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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 31
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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XXIX

Und es hatte so schön angefangen!

Was wir wollten, war: Verinnerlichung, Natur und Natürlichkeit! und vor allem: Menschen, die nicht bloß auf wohlgenährten Gütern wohnten, sondern auch sonst noch Sinn für etwas hatten und für die das Leben nicht bloß aus Liebesgeschichten mit unheimlichen Gouvernanten und heimlichen Königstöchtern bestand ... und auf der Bühne: Ritter, die Ritter waren und nicht bloß Blech! Fleisch und Blut und Kerle, wie der alte Götz, nicht bloß schönlackierte Jambengestelle ...
und wenn wir derart nach Menschen riefen, die nicht bloß Papier sein sollten, so galt das in erster Linie unseren Herren Dichtern selber:

sie sollten weniger Papier sein und zeit- und lebensmöglicher und ausziehen, die Zeichen zu deuten, die geschahen!

 

Die Wissenschaft der ersten Jahrhunderthälfte, die den ganzen schönen Selbstbetrug, mit dem der Mensch sich ins Dasein gestellt, unerbittlich niedergebrochen, und all die äußeren Ereignisse vorher und nachher hatten die gesamte bisherige Welt über den Haufen geworfen
und was not getan, das wären Dichter gewesen, die da zugegriffen und versucht hätten, wieder Boden zu gewinnen und dem Rationalismus der Zeit Form und Weihe zu geben und ihn weiterzuführen und zu klären oder wenigstens:

Menschen zu schaffen, die auch in dieser gebrochenen Welt noch aufrecht geblieben und dem Geschrei über die zusammenstürzenden Gewohnheiten die Stirn geboten, klar und rücksichtslos:

›Laßt fallen, was fallen muß! es war nichts Besseres wert! wir wollen froh sein darüber und einen anderen höheren Himmel wölben und an den Grundriß gehen einer neuen, stolzeren Welt!‹

 

Das war unser ›Naturalismus‹! und ...
so bin ich nach Berlin gekommen und so sind wir alle wohl damals nach Berlin gekommen!
und so haben wir uns gefunden ... an langen Tischen ... in langen Nächten!

 

Doch ... dann kamen die Schlagwörter und schlugen alles tot und zerrissen die stolze Fahne zu hundert lumpigen Fetzen!
und ... was not getan hätte, es täte noch immer not, es wäre noch immer nicht zu spät! aber
die Fackeln sind längst zusammengeworfen und erloschen!

Man fand den rechten Weg nicht und die rechte Form. Man hatte zu früh und zu ungerüstet angefangen und zu wenig Geduld und Zeit im Kampf mit dem äußeren Leben, sich und was man wollte, in Ruhe zu reifen!
vielleicht auch zu wenig Kraft!

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