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Jenseit des Tweed

Theodor Fontane: Jenseit des Tweed - Kapitel 8
Quellenangabe
generatorHTML Tidy, see www.w3.org
typenarrative
titleJenseit des Tweed
authorTheodor Fontane
firstpub1860
publisherinsel
addressFrankfurt
year1989
isbn3-458-32766-5
senderreuters@abc.de
created20040921
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Westbow, Grassmarket, ein paar Kapitel aus der Lynchjustiz

Wir kommen von Canongate, steigen High-Street hinan und haben Edinburg-Castle in nächster Nähe vor uns. Die letzte Querstraße, die sich, wenige hundert Schritt von Edinburg-Castle entfernt, nach links hin abschwenkt, heißt Westbow. Sie war früher länger und hatte fast die Form eines lateinischen S. Neubauten aber haben ihr Kopf und Füße genommen und nur ein gebogenes Mittelstück übrig gelassen. Das gegenwärtige Westbow besteht kaum aus einem Dutzend Häuser an jeder Seite; wer aber Alt-Edinburg studieren will, der ist hier am rechten Platze. Die Häuser stammen noch aus einer Zeit, wo man das Holz als Baumaterial nicht verschmähte und die vier Steinwände mit Erkern und Giebeln, mit Treppen und Korridoren, wie mit allerhand phantastischem Schnitzwerk umhing. Diese Erker und Giebelchen, die auf den Dächern sitzen, die oft wunderlichen hölzernen Vorbauten, die weit in die Straße hineinragen, mögen diesen Häusern mal ein buntes, heitres und belebtes Ansehen gegeben haben; jetzt aber, wo die Giebelchen nicht mehr wie Grenadiermützen auf einer glatten Stirn, sondern nur noch wie Schlafmützen auf dem Kopf eines eingenickten Alten sitzen, ist es mit aller Stattlichkeit längst vorbei, und nur wer Lust und Zeit hat, sich um die baulichen Details zu kümmern, mag hier und dort einem eleganten Zug, einem grotesken Schnitzwerk oder ein paar kecken Linien begegnen, die Anspruch haben auf seine Aufmerksamkeit.

Grassmarket

Grassmarket

Westbow, dessen hochgelegener Teil nach High-Street hinausmündet, biegt hügelabwärts in den sogenannten Graßmarket ein, den man auch als eine bloße, beinah sackartige Erweiterung von Westbow ansehn kann. Er hat an mehreren Stellen kleine Ausgänge; sie sind aber äußerst schmal, und nur einer, gegenüber der Stelle, wo Westbow einmündet, gleicht einer wirklichen Straße. Diese Straße führt den Namen Westport, weil sie unmittelbar am ehemaligen Westtor gelegen war, und hat eine traurige Zelebrität erlangt als Schauplatz jener langen Reihe von Verbrechen, die sich an die Namen Hare und Burke knüpfen.

Die Lokalität ist allerdings wie geschaffen für allerhand lichtscheue Untat, und wenn irgendwo in der Welt die »Pechkappe« ihre Rolle spielen konnte, so war es hier. Es war an einem Sonntag nachmittag, als ich diese unheimlichen Gassen passierte, ein paar kleine Kapellenglocken durchrissen die Luft, einzelne Leute huschten in die Kirche; in den seitabwärts gelegenen Höfen und Winkeln aber war alles still; ein bißchen Sonnenschein, spärlich zugemessen wie ein Sonntagsgericht, fiel in die Gassen hinein, weniger um sie zu verschönen, als vielmehr um ihre Häßlichkeit zu zeigen. Ich guckte in einige dieser Winkelgassen hinein, der Wochenschmutz war in irgendeinen Winkel zusammengekehrt, nicht weggenommen. So kam mir das ganze Leben dieses Platzes vor: alles beiseite gekehrt auf ein paar Stunden, aber doch immer da und immer bereit, sich wieder als sich selbst zu bewähren.

