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Jerry der Insulaner

Jack London: Jerry der Insulaner - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorJack London
titleJerry der Insulaner
publisherBüchergilde Gutenberg
year1934
translatorErwin Magnus
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150620
projectid1c32ce70
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Um sieben Uhr morgens, als Schiffer sich aus der Decke herauswickelte und aufstand, feierte Jerry den neuen Tag, indem er den Wildhund in seine Höhle jagte und allgemeines Grinsen unter den Schwarzen an Deck hervorrief, weil sein Knurren und Zähnefletschen Lerumie veranlaßte, ein halbes Dutzend Schritt beiseitezuweichen und ihm das Deck zu überlassen.

Er nahm das Frühstück gemeinsam mit Schiffer ein, der, statt zu essen, fünfzig Gran Chinin mit einer Tasse Kaffee hinunterspülte und dem Steuermann klagte, daß er gezwungen sei, sich hinzulegen und das Fieber, das ihn überfiele, auszuschwitzen. Trotz seiner Kälteschauer, und trotzdem ihm die Zähne schon im Munde klapperten, während die brennende Sonne die Feuchtigkeit von den Deckplanten wie Nebelschwaden auszog, hätschelte Van Horn Jerry in seinen Armen und nannte ihn Prinzlein und Prinz, König und Sohn von Königen.

Van Horn hatte ja oft den Bericht von Jerrys Stammbaum mit angehört, den Tom Haggin beim Whisky-Soda zum besten gab, wenn es zu höllisch heiß war, um zu Bett zu gehen. Und der Stammbaum war so königlich, wie es für einen irischen Terrier überhaupt möglich ist, denn er reichte ganz bis auf den alten irischen Wolfshund zurück und war vor mindestens zwei Menschengenerationen gepflanzt und seither gehegt worden.

Da war Terrence; der Prächtige – der Sohn, wie Van Horn sich erinnerte, des in Amerika geborenen Milton Droleon aus der Königin der Grafschaft Antrim, deren Stammbaum, wie jeder Kenner weiß, bis auf den fast mythischen Spuds zurückreicht, ohne daß je ein Seitensprung mit jungen Stutzern vom Black-and-tan-Typ oder mit Waliser Bastards vorgekommen wäre.

Und führte Biddy etwa nicht ihren Stammbaum durch eine lange Reihe von Vorfahren auf Erin, die auserlesene Stammutter der ganzen Rasse, zurück? Und in diesem königlichen Stammbaum durfte man auch nicht die berühmte Moya Dollen vergessen.

Und so fühlte Jerry das Glück, zu lieben und geliebt zu werden in den Armen seines geliebten Gottes, sowenig er auch den Sinn von Ausdrücken wie »Königssohn« und »Sohn von Königen« verstand. Er wußte nur, daß es Koseworte waren, wie er wußte, daß Lerumies Fauchen Haß bedeutete. Und noch eines wußte Jerry, ohne sich dieses Wissens bewußt zu sein, nämlich daß er Schiffer in den wenigen Stunden, die er bei ihm war, lieber gewonnen hatte als Derby und Bob, die mit Ausnahme von Herrn Haggin die einzigen weißen Götter waren, die er je gekannt. Er war sich dessen, wie gesagt, nicht bewußt. Er liebte nur, handelte nur, wie sein Herz, sein Kopf es ihm eingab, oder was sonst in seinem Organismus den geheimnisvollen, wunderbaren und unersättlichen Drang erzeugte, den man Liebe nennt.

Schiffer ging nach unten. Er ging, ohne Jerry zu beachten, der leise hinter ihm her trottete, bis sie an die Treppe kamen. Schiffer beachtete Jerry nicht, weil das Fieber an seinem Fleische zerrte und ihm die Knochen schüttelte, seinen Kopf scheinbar zu ungeheurer Größe anschwellen und die Welt vor seinen Augen verschwimmen ließ. Er wankte wie ein Trunkener oder ein uralter Greis. Jerry fühlte, daß etwas mit Schiffer nicht stimmte.

Schiffer, bei dem jetzt unzusammenhängende Fieberreden mit ruhigen Augenblicken der Selbstbeherrschung abzuwechseln begannen, und der nach unten gehen und unter die Decke kriechen wollte, stieg also die steile Treppe hinunter, und Jerry wartete sehnsüchtig, aber beherrscht und schweigend in der Hoffnung, daß Schiffer, unten angekommen, die Arme hinaufreichen und ihn holen würde. Aber Schiffer fühlte sich zu elend, als daß er an Jerrys Existenz gedacht hätte. Mit ausgebreiteten Armen, um nicht zu fallen, wankte er durch die Kajüte nach der Koje in der kleinen Kabine.

Jerry stammte wahrlich aus königlichem Geschlecht. Wie gern hätte er sich bemerkbar gemacht, um hinuntergeholt zu werden. Aber er tat es nicht. Er beherrschte sich – er wußte selbst nicht weshalb, er hatte nur ein unklares Gefühl, daß er Rücksicht auf Schiffer als einen Gott nehmen mußte, und daß jetzt nicht die Zeit war, sich Schiffer aufzudrängen. Sein Herz wurde von Sehnsucht zerrissen, aber er gab keinen Laut von sich, sondern sah nur sehnsuchtsvoll über den Lukenrand hinab und lauschte auf das leise Geräusch von Schiffers Schritten.

Aber selbst für Könige und deren Nachkommen gibt es Grenzen, und nach einer Viertelstunde war Jerry so weit, daß er das Schweigen brechen mußte. Mit dem Verschwinden Schiffers war die Sonne für Jerry untergegangen. Er hätte den Wildhund jagen können, aber das reizte ihn jetzt nicht. Lerumie ging vorbei, ohne daß Jerry Notiz von ihm nahm, obwohl der Hund sich seiner Macht bewußt war, ihn vertreiben zu können. Die zahllosen Düfte vom Lande kitzelten seine Nase, aber er achtete nicht darauf. Selbst das Großsegel, das über seinem Kopfe hin und her schlug, während die Arangi in der Windstille stampfte, konnte ihm nicht einen einzigen neckischen Blick entlocken.

Gerade als Jerry einen zitternden Drang verspürte, sich niederzusetzen, die Schnauze zum Himmel zu heben und seinem Kummer in einer herzzerreißenden Klage Ausdruck zu verleihen, hatte er einen Einfall. Wie dieser Einfall kam, läßt sich nicht erklären. Es kann ebensowenig erklärt werden, warum ein Mensch heute zum Frühstück grünes Gemüse und nicht Bohnen wählt, während er gestern gerade Bohnen gegessen und grünes Gemüse abgelehnt hat. Es läßt sich ebensowenig erklären, wie ein Richter, der einen Verbrecher zu acht Jahren verurteilt hat, erklären kann, wieso er gerade zu diesem Urteil gelangte, während gleichzeitig fünf oder neun Jahre in seinem Hirn auftauchten. Und wenn nicht einmal Menschen, diese Halbgötter, das Mysterium der Entstehung solcher Gedanken ergründen können, die sie zu einer Handlung treiben, so kann man es von einem Hund wohl noch weniger erwarten.

So aber erging es Jerry. Gerade als er ein Geheul anstimmen wollte, merkte er, daß ein Gedanke, ein ganz anderer Gedanke, mit gebieterischem Zwang in den Mittelpunkt seines Bewußtseins trat. Er gehorchte diesem Einfall wie eine Marionette ihren Drähten und begab sich sofort auf die Suche nach dem Steuermann.

Er hatte ein Anliegen an Borckman. Borckman war ebenfalls ein zweibeiniger weißer Gott. Mit Leichtigkeit konnte Borckman ihn die steile Leiter hinuntertragen, die für ihn ohne Hilfe ein Tabu war, das zu verletzen verhängnisvoll werden konnte. Aber Borckman besaß nicht viel von jener Liebe, die die Voraussetzung für Verständnis ist. Dazu war Borckman auch beschäftigt. Er mußte für die Arangi auf ihrer Fahrt über das Meer Sorge tragen, Segel trimmen lassen und dem Rudergast Befehle erteilen, ferner noch die Mannschaft beaufsichtigen, die das Deck wusch und Messing putzte, und außerdem hatte er noch damit zu tun, immer wieder einen Schluck aus der Whiskyflasche zu nehmen, die er dem Kapitän gestohlen und zwischen zwei achtern vom Besanmast festgemachten Jamssäcken verstaut hatte.

Borckman wollte sich gerade nach achtern begeben, um wieder einen Schluck zu nehmen, nachdem er mit belegter Stimme dem schwarzen Rudergast gedroht hatte, ihm siebenmal die Glocken zu läuten, weil er falsch steuerte, als Jerry vor ihm auftauchte und ihm in den Weg trat. Aber Jerry trat ihm nicht in den Weg, wie er es etwa bei Lerumie getan hätte. Er fletschte weder die Zähne, noch sträubten sich ihm die Nackenhaare. Im Gegenteil: Jerry war lauter Versöhnlichkeit und Liebenswürdigkeit, lauter sanfte Eindringlichkeit, verkörpert in einem Geschöpf, dem zwar die Rede versagt war, das aber doch von der wedelnden Rute und den zitternden Flanken bis zu den flach am Kopfe liegenden Ohren und den Augen, die am allerberedtesten waren, eine Sprache führte, die jeder feinfühlende Mensch verstehen mußte.

