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Jean von Kerdren

Jeanne Schultz: Jean von Kerdren - Kapitel 10
Quellenangabe
authorJeanne Schultz
titleJean von Kerdren
publisherVerlag von J. Engelhorn
year1894
printrunNatalie Rümelin
translator
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20181226
projectid1ce29a36
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Neuntes Kapitel

Am folgenden Tage wurde Jean an Bord der »Najade« ein Brief in einem Umschlag mit Trauerrand eingehändigt, und er wußte sofort, von wem er kam.

Fräulein von Valvieux schrieb:

 

»Sehr geehrter Herr!

Was ich Ihnen gestern in der Aufregung, in der ich mich befand, nur mangelhaft sagen konnte, möchte ich Ihnen heute ausführlicher und ernster wiederholen, damit Sie später, wenn Sie sich einmal des ritterlichen Edelmutes wieder erinnern, den Sie mir gegenüber gezeigt haben, auch die gerührte innige Dankbarkeit nicht vergessen, die Ihre Handlungsweise mir eingeflößt hat.

Erinnern Sie sich noch der Antwort, die Sie, Herr Graf, vor etwa einem Monat der Frau von Sémiane gegeben haben?

Sie drang in Sie, mit mir zu tanzen, und Sie weigerten sich. ›Wann werden Sie sie denn auffordern?‹ fragte sie beharrlich weiter. Und Sie erwiderten halb scherzend, halb im Ernst: ›Sobald ihr Siebengestirn sie verlassen haben wird‹.

Natürlich haben Sie das vergessen, wie ich selbst es in all dem Leid und der Sorge der letzten Zeit vergessen hatte, und doch ist Ihre scherzende Antwort mein Schicksal geworden.

Seit ich den Verlust meines Vaters betraure, habe ich mich so verlassen und unglücklich gefühlt, daß ich nicht glaubte, es könnte noch schlimmer kommen, und als gestern abend die Erinnerungen an unsern früheren gesellschaftlichen Verkehr auf mich einstürmten, meinte ich, schon so hart getroffen zu sein, als es nur immer möglich sei.

Dann aber bekam ich noch die Bitterkeit der demütigenden Unterhaltung zu schmecken, zu deren Zeuge mich der Zufall machte!

Gott sei Dank, mein Herz ist frei von jeder Bitterkeit gegen diese Menschen, die sich mir von so niedriger Seite gezeigt haben; aber ich hatte ein Gefühl, als täuschten mich meine Augen und als setzte ich meinen Fuß, statt auf festen Grund und Boden, ins Leere. Dann verlor ich allen Mut und glaubte, mein Vertrauen auf die Menschen sei für alle Zeit erstorben!

Und da übernahmen Sie meine Verteidigung so mutig und so stolz, daß meine peinliche Empfindung sofort wieder verschwunden war. Ich lauschte Ihren edlen Worten und überhörte die Reden, auf die Sie erwiderten, und sofort hatte ich alles vergessen, außer Ihr Dazwischentreten.

Das wäre mehr als genug gewesen, um Ihnen in meinem Herzen ein gerührtes Gedenken zu sichern, und dennoch haben Sie noch mehr gethan.

Ich war von aller Welt verlassen, und diesen Augenblick wählte Ihre zartfühlende Güte, um sich mir zu nähern.

Sie boten mir alles, was ein Mann einem Weib zu bieten vermag, Ihren Schutz und ein glückliches Leben an Ihrer Seite, was ich beides wohl zu schätzen weiß – allein das Opfer eines ganzen Lebens nimmt man nicht an.

Wir haben viel zu wenig voneinander gesehen, als daß ich mir Ihr Vorgehen aus einem andern Grunde zu erklären vermöchte, und wenn ich mich je früher irgendwelchen Täuschungen über den Eindruck, den ich hervorbringen konnte, hingegeben hätte, so werden Sie begreifen, daß die Wahrheiten, die ich gestern anzuhören gezwungen war, diese Täuschungen gründlich zerstört haben. Außerdem macht mir aber auch das, was ich gestern über die Krankheit meiner armen Mutter erfahren habe, die äußerste Zurückhaltung zur Pflicht.

