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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 61
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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IX

Sieh, Liebste, das ist so schön und das dank ich dir im stillen jeden Tag aufs neue:

 

Daß du mir nichts von all den kleinen Demütigungen und Entwürdigungen antust, mit denen so viele Frauen ihren Männern langsam den inneren Stolz zerfasern, den man haben muß vor sich selbst, wenn man nicht bloß Haushaltungsvorstand sein soll ...
im besten Glauben, in aller Liebe, aber
mit ihrer ganzen Art, zu sein und ins Leben zu sehen: überall auf kleine Augenblicksvorteilchen bedacht und alles nur unter diesem Gesichtspunkt zu beurteilen ...
mit ihrem Hang: wenn es Verdruß gab, die Dinge zu stellen und zu legen, wie sie, wenn man sachlich zusieht, nie gewesen sein können!
mit ihrer Neigung: auch hinter zugezogenstem Vorhang noch sich selbst alles mögliche vorzumachen, und was unangenehm, irgendwo in eine Schublade zu schieben und zu glauben, damit sei es erledigt.

 

Ohne es zu wollen, aber ohne es zu fühlen auch, zerbröckeln sie ihm damit den inneren Stolz und mit diesem Stolz auch die stumme heimliche Verehrung, mit der der Mann die Frau umhegt, die er lieb hat ...
bis er schließlich wird, wie er nie sein möchte, wie neunundneunzig aber von hundert sind.

 

Flöte war da und wir kamen darauf.

*

Der Mann ist immer Kind in seiner Seele, weit mehr vielleicht als die Frau!

Er darf es nur nie sein!
und darum wurde ... sein Arm stärker als der der Frau und sein Herz härter und sein Wille rücksichtsloser
und nun
träumt er von der Frau, was er selbst nicht sein darf und vielleicht auch nicht mehr recht sein kann ... denn es verkümmert schließlich, was sich immer und immer zurückhalten und verbergen muß.

*

O, daß die Frau es mehr verstünde, über Zaun und Hecken hinweg in seiner Seele zu lesen
und ihn Kind sein zu lassen ihr gegenüber, wenn er einmal müde ist, Herr zu sein und die Zügel für ein Weilchen aus den Händen geben möchte!
o, daß sie mehr verstünde, mit ihm zu gehen durch die Stimmungen seiner Sehnsucht
und ihnen entgegenzufühlen!
daß sie nicht immer bloß eines wäre: Kind oder Frau oder Mutter, daß sie mehr vermöchte: alles zugleich zu sein!
wie sie selbst von ihm ganz ebenso doch Kind und Mann und Vater haben will und nicht bloß eines!

 

Er will, was Kind in ihr: die ganze zutrauliche Zärtlichkeit ihrer Seele, ihren Glauben, ihre Fröhlichkeit und Leichtigkeit!
er will, was Weib in ihr: ihre Sehnsucht nach Leben, den Durst ihrer Sinne, ihre Leidenschaft und Eifersucht!
er will, was Mutter in ihr: ihren Stolz, ihre Güte, ihre behütende Sorglichkeit und Treue und Aufopferung!

Er will, sie soll seine Helferin sein bei allem und im Kampfe mit ihm stehen, aber er will auch, sie soll darüber hinaus sein und Hüterin seines Hauses!
er will, sie soll Dienerin sein und zugleich doch wieder Königin!

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