neigung verspürte, – ich glaube, weil man es nicht ohne Tötung in seinem Innersten zu erforschen vermag. Da er aber über das Wie und Wo keine Kenntnis besaß, hielt er dafür, es zuvörderst mit den Händen anzugreifen. Ein weiteres Feld würde sich auftun, vertraute er. Und es würde sich aufgetan haben, Herr Pfarrer. Schon daß ihm sein Vater an zeitlichem Segen weit mehr, als einer erwarten durfte, hinterlassen, daß Aufseher und Beamte schnell ein Herz zu ihm faßten, daß der Fund des heißen Quells seinen Namen in der Gegend verbreitet, alles öffnete ihm Weg und Steg. Ach, Herr Pfarrer, so frohselig habe ich einen Menschen mein Lebtage nicht gesehen wie den Simon in den paar Wochen, die er drüben im Kohlenschachte arbeiten half; aber leider war die Freude kurz.

Sein Vater hatte in dem verwichenen Jahre, mit welchen Mitteln weiß Gott, denn der Simon war ein Riese und heil und gesund wie ein Fisch, bei der Aushebungsbehörde seine Zurückstellung durchgesetzt und der Simon nach seiner vertrauenden Gemütsart nicht anders gedacht, als für alle Zeit seiner Soldatenpflicht ledig zu sein. Da traf ihn denn die plötzliche Berufung für einen Vordermann, der übers Meer entkommen war, gleich einem Wetterschlag. Kein Mensch kann voraussagen, Herr Pfarrer, welchen Sinn der Eifer in einem hervorlockt, daher mag es wohl sein, daß in einer Zeit der Drangsal, aus Liebe zum Land und seinem Herrn auch der Simon seinen Abscheu vor Blut überwunden und freiwillig zu Wehr und Waffen gegriffen haben würde. Bei ruhigem Sinnen aber vermochte er nicht auf ein Kaninchen loszudrücken, und mit dem Dohnenstrich, der ihm als Waldheger zustand, hat er sich niemals befaßt, so übermächtig war sein Grauen, ein Lebendiges zu Tode zu bringen.« – »Schicksal, Schicksal!« rief der Pfarrherr seufzend, »und sitzt nun zehn Jahre hinter Mauern und Riegel um einen Mord!« – Auch Judith ließ den Kopf zur Brust herabsinken und schloß die Augen, wie um diesen unheimlichen Widerspruch auszudenken. Es dauerte eine Weile, ehe sie ihre Mitteilung wieder aufzugreifen vermochte.

»Aber in Zeiten der Ruhe«, so fuhr sie fort, »drei Jahre lang im pressenden Rock, mit hunderten fremder Gesellen in der Kaserne eingepfercht, die Waffen rühren lernen, die ihm so herzlich widerstanden, er, der sich gewöhnt, einsam mit seinen Gedanken in Wald und Werkstatt zu hausen und nur der stillen Gebildnisse auf Gottes Erdboden zu achten, der eben erst in Wonne und Hoffnung, frei wie ein flügger Vogel, aus dem Neste gelugt, er war wie zerschlagen, und zum erstenmal ward ich inne, daß ich aus einem andern Blute entsprossen sei als der, welchen ich bisher wie einen Teil des eignen Lebens empfunden; ja, wäre es angegangen, ich würde mit Freuden für ihn in seine Pflicht eingetreten sein.« – »Glaub's, glaub's!« sagte der geistliche Herr mit gutmütigem Spott, indem er das Mädchen auf die Schulter klopfte, »die Jungfer Kluswirtin war schon so eine, die's mit dem Mannsvolke aufnahm auch im Waffenspiel.« – »Warum nicht, Herr Pfarrer?« versetzte Judith ernsthaft, »wenn Drang und Schande vom Boden abzuwälzen wäre? In alten Landesbüchern ist's zu lesen, daß die Weiber mit den Männern wider den Feind gezogen sind, und mein Vater hat eine gekannt, die gegen den Napoleon im Kampfe gefallen ist, und das war nur eine Magd, Herr Pfarrer, nicht von Haus und Hof, über welche ihre Altvordern als Herren geboten haben.«

Die stolze, trotzige Kraft des Mädchens stand bei diesen Worten so deutlich in dem festen, ruhigen Blicke ihres Auges geschrieben, daß der Pfarrer halblaut zu sich selber sagte: »Gott halte in Gnaden die Tage fern, wo solche Weibertugend dem Vaterlande ein Wall werden muß!« – Doch mahnte ihn ein Blick zum Himmel, seiner beschaulichen Neigung Einhalt zu tun. Die Sonne war hinter einem Wolkendamm zurückgetreten, die Atmosphäre drückte immer tiefer mit der bleiernen Ruhe, welche dem Kampfe vorausgeht. Er forderte daher seine Begleiterin zur unverzüglichen Fortsetzung ihrer dem Ziele noch fern scheinenden Mitteilung auf, indem er sagte: »Also der Simon scheute sich vor dem Kriegshandwerk nach seiner friedfertigen Naturanlage und vor der Vorbereitung zu derselben, weil sie einen mehrjährigen Aufschub in dem erwählten Berufe mit sich brachte?« – Judith neigte zustimmend den Kopf und beschleunigte nach einem schweren Atemzuge ihre Rede, indem sie die Einleitung abschloß und mit der nachfolgenden Szene in die eigentliche Handlung ihrer Geschichte überging.

»Am Abend vor seiner Einkleidung kam der Simon nach der Klus gleich einem halbtoten Mann. Mich verdroß dieses verzagte Wesen, und es war das erstemal, daß mich etwas an diesem Menschen verdroß. Im Hause war just widerwärtiges zu schlichten, ich gönnte dem Simon knapp das Wort, und er ging in die Schenkstube, wo mein Bruder in wüster Gesellschaft um den Punschnapf saß. Sie qualmten, lachten, tobten, zeterten, sangen Schelmenlieder kraus durcheinander. Der Simon setzte sich unter sie, ohne den Mund zu rühren; aber sooft ich von ungefähr in das Zimmer trat, sah ich ihn ein Glas von dem hitzigen Gebräu auf einen Zug hinunterstürzen. Ich hatte niemals ein Übermaß und selber nicht ein Wohlbehagen am Trunk bei ihm wahrgenommen; jetzt, da sich sein Gesicht immer fahler und fahler dehnte, stieg eine furchtbare Mutmaßung mir zu Kopf. Ich kam eben von meinem Vater, den ich in tobsüchtigem Taumel in seine Kammer eingeschlossen, ich bebte noch vor verhaltenem Grimm, und bei jedem Becher, den der Simon zu Munde führte, zuckte mir ein Messerstich durch das Herz. Da saß er kreideweiß, stierte in einen Winkel und merkte es nicht einmal, daß ich die Stube nicht mehr verließ und meine Augen kaum von ihm verwendete. Als ich ihn nach dem Punsch gar noch ein Glas reinen Branntweins an die Lippen führen sah, hielt ich mich nicht länger, flog an ihn heran, riß ihm das Glas aus der Hand und sagte heftig: ›Keinen Tropfen mehr!‹ Die Kumpane lachten überlaut, der Simon aber sprang einer Leiche ähnlich in die Höh und stürzte stumm, mit wirren Blicken aus der Tür.

