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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 39
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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projectid75027f19
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XXXVII

Dein Privatdozent ist ein mutiger Mann und wird es noch weit bringen, denn er wußte offenbar nur, was jeder weiß!

Aber ...
sag ihm, wenn du ihn wieder siehst:
seine Auffassung bedeute nicht letzten Endes, sondern von vornherein die land- und literaturübliche Verwechslung von Kunst und Handwerk, und er werde, wenn er so denke, nie ein Buch schreiben können, das er nicht schon in zehn Jahren herzlich bedaure!
oder sag ihm:
du hättest einen Liebsten, der als Junge allerdings ... Lebertran bekommen hätte, aber alle Kinder hätten das bekommen und er also wohl auch! Er, dein Liebster, hätte trotzdem später viel über diese Dinge nachgedacht ... nicht so viel natürlich, wie ein wirklicher Privatdozent, denn sonst wäre er es auch geworden. Er hätte leider eben immer bloß bis zu der Grenze Geduld gehabt, außerhalb der der wirkliche Künstler stehe und wahrscheinlich auch der Fachmann ... aber ...
doch nein! sag ihm das alles lieber nicht, denn ein Privatdozent versteht keinen Spaß, bevor er nicht Professor ist und dann erst recht nicht!

 

Weißt du, erzähle ihm ganz einfach:

Es sei einmal ein kleiner Junge irgendwo irgendwie dazu gekommen, als man ein Gartenhaus frisch anstrich. Auf der Steintreppe davor habe eine schöne schwarze Katze sich gesonnt. Er sei stehen geblieben und habe zugesehen, erst der Katze, dann dem Malermeister und seinem Lehrbuben, wie sie das machten. Ich glaube, der Malermeister hieß Haberecht, wie überhaupt ja wohl alle besseren Handwerker.

Plötzlich fing er an: ob ich schon eine Katze mit grünem Schwanz gesehen hätte?!

Gibts ja gar nicht!

Was, das gäbs nicht?! das gäbs nicht! ... und mit einem Griff hatte er die Katze von der Treppe und strich ihr den Schwanz an.

Das gäbs nicht? da läuft ja eine! ... und es war . wirklich . eine . schwarze . Katze . mit . grünem Schwanz! Was bewiesen werden sollte, war bewiesen!

Schließlich aber packte mich doch der Ärger: So kann ich Ihnen auch einen grünen Kopf machen!

Komm mal her! ich werd dir einen machen! Mit Terpentin gehts übrigens wieder ab!

Doch ich zog es vor, mich zu drücken.

 

Und nun guck, Hannie, solche Katzen laufen allmählich zu Tausenden in der Welt herum! denn so haben in Beweisnöten alle möglichen Malermeister und Haberechte allen möglichen Katzen die Schwänze grün angestrichen und alles mögliche andere noch mit allen möglichen Farben, so daß kein Mensch mehr weiß, wie die Dinge ursprünglich eigentlich aussahen!

Und wenn einem nun daran läge, dem oder jenem wirklich auf den Grund zu gehen, dann könnte er sein ganzes Leben lang zunächst nichts weiter tun, als ... Katzen fangen, und wenn er sie hätte, ja du lieber Gott! ich glaube, so viel Terpentinöl, als dann nötig wäre, ist gar nicht zu schaffen! Und bei vielen ist im Lauf der Zeit die Farbe schon so ein- und durchgetrocknet, daß die Jungen, die sie kriegen, in aller Form und alles Rechtens mit süßen maiengrünen Schwänzchen auf die Welt kommen!

 

Lehrsam freilich wär es dennoch, wenn man einmal den Versuch machte, festzustellen ... und es liegen da Gebiete, noch von keines Forschers Fuß betreten: wann und wo und wie und unter welcherlei Begleiterscheinungen dieser oder jener Katze der Schwanz angestrichen wurde!

Nicht bloß der Wissenschaft zu lieb, sondern auch solch kleinen Jungen zu helfen, die nun einmal glauben, was sie glauben, und von allen Seiten deshalb dumm gemacht werden!

Aber: Wege nach vorwärts zu versuchen und beizutragen, ringenden Menschen an die Hand zu gehen und Boden zu schaffen, findet unsere Fachwissenschaft immer noch unter ihrer Würde. Alles Lebendige ist ihr ein Greuel!

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