Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Josephine Siebe: Joli - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorJosephine Siebe
titleJoli
publisherVerlag von Levy & Müller
illustratorPaul Leuteritz
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140605
projectid64542dc7
Schließen

Navigation:

Siebentes Kapitel.

Fabian baut Möbel, und ein Gast kommt.

Die himmelblaue Stube wurde bald fertig. Etwas fleckig und wolkig sah sie ja aus, etwa wie ein Sommerhimmel, an dem etliche Regenwolken aufsteigen, aber Fabian war doch sehr befriedigt von seiner Leistung, und die Kinder waren es auch. Nun fehlten freilich noch Tische, Stühle, Betten, alles, was man braucht, um ein Haus gemütlich und behaglich zu machen. Die Möbel in der nächsten größeren, viele Tagereisen entfernten Stadt zu kaufen, wäre aber zu teuer gewesen, da es ungeheuer beschwerlich war, sie in den Urwald zu schaffen.

»Wir müssen es schon wie Robinson machen und uns allein helfen,« sagte der Vater. »Wir haben es freilich viel leichter als er, so gutes Handwerkszeug besaß der nicht.«

»Dafür soll's bei uns auch flink gehen, und fein soll's werden wie bei Grafens.«

»Na, na,« meinte Herr Hesse, »wenn's nur aussieht wie bei Bürgersleuten, dann ist's schon gut!«

Nun wurde so gesägt, gehobelt, gezimmert und geklopft, daß es laut durch den Wald schallte. Fabian schrie bei jedem Stück: »Das mache ich,« und so konnte Herr Hesse mehr im Garten graben und pflanzen. Dietrich schnitt kleine Palmen ab, und die Kinder begannen unter Fabians Anleitung eine Art Matten zu flechten. Schön wurden die nicht, mal dick, mal dünn, voller Knoten und Löcher, aber Fabian war doch sehr zufrieden damit. Schön wurde sein erster Tisch auch nicht, den er aufstellte; recht windschief stand er inmitten der blauen Stube, als Fabian die Kinder zum Anschauen rief.

»Er fällt um,« rief Dietrich.

»Er steht,« knurrte Fabian, »und überhaupt ein Linschen schief schadet nichts. Wenn einer eine schiefe Nase hat, kann er drum ein rechter Mann sein, und ein schiefer Tisch ist doch 'n Tisch. Schnickschnack!«

Ja, ein schiefer Tisch blieb doch ein Tisch, und eine schiefe Bank blieb eine Bank, und wenn ein Bett ein bißchen aussieht, als wollte es einen Luftsprung machen, so schadete dies im Urwald auch nichts, fand Fabian. An solche Kleinigkeiten mußte man sich gewöhnen. Und seine Tischlerkünste fanden auch allgemeinen Beifall, jedes fertige Stück wurde mit Jubel begrüßt, angestaunt und bewundert. Freilich, an die hübschen, behaglichen Mahagonimöbel im alten Haus, die so rotbraun und glänzend gewesen waren, durften Vater und Kinder nicht denken. Aber eines Tages bekam der schiefe Tisch eine Decke von Wachstuch, auch etwas, das Fabian in aller Heimlichkeit mitgebracht hatte, und das erste Bett wurde aufgestellt. Bewundernd standen die Kinder dabei. Eia, nun konnten sie bald wieder behaglich im Bett schlafen, im festen Haus. Draußen im Zelt war es ihnen, trotzdem sie immer tapfer selbst ihre Furcht verlachten, doch oft recht unheimlich. Meist dauerte es lange, bis sich das Gebrüll der Tiere legte, und selten war es still im Walde. Das Bett war nur ein plumpes Gestell, vier Pflöcke, an denen eine dichte Matte wie eine Art Matratze befestigt war.

»Fein,« sagten die Kinder anerkennend, »sehr sein, Mutter wird staunen!«

»Ich leg mich mal zur Probe hinein,« rief Dietrich, sprang hinein und lag – pardauz – am Boden.

»Dumm, dumm, dumm!« schrie Fabian und rieb sich wütend die Nase; er hatte im Eifer vergessen, die Matte an allen vier Seiten zu befestigen.