Ich folgte ihm, sobald ich mich von den höhnenden Gesellen losgemacht. Es war im vollen Mond, die Luft klar wie bei Tageslicht. Hier oben am Kampborn erreichte ich ihn; er lag stöhnend am Boden, das Gesicht auf die Rasenbank gepreßt. ›Simon!‹ rief ich ihn an. Er richtete sich auf, sein Auge war ruhig wie sonst. ›Sei gut, Judith‹, bat er mit der sanften Stimme aller Tage und bot mir seine Hand. – Ich zog die meine zurück. ›Simon‹, fragte ich jetzt, ›hast du's schon öfters getrieben wie diesen Abend?‹ – ›Ich habe noch nie einen Rausch gehabt‹, antwortete er, ›und ich habe auch heute keinen.‹ Und in Wahrheit, einen Rausch hatte er nicht; aber just, daß er keinen hatte nach dem, was er zu sich genommen, machte mir so schwere Gedanken. Er mußte an reichliches Maß gewöhnt sein, ›Aber du trinkst, Simon, du trinkst!‹ sagte ich. – ›Dann und wann auf der Klus, du hast es alle Tage gesehen. ‹ – ›Ich habe es niemals gesehen, und du sollst, du darfst nicht trinken, Simon.‹

Er setzte sich auf die Bank und blickte ohne Erwiderung in den Born. ›Höre, Simon‹, hab ich nach einer Stille wieder an, ›du trittst in das Soldatenwesen und in eine arge Verführung, wenn einer nicht von Grund aus einen Damm dagegen zieht. Gelobe es mir, Simon, gelobe es dir selber hier vor dem reinen Quell, den dein Blick aus dem Verborgenen gelockt, daß du deinen Leib in Ehren halten wirst. Nie einen Tropfen, Simon, niemals, niemals!‹ – ›Nie einen Tropfen?‹ wiederholte der Simon traurig, nachdem er eine Weile gesonnen. ›Ich darf nicht geloben, was ich leichtlich nicht halten könnte unter den vielen, die es anders treiben, oder wenn der Leib ernüchtert zusammenbricht und das Herz gar – ach, Judith, Judith!‹ stöhnte er. Da ich mich aber unwillig von ihm wendete, faßte er sich, indem er mit Gewalt meine Hand ergriff, und sprach in heiligem Ernst: ›Was ich dir aber gelobe, Judith, ist, daß ich nie bei einem wüsten Gelag wie diese Nacht und nimmer einen Tropfen zuviel trinken will. Bei diesem reinen Wasser, Judith, nimmer! Und wenn ich's nicht halte, sollst du mich nicht deiner wert achten und mich nicht mehr liebhaben wie bisher. Also sei's, Judith. Ich sage nicht: Keinen Tropfen, aber keinen Tropfen zuviel, um deiner Liebe willen.'

Ich legte nun freiwillig meine Hand in die seine und setzte mich in Ruhe an seine Seite. Denn ich traute seinen Worten, als wären es Gottes Worte, und ahnete nicht, daß das Böse Macht habe über einen guten Menschen gegen seinen Willen und gegen seinen Schwur. Wir saßen lange Hand in Hand und redeten kein Wort. Es lag eine warme Feuchte in der Luft; ringsum kein Laut, kein Hauch, nur der Baum tröpfelte sacht wie ein Sang aus dem untern Bereich. Und wie wir so saßen und die Tränen aus Simons Augen auf meine Hände niederträufelten, da war es, als ob ein neues Leben aus seinem Herzen in meines zöge; mich überlief es heiß und wieder kalt; es drängte mich zu ihm hin, und ich rückte doch von ihm fort. Aber jählings schlingt er seinen Arm um meinen Leib und drückt mich an sich. ›Daß ich dich lassen soll, Judith‹, murmelt er wie erstickt, ›daß ich von dir soll, da ist's, das ist's!‹ – Ich zitterte wie ein Rohr im Sturm, aber ich riß mich von ihm los, preßte meinen Aufruhr hinunter und redete ihm zu. ›Du gehst nicht aus dem Lande, Simon.‹ – ›Aber von dir, von dir!‹ – ›Wir werden zueinander halten wie bisher.‹ – ›Aber nicht mehr beieinander sein, in Ruhe, alle Tage, Aug in Auge, Hand in Hand. Nur selten, selten im Fluge. Dich nicht mehr sehen, Judith, dich nicht mehr haben, alles andere – aber das! Ach Judith, wie hatte ich es mir ausgemalt! Jetzt lernst du was, hatte ich gedacht, und wirst etwas, daß der fremde Mietling mit Ehren um die Hoftochter werben kann. Und wenn du was kannst und was bist – Judith, als wir Kinder waren und manchmal traurig, da trösteten wir uns, daß wir groß werden, und uns heiraten, und alles war gut. Und so dachte ich wieder, daß es geschehen soll, seit mein Vater tot ist, jegliche Stunde hab ich's gedacht, im Wachen und im Traum.‹

›Und warum heute nicht mehr, Simon?‹ fragte ich, denn ich war plötzlich fest und klar geworden in mir selbst und wußte, daß wir uns liebhätten wie Mann und Weib. ›Drei Jahre Frist, was tut's, wenn einer dem andern traut?‹ – ›Wahr, Judith, wahr!‹ rief er mit frischem Leben und zog mich noch einmal an sich, und diesmal ließ ich es geschehen ohne Scheu. ›Du willst harren und mein sein, Judith, wahr, wahr?‹ – ›Ich will harren, daß ich dein sei, Simon, und wäre es zehnmal drei Jahre.‹ – Er loderte wie in Flammen, er sprach Worte, Worte, hier drinnen stehen sie mit Lettern, er – er –.« – Das Mädchen flüsterte nur noch; der Schauer einer seligen Erinnerung durchbebte sie.

So schritt sie eine lange Weile in sich versunken; sie schien ihren Begleiter vergessen zu haben, der ihr mit gesenkten Blicken folgte und sie endlich durch ein Räuspern an ihre Aufgabe erinnerte. Sie errötete, besann sich und fuhr fort: »Seine Zweifel wachten wieder auf. ›Drei Jahre‹, klagte er, ›und du bist siebenzehn, Judith; die Männer sehen dich an mit Blicken – du merkst es nicht, aber ich, ich – diese Nacht der Papiermüller –!‹ – ›Was verschlägt's‹ sagte ich, verdrossen über derlei Anwandlungen. – ›Er ist ein Reicher, ein Stadtbürger, und du bist eine Hoftochter, Judith!‹ – ›Was verschlägt's?‹ fragte ich noch einmal. – ›Die Wirtschaft liegt im argen; einer, der Geld hat, ist ein Fund. Sie werden dich zwingen, dein Bruder mit Spott, die Mutter mit Tränen, der Vater mit Zorn.‹ – ›Ich lasse mich nicht zwingen‹, sagte ich.

Und das ist wahr; Herr Pfarrer, ich hätte mich nicht zwingen lassen, weder mit Spott und Zorn, noch auch mit Tränen, nicht von dem einen weg und noch weniger dem andern zu. Ich hätte mich nicht zwingen lassen, auch wenn der Simon wirklich nur ein armer Mietling und ich selber noch eine Hoftochter gewesen wäre, wie sie zu Väterzeiten auf der Klus geworben worden sind.« – »Glaub's, glaub's«, murmelte der geistliche Herr. – Das Mädchen aber fuhr, ohne der Unterbrechung zu achten, fort: »›Ich lasse mit nicht zwingen‹, erklärte ich, und der Simon beruhigte sich, und wir saßen noch lange beieinander am Born wie Bräutigam und Braut. Dann ging der Simon fort, die letzte Nacht in seinem Hause zu schlafen – und das sind im kommenden September dreizehn Jahre.«

Wieder ging Judith eine Weile schweigend voran, und der Pfarrer folgte ihr in kaum geringerer Bewegung als sie selbst. Die Zeichnung des Simon stimmte zu seinen Voraussetzungen; aber wie verändert, wie verwirrend die Lage! Wo er tödliche Kränkung, Haß, Rachegefühl wohl gar vermutet, fand er Liebe, Liebe so tief haftend, wie er sie in seinem Stilleben nimmer in einem Weiberherzen geschaut. Das Mädchen war des Mörders Braut, nicht des Gemordeten. Der fromme Mann begriff, wie der Verdacht gegen seinen Schützling unter diesem neuen Lichte wuchs, wenn die Triebfeder der Eifersucht weiteren Raum gewinnen sollte und so hörte er mit einer fast kindlichen Spannung dem Lauf der Entwicklung zu.

