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Japhet, der einen Vater sucht

Frederick Marryat: Japhet, der einen Vater sucht - Kapitel 24
Quellenangabe
typefiction
authorFrederick Marryat
titleJaphet, der einen Vater sucht
publisherVerlag von Carl Zieger Nachf.
year1889
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140508
projectiddfecfff8
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Dreiundzwanzigstes Kapitel

Der Major verhindert den Wirt, mich zu betrügen, ohne daß ich etwas durch seine Dazwischenkunft gewinne. Aus Gründen der Sparsamkeit willige ich ein, bei ihm zu leben und ihn von mir leben zu lassen.

————

Ich kehrte ins Hotel zurück, da ich mich infolge so großer Gemütsbewegungen nach Ruhe und Timothys teilnehmender Freundschaft sehnte. Sobald ich ankam, erzählte ich ihm alles, was vorgegangen war.

»Nun ja!« rief er: »die Affaire hat ein hübsches Aussehen gewonnen; ich fürchte sehr, daß wir's ohne diese Tausend keine vierzehn Tage länger getrieben hätten. Die Zeche ist sündhaft groß, und der Wirt wünscht sicherlich, sein blankes Geld zu sehen.«

»Wie viel glaubst Du, daß wir zahlen müssen? Es ist hohe Zeit, Timothy, unsere Rechnungen ins Reine zu bringen und Pläne für die Zukunft zu entwerfen. Juwelier und Schneider habe ich bezahlt, denn der Major sagt, man müsse die ersten Rechnungen immer so früh, und die folgenden so spät als möglich bezahlen. In Wahrheit, ich habe fast keine Schulden, als die Rechnung hier, die ich noch diesen Abend verlangen will.«

Bei diesen Worten unterbrach uns der Wirt, der eben hereintrat. »Ah, Mr. Wallace, Sie kommen wie gerufen; machen Sie mir die Rechnung, wenn's beliebt.«

»Es hat nicht die mindeste Eile, Sir«, war die Antwort; »wenn Sie es aber wünschen, – die Posten sind aufgeschrieben bis zu dem gestrigen Datum.« – Damit verließ er das Zimmer.

»Ihr habt recht miteinander übereingestimmt,« sagte Timothy lachend; »er hielt die Rechnung in der Hand und verbarg sie, sobald Du sie verlangtest.«

Nach zehn Minuten erschien er wieder, präsentirte sie auf einem Teller, machte seine Verbeugung und zog ab. Ich sah die Posten durch; sie betrugen hundert und vier Pfund, eine ganz artige Rechnung für drei Wochen, worüber Tim die Achseln gewaltig zuckte.

»Ich finde keinen Punkt, über den ich mich beklagen könnte«, bemerkte ich, als ich zu Ende war; »aber das sehe ich, daß ich nicht hier leben und den Major offne Tafel für mich halten lassen kann. Laß sehen, wie viel uns übrig bleibt.«

Tim brachte das Toilettenkästchen, das unsere Kasse enthielt. Wir fanden, daß nach Bezahlung der Kellner und einiger kleinen, noch unberichtigen Noten unser ganzes Vermögen sich auf fünfzig Shillinge belief.

»Barmherziger Himmel!« rief Timothy; »das heißt Hilfe in der Not! Ohne diesen neuen Zuschuß würde es uns schlecht ergangen sein!«

»Sehr übel, Tim; aber das Geld ist bei alledem gut angewendet. Ich habe jetzt Zutritt in die höchsten Cirkel. Ich kann ohne Major Carbonnell auskommen. Jedenfalls werde ich dieses Hotel verlassen, ein Quartier mieten und in den Klubs speisen. Ich weiß, wie ich ihn abschütteln muß.«

Ich legte das Geld auf den Teller und hieß Timothy dem Wirte klingeln, als, recht wie der Wolf in der Fabel, der Major mit Harcourt erschien.

»Was wollen Sie mit diesem Gelde anfangen, Newland?« sagte der Major.

»Meine Rechnung bezahlen.«

»Ihre Rechnung, wahrhaftig? Laß sehen: hundert und vier Pfund! Nein, das ist barer Betrug, das dürfen Sie nicht bezahlen.« In diesem Augenblicke trat der Wirt herein. »Mr. Wallace«, sagte der Major: »mein Freund, Mr. Newland war, wie Sie sehen, soeben im Begriff, Ihnen Ihre ganze Forderung zu bezahlen, aber erlauben Sie mir zu bemerken, daß das für einen so guten Freund von mir, dem ich noch überdies die Piazza besonders empfohlen habe, eine ganz exorbitante Rechnung ist. Wahrhaftig, wenn Sie nicht billiger sind, so werde ich Mr. Newland raten, morgen das Haus zu verlassen.«

»Sie müssen wissen, Major«, sagte ich, »daß ich die Rechnung verlangt habe, weil ich morgen für einige Tage auf das Land gehen will.«

»Dann, Mr. Wallace, werde ich meinem Freunde zureden, bei seiner Zurückkunft nicht mehr hier abzusteigen; denn nach den vielen Mahlzeiten, die wir in diesem Hause hatten, und woran ich meinen Anteil nahm, komm' ich mir selbst, so zu sagen, als particeps criminis, als Genosse der Erpressung vor. Ja, ja, Mr. Wallace, hier muß eine Ermäßigung eintreten, oder Sie werden dem Kredit Ihres Hauses gewaltig schaden.«

Mr. Wallace erwiderte, er habe die Posten ganz wie gewöhnlich angerechnet; übrigens wolle er sie noch einmal überlesen, und sehen, was sich thun lasse.

