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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 58
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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projectid75027f19
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VI

Heute Mittag war eine junge Dichterin da ... zweiundzwanzig vielleicht. Es sei schon viel von ihr gedruckt, da und da, aber sie möchte nun gern ein eigenes Bändchen herausbringen. Ob ich ihr nicht raten könnte? und ob ich vielleicht einen Verleger wüßte? Sie habe auch schon Novellen geschrieben und Honorar wolle sie vorderhand nicht.

Ein feines vornehmes Gesichtchen. Sehr hübsch. Dein Haar, kluge überlegsame Augen und ruhig-selbstverständliche Bewegungen, fast ein bißchen zu sicher für ihr Alter ...

 

Ach Hannie, daß man so ein Geschöpf, wenn es so dasitzt und davon redet: Dichterin werden zu wollen, daß man es doch bei seinem lieben Köpfchen nehmen dürfte und ihm das Haar zerzausen und es abküssen und ihm sagen:

Kind! Kind! werfen Sie den ganzen Plunder in den Ofen und lassen Sie dieses männermordende Spiel!

Sie denken es sich so viel schöner, als es ist! Sie denken: Sie haben was Gutes und Großes gemacht und haben es in der Tat aus übervollem heißem Herzen heraus geschrieben ... und glauben: nun kämen die Menschen und jauchzten Ihnen entgegen und brächten Ihnen Lorbeer und Kränze und ... Sie wären ... berühmt! und ...

Berühmt!? ...

Verzeihen Sie, aber ... was stellen Sie sich vor unter: berühmt-sein?! Vielleicht ... vielleicht ist es gar nicht etwas so Schönes, wie man in Ihrem Alter träumt! vielleicht tut es sogar weh! vielleicht ... möchte man es gar nicht mehr, wenn man es ist! vielleicht ...

Nein, nein! es wäre Sünde! Leben Sie sich lieber was Vernünftiges zurecht! Dichter und Dichterinnen gibt es wie Sand am Meer! Leben Sie was Schönes! und zeigen Sie da, was Sie können! das ist ein größeres Verdienst und tausendmal köstlicher
und das können viel weniger!

 

Ich habe das so natürlich nicht gesagt! Sie hätte es doch nicht verstanden! und ich hätte ihr etwas genommen und nichts dafür geben können!
und dann ...
es hat immer etwas so Rührendes, wenn sie derart kommen und wie Kinder nach den Sternen greifen!

Ich möchte dann immer selbst noch diesen Glauben haben und hundert Hände, und wär es nur, um Einem vielleicht und ... über die gröbsten Enttäuschungen wenigstens hinwegzuhelfen.

Angefangen haben wir schließlich alle einmal so!

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