»Mit dem Tage, an welchem der Simon die Nachbarschaft verlassen«, erzählte Judith, »da schien es, als ob ein guter Geist vom Klushofe gewichen sei, der die letzten Spuren von Ordnung und Frieden darin gebannt. Mein Bruder, der seinen einzigen redlichen Anhalt verloren, wirrte sich immer dichter in Teufels Garn, beim Vater kam die Krankheit zum Ausbruch, die man mit Grund einen Wahnsinn nennt; mich aber, Herr Pfarrer, mich wurmte die überschwellende Schande um so tiefer, seitdem ich einen braven Menschen mein eigen nannte, auf den sie durch die meines Blutes überging. Mein Herz verhärtete sich gegen Vater und Bruder, seitdem sein Sänftiger fortgezogen war; nur gegen die Mutter, die unschuldsvoll vertrauend, lachend diese Minute und die nächste weinend, inmitten des wüsten Getriebes stand, gegen sie steifte es sich wohl nicht; aber das Leidwesen, mit welchem ich auf die gute Frau herniederschaute, wie auf ein Kind, das keiner in seinen Nöten um Hilfe anspricht, das lag von der Härtigkeit nicht weit entfernt.«

»Eine Frage, mein Kind«, schaltete an dieser Stelle der Pfarrherr ein. »wußten die Eurigen um das Verlöbnis mit dem Simon?« – »Nein, Herr Pfarrer«, antwortete Judith, »Ich würde es nicht verhehlt haben, hätte einer darauf gemerkt und danach gefragt; aber freiwillig habe ich es auch nicht gesagt bei der Verfassung im Haus und viele Jahre vor der Zeit, da es galt. Ich ging meinen Weg für mich, und der Weg war rauh. – Der Arzt meines Vaters, von Ihrem Vorgänger im Amt, Herr Pfarrer, unterstützt, brachte eine Behandlung in Vorschlag, die einzige, wie man sagt, die einen ausgearteten Trinker auf Maß und Vernunft zurückzuführen vermag.« – »Speise und Trank mit Branntwein zu versetzen, gelt?« fragte der Begleiter.

»Ja, Herr Pfarrer, nicht einen Tropfen und Bissen unvermischt. Eine grausame Verordnung und gefahrvoll, wenn der Leib erst verbrannt, dann verekelt, nicht allmählich eine nüchterne Kost ertragen lernt. Auch stemmte die Mutter sich mit ihren letzten Kräften gegen das Unternehmen, das sie eine Vergebung nannte; mein Bruder, gleichgültig oder schwankend, ließ mir freie Hand, und der Simon mißbilligte es zwar nicht, aber ich spürte gar wohl, daß ihm das Herz gefehlt haben würde, es gegen den Widerwillen und die wachsende Schwäche des Kranken, wie gegen Vorwürfe und Tränen der Mutter durchzusetzen. Ich hatte dieses Herz, Herr Pfarrer. Ich allein bereitete und reichte dem sich Sträubenden die ekle Nahrung, ich überwachte und wehrte es, wenn die Mutter einen unvermischten Tropfen oder Bissen unterzuschieben versuchte; ich dachte eine Seele zu retten auf Kosten und Gefahr eines halbzerstörten Leibes – und ich habe mich keiner Sünde angeklagt, als die Probe mißlang. Nein, nein!« Das Mädchen blickte düster, und ihre Stimme klang herb bei dieser Rechtfertigung. Ihr Begleiter suchte vergebens nach einem tröstenden Zuspruch, aber sein Auge feuchtete sich in jenem tiefsten Erbarmen, das uns erfüllt, wenn wir den Frieden des Herzens einem gerechten Willen zum Opfer fallen sehen.

Kaum daß die Augen meines Vaters sich geschlossen«, fuhr sie fort, »als auch die zeitweiligen Notstützen des Hauses jach und schnöde zusammenbrachen. Die Feindseligkeiten der alten Nachbarn gegen das fremde Wesen traten mit Schadenfreude zutage, – nein, Herr Pfarrer, nimmer dürfte der Sylvian in dieser Gemeinde als Bauer hantieren! – die neuen Freunde zeigten nur Mißtrauen gegen den verrufenen Erben, den sie selber erst in Verruf gebracht, von keiner Seite eine helfende Hand. Drohung jagte die Drohung, Klage die Klage, Pfand das Pfand – und der Leichnam ruhte noch über der Erde. Leib und Seele der Mutter, schon durch das Krankenbett im Grunde erschüttert, brachen zusammen in diesem Sturm, den Bruder wirbelte es hierhin und dorthin, wie ein mürbes Blatt, – am Ende übers Meer; ich, ich steifte mich, ich trotzte ihm, Herr Pfarrer, und ich habe ihm standgehalten.

Ich hätte jetzt gehen, die alte Frau und den Knaben zu mir nehmen und still mit ihnen leben können bis zur Vereinigung mit dem Simon, die mir als Ziel Tag und Nacht vor Augen stand. Ich arbeitete gern und besaß ein mäßiges Erbteil, das eine sächsische Muhme um meines protestantischen Glaubens und des durch ihre Patenschaft mir zugefallenen Namens willen für mich hinterlassen; ich war auf die Verwendung eines treumeinenden Anwalts in der Stadt, der die Verhältnisse durchschaute und mir auch späterhin redlich geraten hat, vor der Zeit von den Gerichten mündig gesprochen worden; kurzum, ich konnte gehen. Aber mein Sinn stand anders. Ich hatte ein Recht, auf dem Hofe zu bleiben, und ich blieb. Freilich ohne Unterlaß in Kämpfen mit meinem Bruder, in häßlichen Kämpfen, Herr Pfarrer, denn es galt das Mein und Dein zwischen Erben eines Blutes. Zuvörderst um den Nachlaß der Muhme, mit dem er sich zu retten gedachte und welchen der Pläneschmied, der nie einen sicheren Untergrund gefühlt, früher noch als sein Vatererbe in eiteln Luftschlössern verschwindelt haben würde. Dann aber um die Werbung des reichen Müllers, des einzigen der windigen Kumpane, die bei ihm standgehalten, weil er sein Auge auf mich geworfen und auf unsere Not seine Hoffnung baute. Aber ich wehrte mich, Herr Pfarrer, Ich wehrte mich für mich selbst, für eine alte Mutter, für ein schutzloses Kind, für den Hof meiner Väter, vor allem jedoch für den Mann, dem ich meine Treue verlobt, und darum würde ich auch gegen einen herzhafteren Angriff die Oberherrschaft behalten haben.

