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Jahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1

William Makepeace Thackeray: Jahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1 - Kapitel 31
Quellenangabe
pfad/thackara/2jahrma1/2jahrma1.xml
typefiction
authorWilliam Makepeace Thackeray
titleJahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1
publisherprojekt.gutenberg.de
editorHella Reuters
year2012
firstpub2012
translatorChristoph Friedrich Grieb
senderreuters@abc.de
created20120915
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29. Kapitel / Chapter 29

Brüssel / Brussels

Mr. Joseph hatte für seinen offenen Wagen ein paar Pferde gemietet. Mit diesen Tieren und seinem eleganten Londoner Wagen gab er bei den Spazierfahrten in Brüssel gar keine schlechte Figur ab. George kaufte sich ein Pferd zu eigenem Gebrauch und begleitete mit Hauptmann Dobbin oft den Wagen, in dem Joseph und seine Schwester täglich Ausflüge machten. Sie fuhren wie gewöhnlich auch an diesem Tag zu ihrer Zerstreuung im Park spazieren, und dort erwies es sich, daß Georges Bemerkung über die Ankunft Rawdon Crawleys und seiner Frau stimmte. Inmitten eines kleinen Reitertrupps, einigen der bedeutendsten Personen in Brüssel, war Rebekka zu sehen. Sie trug ein sehr hübsches, eng anliegendes Reitkostüm und saß auf einem prachtvollen kleinen Araber, den sie vortrefflich ritt (sie hatte in Queen's Crawley vom Baronet, Mr. Pitt und Rawdon selbst das Reiten gelernt). Neben ihr der tapfere General Tufto.

 

Mr. Jos had hired a pair of horses for his open carriage, with which cattle, and the smart London vehicle, he made a very tolerable figure in the drives about Brussels. George purchased a horse for his private riding, and he and Captain Dobbin would often accompany the carriage in which Jos and his sister took daily excursions of pleasure. They went out that day in the park for their accustomed diversion, and there, sure enough, George’s remark with regard to the arrival of Rawdon Crawley and his wife proved to be correct. In the midst of a little troop of horsemen, consisting of some of the very greatest persons in Brussels, Rebecca was seen in the prettiest and tightest of riding-habits, mounted on a beautiful little Arab, which she rode to perfection (having acquired the art at Queen’s Crawley, where the Baronet, Mr. Pitt, and Rawdon himself had given her many lessons), and by the side of the gallant General Tufto.

»Ha, da ist ja der Herzog selbst«, rief die Majorin O'Dowd Joseph zu, der heftig errötete, »und dort, auf dem Braunen, das ist Lord Uxbridge. Wie elegant er aussieht! Mein Bruder Mallay Malony gleicht ihm wie eine Erbse der anderen.«

 

“Sure it’s the Juke himself,” cried Mrs. Major O’Dowd to Jos, who began to blush violently; “and that’s Lord Uxbridge on the bay. How elegant he looks! Me brother, Molloy Malony, is as like him as two pays.”

Rebekka ritt nicht auf den Wagen zu. Als sie aber ihre alte Freundin Amelia darin sitzen sah, grüßte sie mit einem gnädigen Wort und Lächeln und warf spielerisch eine Kußhand in Richtung des Wagens. Sodann setzte sie ihre Unterhaltung mit General Tufto fort und antwortete auf die Frage, wer denn der dicke Offizier mit der goldbebänderten Mütze sei, es sei ein Offizier in Diensten der Ostindischen Kompanie. Rawdon Crawley jedoch kam herbeigeritten, drückte Amelia herzlich die Hand, fragte Joe: »Nun, alter Knabe, wie geht's?« und starrte Mrs. O'Dowd ins Gesicht und auf die schwarzen Hahnenfedern, bis die Majorin zu glauben anfing, sie habe an ihm eine Eroberung gemacht.

 

Rebecca did not make for the carriage; but as soon as she perceived her old acquaintance Amelia seated in it, acknowledged her presence by a gracious nod and smile, and by kissing and shaking her fingers playfully in the direction of the vehicle. Then she resumed her conversation with General Tufto, who asked “who the fat officer was in the gold-laced cap?” on which Becky replied, “that he was an officer in the East Indian service.” But Rawdon Crawley rode out of the ranks of his company, and came up and shook hands heartily with Amelia, and said to Jos, “Well, old boy, how are you?” and stared in Mrs. O’Dowd’s face and at the black cock’s feathers until she began to think she had made a conquest of him.

George, der ein wenig zurückgeblieben war, kam sofort mit Dobbin herbeigeritten, und sie grüßten, die Hand an der Mütze, die erlauchten Persönlichkeiten, unter denen Osborne sogleich Mrs. Crawley bemerkte. Er freute sich, zu sehen, wie Rawdon sich vertraulich über seinen Wagen lehnte und mit Amelia sprach, und begegnete dem herzlichen Gruß des Adjutanten mit mehr als angemessener Wärme. Das Kopfnicken zwischen Rawdon und Dobbin gehörte zu den schwächsten Beweisstücken der Höflichkeit.

 

George, who had been delayed behind, rode up almost immediately with Dobbin, and they touched their caps to the august personages, among whom Osborne at once perceived Mrs. Crawley. He was delighted to see Rawdon leaning over his carriage familiarly and talking to Amelia, and met the aide-de-camp’s cordial greeting with more than corresponding warmth. The nods between Rawdon and Dobbin were of the very faintest specimens of politeness.

Crawley erzählte George, daß sie mit General Tufto im Hotel du Parc wohnten, und George ließ sich von seinem Freunde versprechen, die Osbornes recht bald zu besuchen. »Schade, daß ich Sie nicht schon vor drei Tagen sah«, sagte George. »Hatten ein Diner im Restaurant – ganz hübsch. Lord Bareacres und die Gräfin sowie Lady Blanche waren so gütig, mit uns zu speisen – wollte, Sie wären auch dabeigewesen.« Nachdem Osborne so seinem Freund beigebracht hatte, daß er als Mann von Welt angesehen werden wollte, trennte er sich von Rawdon, der der davongaloppierenden vornehmen Gesellschaft in eine Allee hinein folgte, während George und Dobbin wieder ihre Plätze neben dem Wagen Amelias einnahmen.

 

Crawley told George where they were stopping with General Tufto at the Hotel du Parc, and George made his friend promise to come speedily to Osborne’s own residence. “Sorry I hadn’t seen you three days ago,” George said. “Had a dinner at the Restaurateur’s — rather a nice thing. Lord Bareacres, and the Countess, and Lady Blanche, were good enough to dine with us — wish we’d had you.” Having thus let his friend know his claims to be a man of fashion, Osborne parted from Rawdon, who followed the august squadron down an alley into which they cantered, while George and Dobbin resumed their places, one on each side of Amelia’s carriage.

