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Fanny Lewald: Jenny - Kapitel 20
Quellenangabe
typefiction
booktitleJenny
authorFanny Lewald
year1996
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-02387-2
titleJenny
pages7-322
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1843
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Zwei Dinge waren es besonders, die seit einigen Wochen Reinhard beschäftigten: die baldige Erlangung einer Stelle für sich und Jennys Übertritt zum Christentume, zu dem ein aufgeklärter Geistlicher sie vorbereitete.

Mit freudiger Aufregung hatte Jenny dem ersten Besuche des Pastors entgegengesehen; es drängte sie, sich mit ihm über manches Bedenken auszusprechen, das sich in ihr gegen die neue Lehre erhob und dessen sie gegen Reinhard nicht zu erwähnen vermochte, aus Furcht, ihn zu beunruhigen und zu betrüben. Auch schwiegen tatsächlich vor dem Einfluß, den ihres Bräutigams Gegenwart und sein feuriges Wort auf sie ausübten, ihre Zweifel; aber sie erwachten um so stärker, wenn sie allein blieb und der Zauber verschwunden war. Sie wähnte, wenn das Bekehrungswerk gelingen solle, müsse ihr Lehrer genau den Zustand ihrer Seele kennen, und stand nicht an, sich mit voller Offenheit darüber zu erklären.

»Ich habe«, sagte sie, »mein Leben lang an Gott gedacht; ich habe seit meiner frühesten Kindheit, wenn mir etwas besonders Gutes oder Böses begegnete, geglaubt, das komme mir aus seiner Hand; und da mir meine Eltern als seine sichtbaren Stellvertreter auf Erden erschienen, mich vollkommen ruhig und glücklich gefühlt, ohne nach einer besonderen religiösen Erkenntnis zu streben.«

»Und Sie fühlen diese innere Zufriedenheit auch jetzt noch?« fragte der Geistliche.

»Nein!« erwiderte sie. »Schon vor vielen Jahren hatte mich eine Freundin darauf hingewiesen, wie mir der rechte Glaube fehle. Ich dachte darüber nach. Ich stellte mir vor, welche Schicksalsschläge das Leben mir bringen könne; ich dachte an den Tod der Meinen und fühlte, daß ich solchen Leiden nicht gewachsen wäre, daß ich keine Kraft dagegen in mir fände. Therese, eben jene Freundin, sprach mir von der Unsterblichkeit der Seele. Ich verlangte Erklärung, und sie sagte mir: Glaube! Das konnte ich nicht. Ich wandte mich an meinen Vater um Aufschluß, und mehr als alle Gründe dafür beruhigte mich die Überzeugung, daß mein Vater, der klar denkende Mann, an die Fortdauer der Seele glaubte. Ein leerer Schein konnte ihn nicht täuschen. Er sagte mir, alles, was du siehst, empfindest, bist, ist Gott! Ein Unendliches, belebt durch sich selbst, durch sein Dasein, die Welt. Die Sonne und das Sonnenstäubchen sind er selbst. In mir, in dir, in jenem Moose ist er, belebend, wirkend, immer derselbe eine Gott, gleichviel, in welcher Gestalt er sich offenbart. Die Form kann vergehen; unser Auge schließt sich ermüdet für immer; der menschliche Körper zerfällt in Staub, wie jenes Moos, wenn seine Zeit vorüber, wenn sein Organismus abgenutzt ist oder plötzlich zerstört wird; aber der Strahl von dem Geiste Gottes, der uns belebt, durch den wir uns selbst bewußt werden, der das Moos die Nahrung aus der feuchten Erde ziehen lehrt, damit es wachse und blühe, der Geist bleibt, denn er ist ein Teil Gottes. – Gott!« –