Es währte nur kurze Zeit, bis er einsah, daß er den Hof nicht behaupten könne. In der wüsten Schenke herbergte nur wüstes Gesindel; die Landwirtschaft stand still. Es hätte klein und von Grund aus wieder angefangen werden müssen, aber Bauernarbeit ekelte ihn an, und Rat und Tat verfingen um so weniger, weil ich es war, die sie bot. Denn, Herr Pfarrer, wir stammten aus einem Blut, aber unser Wesen widerstand sich wie Wasser und Öl; es kam zu keiner Einigung. Auch fiel ihm der Entschluß, sein Vatererbe loszuschlagen, nicht schwer. Desto schwerer die Ausführung. Er hatte auf reichliche Überschüsse gerechnet, hundert schwindelnde Pläne auf diese Überschüsse entworfen, heute diesen, morgen einen andern, – und er erhielt nicht ein Angebot, das seine Schulden gedeckt. Die Auswanderungssucht war dazumal gleich einer Krankheit selbst unter den Vermöglichen im Lande eingerissen, Grund und Boden im Wert gesunken; die begonnene Eisenbahn mußte den Verkehr auf der Landstraße verschlingen, kaum noch ein Jahr, und der Klusgasthof stand ohne Einkehr, die weitläufigen Baulichkeiten hatten keinen Zweck; ganz natürlich, das keiner kaufen oder nur um ein Spottgeld kaufen wollte.

Meine Stunde hatte geschlagen; jetzt trat ich auf. Ich tat ein Gebot, das just die Pfandgläubiger befriedigte, und mein war das Anwesen, wie es stand und lag. Mit den Wucherern und Spielgesellen, dem Papiermüller an der Spitze, unterhandelte ich kurz und scharf auf Frist; meinen Bruder selbst, der jetzt in meine Hand gegeben, hoffte ich durch Not zur Ordnung umzuwandeln. Das Schenkenwesen wurde nur noch obenhin unterhalten, übles Gesindel unerbittlich von der Tür gewiesen, die Landwirtschaft dagegen kräftig in Angriff genommen, manches verbröckelte Ackerstück mit der Zeit wieder eingelöst. Und Wiese und Feld, Herr Pfarrer, sproßten nach der langen Brache empor, aber die Saat in dem Menschenherzen blieb ohne Keim. Er war in meiner Gewalt, und ich weiß keine Zucht, die mir zu schwer gewesen. Gute wie böse Worte verwehte der Wind; gegen den Zwang setzte er die Flucht. Freilich um wiederzukehren, denn Nachhaltigkeit war nicht seine Natur, auch nicht in der Bitternis. Ich gab den Bruder, den älteren Bruder, auf und handelte wie gegen einen Knecht, endlich wie gegen ein Kind. Ich setzte ihn auf Lohn, auf Tagelohn gar, nach dem Maß seiner Arbeit; ich ließ ihn darben, sperrte ihn aus und sperrte ihn ein; ja, ich sperrte ihn ein, hielt ihn gleich einem Gefangenen im eigenen Haus, wenn er durch Spiel oder Ausschweifung eine Strafe verwirkt, die ich mich bis zum letzten scheute vor den Gerichten öffentlich zu machen. Als aber alles nicht verschlug, wußte ich am Ende keinen Rat als den der härtesten Not, einzig auf eigene Kraft im fernen, noch unwirtbaren Land.

Der Plan der Ausführung widerstand ihm keineswegs, im Gegenteil, das fremde Leben lockte ihn. Aber vor der Ausführung zuckte er zurück. Nicht einmal, zehnmal, Herr Pfarrer, war er fort und wieder da. Nur noch diesen Glücksversuch in der Heimat, oder jenen, der ihm auf dem Wege eingefallen, nur die alte Mutter noch einmal sehen, oder sein Kind und Sylvias Grab! Und dann umklammerte er meine Knie, weinte, raufte sich das Haar – eine Stunde später aber sang er Schelmenlieder oder knöchelte mit irgendeinem wüsten Gesellen. Gegen Sturm und Trotz hätte ich's aufgenommen, aber ich hatte weder Macht noch Duldung gegen ein windwendisches Wesen wie dieses. Seine Gegenwart brannte mich wie zehrendes Feuer, zumal seit ich gewahr ward, daß das Kind, der Sylvian, seine ernsthaften Augen dafür aufzuschlagen begann. Er mußte fort ohne Erbarmen, und so wurde denn endlich die drohende Haft des Turms, einer Wechselschuld halber, die er von neuem im Spiel eingegangen, die Rute, die ihn trieb.

Ich hatte diese Schuld eingelöst, aber ohne sein Vorwissen, Herr Pfarrer; denn mit freier Wahl würde er nimmer gegangen sein, dagegen die Heimlichkeit einer Flucht seine Einbildung kitzelte, tausenderlei Anschläge gegen abenteuernde Gefahren ihm als Kurzweil aufstiegen. So schied er. Fort aus seinem Land, fort von Mutter und Kind. ›Wenn du ihm Vater sein kannst, kehre heim‹, hatte ich gesagt. Er ist nicht heimgekehrt, und ich, ich habe ihn fortgetrieben, vielleicht in sein Verderben, vielleicht in sein Grab – erst den Vater, dann den Sohn!« – »Ihr tatet, was recht war und darüber, arme Tochter«, sagte der Pfarrer, ihre Hand drückend, und Judith versetzte mit schneidendem Ernst: »Es war recht, und es war not, Herr Pfarrer. Aber wer also recht tun müssen, der wird nimmer wieder froh.

Ich habe, Herr Pfarrer«, so nahm sie nach einer gegenseitigen Stille ihre Mitteilung wieder auf, »ich habe eine lange Weile nur von mir verhandelt, und es ist doch eines andern Schicksal, das Sie zu wissen begehren. Die Wahrheit ist, daß ich den Simon während seiner Soldatenzeit nur selten und im Fluge gesehen, da bald nach seinem Eintritte das Regiment in einer entlegeneren Gegend Quartier bezog, und daß es mir lieb war, meine Anfechtungen ohne seine Zeugenschaft durchzustreiten. Allezeit aber hat er im Hintergrunde meiner Gedanken gestanden. Ich sagte wieder wie als Kind: ›Noch soundso viel Monde und du bist des Simons, und alles ist gut!‹ Ich sputete mich darum Nacht wie Tag, um alles rein und ehrbar hergestellt zu sehn, wenn er als Herr einziehen werde in meiner Väter Hof, hatte auch niemals einen Arg, daß er seinen Leib anders als rein und ehrbar erhalten haben werde nach seinem Schwur. Es war eine Zeit der Probe für ihn wie für mich; vielleicht aber, daß sie nicht ein so grausames Ende genommen, wenn ich schon damals wie später eingesehen, daß seine Aufgabe die schwerere war. Ich stritt wider die Unart der andern und schaffte für mich selbst nach eigner Art. Er hatte andern stillzuhalten gegen seine Art und zu streiten wider eigene Unart. Ich konnte mich behaupten, denn ich war richtig gestellt, aber mein harter Sinn am wenigsten würde eine Probe wie die seine bestanden haben. – Und weil ich denn nicht aus Erfahrung ein Urteil über seine Verfassung in jenen Jahren abgeben, nicht beweisen kann, ob das Laster des Trunks zu einer ständigen Gewöhnung in ihm ausgeartet oder nur in gelegentlichem Ausbruche mir vor Augen getreten ist, – wiewohl ich das letztere glaube, Herr Pfarrer, – so will ich mich nun nicht länger sträuben, Ihnen die Begegnung vorzuführen, die mich und ihn auseinander gebracht und von welcher ich nimmer geglaubt, daß meine Lippen sie gegen eines Menschen Ohr berühren würden.

