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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 67
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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projectid75027f19
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XV

Nun aber freu dich auch, schriebst du heut:
Du hast nun alles, was du wünschtest:
Meer und Berge und Sonnenschein!
ich wollt, ich könnte mit dir sein! ...
und wenn die Fäden hinter dir reißen,
was liegt daran?!
sie knüpfen alle sich rasch wieder an?
Man muß einmal einen Abschnitt machen,
wie oft hast du das selber gesagt,
man muß einmal über die Berge gehn,
um sich von anderswoher zu sehn!
Man verliegt zu leicht und verliert den Maßstab,
den Blick fürs Ganze und wird langweilig
sich selbst und den andern ...
immer nur Arbeit tuts nicht allein,
es braucht auch Auslug zwischenhinein,
Sichtung und Sammlung!

Ich wollt, ich könnte mit dir sein!

*

Ja, du hast recht! ich will es lassen!
es führt zu nichts ... und macht bloß müde!
Nur abends eben, wenn alles vorüber,
und wenn ich noch ein bißchen gehe,
allein zu sein,
den Hang hinauf, das Meer zu sehen
und die blitzenden Sterne zwischen den Wolken,
kommt es mitunter ... und wenn ich dann denke:
was und wie viel ... wie viel ich gewollt,
und wie die Jahre darüber verrollt,
und wie fast alles nur Stückwerk geblieben:
Schaffen . Kämpfen . Leben . Lieben ...
dann ist etwas, das in mir grollt!
dann ist etwas ... o nein, nicht Reue,
weiß Gott nicht, nein! ...

Doch, du hast recht: ich will es lassen!
ich will mich des Erreichten freun
und des noch Kommenden fröhlich sein!

*

Die Hälfte, sagst du, sei doch immer geglückt,
und das sei viel!
und mehr gelänge überhaupt nur selten!
ich hätte keinen Grund zu schelten!

Gewiß, gewiß: die Hälfte ist viel,
vergleichst du den Anfang ...
und doch, sieh, so wenig, so herzlich wenig,
vergleich ichs zum Ziel!

Man müßte drei Leben zu leben haben,
und nicht bloß dies eine, das halb vorüber,
bis man erkannt hat, wie man es nützt,
und bis man endlich im Sattel sitzt!

Man müßte drei Leben zu leben haben,
eins in die Tiefe und eins in die Höhe,
dreifache Zeit und dreifache Kraft!
Bei unserem einen heißt es:
sich begnügen
und schweigend seine Sehnsucht betrügen
mit dem, was man im Vorbeigehn errafft
und schafft! ...

Oder aber ...
nun hab ichs wieder:

Die alte Jugend grüßt herüber
und klingt das Schwert:
Tiefe und Höhe von drei Leben
in einem zu zwingen, in einem zu leben!

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