»Wie gut der Herzog aussah«, bemerkte Mrs. O'Dowd. »Die Wellesleys und Malonys sind doch miteinander verwandt; natürlich würde ich armes Wesen nicht im Traume daran denken, mich vorzustellen, wenn nicht Seine Gnaden es für angemessen hielte, sich unserer Familienbande zu erinnern.«

 

“How well the Juke looked,” Mrs. O’Dowd remarked. “The Wellesleys and Malonys are related; but, of course, poor I would never dream of introjuicing myself unless his Grace thought proper to remember our family-tie.”

»Er ist ein großer Soldat«, sagte Joe, der sich jetzt weit behaglicher fühlte, nachdem der bedeutende Herr fort war. »Gab es je eine Schlacht wie die bei Salamanca? Was meinen Sie, Dobbin? Aber wo hat er seine Kunst gelernt? In Indien, mein Junge! Der Dschungel ist die rechte Schule für einen General, merken Sie sich das. Ich habe ihn auch persönlich kennengelernt, Mrs. O'Dowd. Wir beide tanzten in Dumdum am selben Abend mit Miss Cutler, der Tochter Cutlers von der Artillerie, ein verteufelt hübsches Mädchen.«

 

“He’s a great soldier,” Jos said, much more at ease now the great man was gone. “Was there ever a battle won like Salamanca? Hey, Dobbin? But where was it he learnt his art? In India, my boy! The jungle’s the school for a general, mark me that. I knew him myself, too, Mrs. O’Dowd: we both of us danced the same evening with Miss Cutler, daughter of Cutler of the Artillery, and a devilish fine girl, at Dumdum.”

Die Erscheinung der hohen Herrschaften bot ihnen während der Spazierfahrt, beim Essen und bis zur Stunde, wo sie alle miteinander in die Oper gehen wollten, genug Unterhaltungsstoff.

 

The apparition of the great personages held them all in talk during the drive; and at dinner; and until the hour came when they were all to go to the Opera.

Es war beinahe wie im alten England. Das Haus war voll von bekannten englischen Gesichtern und den Toiletten, die die Britin schon seit langer Zeit berühmt gemacht hatte. Mrs. O'Dowds gehörte zu den prächtigsten, sie trug auf der Stirn eine Locke und einen Schmuck von irischen Diamanten und Rauchtopasen, der nach ihrer Meinung alles im Hause überstrahlte. Ihre Gegenwart war qualvoll für Osborne. Aber sie hatte nun einmal beschlossen, um jeden Preis alle Vergnügungen mitzumachen, wenn sie hörte, daß ihre Freunde teilnahmen. Es kam ihr nie anders in den Sinn, als daß sie von ihrer Gesellschaft bezaubert sein müßten.

 

It was almost like Old England. The house was filled with familiar British faces, and those toilettes for which the British female has long been celebrated. Mrs. O’Dowd’s was not the least splendid amongst these, and she had a curl on her forehead, and a set of Irish diamonds and Cairngorms, which outshone all the decorations in the house, in her notion. Her presence used to excruciate Osborne; but go she would upon all parties of pleasure on which she heard her young friends were bent. It never entered into her thought but that they must be charmed with her company.

»Sie ist dir nützlich gewesen, meine Liebe«, sagte George zu seiner Frau, die er in ihrer Gesellschaft mit weniger Bedenken allein lassen konnte. »Wie gut ist es aber, daß Rebekka gekommen ist. Sie wird dir eine Freundin sein, und wir können nun diese verdammte Irin loswerden.« Amelia antwortete hierauf weder mit Ja noch mit Nein, und wie können wir wissen, was sie dachte?

 

“She’s been useful to you, my dear,” George said to his wife, whom he could leave alone with less scruple when she had this society. “But what a comfort it is that Rebecca’s come: you will have her for a friend, and we may get rid now of this damn’d Irishwoman.” To this Amelia did not answer, yes or no: and how do we know what her thoughts were?

Der coup d' œil des Brüsseler Opernhauses war für Mrs. O'Dowd lange nicht so schön wie der des Theaters in der Fishamble Street in Dublin. Auch die französische Musik kam ihrer Meinung nach den Melodien ihres Heimatlandes bei weitem nicht gleich. Mit diesen und anderen sehr laut ausgesprochenen Bemerkungen erfreute sie ihre Freunde, wobei sie mit vornehmer Selbstgefälligkeit einen großen klappernden Fächer hin und her schwenkte.

 

The coup d’oeil of the Brussels opera-house did not strike Mrs. O’Dowd as being so fine as the theatre in Fishamble Street, Dublin, nor was French music at all equal, in her opinion, to the melodies of her native country. She favoured her friends with these and other opinions in a very loud tone of voice, and tossed about a great clattering fan she sported, with the most splendid complacency.

»Wer ist die wundervolle Frau dort bei Amelia, liebster Rawdon?« fragte in einer gegenüberliegenden Loge eine Dame (die, schon zu Hause fast immer höflich gegenüber ihrem Mann, in der Öffentlichkeit liebevoller denn je zu ihm war).

 

“Who is that wonderful woman with Amelia, Rawdon, love?” said a lady in an opposite box (who, almost always civil to her husband in private, was more fond than ever of him in company).

»Siehst du nicht dieses Wesen dort, mit dem gelben Ding auf dem Turban und einem roten Atlaskleid und einer großen Uhr?«

 

“Don’t you see that creature with a yellow thing in her turban, and a red satin gown, and a great watch?”

»Neben der hübschen kleinen Frau in Weiß?« fragte ein Mann mittleren Alters, der neben der Fragerin saß. Er trug Orden im Knopfloch und verschiedene Unterwesten und eine große, weiße Halsbinde, die ihn fast erwürgte.

 

“Near the pretty little woman in white?” asked a middle-aged gentleman seated by the querist’s side, with orders in his button, and several under-waistcoats, and a great, choky, white stock.

»Die hübsche Frau in Weiß ist Amelia, General. Sie bemerken doch gleich alle hübschen Frauen, Sie ungezogener Mann!«

 

“That pretty woman in white is Amelia, General: you are remarking all the pretty women, you naughty man.”

»Bei Gott, nur eine in der Welt!« sagte der General ganz entzückt, und die Dame versetzte ihm einen sanften Schlag mit dem großen Bukett, das sie in der Hand hielt.

 

“Only one, begad, in the world!” said the General, delighted, and the lady gave him a tap with a large bouquet which she had.

»Bei Gott, er ist es«, sagte Mrs. O'Dowd, »und es ist dasselbe Bukett, das er auf dem Blumenmarkt gekauft hat!« Als Rebekka dem Blick ihrer Freundin begegnet war und noch einmal die kleine Handkußszene spielte, bezog die Majorin O'Dowd das Kompliment auf sich selbst und erwiderte den Gruß mit einem graziösen Lächeln, was den unglücklichen Dobbin wieder prustend aus der Loge trieb.

 

“Bedad it’s him,” said Mrs. O’Dowd; “and that’s the very bokay he bought in the Marshy aux Flures!” and when Rebecca, having caught her friend’s eye, performed the little hand-kissing operation once more, Mrs. Major O’D., taking the compliment to herself, returned the salute with a gracious smile, which sent that unfortunate Dobbin shrieking out of the box again.