Des Simons Truppe sollte in der Kürze nach der Stadt verlegt werden; zum Herbst würde er des Dienstes ledig gewesen sein; jetzt schrieben wir April, und es war an dem Tage, an welchem ich auf die drohende Wechselhaft den Plan von meines Bruders Entfernung gebaut. Rasch entschlossen, machte ich mich auf den Weg in die Stadt, um mit dem Anwalt Rücksprache zu nehmen. Denn in der Sache war ich mit mir einig, nur über die gesetzliche Art und Weise mußte ich mir Auskunft verschaffen, zumal den Durchstechereien des Müllers gegenüber, dessen hinterhältige Lauer ich kannte. Ich hatte meinen Bruder allein in der Schenkstube verlassen, die noch mäßig im Gange war und bis zur Vollendung der Eisenbahn bleiben sollte. Denn mit dem Gelde ging es mir knapp zu der Zeit, so daß ich mich eines Vorteils nicht leichtlich entschlagen durfte. Nebenbei scheute ich mich vor einer Veränderung Knall und Fall, da die Sache in Bälde ohne Aufsehn einschlummern mußte; vor allen Stücken aber hatte ich mich darauf gesetzt, daß das urväterliche Recht nicht in dem Verruf von meines Bruders Betrieb, sondern in Anstand und Ehren seine Endschaft erreichte. – Mit schwerem Herzen schritt ich auf dem Wege, den ich heute zum ersten Male seit jenem Tage wieder betrete, und glaubte, einen Boten von oben gewahr zu werden, als ich plötzlich den Simon aus seinem Waldhause treten sah.

Er trug wieder den schwarzen Bergmannskittel, an dem er in aller Eile noch knöpfte und schnallte, die bunte Soldatenmütze auf seinem Kopf aber schleuderte er hoch in die Luft und jubilierte wie eine Lerche, da er mich erkannte. Er fand kaum Worte vor Hast und Lust – er war frei und entlassen ein halbes Jahr vor der Zeit, der glückseligste Mensch auf Gottes weiter Welt! – Die gute Botschaft tröpfelte Balsam auf meine ätzenden Schrammen. Nun hatte ich ihn, durfte ihn halten und hegen, und alles Schwere schien mir federleicht. Dennoch, als er Miene machte, mich nach der Stadt zu begleiten, wehrte ich ihn ab. ›Spare das Gerede‹, sagte ich, ›bis alles in Ruhe und Ordnung ist. Geh voran zur Klus. Am Abend sprechen mir uns allein vor dem Born oder oben bei Mutter. Er stutzte wohl bei dieser Zimperlichkeit, war aber zu froh zum Verdruß und flog mehr als daß er ging auf dem Kluswege zurück.

Mein Geschäft zog sich unerwartet in die Länge, die Sonne war schon gesunken, bevor ich den Heimweg antrat. Aber es war abgetan, der Simon heim und mein Herz froh wie noch nie. Ich hätte singen mögen, nur daß ich von Natur keinen Sang in Ohr und Brust gefühlt. Ich ging wieder durch den Wald, wäre er doch mit mir gewesen! Wie reute mich jetzt meine schwachmütige Anwandlung. Hinter jedem Baum glaubte ich ihn hervorspringen zu sehen. Am Waldhause lauerte er doch, hoffte ich, und als er auch am Born nicht lauerte, war ich verdrossen gegen ihn, aber weit, weit mehr gegen mich selbst. Ich flog nur noch vor Ungeduld und trat vom Hofe her in das Haus.

Aber schon im Flur höre ich ein Juchhei, daß das Herz im Leibe sich mir wendete; ich öffne und stehe auf der Schwelle wie gewurzelt. Da sitzen der Müller, mein Bruder und – der Simon um den dampfenden Napf, und keiner, auch der Simon nicht, bemerkt mich unter dem Qualm und Lärm. Ich kann nicht sagen, daß Völlerei von Grund aus meines Bruders Laster gewesen; nur wenn Gesellschaft oder Spiel ihn erhitzt, geriet er in ein Übermaß; heute aber war er trunken von außen und innen. Die Augen zuckten Blitze, Hände und Füße flogen wie die eines Gliedermannes, krause Reden und Reime schwirrten gleich Irrwischen zwischen seinen Lippen hervor. Er hatte den Freunden das, was er als eine Heimlichkeit auszuführen gedachte, enthüllt und schilderte im voraus Herzeleid und Gefahr seiner Trennung und Flucht. Mein Name wurde genannt als der einer grausamen Drängerin, der Müller wie ein Bruder und Helfer gepriesen. Dazwischen glotzte und brüllte dieser rohe Kumpan gleich einem Stier. Nur der Simon gab keinen Laut, klinkte aber an bei jedem neuen Spruch und leerte das Glas auf einen Zug öfter als beide zusammen. Er sah weiß aus wie ein Geist. Die aber weiß und stumm werden im Trunk, denen staut sich das Geblüt und wirbelt die wilden Triebe in die Brust, die sonst gebannt in heimlicher Kammer ruhen.

Die Empörung brach aus, ich schlug heftig die Türe zu. Mein Bruder stürzte auf mich zu, riß mich mit Gewalt an den Tisch und preßte sein Glas an meine Lippen. – ›Mein Henkertrunk! – schrie er, du der Henker, trinke, trinke, trinke!‹ – Ich nahm ihm ruhig das Glas aus der Hand und setzte es auf den Tisch. Meine Kehle war zugeschnürt, aber es mag wohl ein giftiger Blick gewesen sein, der statt des Wortes zu dem Sinnlosen hinüberschoß, denn er ließ mich los, starrte mich an und sagte gewichtig, als wären seine Worte Gold: ›Ja, du Macht, Weib, denn du hast Willen, ja, du hast Willen, denn du hast kein Herz. Weib ohne Herz, du umgarnst einen mit deinem Willen, wie die Spinne die Fliege mit ihrem Netz. Den eignen Mann spönnest du ein, saugtest ihn aus und spännest fort. Spinne du, Dithel, Spinneweib, Spinne!‹

Und so strömte er weiter in nichtsnutzigen Anklagen und Klagen, wie ich sie schon oftmals vernommen und überhört. Kein Mensch konnte wissen, Herr Pfarrer, was Wahrheit oder Schauspiel in dem Menschen war. Und jählings wirft er sich an die Erde, umstrickt meine Knie, daß ich mich niedersetzen muß, um nicht zu fallen, schluchzt, daß ihm die Tränen wie Bäche über die Backen rinnen und beginnt seine alte Litanei: ›Rette mich, Dithel!‹ stöhnte er, ›stoße dein Blut nicht von dir, Schwester! Das Meer ist tief, tief und so fern, so fern! Laß mich nicht untersinken; deine Hand, Dithel, deine Hand! Da sitzt er, der reiche Mann!‹ – Er wies auf den Müller, der lallend mit dem Kopfe nickte und seine Arme nach mir streckte. – ›Krösus heißt er, der reiche Mann, und Mammon hat er, nach dem du ankerst und mit dem du geizest, Dithel! Nimm ihn, nimm ihn, den reichen Mann. Du hast es ihm angetan, Dithel! Da, da, seine Hand! Sage ja, zerreiße den Schein, rette mich, rette mich, Dithel!‹

Ich hörte nur noch wie im Traum, blickte nur scheu nach dem Simon hinüber, der zusammengesunken, stumm und weiß wie ein Götze sein Auge in meines bohrte, – nicht mehr ein Menschenauge. Ich fürchtete mich vor ihm. Ich ertrug es nicht länger, stieß mit der Hand den Müller, mit dem Fuß den Bruder von mir, daß der Tisch mit Gläsern und Lichtern zu Boden fiel, und so im Dunkeln stürzte ich aus der Tür und in meine Kammer hinauf. – Ich warf mich zu Boden, meine Sinne vergingen.« Judith stockte, als werde ihr die Kehle zugeschnürt: »Eine Beichte, eine Beichte!« murmelte sie; »gut, gut, auch das! – Ein sengender Atem an meinem Gesicht – eine eisigkalte Hand um meinen Leib – Töne, Töne – wir rangen – ein Augenblick – Wut gegen Wut –!«

Sie machte eine Bewegung, als scheuche sie ein Gespenst. »Denken sie's – oder nein, denken sie es nicht. Es ist gesagt, gut, gut!« preßte sie hervor, und nach einer Pause fuhr sie fort in fliegender Hast: »›Hilf Gott, hilf Gott!‹ ächzt die Mutter nebenan, seit ihrem Elend ihr stündlicher Jammerlaut. Der Wahnwitzige stutzt, ich reiße mich los, raffe mich auf, jage aus der Kammer und schließe die Tür. Ich lausche. Alles seelenstill. Nun hinunter. Ich hätte schreien mögen vor Wut und Qual und doch jedes Auge und Ohr verstopfen vor der Schmach, die gleich einer Wetterwolke über dem Hause gehangen. Alles war aus zwischen mir und ihm, welchen ich im Herzen zu seinem Herrn gesetzt, aber vor den andern mußte er rein bleiben!