Der Fehler war bald verbessert, und das erste Bett prangte stolz im himmelblauen Zimmer.

»Es werden zu viele,« stöhnte Fabian, als er sich am Finger alle Hausbewohner herzählte, »wie kann man so viele Betten machen!« Er half sich. Ins Bubenstübchen, das er mit Dietrich und Bubele teilen wollte, kam ein ungeheuer breites Bett, darauf konnte man lang oder quer liegen, je nach Gefallen. Ins Mädchenstübchen kam ein gleiches Bettungeheuer, nur in der himmelblauen Stube, die Schlafzimmer der Eltern, Wohnzimmer, gute Stube und alles sein mußte, sollten Betten stehen, die die rechte Breite und Länge hatten. Als das letzte Bett vollendet war, standen wieder alle staunend davor, und die Kinder riefen begeistert: »Es ist gerade!«

.

Fabian schmunzelte nur.

Er sah sich mit Siegermiene im himmelblauen Zimmer um und sagte kühn: »Na, kann's denn nun bei Grafens schöner sein?«

»Nein, sicher nicht!« rief eine tiefe Stimme in die allgemeine Bewunderung hinein.

Ein vierfacher Aufschrei ertönte. So ungewohnt war es ihnen allen schon geworden, fremde Menschen zu sehen, daß sie den Mann, der da am Eingang stand, fast wie einen Geist anstarrten. In den vier Wochen war nur einmal Herr Johnson mit einigen Leuten wieder dagewesen, die Lebensmittel und allerlei notwendige Sachen gebracht hatten. Seitdem hatten die Auswanderer nur die Stimmen der Tiere vernommen, keinen Laut sonst. Der Fremde sah freilich auch etwas wild aus. Er trug einen hellen Leinwandanzug, dessen Grundfarbe aber vor Gras- und Erdflecken kaum noch zu sehen war. Auf seinem Kopf saß ein alter, verbeulter Panamahut, auf den ein sehr schöner, riesengroßer Schmetterling aufgespießt war, über die Schultern hingen ihm Rucksack und Gewehr. Bart und Haar waren lang und verwildert, aber sie waren dunkelblond, und der Mann sah zwar sehr braun aus, aber nicht rotbraun wie ein Indianer. Und Lieselinchen, für die alle Schrecken des Urwaldes Tiger und Indianer hießen, sagte in das allgemeine Erstaunen hinein sehr beruhigt: »Es ist doch kein Indianer.«

Der Fremde lachte. Es war aber ein schnurriges Lachen, es klang so, als hätte der Fremde recht lange nicht gelacht. Seine Augen, die hell wie Falkenaugen waren, ruhten prüfend auf den Hausbewohnern. Die mußten ihm gefallen, denn er kam einen Schritt näher und sagte freundlich: »Mein Name ist Harding, die Ansiedler hier nennen mich den Urwaldjäger; ich sammle allerlei im Urwald, was selten und unbekannt ist.«

Herr Hesse reichte ihm freimütig die Hand. Er erzählte, woher er mit den Seinen gekommen sei, und lud den Fremden ein, mit ihm zu essen.

»Es gibt nicht viel,« sagte er, »wir haben noch nicht Zeit gehabt, an unsere Vorratskammer zu denken; erst galt es, das Haus bewohnbar zu machen.«

Der Urwaldjäger sah sich forschend um. »Ich habe hier, seit das Haus leer stand, oft gewohnt,« sagte er mit halbem Lachen, »eine so schöne blaue Stube und so stattliche Möbel gab es freilich nicht.«

»Na, nur Biester,« brummte Fabian und sah sich stolz um. Potzwetter, das mußte doch jeder finden, daß es außerordentlich fein hier war. Freilich, wohnen durfte noch niemand drin im Haus. »Erst muß die Frau da sein,« erklärte Fabian. Er sagte das dreimal laut und deutlich zu Lieselinchen, damit es der Fremde nur auch hörte; er hatte große Angst, der könnte sich in eines der neuen Betten legen wollen. Doch der war es auch zufrieden, draußen vor dem Zelt am offenen Feuer zu sitzen.

