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Hugo von Hofmannsthal: Jedermann - Kapitel 2
Quellenangabe
typedrama
booktitleJedermann
authorHugo von Hofmannsthal
year1997
publisherFischer Taschenbuch Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-596-10871-3
titleJedermann
pages12-14
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1911
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Spielansager tritt vor und sagt das Spiel an
Jetzt habet allesamt Achtung Leut
Und hört was wir vorstellen heut!
Ist als ein geistlich Spiel bewandt
Vorladung Jedermanns ist es zubenannt.
Darin euch wird gewiesen werden,
Wie unsere Tag und Werk auf Erden
Vergänglich sind und hinfällig gar.
Der Hergang ist recht schön und klar,
Der Stoff ist kostbar von dem Spiel
Dahinter aber liegt noch viel
Das müßt ihr zu Gemüt euch führen
Und aus dem Inhalt die Lehr ausspüren.

Gott der Herr wird sichtbar auf seinem Thron (vor ihm der Tod, neben ihm der Erzengel Michael) und spricht
Fürwahr mag länger das nit ertragen,
Daß alle Kreatur gegen mich
Ihr Herz verhärtet böslich,
Daß sie ohn einige Furcht vor mir
Schmählicher hinleben als das Getier.
Des geistlichen Auges sind sie erblindt
In Sünd ersoffen, das ist was sie sind,
Und kennen mich nit für ihren Gott,
Ihr Trachten geht auf irdisch Gut allein
Und was darüber, das ist ihr Spott,
Und wie ich sie mir auch anschau zur Stund
So han sie rein vergessen den Bund
Den ich mit ihnen aufgericht hab
Da ich am Holz mein Blut hingab.
Auf daß sie sollten das Leben erlangen
Bin ich am Marterholz gehangen.
Hab ihnen die Dörn aus dem Fuß getan
Und auf meinem Haupt sie getragen als Kron.
So viel ich vermocht, hab ich vollbracht
Und nun wird meiner schlecht geacht.
Darum will ich in rechter Eil
Gerichtstag halten über sie
Und Jedermann richten nach seinem Teil.
Wo bist du, Tod, mein starker Bot? Tritt vor mich hin.

Tod
Allmächtiger Gott, hier sieh mich stehn,
Nach deinem Befehl werd ich botengehn.

Gott
Geh du zu Jedermann
Und zeig in meinem Namen ihm an
Er muß eine Pilgerschaft antreten
Mit dieser Stund und heutigem Tag
Der er sich nit entziehen mag.
Und heiß ihn mitbringen sein Rechenbuch
Und daß er nit Aufschub, noch Zögerung such.

Tod
Herr, ich will die ganze Welt abrennen
Und sie heimsuchen Groß und Klein,
Die Gotts Gesetze nit erkennen
Und unter das Vieh gefallen sein.
Der sein Herz hat auf irdisch Gut geworfen,
Den will ich mit einem Streich treffen,
Daß seine Augen brechen
Und er nit findt die Himmelspforten
Es sei denn, daß Almosen und Mildtätigkeit
Befreundt ihm wären und hilfsbereit.

Erscheinung des Herrn (und des Erzengels Michael) verschwindet. Tod steigt hinab, wird gleichfalls unsichtbar. Die Beleuchtung wechselt.

Jedermann tritt aus seinem Haus hervor, ein Knecht hinter ihm
Spring du um meinen Hausvogt schnell,
Muß ihm aufgeben einen Befehl.

Der Knecht geht hinein.

Mein Haus hat ein gut Ansehn, das ist wahr,
Steht stattlich da, vornehm und reich,
Kommt in der Stadt kein andres gleich.
Hab drin köstlichen Hausrat die Meng,
Viele Truhen, viele Spind,
Dazu ein großes Hausgesind,
Einen schönen Schatz von gutem Geld
Und vor den Toren manch Stück Feld,
Auch Landsitz, Meierhöf voll Vieh,
Von denen ich Zins und Renten zieh,
Daß ich mir wahrlich machen mag
So heut wie morgen fröhliche Tag.

Hausvogt tritt auf.

Vogt, bring einen Säckel Geldes straff,
Den hab ich vergessen in Gürtel zu tun,
Und merk, was ich dir noch anschaff;
Für morgen wird ein Frühmahl gericht,
Das muß bereit't sein aufs allerbest
Kommen Verwandte und fremde Gäst.
Der Tisch muß prächtig sein bestellt,
Schick her den Koch, du geh ums Geld.