Ich spürte umher, die Wirtsstube war leer, der Bruder mit seinem Kumpan auf und davon, das Gesinde zur Ruh. Sie schliefen im Seitenbau, keiner wußte von dem Gefangenen oben in der Kammer. Ich zündete Licht an, daß es hell leuchte über Straße und Hof; ich durfte nicht rasten, ich mußte Ordnung unten schaffen, um bei einem anklägerischen Zufall darauf hindeuten zu können, daß ich die Nacht nicht müßig in meiner Kammer verbracht. Eine Nacht, eine Nacht ohne Ende! Mehr als einmal brach ich zusammen, hoffte, daß ich's nicht überstehen werde. Aber dann steifte ich mich wieder und wollte es überstehen. Ich hatte im Leben nur einen Menschen zum Glück gebraucht – ich wollte keinen Menschen brauchen, fertig werden ganz allein. ›Bestien sind's alle, alle!‹ schrie ich auf, und kaum daß ich's ausgedacht, brach der Jammer wieder hervor, und ich preßte mein Tuch in den Mund, das Geschrei in die Brust zurückzubannen. Treppauf, treppab die ganze Nacht, lauschen hier, lugen dort. Zehnmal wollte ich hinein, das Ungetüm zu erwecken, zu verjagen. Zehnmal prallte ich zurück. ›Das Weiheengelchen, den Friedensbringer!‹ stöhnte ich. › Ein Augenblick der Raserei gegen zwanzig Liebesjahre!‹

Der erste graue Dämmer gen Morgen. Jetzt mußte es sein. Ich fürchtete mich nicht, aber ich zitterte; kaum daß ich den Schlüssel zu drehen vermochte. Die Kammer war leer, das Fenster offen. Ich beugte mich hinaus, tausend Messer in der Brust, – da unten muß er liegen zerschmettert in seinem Blut. Nein, nein, da unten liegt er nicht. Nicht im Rausch hat er sich hinabgestürzt, mit ernüchterten Sinnen sich über die Hecken auf die Straße geflüchtet. ›Fort, fort auf ewig!‹ schreie ich in hellem Wahnsinn und jage ihm nach über den Hof.

Oben am Born, da liegt er auf seinen Knien, taucht den Kopf in den Quell, netzt Hals und Brust und kühlt sich klar. Ein aus dem Grabe Erstandener! Mich schaudert's über den Leib, so fühle ich seinen Frost, und doch in mir ein Sud und vor meinen Augen Sternenzucken. Zurück kann ich nicht; vorwärts, reden auch nicht. Jetzt richtet er sich auf, bringt seine Kleider in Ordnung und wird mein gewahr. Ich fahre zusammen, er nicht. Aber traurig blickt er, todestraurig; in meiner letzten Stunde sehe ich ihn noch, diesen traurigen Blick. ›Lebe wohl, Judith‹, sagte er leise, daß ich's kaum verstand. Ich starrte zu Boden und hatte keinen Laut.

›Dein Treuspruch ist gelöst‹, hob er nach einer Weile wieder an. – ›Er gilt!‹ hätte ich schreien mögen – und sagte kein Wort. Er aber redete weiter, gänzlich ruhig, gänzlich gefaßt, wie einer, der auf seinem Sterbebette abgeschlossen. ›Ich kenne mich nicht mehr‹, sagte er. ›Ich bin nicht mehr ich; aber ich kenne dich, Judith, du bist du, und so wie du bist, habe ich dich liebgehabt bis heute, und so werde ich dich liebhaben bis ans Ende. Hier am Quell habe ich gelegen die Nacht hindurch, habe gerast gegen mich selbst, und jetzt sehe ich's klar, weiß es, Judith, weiß es. Wieviel Tropfen müßten aus diesem Born rinnen, ehe du's vergißt, Judith, vergißt, daß ohne Gottes Hilfe du eine warst, eine, die keinem Mann am Altar ihre Treue verpfänden konnte, – auch dem Beschimpfer nicht! Du nicht, Judith; du wahrlich nicht! Ich darf nichts geloben, denn du glaubtest mir nicht, und ich selber würde mir nicht trauen, seit ich der Unehre Raum gegönnt und meinen Schwur gebrochen. Unser Verspruch ist gelöst. Ich gehe. Aber wenn ich eines Tags dir wieder vor die Augen trete, dann wisse: es ist der Simon wieder, den du liebgehabt, dann vergiß die böse Stunde, Judith, und bis dahin lebe wohl – oder für allezeit!‹ – Er wendete sich und ging, ohne mir die Hand zu reichen. Ich hätte ihm meine Arme nachstrecken mögen, ihn zurückreißen, ihn an mich reißen – und ich rührte mich nicht und ließ ihn gehen. Mit hastigen Schritten bog er in den Wald, nicht ein einziges Mal blickte er zurück. Ich lauschte, den Atem eingepreßt, und da ich den letzten Tritt verhallen hörte, stürzte ich ohne Besinnung auf den Grund.« – –

Ein stöhnendem Atemzug und eine lange Stille folgten diesem martervollen Bekenntnis. Dem alten Priester zitterte das Herz. So tief war er noch niemals in den Grund einer Menschenseele gedrungen; Bilder, Triebe, Geister, die er kaum geahnt, drängten sich sichtbar und greifbar fast zwischen die Klüfte der Rede; ihn schwindelte vor diesen Wirbeln unter der glatten Decke des Alltagslebens. Und wie sie sich brachen, diese Wirbel, an der Kraft eines unantastbaren Gemüts, wie an seinem Widerstande der verunreinte Strom eines gutgeschaffenen Herzens sich klären müsse, das, so hoffte der fromme Mann zum Preise Gottes und seiner Kreatur, das werde die endliche Lösung des Rätsels sein, die er gesucht.

