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Japhet, der einen Vater sucht

Frederick Marryat: Japhet, der einen Vater sucht - Kapitel 73
Quellenangabe
typefiction
authorFrederick Marryat
titleJaphet, der einen Vater sucht
publisherVerlag von Carl Zieger Nachf.
year1889
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140508
projectiddfecfff8
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Zweiundsiebzigstes Kapitel

Ich werde ein wenig eifersüchtig und habe, gleich dem unsterblichen Zettel, den Ehrgeiz, mehr als eine Rolle zu spielen. Ein starker Anlauf, dann aber wird mein Gelüst nach Bigamie von Herrn Masterton und meiner eigenen Vernunft zurückgewiesen.

————

Ich kehrte in mein Quartier zurück, um über Herrn Mastertons Mitteilungen nachzudenken – und ich kann nicht eben sagen, daß ich sehr vergnügt darüber gewesen wäre. Das Bild, das er von meiner Mutter entwarf, betrübte mich tief, und nach dem, was er mir über meines Vaters Charakter gesagt, fühlte ich mich überzeugt, daß die endliche Erfüllung meines so lange genährten Wunsches mein Glück nicht erhöhen werde. Es klingt seltsam, aber kaum hatte ich meinen Vater entdeckt, so wünschte ich nichts sehnlicher, als daß er niemals aus dem Dunkel hervorgetreten wäre. Wenn ich das friedliche glückliche Leben der letzten Jahre mit den Aussichten auf mein künftiges Ergehen verglich, so mußte ich schmerzlich bedauern, daß Timothy jenen Artikel zu Gesicht bekommen hatte. Dann war ich auch noch wegen eines andern Gegenstandes in besonderer Spannung, und wagte mir kaum meine Gefühle zu zergliedern – ich begnügte mich einfach, den Namen Cäcilie De Clare auszusprechen.

Am andern Morgen schrieb ich an Timothy und Kophagus, gab ihnen einen kurzen Abriß von Herrn Mastertons Mitteilungen und schloß mit dem sehr aufrichtigen Wunsche, ich wollte, daß ich nie von ihnen abgerufen worden wäre.

Nachdem ich meine Briefe beendigt, begab ich mich nach Parkstreet, um Lady De Clare und Cäcilie zu besuchen. Es war noch ziemlich früh, aber der Bediente, der die Thür öffnete, erkannte mich und ließ mich auf seine Verantwortung ein. Mehr als achtzehn Monate waren nun verflossen, seit ich sie in Richmond verlassen hatte, und ich sah ihrem Empfange mit eigentümlichen Gefühlen entgegen. Ich folgte dem Bedienten die Treppe hinauf und trat, während er meinen Namen hineinrief, ins Zimmer.

Lady De Clare stand hastig auf; dasselbe that Cäcilie und noch eine dritte Person, die ich nicht hier erwartet hatte, nämlich – Harcourt. »Mr. Newland!« rief Lady De Clare; »das ist wahrhaftig unerwartet.« Cäcilie trat ebenfalls vor, bis an die Stirn errötend. Harcourt hielt sich zurück, als ob er die ersten Schritte von mir erwartete. Ich fand mich in einer höchst peinlichen Lage, und diese Empfindung wurde, wie es schien, von der ganzen Gesellschaft geteilt. Es fiel in die Augen, daß ich überflüssig war.

»Kennen Sie Mr. Harcourt?« begann endlich Lady De Clare.

»Wenn es derselbe Mr. Harcourt ist, den ich früher kannte«, gab ich zur Antwort.

»Glauben Sie mir, Newland, es ist derselbe«, sagte Harcourt, indem er auf mich zuging und mir die Hand bot, die ich mit Vergnügen nahm.

»Es ist lange, seit wir uns zuletzt gesehen haben«, bemerkte Cäcilie, welche die Notwendigkeit fühlte, etwas zu sagen, und doch vor Harcourt meine Angelegenheiten nicht berühren wollte.

»Das ist es, Miß De Clare«, entgegnete ich, denn ich war nicht sonderlich erfreut über diesen Empfang; »aber ich bin recht glücklich geworden, seit ich das Vergnügen hatte Sie zuletzt zu sehen.«

Cäcilie und ihre Mutter blickten mich an, als wollten sie sagen: »worin?« – aber sie mochten die Frage nicht aussprechen.

