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Jean Pauls Briefe und bevorstehender Lebenslauf

Jean Paul Richter: Jean Pauls Briefe und bevorstehender Lebenslauf - Kapitel 11
Quellenangabe
typenarrative
booktitleSämtliche Werke Abteilung I Band 4
authorJean Paul
year1996
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-152-X
titleJean Pauls Briefe und bevorstehender Lebenslauf
pages925-1074
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1799
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Ich komme zu dem Ideen-Charivari zurück, womit der Tag in uns ausklingt. Der Weg vom Wachen in den Schlaf geht durch den Traum; aber man ist sich dieser Vorträume nur bei Störungen des Einschlafens bewußt.

So liegt also der Schlaf zwischen zwei Träumen, wie das bürgerliche Leben zwischen den dichterischen kindlichen Träumen der Jugend und des Alters. Der Inauguraltraum ist wild, kurz und wird immer dunkler; die vom rastenden Geiste nicht mehr gestoßenen Pendüle der Denkorgane machen immer kleinere Schwingungen, bis er endlich selber die schweren Pendüle nicht mehr regen kann.

Aber gegen Morgen treibt das brachgelegene und vom Nerventau erfrischte Gehirn die Frühlingsblumen heraus, die Morgenträume, die sich mit dem äußern Morgen erhellen und die vielleicht darum den Griechen prophetisch waren. Daher macht das noch energische und elastische Gehirn den Mittagsschlummer mehr zu einem Mittagstraum oder Homers-Schlaf.

Ich komme nun zu den kleinen Kelchberaubungen des Traums, die mein gelehrter Freund, Doktor Viktor, uns banger und genauer vorzählt als die Gaben desselben. Erstlich die Träume sind voll Vergessenheit, ohne Gedächtnis für das Wachen wie dieses ohne eines für sie. Vielleicht wurde darum die Lethe zur Schwester des Schlafs gemacht. Gern stimm' ich hier in Viktors schöne Klage ein: »Wenn wir im äffenden Widerschein des Lebens, im Traume, endlich wieder längst zerfallene Hände fassen und wenn uns wieder ein warmes helles Auge aus der Aschenhöhle anblickt: warum verbirgt uns da die feindselige Vergeßlichkeit des Traums, daß es gestorbene Geliebte sind? – Warum wird der durstigen Brust, wenn sie endlich dem lang ersehnten Herzen begegnet, durch eine vorgelogene kalte Vergangenheit die Entzückung des Wiedersehens und die Stunde der höchsten Liebe genommen? – Ach wie würden wir an Herzen ruhen, die sich über den Sternen geheiligt haben und die uns schon früher gehörten! Hoher Emanuel, ich zerflösse vor deiner Gestalt, wenn sie vom Himmel käme in meinen Traum herab!« –

Eben darum, da die Rührungen der Träume so tief ins Mark des Herzens greifen, ist es gut, daß sie uns nicht den einzigen Trost an Gräbern rauben, das stille Erblassen holder Bilder, und daß der Traum uns lieber oft mit der Vergangenheit der vorigen Sünden gegen die Liebe beschämt, um unsere Gegenwart wärmer zu machen.

Woher kommt aber sein schwaches Gedächtnis? – Daher: der Schlaf ist nur ein schwächerer Nervenschlag, also eine periodische Lähmung und Asthenie des Gehirns; alle asthenische Zustände aber vertilgen das Gedächtnis, z. B. die athenische Pest, Alter, Hysterie, Schlagfluß, Ohnmacht, Blutverlust, Unenthaltsamkeit etc. – Indes ist die Vergeßlichkeit wie im Alter nur partial und betrifft mehr neue als alte Objekte; und die stärksten Proben des Erinnerns und Vergessens wechseln ab. Eben dasselbe ist in asthenischen Krankheiten. Doktor Viktor führet aus Nikolais PathologieS. 5ter Band § 375. – und dieser aus Hambergers Physiologie – einen apoplektischen Musikus an, der seine Muttersprache und das Abc vergaß, aber Vokalmusik und Noten behielt. Beattie erzählt, daß der Schlagfluß einem Priester nur die Erinnerung der vier nächsten Jahre, nicht der andern nahm usf. Woher aber wieder dieses komme, das zu erklären gehört erstlich nicht hierher, und zweitens weiß ich auch selber keine Erklärung, verspreche aber, im Traktat über das Gedächtnis auf eine zu fallen.

