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Jean de France oder Hans Franzen

Ludvig Holberg: Jean de France oder Hans Franzen - Kapitel 4
Quellenangabe
typecomedy
booktitleHolbergs ausgewählte Komödien. Erster Band
authorLudvig Holberg
translatorRobert Prutz
year1872
firstpub1722
publisherBibliographisches Institut
addressLeipzig und Wien
isbn
titleJean de France oder Hans Franzen
pages79
created20090908
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritter Akt.

Erste Scene.

Jean. Pierre.

Jean. Pierre!

Pierre. Que voulez-vous?

Jean. Fripon! Maraud! Coquin! Bougre! Badaut! Fainéant! Que la peste t'étouffe, que le diable t'emporte, t'enlève, t'abîme! Que le diantre....

Pierre. Warum verflucht Monsieur mich denn so sehr?

Jean Bist Du nicht funfzehn Monate mit mir dans Paris gewesen und hast nicht gelernt, comment Du Deinem Herrn antworten sollst, wenn er Dich ruft? Du sollst sagen: Monsieur, mais non pas: que voulez-vous?

Pierre. Das ist doch nur ein kleines Versehen und nicht werth, daß man deshalb so verflucht wird.

Jean. Die Wahrheit zu sagen, ist es auch nicht sowol, um Dich zu verfluchen, als mich im Französischen zu üben; ich habe letzten Monat von meinem maître de langue eine Liste gekriegt von vierzig der modernsten Flüche, die ich ja an Niemand exerciren kann, als an Dir.

Pierre. Monsieur kann sie an sich selbst exerciren, er braucht nur statt te zu sagen me, so übt er sich in der Sprache und Niemand hat ein Wort dagegen einzuwenden.

Jean. Ach, Pierre, daß wir doch wieder in Paris wären! Dieu donne, que nous étions dans Paris wieder; na, nu hab' ich vergessen, was »wieder« auf Französisch heißt.

Pierre. Das heißt aussi. 108

Jean. Richtig, aussi; wenn Du mich einen Fehler machen hörst, mußt Du mich nur dreist corrigiren. Aber wünschest Du nicht ebenfalls, daß wir aussi in Paris wären?

Pierre. Ei, gewiß, wer brav hungern, dursten und frieren kann, für den ist Paris ein ganz guter Aufenthalt.

Jean. Ei, bougre! crasseux! gourmand! Du sprichst, als ob Du geboren wärst à la place Maubere, oder à la pont neuf, comme un crocheteur, un décroteur des souliers, un porteur d'eau.

Pierre. Und Monsieur spricht wie un fou, un bête, un Narr, un sot, un boufon, als ob er dans un Tollhaus geboren wäre oder à la un théâtre.

Jean. Was sagst Du, bourreau?

Pierre. Monsieur muß mir das nicht übel nehmen, ich thue das blos, um mich im Französischen zu exerciren.

Jean. Ja so. Ecoutez, Pierre.

Pierre. Monsieur.

Jean Ich kann die dänischen Gesichter für den Tod nicht ausstehen.

Pierre. Mademoiselle Isabelle hat doch ein recht schönes Gesicht.

Jean. Ja, schön ist es wol, aber es ist doch so dänisch, c'est un visage à la Danois, à la BankbohrstraßeVimmelskaft; noch jetzt eine der lebhaftesten Straßen im westlichen Theile der Hauptstadt, mit zahlreichen Kaufläden und Magazinen. A.d.Ü., pardi! Inzwischen an ihr Gesicht wollt' ich mich noch gewöhnen, wenn sie nur nicht Dänisch spräche.

Pierre. Hat Monsieur mit ihr gesprochen, seit er wieder da ist?

Jean. O vis pardi, si fait; aber, weißt Du, was sie sagte?

Pierre. Non pardi, non fait.

Jean. Sie sagte: Willkommen zu Hause, Hans. Ach, wenn ich daran denke, dreht sich mir der ganze Magen um! Wäre das nun eine französische Dame gewesen, die hätte gesagt: Je suis ravi de voir mon chère mami Jean de France.

Pierre. O vis pardi, si fait. In so etwas sind die Franzosen außerordentlich artige Leute, auch wenn sie nichts damit meinen. 109

Jean. Madame Isabelle parle comme un blanchisseuse dans Paris.