Nach dem ersten Akt war George sofort aus der Loge verschwunden, um Rebekka seine Aufwartung zu machen. Im Foyer traf er Crawley, und sie wechselten einige Worte über die Vorfälle der letzten vierzehn Tage.

 

At the end of the act, George was out of the box in a moment, and he was even going to pay his respects to Rebecca in her loge. He met Crawley in the lobby, however, where they exchanged a few sentences upon the occurrences of the last fortnight.

»War der Scheck auf meinen Agenten in Ordnung?« fragte George mit schlauer Miene.

 

“You found my cheque all right at the agent’s? George said, with a knowing air.

»Jawohl, mein Junge«, antwortete Rawdon. »Soll mir ein Vergnügen sein, Ihnen Revanche zu geben. Der Alte herumgebracht?«

 

“All right, my boy,” Rawdon answered. “Happy to give you your revenge. Governor come round?”

»Noch nicht«, sagte George, »wird aber bald sein. Und wissen Sie, ich habe etwas Vermögen von meiner Mutter. Ist Tantchen weich geworden?«

 

“Not yet,” said George, “but he will; and you know I’ve some private fortune through my mother. Has Aunty relented?”

»Hat mir zwanzig Pfund geschickt, der verdammte alte Geizkragen. Wann treffen wir uns wieder einmal? Dienstag speist der General auswärts. Können Sie nicht Dienstag kommen? Und dann noch, veranlassen Sie doch Sedley bloß, sich den Schnurrbart abzurasieren. Was, zum Henker, braucht ein Zivilist einen Schnurrbart und die verdammten Borten am Rock. Adieu! Sehen Sie zu, daß Sie Dienstag kommen können.« Und Rawdon entfernte sich mit zwei eleganten jungen Herren, die wie er dem Generalstab angehörten.

 

“Sent me twenty pound, damned old screw. When shall we have a meet? The General dines out on Tuesday. Can’t you come Tuesday? I say, make Sedley cut off his moustache. What the devil does a civilian mean with a moustache and those infernal frogs to his coat! By-bye. Try and come on Tuesday”; and Rawdon was going-off with two brilliant young gentlemen of fashion, who were, like himself, on the staff of a general officer.

George war nur halb erfreut, gerade für den Tag eine Einladung zu erhalten, an dem der General nicht dabei war. »Ich will hineingehen und Ihrer Frau meine Aufwartung machen«, sagte er, und Rawdon antwortete mit finsterem Blick: »Hm, wenn es Ihnen beliebt.« Die beiden jungen Offiziere tauschten verständnisinnige Blicke. George trennte sich von ihnen und stolzierte durch das Foyer zur Loge des Generals, deren Nummer er sich gut ausgerechnet hatte.

 

George was only half pleased to be asked to dinner on that particular day when the General was not to dine. “I will go in and pay my respects to your wife,” said he; at which Rawdon said, “Hm, as you please,” looking very glum, and at which the two young officers exchanged knowing glances. George parted from them and strutted down the lobby to the General’s box, the number of which he had carefully counted.

»Entrez!« rief ein helles Stimmchen, und unser Freund fand sich Rebekka gegenüber. Vor Freude, ihn zu sehen, sprang sie auf, klatschte in die Hände und streckte sie George entgegen. Der General, die Orden im Knopfloch, starrte den Neuankömmling finster an, als wollte er sagen: Wer, zum Teufel, sind Sie?

 

“Entrez,” said a clear little voice, and our friend found himself in Rebecca’s presence; who jumped up, clapped her hands together, and held out both of them to George, so charmed was she to see him. The General, with the orders in his button, stared at the newcomer with a sulky scowl, as much as to say, who the devil are you?

»Mein lieber Hauptmann George!« rief die kleine Rebekka ganz entzückt. »Wie nett von Ihnen, mich aufzusuchen. Der General und ich, wir langweilen uns so bei unserem Tête-à-tête. General, das ist mein Hauptmann George, von dem ich Ihnen schon erzählt habe.«

 

“My dear Captain George!” cried little Rebecca in an ecstasy. “How good of you to come. The General and I were moping together tete-a-tete. General, this is my Captain George of whom you heard me talk.”

»Soso«, sagte der General mit einer ganz leichten Verbeugung, »zu welchem Regiment gehört Hauptmann George?«

 

“Indeed,” said the General, with a very small bow; “of what regiment is Captain George?”

George nannte das ...te Regiment. Wie gern hätte er von einem glänzenden Kavalleriekorps gesprochen!

 

George mentioned the — th: how he wished he could have said it was a crack cavalry corps.

»Wie ich glaube, erst kürzlich aus Westindien zurückgekommen, wie? Vom letzten Krieg nicht viel erlebt. Hier einquartiert, Hauptmann George?« fuhr der General mit eisigem Hochmut fort.

 

“Come home lately from the West Indies, I believe. Not seen much service in the late war. Quartered here, Captain George?" — the General went on with killing haughtiness.

»Nicht Hauptmann George, Sie Dummerchen, Hauptmann Osborne«, sagte Rebekka. Der General blickte während der ganzen Zeit wütend von einem zum anderen.

 

“Not Captain George, you stupid man; Captain Osborne,” Rebecca said. The General all the while was looking savagely from one to the other.

»Hauptmann Osborne, soso, mit den Osbornes von L. verwandt?«

 

“Captain Osborne, indeed! Any relation to the L — Osbornes?”

»Wir führen das gleiche Wappen«, sagte George wahrheitsgemäß, da Mr. Osborne vor fünfzehn Jahren bei der Anschaffung seines Wagens einen Heraldiker in Long Acre zu Rate gezogen hatte und sich aus dem Adelskalender das Wappen der Osbornes von L. herausgesucht hatte. Darauf erwiderte der General nichts, sondern nahm sein Theaterfernrohr – das doppelläufige Opernglas war in jenen Tagen noch nicht erfunden – und stellte sich, als betrachte er das Haus; aber Rebekka sah wohl, daß sein freies Auge nach ihr schielte und blutdürstige Blicke auf sie und George schoß.

 

“We bear the same arms,” George said, as indeed was the fact; Mr. Osborne having consulted with a herald in Long Acre, and picked the L — arms out of the peerage, when he set up his carriage fifteen years before. The General made no reply to this announcement; but took up his opera-glass — the double-barrelled lorgnon was not invented in those days — and pretended to examine the house; but Rebecca saw that his disengaged eye was working round in her direction, and shooting out bloodshot glances at her and George.