Alle diese Gassen, die unmittelbar am Südabhang des Hügels, also im Rücken desselben und versteckt vor den Blicken gang und geber Edinburg-Besucher liegen, sind durchweg von niedrigem und abstoßendem Charakter und zählen mit zu dem Schlimmsten, was ich der Art gesehen habe. Die verrufensten Quartiere Londons sind, im Vergleich damit, wohnliche und einladende Plätze, was seinen Grund vorwiegend darin hat, daß diese Edinburger Häuser alt und baufällig, die Londoner Armenquartiere hingegen verhältnismäßig neu, die Straßen breit und mit Abzugskanälen versehen sind. Man kann freilich nicht leugnen, daß auch selbst diesem Teile Alt-Edinburgs noch ein gewisser malerischer Reiz anhaftet und daß es nicht ohne Interesse ist, vom Graßmarket aus in Cowgate oder Westport hineinzublicken; aber das bunte Bild, das man hat, wird so sehr auf Kosten der andern Sinne erkauft, daß es einem nicht schwer fällt, von den Bildern dieses Guckkastens wieder hinwegzutreten. Der einzige Ort, wo wir noch einen Augenblick zu verweilen haben, ist der Graßmarket selbst. Die Häuser sind hier besser, geräumiger, saubrer, erinnern an die soliden Bauten in High-Street und mögen vor zwei-, dreihundert Jahren eine Zierde Alt-Edinburgs gewesen sein. Das »Castle« überragt nach Norden hin diesen Platz, blickt dominierend auf denselben herab. Ziemlich in der Mitte des Platzes befindet sich ein mit weißen Steinen ausgelegtes Kreuz, um die Stelle zu bezeichnen, wo in »guten alten Zeiten« der Galgen stand. Er hatte eine Zeitlang eine gefährliche Konkurrenz mit dem »City-Croß« zu bestehen, wo, wie ich an andrer Stelle erzählt habe, die Häupter Montroses, Huntlys und der beiden Argyles fielen, aber vielleicht gerade der Umstand, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit so viel edles Blut auf die Steine von High-Street floß, brachte zwischen den beiden Rivalen ein für allemal einen Kompromiß zustande, und während das City-Croß für die Parteihäupter des Adels blieb, fiel der Rest des Publikums dem Graßmarket zu. Es war eine aristokratische Teilung zwischen Schwert und Strick.

Der Graßmarket und das Steinkreuz in der Mitte wissen viel zu erzählen, ich greife indes aus der Fülle ihrer Überlieferungen nur eine heraus, die im Gedächtnis der Edinburger fortlebt bis auf diesen Tag, vielleicht weil man stolz ist auf den ganzen Vorgang und auf den Mut, die Independenz und das starre Rechtsgefühl, das sich darin ausspricht. Man hört die Geschichte mit einer Miene vorgetragen, als sollte einem gesagt werden: »So waren wir und so würden wir nötigenfalls wieder sein.« Hauptmann Porteous, der Sohn eines Edinburger Schneiders, hatte sich zu einer Art von Beherrscher und Tyrannen seiner Mitbürger gemacht. Das Polizeiwesen war ihm anvertraut worden, und die Edinburger Milizen, ein halb verlachtes, halb gefürchtetes Invalidenkorps, standen unter seinem Befehl. Er brachte etwas Zug in die Truppe und etwas Ordnung in die ganze Stadt, verfuhr dabei aber mit einer Strenge und Rücksichtslosigkeit, die ihn zum Gegenstand allgemeinen Hasses machte. Eine Hinrichtung sollte stattfinden, und Hauptmann Porteous mit seinen Stadtsoldaten hatte Ordre, auf dem Graßmarket zu erscheinen. Der Hinzurichtende war ein junger Bursche, der sich durch seine Bravheit und Herzhaftigkeit die Zuneigung des gemeinen Mannes in hohem Grade erworben hatte. Das machte Vorkehrungen nötig. Er hieß Wilson und hatte die Flucht seines Mitschuldigen dadurch möglich gemacht, daß er, als man ihn und seinen Komplizen aus der Gerichtssitzung, unter Bedeckung von vier Stadtsoldaten, ins Gefängnis zurückführen wollte, die beiden neben ihm gehenden Invaliden mit den Armen, einen dritten aber mit den Zähnen gepackt hatte. Die Selbstaufopferung, die in dem Ganzen lag, hatte das Volk aufs höchste für Wilson eingenommen, und man war unzufrieden, daß er nichtsdestoweniger nach der Strenge des Gesetzes hingerichtet werden sollte. Der Tag kam. Wilson erschien, hielt sich tapfer, wurde aufgeknüpft und alles schien vorüber. In diesem Augenblick aber sprang einer aus dem Volk aufs Schafott, schnitt den bereits Entseelten ab und machte Miene, den Leichnam unter dem Jubel des Volks fortzutragen. Das war zu viel für Porteous. Er sprang dem Übeltäter nach, erschoß ihn auf der Stelle und kommandierte »Feuer«, als er das wütend werdende Volk auf sich eindringen sah. Ein halbes Dutzend wurde getötet, viele waren verwundet; man stob auseinander. Der Vorfall machte ein ungeheures Aufsehen; Hauptmann Porteous wurde eingezogen und endlich, angeklagt auf Mord und schnöden Mißbrauch dienstlicher Gewalt, vom Gerichtshofe einstimmig zum Tode verurteilt. Der Tag der Hinrichtung wurde festgesetzt; das Volk jubelte; der Graßmarket hatte sich mit Tausenden gefüllt. Man wartete und wartete, die Stunde war längst vorüber, der Verurteilte erschien nicht, endlich hieß es, man habe ihn in London begnadigt. So war es in der Tat. Das Volk hörte die Nachricht scheinbar ruhig an und verlief sich dann.