Da der Pastor schwieg, fuhr Jenny fort: »Als nun meine Gedanken einmal auf diesen Weg gelenkt worden, forschte ich weiter, bald bei meinem Bruder, bald bei meinem Vetter, vor deren Meinung ich große Achtung hatte. Ich fragte nach den Gesetzen Moses, der unsere Religion gestiftet. Man nannte mir die Gebote und sagte, Moses verlange nur die Erfüllung jener Pflichten, die jedem guten Menschen sein Herz von selbst gebiete, solange er durch das Böse nicht verdorben sei. Dasselbe lehre auch Christus und alle Stifter von Religionen. – Und worin besteht, fragte ich, der Unterschied zwischen den Religionen, da er stark genug gewesen ist, Jahrhunderte hindurch Krieg und Unterdrückung hervorzurufen? In Formen, antwortete man mir, welche die Leute in ihrer Blindheit höherschätzten als den Geist. Strebe danach, dem Beispiel des Guten zu folgen, das man dir gibt, und dich so rein zu erhalten vom Bösen als möglich. Denke dir, hatte einst mein Vater gesagt, ein kleines zartes Gefäß, in das eine unsichtbare Hand den kostbarsten Samen gestreut: wie würde man es ängstlich hüten, damit es keinen Schaden nähme, es vor jedem Flecken bewahren, jedes Stäubchen davon entfernen, wenn man wüßte, daß nur in vollkommen reiner Schale die heilige Saat gedeihen könne! Solch ein Gefäß bist du, und nur, weil du rein bist von bösen Gedanken, kann sich die Gottheit in dir entfalten.«

Jenny mochte es den Mienen ihres Zuhörers ansehen, daß er diese Auffassung nicht billige, doch ließ sie sich dadurch nicht irre machen, sondern fuhr ruhig fort: »Dieses Gleichnis erfreute mich, und – ich war damals noch ein Kind, Herr Pastor! – ich fragte, ob nicht endlich, wenn die Saat zu einem mächtigen Baume geworden, dieser das kleine Gefäß zersprenge und sich freimache, um frei die Wipfel zu dem blauen Himmel zu erheben, von dem das Samenkorn einst herabgekommen sei? Ja! sagte mein Vater, und dies Freiwerden nennt man Streben!«

»Eine artige Allegorie«, unterbrach sie der Pfarrer jetzt, »aber das will Christus nicht. Wir sollen nicht spielen mit dem, was das Heiligste ist; wir sollen es mit Ernst erfassen, mit jenem Ernste, der Christus am Kreuze sterben machte für uns.«

»Das sagt auch Reinhard«, stimmte Jenny bei. »Ich soll das Leben mit Ernst betrachten, und ich selbst fühle das Bedürfnis, seit ich Reinhard kenne und empfunden habe, daß es auch dunkle Stunden in unserm Dasein gibt. Glauben Sie mir, wenn ich an die Möglichkeit dachte, von Reinhard, dem ich so unauflöslich gehöre, für das ganze Leben getrennt zu sein, dann reichte der fröhliche Glaube meiner Jugend nicht aus. Ich verlangte danach, einen Ersatz zu finden, der mich schadlos halte für das Leiden auf dieser Welt; und ich wünschte besonders, daß es mir möglich wäre, die heiligsten Interessen des Menschen auf dieselbe Art aufzufassen wie mein Bräutigam. Mit einem Worte, ich möchte Gott erkennen und das Leben begreifen, wie Christus es lehrt, ich möchte Christin werden dem Herzen nach. – Lehren Sie mich das«, sagte sie, »und ich werde es Ihnen ewig danken!«

