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Hugo von Hofmannsthal: Jedermann - Kapitel 5
Quellenangabe
typedrama
booktitleJedermann
authorHugo von Hofmannsthal
year1997
publisherFischer Taschenbuch Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-596-10871-3
titleJedermann
pages12-14
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1911
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Jedermann
O weh, wohin soll ich nun um Hilf in der Welt.
War mein Gesell, solang ich fröhlich war
Nun trägt er wenig Leid um mich ganz unverstellt.
Streicht sich die Stirn.
Hab eh und immer was reden hören
Das ging mir aber gar nit nah
Bis heute, da mir das geschah.
Es hieß: So lang einer im Glück ist
Der hat Freunde die Menge,
Doch wenn ihm das Glück den Rücken kehrt,
Dann verläuft sich das Gedränge.

Flüchten.

O weh, so siehet das nun aus
Schnürt mir die Kehl vor Angst und Graus.

Er wird die Vettern gewahr, die noch beiseite stehen, und sein Gesicht hellt sich auf.

Da stehen meine Blutsfreunde ja,
Vielliebe Vettern bleibt mir nah.

Leichtes Zurückgehen.

Ihr seid wahrhaftig recht am Ort,
Weiß auf der Welt kein schöner Wort
Als dieses: Art läßt nicht von Art,
Das wird von euch heut recht gewahrt,
Da ihr in dieser schweren Stund
Mein Beiständ seid mit Hand und Mund.
Heftig ihn anfassend.

Dicker Vetter
Geruhig Blut, mein Vetter Jedermann,
Nur ruhig Blut, das ist alls, was ich sagen kann.

Jedermann
Ihr lasset mich auch nit –

Dicker Vetter
                                      Nur ruhig Blut
Ist gar von Lassen nit die Sprach,
In Stich Euch lassen, das wär uns Schmach.
Etwas abseits.

Dünner Vetter
Euch widerfuhr so Liebes wie Leides,
Mit Euch zu teilen begehren wir beides.

Dicker Vetter
Ja, wie gesagt – – ei freilich ja!
Ihr seht wir stehn Euch treulich nah.

Jedermann
O vielen Dank, ihr Blutsfreunde mein.

Dicker Vetter
Da wir doch Anverwandte sein!

Jedermann
Ihr habt gesehn, es kam ein Bot,
Der kam auf hohen Königs Gebot.

Dicker Vetter
Ja, – – ich weiß, Vetter Jedermann – –
Die Sach ist eben so bewandt,
Daß ich in der nichts machen kann.

Jedermann
Er hieß einer Fahrt mich unterwinden.

Dicker Vetter
Ja, wie gesagt –

Jedermann
                          Von dieser Fahrt – –

Dicker Vetter
Nun, wie gesprochen, Art läßt nicht von Art!

Jedermann
Von dieser Fahrt, das weiß ich wohl,
Werd ich nimmer zurücke finden.

Dicker Vetter
Ei nimmer! Ja, wo halt nichts ist,
Da hat der Kaiser 's Recht verloren!

Jedermann
Mein Vetter, hörtet Ihr, was ich sprach?

Dicker Vetter
Ihr redet nit zu tauben Ohren.

Dünner Vetter
Ei, nein, wahrhaftig nit, Gotts Not.

Jedermann
Ich werd da nimmer zurücke finden.

Dicker Vetter
Habt Ihr auch richtig verstanden den Bot?

Jedermann
Ich ihn?

Dicker Vetter
                Die Red und den Verstand
Habt Ihr das richtig wohl gefaßt?

Jedermann
Ob ich? –

Dicker Vetter
                Das war schon, daß ich sag
Ein recht ein ungebetner Gast.
Hm, Vetter.

Dünner Vetter
                  Ja, ich mein, Gott seis geklagt –

Dicker Vetter
So meint Ihr auch wie ich? Ja, wie gesagt
entschlossen
Ja Gott befohlen, Vetter Jedermann,
Da habt Ihr alles, was ich sagen kann.
Wendet sich zu gehn.

Jedermann
Ihr Vettern, bleibet, hört mich an!

Dünner Vetter
Hast du vielleicht noch ein Begehr?
Sprich kühnlich, Vetter Jedermann.

