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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 99
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
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XXXXVII

Hannie, Liebste, einzig liebe Liebste! denk dir, vorhin klingelts und ich gehe und der Austräger meiner Verleger steht draußen:
er solle mir Geld bringen!

Geld? und mir? und der Mensch packt dreihundert Mark auf den Tisch!
und einen Brief: von den ›Sprüchen eines Steinklopfers‹ werde eine zweite Auflage notwendig!

Denk dir: eine zweite Auflage! und dreihundert Mark! ... für Gedichte! für unsere Gedichte!
und von ›Faun und Totenkopf‹ seien auch nur noch wenig Exemplare da!

Hannie, denk doch: dann sind beinahe tausend Menschen auf der Welt, die sie haben und sich daran freuen! denk doch: tausend Menschen!
wie haben sie den Weg zu ihnen gefunden?
und wo sind sie alle? und ...
es war vielleicht doch nicht vergebens!?

Tausend Menschen, denk doch!

 

Aber ... nun ... nun erst recht nicht nachgeben! nun erst recht immer weiter und weiter! in aller Stille! bergauf! und wenn es noch viel schwerer wird! und wenn es das ganze Leben kostet! nun erst recht nicht müde werden oder es sich genug sein lassen! und wenn sonst was käme! nun erst recht nur geben, was bis in die letzte Falte klar und fest und durch und überdacht ist und so gut ... als man eben kann!

Wenn ich bloß wüßte, wo du wärest, um es dir schwarz auf weiß zu zeigen!

Und wie die Mutter sich freuen wird!

*

Von Hannie

Ich hab wieder weinen müssen auf deinen Brief hin, wie ein dummes Kind, ganz haltlos! und dann war ich bei dir, doch du warst nicht da! ...

Ja, nun erst recht!

Ich freu mich, Jostel, daß du das sagtest, und wir wollen es so halten! du darfst nicht müde werden und ich wills auch nicht werden!

Es soll unser Leben sein, daß: was du möchtest, siegt! wie für andere andere Dinge das Leben sind. Wir wollen alle unsere Wünsche ihm unterordnen, als Nebensache! sie sollen nur wie die Wellen eines Meeres sein, über das unsere Schiffe in die Ferne suchen, und wenn sie auch einmal auftoben und über Deck schlagen, einerlei! wir müssen es zwingen und ich will stolz sein, dir mitgeholfen zu haben!

Ich will auch ganz stark sein und möchte nur, daß du so an mich glaubst, wie ich an dich, so über alles Kleine und Bindende hinweg! gelt?

 

Gestern Abend kam Hella, mir Rosen zu bringen aus ihrem Garten, die letzten, und mich abzuholen. Auf dem Weg fing sie plötzlich an: sie möchte gern in ein Exemplar deiner Gedichte ein paar Zeilen von dir haben. Ob ich dir schreiben würde. Ich sagte, ich hätte neulich irgendwo gehört, du seiest augenblicklich verreist, sie solle dir aber ruhig einmal ihr Buch hinbringen. Du tätest ihr nichts ... und würdest dich gewiß nur freuen, ihr etwas einzuschreiben.

Wenn sie kommt also, schreib ihr ein paar Verse: Rosen, Lachen, Lieder!

Vielleicht lädt dich Frau von Dreiweg daraufhin einmal ein und ... es wäre ganz schön, wenn du sie kennen lerntest.

 

Guck, wenn wirs gemacht hätten, wie wir auch einmal dachten, dann wären wir ein oder zwei Jahre lang vergnügt gewesen, aber ... auf Kosten alles Späteren und hätten längst nun unseren Lohn dahin!

So ... liegt es vor uns ... immer schöner und reicher werdend von Jahr zu Jahr!

Ich schenk dir einen Spruch zur Erinnerung an heute. Ich hab ihn in Rapallo an einem Haus gelesen und mit Hilfe von Vaters bißchen Latein entziffert und mir zurecht gelegt:

Exagitat frondes immoto stipite ventus!

Was Blatt ist, mag im Wind verwehn, der Stamm soll stehn!

Ich glaube freilich, daß kein Deutsch ihn so umfassend wiedergeben kann.

Ich wollte ihn dir auf die Löwendecke sticken, aber ich kam nicht mehr dazu. Nun sollst du ihn zu heute haben.

Tausend, tausend, tausend Grüße und Küsse. Hast du nichts weiter vor, so hol mich doch um zehn Uhr von Dreiwegs ab.

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