»Als ich«, so griff Judith ihre Darstellung wieder auf, »als ich meine Sinne zurückkehren spürte, war es Tag, aber über dem Sonnenlichte hing ein Schleier, und mich dünkt, als ob Gott der Herr ihn seit jener Stunde nimmer in die Höhe gezogen. An jenem Morgen nahm ich das Schenkenzeichen von meiner Tür, ließ die Ligusterlaube fällen, und in der Kammer oben habe ich nimmer wieder geschlafen. – Von dem Simon hörte und sah ich nichts. Mein Bruder wollte erfahren haben, daß er krank darniederliege; als er aber ging, ihn heimzusuchen, fand er das Waldhaus leer und verschlossen. Kein Mensch vermißte ihn auf der Klus; das Gesinde hatte sich seiner entwöhnt, Einkehrer wurden von der Tür gewiesen, und meinen Bruder beschäftigten auch die nächsten Menschen nur, solange er sie mit Augen sah oder allenfalls von ihnen reden hörte. Zudem waren es nur noch wenige Wochen, in denen es mit seiner Entfernung Ernst wurde. Anfangs sträubte er sich wohl noch, und Auftritte wie der jenes Abends kehrten tagtäglich wieder; da er mich aber unerbittlich fand, der drohenden Wechselhaft vorzubeugen, drängte er selber in die Weite, tüftelte Vorbereitungen und Heimlichkeiten aus und sah sich in der Einbildung riesengroß wachsen an Reichtum und Macht unter den wunderlichsten Abenteuern in einer neuen Welt.

Ich ließ ihn gewähren und traf meine Anordnungen nach dem Rate des Anwalts, der mir wie ein Freund zur Seite stand. Herr Pfarrer, möglich, daß alles anders gekommen wäre, als es kam, wenn der Mann, der unsere Tage von Grund aus kannte, nicht an dem nämlichen Tage, da mein Elend reif ward, an einem hitzigen Fieber erkrankt und bald verschieden wäre. Er hatte eine Schiffsgelegenheit unter einem strengen, aber zuverlässigen Kapitän ausgemittelt; mein Bruder sollte nach Australien zu rauher Arbeit auf noch unbebautem, menschenarmem Grund: unwissentlich sollte er es, denn ihm selber lagen nur die Verlockungen großer Städte und die Leichtigkeit einer Rückkehr von Amerika in dem Sinn. Ich gedachte ihn bis an den Einschiffungshafen zu begleiten, auf daß nicht eine fremde Hand die seine zum letzten Male auf Heimatboden drücken, freilich aber auch, Herr Pfarrer, auf daß das Reisegeld in eigner Tasche ihn wirklich zum Ziele und nicht von neuem auf einen Abweg führen möge. Denn ich hätte es leichtlich nicht zum zweiten Male schaffen können, ich konnte es schon das erstemal nicht aus eigenem Vermögen. – Es wird Sie bedünken, Herr Pfarrer, als ob diese Weitläufigkeit in meines Bruders Sache nichts mit der Schickung zu schaffen habe, nach deren Kenntnis Sie verlangen. Sie hat nichts mit ihr zu schaffen gehabt, das ist wahr, die Welt hat nichts von ihr erfahren, der Name meines Bruders ist in dem unseligen Handel nicht genannt worden, ich kann nichts beweisen – ich darf's nicht sagen – nicht denken, einmal was – aber – aber – kurzum, sie sollen auch diesen Zusammenhang kennenlernen.

Ich hatte dem Anwalt Vollmacht ausgestellt, an dem Morgen unserer Abreise die Wechselschulden meines Bruders einzulösen. Es ist geschehen. Kein Wucherer oder Lüdrian darf den, welcher den Namen ehrbarer Voreltern getragen hat, der Untreue um eines Hellers Wert bezichtigen. Am letzten Nachmittage machte ich vor Gericht an den Papiermüller eine Verschreibung auf mein Grundstück so hoch etwa, als sich die Summe des Fahrgeldes und eines mäßigen Notpfennigs zum Anfang in der Fremde belief. Daß ich just diesem Menschen in die Hände fallen mußte, war das Widerwärtigste bei dem Handel. Aber das Geld war klamm in der Zeit, der Eisenbahn halber, zu deren Bau der letzte Taler gegen einen Schein verzeichnet ward; Freunde besaß ich nicht, und was die Hauptsache war, die Angelegenheit blieb unter denen, die einmal darum wußten, ohne ruchbar in der Gegend zu werden, die lange schon sattsam Ärgernis aus dem Klushofe gezogen hatte. – Aber kein lästigeres Ding, als eines Menschen Schuldner zu werden, den man mißachtet im Herzensgrunde und dem man den erlauerten Lohn nun und nimmer gewähren will. Der Müller hatte meinen Bruder in sein Verderben und mich in Verlegenheit spielen helfen, jetzt drängte er sich mit seinen Gefälligkeiten an mich heran. Da ich sie einmal angenommen, – ich habe schwer dafür gebüßt, Herr Pfarrer, die Ängste meiner Nächte diese zehn Jahre lang sind des Zeugen! – da ich sie angenommen, konnte ein Habdank nicht verweigert werden, und als ich mit ihm in der Dämmerstunde von den Gerichten kam, wo unser Handel abgeschlossen worden, wußte ich keinen Rat, mich seiner Begleitung zu erwehren.

Ich ging nicht den Waldweg wie damals, sondern die große Straße, auf der die Menschheit wogte, indem wie heute die Jubilatemesse in der Stadt zu Ende lief. Ich konnte die Ratgebungen des Menschen wohl gebrauchen, denn er war mancherwärts in der Welt umhergekommen; die Reise aber, die ich morgen in der Tagesfrühe antreten sollte, war für mich ein neues und schwieriges Unternehmen. Freilich verdroß es ihn, daß ich sein Anerbieten, mir auf dem Hin- und Herwege zur Seite zu stehen, rundweg von mir wies, und mein Grauen bei seinem Vorschlag, jetzt bei Abend und mit ihm allein einen Abstecher nach seiner Mühle zu machen, um das verschriebene Geld in Empfang zu nehmen, gewährte ihm eine tückische Rache. Ich war ärgerlich gegen mich selbst, daß ich den Fall nicht vorausbedacht und auf die Auszahlung an Gerichtsstelle gedrungen. Ich mußte das Geld vor Tag haben, und so sauer es mir ankam, ich wußte keine Ausflucht, als den widerwärtigen Überbringer nach meinem Hause zu bestellen. Es konnte Nacht darüber werden, und: ›Zur Nacht also auf der Klus!‹ rief jener auch mit einer hämischen Vertraulichkeit, indem er mir zum Abschied die Hand drückte, just in dem Augenblick, als ich, halb sinnlos vor Schrecken, gegen einen Begegner taumelte, den ich im Halbdunkel und unter dem Volksgewirr auf der Straße nicht hatte herankommen sehen. Es war der Simon, der Mann, mit dem ich die Treue gewechselt, den ich von mir gewiesen, als ich nach einer Trennung von Jahr und Tag unerwartet mit ihm zusammentraf, und der mich jetzt allein, im Dunkel, auf offener Straße, in verfänglicher Bestellung mit einem als meinem Freier in der Gegend Berufenen gewahr wurde!

Einen Augenblick standen wir uns gegenüber starr und stumm. Ich sah, wie das Blut ihm zu Kopf schoß und er mit der geballten Faust nach dem Herzen faßte, dann aber mit niedergeschlagenen Augen rasch zur Seite wich. ›Ich schicke meinen Bruder nach dem Geld!‹ stieß ich hervor und rannte wie von einem bösen Geiste gepeitscht die Straße entlang. Ich hörte des Menschen heimtückisches Lachen, blickte um und sah, wie er, seinen Arm in den des Simon gelegt, den Seitenpfad nach der Mühle einschlug und bald darauf im Abenddunkel verschwamm. Auch andere haben diesen gemeinschaftlichen Weg der beiden gesehen und bezeugt, ich selbst bezeugte ihn, Herr Pfarrer, ja, auch ich – und er ist zu einem schweren Verdachtsgrunde gegen den unglücklichen Simon geworden.