Es bleibt mir also nur die tiefste Dankbarkeit für Sie, mein Herr Graf, die tödliche Angst, die mich seit gestern quält, daß Ihr Dazwischentreten Ihnen ernste Verwickelungen zuziehen könnte, die ich mir kaum vorzustellen getraue; ich flehe Sie an, mir Selbstvorwürfe zu ersparen, über die ich mich nun weniger als je zu trösten vermöchte.«

 

Jean las diesen Brief langsam, las ihn noch einmal, faltete ihn ernst zusammen und steckte ihn wieder in den Umschlag.

»Sie ist ein aufrichtiges Geschöpf,« sagte er. »Der Zufall bringt wohl einmal ein solches Glück.«

Dann ließ er sich, wie wenn ihm der Brief die unzweifelhafte Einwilligung gebracht hätte, ohne weiteres Ueberlegen ans Land setzen, sprang vom Boot in einen Wagen, hieß den Kutscher zu Champlion fahren und blieb während der ganzen Fahrt so unbeweglich sitzen, daß es aussah, als schlafe er. Dies war aber keineswegs der Fall, sein leuchtender Blick zeugte im Gegenteil von ungewöhnlicher Entschlossenheit.

Die ganze Nacht hatte der junge Mann in Ueberlegung der Ereignisse, die so unerwartet eingetreten waren, verbracht, und sein jetziges Vorgehen war keineswegs unbedacht.

Deshalb wollte er jetzt aber auch geradeswegs auf sein Ziel los und nicht das kleinste Hemmnis dulden.

Fräulein von Valvieux hatte recht: das Gefühl, das am Abend zuvor den jungen Mann zu ihren Füßen niedergeworfen hatte, war ein Gefühl ritterlichen Edelmutes gewesen, und weiter nichts.

Als er das erste Mal mit ihr zusammengetroffen war, hatte er sie kaum beachtet und sie, wie man sich erinnern wird, nur wenig nach seinem Geschmack gefunden.

Ihre außerordentliche Schönheit und Anmut stempelten sie in seinen Augen zu einem jener Luxusgegenstände, »die man immer in Baumwolle wickeln muß«.

Als Jean einige Zeit danach wieder mit Alice zusammentraf, erregten ihr Schmerz und ihre Verlassenheit sein Mitleid. Sie hatte auf ihn etwa den nämlichen Eindruck gemacht, wie jene kleinen Italienerinnen, die an kalten Wintertagen unter den Thüren der Häuser stehen und weinend ihre rotgefrorenen Hände zeigen, und obgleich bei Alice der Schmerz ein moralischer und kein physischer war, stellte sich ihn Jean in seinen Gedanken doch auf diese Weise vor.

Am gestrigen Abend war sie ihm noch unter einem andern Gesichtspunkte erschienen.

Alles Unheil vereinigte sich über ihrem Haupte – das war zu viel! Und als er sah, wie tapfer sie den rohen Worten, die ihre innersten Gefühle verletzten, standhielt, hatte ihn sein Seemannsinstinkt unwiderstehlich getrieben, dem armen jungen Mädchen eine hilfreiche Hand zu bieten, wie er es ja auch einem Schwimmer gethan hätte, der mit erlahmten Armen vergeblich nach einer Stütze suchte.

Der Gedanke war ihm unerträglich, daß dies junge Mädchen von nun an das Recht haben sollte, jedes Wort für eine Lüge, jedes Menschen Herz für verderbt zu halten, und daß sie sich sagen mußte, sie sei gleich bei Beginn ihrer Lebensbahn dazu verdammt, die ganze Macht des Goldes in ihrem schmutzigsten Licht zu sehen, ohne daß jemand kommen würde, um ihr den Beweis zu liefern, daß sie sich täusche, und daß es doch immer noch anständige Leute gebe in der Welt.

