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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 65
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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projectid75027f19
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XIII

Abendgoldklarseliger Frieden überall ...

Ich sitze am Fenster ...
zum ersten Mal vielleicht seit Jahren ohne Hast und Unruhe in der Seele ...

was kommt, das kommt!
Sturm oder Sonnenschein!
hast du die Hand nur fest am Steuer
wird Leid und Weh auch dir zum Ziel gedeihn
und frischer Wind nur in die Segel sein! ...

 

Hügel und Heide
und über Hügel und Heide das Meer,
groß und frei, in wundersamen Farben schillernd ...
weiße Wolkenkränze horizontentlang ...
und Bann um Bann und Zwang um Zwang löst sich und fällt ...
und wie fernabziehendes Sturmgewölk sinkt all die Sorge in die Tiefe, mit der ich mich herumgeschleppt und müde gemacht ...
alles Kleinliche und Hemmende ...

 

Und ich steh und frage mich: warum, wozu hast du dir so das Herz verhärmt?!
wozu dies ewige Zweifeln und Bedenken?

Es ist so einfach alles, wenn mans einfach nimmt! ...

 

Was kommt, das kommt:
Sturm oder Sonnenschein!
hast du die Hand nur fest am Steuer,
wird Leid und Weh auch dir zum Ziel gedeihn
und frischer Wind nur in die Segel sein!

*

So: in Schönheit zu leben ...
in sich selber klar und still und die Dinge umher alle übersehbar offen und in ruhigem Geleise ...
eins mit sich und mit der Welt ...
arbeiten dürfen, nicht arbeiten müssen ...
ich denke immer:
so eigentlich müsse das Leben sein, das sich der Mensch auf seiner Erde schaffen müsse ...
und nicht dies ruhelose, immer unsinniger werdende Gehaste und Gehetze unserer Städte.

 

Aber alles, was er tut und ersinnt und wofür er sich abmüht und verbraucht, all die Kunststücke und Herrlichkeiten, die er sich zurechtdenkt und erfindet und auf die er so unsagbar stolz ist ...
sie führen immer weiter davon ab!
sie führen immer weiter davon ab!

Anstatt zu vereinfachen, erschweren und verwickeln und verwirren sie das Leben immer unlösbarer und verblenden ihn immer mehr!
er vergißt immer mehr, zu welchem Ziel er alles macht und schafft!
und sieht immer weniger, wie er sich die Quellen verschüttet und wie er sich gerade das zerbricht, das er damit erringen und gewinnen wollte!
anstatt zum Freien macht er sich zum Knecht!

*

Dich und dein Leben in Einklang bringen mit deiner Sehnsucht und in Einklang bringen mit den Dingen der Welt ...
o, es wäre nicht so schwer ...
wenn wir uns nicht immer selbst den Weg dazu verwürfen
und wenn wir gelassener und vertrauender auf das in uns, das da hinaussucht eben über das Herabzerrende und Lähmende des Werktags, den wir haben Herr werden lassen!
und wenn wir nicht immer und immer in Waffen stehen müßten gegen einander und uns verteidigen nach allen Seiten gegen Nichtigkeiten, Neid und Niedrigkeit ...
o, es wäre nicht so schwer ...
es wäre noch immer nicht unmöglich!

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