Der Traum setzt uns, nach Herders schöner Bemerkung, immer in Jugendstunden zurück; – und ganz natürlich, weil die Engel der Jugend die tiefsten Fußtritte in dem Felsen der Erinnerung ließen; und weil überhaupt eine ferne Vergangenheit schon öfter und tiefer in den Geist eingegraben wird als eine ferne Zukunft. Und so schlingt der erste Zierbuchstabe unsers Daseins wie in Lehrbriefen seine langen Schönheitslinien schweigend um alle vier Ränder der Schrift.

Der Traum behält nichts leichter als Träume, ein Sinnbild von uns Lebens-Träumern! Im Sonnenschein des Wachens müssen diese Nachtlichter aus demselben Grund ungesehen brennen, aus welchem in Wilden und in Knaben, die unter dem Gewilde erwuchsen, durch die Kultur alle Erinnerung der Vorzeit rein auslischt. Auch laufen im Spinngewebe der Träume die Fäden in- und übereinander, und einer macht leicht den andern rege. Ja in manchen Menschen ist ein gewisser Traum das bleibende Nestei, um welches die andern herumkommen; die fixe Idee eines sanftern Wahnsinns; das muß sein, da hier mehr das schwere, von eingelegtem Bildwerk beladene Gehirn die Gestalten verschiebt als das ewig spiegelnde und zeugende Ich. – Mein Erschrecken über den intermittierenden Puls dieses Ichs nehm' ich wieder zurück, das ich einmal bei der Geschichte hatte, daß ein Mann die Rede, die er in der Ohnmacht anfing, nach derselben mitten im Perioden forthielt; denn ebenso schließen sich die Träume mehrerer Nächte in fortlaufender Signatur aneinander an, obgleich die wachende Tätigkeit dazwischenfiel. –

Ein wenig aus dem vorigen zu erklären ists, daß der Traum, wie das Alter, in seinen eleusinischen Mysterien oder Karfreitags-Moralitäten gewöhnlicher eine ferne Vergangenheit aus unserer Götter- und Passionsgeschichte nachspiele als die nächste; indes er in Rücksicht der Zukunft umgekehrt, als ein zweites Gesicht, keine ferne, sondern die nächste vorgaukelt; denn unsere schwierigen Begebenheiten werden – wie die biblischen von den Exegeten – immer in Träume verkehrt. So träumte mir nie, daß ich Enkel auf dem Schoße hätte, aber ein gewisses tanzendes Frühstück, das Schreiber dieses gibt, hat er bisher drei Nächte hintereinander gegeben; und er und der Teufel und sechs große Rezensenten tanzen darin immer miteinander den Großvatertanz. Wer sollte sich solches tolles Zeug träumen lassen, wenn ers, wie gesagt, nicht träumte? –

Pascal – der Heilige eines höhern Ordens – sagt, nur das Abbrechen der Träume mache uns gleichgültig gegen sie. Aber unser Wachen erleidet ja dasselbe Abbrechen geradeso oft; indes, wollten wir auch wie unsere Vorfahren, die Germanen, nach Nächten, und wie unsere Ebenbilder, die Nordamerikaner, nach Schlafen datieren: so würd' es uns mit diesem Mondlicht ohne Brennpunkt wie mit dem himmlischen gehen, von welchem Lambert erwies, daß ein ganzes mit Vollmonden ausgelegtes Himmelsgewölbe uns kaum das matte graue Licht eines bewölkten Tages niedertauen würde. Die gediegnen Sinne, der Geruch, der Geschmack und das Gefühl, verlieren darin ihren Metallreiz, und selber die Gestalten ziehen nur als Schatten durch diese persönliche Unterwelt. Daher ist darin unser Schrecken, z. B. über einen révenant oder über ein Hinabstürzen, nur ein leichtes dramatisches; und immer lindert eine dunkle Hoffnung oder Furcht, nur zu träumen, das Fieber der träumenden Brust. Und hier bei dieser Vexierwelt muß uns Jakobis tiefes Wort gegen die ähnliche des Idealismus einfallen: daß jedes Träumen ein Wachen voraussetze. –