Vogt geht hinein, Koch tritt sogleich auf.

Ein köstlich Frühmahl befehl ich an
Für morgen.

Koch
                    Ja, und soll ich dann
Einen jeden Gang bereiten frisch?

Jedermann zornig
Daß dich das Fieber rüttel, frisch!
Kein Überbleibsel auf meinen Tisch.

Koch
Es wär von gestern geblieben die Meng
Zumindest für zwei kalte Gäng.

Jedermann
Du Esels-Koch bist so vermessen,
Soll ich eine Bettlermahlzeit essen?

Der Koch geht ab. Der Vogt ist herausgekommen mit einem Beutel.

Jedermann nimmt den Beutel
Acht du auf meine Mägd und Knecht,
Gefallen mir allermaßen nit recht.

Der arme Nachbar wird in der Ferne sichtbar, nähert sich ängstlich. Jedermanns Geselle kommt zugleich raschen Schrittes die Straße hergegangen.

Jedermann zum Hausvogt
Dafür stehst du an der obersten Stell,
Daß du auf sie – da kommt mein Gesell.

Hausvogt geht ins Haus.

Hätt beinah müssen auf dich warten,
Wir wollen jetzt vors Stadttor gehen
Und uns dort das Grundstück ansehen,
Obs tauglich ist für einen Lustgarten.

Gesell
Hast Fortunati Säckel in der Hand
Dann ist die Sach schon recht bewandt.
Ja, bei dir gilts: gewünscht ist schon getan,
Du hasts danach, drum steht dirs an.

Armer Nachbar
Das ist des reichen Jedermann Haus.
Oh, Herr, dich bitt ich überaus
Wollest dich hilfreich meiner erbarmen,
Mildtätig beistehen einem Armen.

Gesell zu Jedermann
Ja, wie gesprochen, wir müssen eilen,
Dürfen uns gar nit länger verweilen.

Armer Nachbar hebt bittend die Hände
Oh, Jedermann, erbarm dich mein.

Gesell
Kennst du leicht das Gesicht?

Jedermann
                                                Ich? Wer solls sein?

Armer Nachbar
Oh, Jedermann, zu dir heb ich die Hand,
Hab auch einst bessre Tag gekannt.
War einst dein Nachbar, Haus bei Haus,
Dann hab ich müssen weichen draus.

Jedermann gibt ihm eine Münze aus dem Gürtel
Schon gut!

Armer Nachbar nimmts nicht
                  Das ist eine Gabe gering.

Jedermann
Meinst du? Gottsblut! So reut mich doch das Ding.

Armer Nachbar weist auf den Beutel
Davon mein nachbarlich Bruderteil,
So wär ich wieder gesund und heil.

Jedermann
Davon?

Armer Nachbar
              Es ist an dem, ich knie vor dir,
Nur diesen Beutel teil mit mir.

Jedermann lacht
Nur?

Gesell
        Selbig ist besessen alls!
Hättst tausend Bettler auf dem Hals.
Was tausend, hunderttausend gleich!

Armer Nachbar
Bist allermaßen mächtig reich.
Teilst du den Beutel auf gleich und gleich,
Dir bleiben die Truhen voll im Haus,
Dir fließen Zins und Renten zu.

Jedermann
Mann, wer heißt dich, mein Schrank und Truh,
Mein Zins und Rent in Mund nehmen?

Gesell zu armem Nachbar
Ich tät mich allerwegen schämen.

Jedermann gütig zuredend
Laß! –
Er wendet sich zu Nachbar
            Mann, da bist du in der Irr,
Wenn du meinst, ich könnt ohnweilen
Den Beutel Geld da mit dir teilen.
Das Geld ist gar nit länger mein,
Muß heut noch abgeliefert sein
Als Kaufschilling für einen Lustgarten.
Ich steh dem Verkäufer dafür im Wort.
Er will aufs Geld nit länger warten.

Armer Nachbar
Wenn dieses Geld für den Garten ist,
So brauchts für dich nur einen Wink,
Für einen Beutel hast du zehn,
Heiß einen andern bringen flink,
Den teil mit mir, bist du ein Christ.