»Mein lieber Newland, ich habe Ihre Mahlzeiten angeordnet, nun erlauben Sie mir auch, Ihre Rechnung zu bereinigen. Was meinen Sie, Mr. Wallace, wir streichen ein Dritteil?«

»Ein Dritteil, Major Carbonnell! Das wäre reiner Verlust!«

»Ich bin nicht ganz Ihrer Meinung, aber wir wollen sehen – nun haben Sie die Wahl: entweder Sie streichen zwanzig Pfund, oder Sie verlieren meine Protektion und alle meine Freunde. Ja oder Nein?«

Der Wirt willigte nach einigen Widerreden ein, quittierte die Rechnung, ließ zwanzig Pfund auf dem Präsentierteller, machte seine Verbeugung und ging.

»Ein Glück, bester Newland, daß ich gerade dazukommen mußte; da sind nun zwanzig Pfund gerettet. Apropos, ich bin etwas abgebrannt. Sie werden nichts dagegen haben, mir diese zwanzig zu lassen. Ich zahle Sie niemals, das wissen Sie.«

»Ich weiß, daß Sie mich nie bezahlen werden, Major; da übrigens ohne Ihre Dazwischenkunft der Wirt das Geld erhalten hätte, so will ich es Ihnen leihen.«

»Sie sind ein guter Junge, Newland«, sagte der Major, das Geld einsteckend. »Hätten Sie ans Zurückzahlen gedacht, so würden Sie keinen Dank von mir bekommen haben; so aber, da Sie mir's mit offenen Augen leihen, ist es nichts anderes, als eine höchst zarte Weise, mich zu verpflichten, und ich gebe Ihnen mein aufrichtiges Wort, daß ich das nicht vergessen werde. Sie wollen also wirklich morgen fort?«

»Ja«, erwiderte ich, »ich muß gehen, denn ich finde, daß ich keine großen Sprünge machen kann, bis ich in den Besitz meines Vermögens gelange.«

»Ich verstehe, mein Guter. Diese Testamentsvollstrecker sind wahre Teufel, sie haben kein Gefühl. Aber thut nichts, es giebt noch Mittel und Wege, ihnen den Wind abzugewinnen. Ich speise bei Harcourt, und wir kommen, Sie einzuladen.«

»Mit Vergnügen.«

»Ich erwarte Sie um sieben Uhr, Newland«, sagte Harcourt, indem er das Zimmer mit dem Major verließ.

»Aber, ich bitte Dich«, rief Timothy, »wie konntest Du diesen Herrn mit Deinem Gelde fortgehen lassen? Ich rieb mir schon die Hände bei dem Gedanken, daß wir um zwanzig Pfund reicher seien, und siehe da, weg war's, wie Rauch.«

»Und wird nicht mehr zurückkehren, Tim; aber laß Dich's nicht bekümmern: es ist wichtig, ihn zum Freunde zu haben, und seine Freundschaft läßt sich nur auf diese Weise erkaufen. Ich werde Valuta dafür empfangen. Und nun, Tim, packen wir zusammen, denn ich will morgen dieses Haus verlassen. Ich gehe nach *** und besuche unsere kleine Flita.«

Ich speiste bei Harcourt. Der Major war etwas neugierig, zu erfahren, was Lord Windermear so aus der Fassung gebracht, und was sich zwischen uns ereignet habe. Ich sagte ihm, Seine Herrlichkeit sei über Geldgeschichten verdrießlich gewesen, nun stehe aber alles wieder gut, nur müsse ich in Zukunft ein wenig sparsamer sein. »In der That, Major, ich denke, ich will eine Wohnung mieten. Ich werde dabei bequemer leben und eher meine Freunde empfangen können.«

Harcourt stimmte mir bei, und der Major sagte: »Hören Sie, Newland, ich habe ein Quartier zu Ihrer Verfügung. Was sagen Sie dazu, wenn wir zusammen wohnten und lebten?«

»Ich fürchte, ich würde nichts dabei ersparen«, erwiderte ich lachend, »denn Sie bezahlten Ihren Anteil an den Rechnungen nicht.«

»Nein, auf meine Ehre, das thu' ich nicht und will Sie hiermit ehrlich gewarnt haben; da ich aber immer bei Ihnen speise, wenn ich nicht anderswo eingeladen bin, so ist es doch eine Reduktion für Sie, denn Sie werden Ihre Hausmiete sparen, Newland. Sie wissen, das Haus gehört mir, und ich vermiete einen Teil davon; also in Betreff dieser Rechnung wenigstens können Sie sicher sein.«

»Machen Sie den Handel so gut Sie können, Newland«, sagte Harcourt, »nehmen Sie sein Anerbieten an. Verlassen Sie sich darauf, es ist am Ende doch eine Ersparnis.«

»Das verdient wirklich Überlegung«, erwiderte ich, »und des Majors Gesellschaft ist ein wohl zu beachtendes Gewicht in der Wagschale. Nun ja, wenn Carbonnell versprechen will, ein wenig ökonomischer zu sein –«

»Das will ich, mein Junge! Ich will Ihren Hausmeister machen und Ihr Geld zu Rate halten, so lange ich kann, um meinetwillen so gut, als um Ihretwillen. Ist der Handel geschlossen? Auch habe ich Platz genug für Ihren Bedienten; kann er mir ein wenig an die Hand gehen, so will ich den meinigen entlassen.«

Ich ließ mir die Einrichtung gefallen.

*

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