Alles dies bewegte ihn, ohne daß er sich ganz klar darüber wurde, und dann fuhr ihm plötzlich – diese Plötzlichkeit bildete die Grundlage seines originellen Wesens – der Gedanke durch den Kopf, Fräulein von Valvieux seinen Namen und seinen Reichtum anzubieten.

Er war wütend, daß sich alle Männer so gewöhnlich zeigten! Nicht einer wagte es, sich zu rühren. Folglich kam es Kerdren zu, nach alter Sitte voranzuschreiten. Und ohne eine Minute zu überlegen, brachte er bei dem jungen Mädchen seine sonderbare Werbung vor, etwa wie er bei einem Brand zu Hilfe geeilt wäre, wenn er gedacht hätte, es fehle an Rettern.

Weil sie unglücklich, in Trauer und ganz verlassen war, hatte sich Jean auf ein Knie niedergelassen, um zu ihr zu sprechen, wie einstens seine Väter zu Königinnen sprachen, und hatte ihr sein ganzes Leben zu Füßen gelegt.

An Bord zurückgekehrt, fing er an, seine neue Lage mit so viel Ruhe und praktischem Sinn zu überlegen, als hätte er sich schon längst zu dieser Art Leben entschlossen gehabt.

Im Handumdrehen hatte er allem ins Gesicht geschlagen, was er bisher gesagt und gedacht hatte.

Um sein Zusammenleben mit dem Ocean war es nun gethan. In der Laufbahn, die er so frei und unabhängig hatte verfolgen wollen, hatte er sich nun eine Fessel angelegt, und wie so viele andre mußte nun auch er künftig das Vergnügen und die Interessen seiner Frau in die Wagschale werfen. Es war sonderbar, daß er schließlich doch noch da anlangte und gar, ohne daß ihn die Liebe dazu getrieben hatte.

Allein, wenn er einmal einen Entschluß gefaßt hatte, pflegte Jean sich nicht mehr lange mit Rückwärtsblicken aufzuhalten, sondern das, was er begonnen hatte, durchzusetzen um jeden Preis.

Da er zu Fräulein von Valvieux gesagt hatte, er werde sie glücklich machen, so mußte sie auch glücklich werden, und er hatte durchaus nicht die Absicht, seine neuen Pflichten nur zur Hälfte zu erfüllen.

So verursachte ihm auch der Absagebrief des jungen Mädchens nicht die geringste Aufregung; er gewährte ihm einen Einblick in ihren Charakter, und Jean war glücklich, eine solche Zartheit der Empfindung bei ihr zu finden, aber das änderte seine Gedanken nicht im mindesten.

Nicht, als ob er die Eitelkeit gehabt hätte, zu denken, er habe ihr eine plötzliche Leidenschaft eingeflößt; aber da nur die Angst, ein allzugroßes Opfer anzunehmen, sie zu ihrer Ablehnung veranlaßte, traute er sich zu, sie andern Sinnes zu machen. Als er an der Thür nach Fräulein von Valvieux fragte, mußte er sein Begehren zweimal wiederholen, weil der Diener gar nicht begreifen konnte, daß er nicht zu dem Bankier wollte, der, wie man ihm versicherte, doch zu Hause war.

Endlich wurde er aber doch in einen Salon geführt, und eine Minute später war Alice bei ihm. Welches Mittel er nun auch anwendete, um sie andern Sinnes zu machen, jedenfalls muß es das richtige gewesen sein, denn nach Verlauf einer Viertelstunde waren alle ihre Bedenken zerstreut. Und doch war er viel zu aufrichtig, um eine Leidenschaft zu heucheln, die er nicht empfand. Aber das Herz eines jungen Mädchens ist schneller erobert, als er gedacht hatte, und die Zukunft an der Seite dieses Mannes, der in ihren Augen von dem ganzen Nimbus eines Helden umgeben war, schien ihr mehr als vollkommenes Glück zu sein.

Mit der Naivetät, die sich Jean noch aus seiner so eigenartig verlebten Jugendzeit bewahrt hatte, erriet er nichts und hielt die Gemütsbewegung des jungen Mädchens nur für einen Ausfluß des lebhaften Dankgefühls, das sie schon in ihrem Brief zum Ausdruck gebracht hatte. Er hatte diese Kundgebung sehr lieblich gefunden und sich vorgenommen, dies holde Lächeln, das dem jungen Gesicht so wohl anstand, recht oft hervorzurufen – aber das war auch alles.