Jedermann
Der nächste, brächt man ihn herbei,
Der Beutel, der wär auch nit frei.
Mein Geld muß für mich werken und laufen
Mit Tod und Teufel hart sich raufen,
Weit reisen und auf Zins ausliegen,
Damit ich soll, was mir zusteht, kriegen.
Auch kosten mich meine Häuser gar viel,
Pferd halten, Hund und Hausgesind
Und was die andern Dinge sind,
Die alleweil zu der Sach gehören,
Lustgärten, Fischteich, Jagdgeheg,
Das braucht mehr Pfleg als ein klein Kind,
Muß stets daran gebessert sein,
Kost' alls viel Geld, muß noch viel Geld hinein.
»Ein reicher Mann« ist schnell gesagt,
Doch unsereins ist hart geplagt
Und allerwegen hergenommen,
Das ist dir nicht zu Sinn gekommen!
Da läufts einher von weit und breit
Mit Anspruch und Bedürftigkeit
Tät unsereins nit der Schritte drei
Von hier bis an die nächste Wand
Ohn eine allzeit offne Hand.
Ist alls schon recht, muß nur dafür
Ein Fug und ein Gesetz auch walten
Und jeglich Teil daran sich halten.
Und achten gnau was ihm gebühr:
Dawider hast du dich verfehlt,
Wär all mein Geld und Gut gezählt
Und ausgeteilt auf jeglichen Christ,
Der Almosens bedürftig ist,
Es käm mein Seel nit mehr auf dich
Als dieser Schilling sicherlich,
Drum empfang ihn unverweil,
Ist dein gebührend richtig Teil.

Nachbar nimmt den Schilling und geht.

Gesell
Dem hast dus gegeben recht mit Fug,
Ja, das weiß Gott, viel Geld macht klug.

Jedermann
Nun wollen wir gehen, es dustert schon

Schuldknecht kommt, von zwei Bütteln geführt, hinter ihm sein Weib und seine Kinder in Lumpen.

Gesell
Was ist das für einer Mutter Sohn,
Den sie da bringen hergeführt,
Die Arme kreuzweis aufgeschnürt?
Mich dünkt, das geht an ein Schuldturmwerfen,
Hätt sich auch mehr in acht nehmen derfen.
Jetzt muß er's bei Wasser und Brot bedenken
Oder sich an einen Nagel henken.
Ja, Mann, du hast halt ein Reimspiel trieben
Und Schulden auf Gulden, die reimen gar gut.

Schuldknecht sieht Jedermann an
Hat mancher sein Schuldbuch nit in der Hut
Und ist drin vieles in Übel geschrieben.

Jedermann
Auf wen geht das?

Schuldknecht
                              Auf den, der fragt allweil.

Jedermann
Bins nit bewußt für meinen Teil,
Weiß nit, für wen du mich willst nehmen.'

Schuldknecht
In deiner Haut wollt ich mich schämen.

Jedermann
Gibst harte Wort mir ohn Gebühr,
Dir gehts nit wohl, was kann ich dafür?

Schuldknecht
Für harte Stöß sind sanft meine Wort.

Jedermann
Wer stößt dich?

Schuldknecht
                          Du, an einen harten Ort.

Jedermann
Ich kenn dich auch vom Ansehen nit.


Schuldknecht
Ist doch dein Fuß, der auf mich tritt.


Jedermann
Das wär mir seltsam, daß ich so tät
Und nichts davon in Wissen hätt.

Schuldknecht
Dein Nam steht auf einem Schuldschein,
Der bringt mich in diesen Kerker hinein.

Jedermann
Bei meinem Patron, was geht's mich an?

Schuldknecht
Bist doch der selbige Jedermann,
In dessen Namen und Antrag
Beschehn ist wider mich die Klag!
Daß ich in einen Turm werd bracht
Geschieht allein durch deine Vollmacht.

Jedermann tritt hinter sich
Ich wasch in Unschuld meine Händ
Als einer, der diese Sach nit kennt.

Schuldknecht
Deine Helfers-Helfer und Werkzeug halt,
Die tun mir Leibes- und Lebensgewalt.
Der Hintermann bist du von der Sach,
Das bring dir zeitlich und ewig Schmach.
In Grund und Boden sollst dich schämen.

Jedermann eckige Gebärde
Wer hieß dich Geld auf Zinsen nehmen?
Nun hast du den gerechten Lohn.
Mein Geld weiß nit von dir noch mir
Und kennt kein Ansehen der Person.
Verstrichne Zeit, verfallner Tag,
Gegen die bring deine Klag.