Aber Borckman sah nur, daß sich ihm ein vierbeiniges Geschöpf in den Weg stellte, das er in seiner Arroganz für tierischer ansah als sich selbst. Das ganze hübsche Bild des kleinen Hündchens mit seinem Drang, sich verständlich zu machen, und seinem rührend bittenden Ausdruck blieb seinem Blick verborgen. Was er sah, war nur ein vierbeiniges Tier, das er beiseiteschieben mußte, damit er, der zweibeinige Herr der Schöpfung, zu der Flasche gelangte, die Würmer in seinem Hirn kriechen und ihn Träume träumen lassen sollte, daß er Fürst und nicht Bauer, daß er Herr statt Sklave der Materie sei.

Und so wurde Jerry von einem rohen nackten Fuß beiseitegeschleudert, der ebenso hart und gefühllos war wie eine unbeseelte Sturzsee, die an gefühllosen Klippen zerschellt. Er glitt auf dem Deck aus, gewann aber das Gleichgewicht wieder, blieb stehen und betrachtete den weißen Gott, der ihn so ritterlich behandelt hatte. Die ihm zugefügte Gemeinheit und Ungerechtigkeit ließen Jerry nicht knurren oder die Zähne fletschen, wie er Lerumie oder einem andern Schwarzen gegenüber getan hätte. Ebensowenig entstand in seinem Gehirn ein Gedanke der Vergeltung. Dies war nicht Lerumie. Dies war ein höherer Gott, zweibeinig, weißhäutig wie Schiffer, wie Herr Haggin und die paar andern höheren Götter, die er kennengelernt hatte. Er fühlte sich nur gekränkt wie ein Kind, das einen Schlag von seiner gedankenlosen oder lieblosen Mutter erhalten hat.

Aber übel nahm er es dem Manne doch. Er war sich deutlich bewußt, daß es zweierlei Arten von Rauheit gab. Die freundliche Rauheit der Liebe, wenn Schiffer ihn an der Schnauze packte und schüttelte, daß ihm die Zähne klapperten, und ihn dann auf eine Art und Weise von sich schleuderte, die eine unverkennbare Aufforderung war, zurückzukommen und sich wieder schütteln zu lassen. Solche Rauheit war für Jerry der Himmel. Es war die innige Berührung mit einem angebeteten Gott, dem es beliebte, die gegenseitige Liebe auf diese Art auszudrücken.

Die Rauheit Borckmans aber war anders. Es war die andre Art Rauheit, in der keine Zuneigung, kein Herzenston der Liebe lag. Jerry verstand den Unterschied nicht ganz, aber er fühlte ihn und nahm Borckman seine Rauheit übel, ohne jedoch in Taten auszudrücken, wie unrecht er sie fand. So stand er denn, nachdem er das Gleichgewicht wiedergewonnen hatte, da und betrachtete ernst, als strenge er sich vergebens an, alles zu verstehen, den Steuermann, der die Flasche hoch hob und an den Mund setzte, wobei ein gurgelndes Geräusch aus seiner Kehle kam. Und mit dem gleichen Ernst betrachtete er weiter den Steuermann, als der jetzt nach achtern ging und dem schwarzen Rudergast, der ebenso sanft lächelte wie Jerry, wenn er einen Wunsch auf dem Herzen hatte, alle Schrecken des jüngsten Tages androhte.

Jerry verließ diesen Gott als einen Gott, den man weder lieben noch verstehen konnte, trottete betrübt wieder nach der Kajütstreppe und guckte sehnsüchtig über den Lukenrand in der Richtung, wo er Schiffer hatte verschwinden sehen. In seinem Bewußtsein nagte und bohrte der Wunsch, bei Schiffer zu sein, mit dem etwas nicht in Ordnung war, und der irgendwelchen Kummer hatte. Er sehnte sich nach Schiffer. Er sehnte sich nach ihm, vor allem, weil er ihn liebte, dann aber auch, wenn auch nicht so bewußt, weil er ihm vielleicht nützlich sein konnte. Und in seiner Sehnsucht nach Schiffer, in seiner Hilflosigkeit und jugendlichen Unerfahrenheit winselte er und schrie seinen Herzenswunsch über den Lukenrand hinunter. Sein Kummer war zu rein und ehrlich, als daß er sich zum Zorn gegen die Nigger an Deck und in der Kajüte hätte hinreißen lassen, die ihn auslachten und verspotteten.

Vom Lukenrand bis zum Kajütsboden waren es sieben Fuß. Erst vor wenigen Stunden hatte er die steile Leiter erklommen, aber er wußte, daß es ihm unmöglich war, hinunterzukommen. Und doch wagte er es schließlich. So überwältigend war die Sehnsucht, die ihn trieb, um jeden Preis Schiffer aufzusuchen, so klar sein Verständnis, daß es unmöglich war, mit dem Kopf voran, ohne Beine, Füße und Muskeln gebrauchen zu können, hinunterzugelangen, daß er es gar nicht erst versuchte. Er sprang. Es war ein prachtvoller, heroischer, von Liebe getriebener Sprung. Er wußte, daß er ein Lebenstabu verletzte, gerade wie er wußte, daß er ein Tabu verletzt hätte, wenn er in die Meringe-Lagune gesprungen wäre, wo die schrecklichen Krokodile schwammen. Große Liebe ist stets fähig zum Selbstvergessen, zur Aufopferung. Und nur Liebe, kein geringerer Anlaß, hätte Jerry zu dem Sprung bewegen können.

Er fiel auf Seite und Kopf. Der eine Schlag benahm ihm völlig den Atem; der andre betäubte ihn. Selbst in seiner Ohnmacht, als er am ganzen Körper zitternd dalag, machte er schnelle, krampfhafte Bewegungen mit den Beinen, als wollte er zu Schiffer laufen. Die Nigger betrachteten ihn und lachten, und sie lachten auch noch, als er nicht mehr zitterte und mit den Beinen zappelte. In Wildheit geboren, in Wildheit aufgewachsen, wußten sie es nicht besser, und ihr humoristischer Sinn entsprach ihrer Wildheit. Für sie war der Anblick eines betäubten und möglicherweise toten Hündchens ein lächerliches Ereignis, über das man sich totlachen konnte.

Erst als vier Minuten verstrichen waren, kam Jerry wieder zum Bewußtsein und war imstande, auf die Füße zu kommen und sich mit gespreizten Beinen und schwimmenden Augen im Rollen der Arangi zu halten. Aber mit dem ersten Schimmer von Bewußtsein stand wieder der eine Gedanke vor ihm, daß er zu Schiffer mußte. Die Schwarzen? In seiner Angst und Liebe dachte er gar nicht an sie. Er ignorierte die glucksenden, grinsenden, höhnenden Schwarzen, denen es, hätte das Hündchen nicht unter dem furchtbaren Schutze des großen weißen Kapitäns gestanden, ein besonderes Vergnügen gewesen wäre, es zu töten und zu fressen. Würde Jerry sich doch, wenn er heranwuchs, zu einem mächtigen Niggerjäger entwickeln! Ohne auch nur den Kopf zu wenden oder die Augen zu rollen, mit aristokratischer Verachtung, trottete er durch die Kajüte in die Kabine, wo Schiffer in seiner Koje lag und wie ein Verrückter schwatzte.

Jerry, der nie Malaria gehabt hatte, verstand das nicht. Aber in seinem Herzen fühlte er einen großen Kummer, weil Schiffer Kummer hatte. Schiffer erkannte ihn nicht, selbst nicht, als Jerry in die Koje sprang, quer über Schiffers schwer arbeitende Brust spazierte und ihm den scharfen Fieberschweiß vom Gesicht leckte. Statt dessen stießen die wild um sich schlagenden Arme Schiffers ihn fort und schleuderten ihn heftig gegen die Kojenwand.

Diese Rauheit war nicht die Rauheit der Liebe. Aber es war auch nicht die Rauheit Borckmans, der ihn mit dem Fuße fortgestoßen hatte. Sie war ein Teil von Schiffers Kummer. Jerry überlegte sich dies nicht, aber, und das ist die Hauptsache, er handelte so, als ob er es sich überlegt hätte. Die Sprache reicht hier nicht aus, und man kann nur sagen, daß er es fühlte.

Eben außerhalb der Reichweite eines rastlos um sich schlagenden Armes, setzte er sich hin, sehnsüchtig auf den Augenblick wartend, da er näherkommen und wieder das Gesicht des Gottes lecken könnte, der ihn nicht erkannte, ihn aber, wie er wußte, heiß liebte, und zitternd nahm er Anteil an Schiffers Kummer und litt mit ihm.

»He, Clancey«, schwatzte Schiffer. »Heut haben wir ein gutes Stück Arbeit geschafft, es gibt keine bessere Mannschaft, um die Dummheiten der Wagenführer wieder gutzumachen .. Kran Nummer drei, Clancey. Kriech vorn unter den Wagen.« Und als seine bösen Träume wechselten: »Seht, Liebling, so darfst du nicht zu Vati reden und ihm sagen, wie er dein süßes Goldhaar kämmen soll. Als ob ich es nicht könnte, ich hab dich doch die ganzen sieben Jahre gekämmt – besser als Mutti, Liebling, viel besser als Mutti. Ich bin der einzige, der die goldene Medaille verdient hat, weil er das Haar seines süßen Töchterchens so gut kämmt. – Der Anker ist hoch! Hart über das Ruder dort achtern! Klüver und Vortoppsegel klar! In den Wind! In den Wind! ... Ah, sie macht's, das herrliche Schiff ... Ich geh' höher – sicher, soweit es geht! Blackey, wenn du mir soviel bezahlen wolltest, um meine Karten zu sehen, dann solltest du was erleben, das kannst du mir glauben!«

So floß dies Durcheinander zusammenhangloser Erinnerungen über Schiffers Lippen, seine Brust senkte und hob sich, und er schlug wild mit den Armen um sich, während Jerry an der Kojenwand zusammengekrochen jammerte und jammerte, daß er machtlos war, zu helfen. Nichts von dem, was um ihn her vorging, konnte er begreifen. Er wußte ebensowenig von Poker wie von der Bedienung von Segelschiffen, von Zusammenstößen elektrischer Bahnen in New York oder dem langen Blondhaar eines geliebten Töchterchens in einer kleinen Harlemer Wohnung.

