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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 135
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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XXXIII

Als ich ein Knabe war und Lenau las und Eichendorff und Heine und wissen wollte: was Dichter sei? sagte man mir:

Dichter sei, wenn man Gedichte machen könne und Geschichten erfinden. Das sei aber schwer, und die das könnten, seien ganz besonders begnadete Lieblinge der Götter! und das Schwerste und Höchste sei: Theaterstücke zu können!
und in allen Büchern, in denen ich suchte, stand ganz dasselbe
und wohin ich hörte, sagte man das gleiche.

Und als ich Fünfzehn war, ging ich eines Abends zu einem Verleger mit einem Heftchen Gedichte, die ich selbst machen konnte
und fünf Jahre später wurden sie gedruckt und ich war nun auch ... Dichter!

 

Und dann wurde ich größer
und ging nach Berlin, wo alle Dichter sind ...
und studierte und las und ging ins Theater und kam mit anderen zusammen, von denen schon in den Zeitungen stand, und sprach mit ihnen ...
mit wem ich aber auch sprach, überall hieß es: Dichter sei, wer Gedichte und Novellen und Romane und Theaterstücke schreibe, und Theaterstücke zu können, sei das Allerschwerste!
und als bedeutender galt, wer den größeren Erfolg hatte ... Erfolg aber könne nur haben wer, ... die Gesetze der Technik am besten beherrsche und am gewandtesten zu erzählen verstehe ...
und es gab dicke Bücher, in denen diese Gesetze und Regeln gesammelt und erklärt waren.

 

Und ich dachte an das, was ich selbst versucht hatte, und sah, daß ich kein Dichter war ...
so sehr ich mir auch Mühe gegeben hatte und so viel inzwischen auch schon von mir gedruckt worden war.

 

Dann und wann aber gab es Menschen, denen ich trotzdem Freude damit gemacht hatte ...
und so glaube ich im Stillen manchmal doch, auf einem rechten Weg zu sein!

 

Und wenn ich einen Jungen hätte und er käme und früge: was Dichter sein wäre? so würde ich ihm sagen:

Dichter sein, mein Junge, ist Mensch sein! doch das verstehst du noch nicht! komm in zehn Jahren wieder!

Das aber kannst du dir heute schon merken:

Dichter sein ist schwerer, als Gedichte und Novellen und Theaterstücke schreiben und hat im Grund gar nichts damit zu tun!

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