Pierre. Ovis pardi si fait.

Jean. Comme un frippière.

Pierre. Ovis pardi si fait.

Jean. Comme un femme, qui clame: renet! renet! dans les rues.

Pierre. Ovis pardi si fait.

Jean. Comme un femme, qui va avec un âne dans la rue, et clame: lait! lait!

Pierre. Ovis pardi si fait.

Jean. Auf die Art wollen wir uns im Französischen üben und wollen kein Wort dänisch mit einander sprechen.

Pierre. Ovis pardi si fait. Was wir nicht zu sagen wissen, das zeigen wir mit den Fingern oder schneiden Gesichter, da werden wir auf einmal geborene Franzosen.

Jean. Pierre!

Pierre. Monsieur!

Jean. Ich will heut Mittag bei Peche speisenPechè (nicht Peche) hieß damals ein berühmter französischer Koch in Kopenhagen. Ueber den gleich darauf erwähnten Meister Jacob (ohne Zweifel ebenfalls eine historische Persönlichkeit) ist nichts Näheres bekannt. A.d.Ü..

Pierre. Will Monsieur nicht lieber bei Meister Jacob speisen? Da kriegt man besseres Essen für billiges Geld.

Jean. Ei was, Meister Jacob, schon an dem Namen hört man ja, daß das ein schlechter Koch ist; wäre hier kein französischer Koch in der Stadt, so müßt' ich verhungern.

Pierre. Das ist gewiß. Beim Franzosen schmeckt das Essen immer, weil man nämlich so wenig kriegt; nichts reizt den Appetit mehr, als wenn man nur wenig in der Schüssel hat.

Jean. Weißt Du nicht noch einen französischen Koch hier?

Pierre. Ovis Monsieur! si fait pardi, hier ist noch einer, der heißt Cabo.

Jean. Welcher von ihnen spricht das beste Französisch?

Pierre. Sie sprechen Beide gleich; es ist ein Plaisir, sie zu hören. Denn wenn sie es recht gut machen wollen, so mischen sie spanische Wörter dazwischen, und das klingt dann wunderbar schön. Aber hier ist ein fremder Bedienter, was mag er wollen? 110

Zweite Scene.

Espen. Jean. Pierre.

Espen. Hier soll er doch wohnen, hat man mir gesagt; seh' ich ja zwei Leute, die ich fragen kann. Avec permission, kennt Ihr Niemand hier in der Straße?

Jean. Ja, ich kenne mich selbst, moi même.

Espen. Das ist viel, wenn Ihr Euch selbst kennt; nicht vier Menschen in der ganzen Stadt, glaub' ich, können das von sich sagen. Aber wohnt hier nicht in der Straße ein dänischer Monsieur, der Jean de France heißt?

Jean. Je m'appelle Jean de France, à votre très humble service.

Pierre. Das heißt ins Dänische verdolmetscht: ich heiße Hans Franzen zu Diensten. Ich muß meines Herrn Dolmetscher machen; denn wenn er auch wol Dänisch versteht, so kann er sich doch nicht besonders expliciren, er ist volle funfzehn Wochen in Paris gewesen, wo er denn in der ganzen Zeit kein Wort dänisch hat sprechen hören.

Espen. Ja, ja, funfzehn Wochen, meiner Treu, das hat schon was auf sich. Ich bin bei Madame La Fleche blos zwei Tage in Dienst gewesen, und schon jetzt, wenn ich dänisch sprechen will, kommen mir lauter französische Wörter in den Mund. Aber wenn Monsieur Jean de France heißt, so ist er ja eben der, den ich suche. Monsieur, ist Er nicht derselbe, der eben von Paris gekommen ist?

Jean. Ovis Monsieur.

Espen. Der sich funfzehn Wochen daselbst aufgehalten hat?

Espen. Der in dem Stadtviertel logirte . . . Na wie heißt es denn, nun liegt es mir auf der Zunge . . . .

Jean. Faubourg St. Germain.

Espen. Richtig, das meint' ich, und in einer Straße, die so krumm 'rumgeht?

Jean. Nein, die Straße ist ganz gerade. 111

Espen. Ja, gerade ist die Straße wol; aber wo sie zu Ende geht, da muß man sich ja doch drehen, um in eine andere zu kommen, wenigstens dächt' ich, hätte die Madame mir so gesagt, und der Name von der Straße war . . . .