»Beide tot«, sagte Schiffer, dessen Fieberträume wieder wechselten. Er sagte es ganz ruhig, als meldete er nur, wie spät es sei. Dann klagte er: »Ach, ihre schönen blonden Zöpfe!«

Eine Weile lag er unbeweglich da und schluchzte herzzerbrechend. Das war eine günstige Gelegenheit für Jerry. Er kroch in den vom Fieber geschüttelten Arm, kuschelte sich an Schiffers Seite, legte seinen Kopf auf Schiffers Schulter, so daß seine kühle Schnauze Schiffers Wange berührte, und fühlte, wie der Arm sich um ihn zusammenschloß und ihn enger an sich drückte. Das Handgelenk beugte sich, die Hand streichelte ihn schützend, und die Berührung des sammetweichen Körpers rief einen Wechsel in den Fieberträumen Schiffers hervor. In kaltem, scharfem Ton begann er zu murmeln: »Der Nigger, der das Hündchen auch nur schief ansieht ...«

nbsp;

Nach einer halben Stunde brach Van Horn in heftigen Schweiß aus, und damit war die Macht des Malariaanfalls gebrochen. Er fühlte eine große körperliche Erleichterung, und die letzten Nebel des Deliriums hoben sich von seinem Hirn. Aber er war sehr schwach und kraftlos, und nachdem er die Decken beiseitegeworfen und Jerry erkannt hatte, fiel er in einen erfrischenden natürlichen Schlaf.

Erst zwei Stunden später wachte er auf und schickte sich an, an Deck zu gehen. Von der Treppe aus setzte er Jerry an Deck und ging wieder in die Kabine zurück, um eine Flasche Chinin zu holen, die er vergessen hatte. Aber er kehrte nicht gleich zu Jerry zurück. Die lange Schublade unter Borckmans Koje lenkte seinen Blick auf sich. Der Holzknopf, der sie verschloß, war aufgesprungen, und die Schublade hing weit und schief heraus, so daß sie sich festgeklemmt hatte. Es war eine ernste Geschichte.

Er hegte nicht den geringsten Zweifel, daß, wenn die Schublade nachts während der Böen zu Boden gefallen wäre, nicht die leiseste Spur von der Arangi und den achtzig Seelen, die sich an Bord befanden, übriggeblieben sein würde. Denn die Schublade war mit einem Durcheinander von Dynamitstangen, Schachteln mit Zündhütchen, Luntenrollen, Bleigewichten, Eisengerät und vielen Schachteln mit Büchsen-, Revolver- und Pistolenpatronen gefüllt. Er sortierte und ordnete den verschiedenartigen Inhalt und befestigte dann den Knopf wieder mit einem Schraubenzieher und einer längeren Schraube.

Unterdessen erlebte Jerry ein neues Abenteuer, und zwar keines von den angenehmsten. Während er auf Schiffers Rückkehr wartete, erblickte er zufällig den Wildhund, der ganz frech, ein Dutzend Fuß von seiner Höhle, zwischen den Kisten an Deck lag. Sofort kauerte Jerry sich kampfbereit zusammen. Diesmal schien ihm das Glück zu lächeln, denn der Wildhund schlief offenbar fest mit geschlossenen Augen.

In diesem Augenblick schritt der Steuermann bloßbeinig in der Richtung der zwischen den Jamssäcken verstauten Flasche über Deck und rief mit einer merkwürdig heiseren Stimme »Jerry«. Jerry legte die spitzen Ohren zurück und wedelte mit der Rute, um zu zeigen, daß er gehört hätte, gab aber im übrigen zu erkennen, daß er nicht beabsichtigte, den Angriff auf seinen Feind aufzugeben. Beim Ton von des Steuermanns Stimme schlug der Wildhund jedoch schnell die Augen auf, erblickte Jerry und schoß in seine Höhle, wo er augenblicklich kehrt machte und mit triumphierendem Knurren die Zähne zeigte.

Derart durch die Unbedachtsamkeit des Steuermanns um seine Beute gebracht, trottete Jerry wieder zum Kajütsaufgang zurück, um auf Schiffer zu warten. Aber Borckman, in dessen Gehirn es dank den vielen Schlucken, die er aus der Flasche genommen, recht lebhaft zuging, klammerte sich nach Art Betrunkener an einen armseligen Gedanken. Noch zweimal rief er Jerry in gebieterischem Ton zu sich, und zweimal verlieh Jerry mit zurückgelegten Ohren und wedelnder Rute in aller Liebenswürdigkeit und Gutmütigkeit seiner Unlust Ausdruck, der Aufforderung Folge zu leisten. Dann setzte er sich nieder und schaute sehnsüchtig über den Lukenrand nach Schiffer aus.

Borckman erinnerte sich seines ersten Gedankens und ging weiter in der Richtung der Flasche, die er an den Mund setzte und eine geraume Weile himmelwärts hielt. Aber auch der zweite Gedanke ließ ihn trotz aller Armseligkeit nicht los. Nachdem er eine Zeitlang hin und her schwankend vor sich hingemurmelt und, ohne etwas sehen zu können, getan hatte, als studiere er die frische Brise, die die Segel der Arangi füllte und ihr Deck schwanken ließ, und nachdem er schließlich den Versuch gemacht hatte, vor dem Rudergast mit seinen vom Trinken umnebelten Augen den Wachen und Scharfsichtigen zu spielen, taumelte er mittschiffs auf Jerry zu. Das erste, was Jerry von Borckmans Kommen merkte, war ein grausamer, schmerzhafter Griff in Flanke und Leiste, der ihn aufschreien und herumwirbeln ließ. Und dann packte der Steuermann ihn an der Schnauze, wie er es Schiffer im Scherz hatte tun sehen, und schüttelte ihn, daß ihm die Zähne im Maule klapperten, und mit einer Rauheit, die sehr verschieden war von der liebevollen Rauheit, mit der Schiffer ihn zu schütteln pflegte. Kopf und Körper wurden geschüttelt, die Zähne klapperten schmerzhaft, und er wurde auf die roheste Weise ein ganzes Stück über das glatte Deck geschleudert.

Jerry war ein Gentleman. Im Verkehr mit seinesgleichen wie mit Höherstehenden war er die Höflichkeit selbst. Und schließlich verfolgte er selbst einem Unterlegenen wie dem Wildhund gegenüber nicht lange einen Vorteil – jedenfalls nicht übertrieben lange. Wenn er den Wildhund überfiel, war es eigentlich mehr Lärm und Übermut als Brutalität gewesen. Aber einem Höherstehenden, einem zweibeinigen weißen Gott wie Borckman gegenüber, bedurfte er größerer Selbstbeherrschung und der Fähigkeit, seine ursprünglichen Instinkte zu zügeln. Er wollte mit dem Steuermann nicht das Spiel spielen, das er so begeistert mit Schiffer spielte, weil er für den Steuermann, wenn er auch ein zweibeiniger weißer Gott war, nicht die gleichen freundschaftlichen Gefühle hegte.

Und doch war Jerry lauter Höflichkeit. Er kam wieder in einer schwachen Nachahmung der Freudenausbrüche, die er im Umgang mit Schiffer gelernt hatte. In Wirklichkeit spielte er Komödie und versuchte etwas zu tun, wozu sein Herz ihn nicht trieb. Er tat, als spielte er, und stieß ein scherzhaftes Knurren aus, dem doch der Anschein der Wirklichkeit fehlte.

Er wedelte gutmütig und liebenswürdig mit der Rute und knurrte wild und freundschaftlich; aber mit der scharfen Beobachtungsgabe des Betrunkenen spürte der Steuermann den Unterschied, und das erweckte in ihm das vage Gefühl des Genarrtwerdens, des Betrogenseins. Jerry betrog ihn wirklich – aber aus reiner Herzensgüte. Und Borckman merkte in seiner Trunkenheit wohl den Betrug, nicht aber die Herzensgüte dahinter. Augenblicklich stellte er sich feindlich ein. Er vergaß, daß er selbst nur ein Tier war und ging davon aus, nur ein Tier vor sich zu haben, mit dem er auf dieselbe kameradschaftliche Art und Weise spielen wollte wie Schiffer.

Blutiger Krieg war unvermeidlich – anfangs nicht von Jerrys, sondern von Borckmans Seite. Borckman spürte den Urtrieb des Tieres, sich als Tier selbst zum Herrn dieses vierbeinigen Tieres zu machen. Jerry fühlte den Griff um seine Schnauze immer härter und roher werden, und mit immer heftigerer Härte und Roheit wurde er über das Deck geschleudert, das der wachsende Wind jetzt so neigte, daß es einen steilen, schlüpfrigen Hang bildete.