Das war in der Mittagsstunde. Um Mitternacht hörte man dumpfen Trommelschlag in High-Street, und wo immer das Wirbeln gehört wurde, aus allen Höfen und Gassen, kam das Volk herbei; in einer halben Stunde waren mehrere Tausende beisammen; immer mehr schlossen sich dem gespenstigen Tambour an, kein Wort wurde laut, jeder wußte, um was es sich handelte. Die Tore wurden geschlossen, die Stadtsoldaten entwaffnet und einige hundert Mann vor dem Eingang zu Edinburg-Castle aufgestellt, um jede Kommunikation mit der englischen Garnison des Schlosses unmöglich zu machen. Dann rückte man vor »Old-Tolbooth«, in dem, wie man wußte, Kapitän Porteous gefangen saß. Die schweren Türen leisteten Widerstand, man brannte sie nieder und drang ein: welcher Anblick, als man in das Zimmer des Unglücklichen trat. Halbniedergebrannte Lichter, leere und volle Weinflaschen, Speisen aller Art – man sah, der Unglückliche hatte ein Gastmahl gegeben, um seine Rettung zu feiern. Zu früh. Man zog ihn aus dem Kamin hervor, darin er sich versteckt hatte, und schleppte ihn durch High-Street und Westbow auf den Graßmarket hinaus, wo man ihn am Vormittag desselben Tages vergebens erwartet hatte. Eins fehlte – der Strick. Man brach einen benachbarten Seilerladen auf, nahm, was man brauchte, und warf ein Goldstück auf den Tisch. Zehn Minuten später hatte Hauptmann Porteous aufgehört zu sein. – Es fehlt der Geschichte sicherlich nicht an lehrreichen Momenten; die Begnadigung par distance, wo der Begnadigende die Stimmung und, ich möchte sagen, die öffentliche Moral nicht kennt, die über dem Verurteilten zu Gerichte gesessen hat, haben schon öfters ähnliche Stürme des Unwillens heraufbeschworen. Das Volk glaubte sich in diesem Fall berechtigt, das ursprüngliche Urteil wieder herzustellen. Vor allem aber spielte das politische Element in diesem Vorgange eine Rolle. Es war in der Tat mehr ein Aufstand als ein Krawall. England, sein hannoverscher Hof und König, alles stand dem schottischen Volke fremd gegenüber, und diese Begnadigung erschien ihm wie ein Eingriff in die Rechte seiner Nationalität. So dachte hoch und niedrig, und was zu Anfang eine bloße Angelegenheit des Pöbels gewesen war, das erhob sich schließlich zu einer Volks- und Nationalsache. Vornehme Leute, Häupter der Stuartschen Partei, hatten die Hand mit im Spiel, und das Goldstück, das auf den Tisch des armen Seilers geworfen wurde, kam sicherlich nicht aus der Tasche eines Tagelöhners oder Handwerkers.