Jedermann angstvoll
Ich muß dort eine Rechnung legen
Und hab einen Feind, der allerwegen
Mir will in meinen Weg treten
O hört mich an! mit großer Stärken.

Dicker Vetter
Was denn für Rechnung, sagt doch an.

Jedermann
Von all meinen irdischen Werken:
Wie ich meine Tage hab hingebracht
Und was ich Arges hab getan
Die Jahr all bei Tag und Nacht
Drum seid um Christi willen gebeten
Und helft mir meine Sach vertreten.

Dünner Vetter
Was, dorthin? Geht es Euch auf das!
Nein, Jedermann, da geh ich nit
Kannst mich nit zum Geleiter kriegen!
Wollt lieber in einm finstern Gelaß
Bei Wasser und Brot zehn Jahre liegen.

Jedermann
Oh, daß ich nit geboren wär
Nun werd ich fröhlich nimmermehr,
Wenn ihr mich da verlasset dann.

Dicker Vetter
Ei Mann! Was denn! Sei du fröhlich Mann!
Nimm dich und fang nit Jammerns an!
Nur eins mußt dir gesagt sein lassen
Mich bringst einmal nit in die Gassen.
Er geht.

Jedermann zum dünnen Vetter
Mein Vetter willst nit mit mir gehen?

Dünner Vetter
Hab jetzt, Gotts Tod, Krampf in den Zehen
Ist ein arg Übel, Jedermann
Das fällt mich unversehens an.

Dicker Vetter bleibt nochmal stehen und spricht über die Schulter zurück
Uns wirst nit verführen, das laß nur sein
Doch hab ich ein schön bös Weib daheim
Die mächtig gern auf Reisen geht
Die geb ich dir in guter Art,
Wenn die dir zu Gesichte steht,
Leicht, daß sie mit dir geht auf deine Fahrt.
Geht.

Jedermann
Nein, zeig mir an, weß Sinns du bist
Ob ich in meiner ärgsten Pein
Von dir soll dran gegeben sein,
Ob du willst mit mir gehn oder dahinten bleiben.
Das ist alles, was ich wissen muß.

Dicker Vetter
Dahinten bleiben und ein'n schönen Gruß
Auf Wiedersehn ein andermal.
Sie gehen.

Jedermann
Ach Jesus, ist das aller Dinge End,
Versprochen haben sie mir gar viel,
Vom Halten lassen sie ihre Händ.

Dünner Vetter wendet sich und tritt nochmals an Jedermann heran
Es ist nit üblich in solcher Weis
Die Leut zu beschicken zu einer Reis
Dergleichen Anmutung ist nit zart
Und hat mir keine rechte Art.
Hast deiner leibeignen Knecht genug
Die magst dazu aufbieten mit Fug.
Aber die lieben Verwandten dein
Sollten da zu wert dir sein.
Geht.

Jedermann
Leibeigne Knecht, was sollen mir die,
Wenn ich die mitnähm, das wär ein Ding,
Davon ich Hilfe hätt gering.
Er sieht sich um.
Ist alls zu End das Freudenmahl
Und alle fort aus meinem Saal?

Er geht hinauf zu dem Tisch. Etliche, die dort noch saßen und tranken, werden ihn gewahr, springen auf und flüchten. Der Tisch versinkt.

Bleibt mir keine andere Hilfe dann,
Bin ich denn ein verlorner Mann?
Und ganz alleinig auf der Welt,
Ist es schon so um mich bestellt,
Hat mich Der schon dazu gemacht,
Ganz nackend und ohn alle Macht,
Als läg ich schon in meinem Grab,
Wo ich doch mein warm Blut noch hab
Und Knecht mir noch gehorsam sein
Und Häuser viel und Schätze mein,
Auf! schlagt die Feuerglocken drein!
Ihr Knecht nit lungert in dem Haus
Kommt allesamt zu mir heraus.

Hausvogt mit etlichen Knechten kommen eilig.

Jedermann
Ich muß schnell eine Reise tun
Und das zu Fuß und nit zu Wagen,
Gesamte Knecht, die sollen mit
Und meine große Geldtruhen,
Die sollen sie herbeitragen.
Die Reis wird wie ein Kriegszug scharf
Daß ich der Schätze sehr bedarf.