Er kämpfte wie ein Rasender mit Klauen und Zähnen, um den Hang hinaufzukommen, auf dem er keinen Halt finden konnte; und er kam, jetzt nicht mehr mit einer schwachen Nachahmung von Wildheit, sondern mit dem ersten Aufflackern wirklicher Wut. Er wußte das nicht. Wenn er überhaupt nachdachte, so hatte er eher den Eindruck, dasselbe Spiel zu spielen, das er mit Schiffer gespielt hatte. Kurz, das Spiel hatte angefangen, ihn zu fesseln, wenn auch in ganz andrer Weise, als es das Spiel mit Schiffer getan.

Diesmal fletschte er schneller die Zähne und schnappte mit mehr Absicht nach der Hand, die seine Schnauze packen wollte, aber es half ihm nichts, er wurde, härter und weiter als zuvor, die glatte Fläche hinabgeschleudert. Als er zurückkletterte, überkam ihn der Zorn, wenn er sich dessen auch nicht bewußt wurde. Aber der Steuermann, der ein Mensch, wenn auch ein betrunkener Mensch war, merkte die Veränderung in Jerrys Angriff eher, als Jerry selbst sie ahnte. Und Borckman merkte sie nicht nur, sie wirkte auf ihn als Sporn, trieb ihn in tierische Wildheit, so daß er gegen dies Hündchen kämpfte, wie ein primitiver Wilder, unter ganz andern Verhältnissen, mit dem ersten Wurf gekämpft haben mochte, den er aus einer Wolfshöhle in den Felsen gestohlen hatte.

Aber wahrlich: Jerrys Rasse war ebenso alt. Seine Vorfahren waren irische Wolfshunde gewesen, und lange zuvor waren die Vorfahren der Wolfshunde Wölfe gewesen. Es trat ein neuer Klang in Jerrys Knurren. Die unvergeßliche und unauslöschliche Vergangenheit ließ die Fibern in seiner Kehle zittern. Er fletschte die Zähne in wildem Eifer, sie so tief in die Hand des Mannes zu graben, wie seine Leidenschaft es ihm gebot. Denn jetzt war Jerry von Leidenschaft ergriffen. Fast ebenso schnell wie Borckman hatte er den Sprung in die Finsternis einer früheren Welt zurückgetan. Und diesmal packten seine Zähne zu und zerrissen die zarte empfindliche Haut an der Innenseite von Borckmans rechter Hand zwischen den beiden ersten Fingergliedern. Jerrys Zähne waren nadelscharf, und Borckman, der Jerrys Schnauze packte, schleuderte ihn über Deck, daß er fast gegen die winzige Reling der Arangi schlug, ehe er sich festkrallen konnte.

In diesem Augenblick erschien Van Horn, der unterdessen die Schublade mit den Sprengstoffen unter der Koje des Steuermanns repariert hatte, auf der Treppe, erblickte die Kämpfenden und blieb ruhig stehen, um zuzusehen.

Aber er überschaute Millionen von Jahren und sah zwei tolle Geschöpfe, die die Koppel unzähliger Generationen abgestreift hatten und in die Finsternis der Urzeugung zurückgekehrt waren, ehe noch die erste dämmernde Intelligenz den Kern dieses Lebens zu Milde und Rücksicht umgeformt hatte. Dieselben ererbten Instinkte, die in Borckmans Hirn erwachten, erwachten auch in Jerrys Hirn. Die Zeit war für beide rückwärts geschritten. Alles, was zehntausend Generationen erkämpft hatten, war ausgelöscht, und Jerry und der Steuermann kämpften miteinander wie Wolfshund und Wilder. Keiner von ihnen sah Van Horn, der noch auf der Treppe stand und über den Lukenrand hinweg den Kampf verfolgte.

Für Jerry war Borckman jetzt ebensowenig ein Gott wie er selbst ein glatthaariger irischer Terrier. Beide hatten die Jahrmillionen vergessen. Jerry kannte keine Trunkenheit, aber er kannte Ungerechtigkeit; und sie war es, die seine Wut reizte. Als Jerry das nächste Mal angriff, war Borckman ungeschickt, und beide Hände waren ihm zerschrammt, ehe es ihm glückte, das Hündchen über das Deck zu schleudern.

Aber Jerry kam immer wieder. Wie ein brüllendes Dschungelgeschöpf heulte er hysterisch vor Wut. Aber er winselte nicht. Und ebensowenig wich er vor den Schlägen zurück. Er ging drauflos, kämpfte, ohne den Schlägen auszuweichen, wehrte sich und begegnete den Schlägen mit seinen Zähnen. Schließlich wurde er so heftig fortgeschleudert, daß er mit der Seite hart gegen die Reling schlug. Da rief Van Horn:

»Halt, Borckman! Lassen Sie den Hund in Ruhe!«

Der Steuermann drehte sich um, überrascht und erschrocken, daß er beobachtet wurde. Die scharfen, gebieterischen Worte Van Horns waren ein Ruf über Jahrmillionen. Borckmans wutverzerrtes Gesicht machte einen lächerlichen Versuch, dumm und um Entschuldigung bittend zu grinsen, und er murmelte: »Wir haben nur gespielt.« In diesem Augenblick aber kam Jerry wieder, sprang hoch und grub seine Zähne in die Hand, die ihn geschlagen hatte. Borckman übersprang sofort wieder die Jahrmillionen. Er versuchte, Jerry einen Tritt zu versetzen, trug aber als Dank für seine Mühe nur ein paar tüchtige Schrammen davon. Er stieß vor Wut und Schmerz unartikulierte Laute aus, dann beugte er sich nieder und gab Jerry einen furchtbaren Schlag auf Kopf und Hals. Jerry wurde von dem Schlage mitten im Sprung getroffen, und mit einem Saltomortale schlug er rücklings auf das Deck. Sobald er wieder auf den Füßen stand, schickte er sich zu einem neuen Angriff an, aber Schiffers Stimme hielt ihn zurück:

»Jerry! Halt! Komm her!«

Er gehorchte, aber mit einer gewaltigen Anstrengung, seine Nackenhaare sträubten sich, und die Lippen zogen sich zurück, daß die Zähne ganz entblößt waren, als der Steuermann vorbeiging. Zum erstenmal war ein Winseln in seiner Kehle; aber er winselte weder vor Furcht noch vor Schmerz, sondern vor Zorn und Kampfeseifer, den er auf Schiffers Gebot zu beherrschen suchte.

Schiffer trat an Deck, hob ihn auf und streichelte ihn beruhigend, während er dem Steuermann seine Meinung sagte.

»Borckman, Sie sollten sich schämen. Sie verdienten, totgeschossen oder aufgehängt zu werden. Ein Hündchen, ein kaum entwöhntes Hündchen. Freu' mich, daß Ihre Hand was abgekriegt hat. Geschieht Ihnen recht. Hoffe, daß Sie Blutvergiftung kriegen. Nebenbei: Sie sind betrunken. Gehen Sie in die Falle, und wagen Sie nicht, wieder an Deck zu kommen, ehe Sie nüchtern sind. Savve?«

Und Jerry, der die weite Reise durchs Leben und durch die Geschichte alles Lebens, aus dem die Welt entstanden, gemacht hatte, der um die Herrschaft kämpfte mit dem Urschlamm prähistorischer Zeiten, und das kraft der Liebe, die in weit späteren Zeiten in ihm erwacht und sein ein und alles geworden war, während der Zorn jener alten Zeiten immer noch mit dem Grollen eines vorbeiziehenden Wetters in seiner Kehle widerklang – Jerry wußte – und ein warmes Gefühl durchflutete ihn –, daß sein Schiffer erhaben und gerecht war. Wahrlich: Schiffer war ein Gott, der tat, was recht war, der ihn beschützte, und der wie ein Herrscher über diesen andern, weniger guten Gott gebot, welcher sich in der Furcht vor seinem Zorn fortschlich.

nbsp;

Jerry und Schiffer hielten gemeinsam die lange Nachmittagswache, und Schiffer schüttelte sich vor Lachen, und jeden Augenblick hörte man Ausbrüche wie: »Gott verdamm mich, Jerry, du bist wirklich ein Raufbold und ein rechter Köter«, oder »du bist ein ganzer Kerl, der reine Löwe. Ich wette, daß es keinen Löwen auf der Welt gibt, der mit dir fertig würde.«

Und Jerry, der außer seinem eignen Namen kein Wort von den Lauten, die Schiffer ausstieß, verstand, wußte doch, daß sie Lob und warme Liebe ausdrückten. Und wenn Schiffer sich herabbeugte, ihm die Ohren rieb oder sich die Finger von ihm küssen ließ, oder wenn er ihn in seine Arme hob, wollte Jerrys Herz vor Liebe fast bersten. Denn welch größeres Glück kann einem Geschöpf zuteil werden, als von einem Gott geliebt zu werden? Und dieses Glück eben war Jerry widerfahren. Dies war ein Gott, ein faßbarer, wirklicher, dreidimensionaler Gott, der mit bloßen Beinen und einem Lendenschurz einherging und seine Welt beherrschte, und der ihn liebte, ihn mit Lauten aus Kehle und Mund liebkoste und mit zwei weitgreifenden Armen an sich preßte.