Sie verdoppelte ihre Herzlichkeit. »Wie geht es der lieben Amelia? Aber ich brauche ja gar nicht zu fragen – wie hübsch sie aussieht! Und wer ist das nette, gutmütig aussehende Geschöpf neben ihr – wohl eine Flamme von Ihnen? Oh, ihr bösen Männer! Und dort ißt Mr. Sedley Eis, nein, wie es ihm schmeckt! General, warum haben wir kein Eis bekommen?«

 

She redoubled in cordiality. “How is dearest Amelia? But I needn’t ask: how pretty she looks! And who is that nice good-natured looking creature with her — a flame of yours? O, you wicked men! And there is Mr. Sedley eating ice, I declare: how he seems to enjoy it! General, why have we not had any ices?”

»Soll ich Ihnen welches holen?« sagte der General wutschnaubend.

 

“Shall I go and fetch you some?” said the General, bursting with wrath.

»Lassen Sie mich gehen, ich bitte Sie darum«, sagte George.

 

“Let me go, I entreat you,” George said.

»Nein, ich will Amelia in ihrer Loge aufsuchen. Liebes, süßes Mädchen! Geben Sie mir bitte den Arm, Hauptmann George.« Nach diesen Worten nickte sie dem General leicht zu und trippelte in das Foyer hinaus. Kaum waren sie draußen, so warf sie George einen sehr seltsam schlauen Blick zu, einen Blick, der in Worten ausgedrückt hätte bedeuten können: Sehen Sie nicht, wie die Dinge stehen und wie ich ihn zum Narren halte? Aber er bemerkte den Blick nicht. Er dachte an seine eigenen Pläne und war in prahlerische Bewunderung seiner eigenen Unwiderstehlichkeit versunken.

 

“No, I will go to Amelia’s box. Dear, sweet girl! Give me your arm, Captain George”; and so saying, and with a nod to the General, she tripped into the lobby. She gave George the queerest, knowingest look, when they were together, a look which might have been interpreted, “Don’t you see the state of affairs, and what a fool I’m making of him?” But he did not perceive it. He was thinking of his own plans, and lost in pompous admiration of his own irresistible powers of pleasing.

Die Flüche, die der General vor sich hin murmelte, sobald Rebekka und ihr Eroberer ihn verlassen hatten, waren so schrecklich, daß sicherlich kein Setzer in der Firma von Bradbury und Evans es wagen würde, sie zu setzen, wenn ich sie aufgeschrieben hätte. Sie kamen dem General aus der Tiefe des Herzens, und es ist doch wunderlich, wenn man sich überlegt, daß das menschliche Herz solche Produkte erzeugt, daß es, wie es die Gelegenheit erfordert, eine solche Menge von Begierde und Zorn, Wut und Haß zutage bringen kann.

 

The curses to which the General gave a low utterance, as soon as Rebecca and her conqueror had quitted him, were so deep, that I am sure no compositor would venture to print them were they written down. They came from the General’s heart; and a wonderful thing it is to think that the human heart is capable of generating such produce, and can throw out, as occasion demands, such a supply of lust and fury, rage and hatred.

Auch Amelias sanfte Augen hatten sich ängstlich auf das Paar geheftet, dessen Benehmen den eifersüchtigen General so erhitzt hatte. Als aber Rebekka die Loge betrat, flog sie der Freundin mit einem liebevollen Entzücken entgegen, obwohl das Publikum sie sehr gut beobachten konnte, denn sie umarmte ihre liebste Freundin vor dem ganzen Haus oder doch zumindest unter dem Fernglas des Generals, das jetzt gerade auf die Osbornesche Gesellschaft gerichtet war. Mrs. Rawdon begrüßte auch Joseph sehr freundlich. Sie bewunderte Mrs. O'Dowds große Rauchtopasbrosche und ihre prachtvollen irischen Diamanten und wollte gar nicht glauben, daß sie nicht direkt von Golkonda kämen. Sie plauderte, drehte und wendete sich und lächelte bald diesem, bald jenem zu, alles unter dem eifersüchtigen Fernglas gegenüber. Als das Ballett anfangen sollte (in dem keine Tänzerin echter spielte und sich besser verstellte), hüpfte sie wieder in ihre eigene Loge zurück, diesmal an Hauptmann Dobbins Arm. Nein, sie wollte Georges Arm nicht nehmen, er sollte bei seiner allerliebsten, besten, kleinen Amelia bleiben und mit ihr plaudern.

 

Amelia’s gentle eyes, too, had been fixed anxiously on the pair, whose conduct had so chafed the jealous General; but when Rebecca entered her box, she flew to her friend with an affectionate rapture which showed itself, in spite of the publicity of the place; for she embraced her dearest friend in the presence of the whole house, at least in full view of the General’s glass, now brought to bear upon the Osborne party. Mrs. Rawdon saluted Jos, too, with the kindliest greeting: she admired Mrs. O’Dowd’s large Cairngorm brooch and superb Irish diamonds, and wouldn’t believe that they were not from Golconda direct. She bustled, she chattered, she turned and twisted, and smiled upon one, and smirked on another, all in full view of the jealous opera-glass opposite. And when the time for the ballet came (in which there was no dancer that went through her grimaces or performed her comedy of action better), she skipped back to her own box, leaning on Captain Dobbin’s arm this time. No, she would not have George’s: he must stay and talk to his dearest, best, little Amelia.

»Was für eine Schwindlerin doch diese Frau ist«, murmelte der alte ehrliche Dobbin George zu, als er aus Rebekkas Loge, wohin er sie schweigend und mit Leichenbittermiene begleitet hatte, zurückkam. »Sie dreht und wendet sich wie eine Schlange. Hast du nicht gemerkt, George, daß sie die ganze Zeit, wo sie hier war, für den General da drüben gespielt hat?«

 

“What a humbug that woman is!” honest old Dobbin mumbled to George, when he came back from Rebecca’s box, whither he had conducted her in perfect silence, and with a countenance as glum as an undertaker’s. “She writhes and twists about like a snake. All the time she was here, didn’t you see, George, how she was acting at the General over the way?”

»Schwindlerin – gespielt? Zum Henker, sie ist die netteste kleine Frau in ganz England«, erwiderte George. Er zeigte seine weißen Zähne und zwirbelte seinen ambrosiaduftenden Backenbart. »Du bist kein Mann von Welt, Dobbin, verdammt, sieh mal hinüber, in der kurzen Zeit hat sie Tufto beschwatzt! Sieh nur, wie er lacht! Bei Gott, was für Schultern sie hat! Emmy, warum hast du kein Bukett? Jeder hat doch ein Bukett.«

 

“Humbug — acting! Hang it, she’s the nicest little woman in England,” George replied, showing his white teeth, and giving his ambrosial whiskers a twirl. “You ain’t a man of the world, Dobbin. Dammy, look at her now, she’s talked over Tufto in no time. Look how he’s laughing! Gad, what a shoulder she has! Emmy, why didn’t you have a bouquet? Everybody has a bouquet.”

»Na ja, warum haben Sie ihr denn eigentlich keins gekauft?« fragte Mrs. O'Dowd, und sowohl Amelia als auch William Dobbin waren ihr für diese treffende Bemerkung dankbar. Trotzdem fand keine der beiden Damen ihre gute Laune wieder. Amelia war ganz überwältigt von dem verwirrenden Glanz und dem eleganten Geplauder ihrer gewandten Rivalin. Selbst die O'Dowd war schweigsam und unterworfen von Beckys brillanter Erscheinung und sagte den ganzen Abend über kaum noch ein Wort von Glenmalony.