Hausvogt
Die schwere Truhn, die drinnen steht?

Jedermann
Ja, eilig, ohne viel Gered.

Mehrere Knechte sammeln sich, ihrer acht bringen die schwere Truhe getragen.

Hab euch berufen für eine Reis,
Daß jeder mir Gehorsam erweis.
Die Reis ist seltsam und recht weit
Und fordert zuverlässige Leut,
Daß sie in aller Still gescheh
Des ich zu euch mich wohl verseh.

Knecht
Die Truhen, die ist marterschwer.

Hausvogt
Ihr tut, was anbefiehlt der Herr.

Zug setzt sich in Bewegung.

Jedermann
Nun, wollen wir die Reis angehen,
Ganz in der Still, heimlicher Weis.

Tod tritt in etlicher Entfernung hervor.

Erster Knecht
Dort steht ein Teufel und winkt uns Halt.

Hausvogt
Nein, ist der Tod grausamer Gstalt,
Er kommt auf uns zu mit Gewalt.

Knechte lassen die Truhen stehen und fliehen, Hausvogt desgleichen.

Tod
Du Narr, bald ist die Stund vertan
Nimmst immer noch Vernunft nit an.
Weißt nit ein recht Geleit zu suchen,
Bald wirst verzweifeln und dir fluchen.
Verschwindet.

Jedermann
Ach Gott, wie graust mir vor dem Tod,
Der Angstschweiß bricht mir aus vor Not
Kann der die Seel im Leib uns morden
Was ist denn jählings aus mir worden?
Hab immer doch in bösen Stunden
Mir irgendeinen Trost ausfunden.
War nie verlassen ganz und gar,
Nie kein erbärmlich armer Narr.
War immer wo doch noch ein Halt
Und habs gewendet mit Gewalt.
Sind all denn meine Kräft dahin,
Und alls verworren schon mein Sinn,
Daß mich kaum mehr besinnen kann,
Wer bin ich denn: der Jedermann,
Der reiche Jedermann allzeit.
Das ist mein Hand, das ist mein Kleid
Und was da steht auf diesem Platz,
Das ist mein Geld, das ist mein Schatz,
Durch den ich jederzeit mit Macht
Hab alles spielend vor mich bracht.
Nun wird mir wohl, daß ich den seh
Recht bei der Hand in meiner Näh.
Wenn ich bei dem verharren kann
Geht mich kein Graus und Ängsten an.
Weh aber, ich muß ja dorthin,
Das kommt mir jählings in den Sinn.
Der Bot war da, die Ladung ist beschehn
Nun heißt es auf und dorthin gehn.
Wirft sich auf die Truhe.
Nit ohne dich, du mußt mit mir,
Laß dich um alls nit hinter mir.
Du mußt jetzt in ein andres Haus
Drum auf mit dir und schnell heraus.

Die Truhe springt auf, Mammon richtet sich auf. Groß.

Mammon
Ei Jedermann, was ist mit dir?
Du bist ja grausamlich in Eil
Und bleich wie Kreiden all die Weil.

Jedermann
Wer bist denn du?

Mammon
                            Kennst vom Gesicht mich nit
Und willst mich dorthin zerren mit?
Dein Reichtum bin ich halt, dein Geld,
Dein eins und alles auf der Welt.

Mammons Hand bedeckt mit Ringen; lange Krallen.

Jedermann sieht ihn an
Dein Antlitz dünkt mir nit so gut
Gibt mir nit rechten Freudenmut
Das ist gleichviel, du mußt mitgehen.

Mammon
Was solls, kann alls von hier geschehen,
Weißt wohl, was ich in Mächten hab,
Sag was dich drückt, dem helf ich ab.

Jedermann
Die Sach ist anderster bewandt
Es ist von wo um mich gesandt.

Mammon ein langer Blick
Von –

Jedermann schlägt die Augen nieder
        Ja, es war ein Bot bei mir.

Mammon
Ist es an dem, du mußt von hier?!
Ei was, na ja, gehab dich wohl
Ein Bot war da, daß er ihn hol
Dorthin, das ist ja schleunig kommen
Hab vordem nichts derart vernommen.