Der alte Mann gab ihr die Hand und sah sie lange an, ohne zu sprechen. Er erkannte in Jenny einen gut gebildeten Verstand, der dabei seine ursprüngliche Kindlichkeit behalten hatte und in dem sich das Streben nach Klarheit auf eigentümliche Weise mit einem poetischen Gemüte vereinte. Eben deshalb liebte Jenny es, Gedanken, die sie sich nicht ganz deutlich zu machen wußte, in einen poetischen Schleier zu hüllen, als ob sie sie dadurch vor der entweihenden Berührung des Zweifels behüten könne. Dem Pastor wurde ihre Richtung gleich in dieser ersten Unterredung klar. Er erriet, daß kein inneres Bedürfnis, sondern nur Liebe zu Reinhard der Beweggrund sei, welcher sie dem Christentume entgegenführe, und er tadelte sie deshalb nicht. Ein langes Leben hatte ihn zu der Überzeugung gebracht, die er in früher Jugend mit orthodoxer Strenge bekämpft, daß man Christ sein könne ohne den Glauben an die christlichen Dogmen, und er war, einmal zu dieser Erkenntnis gelangt, ernstlich mit sich zu Rate gegangen, ob diese Ansicht ihn nicht zwinge, sein Amt niederzulegen. Mit dem gewissenhaftesten Eifer hatte er die Lehre Jesu und sich selbst geprüft und sich dadurch in der Überzeugung befestigt, daß Liebe und Duldung bei fortschreitender geistiger Entwicklung die Grundzüge des Christentums und besonders des Protestantismus ausmachten. In diesem Sinne hatte er sein Amt behalten und verwaltet. Er hatte von ganzem Herzen danach getrachtet, unter seiner Gemeinde die Lehre Jesu in ihrer moralischen Reinheit zu verbreiten, und auch die Form heilig geehrt, in der diese Lehre uns übergeben worden ist, ohne jedoch diejenigen fanatisch zu verdammen, die sich ausschließlich an den Geist hielten. Diese bekannte Gesinnung hatte den Vater bewogen, ihn zu Jennys Lehrer zu wählen, womit Reinhard nur auf Zureden seiner Mutter sich einverstanden erklärt.

Der Unterricht begann, und der Pastor mußte natürlich sein erstes Augenmerk gegen die pantheistische Weltanschauung richten, in der Jenny, ohne es zu ahnen, erwachsen, und in welcher die dichterische, gewissermaßen heidnische Vorstellung der Gottheit ihr lieb geworden war. Es freute sie, Gott zu sehen in allem, was sie umgab, und obgleich sie sich zu der reinen Anschauung Gottes im Geiste zu erheben vermochte, hatte sie oft die heitere Zeit des griechischen Altertums zurückgewünscht, in der es den Menschen möglich war, sich die Gottheit als unter ihnen wandelnd zu denken. Viel leichter als mit Reinhard konnte sie sich mit ihrem jetzigen Lehrer verständigen; und es gewährte ihr in der ersten Zeit eine wahre Befriedigung zu sehen, daß sich ihr Verstand mit Überzeugung den Lehren anschließen könne, die man ihr bot; doch das sollte nicht allzu lange währen. Hatte sie sich geistig spielend an den Göttern der Vorzeit erfreut, so widerstrebte der Gedanke an die Menschwerdung Gottes, nun sie ihn als Bekenntnis annehmen sollte, ihrem Verstande. Die Erlösung, Genugtuung und Versöhnung durch Christus kamen ihr wie grobe, sinnliche Begriffe vor, die weder auf einen Geist noch auf das Verhältnis eines Vaters zu seinen Kindern Anwendung finden konnten, und die Dreieinigkeit erschien ihr unerfaßbar.

