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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 8
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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VI

Herzblut lasse ich nun endgültig liegen. Ich komme nicht in Stimmung dazu. Es ist ja nur Kauf alles und Handwerk und Mache ... aber ... ich glaube, ich bin darüber hinaus!
der rechte Zorn ist mir allmählich abhanden gekommen und ohne Zorn wird es nichs ...

Es bleibt eben Bruchstück, was ich gewollt habe.

*

Es sollte noch einmal der große Kampf werden um den Glauben unserer Jugend, den wir zu kämpfen haben, wenn wir aus der Heimat kommen:

›Über Bord mit deinen Träumen! es sind Lügen! die Welt ist anders, als du denkst!‹
der Kampf, der eines Tages einen Riß in jedes Leben reißt, denn wir kranken alle an diesen Träumen ...
wir glauben alle einmal: die Welt wäre, wie man in Kinderzeiten uns erzählt und wie wir hören und lesen. Wir hören und lesen überall ja nur, was uns bestätigt, und nie, was uns verurteilt!
wir glauben alle einmal: die Menschen seien oder sie bestrebten sich wenigstens, zu sein, wie man uns sagt, man müsse selber sein. Man zeigt uns immer nur das Ziel und nie den Weg!
wir nehmen alle einmal die Forderungen, die die Dichter und Richter der Menschheit aufgestellt, als erfüllte Wirklichkeit und bauen uns in kindlich gottgroßem Überglauben eine Welt zurecht, die es nie gab und niemals geben wird ...
und des eigenen Lebens erwachende Kraft läutet die Glocken und wir stürmen auf und lichten die Anker und suchen und suchen und wollen finden, was wir suchen! und was wir finden ...
o, es ist nie und nirgends auch nur der Wunsch: ein eigenes Leben zu leben, einen eigenen Glauben zu glauben, eine eigene Welt sich zu schaffen ...
es ist immer und immer alles nur Bequemlichkeit und Geschäft und Vorteilsucht! Kauf und Handwerk und Mache!

Über Bord mit deinen Träumen! es sind Lügen! die Welt ist anders, als du denkst!

*

Aber der rechte Zorn ist nicht mehr da! ich kann nicht mehr darüber weinen! lachen freilich, wie ich möchte, auch noch nicht!

Ich sage immer noch: die Wirklichkeit hat recht! und beuge mich ihr und den Forderungen ihres Alltags, aber ...
ich ereifere mich nicht mehr, wenn ich sehe: wie schon der bloße Schein genügt und wie alles nur Pappe und Leimfarbe ist und wie leicht es, König spielen können, wenn man die nötige Unverfrorenheit besitzt und nicht zu bürgerlich gesonnen bei der Wahl der Mittel!
ich ereifere mich nicht mehr!
das alles muß vielleicht so sein und war in keiner Gegenwart am Ende anders!

*

Und Kunst? und Kunst?

Weißt du noch: wie wir uns vom Geschrei der andern irre machen ließen und Sperlinge für Adler hielten!
wie wir uns von der eigenen Augenblicks-Begeisterung betören ließen, Messing für Gold zu nehmen!
wie wir uns von den Tatsachen äußeren Erfolges irre machen und zurückdrücken ließen!
wie wir mitunter heimgingen vom Theater, zerstört und zerbrochen: ob auch uns einmal eine solche Stunde schlüge?!
und wie es uns umwarf, wenn am andern Tag die Blätter schrieen: ein neuer Dichter sei erstanden! ... und:

 

Wo blieb dieser ganze Ruhm? wo sind sie alle diese stolzen und bejubelten Sieger? wer weiß noch was von ihnen?

*

Wir haben Dinge mit Kunst zusammengebracht, die gar nichts mit Kunst zu tun hatten
und es wären Windmühlen gewesen, gegen die ich zu Felde gezogen, keine Ritter, keine Helden!

 

Und wenn es trotzdem mich zu Zeiten packt: wenn Gott und Welt Windmühlen Ritterehren erweist, daß ich auffahre: obs nicht doch der Mühe wert, zu einem Turnier zu satteln ...
der rechte Zorn ist nicht mehr da. Es war in keiner Gegenwart am Ende anders. Wozu nach rückwärts kämpfen? man kann Besseres! Vorwärts! weiter! Lachen lernen! und ... an dich selber glauben!

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