Jedermann
Und du gehst mit, es ist an dem.

Mammon
Nit einen Schritt, bin hier bequem.

Jedermann
Bist mein, mein Eigentum, mein Sach.

Mammon
Dein Eigen, ha, daß ich nit lach.

Jedermann
Willst aufrebellen, du Verflucht! du Ding!
Will ihn nehmen.

Mammon stößt ihn weg
Du, trau mir nit, dein Wut acht ich gering,
Wird umkehrt wohl beschaffen sein.
Ich steh gar groß, du zwergisch klein.
Du Kleiner wirst wohl sein der Knecht
Und dünkts dich, anders wärs gewesen,
Das war ein Trug und Narrenwesen.

Jedermann
Hab dich gehabt zu meim Befehl.

Mammon
Und ich regiert in deiner Seel.

Jedermann
Warst mir zu Diensten in Haus und Gassen.

Mammon
Ja, dich am Schnürl tanzen lassen.

Jedermann
Warst mein leibeigner Knecht und Sklav.

Mammon
Nein, du mein Hampelmann recht brav.

Jedermann
Hab dich allein gedurft anrühren.

Mammon
Und ich alleinig dich nasführen.
Du Laff, du ungebrannter Narr,
Erznarr du, Jedermann sieh zu
Ich bleib dahier und wo bleibst du?
Was ich in dich hab eingelegt
Darnach hast du dich halt geregt.
Das war ein Pracht und ein Ansehen
Ein Hoffart und ein Aufblähen
Und ein verflucht wollüstig Rasen,
War alls durch mich ihm eingeblasen,
Und was ihn itzt noch aufrecht hält
Daß er nit platt an' Boden fällt
Und alle Viere von sich reckt
Und hält ihn noch emporgestreckt
Das ist allein sein Geld und Gut
Da hier springt all dein Lebensmut.
Hebt eine Handvoll Geld aus der Truhe und läßt es wieder fallen.
Fällt aber in die Truhen zurück
Und damit ist zu End dein Glück.
Bald werden dir die Sinn vergehen
Und mich wirst nimmer wiedersehen.
War dir geliehen für irdische Täg
Und geh nit mit auf deinen Weg,
Geh nit, bleib hier, laß dich allein
Ganz bloß und nackt in Not und Pein.

Jedermann leichenblaß.
Ist alls um nichts dein Handausrecken
Und hilft kein Knirschen und Zähnebläcken,
Fährst in die Gruben nackt und bloß,
So wie du kamst aus Mutter Schoß.
Bückt sich, die Truhe springt zu.

Jedermann ohne Sprache, eine lange Stille.

Werke wird sichtbar, einer Kranken gleich, auf einem elenden Lager gebettet, richtet sich halb auf und ruft mit schwacher Stimme
Jedermann!

Jedermann hört nicht.

Werke
                  Jedermann, hörst mich nit?

Jedermann vor sich
Ist als wenn eins gerufen hätt,
Die Stimme war schwach und doch recht klar,
Hilf Gott, daß es nit meine Mutter war.
Ist gar ein alt, gebrechlich Weib,
Möcht, daß der Anblick erspart ihr bleib.
O nur so viel erbarm dich mein,
Laß das nit meine Mutter sein!

Werke
Jedermann!

Jedermann
Seis wer da will, hab itzt nit Muß
Für irdisch Händel und Verdruß.

Werke
Hörst mich nit, Jedermann?

Jedermann
                                            Ist ein krank Weib,
Was kümmerts mich, soll sehn wo sie bleib.

Werke
Mein Jedermann, ich gehör zu dir,
Um deinetwillen lieg ich hier.

Jedermann
Wie soll denn das bewendet sein?

Werke richtet sich halb auf
Sieh, ich bin all die Werke dein.

Jedermann
Ich will kein Spott, ich sterb allweg.

Werke
Komm doch zu mir den kleinen Weg.
Sinkt zurück.

Jedermann
Das wird mit Willen nit geschehn,
Meine Werke will ich jetzt nit sehn.
Ist nit der Anblick, nach dem mich verlangte
Sieht nach der andern Seite.