Um vier Uhr ging Van Horn nach einem prüfenden Blick auf die sinkende Sonne und das nahe Su'u nach unten und schüttelte den Steuermann derb wach. Bis zur Rückkehr beider war Jerry Alleinherrscher an Deck. Aber hätte Jerry nicht bestimmt gewußt, daß die weißen Götter, die nach unten gegangen waren, jeden Augenblick wiederkehren mußten, so hätte er seine Herrschaft an Deck nicht lange ausüben können, denn mit jeder Meile, um die sich die Entfernung zwischen Malaita und den Retournierten verringerte, stieg deren Lebensmut, und mit der nahen Aussicht auf die frühere Unabhängigkeit begann Lerumie, als einer von vielen, Jerry mit ausgesprochen kulinarischen Gefühlen und hörbarem Schmatzen zu betrachten. Die Begriffe »Nahrung« und »Rache« deckten sich in diesem Falle völlig.

Mit scharf angeholten Segeln schoß die Arangi in der frischen Brise auf das Land zu. Jerry guckte durch den Stacheldraht und sog die Luft ein, während Schiffer neben ihm stand und Steuermann und Rudergast Befehle erteilte. Die vielen Kisten wurden jetzt losgesurrt, und die Schwarzen begannen sie zu öffnen und wieder zu schließen. Ihr besonderes Entzücken bildete die kleine Glocke, mit der jede Kiste versehen war, und die jedesmal, wenn der Deckel gehoben wurde, läutete. Ihre Freude an diesem Spielzeug war kindlich, und sie öffneten immer wieder die Kisten, um die Glocke läuten zu hören.

Fünfzehn von den Schwarzen sollten in Su'u an Land gesetzt werden, und mit wilden Geberden und Schreien begannen sie die Einzelheiten der Landschaft wiederzuerkennen und einander zu zeigen, der einzigen, die sie bis zu dem Tage gekannt hatten, als sie vor drei Jahren von ihren Vätern, Onkeln und Häuptlingen als Sklaven verkauft worden waren. Eine schmale Rinne von kaum hundert Schritt Breite führte in eine lange, enge Bucht. Das Ufer war von Mangroven und dichter Tropenvegetation überwuchert. Es waren weder Häuser noch sonst irgendwelche Anzeichen zu sehen, daß die Insel von menschliehen Wesen bewohnt war, obgleich Van Horn, der auf diese so nahe dichte Dschungel starrte, genau wußte, daß Dutzende, vielleicht Hunderte von menschlichen Augenpaaren ihn beobachteten.

»Riech sie, Jerry, riech sie«, feuerte er ihn an.

Und Jerrys Haar sträubte sich, und er bellte die Mangrovenmauer an, denn sein scharfer Geruchsinn sagte ihm wirklich klar, daß dort Nigger lauerten.

»Wenn ich riechen könnte wie er,« sagte der Kapitän zum Steuermann, »dann brauchte ich nicht zu fürchten, je meinen Kopf zu verlieren.«

Aber Borckman antwortete nicht und verrichtete verdrossen seine Arbeit. Es wehte nur schwach in der Bucht, und die Arangi schob sich langsam hinein und ging in dreißig Faden Wasser vor Anker. So steil fiel das Ufer ab, daß das Heck der Arangi herumschwang, bis es kaum hundert Fuß von den Mangroven lag.

Van Horn warf immer noch ängstliche Blicke auf die bewaldete Küste, denn Su'u war sehr verrufen. Seit vor fünfzehn Jahren der Schoner Fair Hathaway, der Arbeiter für die Queensland-Plantagen rekrutierte, von den Eingeborenen genommen und die ganze Besatzung erschlagen worden war, hatte sich kein Fahrzeug außer der Arangi je nach Su'u gewagt. Und die meisten Weißen verurteilten darum Van Horn, weil er sich auf ein so gefährliches Abenteuer einließ.

Tief im Lande, in den Bergen, die sich viele tausend Fuß hoch in die Passatwolken hoben, stieg Rauch von vielen Signalfeuern empor, die das Kommen des Schiffes meldeten. Fern und nah war die Anwesenheit der Arangi bekannt; aber aus der Dschungel, die zum Greifen nahe war, hörte man nur das Kreischen der Papageien und das Schwatzen der Kakadus.

Das mit sechs Leuten von der Besatzung bemannte Walboot wurde längsseits geholt, und die fünfzehn Su'uleute mit ihren Kisten hineingesetzt. Unter den Segelleinenüberzug über den Duchten wurden fünf Lee-Enfield-Gewehre gelegt, so daß die Ruderer sie sofort zur Hand hatten. An Deck stand ein andrer Mann von der Besatzung mit einer Büchse in der Hand und bewachte die übrigen Waffen. Borckman hatte sich sein eignes Gewehr geholt und hielt es, zu augenblicklichem Gebrauch bereit, in der Hand. Van Horns Büchse lag schußbereit achtern im Boot, wo er selbst neben Tambi stand, der mit einem langen Ruder steuerte. Jerry stieß ein leises Winseln aus und schaute sehnsüchtig über die Reling nach Schiffer aus, der sich erweichen ließ und ihn ins Boot hob.

Gerade im Boot war es gefährlich, denn es war kaum anzunehmen, daß die Retournierten auf der Arangi selbst eben jetzt einen Aufstand machen würden. Da sie aus Somo, No-ola, Langa-Langa und dem fernen Malu stammten, spürten sie einen heillosen Schrecken davor, von den Su'uleuten gefressen zu werden, wenn die weißen Herren sie nicht mehr beschützten – gerade wie die Su'uleute gefürchtet haben würden, von den Somo-, Langa-Langa- und No-ola-Leuten gefressen zu werden.

Was die Gefahr im Boote wesentlich erhöhte, war der Umstand, daß kein Deckboot vorhanden war. Es war sonst stets üblich, daß die größeren Rekrutierungsschiffe zwei Boote schickten, wenn sie etwas an Land zu tun hatten. Während das eine am Ufer anlegte, blieb das andre in kurzer Entfernung liegen, um den Kameraden den Rückzug zu decken, wenn Unruhen ausbrachen. Es wäre für die Arangi, die zu klein war, ein Boot an Deck mitzuführen, zu umständlich gewesen, zwei Boote zu schleppen; daher verzichtete Van Horn, der kühnste aller Arbeiterwerber, auf diesen wesentlichen Schutz.

Tambi steuerte nach den leisen Anweisungen Van Horns parallel mit der Küste. An einer Stelle, wo die Mangroven aufhörten und die hohe Küste und ein schmaler getretener Pfad ganz bis ans Wasser gingen, bedeutete Van Horn den Ruderern, daß sie backen und die Riemen glattlegen sollten. Hohe Palmen und mächtige, weitausladende Bäume hoben sich an dieser Stelle über die Dschungel, und der Pfad glich einem Tunnel, der durch die dichte grüne Mauer von Tropen Vegetation führte.

Van Horn, der die Küste beobachtete, um ein Lebenszeichen zu erspähen, zündete sich eine Zigarre an und faßte mit der einen Hand unter seinen Lendenschurz, um sich zu vergewissern, daß die Dynamitbombe, die er zwischen Schurz und Hüfte gesteckt hatte, noch da war. Die angezündete Zigarre war bestimmt, im Notfall die Lunte der Dynamitbombe in Brand zu setzen. Das Ende der Lunte war gespalten, um einen Streichholzkopf hineinstecken zu können, und sie war so kurz, daß zwischen dem Anzünden mit der Zigarre und der Explosion kaum drei Sekunden verstreichen würden. Das erforderte Kaltblütigkeit und Schnelligkeit seitens Van Horns. In drei Sekunden mußte die Lunte angezündet, mußte gezielt und die sprühende Bombe nach ihrem Ziel geschleudert werden. Übrigens glaubte er nicht, daß es dazu kommen würde, und hielt sie nur für alle Fälle bereit.

Fünf Minuten verstrichen, und an der Küste blieb alles still. Jerry schnüffelte an Schiffers bloßen Beinen, als wolle er ihn vergewissern, daß er ihm nahe sei, was auch immer von der feindlichen Stille an Land drohte, dann setzte er die Vorderpfoten auf den Bootsrand und fuhr fort, eifrig und hörbar zu schnaufen, während sich ihm die Haare sträubten und er leise knurrte.

»Sie sind da, stimmt«, vertraute Schiffer ihm an, und Jerry warf ihm einen lächelnden Seitenblick zu, wedelte mit der Rute und legte die Ohren vor Liebe flach an den Kopf. Dann wandte er wieder die Schnauze dem Lande zu, um den Dschungelbericht zu lesen, den ihm die leichten Wellen der stickigen und beinahe stillstehenden Luft zutrugen.

»He!« rief Van Horn plötzlich. »He, ihr fella Jungens, steckt Köpfe raus, gehören euch!«

Wie in einer Verwandlungsszene wurde das scheinbar unbewohnte Dschungel plötzlich lebendig. Augenblicklich kamen hundert Wilde zum Vorschein. Hinter allen Bäumen und Büschen tauchten sie auf. Alle waren bewaffnet, einige mit Snider-Gewehren und uralten Reiterpistolen, andre mit langschäftigen Tomahawks. Im Handumdrehen war einer von ihnen in den Sonnenschein auf den freien Platz gesprungen, wo der Pfad an das Wasser stieß. Abgesehen von verschiedenartigem Schmuck war er nackt wie Adam vor dem Sündenfall. Eine einzelne Feder stak in seinem krausen, blanken, schwarzen Haar. Ein polierter Pfriem aus weißer, versteinerter Muschelschale war durch die Nasenwand gesteckt, daß er zu beiden Seiten herausragte. Um den Hals hing an einer Schnur aus geflochtener Kokosfaser eine Reihe elfenbeinweißer Wildschweinshauer. Um das eine Bein, eben unterhalb des Knies, trug er ein Strumpfband aus weißen Kaurimuscheln. Eine flammend rote Blume saß kokett über dem einen Ohr, und durch ein Loch im andern war ein Schweineschwanz gezogen, der so frisch war, daß er noch blutete.