»Es ist niemand hier, der nicht wohlbekannt mit meiner Geschichte wäre«, begann ich wieder, »das heißt, bis zu der Zeit, da ich Sie und Lady De Clare verließ. Ich will kein Geheimnis daraus machen und Ihnen sagen, daß ich endlich meinen Vater gefunden habe.«

»Ich hoffe, wir dürfen Ihnen Glück wünschen, Mr. Newland«, erwiderte Lady De Clare.

»Was Familie und Stellung im Leben betrifft, so habe ich keinen Grund, mich zu schämen. Er ist der Bruder eines Grafen, und General in der Armee. Seinen Namen will ich noch nicht nennen, bis ich ihn gesehen habe und in aller Form öffentlich anerkannt bin. – Dazu kommt noch der Vorteil, daß ich mich einen einzigen Sohn und, falls ich nicht enterbt werde, den künftigen Besitzer eines beträchtlichen Vermögens nennen darf«, setzte ich mit sarkastischem Lächeln hinzu. – »Vielleicht finde ich jetzt einen besseren Empfang, als da ich noch Japhet Newland, der Findling, war – aber, Lady De Clare, ich fürchte, ich habe mich zur ungelegenen Zeit eingedrängt, und will mich nun empfehlen. Guten Morgen, –« und ohne eine Antwort abzuwarten, eilte ich zur Thüre hinaus.

Im heftigsten Unwillen war ich unten an der Treppe angekommen, als ich einen leichten Schritt hinter mir vernahm, und meinen Arm von jemanden ergriffen fühlte. Es war Cäcilie De Clare. Ich wandte mich um; sie sah mich vorwurfsvoll an, und eine Thräne stand ihr im Auge.

»Was haben wir gethan, Japhet, daß Du uns so behandelst?« sagte sie sehr bewegt.

»Miß De Clare«, erwiderte ich, »ich habe Ihnen keinen Vorwurf zu machen. Ich sah, daß meine Gegenwart unwillkommen war, und wollte nicht länger lästig sein.«

»Bist Du denn so stolz geworden, Japhet, seit Du Deine vornehme Geburt erfahren hast?«

»Ich bin viel zu stolz, Miß De Clare, um mich einzudrängen, wo ich nicht willkommen bin. Ich kam als Japhet Newland her, um die ehemalige Flita wiederzusehen. Wenn ich meinen wirklichen Namen annehme, so werde ich mich immer sehr glücklich fühlen, der Tochter der Lady De Clare vorgestellt zu werden.«

»O wie verändert!« rief sie aus, die großen blauen Augen auf mich heftend.

»Das Glück ändert uns alle, Miß De Clare. Ich wünsche Ihnen einen recht guten Morgen.« Ich wandte mich ab und ging durch die Halle der Thür zu.

Während ich hinausschritt, mußte ich mich unwillkürlich umsehen, und bemerkte, daß Cäcilie das Tuch an die Augen hielt, während sie langsam die Treppe hinanstieg. Ich kam nicht in der besten Laune nach der Piazza zurück. Ich war mißvergnügt und unwillig über diesen kühlen Empfang, glaubte mich zurückgesetzt und mit Undank belohnt. So ist die Welt, sagte ich, warf den Hut auf den Tisch und setzte mich auf das Sofa; erst zwei Saisons durchgemacht und schon nicht mehr dasselbe Mädchen. Wie reizend sie geworden ist! Aber woher die Veränderung? und warum war Harcourt da? Hat er sie vielleicht gegen mich eingenommen? Sehr möglich!

In solchen Gedanken saß ich da, stellte Vergleiche zwischen Cäcilie De Clare und Susanna Temple, nicht sehr zu Gunsten der ersteren an, sah erwartungsvoll dem Zusammentreffen mit meinem Vater entgegen, während der Zweifel über meine Aufnahme in der Gesellschaft mir Gegenwart und Zukunft düster färbte – da ging die Thüre auf und Harcourt trat herein.