Werke ist zu Boden gesunken
Bin schmählich schwach, muß liegen hier,
Wär ichs imstande ich lief zu dir.

Jedermann
Brauch nit ein fremd Gebrest dahier,
Liegt Angst und Marter gnug auf mir.

Werke hebt sich ein geringes
Mich brauchst, der Weg ist schreckbar weit,
Bist annoch ohne ein Geleit.

Jedermann
Des Weges muß ich itzt allein –

Werke versucht sich aufzuraffen
Nein, ich will mit, denn ich bin dein.

Jedermann sieht hin.

Werke
Auf mir liegt viel Gebrest und Last
Indem du mein gedacht nit hast.
Ohn dich könnt ich mich flink bewegen
Lief dir zu Seit auf allen Wegen.

Jedermann geht zu ihr
O Werke mein, mit mir stehts schlecht.
Ist mir gar sehr um guten Rat
Und daß mir eines Hilfe brächt!

Werke richtet sich mühselig an ihren Krücken auf
Jedermann, ich hab wohl vernommen
Du bist entboten zu deinem Erlöser,
Vor ein höchst Gericht zu kommen!
Willst du nit gehn verloren, Mann,
Tritt nit allein die Wandrung an,
Das sag ich dir!

Jedermann
                          Willst du mit mir?

Werke
Ob ich mit dir den Weg will gehn?
Fragst du mich das, mein Jedermann?

Jedermann sieht ihr in die Augen
Wie du mich sehnlich siehest an
Ist mir, als hätt in meinem Leben
Nit Freund, noch Liebste, nit Weib noch Mann
Mir keinen solchen Blick gegeben!

Werke
O Jedermann, daß du so später Stund
Dich kehrest zu meinem Aug' und Mund!

Jedermann
Hast ein Gesicht verhärmt und bleich
Und dünkt mich doch an Schönheit reich.
Mir ist, je mehr ich dich anseh
So mehr wird mir im Herzen weh,
Und sänftlich auch, vermischter Weis,
Daß ich mich nit zu nehmen weiß.
Mir ist, könnt deiner Augen Schein
Durch meine Augen dringen ein,
Ein großes Heil und Segen dann
Geschäh an einem armen Mann.
Doch weiß ich, dies ist nun versäumt
Und jetzt ist alls nur wie geträumt!

Werke
Hättest erkannt in deinem Sinn,
Daß ich nit völlig häßlich bin,
Wärest bei mir verblieben viel
Und fern der Welt und bösem Spiel!
Komm näher, meine Stimm ist leis
Bei Armen wärest eingegangen
Recht als ihr Bruder, heiliger Weis,
Und göttlich Leid und irdischen Schmerz
Die hättest zu lieben angefangen
Und aufgegangen wäre dein Herz.
Und ich, wie ich gebrechlich bin,
Ich wär, verklärt vor deinem Sinn,
Dir worden ein göttliches Gefäß,
Ein Kelch der überströmenden Gnaden
Dazu deine Lippen waren geladen.

Jedermann
Und dich hab ich mögen erkennen nicht!
War so verblendet mein Gesicht!
O weh, was sind wir für Wesen dann
Wenn solches uns geschehen kann!

Werke
Ich war ein Kelch der vor dir stand,
Gefüllt vom Himmel bis an den Rand,
Von Irdischem war darin kein Ding,
Drum schien ich deinen Augen gering.

Jedermann
O könnt ich sie ausreißen beid
Mir wär im Dunklen nit so bang
Als da sie mich zu bittrem Leid
Falsch han geführt mein Leben lang!

Werke
O weh, nun müssen die Lippen dein
Auf ewig ungetränket sein!
Hast wolln dich tränken an der Welt,
Da ward der Kelch dir weggestellt!

Jedermann stärker
Des fühl ich ein wütendes Dürsten schon
Durch alle meine Adern rinnen
Und Raserei in allen Sinnen!
Da hab ich meines Lebens Lohn!

Werke
Das ist die bitter brennend Reu
Das sind deine ungelittenen Leiden!
O könnten dein Herz sie schaffen neu,
Wie selig wäre das uns Beiden!

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