Als dieser melanesische Stutzer in den Sonnenschein heraussprang, legte er gleichzeitig seine Snider-Büchse an, indem er von der Hüfte zielte, so daß die weite Mündung direkt auf Van Horn zeigte. Aber Van Horn war ebenso schnell. Im selben Augenblick hatte er zu seiner Büchse gegriffen und zielte ebenfalls von der Hüfte aus. So standen sie denn Angesicht zu Angesicht, den Tod in den Fingerspitzen, nur vierzig Fuß voneinander da. Die Jahrmillionen zwischen Barbarei und Zivilisation klafften auch in diesem kurzen Abstand von vierzig Fuß zwischen ihnen. Das schwerste für einen modernen, hochentwickelten Menschen ist, die Erfahrungen seiner Vorfahren zu vergessen. Am leichtesten wird es ihm, seine Zivilisation zu vergessen und über die Zeiten zurückzugleiten bis in die Kindheit der Menschheit. Eine Lüge, ein Schlag ins Gesicht, ein Stich der Eifersucht ins Herz kann im Bruchteil einer Sekunde einen Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts in einen affenartigen Troglodyten verwandeln, der sich die Brust mit den Fäusten schlägt und blutdürstig die Zähne fletscht.

So ging es Van Horn, aber doch mit einem gewissen Unterschied. Er war gleichzeitig der vollkommen moderne und der ganz primitive Mensch, fähig, in der Wut mit Zähnen und Klauen zu kämpfen, und doch beseelt von dem Wunsche, der zivilisierte Mensch zu bleiben, solange er durch seine Überlegenheit diese Studie von ebenholzschwarzer Haut und blendend weißem Zierat beherrschen konnte, die sich ihm entgegenstellte.

Zehn lange Sekunden war alles still. Selbst Jerry dämpfte sein Knurren, ohne zu wissen, warum. Hundert kopfjagende Kannibalen am Rande der Dschungel, fünfzehn retournierte Su'u-Neger im Boot, eine Besatzung von sieben Schwarzen, ein einziger Weißer, eine Zigarre im Mund, eine Büchse an der Hüfte, und ein irischer Terrier, der sich mit gesträubten Haaren dicht an den bloßen Schenkel seines Herrn drückte, das waren die Geschöpfe, die in dieser feierlichen Stille von zehn Sekunden atmeten, und keines von ihnen ahnte, was das Ende werden würde.

Einer der Retournierten machte, im Bug des Walbootes stehend, das Friedenszeichen, indem er waffenlos die offene Hand emporstreckte und dann in dem unbekannten Su'u-Dialekt schwatzte. Van Horn zielte ruhig weiter und wartete. Der Stutzer ließ seinen Snider sinken, und alle atmeten erleichtert auf.

»Mich gut fella Junge«, zwitscherte der Stutzer, halb wie ein Vogel, halb wie eine Elfe.

»Dich groß fella verrückt zuviel«, antwortete Van Horn barsch, indem er seine Büchse fallen ließ und den Ruderern und dem Rudergast bedeutete, das Boot zu wenden. Dabei rauchte er seine Zigarre so sorglos und gleichgültig, als hätte es sich nicht einen Augenblick zuvor um Leben und Tod gehandelt.

»Mein Wort«, fuhr er mit gut gespieltem Zorn fort. »Was Name du, zielen auf mich? Mich nicht kai-kai (essen) dich. Mich kai-kai dich, Magen gehören mir, umhergehen. Du nicht mögen kai-kai Su'u-Junge, gehören dir? Su'u-Junge, gehören dir, sein wie Bruder. Lange vor jetzt, dreimal Monsun früher, mich sprechen wahre Rede. Mich sagen, drei Monsun Jungen kommen wieder. Mein Wort, drei Monsun vorbei. Jungen sein bei mir, kommen wieder.«

In diesem Augenblick war das Boot so weit herumgeschwungen, daß die Lage von Bug und Heck jetzt vertauscht war. Van Horn machte kehrt, so daß er dem Stutzer mit der Snider-Büchse ins Gesicht sah. Auf ein neues Zeichen des Kapitäns backten die Ruderer und legten mit dem Heck an der Stelle an, wo der Pfad ans Wasser stieß. Und jeder Ruderer tastete, den Riemen für den Fall eines Angriffs bereit, heimlich unter das Segelleinen, um sich zu vergewissern, wo sein verstecktes Lee-Enfield-Gewehr lag.

»Schön, Jungen, gehören dir, gehen herum?« fragte Van Horn den Stutzer, der in der auf den Salomoninseln üblichen Weise bejahte, indem er die Augen halb schloß und den Kopf mit ein paar seltsamen kleinen Rucken zurückwarf.

»Nicht kai-kai Su'u fella Jungen, wenn bei dir herumgehen?«

»Nicht bange«, antwortete der Stutzer. »Wenn ihn Su'u fella Jungen, alles gut. Wenn ihn nicht fella Su'u-Jungen, mein Wort, viel Lärm. Ischikola, groß fella schwarzer Herr hier, ihn reden, mich reden mit dir. Ihn sagen, viel schlimme fella Jungen hier im Busch. Ihn sagen groß fella weißer Herr nicht gehen umher. Ihn sagen, lieber, guter großer fella weißer Herr bleiben auf Schiff.«

Van Horn nickte gleichgültig, als ob die Mitteilung ganz bedeutungslos sei, obwohl er sich klar darüber war, daß er diesmal keine neuen Arbeiter auf Su'u bekam. Während er die andern zwang, auf ihren Plätzen sitzenzubleiben – dirigierte er die Retournierten einzeln über das Heck an Land. Das war die Taktik auf den Salomoninseln. Jede Zusammenrottung war gefährlich. Man durfte nicht riskieren, daß sie aus der Reihe kamen. Und Van Horn rauchte seine Zigarre nachlässig und gleichgültig wie zuvor und beobachtete unabgewandt, aber scheinbar ganz interesselos jeden einzelnen Retournierten, der, seine Kiste auf der Schulter, nach achtern ging und an Land kletterte. Einer nach dem andern verschwand im Tunnel, und als der letzte sich an Land befand, gab er Befehl, das Boot zum Schiff zurückzurudern.

»Nichts hier zu machen diesmal«, sagte er zum Steuermann. »Wir gondeln los, sobald es hell wird.«

Die plötzliche tropische Dämmerung senkte sich auf sie herab, und es wurde Nacht. Uber ihnen funkelten die Sterne. Nicht das leiseste Lüftchen kräuselte das Wasser, und die beiden Männer troffen am ganzen Körper von Schweiß. Ohne besonderen Appetit aßen sie ihr Abendbrot an Deck, und jeden Augenblick hoben sie den Arm, um sich den Schweiß aus den Augen zu wischen.

»Daß ein Mensch nach den Salomons kommen muß – verdammtes Loch«, erklärte der Steuermann.

»Oder dableiben muß«, ergänzte der Kapitän.

»Mich hat das Fieber zu sehr mitgenommen«, brummte der Steuermann. »Ich würde sterben, wenn ich wegginge. Weiß noch, wie ich's vor zwei Jahren versuchte. Bei kaltem Wetter bricht das Fieber erst richtig aus. Als ich nach Sidney kam, lag ich längelang auf dem Rücken. Sie fuhren mich im Krankenwagen nach dem Hospital. Mir ging es immer schlechter. Die Ärzte erzählten mir, meine einzige Rettung sei, dorthin zurückzukehren, wo ich das Fieber bekommen hätte. Täte ich das, so könnte ich noch lange leben. Bliebe ich in Sidney, so wäre es bald zu Ende mit mir. In einem andern Krankenwagen schickten sie mich wieder an Bord. Und das waren meine ganzen Ferien in Australien. Ich hatte durchaus keine Lust, auf den Salomons zu bleiben. Die sind die reine Hölle. Aber ich mußte es tun oder krepieren.«

Er rollte überschläglich dreißig Gran Chinin in ein Stück Zigarettenpapier, betrachtete die Pille einen Augenblick ärgerlich und verschluckte sie dann hastig. Dadurch wurde auch Van Horn erinnert, er streckte die Hand aus und nahm eine ähnliche Dosis.

»Wir wollen lieber ein Decksegel aufspannen«, schlug er vor.

Borckman ließ einige Leute von der Besatzung eine leichte Persenning wie eine Gardine an der Landseite der Arangi aufhängen. Es war eine Vorsichtsmaßregel gegen verirrte Schüsse aus den nur hundert Fuß entfernten Mangroven.

Van Horn ließ durch Tambi das kleine Grammophon heraufholen, das dann das Dutzend zufällig mitgenommener Platten ableierte, die bereits tausendmal unter der Nadel gewesen waren. In einer Pause erinnerte sich Van Horn des Mädchens und ließ sie aus ihrem dunklen Loch im Vorratsraum herausholen, um die Musik zu hören. Sie gehorchte zitternd, denn sie fürchtete, daß jetzt ihre Stunde gekommen wäre. Sie glotzte stumm mit furchtsam aufgerissenen Augen den großen weißen Herrn an; sie zitterte noch am ganzen Körper, als er sie schon längst vermocht hatte, sich niederzulegen. Das Grammophon bedeutete ihr nichts. Sie kannte nur Furcht – Furcht vor diesem schrecklichen weißen Manne, der sicherlich dazu ausersehen war, sie zu essen.