So war denn nun der erste Gast im Urwald eingekehrt. Ein wunderlicher Gast aber war es. Schweigsam saß er da und verzehrte, was ihm vorgesetzt wurde, nur seine blitzenden Augen gingen manchmal rasch von einem zum andern. Fabian ärgerte sich grimmig darüber; er redete zwar selbst nicht gern viel, aber er liebte es sehr, wenn andere erzählten. Ein paarmal sagte er »Hmhm!« aber der Gast schien nicht zu merken, daß dies eine freundliche Aufforderung zum Reden war.

Herr Hesse fing von diesem und jenem an, aber er erhielt nur einsilbige Antworten, da verstummte er schließlich auch. Dietrich schaute ungeduldig drein. Warum sprach der Gast nur nicht? Er brannte doch darauf, von ihm allerlei Jagdgeschichten zu hören.

Doch alle heimliche Ungeduld half nichts, der Gast blieb wortkarg. Nur als Herr Hesse von einem Garten sprach, den er anlegen wollte, wurde der lebhafter und gab allerlei gute Ratschläge. Nachher, als die Dunkelheit heraufgezogen war, legte sich der Fremde draußen vor dem Hause nieder; einen Platz auf der Veranda, auf der sich jetzt die Lagerstätten befanden, lehnte er ab: er sei es gewohnt, im Freien zu schlafen.

»Er ist gewiß ein Räuber,« tuschelte Lieselinchen in ihrer Verandaecke dem Bruder zu. Der lachte die Schwester aus, aber Fabian schien doch etwas Ähnliches zu denken; er setzte sich auf die Treppe, die von der Veranda hinab ins Freie führte, und hielt Wache. Seit sich die Ansiedler etwas an den nächtlichen Lärm gewöhnt hatten und auf der geschützten Veranda schliefen, wachten die beiden Männer nicht mehr abwechselnd des Nachts.

»Komm doch hinauf, Fabian,« rief Herr Hesse halblaut, aber Fabian kam nicht, unbeweglich saß er da und schaute in das Dunkel hinein.

Da sagte auf einmal eine spöttische Stimme: »Sie denken wohl, ich plane einen Überfall?«

»Nee,« brummte Fabian, ohne sich zu rühren.

»Na, was denken Sie denn dann?« fragte der Fremde wieder.

Fabian schwieg erst einige Augenblicke, endlich sagte er grimmig: »Ich denke, Sie wollen sich in eins der neuen Betten legen, hm, hm!«

Der Urwaldjäger lachte laut auf, so laut, daß sein Lachen ordentlich dröhnte und die drei Schläfer auf der Veranda munter wurden. Hei! war Dietrich blitzschnell unten. Was gab es da?

Fabian war durch das Lachen tief beleidigt, er gab auf alle Fragen keine Antwort. Da erzählte der Fremde kurz das Gespräch, und nun fand sein Lachen einen frohen Widerhall. Die Kinder jauchzten vor Vergnügen, und der Jäger mußte sich zuletzt die Lachtränen aus den Augen wischen. Er sagte dann: »Ich gelobe feierlich, daß ich hier liegen bleiben und mich in keins der Betten legen will.«

»Na, dann ist's ja gut!« knurrte Fabian, stieg die Treppe hinauf, legte sich mit einem lauten Plumps auf sein Lager und schnarchte nach zwei Minuten wie ein Dachs.

Nichts störte den Frieden der Nacht. Wohl wachte mal der, mal jener vom Brüllen der Tiere auf, aber da in der nächsten Nähe alles still blieb, schliefen alle ruhig weiter. Niemand sah, wie sich bei Tagesanbruch der Fremde leise erhob und von dannen ging. Als der Vater zuerst aufwachte, sah er zu seinem Erstaunen, daß der geheimnisvolle Gast verschwunden war. Auf seinem Platz steckte, an einer starken Nadel befestigt, der riesige Schmetterling, der in der aufgehenden Sonne flimmerte, als sei er aus lauter bunten Edelsteinen zusammengesetzt. Lieselinchen steckte ihn in der himmelblauen Stube an die Wand, sie meinte, der Fremde habe ihn vergessen und werde ihn holen kommen. Aber der Tag verging, der Urwaldjäger ließ sich nicht blicken. Auch am Abend kehrte er nicht zurück, und der zweite Tag kam und ging, der Fremde aber kam nicht wieder.

