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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 22
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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projectid75027f19
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XX

O man kann an alles Mögliche denken ... auf einer solchen Fahrt!

Man ...
man kann ... die Pferde satteln und man kann alle seine Horizonte einmal abreiten und die Posten revidieren ... einziehen, was überflüssig geworden und andere da und dorthin vorschieben!
man kann die verschiedenen Lager alarmieren, ob es klappt? ob sie vorrücken und Fühlung mit einander halten?! oder ... wo was liegen blieb!

 

O, man kann an alles Mögliche denken!

Vor und zurück!
es wird ja immer breiter voraus und man kommt immer weiter weg von allem, das zurück liegt!

Erst war es zwischen stillen grünen Hügeln ein stilles abgelegenes Tal ... nun ists die Welt!

Robinson hat man werden wollen! Kolumbus! Kreuzfahrer! Herzog! König!
und eine Burg hat man sich bauen wollen ... so stolz und groß und fest, wie das alte Schloß, das über dem Städtchen ragte ...
nur nicht so düster und schweigsam! ... mit offenen Fenstern und Balkonen ins Tal hinunter! mit wehenden Fahnen auf den Türmen und mit Gesang und Saitenspiel in den Hallen!
und die Schönste sollte ... Herrin sein!

 

O, man kann an alles Mögliche denken!

 

Man kann an seine Liebste denken! wie es wäre, wenn sie hier mit säße und so durch die Welt mit führe!
wie vergnügt sie wäre! wie ihre Augen leuchten würden! wie sie immer wieder was zu zeigen hätte: Du, sieh mal, guck: die Ruine dort! aber schnell! ehe sie wieder weg ist!
und hier, im Tal: die Mühle und der Bach! wie auf alten Kinderbildern! und auf der Wiese drüben: der Schäfer und seine Herde! ich dachte, das alles gäb es gar nicht mehr!
und die Landstraße unten! o, wie schön es sich da gehen müßte! und wie treu und lieb: den ganzen Mittag schon läuft sie neben der Bahn her und wenn sich Berge vorschieben, zieht sie in Bogen über sie weg oder sucht ganz schnell um sie herum und kommt immer gleich zurück ... weißt du, wie eine Mutter, die Angst hat, ihrem leichtfüßigen Kinde könne was geschehen, wenn sie es allein läßt! ...
oder sie würde sich in die Ecke huscheln und ein Nickerchen machen: aber wenn es was zu sehen gibt, mußt du mich wecken! und bei Zeit!

 

O, man kann an alles Mögliche denken!

 

Man kann denken: wie schön das wäre! und man kann denken: warum es eigentlich denn nicht so ist!?

Man kann ... sein kleines schwarzes Buch hervorholen und blättern und rechnen:

Das und das hättest du haben können vom Leben und hast es nicht gehabt!
warum?
und das und das hast du dafür gewollt!
und hast dus erreicht? auch nur zur Hälfte? auch nur zu einem Drittel? auch nur zu einem Bruchteil? und was du erreicht hast, war es das wert, was du dafür nicht gehabt hast?
und ... anstatt den Menschen, die dich gern hatten, Freude zu machen, hast du ihnen nicht immer nur Kopfzerbrechen und Unruhe und Aufregung gemacht? deiner Mutter, den paar Freunden, deiner Liebsten?! und vor allem und am meisten dir selber, Zeit deines Lebens?!

Deine alten Schulkameraden sind alle längst in Amt und Würden, haben Haus und Weib und Kind ...
und du?! ... und du!!
was gibt dir ein Recht, etwas Besonderes zu wollen? was gibt dir ein Recht, zu reden, wie du redest? was hast du geleistet? zeigen!!

Du willst die Welt ändern und kommst mit deinem kleinen Leben nicht zurecht! ...

 

O, man kann an alles Mögliche denken, auf einer solchen Fahrt, Hannie!
man kann an alles Mögliche denken! und ... zehn, zwölf Stunden so allein mit sich zu sein ...
o ja, o ja: es kann schon entsetzlich werden!

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