Nur auf einem ihrer Bedenken hatte Fräulein von Valvieux beharrt: auf der Gesundheitsfrage!

Darauf hatte Jean sie vor einen Spiegel geführt und sie gefragt, ob ihr Aussehen etwa ein krankhaftes sei, was sie zu verneinen gezwungen war.

Und wirklich hatte sich ihr Gesicht zwischen gestern und heute wie durch Hexerei verändert! Nie hatte sie eine blendendere Gesichtsfarbe gehabt, und ihre Frische, das Feuer ihrer Augen und ihr Lächeln schienen selbst den unvermeidlichen Veränderungen, die das Alter bringt, Trotz bieten zu wollen.

Mit der nämlichen Offenheit, womit er über seine Gefühle gesprochen hatte, beantwortete Jean auch Alices Fragen über Herrn von Astier, die sie nur zitternd an ihn zu richten wagte, weil sie fürchtete, sein Mißvergnügen aufs neue zu wecken.

Am nämlichen Morgen um neun Uhr hatte er sich mit dem jungen Stutzer geschlagen, und ihn gleich im ersten Gang am rechten Arm verwundet. Es war nur eine ungefährliche Hiebwunde, aber sie genügte immerhin, den Jüngling daran zu erinnern, daß man sich, Jeans Ansicht nach, weder Damen noch Marineoffizieren gegenüber etwas herausnehmen dürfe.

Für den Augenblick war die dringendste Angelegenheit die, über das Schicksal Alices zu beschließen. Da Jean nicht einen Augenblick daran dachte, sie noch länger bei dem Bankier zu lassen, und da er wußte, daß selbst gegenüber den flinksten Menschen die gesetzlichen Formalitäten wahre Wunder an Langsamkeit zu entfalten pflegen, so hatte er sich vorgenommen, Frau von Sémiane um Gastfreundschaft für seine Braut zu bitten. Nun hörte er aber von Alice, daß der Beileidsbrief, den sie nach ihres Vaters Tod von der Gräfin erhalten hatte, aus Spanien datiert war und die Nachricht enthielt, die Gräfin wolle sich auf unbestimmte Zeit in Granada, vielleicht auch in Marokko aufhalten, wohin sie jedenfalls auch zu gehen beabsichtige.

Es mußte also etwas andres gefunden werden, und die passendste Lösung der Frage war jedenfalls, die kurze Zeit in Toulon in einem Kloster, das Pensionärinnen aufnahm, zu verbringen.

Unter den gegebenen Verhältnissen wollte Jean alles, was zu thun war, möglichst beschleunigen und nach der Hochzeit seine Frau sofort nach Kerdren bringen.

Seine Absicht war, nach Ablauf des Urlaubs, den er nehmen wollte, um seine Versetzung nach dem Hafen, dem er zugeteilt war, einzukommen, was ihm ermöglichen würde, auf seinem Gute zu wohnen, das nur acht Kilometer von Lorient entfernt lag. Es war nicht zweifelhaft, daß ihm dies bewilligt werden würde, weil er bis dahin immer zur See Dienst gethan hatte; auf diese Weise wurde es ihm dann möglich, seine Frau in den fremden Verhältnissen heimisch werden zu sehen.

»Sie müssen wissen,« sagte Alice zu ihm, »daß ich um nichts in der Welt Ihnen in Ihrem Berufe ein Hindernis sein möchte. Sie sollen sehen, welch' echte Seemannsfrau ich abgeben werde!«

Lachend fragte er, ob sie allein ausziehen und sich als Schloßfrau und Herrin von den Vasallen in Kerdren anerkennen lassen wolle, und es wurde beschlossen, die Zukunft, Jeans Plänen entsprechend, zu ordnen, vorausgesetzt, daß nichts dazwischen kam.