Das Bewußt- und Vernünftigsein, dieses Licht aus dem schärfern Zusammenstoß der innern Tätigkeit und der äußern Einwirkung, muß der Traum aufheben, da er das schwere paralytische Gehirn über das Ich wie über einen Titan wälzt und damit es zugleich entkräftet und bedeckt. Das Wunder der Schnelligkeit, womit man oft ohne die innere Morgendämmerung des Traums und ohne äußern Anstoß erwacht, setzt das Wegsprengen eines körperlichen Hindernisses voraus, die siegende Krisis einer Stockung. Das anfänglich kraftlose Ringen, im Traum oder noch mehr unter dem Alpdrücken aufzuwachen, oder ein Glied zu regen, beweiset die Lähmung des Nervenschlags; aber die Heilung derselben durch den Willen (gleichsam wie durch Elektrisieren) wirft den Satz von Boerhaave um, daß jeder Schlaf ohne äußeres Aufrütteln (z. B. ohne den Reiz der Absonderungen) ein ewiger sein würde.

Der spekulative Traum, so wie der praktische der Nachtwandler, der den Übergang zum Wachen (zum Wahnsinn) macht, lassen uns nach dem Raube der Vernunft und Erinnerung doch die Kompetenzstücke, die Viktor erwähnt, Phantasie, Witz, Scharfsinn, sogar Verstand; und geben uns dadurch die Rangliste dieser Kräfte und ihr Verhältnis zum Körper, zu den Tieren und Kindern an. Die Phantasie kann im Traume am schönsten ihren hängenden Garten aufspannen und überblümen, und sie nimmt darein besonders die aus dem liegenden so oft vertriebnen Weiber auf. Der Traum ist unwillkürliche Dichtkunst; und zeigt, daß der Dichter mit dem körperlichen Gehirne mehr arbeite als ein anderer Mensch. Warum hat sich noch niemand darüber verwundert, daß er in den Scènes détachées des Traums den agierenden Personen wie ein Shakespeare die eigentümlichste Sprache, die schärfsten Merkworte ihrer Natur eingibt, oder vielmehr daß sie es ihm soufflieren, nicht er ihnen? Der echte Dichter ist ebenso im Schreiben nur der Zuhörer, nicht der Sprachlehrer seiner Charaktere, d. h. er flickt nicht ihren Dialog nach einem mühsam gehörten Stilistikum der Menschenkenntnis zusammen, sondern er schauet sie wie im Traum lebendig an, und dann hört er sie. Viktors Bemerkung, daß ihm ein geträumter Opponent oft schwerere Einwürfe vorlege als ein leibhaftiger, wird auch vom Dramatiker gemacht, der vor der Begeisterung auf keine Art der Wortführer der Truppe sein könnte, deren Rollenschreiber er in derselben so leicht ist. Daß die Traumstatisten uns mit Antworten überraschen, die wir ihnen doch selber inspiriert haben, ist natürlich: auch im Wachen springt jede Idee, wie ein geschlagner Funke, plötzlich hervor, die wir unserer Anstrengung zurechnen; im Traume aber fehlt uns das Bewußtsein der letztern, wir müssen also die Idee der Gestalt vor uns zuschreiben, der wir die Anstrengung leihen.

Wie viel man träumend Scharfsinn habe, davon bin ich ein Beispiel: so sagt' ich z. B. einmal zu mir, als ich vor einer Steinbank um die Straßenecke herumkam: »Wenn der Traum nur aus deinen Vorstellungen besteht, so brauchst du ja nur die Steinbank dir hier in dieser Gasse zu denken, um sie zu sehen.« Ich dachte sie, aber ich sah nichts; ich kehrte wieder um die Ecke zurück, aber auch vergeblich. O wir spielenden und gespielten Wesen!

