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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 71
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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XIX

Sonntag.

Tief im Westen der Mond ...

Über den Hügelhöhen drüben der breite blauschwarze Streifen ist das Meer ...
das weiß-rote Blickfeuer über dem Busch, geradeaus, der Leuchtturm der Oie ...
das Flimmern am Horizont ... Lichter des Festlands ... wie ein fernes Jenseits liegt es im Schweigen der Nacht ...
und dann: die Schattenlinien von Thiessow, vom Klein- und Groß-Zickerberg, und im Vordergrund Lobber Ort und der Strand ...

 

Wie still alles! totenstill! Nähe und Ferne!
ich hätte nicht gedacht, daß Leben so still sein könnte und doch leben!

Und die Sterne! ach ja, die Sterne!

In der Stadt vergißt man ganz, daß es Sterne gibt ... und man sieht auch nichts von ihnen zwischen all den Häusern!

 

O es ist ganz wunderherrlich: der große Bär, der Abendstern, der Jupiter, und die Milchstraße! o es ist wie ein Märchen!
und wenn ich das Glas abnehme, ist es fast noch schöner ... es schwimmt und flimmert dann alles in einander ... es ist dann wie ein silberblau bewegtes Meer über mir ...
noch märchenhafter, noch unendlicher!

*

O daß du hier wärest!
daß nicht bloß ich allein es sähe! daß auch du es hättest! daß wir es zusammensähen!
daß wir Hand in Hand stehen könnten in der Nacht der Gärten und ...
o ich hab so Sehnsucht nach dir, so allgewaltige Sehnsucht!

Es ist so schwer, sich immer allein freun zu müssen an so Schönem!

*

Hinter dem Nußbaum, im Sandbruch am Südstrand orgelt ein Karussell auf ...
ich sehe seine roten und blauen Lichter zwischen den Bäumen hin und hertanzen ...
wie aus ferner Ferne aber klingt seine Musik zu mir herauf und das Lärmen und Schreien der Kinder ...
wie aus menschenalterweiten Weiten ...
wie aus Zeiten ...
die man vielleicht nur geträumt hat.

 

Ich glaube, es ist das Meer, das alles so ins Ferne spinnt
und alles Lachen, alles Jauchzen mit heimlich leiser Wehmut überrinnt!

 

Ein großer Nachtschmetterling schwirrt ins Fenster und kreist um meine Lampe ...
ein Windstoß blättert meine Schreibereien auf ...

 

Wenn du hier wärest, würde ich sagen: komm wir wollen Kinder sein, Liebste, und hinuntergehen und Karussell fahren!
mit dir könnt ichs!
allein bin ich zu alt!

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