Einige Jahre später hatte Edinburg einen andren Diktator; seine Herrschaft ruhte aber auf minder gefährdetem Fundament, indem er sich's zur Aufgabe machte, der Volksmeinung zu dienen, statt sich ihr zu widersetzen. Dieser Mann war Joseph Smith, ein Schuhflicker aus Canongate, der je nach der Laune seiner Verehrer (und ihrer waren viele) General Smith oder vertraulicher »der lahme Joseph« genannt wurde. Er war ein kleiner, unansehnlicher Mann, in seiner Erscheinung bloß den Spott herausfordernd, aber mutig genug, jede gute Sache durchzufechten, und klug genug, nur eine gute und gerechte Sache zur seinigen zu machen. Seine Klugheit, wenn ich so sagen darf, sein politischer Takt, war es, was ihn mehr denn ein Menschenalter hindurch eine Art Herrschaft üben ließ, indem er abwechselnd die Behörden unterstützte oder bekämpfte, je nachdem er das hausbackene Recht auf Seiten derselben sah oder nicht. Er verfuhr dabei jahrelang mit so großem Geschick, daß die Stadtautoritäten ihn endlich wie ein unvermeidliches Schicksal hinnahmen, mit dem es gut sei, sich zu stellen, statt machtlos gegen dasselbe anzukämpfen. Wurden Maßregeln vorbereitet, so zog man zuvor das Gutachten von General Joseph Smith ein und ließ die Sache fallen, wenn er die Achseln zuckte und zu verstehen gab, daß er wahrscheinlich gezwungen sein würde, seine Trommel zu rühren. War er umgekehrt persönlich mit Maßregeln einverstanden, von denen er wußte, daß sie Anstoß erregen und Widerstand beim Volke finden würden, so begann nunmehr seine wichtige Tätigkeit als Unterhändler und Friedensstifter. Sein Verfahren dabei war immer dasselbe; er erschien auf einer Rampe, neben sich ein Oxhoft Edinburger Bier (Ale), das der Magistrat liefern und zur Stelle schaffen mußte. Dann hielt er seine Rede, lud jeden ein zu trinken und schloß seine Ansprache mit den Worten: »Nun macht, daß ihr nach Hause kommt.« Am gefürchtetsten war er, wenn es Bürger gegen Bürger galt. Bäcker und Schlächter hielt er in heilsamer Furcht. Aussaugungen, Bereicherungen (zumal in Zeiten der Not) auf Kosten des armen Volkes duldete er nicht, und einem Bäcker, der durch hohes Gewicht Kunden angelockt hatte, bis sich herausstellte, daß er mit falschen Stücken gewogen hatte, wurde ohne weiteres das Haus gestürmt. Nicht besser erging es einem Hauswirt, der seinen Mieter mitleidlos auf die Straße geworfen und dadurch den Selbstmord des armen Mannes verschuldet hatte. Lahm-Joseph rührte die Trommel, das Haus des Wirts wurde gestürmt, jeder bewegliche Gegenstand weggeschleppt und auf offenem Markt verbrannt. An ein Einschreiten der Behörden in solchem Falle war gar nicht zu denken. Einen entrüsteten Volkshaufen, dem man nicht das Recht überhaupt, sondern nur das Recht, sich Recht zu nehmen, bestreiten kann, läßt man allerorten am besten gewähren. Das Gefühl, zu Gericht zu sitzen, sichert vor Extravaganzen. Wenigstens scheinen die Edinburger Magistrate von diesem oder einem ähnlichen Satze ausgegangen zu sein. Lahm-Josephs letzte Verhandlung mit den Stadtbehörden fand statt, als ein bourbonischer Prinz der Stadt seinen Besuch zugesagt und gerade den Tag im langen Jahre dafür festgesetzt hatte, an dem die unteren Volksklassen seit vielen, vielen Jahren daran gewöhnt waren, sich durch »Verbrennen des Papstes« einen heiteren Abend zu machen. Der Magistrat ließ Lahm-Joseph kommen, stellte ihm die Sache vor, »von wegen des katholischen Prinzen«, schob ihm ein Goldstück hin und appellierte an General Smiths Gefühl für Anstand und gute Sitte. Joseph steckte das Goldstück ein, gab dem Stadtschreiber recht und empfahl sich dann mit den Worten: »Aber brennen muß er doch.« Bald nachher segnete der Schuhflicker aus Canongate das Zeitliche, und die Diktatur über Edinburg ist seitdem ein unbesetzter Posten geblieben.

