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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 35
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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projectid75027f19
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XXXIII

Das einzige, das helfen könnte, wäre ... der Freund, den es nicht gibt!

Klicken und Klacken und Glocken und Glucken an allen Ecken ...
nicht einer aber hat den Freund, der da not täte!

 

Keinen Freund, der ihn gründen will! keinen Verleger! keinen Theaterdirektor! keinen Kunst- oder Konzertsaalbesitzer! keinen Freund, der ein Geschäft mit ihm machen will! ...
einen Freund, der nirgends mitspielt, der nur überall zusieht und die Augen offen hat ... einen stillen Helfer und Aufrichter und Klärer des Menschen ...
einen Freund, der eben ... die Freundschaft hat und zugleich das Zeug: dann und wann die Wege, die man geht, zu den seinen zu machen! der aber nicht gleich umkehren will, wenn man sich festgefahren, sondern mit abspringt:
die Richtung ist richtig! und ein Weg wird sich finden! und gibt es keinen, bricht man einen!

 

Keinen Freund, der da sagt:

Was du vorgelesen und erzählt, ist ausgezeichnet! aber fertig machen! es ist Zeit! du mußt was Neues bringen! einerlei was! die Leute warten darauf! Voriges Jahr kamst du schon zu spät! fünf Wochen früher wäre es ein doppelt so großer Erfolg geworden! ...
sondern ein Freund, der da sagte:

Was du vorgelesen ist wunderschön! aber nun verdirb es dir nicht mit übereiltem Fertig-hasten. Laß es reifen und werden in aller Ruhe! was soll diese D-Zug-Dichterei zu jedem Winter!

Nimm dir Zeit und geh lieber zu Fuß! Gutes geht immer zu Fuß! und kommt immer rechtzeitig, ein Jahr früher oder später!
und wenn sie noch so drängen, laß sie! und schreib deinem Herrn Verleger oder Theaterdirektor oder Klüngelpräses:
sie sollen den Leuten sagen: sie möchten ganz ergebenst Geduld haben und warten! du hättest auch warten müssen, und lange genug, bis sie zu dir gekommen seien! wenn sie einen Dichter haben wollten, so könnten sie einen haben, sie sollten ihn dann aber Dichter sein lassen und nicht zum Handwerker machen wollen!

Deine Bäume trügen nun einmal nicht jedes Jahr Obst! und ...
ein Künstler sei kein Huhn, das bloß hinter den Zaun zu laufen brauche! und wenn es solche Künstler gäbe, so sei das sehr schön, es gäbe ja auch Hühner! und was in der Natur vorkomme, sei in jeder Weise auch Vorbild für die Kunst ... aber ... Grenzen bestünden eben doch! und ... und du seiest nicht ... Naturalist!

 

Nicht einer aber hat diesen lachenden Freund! diesen stillen Helfer hinter den Kulissen, der ... mit einem Wort eben ... all das wäre: was eine vernünftige Frau einem vernünftigen Mann sein sollte ...
und an diesem Freund, den keiner hat, Hannie, geht unsere ganze Kunst kaputt, soweit sie nicht schon längst so weit ist! ...
ein Frühling, der keinen Gärtner fand!

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