 

“Faith, then, why didn’t you boy one?” Mrs. O’Dowd said; and both Amelia and William Dobbin thanked her for this timely observation. But beyond this neither of the ladies rallied. Amelia was overpowered by the flash and the dazzle and the fashionable talk of her worldly rival. Even the O’Dowd was silent and subdued after Becky’s brilliant apparition, and scarcely said a word more about Glenmalony all the evening.

»Wann wirst du endlich das Spielen aufgeben, George, wie du es mir in den letzten hundert Jahren andauernd versprochen hast?« fragte Dobbin seinen Freund ein paar Tage nach dem Opernbesuch. »Und wann wirst du endlich das Predigen aufgeben?« lautete die Antwort des anderen. »Weshalb, zum Henker, Mann, regst du dich so auf? Wir spielen niedrig; ich habe gestern abend gewonnen. Du glaubst doch nicht etwa, daß Crawley betrügt? Wenn man ehrlich spielt, gleicht es sich bis zum Ende des Jahres wieder aus.«

 

“When do you intend to give up play, George, as you have promised me, any time these hundred years?” Dobbin said to his friend a few days after the night at the Opera. “When do you intend to give up sermonising?” was the other’s reply. “What the deuce, man, are you alarmed about? We play low; I won last night. You don’t suppose Crawley cheats? With fair play it comes to pretty much the same thing at the year’s end.”

»Aber ich glaube nicht, daß er bezahlen könnte, wenn er verlöre«, sagte Dobbin. Der Rat des guten William hatte den Erfolg, den ein guter Rat gewöhnlich hat. Osborne und Crawley waren jetzt häufig zusammen. General Tufto speiste fast immer auswärts. George war stets willkommen in den Räumen, die der Adjutant und seine Frau, wirklich sehr dicht neben denen des Generals, im Hotel bewohnten.

 

“But I don’t think he could pay if he lost,” Dobbin said; and his advice met with the success which advice usually commands. Osborne and Crawley were repeatedly together now. General Tufto dined abroad almost constantly. George was always welcome in the apartments (very close indeed to those of the General) which the aide-de-camp and his wife occupied in the hotel.

Als George mit Amelia Crawley und dessen Frau in dieser Wohnung besucht hatte, führte sich Amelia so auf, daß es fast zu ihrem ersten Streit gekommen wäre. George schalt seine Frau heftig, weil sie erst zu verstehen gab, daß sie nicht mitgehen wollte, und sich dann so hochmütig gegenüber ihrer alten Freundin, Mrs. Crawley, benahm. Amelia antwortete keinen Ton darauf. Aber beim zweiten Besuch, unter den Augen ihres Mannes und Rebekkas prüfendem Blick, war sie womöglich noch scheuer und unbeholfener als beim ersten.

 

Amelia’s manners were such when she and George visited Crawley and his wife at these quarters, that they had very nearly come to their first quarrel; that is, George scolded his wife violently for her evident unwillingness to go, and the high and mighty manner in which she comported herself towards Mrs. Crawley, her old friend; and Amelia did not say one single word in reply; but with her husband’s eye upon her, and Rebecca scanning her as she felt, was, if possible, more bashful and awkward on the second visit which she paid to Mrs. Rawdon, than on her first call.

Rebekka war natürlich doppelt liebevoll und wollte von der Kälte ihrer Freundin nicht die mindeste Notiz nehmen. »Ich glaube, Emmy ist stolzer geworden, seitdem der Name ihres Vaters in der ... seit Mr. Sedleys Unglück«, sagte Rebekka, wobei sie den Satz für Georges Ohr barmherzig milderte.

 

Rebecca was doubly affectionate, of course, and would not take notice, in the least, of her friend’s coolness. “I think Emmy has become prouder since her father’s name was in the — since Mr. Sedley’s misfortunes,” Rebecca said, softening the phrase charitably for George’s ear.

»Auf mein Wort, als wir in Brighton waren, glaubte ich, daß sie mir die Ehre erwiese, eifersüchtig auf mich zu sein, und jetzt stößt sie sich wahrscheinlich daran, daß Rawdon, ich und der General zusammen wohnen. Aber, Kindchen, wie könnten wir mit unseren geringen Mitteln überhaupt leben, wenn wir nicht einen Freund hätten, der die Kosten mit uns teilt? Und glauben Sie denn, Rawdon sei nicht groß genug, um über meiner Ehre zu wachen? Aber ich bin Emmy sehr verbunden, sehr«, sagte Mrs. Rawdon.

 

“Upon my word, I thought when we were at Brighton she was doing me the honour to be jealous of me; and now I suppose she is scandalised because Rawdon, and I, and the General live together. Why, my dear creature, how could we, with our means, live at all, but for a friend to share expenses? And do you suppose that Rawdon is not big enough to take care of my honour? But I’m very much obliged to Emmy, very,” Mrs. Rawdon said.

»Pah, Eifersucht!« antwortete George. »Alle Frauen sind eifersüchtig.«

 

“Pooh, jealousy!” answered George, “all women are jealous.”

»Und alle Männer auch. Waren Sie an dem Abend in der Oper nicht eifersüchtig auf General Tufto und der General auf Sie? Hach, er hätte mich am liebsten gefressen, als ich mit Ihnen ging, um Ihre närrische kleine Frau zu besuchen. Als ob ich mir auch nur einen Pfifferling aus einem von euch machte«, sagte Crawleys Frau und warf keck den Kopf in den Nacken. »Wollen Sie hier speisen? Der Dragoner speist bei dem Oberbefehlshaber. Wichtige Nachrichten soll es geben. Man sagt, die Franzosen hätten die Grenze überschritten. Wir können ganz ruhig essen.«

 

“And all men too. Weren’t you jealous of General Tufto, and the General of you, on the night of the Opera? Why, he was ready to eat me for going with you to visit that foolish little wife of yours; as if I care a pin for either of you,” Crawley’s wife said, with a pert toss of her head. “Will you dine here? The dragon dines with the Commander-in-Chief. Great news is stirring. They say the French have crossed the frontier. We shall have a quiet dinner.”

George nahm die Einladung an, obwohl seine Frau sich nicht ganz wohl fühlte. Sie waren jetzt noch nicht sechs Wochen verheiratet. Eine andere Frau verlachte und verhöhnte sie, und er ließ es ruhig geschehen. Er war nicht einmal mit sich selbst böse, der gutmütige Bursche. Es ist eine Schande, gestand er sich; allein, zum Henker! was kann ein junger Kerl tun, wenn sich ihm eine hübsche Frau an den Hals wirft? »Ich springe mit Frauen eben ziemlich frei um«, hatte er oft lächelnd und verständnisinnig nickend zu Stubble, Spooney und anderen Kameraden am Offizierstisch gesagt, und sie achteten ihn wegen dieser Tapferkeit nur um so mehr. Nächst Kriegseroberungen sind seit undenklichen Zeiten Liebeseroberungen bei Männern auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit stets eine Quelle des Stolzes gewesen; denn warum sollten sonst Schulbuben mit ihren Liebschaften prahlen und Don Juan so beliebt sein?