Natürlich stimmte Alice allem zu, was der junge Offizier vorschlug; ihr Mund und ihre Augen sagten gleichzeitig »Ja«, und von der ersten Stunde an ordnete sie sich ihm so völlig unter, als dies je ein Menschenkind gethan hat.

Seit einem Monat hatte sie sich dermaßen verlassen gefühlt, daß sie es jetzt machte, wie ein zahmes Vögelchen, das sich nach einem kurzen Versuch in der Freiheit nicht nur willig der Hand überläßt, die es in den Käfig zurückträgt, sondern sich voll Glück in dieselbe schmiegt.

So erübrigte also nur noch, dem Ehepaar Champlion mitzuteilen, welche Wendung in dem Leben der jungen Erzieherin eingetreten war.

Ihr Erstaunen überstieg zuerst alle Grenzen, und die gelassene Kälte Jeans vermochte nicht, einem Strom von Betrachtungen und Glückwünschen Einhalt zu thun oder zu verhindern, daß Fräulein von Valvieux so oft gesagt wurde, welch ein fabelhaftes Glück sie mache, daß sich ihre Freude schon nach zehn Minuten völlig gelegt hatte!

Alle seine Höflichkeit konnte den jungen Mann schließlich nicht mehr davon abhalten, seine Uhr zu ziehen und zu erklären, es blieben ihm nur noch wenige Augenblicke Zeit, Frau Champlion mitzuteilen, was er in betreff der jungen Dame beschlossen habe.

Sofort bot ihm die gute Dame ihre Hilfe beim Besuch der Läden und beim Einkaufen an, was für sie die allein nötige Vorbereitung zu einer Hochzeit und das höchste Glück zu sein schien.

Als sie endlich einsah, daß man von ihr gar nichts verlange, als eine möglichst rasche Lösung der Verpflichtungen, die Alice an ihr Haus banden, und ihre Begleitung bis an die Pforte des Klosters, erschien ihr die ihr zugeteilte Rolle so klein, daß sie um ein Haar abgelehnt hätte, sie zu spielen. Schließlich erklärte sie aber doch, Alice sei von diesem Augenblick an frei, und versprach, Fräulein von Valvieux hinzuführen, wohin man wolle.

Der Bankier seinerseits nahm Jean beiseite und versicherte ihn mit vertraulichem Blinzeln, er habe vom ersten Tag an Lunte gerochen und sei bereit, falls er es wünsche, die künftige Gräfin von Kerdren bis zum Altar zu geleiten.

Es läßt sich denken, wie verführerisch diese Aussicht war, und wie sehnlich der junge Offizier wünschte, seine Frau aus den kurzen, roten Händen zu empfangen, die vor seinen Augen in der Luft herumfuchtelten.

Gleichwohl bedankte er sich geziemend und entfernte sich ein paar Augenblicke darauf, während die Familie Champlion ungefähr so erstaunt zurückblieb, als sei plötzlich ein Komet in ihrem Hause erschienen und habe zur Vervollständigung seines Schweifes einige Strahlen von ihr verlangt.

»Wie traurig ist es, daß Sie so reich sind,« sagte Alice, als sie ihrem Verlobten mit dem traurigen Lächeln, das eine Stunde lang verschwunden gewesen war, das Geleite gab.

»Warum?« fragte er lachend. »Möchten Sie die Wolle zu meinen Kleidern selbst spinnen, wie weiland Königin Bertha ›mit dem langen Fuß‹ für König Pipin gethan hat?«

»Nein, aber weil ich selbst so arm bin,« fuhr sie noch trauriger fort.

»Nun, und möchten Sie lieber, daß es umgekehrt wäre, und man sagte, ich heirate Sie um Ihres Geldes willen?«

»Nein, aber was wird man von mir sagen!«

»Von Ihnen! Daß Sie mir mit Ihrer Jugend und Schönheit ein so kostbares Kleinod zubringen, daß ich von Glück sagen kann, wenn ich ihm die Fassung zu geben vermag, die es verdient. Das können Sie mir glauben,« versicherte er sie liebevoll.

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