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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 26
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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XXIV

Vor-wärts! vor-wärts! ...
o, deine Uhr ist wieder so grausam!

Vor-wärts! vor-wärts!
durch Sturm und Schmerz!
und brächs das Herz!
vor-wärts! vor-wärts!

All die Tage schon predigt sies, unerbittlich! und peitscht und peitscht! und ich weiß nicht, was sie will!
ich werde ihre Bleigewichte abhängen! ... ihre Bleigewichte sind es, die sie so treiben! ... doch ... nein! ... sie sind ja ihr Leben!!
und sie hat recht! vorwärts! vorwärts! und hart werden!

 

Vielleicht aber wäre sie nicht so ernst, wenn ein Sekundenzeiger dabei wäre!
was immer so tagaus und ein zusammen durch die Zeit geht, muß Fröhlichkeit und Jugend haben, sonst wird es ernst und schweigsam ...
vielleicht ist sie nur deshalb so hart, weil ihr Freude fehlt!?
o, ich könnte Stunden lang zusehen, wie er bergauf und ab spränge, leichtfüßig, lustig und mit Kuckuckchen Kuckuckchen spielte und atemlos davonliefe, wenn er es endlich aus seinem Neste gelockt ...

Nein, es sollte keine Uhren geben ohne Sekundenzeiger! Uhren ohne Sekundenzeiger sind wie Menschen ohne Jugend!

*

Ich werde die Jalousieen schließen ... und alle Lampen und Lichter anzünden ...
und die Diener sollen mit Wein kommen und Flöte soll Krone und Mantel bringen ... und die Minister sollen antreten ...
es behagt mir, lustig zu sein! ich will lachen!
ich bin es müde, dieses ewige Denken!
und diese ewige Schwere überall!

Musik!
Gesang und Geigen!
Tanz und Spiel!
Freude fehlt!
wir nörgeln zu viel!

wir werden zu weise,
wir werden zu schwer,
wir lachen zu wenig!
wer weise, ist: Bettler,
wer lachen kann: König!

*

Doch nein! die Minister sollen lieber nicht kommen! Minister sind auch nur Dinge, die nie vergnügt sein können! und immer nur denken wollen! sie sollen an ihren grünen Tischen bleiben, wo ihnen ja doch wohler ist! Ich sehne mich nach grünen Wiesen!

Leben, nicht schreiben!

Die Welt ist tintig genug! und ... Tinte ist Tod!

 

Ein Fest ohne Königin freilich ... nein! löscht die Lichter! ein Fest ohne Königin ist kein Fest!

Mandolinchen soll kommen!
nur der Narr mag noch da bleiben! er allein stört nirgends! man war ja immer selber, was er ist! und wird es immer aufs neue!

*

Ich will mich auf meinen Thron setzen und will den Kopf in die Hand stützen und in die Ferne sehen und an Jugendtage denken ...
und Mandolinchen soll mir das Lied ihrer Torheit singen, das Lied des armen, alten Königs ...
man hat vom Leben nur, was man ihm nimmt! warum nicht nimmt man, was man nehmen könnte! ...

*

Du bist so jung, du bist so lieb,
du bist wie ein kleines Frühlingslied,
du bist wie Maitagsonnenschein,
so jung und lieb ...
und ich, o Gott, ich bin so stein,
ich bin so kalt, so alt, so müd!

Du kommst und bringst mir lauter Rosen
und sagst: nicht danken! nein, nein, nein!
ich möchte dich nur fröhlich machen,
du bist so still und so allein!

Du kommst und gibst mir beide Hände
und bittest leis: auch wenn du schiltst,
da, nimm! nimm mich und meine Rosen!
und mach, mach mit uns, was du willst!

Und du bist so jung, du bist so lieb,
du bist wie ein kleines Frühlingslied,
du bist wie Maitagsonnenschein,
so jung und lieb!
und ich, o Gott! ich bin so stein,
ich bin so kalt, so alt, so müd!

*

Noch eins, Mandolinchen!

Sieh nur, wie der Mond durchs Zimmer spinnt und wie die alten Bilder an der Wand auflächeln ...

 

Aber denke nicht, ich sei König! auch wenn ich auf dem Throne sitze! ich will es gar nicht sein! ich habe kein Land ... nirgends ...
ich bin nicht König! ich bin ... ein Kind, wie du, das irgendwo aus ferner Heimat sich in diese fremde Welt verlaufen und Heimweh hat nach seinem Sonnenland ...

Denke: du seiest ich und ich sei du! ...
und lösch die Lampe ... und singe mich in Schlaf!
es träumt so schön sich, wenn die Saiten klingen!

*

Gute Nacht! gute Nacht!
schlaf wohl! schlaf wohl!
gute Nacht und träume was Schönes!
Du weißt doch, was man träumt, wird wahr,
und wär es noch so wunderbar!
gute Nacht! schlaf wohl! gute Nacht!
Ich sitz an deinem Bett und sing
und halte gute Wacht!
gute Nacht!
gute Nacht!

Gute Nacht! gute Nacht!
schlaf wohl! schlaf wohl!
gute Nacht und träume was Schönes!
Auch morgen ist wieder ein Tag wie heut,
und wenn dich meine Liebe noch freut,
und wenn der Weg dir nicht zu weit,
dann gehn wir und pflücken uns Rosen!
wie heut!
und spielen und küssen und kosen
wie heut!
Ich sitz an deinem Bett und sing
und halte gute Wacht!
gute Nacht!
gute Nacht!

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