 

George accepted the invitation, although his wife was a little ailing. They were now not quite six weeks married. Another woman was laughing or sneering at her expense, and he not angry. He was not even angry with himself, this good-natured fellow. It is a shame, he owned to himself; but hang it, if a pretty woman will throw herself in your way, why, what can a fellow do, you know? I am rather free about women, he had often said, smiling and nodding knowingly to Stubble and Spooney, and other comrades of the mess-table; and they rather respected him than otherwise for this prowess. Next to conquering in war, conquering in love has been a source of pride, time out of mind, amongst men in Vanity Fair, or how should schoolboys brag of their amours, or Don Juan be popular?

So versuchte denn Mr. Osborne in der Überzeugung, er sei ein Herzensbrecher und seine Bestimmung sei es, Frauen zu erobern, nicht, gegen sein Schicksal anzukämpfen, sondern ergab sich selbstzufrieden darein. Und da Emmy nicht viel sagte und ihn nicht mit ihrer Eifersucht plagte, sondern bloß unglücklich wurde und sich im stillen grämte, so bildete er sich ein, daß sie gar keine Ahnung von dem hätte, was doch keinem seiner Bekannten verborgen war – dem verzweifelten Flirt, der sich zwischen ihm und Mrs. Crawley angesponnen hatte. Sooft sie frei war, ritt er mit ihr aus. Bei Amelia schützte er Regimentsgeschäfte vor (eine Lüge, die sie nicht zu täuschen vermochte). Er überließ seine Frau der Einsamkeit oder der Gesellschaft ihres Bruders und verbrachte seine Abende bei den Crawleys. Er verlor sein Geld an den Mann und schmeichelte sich, daß die Frau sterblich in ihn verliebt sei. Höchstwahrscheinlich hatte sich das würdige Paar nie direkt gegen ihn verschworen und ausgesprochen, daß der eine dem jungen Mann um den Bart gehen sollte, während der andere ihm beim Kartenspiel sein Geld abzugewinnen habe; aber sie verstanden sich völlig, und Rawdon ließ Osborne stets gutgelaunt kommen und gehen.

 

So Mr. Osborne, having a firm conviction in his own mind that he was a woman-killer and destined to conquer, did not run counter to his fate, but yielded himself up to it quite complacently. And as Emmy did not say much or plague him with her jealousy, but merely became unhappy and pined over it miserably in secret, he chose to fancy that she was not suspicious of what all his acquaintance were perfectly aware — namely, that he was carrying on a desperate flirtation with Mrs. Crawley. He rode with her whenever she was free. He pretended regimental business to Amelia (by which falsehood she was not in the least deceived), and consigning his wife to solitude or her brother’s society, passed his evenings in the Crawleys’ company; losing money to the husband and flattering himself that the wife was dying of love for him. It is very likely that this worthy couple never absolutely conspired and agreed together in so many words: the one to cajole the young gentleman, whilst the other won his money at cards: but they understood each other perfectly well, and Rawdon let Osborne come and go with entire good humour.

George war mit seinen neuen Bekannten so beschäftigt, daß er mit William Dobbin weit weniger zusammen war als früher. George mied ihn in der Öffentlichkeit und beim Regiment und liebte, wie wir wissen, die Predigten nicht, mit denen sein älterer Freund ihn so gern heimsuchte. Georges Benehmen stimmte Hauptmann Dobbin oftmals außerordentlich ernst und kühl; doch was nützte es, George zu sagen, daß er trotz seines mächtigen Backenbartes und seines großen Selbstgefühls so grün wie ein Schuljunge war, daß er Rawdons Opfer werden würde, wie schon viele zuvor, und daß dieser ihn verächtlich abschütteln werde, wenn er ihn ausgenützt habe? Er würde ja doch nicht zuhören; und da Dobbin an den Tagen, an denen er Osbornes Haus aufsuchte, seinen alten Freund selten traf, wurden ihnen viele schmerzliche nutzlose Gespräche erspart. Unser Freund George genoß mit vollen Zügen die Freuden des Jahrmarkts der Eitelkeit.

 

George was so occupied with his new acquaintances that he and William Dobbin were by no means so much together as formerly. George avoided him in public and in the regiment, and, as we see, did not like those sermons which his senior was disposed to inflict upon him. If some parts of his conduct made Captain Dobbin exceedingly grave and cool; of what use was it to tell George that, though his whiskers were large, and his own opinion of his knowingness great, he was as green as a schoolboy? that Rawdon was making a victim of him as he had done of many before, and as soon as he had used him would fling him off with scorn? He would not listen: and so, as Dobbin, upon those days when he visited the Osborne house, seldom had the advantage of meeting his old friend, much painful and unavailing talk between them was spared. Our friend George was in the full career of the pleasures of Vanity Fair.

Seit den Tagen des Königs Darius hat sich wohl kaum einem Heer ein so glänzendes Gefolge angeschlossen wie im Jahre 1815 dem des Herzogs von Wellington in den Niederlanden. Dieses Gefolge führte die Armee des Herzogs sozusagen tanzend und feiernd der Schlacht entgegen. Ein Ball, den eine edle Herzogin am 15. Juni dieses Jahres in Brüssel gab, ist historisch geworden. Ganz Brüssel war in Aufruhr deshalb, und ich habe von Damen, die sich zu jener Zeit in dieser Stadt aufhielten, gehört, daß sich ihre Geschlechtsgenossinnen weit mehr für den Ball interessierten und erhitzten als für den Feind an der Front. Die Kämpfe, Intrigen und Bitten um Karten waren so, wie nur englische Damen sie anstrengen können, die in die Gesellschaft der Großen ihrer Nation zugelassen werden wollen.

 

There never was, since the days of Darius, such a brilliant train of camp-followers as hung round the Duke of Wellington’s army in the Low Countries, in 1815; and led it dancing and feasting, as it were, up to the very brink of battle. A certain ball which a noble Duchess gave at Brussels on the 15th of June in the above-named year is historical. All Brussels had been in a state of excitement about it, and I have heard from ladies who were in that town at the period, that the talk and interest of persons of their own sex regarding the ball was much greater even than in respect of the enemy in their front. The struggles, intrigues, and prayers to get tickets were such as only English ladies will employ, in order to gain admission to the society of the great of their own nation.