Mit aller Kraft ihrer Seele hörte sie den Vorträgen ihres Lehrers zu; sie wollte sich aus Liebe um jeden Preis überzeugen; glauben, was Millionen Menschen, die es kaum so eifrig gesucht hatten wie sie, zur beseligenden Gewißheit, zur Stärkung in Not und Tod geworden war. Warum sollte gerade ihr das unerreichbar bleiben? Warum gerade ihr, die ihn so eifrig erstrebte, der Glaube versagt sein? Eine quälende Unruhe bemächtigte sich ihrer. Geistig unaufhörlich mit der Lösung ihrer Zweifel beschäftigt, auf der ihr ganzes Glück beruhte, erschien sie dem Geliebten zerstreut und teilnahmslos, und er drang in sie, ihm den Grund ihrer Verstimmung zu entdecken. Das aber vermochte Jenny eben nicht. Sie schützte körperliches Unwohlsein, Sorge um Eduard, den offenbar ein tiefer Schmerz bedrückte, und tausend andere Veranlassungen vor und versuchte durch eine erzwungene Heiterkeit Reinhard zu beruhigen, dem diese plötzlichen Wechsel ihrer Stimmung als Launen erschienen und der sich mißbilligend über dieselben äußerte. Dazu kam, daß er, sooft sie allein beisammen waren, sich bei Jenny nach dem Fortgange des Religionsunterrichts erkundigte; daß er zu wissen begehrte, was sie gehört und wie sie es aufgenommen habe. Und doch war es gerade dieses, was sie zu vermeiden wünschte. Sie suchte es also einzurichten, daß Reinhard in den Stunden, die er gewöhnlich bei ihr zubrachte, bald Therese, bald Clara als Dritte fand; und mit Scherzen mancher Art machte sie jeder ernsteren Unterhaltung ein Ende, aus Besorgnis, diese könne eine Richtung nehmen, die sie zu scheuen Ursache hatte. Wie natürlich setzte ein solches Betragen Reinhard in Verwunderung. Er konnte sich diese Leichtfertigkeit nicht erklären. Jenny hatte früher mit besonderer Vorliebe ernsthafte Unterhaltungen mit ihm geführt und, um dieselben ungestört zu genießen, jede Gelegenheit benutzt, die Anwesenheit dritter Personen zu verhindern. Jetzt kam sie selbst zu seiner Mutter seltener und oft zu Zeiten, in denen sie ihren Bräutigam außer dem Hause beschäftigt wußte. Reinhard begriff das nicht. Er tadelte es als Achtlosigkeiten, er war verstimmt, die guten traulichen Stunden bei seiner Mutter wollten nicht mehr wiederkehren.

Jenny schmerzte diese Unzufriedenheit ihres Verlobten; aber sie tröstete sich über den Kummer, den sie ihm und dadurch sich selbst bereitete, mit der Hoffnung, daß es ihr endlich doch gelingen müsse, das Christentum zu erfassen, und daß Reinhard erst dann erfahren solle, wie schwere Zweifel sie durchkämpft, wie wacker sie gerungen habe.

In dieser Zeit begab sie sich eines Tages zur gewohnten Stunde in die Wohnung des Pastors, der jetzt mit ihr das Kapitel von der Dreieinigkeit verhandeln sollte. Nach einer einfachen Einleitung sagte er zu ihr, die ersten christlichen Philosophen, welche über die Dreifaltigkeit gedacht, hätten von ihr gesagt: Gott war! Aber außer ihm nichts. Gott dachte sein Bild; und da das Denken und Entstehen bei Gott eins ist, so war dies Bild Gottes vorhanden, ohne selbständiges Wesen zu sein, denn es besteht nur in Gott. Dieses Wesen, für das die deutsche Sprache kein Wort hat, heiße in dem Urtext der Bibel Logos und sei in dem Menschen Jesus Mensch geworden, als die geistigen Geschöpfe der Erde, die Menschen, einer göttlichen Offenbarung gewürdigt werden sollten. Darum nenne sich Christus den Erstgeborenen. Das Band nun zwischen diesem Gedanken Gottes und Gott sei der Heilige Geist. Man könne also Gott allein, ohne Jesus und den Heiligen Geist denken, nicht aber die letzteren ohne Gott – denn nur in ihm sind sie.

