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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 70
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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projectid75027f19
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XVIII

Nun kenn ich jeden Weg und Steg,
nun kenn ich jede Bank im Wald
und jeden Gang und jeden Hang
diese ganze licht-selige Welt entlang,
Schlupf und Schlucht und Busch und Baum
Haus und Hof und Heck und Zaun,
Sturz und Stein ...
und möchte nur und möchte:
du könntest mit mir sein!

Das blaue Meer
und Strand und Land
und Wies und Wald und Höhn ...
so hell die Sonne niedergrüßt,
so golden jeder Tag verfließt ...
es wäre noch einmal so licht,
so selig und so schön!

*

Die Schwalben auf dem Fenstergesimse würden uns wach zwitschern,
und die Sonne blitzte am Himmel,
unsere alte treue siegende Sonne!

Und alles wäre hell und froh und frei und klar und heiter ...
die Gärten mit ihren blühenden Rosenstöcken,
die Wiesen mit ihren Schmetterlingen,
die Heide mit ihrem Thymianduft,
die Hänge umher mit goldenen Feldern,
umhütet von Eichen- und Buchenwäldern,
und da und dort und überall
das Meer!
unser altes ewig junges heiliges Meer!
hell und froh und frei und klar und heiter!
die ganze Welt ein einziges großes sommerseliges Jubellied!

*

Und der ganze Tag gehörte uns und unserer Freude
und wir gingen die Wiesen hinunter, all die lieben kleine Wege, und hanghinauf in unseren Frühlingswald
und sängen und lachten und nähmen uns bei der Hand, wie damals ... weißt du noch:
wie wir wegauf und ab tanzten wie Kinder, und uns küßten und weitertanzten, und wie die alten ernsten Bäume ringsum verwundert aufrauschten ob uns närrischen zwei Menschendingern?
und wie wir mit einmal dann auf der kleinen runden Wiese standen, atemlos, in grünflimmerndem Licht, blaublauer Himmel über den Kronen der Eichen und ...
alles still und groß und feierlich, wie in einer Kirche ...

 

Weißt du noch? und ...
wie wir uns ansahen, du mich, ich dich ... scheu und schauernd plötzlich und erschrocken, als ob wir uns noch nie gesehen hätten ...
ein paar Augenblicke ...
wie ein Zauber:
als ob wir gar nicht dieser Erde wären!
...

Und dann setzten wir uns ins Gras und gaben uns die Hand und sahen ins Grüne:
wir wollen uns gut bleiben, was auch komme!

 

O, ich hab dich so lieb, Hannie! so lieb, so lieb!

*

Und wenn die Sonne untergeht,
würden wir auf den Berg steigen und ihr sagen:

Wir danken dir, Sonne, für diesen seligen Tag!

Sehnsucht zu dir ists, die uns zusammenfinden ließ! wir wollen an dich glauben und dir treu bleiben!
und uns von keiner Schwere mehr das Herz erdrücken lassen!

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