Jerry verließ für einen Augenblick die streichelnde Hand Schiffers, um sich zu ihr zu begeben und sie zu beschnüffeln. Das war seine Pflicht. Er wollte noch einmal ihre Identität feststellen. Einerlei, was auch immer geschah, einerlei, wie viele Monate und Jahre vergingen, er würde sie wiedererkennen, in alle Ewigkeit wiedererkennen. Er kehrte zu der freien Hand Schiffers zurück, die ihn weiter streichelte. Die andre Hand hielt die Zigarre, die Van Horn rauchte.

Die Schwüle wurde noch drückender. Die Luft war erstickend durch den feuchten, schweren Dunst, der aus dem Mangrovenbusch aufstieg. Angespornt durch die kreischende Musik, die an die Hafenplätze seiner früheren Welt erinnerte, lag Borckman mit dem Gesicht nach unten auf dem heißen Deck und trommelte mit seinen bloßen Zehen einen Zapfenstreich, während er in einem Monolog von Kehllauten seinen Gefühlen fluchend Luft machte. Aber Van Horn, der immer noch den stöhnenden Jerry streichelte, fuhr mit philosophischer Gemütsruhe fort, seine Zigarre zu rauchen, und zündete sich, als die erste aufgeraucht war, eine neue an.

Plötzlich aber wurde er aus seinen Betrachtungen gerissen durch ein schwaches Plätschern von Rudern, das er als erster an Bord hörte. Eigentlich war es Jerrys leises Knurren und der Umstand, daß sich ihm die Haare sträubten, gewesen, was Van Horn hatte aufhorchen lassen. Er zog die Dynamitbombe aus seinem Lendenschurz und betrachtete die Zigarre, um sich zu vergewissern, daß sie brannte, worauf er schnell und ruhig aufstand und schnell und ruhig an die Reling trat.

»Was Name gehören dir?« rief er in die Dunkelheit hinein.

»Mich fella Ischikola«, lautete die Antwort in dem zitternden Falsett eines alten Mannes.

Ehe Van Horn weitersprach, lockerte er seine automatische Pistole in ihrem Halfter, den er sich handgerecht nach vorn rückte.

»Wie viele fella Jungen sein bei dir?« fragte er.

»Ein fella zehn Jungen allzusammen bei mir«, erklang die alte Stimme.

»Dann komm längsseits.« Ohne den Kopf zu wenden, ließ Van Horn unbewußt die rechte Hand auf den Pistolenkolben sinken und befahl: »Du fella Tambi. Holen Laterne. Nein, bringen hierher. Du gehen mit ihr an Besanwanten und sehen scharf Auge, gehören dir.«

Tambi gehorchte, indem er die Laterne zwanzig Fuß vom Standpunkt des Kapitäns hielt. Das gab Van Horn einen Vorteil über die Männer, die sich im Kanu näherten, denn die Laterne, die durch den Stacheldrahtzaun an der Reling gesteckt und ziemlich tief gehalten wurde, mußte die Besatzung des Kanus scharf beleuchten, während er selbst im Halbdunkel und im Schatten stand.

»Washee-washee!« rief er gebieterisch, als das unsichtbare Kanu sich immer noch nicht sehen ließ.

Dann hörte man das Geräusch von Paddeln, und gleich darauf tauchte im Lichtkreise der hohe, schwarze, gondelartig gebogene, mit silberschimmerndem Perlmutter eingelegte Bug eines Kriegskanus auf, dann das lange schmale Kanu selbst, das keinen Ausleger hatte; die blitzenden Augen und schwarzschimmernden Körper der splitternackten Neger, die, im Boote kniend, paddelten; Ischikola, der alte Häuptling, der mittschiffs kauerte, ohne zu rudern, eine erloschene, nicht gestopfte Tonpfeife verkehrt zwischen den zahnlosen Kiefern, und endlich am Heck, als Bootsmann, der Stutzer – ganz schwarze Nacktheit und weißer Zierat mit Ausnahme des Schweineschwanzes in dem einen Ohr und der roten Hibiskusblüte, die immer noch hinter dem andern Ohr flammte.

Es war schon vorgekommen, daß weniger als zehn Schwarze ein Sklavenschiff mit nur zwei Weißen genommen hatten, und Van Horns Faust schloß sich um den Kolben seiner Pistole, obwohl er sie nicht ganz aus dem Halfter zog, mit der Linken führte er die Zigarre zum Munde und zog kräftig, daß sie gut brannte.

»Hallo, Ischikola, du verdammter Spitzbube«, begrüßte Van Horn den alten Häuptling, als der Stutzer durch eine Drehung seines Ruders das Kanu neben die Arangi legte.

Ischikola lächelte im Laternenlicht zu Van Horn herauf. Er lächelte mit dem rechten Auge, dem einzigen, das er hatte, da ihm das linke in seiner Jugend durch einen Pfeil bei einem Dschungel-Scharmützel zerstört worden war.

»Mein Wort!« grüßte er zurück. »Lange du nicht bleiben Auge gehören mir.«

Van Horn machte eine leicht verständliche scherzhafte Andeutung über die letzten Frauen, um die er seinen Harem vermehrt hatte, und den Preis, den er in Schweinen für sie erlegt hatte.

»Mein Wort,« sagte er schließlich, »du reich fella allzuviel.«

»Mich gern wollen kommen an Bord bei dir«, schlug Ischikola bescheiden vor.

»Mein Wort, Nacht sie bleiben«, wandte der Kapitän ein, fügte dann aber als Verstoß gegen die bekannte Regel, daß Besuche nach Einbruch der Nacht nicht mehr gestattet wurden, hinzu: »Du kommen an Bord, Jungen bleiben in Boot.«

Liebenswürdig half Van Horn dem alten Mann über die Reling zu klettern und durch den Stacheldrahtzaun an Deck zu kriechen. Ischikola war ein schmutziger alter Wilder. Eines seiner Tambos (Tambo ist auf Trepang-Englisch und Melanesisch dasselbe wie »Tabu«) war, daß Wasser unter keinen Umständen seine Haut berühren durfte. Er, der an der Salzsee, in einem Lande mit tropischen Regengüssen lebte, vermied gewissenhaft jede Berührung mit Wasser. Er schwamm oder watete nie und floh vor jedem Regenschauer unter Dach und Fach. Nicht, daß dies für den ganzen Stamm gegolten hätte. Es war nur das besondere Tambo, das die Teufel-Teufel-Medizinmänner ihm auferlegt hatten. Andre Angehörige des Stammes hatten von den Teufel-Teufel-Medizinmännern als Tambo bekommen, daß sie kein Haifischfleisch essen, keine Schildkröte anfassen oder nicht in Berührung mit Krokodilen oder deren versteinerten Überresten kommen, oder daß sie nicht durch die Berührung eines Weibes oder durch den Schatten eines Weibes auf ihrem Wege entheiligt werden durften.

Die Folge war daher, daß Ischikola, dessen Tambo Wasser war, von einer Kruste jahrzehntealten Schmutzes bedeckt war. Er war schuppig wie ein Aussätziger, dazu eingeschrumpft vor Alter und hatte ein runzliges, ausgedörrtes Gesicht. Ferner hinkte er furchtbar von einer alten Speerwunde am Schenkel, die seine ganze Gestalt verzerrte, so daß er stark vornübergebeugt ging. Aber sein einziges Auge funkelte klar und boshaft, und Van Horn wußte, daß er damit ebensoviel sah, wie er selbst mit seinen zweien.

Van Horn schüttelte ihm die Hand – eine Ehre, die er nur Häuptlingen zuteil werden ließ – und bedeutete ihm, auf Deck niederzuhocken neben dem entsetzten Mädchen, das wieder zu zittern begann bei dem Gedanken, daß sie Ischikola einst hundert Kokosnüsse hatte bieten hören, um sie zu Mittag zu essen.

Jerry mußte natürlich, späteren Wiedererkennens halber, diesen gottlosen, hinkenden, nackten und einäugigen alten Mann beschnüffeln. Und als er geschnüffelt und sich das spezielle Parfüm des Häuptlings gemerkt hatte, mußte er unbedingt ein schreckeneinflößendes Knurren ausstoßen, was ihm einen schnellen beifälligen Blick von Schiffer eintrug. »Mein Wort, gut fella kai-kai Hund«, sagte Ischikola. »Mich geben halb Faden Muschelgeld dies fella Hund.«

Für ein so junges Hündchen war das Angebot glänzend, denn ein halber Faden Muschelgeld, auf einer Schnur von Kokosfasern aufgezogen, bedeutete in barem Gelde ein halbes Pfund Sterling, zweieinhalb Dollar oder in lebenden Schweinen zweieinhalb ziemlich ausgewachsene Exemplare.