Als Jenny diese Erklärung vernommen hatte, rief sie freudig: »Oh! Sie geben mir das Leben wieder, indem Sie mir sagen, ich dürfe Gott denken ohne Christus und den Heiligen Geist! Das ist der Gott, den man mich von Kindheit an gelehrt hat, der uns alle beschützt. So vermag ich ihn zu glauben.«

»Nein, meine Tochter!« wendete der Greis ihr ein, erstaunt über die willkürliche Auslegung, welche Jenny seinen Worten gegeben. »Nein, Sie täuschen sich selbst! Ich habe Ihnen gesagt, daß wir Gott allein zu denken vermögen, aber es konnte unmöglich meine Absicht sein, Ihnen den Glauben an die Dreifaltigkeit Gottes preiszugeben, den unsere Religion lehrt.«

»Das begehre ich auch nicht«, sagte Jenny, noch immer in freudiger Erregung. »Ich weiß, Gott ist – und er sandte Christus, der mehr als wir, mehr als Mensch, aber doch nicht dem Schöpfer gleich war, zu uns, um uns zu belehren; und wenn ich an Gott glaube und zu ihm und Christus bete und ihnen vertraue, dann wird mir der Beistand des Heiligen Geistes nicht entgehen.« – Der Pfarrer schüttelte bedenklich das Haupt und sprach sehr ernst: »Es mag Ihnen leichter werden, sich in diese Vorstellung hineinzudenken, als an die Verkörperung, das Menschwerden eines rein geistigen Wesens zu glauben. Und doch ist Ihre Ansicht verwerflich, denn sie ist das erste Hinneigen zur Vielgötterei. Christus ist nach ihr ein Halbgott, und es werden zwei Wesen der Verehrung hingestellt, während die christliche Religion nur ein Urbild kennt, den Schöpfer, von dem Christus und der Heilige Geist nicht zu trennen sind, denn er ist der dreieinige Gott!«

Das konnte Jenny zwar denken, aber sie vermochte nicht, es als eine Wahrheit einzusehen, die eben als Wahrheit Glauben gebiete. Sie begriff die Notwendigkeit dieses Glaubens nicht.

Es ist hier nicht der Ort noch kann es unsere Absicht sein, eine Abhandlung über die christliche Religion zu geben, sondern es kommt nur darauf an, die Wirkung derselben in dem Gemüte eines jungen Mädchens darzutun, das nicht von Jugend an in dem Glauben an diese heiligen Symbole erzogen war; und den Einfluß zu erzählen, den der Unterricht im Christentum auf Jenny und auf ihr Schicksal übte. Wir dürfen deshalb die mehrstündige Unterredung des Pfarrers mit Jenny übergehen und nur bemerken, daß nach manchem vergeblichen Versuche, ihr ein Bild von der Dreieinigkeit zu geben, welches sie befriedigte, der Pfarrer sie endlich anwies, die Dreieinigkeit als ein Symbol aufzufassen, an das zu glauben Gott uns durch Christus geboten habe.

Das stürzte aber Jenny aufs neue in den alten Kampf hinein.

Sie hatte versprochen, nach dem Unterricht zu Reinhards Mutter zu kommen, und ging, da Reinhard sie damit neckte, wenn sie sich stets der Equipage bediente, langsam und sinnend der fernen Gegend zu, in der die Pfarrerin wohnte.

Immer und immer wieder dachte sie an das Gehörte. Wenn sie sich die Gottheit unverändert und ungeteilt stark in Gott, in Christus und dem Heiligen Geiste dachte, so waren entweder Christus und der Heilige Geist Eigenschaften Gottes, was der Pastor so nicht gedeutet haben wollte, oder sie waren Ausströmungen, Strahlen Gottes: und diese Deutung näherte sich in gewisser Art dem Pantheismus, vor dem der Pfarrer und Reinhard sie oft und ernst gewarnt hatten, der zu Hochmut und Selbstanbetung führen sollte, da man nur zu geneigt wäre, den Gott in sich anzubeten und darüber den einzig wahren Gott zu vergessen. Vergebens rang sie danach, zu einer klaren Vorstellung zu kommen, es gelang ihr nicht, und immer wieder tönte ihr das furchtbare »Glaube« ins Ohr, auf das man sie verwies und das sie nicht in sich erzwingen konnte.

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