»Einen Stuhl für Mr. Harcourt«, sagte ich mit Förmlichkeit zu dem Kellner.

»Newland«, begann Harcourt, »ich komme aus zwei Gründen, erstens im Auftrage der beiden Damen, um Sie zu versichern –«

»Verzeihung, Mr. Harcourt, daß ich Sie unterbreche, aber ich bedarf keines Ambassadeurs von den in Rede stehenden Damen. Dieselben mögen Sie, wenn es ihnen gefällt, zu ihrem Vertrauten machen; ich aber bin gar nicht geneigt, dasselbe zu thun. Eine Erläuterung ist nach dem, was ich diesen Morgen sehen und empfinden mußte, ganz überflüssig. Ich begebe mich aller Ansprüche auf Lady De Clare, wie auf ihre Tochter, wenn ich je so thöricht war, mir einzubilden, daß ich solche hätte. Es ist deshalb unnütz, uns bei dem ersten Grunde Ihres Besuches aufzuhalten. Darf ich fragen, welcher andere mir diese Ehre verschafft?«

»Ich weiß kaum, Mr. Newland«, erwiderte Harcourt, tief errötend, »ob ich nach dem, was Sie gesagt haben, dieses zweiten Grundes noch erwähnen soll. Er bezog sich auf mich selbst.«

»Ich bin ganz Ohr, Mr. Harcourt«, erwiderte ich mit höflicher Verbeugung.

»Ich wollte sagen, Mr. Newland, daß ich, wären Sie nicht auf eine so seltsame Weise verschwunden, die erste Gelegenheit nach meiner Genesung ergriffen haben würde, um Ihnen mein Bedauern über meine Aufführung auszudrücken und zu bekennen, daß ich eine verdiente Strafe erlitten habe, mehr vielleicht durch meine Gewissensbisse, als durch die gefährliche Wunde, die ich von Ihrer Hand empfing. Ich ergreife selbst diese Gelegenheit, obgleich sie nicht eben die günstigste erscheint, um Ihnen auszudrücken, was ich für meine Pflicht halte, und was ein Gentleman gegen einen andern, den er beleidigt hat, aussprechen soll. Freilich hätte ich gern noch mehr hinzugefügt, allein es ist so wenig Aussicht auf einen wünschenswerten Eindruck vorhanden, daß ich es lieber auf eine künftige Gelegenheit verschiebe. Vielleicht kommt eine Zeit, – und ich zähle darauf – wo es mir vergönnt ist, Ihnen zu beweisen, daß ich diesen kalten Empfang nicht verdient habe. Mr. Newland', mit den aufrichtigsten Wünschen für Ihr Wohlergehen will ich mich nun verabschieden, muß aber sagen, daß es mit schmerzlichen Empfindungen geschieht, da ich fühle, daß das Ergebnis dieser Unterredung große Betrübnis in einem Hause verursachen wird, das nicht nur durch Dankbarkeit, sondern auch durch wahre Achtung Ihnen verbunden ist.«

Er verbeugte sich und ging. Das klingt ja ganz vortrefflich, murmelte ich; aber ich kenne die Welt und lasse mich nicht durch ein paar schöne Worte begütigen. Ich hoffe, ihr Betragen wird sie reuen, aber mich sollen sie nicht wiedersehen. Ich setzte mich und versuchte, mich zu überreden, daß ich mit mir zufrieden sei, aber ich war es nicht; ich fühlte, daß ich, aufs gelindeste gesagt, herb gehandelt hatte. Ich hätte doch die Erklärung, die mir Cäcilie und ihre Mutter sandten, anhören sollen, nachdem jene noch die Treppe herunter gekommen war, um sich bei mir zu rechtfertigen. Sie hatten mir gegenüber große Verpflichtungen, die ich durch den raschen Ausbruch meiner Empfindlichkeit noch lästiger gemacht hatte. Es war unfreundlich von mir – ich wünschte, Harcourt hätte das Zimmer nicht verlassen. Was diesen betraf, so versuchte ich Fehler in seinem Benehmen zu finden, vermochte es aber nicht; er hatte eines Gentlemans und eines zartfühlenden Menschen würdig gehandelt. Die Sache verhielt sich eigentlich so: ich befand mich in sehr schlechter Laune und konnte keinen Grund dafür entdecken. Dieser aber war kein anderer, als daß es meine Eifersucht erregte, Harcourt in so vertrauten Verhältnissen bei Lady De Clare zu finden, ein Umstand, der mich weit mehr aufgebracht hatte, als jener unangenehme Empfang. Der Kellner trat ein und brachte mir ein Schreiben von Herrn Masterton:

