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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 110
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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VIII

Es ist wie eine weite Wanderung ... durch Talebenen, bergauf und Höhen entlang ...

 

Man liegt als Junge vielleicht einmal im Gartengras und träumt zu den Wolken oder ins Tal hinunter und in die Weite
und über den Höhenrücken am Horizont blitzt etwas auf, hell und leuchtend, wie ... wie ... ja, man weiß nicht ... man sieht hin ... kann es aber nicht erkennen ... doch es muß etwas ganz Wunderschönes sein!

Und man frägt ... und andere haben es auch gesehen, immer schon, aber niemand weiß recht, was es eigentlich ist. Die einen meinen: es sei Sonnenspiegelung, andere: der Schein eines Leuchtturms irgendwo, und wieder andere: die Firnenkrone eines fernen Gebirges, und die meisten setzen dazu: es gäbe viel Wichtigeres, als an dergleichen Fragen Zeit zu verlieren!

Aber es geht einem nach und man sucht in stillen Stunden immer wieder auf eine Höhe, es zu sehen und herauszukriegen, was es sein könnte!

 

Und eines Tages macht man sich auf den Weg in seiner Sehnsucht und geht ...
weiter und weiter!

Je weiter man aber von der Heimat wegkommt freilich, um so fremder wird die Welt und um so schwerer wird es, sich zurechtzufinden, und die Dinge der Nähe recken sich in die Höhe, immer verwirrender, so daß man das Ziel, zu dem man möchte, völlig verliert, wenn man es nicht im Herzen hat ...
oder Nebel und Regen fällt und man verläuft sich ...
und wenn man frägt ... ja, wenn man sagen könnte, was und wo es wäre, man bekäme vielleicht Bescheid! aber so ... so schütteln die Leute bloß mit dem Kopf!
und es ist auch Torheit, nach dem Weg zu einem fernen Ziel zu fragen! weiter als zum nächsten Dorfe oder als zum nächsten Kreuzweg weiß doch niemand!
nur wenn man vielleicht schon in der Nähe ist ... aber da wird alles immer einsamer!

 

Und so wandert man zu ... seiner Sehnsucht nach ... und plötzlich dann reißen einmal die Wolken auseinander, und man sieht es wieder:
es ist wie ein Tempel! ... wie eine ... Burg! wie ... wie ein weißes Schloß ... hochaufragend!
und je näher man kommt, um so stolzer und sonniger und leuchtender hebt es sich empor
und um so deutlicher und bestimmter erkennt man: Türme und Zinnen und Balkone und Tore und ... flatternde Fahnen ...

 

Guck, und ... so will ich nun immer weiter, Mutterchen, bis ich da bin ...

Ich habe Angst gehabt mitunter: es sei zu weit! ich sei zu schwach! aber ... ich komme hin, Mutter, ich komme hin!
und wenn ich da bin, dann ...
dann ... hol ich euch! dich und Hannie und ... und alle, die uns lieb haben und ... und ...
und ... wir sind da!

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