Jean. La rue de Seine.

Espen. Ja richtig, das stimmt ganz genau. Monsieur soll auch einen Bedienten haben, eine gute brave Haut, mit Namen Pierre.

Pierre. A votre très humble service.

Espen. Na, so hör' ich denn ja, daß ich auf dem rechten Wege bin. Ich habe ein gehorsames Compliment zu bestellen von Madame La Fleche.

Jean. Ach, ist es möglich? Wie befindet sich die charmante Dame?

Espen. Sie hat, wie sie sagt, die Ehre gehabt, Euch in Paris zu kennen, und ist nach Dänemark hauptsächlich um Euretwillen gekommen.

Jean. Ah, la charmante Dame! In Paris hab' ich manche vergnügte Stunde mit ihr zugebracht.

Espen. Monsieur, Ihr habt das Frauenzimmer ja nie gesehen.

Jean. Taisez-vous, bougre! Weißt Du nicht, daß es à la Française ist, so zu antworten? Hätt' ich gesagt, ich kennte sie nicht, so würde man mich ja für einen dänischen Ofenhocker gehalten haben; Du wirst doch niemals Politur kriegen. – Ich muß gestehen, daß Madame La Fleche diejenige Dame ist, vor der ich den allermeisten Aestim habe. Pardi, est il possible, daß Madame La Fleche um meinetwillen nach Dänemark gekommen ist? Ich wollte ma foi nach Indien, ja, was noch mehr ist, nach Afrika wollt' ich reisen, blos um ihr die schönen Hände zu küssen. Aber wie lange ist es her, seit sie Paris verlassen?

Espen. Zwölf Tage.

Jean. Ei, est il possible? Nur zwölf Tage? Ach, könnt' ich doch den bonheur genießen, ihr die Hände zu küssen, und die Ehre, mit ihr zu sprechen. 112

Espen. Sie selbst wünscht nichts sehnlicher, es ist accurat mein Auftrag.

Jean. Ach Monsieur, gönnt mir die Freude und verschmäht nicht ein paar Ducaten, die ich Euch als Freundschaftszeichen verehre.

Espen. Meine Herrschaft, Madame La Fleche, ist eine der reichsten Damen in Frankreich, und sollt' ich daher keine Geschenke annehmen; um jedoch nicht den Schein zu haben, als ob ich es aus Hochmuth refüsirte, will ich es nehmen, verhoffe dagegen, daß auch Monsieur sich nicht weigern wird, ein kleines Präsent von meiner Madame zu nehmen, nämlich dieses Portrait, welches von Monsieur Reinkohlgehackt gemalt ist, dem größten Miniaturmaler in Frankreich. Und da es eben, bevor sie abreiste, die allerneueste Mode in Paris war, daß die Cavaliers dergleichen um den Hals tragen, um ihr Aestim für die Damen zu zeigen, die ihnen solche Präsente machen, so hoffe ich, daß Monsieur es ihr zu Ehren ebenfalls um den Hals tragen wird.

Jean Wolan, ich werde es mir sofort dans votre présence um den Hals binden. Aber dürft' ich mir die hardiesse nehmen und so impudent sein, mir die liberté zu erlauben, zu fragen, auf welche Art Madame La Fleche mit Monsieur sprechen kann, wenn Er kein Französisch versteht?

Espen. Madame La Fleche läßt sich mit der ganzen Welt ein; außer parisisch, welches ihre Mama- oder Muttersprache ist, spricht sie deutsch, italienisch, holländisch, polländisch, preußisch und auch einen großen Haufen dänisch, was sie unterwegs gelernt hat.

Jean. Das ist eine große Complaisance, daß solche vornehme Dame sich die Unbequemlichkeit macht, diese gemeine Sprache zu lernen. So spricht sie denn dänisch mit Monsieur, weil Er hier im Lande geboren ist?

Espen. Nein, Monsieur, ich bin hier nicht zu Lande geboren, das sind nur meine Feinde, die mir das nachsagen. Ich bin geboren über zehn Meilen südlich von RandersDie Hauptstadt des gleichnamigen Amtes im Stifte Aarhus in Jütland. A.d.Ü., wo wir als Glieder des heiligen römischen Reichs betrachtet werden, so daß 113 ich viel mehr romänisch als dänisch bin; will auch gehorsamst gebeten haben, daß Monsieur das allen seinen Bekannten mittheilt.