»Ein Faden Muschelgeld dies fella Hund«, antwortete Van Horn, während er in seinem Herzen wußte, daß er Jerry für keinen noch so phantastischen Preis, den ein Neger ihm bieten konnte, verkaufen würde; aber der Verstand gebot ihm, eine so niedrige Forderung über pari zu stellen, damit er keinen Verdacht bei dem Eingeborenen erweckte und nicht verriet, wie hoch er in Wirklichkeit diesen goldhaarigen Sohn Biddys und Terrences schätzte. Dann behauptete Ischikola, daß das Mädchen viel magerer geworden sei, und daß er, der ein Kenner in bezug auf Menschenfleisch war, sich diesmal nicht für berechtigt hielte, mehr als dreimal zwanzig Trinkkokosnüsse zu bieten.

Nach Auswechselung dieser Höflichkeiten sprachen der weiße und der schwarze Herr über mancherlei, der eine bluffte mit der überlegenen Intelligenz des Weißen, und der andre fühlte und erriet als der primitive Staatsmann, der er war, in der Hoffnung, vielleicht etwas darüber erfahren zu können, wie die menschlichen und politischen Kräfte ausbalanciert waren, die sich auf sein Su'u-Territorium bezogen. Das waren zehn Quadratmeilen, die auf der einen Seite vom Meere und auf der andern von den Linien begrenzt wurden, die die ewigen Kriege zwischen den Stämmen zogen, Kriege, die älter waren als die älteste Su'u-Mythe. Ewig waren Köpfe genommen und Menschen gefressen worden, bald von der einen, bald von der andern Seite, immer von den jeweils siegreichen Stämmen. Die Grenzen waren dieselben geblieben, Ischikola versuchte sich in rohem Trepang Aufklärung zu verschaffen über die allgemeine Situation der Salomons in bezug auf Su'u, und Van Horn war nicht darüber erhaben, das unehrliche diplomatische Spiel zu treiben, das in allen Kanzleien der Weltmächte getrieben wird.

»Mein Wort,« schloß Van Horn, »ihr schlechten fella zuviel diesen Ort. Zuviel Köpfe ihr fella nehmen, zuviel kai-kai Langschwein bei euch.« (Langschwein bedeutet gebratenes Menschenfleisch.)

»Was Name lang Zeit schwarz fella gehören Su'u nehmen Köpfe, kai-kai Langschwein?« entgegnete Ischikola.

»Mein Wort,« sagte Van Horn wieder, »zuviel diesen Ort. Einmal sehr bald groß fella Kriegsschiff halten Su'u und läuten sieben Glocken Su'u.«

»Was Name er groß fella Kriegsschiff halten Salomons?« fragte Ischikola.

»Groß fella Cambrian, ihn fella Name gehören Schiff«, log Van Horn, denn er wußte nur zu gut, daß die letzten zwei Jahre kein englischer Kreuzer im Salomonarchipel gewesen war.

Das Gespräch wurde allmählich zur Karikatur einer Verhandlung zwischen zwei Mächten; aber da wurden sie durch einen Ruf Tambis unterbrochen, der die Laterne über die Reling hielt und jetzt eine Entdeckung gemacht hatte.

»Schiffer, Gewehr er sein in Kanu!« rief er.

Van Horn war mit einem Sprung an der Reling und guckte über den Stacheldrahtzaun hinunter. Ischikola stand trotz seines verkrüppelten Körpers kaum eine Sekunde später neben ihm.

»Was Name das fella Gewehr bleiben auf Boden?« fragte Van Horn zornig.

Der Stutzer achtern im Kanu blickte gleichgültig in die Luft und versuchte, mit dem Fuß die grünen Blätter über die Kolben einiger Büchsen zu schieben, machte aber die Sache nur noch schlimmer, denn jetzt lagen sie ganz offen da. Er bückte sich, um die Blätter mit der Hand zurechtzulegen, richtete sich aber schnell wieder auf, als Van Horn ihn anbrüllte. »Klar dort! Nehmen Hand gehören dir lang Stück bißchen!«

Van Horn wandte sich gegen Ischikola und heuchelte eine Wut, die er wegen des alten, ewig wiederkehrenden Tricks gar nicht spürte.

»Was Name du kommen längsseits, Gewehr ihn bleiben in Kanu gehören dir?« fragte er.

Der alte Salzwasserhäuptling rollte sein einziges Auge und blinzelte in gut gespielter Dummheit und Unschuld.

»Mein Wort, mich wütend auf dich zu sehr«, fuhr Van Horn fort. »Ischikola, du sehr schlimmer fella Junge. Du gehen zur Hölle über Bord.«

Der alte Bursche humpelte mit größerer Gewandtheit, als er sie beim Anbordkommen gezeigt hatte, über das Deck, schlüpfte ohne Hilfe durch den Stacheldrahtzaun und ließ sich, ebenfalls ohne Hilfe, in das Kanu gleiten, wobei er sehr gewandt sein ganzes Gewicht auf das gesunde Bein stützte. Er blinzelte nach oben, als wolle er um Verzeihung bitten und seine Unschuld beteuern. Van Horn wandte sich ab, um ein Lächeln zu verbergen, lachte aber frei heraus, als der alte Spitzbube ihm seine leere Pfeife zeigte und mit einschmeichelnder Stimme sagte:

»Denke, fünf Stück Tabak du geben mir?«

Während Borckman nach unten ging, um den Tabak zu holen, hielt Van Horn Ischikola einen Vortrag über die heilige Unverletzlichkeit von Wahrheit und Versprechungen. Dann lehnte er sich über den Stacheldrahtzaun und reichte dem Häuptling die fünf Stück Tabak.

»Mein Wort«, drohte er. »Einen Tag, Ischikola, ich ganz fertig mit dir. Du nicht gut Freund bleiben bei Salzwasser. Du großer Narr bleiben in Busch.«

Ischikola versuchte zu protestieren. Van Horn schnitt ihm aber das Wort ab mit einem: »Mein Wort, du quatschen mit mir zu viel.«

Aber das Kanu blieb noch immer liegen. Der Stutzer tastete heimlich mit dem Zeh nach den Gewehrkolben unter den grünen Blättern, und Ischikola zeigte wenig Lust aufzubrechen.

»Washee-washee!« rief Van Horn plötzlich gebieterisch.

Die Ruderer gehorchten augenblicklich ohne Befehl ihres Häuptlings oder des Stutzers und paddelten mit langen, festen Schlägen das Kanu ins Dunkel hinein. Ebenso schnell wechselte Van Horn seine Stellung an Deck und zog sich ein ganzes Stück zurück, damit ihn kein auf gut Glück abgegebener Schuß treffen konnte. Dann kauerte er sich nieder und lauschte auf das Plätschern der Paddeln, das sich in der Ferne verlor.

»Schön, du fella Tambi«, befahl er ruhig. »Machen Musik er fella gehen umher.«

Und während der banale Rhythmus eines amerikanischen Marsches kreischend über das Wasser tönte, legte er sich zurück, stützte die Ellbogen aufs Deck, rauchte seine Zigarre und drückte Jerry zärtlich an sich.

Und als er so rauchte, sah er, wie die Sterne plötzlich von einer Regenwolke verdeckt wurden, die aus Luv oder jedenfalls dorther kam, wo er Luv vermutete. Während er berechnete, wie viele Minuten vergehen mochten, bis er Tambi mit dem Grammophon und den Platten nach unten schicken müßte, bemerkte er, daß das Buschmädchen ihn in dumpfer Furcht anstarrte. Er nickte zustimmend mit halbgeschlossenen Augen und aufwärts gewandtem Gesicht und machte eine Handbewegung nach der Kajütstreppe. Sie gehorchte wie ein geprügelter Hund, mit schwankenden Beinen und am ganzen Körper zitternd, in ihrer beständigen Angst vor dem großen weißen Herrn, der sie, wie sie überzeugt war, eines Tages essen würde. In dieser Verfassung schlich sie zur Kajütstreppe und kroch, die Füße voran, wie ein riesiger, schwarzköpfiger Wurm, hinunter, während Van Horn einen Stich in seinem Herzen fühlte, weil er nicht den Abgrund der Zeiten zu überbrücken vermochte, der sie trennte.

Nachdem er auch Tambi mit dem kostbaren Grammophon nach unten geschickt hatte, rauchte er weiter, während die scharfen Regenspritzer seinen erhitzten Körper angenehm kühlten.

Nur fünf Minuten dauerte der Regen. Dann kamen die Sterne wieder am Himmel zum Vorschein, Deck und Mangrovenbusch dampften, und die brütende Hitze hüllte alles ein.

Van Horn wußte Bescheid. Außer dem Fieber hatte er nie eine Krankheit gekannt, und deshalb beeilte er sich auch nicht, eine Decke zu holen und sich zuzudecken.

»Sie haben die erste Wache«, sagte er zu Borckman. »Wenn ich Sie morgen früh wecke, will ich schon unterwegs sein.«

Er legte den Kopf auf seinen rechten Oberarm, ließ Jerry unter den linken kriechen, preßte ihn eng an sich und schlief ein.

So abenteuerlich lebten weiße Männer und eingeborene Schwarze von einem Tag zum andern auf den Salomoninseln, streitend und feilschend. Die Weißen kämpften, um die Köpfe auf den Schultern zu behalten, die Schwarzen – nicht weniger hartnäckig –, um den Weißen die Köpfe zu nehmen, ohne selbst dabei zu Schaden zu kommen.

Und Jerry, der nur die Welt der Meringe–Lagune kannte und jetzt die Entdeckung machte, daß die neuen Welten, der das Schiff Arangi und die Insel Malaita angehörten, im wesentlichen dieselben waren, betrachtete das ewige Spiel zwischen Schwarzen und Weißen mit einer Art dämmernden Verständnisses.

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