Joseph und Mr. O'Dowd, die darauf brannten, eingeladen zu werden, bemühten sich vergeblich, Karten zu erhalten; aber andere unserer Freunde waren glücklicher. So erhielt zum Beispiel George durch Vermittlung von Lord Bareacres als Ausgleich für das Diner in dem Restaurant eine Karte für Hauptmann und Mrs. Osborne. Er war nicht wenig stolz darauf. Dobbin, der ein Freund des kommandierenden Generals der Division, zu der ihr Regiment gehörte, war, kam eines Tages lachend zu Mrs. Osborne und zeigte eine gleiche Einladungskarte vor, was den guten Joseph neidisch machte und George verwunderte, wie zum Teufel denn der sich Zutritt zu so vornehmer Gesellschaft verschaffen konnte. Mr. und Mrs. Rawdon waren natürlich auch eingeladen, wie es Freunden des Generals einer Kavalleriebrigade zukam.

 

Jos and Mrs. O’Dowd, who were panting to be asked, strove in vain to procure tickets; but others of our friends were more lucky. For instance, through the interest of my Lord Bareacres, and as a set-off for the dinner at the restaurateur’s, George got a card for Captain and Mrs. Osborne; which circumstance greatly elated him. Dobbin, who was a friend of the General commanding the division in which their regiment was, came laughing one day to Mrs. Osborne, and displayed a similar invitation, which made Jos envious, and George wonder how the deuce he should be getting into society. Mr. and Mrs. Rawdon, finally, were of course invited; as became the friends of a General commanding a cavalry brigade.

An dem festgesetzten Abend fuhren George und Amelia, der er neue Kleider und Schmuck aller Art hatte kommen lassen, auf den berühmten Ball, wo seine Frau auch nicht eine Seele kannte. Nachdem er sich nach Lady Bareacres umgesehen hatte, die ihn aber schnitt, weil sie dachte, die Einladung sei genug, setzte er Amelia auf eine Bank und überließ sie ihren eigenen Gedanken. Er war der Ansicht, daß er sich doch recht anständig benommen hatte, ihr neue Kleider zu kaufen und sie auf den Ball mitzunehmen, nun stand es ihr doch frei, sich zu amüsieren, wenn sie Lust hatte. Ihre Gedanken waren nicht sehr heiter, und außer dem ehrlichen Dobbin kam niemand, um sie darin zu stören.

 

On the appointed night, George, having commanded new dresses and ornaments of all sorts for Amelia, drove to the famous ball, where his wife did not know a single soul. After looking about for Lady Bareacres, who cut him, thinking the card was quite enough — and after placing Amelia on a bench, he left her to her own cogitations there, thinking, on his own part, that he had behaved very handsomely in getting her new clothes, and bringing her to the ball, where she was free to amuse herself as she liked. Her thoughts were not of the pleasantest, and nobody except honest Dobbin came to disturb them.

Während ihr Erscheinen gar kein Aufsehen erregte (wie ihr Gatte mit einiger Wut feststellte), war Mrs. Rawdon Crawleys Debüt dagegen sehr glänzend. Sie kam spät. Ihr Gesicht strahlte, ihre Kleidung war vollkommen. Inmitten der anwesenden hohen Persönlichkeiten und der auf sie gerichteten Augengläser schien Rebekka so kaltblütig und gefaßt zu sein wie damals, als sie die kleinen Mädchen bei Miss Pinkerton zur Kirche geführt hatte. Viele der Herren kannte sie bereits, und sämtliche Stutzer umdrängten sie. Die Damen flüsterten untereinander, Rawdon habe sie aus einem Kloster entführt und sie sei eine Verwandte der Montmorencys. Sie sprach so vollendet Französisch, daß an dem Gerücht wohl etwas Wahres sein konnte. Man war sich einig, daß sie sehr gute Manieren habe und sehr vornehm auftrete. Fünfzig Tänzer umringten sie auf einmal und drängten auf die Ehre, mit ihr tanzen zu dürfen. Aber sie sagte, sie sei bereits engagiert und wolle nur sehr wenig tanzen. Dann eilte sie zu dem Platz, wo Emmy völlig unbeachtet und tief unglücklich saß. Und um das arme Kind unmöglich zu machen, begrüßte Mrs. Rawdon ihre liebste Amelia herzlich und fing sofort an, sie zu begönnern. Sie hatte am Kleid und an der Frisur ihrer Freundin etwas auszusetzen und wunderte sich, wie sie nur so chaussée sein könne, und sie bestand darauf, ihr gleich am nächsten Morgen ihre corsetière zu schicken. Sie beteuerte, daß es ein herrlicher Ball sei, daß alle da seien, die jedermann kenne, und daß nur ganz wenige gesellschaftliche Nullen im Saal seien. Tatsächlich hatte diese junge Frau schon nach vierzehn Tagen und drei Diners in der Gesellschaft sich so den vornehmen Jargon angeeignet, daß ein Angehöriger dieser Klasse ihn nicht besser hätte sprechen können. Und nur daraus, daß ihr Französisch so gut war, konnte man ersehen, daß sie von Geburt keine Dame war.

 

Whilst her appearance was an utter failure (as her husband felt with a sort of rage), Mrs. Rawdon Crawley’s debut was, on the contrary, very brilliant. She arrived very late. Her face was radiant; her dress perfection. In the midst of the great persons assembled, and the eye-glasses directed to her, Rebecca seemed to be as cool and collected as when she used to marshal Miss Pinkerton’s little girls to church. Numbers of the men she knew already, and the dandies thronged round her. As for the ladies, it was whispered among them that Rawdon had run away with her from out of a convent, and that she was a relation of the Montmorency family. She spoke French so perfectly that there might be some truth in this report, and it was agreed that her manners were fine, and her air distingue. Fifty would-be partners thronged round her at once, and pressed to have the honour to dance with her. But she said she was engaged, and only going to dance very little; and made her way at once to the place where Emmy sate quite unnoticed, and dismally unhappy. And so, to finish the poor child at once, Mrs. Rawdon ran and greeted affectionately her dearest Amelia, and began forthwith to patronise her. She found fault with her friend’s dress, and her hairdresser, and wondered how she could be so chaussee, and vowed that she must send her corsetiere the next morning. She vowed that it was a delightful ball; that there was everybody that every one knew, and only a very few nobodies in the whole room. It is a fact, that in a fortnight, and after three dinners in general society, this young woman had got up the genteel jargon so well, that a native could not speak it better; and it was only from her French being so good, that you could know she was not a born woman of fashion.