Jean Es wäre eine Sünde, wollt' ich das nicht thun; auch kann man ja hinlänglich an Monsieurs manières sehen und an seiner Sprache hören, daß er kein Däne ist. Aber wo hat man das Glück, Madame La Fleche zu treffen?

Espen. Wo es Monsieur beliebt. Uebrigens geht sie um drei Uhr hier vorbei.

Jean. Da werd' ich mich présentement einfinden, um ihr zu küssen die belles mains.

Espen. Das wird ihr lieb sein.

Jean. Je me recommande.

(Espen ab.)

Dritte Scene.

Jean. Pierre.

Jean. Pierre!

Pierre. Monsieur!

Jean. Was meinst Du zu dem Portrait?

Pierre. Wer kein Kenner von Miniaturen ist, sollte denken, es wäre ein Kopf, der aus einem gedruckten Buche geschnitten und auf ein Stück Holz geklebt wäre.

Jean. C'est pourtant fait par le Sieur Reinkohlgehackt, le plus grand Maler en Europe.

Pierre. Ja woher weiß Monsieur denn das?

Jean. Hast Du es nicht aus Monsieurs eigenem Munde gehört? Denkst Du, daß der kein Kenner ist? Ja ja, das sind ma foi keine Narren, die da im römischen Reich geboren werden. Aber da seh' ich ja diese beiden alten Spießbürger wieder kommen; ich wollt', ich wäre fort, mit denen kann man keinen honneten und galanten Diskurs führen, die sprechen von nichts als vom Wetter und von der Wirthschaft.

(Jean und Pierre gehen ein wenig auf die Seite.) 114

Vierte Scene.

Jeronimus. Franz. Die Vorigen.

Jeronimus. Ja gewiß sollte man das, Nachbar. Allein was in Thee, Kaffe und Tabak verzehrt wird, beläuft sich, glaub' ich, auf einige Tonnen Goldes im Jahr; das Geld wurde nun erstlich in alten Zeiten gespart.

Franz. Ach Herr je, dazu gehört schon was, einige Tonnen Goldes.

Jeronimus. Sagt das nicht, Nachbar, in anständigen Häusern reicht man nicht mit hundert Thalern jährlich dafür. Und das ist erst ein Posten; wollten wir nun die andern auch rechnen, so würde man leicht sehen, daß ich Recht habe. Denkt nur, neulich wollt' ich auch mal ein bischen alamodisch sein und ging in ein Kaffehaus, da mußt' ich für ein paar Tassen Kaffe ein ganzes Kopfstück geben. Aber da können sie auch warten, bis Jeronimus so bald wieder hinkommt.

Franz. Das war ein bischen theuer; indessen sieht man doch die Preise schon merklich fallen.

Jeronimus. Nun, meiner Six, nicht in den Conditoreien. Denn das hab' ich hier in Kopenhagen überhaupt gemerkt, ist der Preis einmal in die Höhe gegangen, bleibt er es auch für ewige Zeiten, und ob man die Waare auch für die Hälfte kriegen kann.

Franz. Ja, insoweit habt Ihr schon recht, Nachbar. Aber der Mensch muß doch auch etwas für den Wohlgeschmack haben, was nützt Einem das Geld, wenn man sich nicht mal eine Güte dafür thun will?

Jeronimus. Aber Wasser und gebrannte Bohnen, können die wol wirklich gut schmecken? Versucht's einmal und gebt einem Kinde bloßen Kaffe ohne Zucker, und seht zu, ob es ihn nicht wieder ausspuckt. Vielleicht sagt Ihr, daß doch Euer Sohn Hans Franzen und Andere der Art einen himmlischen Geschmack darin entdecken. Ich entgegne: Euer Sohn Hans und andere Hansnarren haben sich Anfangs ihrer Natur zum Trotz dazu 115 gezwungen, blos weil das vornehm, weil das ausländisch war, und nachher bilden sie sich aus Gewohnheit ein, es schmeckt gut.

Franz. Sieh, da kommt mein Sohn.

Jeronimus. Ja, das mag er, ich getraue mich, ihm das selbst zu sagen, unter die Augen sag' ich's ihm. Aber was Henker ist das für eine Bommelage, die er da um den Hals trägt?

