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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 151
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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XXXXIX

O ich möchte aufspringen, immer wieder ...
und durch die Welt reiten
auf weißem Pferde
mit flatternden Fahnen:

 

Du Dichter stehe auf
und laß es jedes Opfers wert sein und sei du, was die Menschen nicht sein können, bei ihrem Kampfe um ihr täglich Brot!

Du Dichter sei ihr Klärer und Währer und Richter und Aufrichter!
sei der Freund, der ihnen not tut!
ein getreuer Eckart auf ihrer Wanderung!
zeige ihnen Ziele und
schaffe ihnen Wegweiser
und geh voran
und leb es ihnen vor:
daß deine Träume stolzer sind und weiter tragen, als die Wirklichkeit!

 

Dein Wort ist mächtiger in seiner Stille, als alles Geschrei ihrer Propheten!
mächtiger als der Lärm ihrer Städte und Märkte!
mächtiger als aller Gegenwille!
es siegt darüber hinweg, wie der Frühling über den Winter hinwegsiegt!

*

Und da kein anderer es wagt ...

Du Dichter stehe auf und gehe zu ihnen und sage:

Ich komme zu euch und ich bin von Gottes Gnaden und will euch heißen, was er mich geheißen.

Es gibt nur einen Weg zur Freiheit! den: steter stiller Selbstzucht!
und nur: durch die Gesetze, die eure Großen euch geschaffen haben ...
nicht gegen sie!
erfüllt sie
und ihr werdet fühlen, wie sie tragen und eure Flügel immer weiter breiten!

 

Und wenn ihr Wort auch hart klingt,
habt nicht Furcht:
ein jegliches ›Du sollst!‹ soll immer nur dich auf dich selber stellen und einen Weg dir zeigen höhenwärts!

 

Sag ihnen:

Ich komme zu euch und ich bin von Gottes Gnaden:

Ich will keine neue Schule gründen, ich will keine neue Religion stiften, ich will niemand seinen Glauben nehmen,
ich will nur die Möglichkeit suchen, so zu leben, wie es sich vielleicht zu leben lohnt!

Wir brauchen keine neue Religion! wir haben Religionen genug, alte und neue, und jede einzelne ist wunderbar und groß und ewig genug!

Nur laßt nicht jede totes Wort nur sein!
lebt endlich einmal eine und macht Ernst!

 

Und weil dein Wort mächtiger, als das des Mächtigsten, und weil kein anderer es tut ...

Du Dichter stehe auf und sage:

 

Über aller Erkenntnis steht der Mensch!

 

Du Mensch, bist der Sinn der Welt!
und was deine Richter richten, richten sie für dich!
und was deine Denker denken, denken sie für dich!
und was deine Kunst schafft, schaffe sie für dich ... nicht für sich:
dir auf der Erde zurecht zu helfen und sie dir lieb zu machen ... und zu Haus und Heimat!
und dir Kraft zu geben,
dich zu vollenden,
und Zeit um Zeit
zur Höhe dich zu führen!

 

Für dich nur jubelt die Erde!
für dich nur flammt die Sonne!
für dich nur rauschen die Meere!
dir zu Preis nur, dir zu Ehre!
Du Mensch bist Sieger und bist Held!
Du Mensch bist König und Herr der Welt!

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