»Ich bin diesen Morgen zu Ihrem Vater gerufen worden, welcher vor zwei Tagen zurückgekehrt und im Adelphi-Hotel abgestiegen ist. Zu meinem Bedauern muß ich Sie benachrichtigen, daß er auf seiner Reise, beim Aussteigen aus dem Wagen, den Fuß übertreten und sich eine Sehne verletzt hat. Er liegt auf einem Ruhebette. Sie können sich denken, daß seine Liebenswürdigkeit durch diesen Unfall und die Schmerzen, die er ihm verursacht, keineswegs gewonnen hat. Da er darauf dringt, die Beweise für Ihre Identität unverweilt zu erhalten, und da hierzu Freund Kophagus notwendig ist, so schlage ich vor, daß wir morgen um neun Uhr nach Reading aufbrechen. Ich bin neugierig, dorthin zu gehen, und da ich eben ein paar freie Tage habe, so wird mir die Reise eine Erholung sein. Auch wünsche ich, meinen alten Freund Tim und Ihre Apotheke zu sehen. Antworten Sie durch den Überbringer.

I. Masterton.«

Ich schrieb einige Zeilen, um Herrn Masterton zu benachrichtigen, daß ich zu der genannten Stunde bei ihm sein würde, und setzte mich dann zu meiner einsamen Mahlzeit nieder. Wie ganz anders war jetzt meine Lage, als damals, da ich dieses Hotel bewohnte! Jetzt kannte ich keine Seele. Ich mußte mir in der Gesellschaft wieder Boden gewinnen, was nur dadurch erreicht werden konnte, daß ich von meinem Vater anerkannt wurde. Sobald das geschehen wäre, wollte ich Lord Windermear besuchen, durch den ich die schnellste Rehabilitation erwarten durfte. Am andern Morgen war ich um neun Uhr reisefertig und fuhr mit meinem Rechtsfreunde in seinem eigenen Wagen und mit Postpferden ab. Ich erzählte ihm, was gestern vorgefallen war, und gestand ihm meinen Unmut über den Empfang bei Lady De Clare.

»Auf mein Wort, Japhet, ich glaube, Sie haben unrecht«, sagte der alte Herr, »und hätten Sie mir nicht von Ihrer Liebe zu Miß Temple erzählt – die mich eigentlich, nebenbei gesagt, hauptsächlich auf die Reise gelockt hat – so möchte ich fast vermuten, Sie ließen sich durch Eifersucht bethören. Wird es Ihnen nicht klar, daß, wenn Harcourt die Damen zu einer so frühen Stunde besuchen darf, ihm dort ein entschiedener Vorzug eingeräumt wird? Auch erinnere ich mich jetzt, etwas von der Sache gehört zu haben. Der Tod seines ältern Bruders hat ihn zum Erben gemacht, und ich hörte jemanden sagen, er werde höchst wahrscheinlich das schönste Mädchen in London, mit einem großen Vermögen erobern; es war schon von einer Heirat die Rede. Wenn nun das der Fall ist, und Sie ein ruhiges Zusammensein zweier junger Verlobten, beinahe unangekündigt, höchst unerwartet und nach einer so langen Abwesenheit, unterbrachen, so dürfen Sie sich nicht wundern, wenn man Sie etwas verwirrt und gezwungen empfing, – am allerwenigsten, wenn Sie sich erinnern, was zwischen Ihnen und Harcourt vorgefallen ist. Verlassen Sie sich darauf, daß das die Ursache war. Wären Lady De Clare und ihre Tochter allein gewesen, so würde der Empfang ganz anders ausgefallen sein; auch beweist Cäciliens Betragen, welche Ihnen die Treppe hinab folgte, daß keine Kälte gegen Sie zu Grunde lag. Endlich ist Harcourts Besuch und die Unterredung, die dabei stattfand, ein weiterer Beweis, daß Sie im Irrtum gewesen sind.«