Franz. Das wird wol in Frankreich so Mode sein.

Jeronimus. Mode vorn, Mode hinten, so ist der doch ein Narr, der sich anders trägt, als alle Andern im Lande.

Franz. Hör', mein Sohn, was ist das für ein Heiliger, den Du da um den Hals trägst? Die Leute müssen ja denken, Du bist katholisch im Kopf gewordenEine noch jetzt in Norddeutschland, namentlich in Pommern, Mecklenburg, Preußen &c. vielgebrauchte Redensart; statt: »das ist zum Verrücktwerden«, sagt man: »das ist zum Katholischwerden.« A.d.Ü..

Jean Pierre!

Pierre. Monsieur!

Jean. Pierre! expliquez cela pour ce vieux homme, je vas, vous me trouverez après de Monsieur Peche! (Ab.)

Fünfte Scene.

Die Vorigen ohne Jean.

Franz. Peter, weshalb ging denn mein Sohn so rasch wieder fort?

Pierre. Er hatte nur etwas zu besorgen und bat mich, ihn zu excusiren.

Franz. Aber was ist denn das für ein Ritterorden, den er um den Hals trägt?

Pierre. Das ist ein Portrait, das er aus Frankreich mitgebracht hat.

Franz. Ist denn das in Frankreich Mode, so etwas zu tragen?

Pierre. Ei versteht sich, wer das in Frankreich nicht trägt, wird für eine Canaille gehalten und darf nie zu Hofe kommen.

Franz. Aber das schien mir recht ein liederliches Stück Arbeit, ich wollte das meiner Treu weit besser machen. 116

Pierre. Monsieur sehe sich vor, was er sagt, es könnte ihm übel bekommen. Denn dies Portrait ist von Monsieur Reinkohlgehackt, dem größten Maler in der ganzen Facultät zu Paris.

Jeronimus. Ei so möcht' ich doch drauf sterben, daß das in einer alten Chronik zu finden ist, die ich zu Hause habe; ich sah ja auf dem Fleck, daß das ein aus einem Buch geschnittener Kupferstich war. Hört, Nachbar, Euer Sohn ist ein Narr, und Ihr seid nicht viel besser; ich bedanke mich für Eure Verwandtschaft, auf die Art verkaufe ich meine einzige Tochter nicht. Und Du, Schelm, wenn Du uns nicht Augenblicks sagst, wer ihn zu solchem Unsinn verführt hat, so kommst Du nicht gesund von der Stelle.

Pierre. Ich weiß wahrhaftig nicht, wo er dies Stück her hat, aber einen Eid kann ich darauf ablegen, daß ich unter dem Portrait diese Worte gesehen habe: Monsieur Reinkohlgehackt fecit.

Franz. Pfui, schämst Du Dich nicht, Peter? Wie kannst Du solche unanständige Reden führen.

Jeronimus. Holla, leiht mir mal Euren Stock, Nachbar! Wenn Dein Herr fragt, wer Dich geprügelt hat, so sage nur auch: Jeronimus fecit. (Peter weinend ab.)

Sechste Scene.

Jeronimus. Franz.

Jeronimus. Hört, Nachbar, ich hoffe, wir bleiben die alten guten Freunde, auch wenn das eingegangene Verlöbniß zwischen meiner Tochter und Eurem Sohn aufgehoben ist.

Franz. Ach, mein Herzensnachbar, Ihr habt mir ja versprochen, vierzehn Tage Geduld zu haben und zu sehen, wie mein Sohn sich aufführt. Brecht Ihr die Sache nun so rasch ab, so giebt das solch Gerede in der Stadt; um der alten Freundschaft willen, die jederzeit zwischen uns bestanden, thut das nicht, sondern habt noch Geduld so lange. 117

Jeronimus. Gut, gut, vierzehn Tage vergehen schnell. Doch bin ich überzeugt, daß er in der Zeit schlimmer werden wird, als besser.

Franz. Ich verlange nichts weiter, als daß Ihr blos die vierzehn Tage noch wartet.

Jeronimus. Gut, so lange will ich warten.

Franz. Lebt wohl, ich muß nach Hause zum Essen, meine Frau wartet auf mich.

Jeronimus. Prosit Mahlzeit! 118

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