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Jost Seyfried. Zweiter Band

Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried. Zweiter Band - Kapitel 101
Quellenangabe
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typefiction
authorCäsar Flaischlen
titleJost Seyfried. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1922
correctorJosef Muehlgassner
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XXXXIX

Von Hannie

Herzlieber, einzig lieber, liebster Jost!

Erschrick nicht und sei mir nicht gram! es geht nicht anders!
ich gehe in die Berge zurück! ich bin noch nicht stark genug zum Meer! und an mir selbst liegt ja nichts, wenn du nur stark dazu wirst!

 

Ich sitze hier auf der Terrasse im Heidelberger Schloß ... der Neckar drunten ... die Berge drüben und ... die Ebene, die ich herkam ... und will morgen zu deiner Mutter und übermorgen dann ...
weiter,
nach Zürich, zu Frau Bürgli-Ermatingen.

 

Das einzige, das mich ruhig macht, der einzige Trost, den ich habe, ist, daß ich weiß, daß du verstehst, was mich dieses Ja gekostet hat und noch kosten wird!

 

Ich bin hier ausgestiegen, an der Grenze, Heidelberg noch einmal zu sehen, wo wir damals so selig waren!

Und morgen fahr ich zu deiner Mutter, mir einen Abschiedskuß zu holen.

Ich grüße sie von dir und sag ihr, wir hätten lange darüber beraten ... doch es sei so das Beste! Also mach ihr keinen Kummer!

 

Ich weiß, Liebster, ich weiß, ich breche dir das Herz ... ich breche es mir selbst ...

 

Ich habe mich den ganzen Sommer über damit gequält und mich zernagt!

 

Frau Bürgli schrieb mir immer wieder und war sogar zwei Tage in Berlin, nur meinetwegen!
ich habe dir nichts davon erzählen wollen, um dich nicht unruhig zu machen!
ich wollte es dir dann auf Rügen sagen und am dritten Tag noch kämpfte ich damit ...
aber du warst so glücklich und ich selber auch ...

 

Und dann sagte ich mir: ich würde uns diese ganze Zeit damit zerbrechen, und nahm mir vor, es auch für mich so lang auszuschalten und zu vergessen ...
und am andern Morgen schien die Sonne und die Schwalben zwitscherten und du kamst und brachtest mir Verse und ich hatte es wirklich so vergessen, als ob es nur ein dummer Traum gewesen!
nur zuletzt, als es so regnete, kam es einmal wieder.

Und als du dann zurück warst ... du weißt ja, daß ich eigentlich nur noch geweint habe und ... zu Hause noch viel bitterer, als bei dir!

 

Es wird mir jetzt erst ein bißchen leichter.

 

Guck, du hättest mich nicht weggelassen und ich will doch zehn- und hundertmal mehr von dir, als daß du mich heiratest! ich will doch ... aber du weißt ja, was ich will!

Unsere Liebe soll größer sein als unsere Sehnsucht! so groß sie auch sein mag!
und ich weiß, du wirst es mir eines Tages danken, wie ich dir auch danke ... alles ... was du für mich getan und was du mich gelehrt!

 

Was wir möchten, ist nun doch einmal nicht möglich ... so wie wirs möchten ... und wie alles eben einmal ist ...
und drum ist es besser ... ich gehe! für dich und für mich besser!
weine nicht, Jost, weine nicht! ich gehe ja nicht aus der Welt!

 

Schreib mir, oft, recht oft! jedes Wort macht mir Freude! ich hab keine andere! aber schreib nicht traurig, gelt, Liebster, nicht traurig! du nähmest mir den Mut, den ich brauche, für mich und für dich! wir müssen stark bleiben!

Doch erwarte keine Antwort. Ich schreibe nur, wenn ich irgendwo Gefahr für dich sehe!
ich stehe und halte Wache!

 

Die Sonne drüben geht unter ...

Lebwohl, Jostel! ...

Vergiß nicht, daß du Flügel hast! und sei mutig und weine nicht!

 

Ich bin bei dir, wenn sie morgen früh aufgeht ...
ich bin alle Tage bei dir und alle Nächte!

 

Das äußere Leben ist es ja nicht! und was wir hatten, kann uns niemand nehmen! und was wir uns sind und bleiben, ebensowenig!

 

Wir wollen für einander sein, du mir, ich dir, was das Licht der Oie ist für die, die auf dem Wasser sind ...
und am Tag die Sonne!
wir wollen an sie glauben und ihr treu bleiben,
und wenn auch Wolken sie verhängen ...
über Berg und Tal und alle Menschen hinweg!
und nie müde werden, gelt?!

*
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