Ziemlich in dieselbe Zeit, in der die Herrschaft Lahm-Josephs blühte, fällt auch die Geschichte der Lady Grange.

Lord und Lady Grange waren zwanzig Jahre verheiratet, als der Lord (bekannter unter dem Namen Mr. Erskine) seiner Gemahlin überdrüssig wurde und die Trennung von ihr durchsetzte. Wer der schuldige Teil war, ist zweifelhaft und ändert wenig in der Sache. Lady Grange lebte nunmehr wenige Häuser von ihrem Gatten entfernt und fiel diesem durch ein Benehmen lästig, das in der Tat unerträglicher Natur gewesen zu sein scheint. Zudem war sie in die politischen Geheimnisse ihres Gemahls eingeweiht und drohte vielfach, ihn als einen der gefährlichsten Jakobiten in London zu verraten. So standen die Dinge, als eines Abends zwanzig Hochländer, vom Clan der Frazers, deren Haupt der berüchtigte Lord LovatAm 9. April 1747 auf Tower-Hill enthauptet. Die letzte Hinrichtung mit dem Beil, die in England vorgekommen ist. Seitdem wird nur gehängt. Lord Lovat war nah an 80 Jahre alt. war, in der Wohnung der Lady Grange erschienen, sie knebelten, in einen Tragstuhl setzten und vor das Westtor trugen. Daselbst fand man Pferde. Nun begann eine Reise in Nachtmärschen; bei Tage in Gewahrsam, bei Nacht im Sattel. So ging es eine Woche lang, bis man über Stirling und Perth hinaus die Grafschaft Inverneß erreicht hatte, wo Verfolgung nicht länger zu befürchten war. Man hielt sich nordwestlich und kam endlich ans Meer. Ein Boot lag schon bereit, Lady Grange wurde hineingetragen, und die Fahrt nach einem der kleinsten und unwirtbarsten Eilande begann. Man erreichte dasselbe und ließ die Lady in einem Steinhäuschen zurück; nur fünf Menschen lebten auf der Insel, eine einzige arme Fischerfamilie. Für Nahrungsmittel wurde von der Küste aus gesorgt. Als sie einmal an den Hochländer, der ihr wie ein Gefangenwärter beigegeben war, die Frage richtete, ob er sich des Dienstes nicht schäme, zu dem er mißbraucht würde, antwortete dieser im echten Clan-Geist: »Ich würde mich schämen; aber Lord Lovat will, daß ich tue, was ich tue, drum schäm' ich mich nicht.« Auf dieser Insel lebte die Lady 13 Jahre, verwilderte zuletzt und starb, ohne das Festland von Schottland, geschweige Edinburg wiedergesehen zu haben. Ihr Verschwinden hatte zu allerhand Gerüchten Veranlassung gegeben; die Gerüchte gewannen endlich Konsistenz, und die Sache war so gut wie bewiesen, aber niemand schritt ein, und Lord Grange handhabte nach wie vor in Würde und Strenge das Gesetz, das nicht den Mut hatte, seine Spitze auch gegen ihn selbst zu kehren. Ein oberster Richter war zur Selbsthilfe geschritten, hatte das Einschreiten von 20 Hochländern dem Einschreiten der Gesetze vorgezogen; welche Furcht, welches Sichbeugen vor dem Gesetz war von denen zu erwarten, die dort lebten, wohin man die Lady Grange als zu einem unerreichbaren Punkt geschleppt hatte!

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