Doktor Viktor pflichtet der Meinung Hemsterhuis' und Dionysius' bei, daß der Mensch im Traume seine moralische und unmoralische Natur enthülle; so wie Swift es vom Traum der Tollheit behauptet, und Seneka vom Traum des Rausches. Ich falle ihnen allen bei, aber mit der wichtigsten Klausel. Es gibt im Menschen eine doppelte Moralität, eine angeborne – worüber die jetzige deräsonierende Zeit so viele öde Worte und ihre erworbene Moralität verliert – und eben diese erworbene. Diese letztere nun, die himmlische Tochter unserer sie mit jener zeugenden Vernunft, tritt leider zugleich mit ihrer göttlichen Mutter ab. Der zum Helden nicht geborne, sondern erst durch Entschlüsse erzogne Mensch wird in Träumen die Flucht ergreifen und darin so gut, wie der Atheist in seinen, vor Gespenstern zittern; und der von seiner Vernunft zahmgemachte Zorn des edeln Antonins reißet sich im Fieber von den Schlußketten los. – Im Traume ist keine Vernunft und also keine Freiheit.

Hingegen die angeborne Moralität, der mitgebrachte Religions- und Tilgungsfond des Innern, mit andern Worten das weite Geisterreich der Triebe und Neigungen steigt in der zwölften Stunde des Träumens herauf und spielet dichter-verkörpert vor uns. Aus Träumen der Weiber, die jenes Geisterreich noch seltener als wir mit Doktor Fausts philosophischem Mantel und mit dem Zauberkreis der Doktorringe zu beherrschen wissen, würd' ich daher weit ernsthafter schließen als aus meinen oder Viktors Träumen, da uns alle Finger voll Doktorringe stecken. Hieher gehört eine Stelle aus den Palingenesien über die schönern Träume der Weiber. – Fürchterlich tief leuchtet der Traum in den in uns gebaueten Epikurs- und Augias-Stall hinein; und wir sehen in der Nacht alle die wilden Grabtiere oder Abendwölfe ledig umherstreifen, die am Tage die Vernunft an Ketten hielt.

In Träumern, wie in Trunknen, in Dichtern, asthenischen Kranken (von Nervenschwäche, Blutverlust, Migräne), ist nichts wacher und stärker als die passive oder fühlende Natur. Daher werfen im Traum alle Gefühle höhere Wellen, und das ganze Herz ist flüssig. Daher hat die Rührung darin, wie die Nachtschmetterlinge für die schlafenden Blumen, einen längern Saugerüssel und zieht die innerste tiefste Träne herauf. Daher ist darin wie in der Jugend das Gefühl für witzige Kontraste schärfer. Daher lachte Browne nur über geträumte Lustspiele; und hatte die innigste Andacht nur in Träumen, die sogar den Arnobius zum Christen bekehrten. Daher verherrlicht die Grazie Pasithea, die Gemahlin des Schlafs, jede Huldin so sehr, die uns darin findet und anblickt; und die Nacht, die Mutter des Amors, erquickt das träumende Herz mit der Liebe ohnegleichen, nämlich ewig mit der ersten. – – Endymion, der du eine dreifache Ewigkeit begehrtest, die des Daseins, der Jugend, des Schlafes, du brauchtest ja nur die letztere zu erflehen, sie gab dir dann alles andere dazu! –