Der Knecht, denn ich hielt schon damals nur einen, welchem ich die Besorgung des Gepäcks nach dem Bahnhof aufgetragen, war noch nicht zurückgekehrt, und so schickte ich denn wirklich meinen Bruder zur Empfangnahme des Geldes in die Mühle. Bei richtiger Besinnung würde ich den Knecht erwartet haben, aber: ›Daß der Mensch nicht kommt!‹ das war mein einziger Gedanke. Mit Todesangst harrte ich meines Bruders Rückkehr. Stunde auf Stunde harrte ich vergebens, schwach und immer schwächer durch die Hoffnung getröstet, daß der Simon in seiner Nähe sei. ›Er hat durch den Müller von seiner Abreise Kunde erhalten‹, dachte ich, ›er läßt den Freund nicht ziehen ohne Lebewohl. Er wartet in der Mühle auf ihn, wenn er ihn gar nach der Klus zurückgeleitet, – oder zum letzten morgen früh an der Bahn, – ein Augenblick muß sich dann finden, wo ich unbemerkt an ihn herantreten und mein Herz gegen ihn erlösen kann. ›Simon‹, will ich dann sagen, ,dein, wie ich gelobt, kann ich nicht mehr sein, aber auch keines andern, keines andern, Simon, nun und nimmer!‹

Die Nacht verging, und keiner kam. Der erste Dämmer graute gen Morgen, die Glocke schlug drei. Ich durfte nicht länger zaudern, um vier sollte der Dampfzug abfahren. Ich ging allein, nein, ich flog, immer noch in der Hoffnung, einem oder dem andern auf dem Wege zu begegnen. Es war Sonntag, die Straße wie gefegt. Dort aber auf dem Querwege von der Mühle her nach der Bahn, da schritten zwei, zwei dunkle Punkte im Morgennebel – aber zwei, nicht drei.«

Des Pfarrers Blicke hingen in lebhaftester Spannung an Judiths Lippen. Sie stockte, aber nur eine Sekunde lang. »Nun zum letzten«, sagte sie mit zitternder Hast. »Und dann für immer still, still zwischen uns Herr Pfarrer, auch über das. Hier drinnen wühlt's, – aber draußen Ruhe! – Da, wo der Weg von der Mühle mit dem von der Stadtbrücke zusammentrifft, da war's. Zur Rechten der Bahndamm, links das Weidengestrüpp im ausgestochenen Sumpf. Das erste Glockenläuten drangt von dem Bahnhof drüben; wie eine Rasende schnelle, keuche ich durch die dunkle Torfahrt unter dem Wall, und jenseits am Ausgang starre ich, als hätte sich die Hölle vor mir aufgetan. Kaum zwanzig Schritt von mir, grell beschienen von der aufgehenden Sonne, da liegt der Müller in seinem Blut, verrenkt im Krampf, Schaum vor den Lippen, die Fäuste geballt, bläulichweiß – eine Leiche! Einen Augenblick sehe ich nur ihn, im nächsten regt's sich in den Weiden, eine Gestalt schwankt herauf, fahl wie der Tote selbst, an den sein Fuß sich stößt; feuchte Nebeltropfen, dürre Halme in dem struppigen Haar, Schrammen und Beulen, geronnenes Blut an Gesicht und Hand, die Kleider zerfetzt, die Glieder schlotternd, das Auge starr, als wäre es von Glas. Er stolpert, taumelt zu dem Toten nieder, starrt mit blödsinnigen Blicken in sein Gesicht, zieht das Messer aus seiner Brust und hält es dicht vor die eignen Augen wie im Wahn. Und da stehe ich, vermag nicht rückwärts und nicht vorwärts, ich höre die Schritte der Patrouille, die vom Tore her –.«

»Nicht weiter, nicht weiter, unglückliches Kind!« rief der Pfarrer, helle Angsttropfen im Auge und auf der Stirn. »Ich habe die Akten gelesen, ich kenne den Rest.« – »Ja, eines, noch eines«, versetzte Judith mit schrillem Ton, »das Letzte – mein Zeugnis vor der Wache und später vor Gericht!« – »Ich kenne auch dieses, meine Tochter. Ein einfaches ›Ja‹ auf die an Euch gerichteten Fragen, keine Silbe darüber, ›der Wahrheit gemäß, wie Eure leiblichen Augen sie geschaut‹, so sagtet Ihr selbst vor einer Stunde kaum.« – »Hätte ich lügen dürfen, Herr Pfarrer?« flüsterte Judith mit angstvoll gespanntem Blick, als lausche sie ihrer Absolution. »Eine Wendung erfinden, die den Verdacht von dem Unglücklichen abgelenkt?« – »Nein«, antwortete der Pfarrer entschieden. – »Oder leugnen, daß ich sah, was ich gesehn?« – »Leugnen bedeutete kaum Geringeres denn lügen, liebe Tochter.« – »Aber schweigen! Mein Verhältnis zu dem Simon bekennen und mein Zeugnis verweigern?«

Der Pfarrer blieb eine bestimmte Antwort auf diese Frage schuldig. – »Die Patrouille«, sagte er nach einigem Sinnen beruhigend, »die Patrouille hatte Euch kaum hundert Schritte durch die Torfahrt vor sich her eilen sehen. Ihr offenbartet nicht mehr, als sie selber wenige Sekunden später entdeckte, entdeckt haben würde auch ohne Eure Dazwischenkunft. Euer Zeugnis war ohne Wert für die Anklage.« – »Nicht um der Anklage willen, Herr Pfarrer, um seinetwillen, dessen Herz mein Zeugnis gleich einem Todesstreich treffen mußte.« – Des Pfarrers Kugen senkten sich. Nach einer Pause setzte er der Frage eine Gegenfrage gegenüber. – »Glaubtet Ihr an seine Missetat in jenem Augenblick.« – »Ja«, sagte das Mädchen gepreßt. – »Und seitdem und heute?«

Ihr Kopf sank tief auf die Brust herab; der geistliche Freund fühlte im eignen Herzen den doppelköpfigen Wurm, der den Frieden des ihrigen zernagte. – »Glauben, das heißt: einer unerweislichen Sache in seinem Herzensgründe gewiß sein«, sagte er, indem er ihre Hand ergriff. »Meine Tochter, bist du noch heute seiner Missetat gewiß?« – »Nein«, antwortete Judith tonlos, wiederholte darauf aber laut und heftig: »Nein, nein, nein!« – Und: »Nein, nein, nein, aus dem Grund auch meines Herzens!« rief der Pfarrer; »nein, nein, nein! Aller Vernunft, dem Augenschein, ja seinem eignen Zugeständnis zum Trotz! Kein stärkeres Licht als das eines guten Glaubens, meine Tochter! Flehen wir miteinander zu dem Richter aller Seelen, daß dieses Licht eine Leuchte werde, die eine dunkle Kerkernacht erhellt. Zaudern wir nicht, rasten wir nicht. Forschen wir, werben wir, kämpfen wir für unsern Glauben an ein Menschenherz; ist er die Wahrheit, wird Gottes Fingerzeig uns zum Siege verhelfen. Und nun vorwärts, liebe Tochter, es ist spät geworden, und ein böses Wetter droht. Ich gehe in Euer Haus, meinen Sylv zu trösten und der erlösten alten Frau den letzten Erdenschmuck in die Hand zu legen.«

Er deutete bei diesen Worten auf den Strauß, den er im Gehen gepflückt, und schloß ihr Gespräch, ein kindlich seliges Lächeln auf den Lippen. – »Atmet diesen Duft, meine Tochter! Süß und kräftig wie keiner, dieser Hauch der kleinen weißen Glocken. Mir klingt's wie Auferweckung, saug ich ihn ein. Auferweckung der toten Herzen, Auferweckung auch der lebenden! Voran, voran, und Gott mit dir, mein Kind!«

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