In den nächsten Tagen vergaßen ihn die Kinder auch fast vollständig. Lieselinchen dachte nur manchmal an ihn, wenn sie den bunten Schmetterling an der himmelblauen Wand sah. Ein anderes Ereignis nahm alle Gedanken in Anspruch. Die Mutter sollte kommen! Herr Johnson sandte zwei wegkundige Leute, mit denen der Vater aufbrach, die Mutter, Bubele, Babele und Lina zu holen. Diesmal sollte der Weg nicht quer durch den Urwald den Flußlauf entlang führen, sondern es sollte die sogenannte Südstraße benützt werden, eine Straße, die durch den Urwald ging und von den Ansiedlern angelegt war. An ihr lagen, freilich oft viele Stunden voneinander entfernt, Ansiedlungen. Jeder, der neu kam, mußte sich zu seinen Nachbarn den Weg selbst bauen. Herr Hesse mußte damit rechnen, einige Tage fern zu bleiben, und es wurde ihm ordentlich schwer, sich von den Kindern zu trennen; sie blieben zwar in Fabians treuer Hut, aber doch im einsamen Urwaldwinkel.

. Auch den Zurückbleibenden war das Herz sehr schwer. Sie redeten an diesem Abend alle drei viel von der alten Heimat, wie schön sie gewesen war, und das Heimweh schritt dabei leise an ihnen vorbei. Dann fanden sie, das Tiergeschrei im Walde sei lauter und drohender als sonst, und zuletzt behauptete Lieselinchen, als sie sich gerade niedergelegt hatte, sie höre etwas gehen.

»Narrheit!« sagte Fabian, lauschte aber doch. Plötzlich vernahmen die drei einen grellen Schrei, einen Schuß und gleich darauf feste Schritte. Ein Mann näherte sich rasch dem Hause, seine Gestalt war deutlich erkennbar.

»Ein Indianer,« flüsterte Lieselinchen zitternd, die nun auch den Näherkommenden gewahrte.

Dietrich ergriff eilfertig eine Axt, stellte sich neben die Schwester und sagte laut und keck: »Hab keine Angst, ich verteidige dich!«

»Ist gar nicht nötig,« rief eine schon bekannte Stimme, »ich bin immer noch kein Indianer, kleines deutsches Mädel. Ist's erlaubt, näher zu treten, und gibt es für einen müden Wanderer ein paar Bissen zu essen?« Es war der Urwaldjäger, der jetzt am Hause erschien.

»Hm, kann schon sein,« sagte Fabian mürrisch. Er ging aber doch, um etwas für den Gast zu holen. Der war unterdessen auf die Veranda getreten, und die Kinder sahen zu ihrem Erstaunen ein kleines, schwarzbraunes Tier auf seinem Arm.

»Ein Äffchen ist's, ein junges,« erklärte der Jäger. »Es war gerade einem Jaguar in die Klauen gefallen, aber meine Büchse hat ihn befreit; der böse Räuber liegt unten am Fluß. Morgen früh will ich ihm das Fell abziehen.«

»Ein Jaguar,« rief Lieselinchen mit großen, erschreckten Augen, »wenn der nun ins Haus gekommen wäre!«

»Dann wäre er gewiß vor Erstaunen über die himmelblaue Stube umgefallen,« spottete der Jäger.

»Dumm!« schrie Fabian und setzte dem späten Gast ziemlich unwirsch etwas Essen vor.

»Das arme Äffchen!« Dietrich und Lieselinchen hatten sich dem Tierchen zugewandt, das der Jäger mitgebracht hatte, und betrachteten es mitleidig.

»An Affenvolk ist kein Mangel hier,« sagte der Jäger, »aber mir geht es auch so, mit dem Gesindel hab' ich immer Mitleid.«

»Er sieht genau wie unser Joli aus!« rief Dietrich.