Schuldknecht wendet sich gegen sein Weib und seine Kinder
Er höhnt und spottet meiner Not!
Da seht ihr einen reichen Mann.
Sein Herz weiß nichts von Gotts Gebot,
Hat tausend Schuldbrief in seinem Schrein
Und läßt uns Arme in Not und Pein.

Schuldknechts Weib
Kannst du dich nit erbarmen hier,
Zerreißen ein verflucht Papier,
Anstatt daß meinen Kindern da
Der Vater wird in Turm geschmissen,
Von dem dir nie kein Leid geschah!
Hast du kein Ehr und kein Gewissen,
Trägst du mit Ruh der Waisen Fluch
Und denkst nit an dein eigen Schuldbuch,
Das du mußt vor den Richter bringen,
Wenns kommt zu den vier letzten Dingen?

Jedermann
Weib, du sprichst was du schlecht verstehst,
Es ist aus Bosheit nit gewest
Man hat sich voll und recht bedacht,
Eh man die scharfe Klag einbracht.
Geld ist wie eine andere War
Das sind Verträg und Rechte klar.

Gesell
Wär schimpflich um die Welt bestellt
Wenns anders herging in der Welt.

Schuldknechts Weib
Geld ist ein Pfennig, den eins leiht
Dem Nächsten um Gottes Barmherzigkeit.

Schuldknecht
Geld ist nicht so wie andre War
Ist ein verflucht und zaubrisch Wesen,
Wer seine Hand ausreckt darnach
Nimmt an der Seele Schaden und Schmach,
Davon er nimmer wird genesen.
Des Satans Fangnetz in der Welt
Hat keinen andern Nam als Geld.

Jedermann
Du lästerst als ein rechter Narr,
Weiß nicht wozu ich hier verharr,
Gibst vor, du achtest das Geld gering
Und war dir schier ein göttlich Ding!
Nun möchtest ihm sein Ansehen rauben,
Bist wie der Fuchs mit sauern Trauben.
Doch wer so hinterm Rücken schmäht,
Der findt keinen Glauben für seine Red.

Schuldknecht
Aus meinen Leiden hab ich Gewinn
Daß ich vermag in meinem Sinn
Des Teufels Fallstrick zu erkennen
Und meine Seel vom Geld abtrennen.

Gesell
Geld ist längst abgetrennt von dir
Drum hast dort im Turm Quartier.

Jedermann
Nimm die Belehrung von mir an
Das war ein weiser und hoher Mann
Der uns das Geld ersonnen hat,
An niederen Tauschens und Kramens statt
Dadurch ist unsere ganze Welt
In ein höher Ansehen gestellt
Und jeder Mensch in seinem Bereich
Schier einer kleinen Gottheit gleich.
Daß er in seinem Machtbezirk
Gar viel hervorbring und bewirk.
Gar vieles zieht er sich herbei
Und ohn viel Aufsehen und Geschrei
Beherrscht er abertausend Händ,
Ist allerwegen ein Regent.
Da ist kein Ding zu hoch noch fest,
Das sich um Geld nicht kaufen läßt.
Du kaufst das Land mitsamt dem Knecht
Ja, von des Kaisers verbrieftem Recht
Das alle Zeit unschätzbar ist
Und eingesetzt von Jesu Christ
Davon ist ein gerechtsam Teil
Für Geld halt allerwegen feil,
Darüber weiß ich keine Gewalt,
Vor der muß jeglicher sich neigen
Und muß die Reverenz bezeigen
Dem, was ich da in Händen halt.

Schuldknechts Weib
Du bist in Teufels Lob nit faul,
Wie zu der Predigt geht dein Maul.
Gibst da dem Mammonsbeutel Ehr,
Als obs das Tabernakel wär.

Jedermann
Ich gebe Ehr, wem Ehr gebühr,
Und läster nicht wo ich die Macht verspür.

Schuldknecht indem ihn die Büttel fortschleppen
Was hilft dein Weinen, liebe Frau,
Der Mammon hat mich in der Klau.
Warum hab ich mich ihm ergeben,
Nun ists vorbei mit diesem Leben.

Sie führen ihn ab.

Schuldknechts Weib
Kannst du das sehn und stehst wie Stein?
Wo bett ich heut die Kinder mein?

Geht ihm nach.