»Von dieser Seite habe ich die Sache noch nicht angesehen, Sir«, erwiderte ich; »ich bemerkte bloß, daß ich ungelegen kam, und da ich jemanden in der Gesellschaft fand, der mich einst beleidigt und sich mit mir geschlagen hatte, so nahm ich es für ganz natürlich an, daß er die Damen gegen mich eingenommen haben müsse. Ich hoffe, daß ich im Irrtum war, aber ich habe, so jung ich bin, die Welt von so vielen Seiten kennen gelernt, daß ich sehr argwöhnisch geworden bin.«

»Dann verbannen Sie den Argwohn, so schnell Sie können, er wird Sie nur unglücklich machen, ohne Sie vor Täuschungen zu bewahren. Wenn Sie argwöhnisch sind, so schweben Sie beständig in der Furcht, betrogen zu werden, und Ihr ganzes Dasein ist vergiftet.«

Nach diesen Reden blieb ich einige Zeit still. Ich zergliederte meine Empfindungen und überzeugte mich, daß ich mich sehr abgeschmackt betragen hatte.

Von jeher war es eines meiner Luftschlösser gewesen, daß ich Flita heiraten müsse, sobald ich meinen Vater gefunden haben würde, und die Vereitelung dieses Gedankens hatte, fast ohne daß ich es wußte, den Grund meines Benehmens abgegeben. Ich fühlte eine Eifersucht gegen Harcourt, und zwar ohne in Miß De Clare verliebt zu sein, ja, neben der leidenschaftlichen Neigung zu einer andern. Es war mir, als wenn ich sie ohne Liebe hätte heiraten, als ob ich die geliebte Susanna hätte ausgeben können, ehe ich gestattete, daß ein Wesen, das ich als mein Geschöpf betrachtete, sich herausnehmen sollte, eine Neigung zu empfinden, oder daß ein anderer es wagen dürfte, sie zu lieben, bevor ich mit mir einig war, ob ich nicht selbst sie nehmen sollte – alles das nach so langer Abwesenheit, und nachdem sie jede Hoffnung, mich wieder zu sehen, hatte sinken lassen. Man mag über meine Selbstsucht lächeln; wenigstens that ich es, als ich die Sache erwogen hatte, und verachtete mich wegen meiner Thorheit und Eitelkeit.

»Was brüten Sie, Japhet?« sagte Herr Masterton, den meine Zerstreuung langweilte; »welches sind Ihre Gedanken?«

»Daß ich den köstlichsten Narren bei den De Clares gespielt habe, Sir.«

»Ich mochte es nicht sagen, Japhet, aber die Wahrheit zu gestehen, ich habe etwas ganz Ähnliches gedacht. Heraus mit der Sprache: waren Sie nicht eifersüchtig, daß Sie Harcourt bei Ihrer Flita fanden?«

»Das ist es, Sir.«

»Wenn ich Susanna Temple sehe«, erwiderte Herr Masterton lächelnd, »so will ich's ihr verraten, damit sie einen Begriff von Ihrer Treue bekommt. Was sind Sie denn für ein tolles Roß an der Krippe? Sie können doch nicht beide heiraten. Freilich vermag ich mir unter diesen Umständen das Gefühl zu erklären – es ist natürlich; aber nicht alles, Was natürlich ist, gereicht der menschlichen Natur zum Ruhme. Lassen Sie uns ein wenig von Susanna plaudern, dann werden alle diese Grillen schwinden. Wie alt ist sie?«

Herr Masterton setzte mir so eifrig mit Fragen über Susanna zu, daß in kurzem ihr Bild allein noch meine Seele füllte und mir meine Heiterkeit wiedergab. »Ich weiß nicht, Sir«, bemerkte ich endlich, »was sie zu meiner Kleidung sagen wird. Sollte ich mich nicht anders anziehen, wenn wir nach Reading kommen?«

»Beileibe nicht! ich will Ihren Kampf ausfechten – ich kenne sie aus Ihren Herzensergießungen durch und durch.«

*

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