»Als ob's sein Bruder wäre,« meinte Lieselinchen.

Fabian hatte inzwischen, noch immer brummend, einen Verbandkasten herbeigeholt, den Herr Hesse vorsorglich in den Urwald mitgenommen hatte. Er wusch dem Affen die Wunden aus und verband sie etwas, was der sich still gefallen ließ.

»So was ist man hier gar nicht gewöhnt,« sagte der Jäger halb lachend.

»Dann lernt man's!« schrie Fabian.

»Joli ist auch bei uns gesund geworden,« sagten die Kinder schnell.

»Wer ist denn Joli?«

Da erzählten Dietrich und Lieselinchen von Joli, und von Joli kamen sie auf die Heimat; sie sprachen von der traurigen Weihnacht und davon, daß die Mutter mit Bubele und Babele bald kommen würde.

»Weiß schon,« sagte der Jäger. Er erzählte so kurz, als kostete jedes Wort einen Taler, er hätte den Vater gesprochen und ihm versprechen, nach seinen Kindern zu sehen.

»Nicht nötig,« schalt Fabian.

»Soll ich gehen?« spöttisch und geärgert sah der Gast den unfreundlichen Hausverwalter an.

»Nee, bleiben,« brummte der und schnitt ein Gesicht, als wollte er den Gast mit Haut und Haar verschlingen.

Erst sah der auch grimmig drein, aber dann sagte er ganz gemütlich: »Donnerwetter ja, dieser Mister Fabian ist noch maulfauler als ich!«

Die Kinder lachten lustig, und Fabian öffnete plötzlich seinen Mund, daß er wie eine Brücke die Ohren verband, dann lachte er so dröhnend und schallend, daß das Äffchen in ein klägliches Angstgeschrei ausbrach.

»Das ist'n Spaß,« rief er und streckte dem Gast die Hand hin. Der schlug ein, und von diesem Augenblick an wurden die beiden Schweigsamen die allerbesten Freunde.

An diesem Abend wurde es noch wundervoll gemütlich. Der Jäger tat nun doch seinen Mund auf und erzählte. Er sammelte für Museen in Deutschland und England Schmetterlinge, Käfer und seltene Pflanzen und durchstreifte darum oft wochenlang den Urwald. Anfangs hatte er immer Begleiter mitgenommen, aber jetzt ging er meist allein, er wußte so gut Bescheid, daß er alle Gefahren kannte, und bei den Ansiedlern fand er immer freundliche Aufnahme.

»Sie nennen mich den Jäger,« sagte er, »obgleich ich kein Jäger bin. Ich schieße nur die grimmigsten Raubtiere, wenn sie mir gerade in den Weg kommen. Solchem kleinen Gesindel wie diesem Affen tue ich nichts. Die sind auch sehr, sehr klug. Einmal habe ich einen alten Affen gesehen, nicht weit von hier auf einem ungeheuren Wollbaum, der sah mich an wie ein Mensch, es fehlte nur, daß er guten Tag gesagt hätte.«

»Den haben wir auch gesehen,« rief Lieselinchen und erzählte von Herrn Rosso und von der Lianenlaube.

In diesem Augenblick stieß das Äffchen einen klagenden Schrei aus.

»Es hat Schmerzen,« riefen die Kinder und eilten, dem kleinen Fremdling ein Lager zu bereiten. Sie trösteten ihn sanft und lind und dachten dabei an Joli und an den Jahrmarkt in Feldburg. Wie anders war es doch damals gewesen! Sie dachten noch an die Heimat, als sie schon auf ihrem Lager lagen, und spazierten daher im Traum geschwind über das weite Meer und rannten dann lustig im alten Garten herum.

Vom Wald her tönte eine klagende Stimme. Dort suchte eine Affenmutter ihr verlorenes Kind, suchte es unter heißen, heißen Tränen, und der kleine Affe im Menschenhaus weinte bitterlich auf seinem Lager.

.
 << Kapitel 7  Kapitel 9 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.