Jedermann zum Gesellen
Tu mirs zulieb, geh da hint nach
Und sieh im stillen zu der Sach.
Der Mann kommt in Turm, da mag nichts frommen,
Dem Weib gewähr ich ein Unterkommen
Und was sie nötig hat zum Leben
Zusamt den Kindern, das will ich ihr geben.
Mein Hausvogt soll mir darnach sehn
Und ihr freimachen eine Kammer
Doch will ich Plärrens ledig gehn
Ihre Not nicht wissen, noch Gejammer.
Das ist ein erzverdrießlich Sach
Man lebt geruhig vor sich hin
Hat wahrlich Böses nit im Sinn
Und wird am allerschönsten Tag
Hineingezogen und weiß nit wie
In Hader, Bitternis und Klag
Und aufgescheucht aus seiner Ruh.
Ich frag dich, wie komm ich dazu:
Was geht mich an dem Kerl sein Taglauf?
Er hats halt angelegt darauf,
Nun steckt er drin, schreit ach und weh
Das folgt halt wie aufs A das B.
Ein Häusel baun mit fremdem Geld,
Wer also haust, um den ists so bestellt.
Das ist seit Adams Zeit der Lauf,
Ist nit erst kürzlich kommen auf.
Zum Schluß aber tät ers in d'Schuh schieben
Dem, so er Haufen Gelds schuldig blieben.
Dess Langmut und Geduld arg viel
Hat müssen herhalten zu dem Spiel
Der selbig erbarmungsvolle Mann
Der wär ihm gar ein Teufel dann.
Jetzt aber, daß ich es ehrlich sag,
Steht mir der Sinn nit mehr darnach,
Daß ich einen Lustgarten anschau,
Auch wird es duster schon und grau.
Tu mir die Lieb, mein guter Gesell,
Wenn du das andre besorgt hast schnell,
Trag den Kaufschilling da zurecht,
Weil die Versäumnis mir Ärgernis brächt.
Der Garten zusamt dem Lusthaus drein
Soll alls für meine Freundin sein
Auf einen Jahrtag ein Angebind.

Gesell
Bei der ich dich doch heut Abend find?
Ich bring dir den Kaufbrief gleich dahin
Ausgefertigt nach deinem Sinn.

Jedermann
Hab vielen Dank, du guter Gesell,
Mich drängts, daß ich dort hinkomm schnell
Ist doch der einzige Ort in der Welt,
Wo nichts mir meine Lust vergällt.
Ist recht ein paradiesisch Gut
Was ihre Lieb mir bereiten tut.
Darum hab ich im Willen dieses Ding
Daß ich ein Angebind ihr bring,
Darin ich wie in einem Gleichnis und Spiegel
Ihr meine Dankbarkeit besiegel.

Gesell
Wie willst das tun, in welcher Weis?

Jedermann
Dazu richt ich den Garten mit Fleiß
Und stell inmitten ein Lusthaus hin,
Das bau ich recht nach meinem Sinn
Als einen offenen Altan
Mit schönen steinernen Säulen daran
Auch springende Wasser und erzene Bild
Die sollen nicht fehlen zur vollen Zier
Und dann ich die Anlag also führ,
Daß unter dem Morgen- und Abendwind
Ein Ruch von Blumen mancher Art
Daherstreich allezeit gelind
Von Lilien, Rosen und Nelken zart.
Auch führ ich jederseits Gäng und Bogen
Von Buschwerk alls so dicht gezogen,
Daß eines noch zu hellem Mittag
Sich Kühl und Frieden finden mag
Und einen ungequälten Ort,
Der von der Sonne niemals dorrt.
Desgleichen an einer verborgenen Stätte
Recht wie der Nymphe quillend Bette
Laß ich aus kühlem glatten Stein
Eine fließende Badstub errichtet sein.

Gesell
Das wird ein köstlich Gärtlein, fürwahr,
Und seinesgleichen nit leicht zu finden.

Jedermann
Das will ich meiner Liebsten einbinden
Und nehm sie dann an beide Händ
Und führ sie hinein, damit sie erkennt
In diesem Gärtlein köstlich und mild
Ihr eigen abgespiegelt Bild.
Die allzeit liebreich mich ergetzt
Mit Hitz und Schattenkühl mich letzt
Und einem verschlossenen Gärtlein gleich
Den Gärtner selig macht und reich.

Gesell
Da seh ich deine Frau Mutter kommen,
Wird dir jetzt die Begegnung frommen?

Jedermann
Drück mich nit gern vor ihr beiseite
Hab aber wahrlich nit viel Zeit.
Geh du, bring mir zurecht die Ding,
Indessen ich meinen Gruß darbring.

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