Viktor tut einen tiefen Blick in den Abgrund, woraus die Kunstwerke des Ohrs aufsteigen, wenn er über die von Tartini im Traum gemachte TeufelssonateDieser große Violinist hörte im Traum den Teufel ein Solo geigen, das er beim Erwachen unter dem Namen Teufelssonate niederschrieb, die, obwohl sein bestes Stück, ihm doch so tief unter dem gehörten schien, daß er seine Geige auf ewig zerschlagen wollte. Volkmanns Reis. Br. 32. nachsinnt. Die Töne verlieren unter allen Geschöpfen des Tags am wenigsten durch den Resonanzboden des Traums, weil die Empfindungen des Ohrs schwerer als die irgendeines Sinnes von ihren Erinnerungen zu unterscheiden sind, wie man merken kann, wenn man bei dem Entweichen einer Musik endlich zweifelt, ob die letzten Töne Erinnerungen oder Empfindungen sind, die dem Sonnenlicht ähnlichen, das, aus dem rikoschetierenden Planspiegel aufgefangen, noch hinter dem Brennglas wärmt. Töne leben länger in uns als Bilder, der Musiksaal kann länger nachklingen als der Bildersaal nachschimmern. Und wenn nun Töne den Wahnsinnigen, den Trunknen, den Nervenschwachen so tief ergreifen, und mithin ihren Repräsentanten, den Träumer, noch mehr; wenn dieser, aus gleichen Gründen wie die nervensiechen Mädchen und die Sterbenden, höhere, nur im Äther wallende Melodien trinkt, die nicht durch die Ohren eingehen, sondern durch das Herz: so kann ich ja wohl begreifen, wie du, Viktor – und ich selber, nur leider nicht oft genug – von dieser »Nachtmusik«, wie du sie nennst, erhoben und aufgelöset und entzündet werden. Ach ja wohl hören wir die rechte Sphärenmusik nur in uns; und der Genius unsers Herzens lehrt uns, wie wir Vögeln, die Harmonien nur unter der Überhüllung unsers Bauers aus Erde. – –

Und nun genug, wiewohl nicht mir. Ich könnte noch vieles sagen; besonders könnt' ich mich wundern, warum man den Traum nicht gebraucht, um daran den unwillkürlichen Vorstell-ProzeßSo wird einige Jahre lang jeder Vernünftige, der gut schreiben will, sagen, weil nun jede Sache ein Prozeß ist; ich nenne gern mit andern das Leben einen Lebensprozeß, die Emährung einen Nutritionsprozeß, die Organisation einen Organisationsprozeß, weil das neue Wort ganz das ausdrückt, was das alte ausdrückt. der Kinder, der Tiere, der Wahnsinnigen zu studieren, sogar der Dichter, der Tonkünstler und der Weiber.Bei den Weibern liegt die Ähnlichkeit in ihrem welchem Gefühl, in ihrer starkem, oft wunden Reizbarkeit für Witz, Kontraste, Töne, Gestalten, Rührungen, in der größern Herrschaft ihrer Gefühle und in ihrem minder scharfen Bewußtsein. Ich könnte den Traum noch mechanischer behandeln; aber mein Genius ruft mir überhaupt zu: gleich der Schachmaschine tollet die Weltmaschine mit lauten Rädern um, aber eine lebendige Seele verbirgt sich hinter den mechanischen Schein.

Ich schließe am schönsten mit meines Viktors Worten: »Vernunft und Bewußtsein und Freiheit wachsen und fallen miteinander, sie bilden die Sonne der Menschheit, die aber jeden Abend untergeht. Aber wie auf der einen Seite jenes innere Sonnenlicht dich erhebt über den Lebenszwang des Tiers, das auch von seinem Traum in ein Wachen übergeht, welches wieder ein Traum gegen deinen ist; und wie du in dieser Stufenfolge die Hoffnung antriffst, einmal so frei und besonnen zu werden, daß dein jetziges Wachen dir ein Träumen scheint; so schlage auf der andern Seite bei dir nicht wie bei Alexander der Schlaf, sondern das Träumen den Dünkel nieder, der einen spinozistischen Schöpfer aus dir schafft! Wo hat denn der liegende Gott auf dem Bette, unter dem auf ihn geworfenen Gebirge des Schlafes, seine Freiheit, seine Moralität, seine Vorsätze, sogar seine letzte Liebe und Freude?Es bezieht sich darauf, daß uns im Traume gerade das, was wir zuletzt am meisten liebten und wünschten, selten erscheint. Nein, unendlicher Vater, reiche du mir deine Hand, du gabst mir alles und wirst mir alles wiedergeben, denn ich habe ja nichts!«

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