George, der Amelia beim Eintritt in den Ballsaal auf ihrer Bank gelassen hatte, fand bald seinen Weg zu ihr zurück, als Rebekka bei ihrer lieben Freundin war. Becky belehrte eben Mrs. Osborne über die Torheiten, die ihr Mann beging. »Um Himmels willen, meine Liebe, halt ihn vom Spielen zurück, sonst ruiniert er sich noch«, sagte sie. »Er und Rawdon spielen jeden Abend Karten, und du weißt, wie arm er ist, und Rawdon gewinnt ihm jeden Shilling ab, wenn er sich nicht vorsieht. Warum verhinderst du es nicht, du sorgloses Geschöpfchen? Warum kommst du nicht abends zu uns, anstatt dich mit diesem Hauptmann Dobbin daheim zu langweilen? Er ist gewiß très aimable, aber wie kann man einen Mann mit so großen Füßen lieben? Die Füße deines Mannes dagegen sind süß – ah, da kommt er ja. Wo sind Sie gewesen, Sie Böser? Emmy weint sich inzwischen Ihretwegen die Augen aus. Wollen Sie mich zur Quadrille holen?« Und sie ließ ihr Bukett und ihren Schal bei Amelia und trippelte mit George davon zum Tanzen. Nur Frauen können so verletzen. Sie haben an den Spitzen ihrer kleinen Pfeile ein Gift, das tausendmal mehr schmerzt als die stumpfere Waffe eines Mannes. Unsere arme Emmy, die in ihrem ganzen Leben noch nie gehaßt, noch nie gehöhnt hatte, war machtlos in den Händen ihrer unbarmherzigen kleinen Feindin.

 

George, who had left Emmy on her bench on entering the ball-room, very soon found his way back when Rebecca was by her dear friend’s side. Becky was just lecturing Mrs. Osborne upon the follies which her husband was committing. “For God’s sake, stop him from gambling, my dear,” she said, “or he will ruin himself. He and Rawdon are playing at cards every night, and you know he is very poor, and Rawdon will win every shilling from him if he does not take care. Why don’t you prevent him, you little careless creature? Why don’t you come to us of an evening, instead of moping at home with that Captain Dobbin? I dare say he is tres aimable; but how could one love a man with feet of such size? Your husband’s feet are darlings — Here he comes. Where have you been, wretch? Here is Emmy crying her eyes out for you. Are you coming to fetch me for the quadrille?” And she left her bouquet and shawl by Amelia’s side, and tripped off with George to dance. Women only know how to wound so. There is a poison on the tips of their little shafts, which stings a thousand times more than a man’s blunter weapon. Our poor Emmy, who had never hated, never sneered all her life, was powerless in the hands of her remorseless little enemy.

George tanzte zwei- oder dreimal mit Rebekka, wie oft, wußte Amelia kaum. Sie saß völlig unbeachtet in ihrer Ecke, und nur Rawdon kam einmal und versuchte ungeschickt, sich ein wenig mit ihr zu unterhalten, und spät am Abend war Hauptmann Dobbin so kühn, ihr ein paar Erfrischungen zu bringen und sich zu ihr zu setzen. Er mochte sie nicht fragen, warum sie so traurig sei, aber als Erklärung für die Tränen in ihren Augen sagte sie, Mrs. Crawley habe sie erschreckt, als sie ihr erzählte, daß George immer noch spiele.

 

George danced with Rebecca twice or thrice — how many times Amelia scarcely knew. She sat quite unnoticed in her corner, except when Rawdon came up with some words of clumsy conversation: and later in the evening, when Captain Dobbin made so bold as to bring her refreshments and sit beside her. He did not like to ask her why she was so sad; but as a pretext for the tears which were filling in her eyes, she told him that Mrs. Crawley had alarmed her by telling her that George would go on playing.

»Es ist doch komisch, von welchen plumpen Schuften sich ein Mann betrügen läßt, wenn er hinter dem Spiel her ist«, sagte Dobbin, und Emmy antwortete: »Ja, wirklich.« Sie dachte an etwas anderes. Es war nicht der Verlust des Geldes, der ihr Kummer machte.

 

“It is curious, when a man is bent upon play, by what clumsy rogues he will allow himself to be cheated,” Dobbin said; and Emmy said, “Indeed.” She was thinking of something else. It was not the loss of the money that grieved her.

Schließlich kam George zurück, um Rebekkas Schal und ihre Blumen zu holen. Sie ging und ließ sich nicht einmal herab, zurückzukommen, um sich von Amelia zu verabschieden. Das arme Mädchen ließ ihren Mann kommen und gehen, ohne auch nur eine Silbe zu sagen, und ließ traurig den Kopf hängen. Dobbin war weggerufen worden und flüsterte angelegentlich mit dem Divisionsgeneral, seinem Freund. Er hatte diesen Abschied nicht beobachtet. George entfernte sich mit dem Bukett. Als er es aber der Eigentümerin übergab, lag ein Briefchen, zusammengerollt wie eine Schlange, in den Blumen. Rebekka fiel es sofort ins Auge. Schon in frühester Jugend war sie es gewohnt, mit Briefchen umzugehen. Sie streckte ihre Hand aus und nahm den Strauß. Ihre Augen trafen sich, und er sah, daß sie wußte, was sie darin finden würde. Ihr Mann führte sie eiligst davon, scheinbar viel zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, um die Zeichen der Verständigung zwischen seinem Freund und seiner Frau zu bemerken. Sie waren auch nicht sehr auffällig. Rebekka reichte George die Hand mit einem ihrer raschen schlauen Blicke, knickste und entfernte sich. George beugte sich über ihre Hand, erwiderte nichts auf eine Bemerkung Crawleys, ja hörte sie nicht einmal. Sein Gehirn fieberte vor Triumph und Aufregung, und er ließ sie wortlos gehen.

 

At last George came back for Rebecca’s shawl and flowers. She was going away. She did not even condescend to come back and say good-bye to Amelia. The poor girl let her husband come and go without saying a word, and her head fell on her breast. Dobbin had been called away, and was whispering deep in conversation with the General of the division, his friend, and had not seen this last parting. George went away then with the bouquet; but when he gave it to the owner, there lay a note, coiled like a snake among the flowers. Rebecca’s eye caught it at once. She had been used to deal with notes in early life. She put out her hand and took the nosegay. He saw by her eyes as they met, that she was aware what she should find there. Her husband hurried her away, still too intent upon his own thoughts, seemingly, to take note of any marks of recognition which might pass between his friend and his wife. These were, however, but trifling. Rebecca gave George her hand with one of her usual quick knowing glances, and made a curtsey and walked away. George bowed over the hand, said nothing in reply to a remark of Crawley’s, did not hear it even, his brain was so throbbing with triumph and excitement, and allowed them to go away without a word.

Seine Frau sah zumindest einen Teil der Bukettszene. Daß George auf Rebekkas Bitte ihren Schal und die Blumen holte, war ganz in Ordnung, das hatte er im Laufe der letzten Tage zwanzigmal getan, aber jetzt wurde es ihr doch zuviel. »William«, sagte sie und klammerte sich plötzlich an Dobbin, der ganz in der Nähe stand, »Sie sind immer sehr freundlich zu mir gewesen – mir ist – mir ist nicht gut. Bringen Sie mich nach Hause.« Sie wußte nicht, daß sie ihn mit dem Vornamen ansprach, wie es George sonst tat. Rasch ging er mit ihr davon. Ihre Wohnung war ganz in der Nähe, und sie schlängelten sich durch die Menge draußen, die in noch größerer Bewegung war als im Ballsaal.

 

His wife saw the one part at least of the bouquet-scene. It was quite natural that George should come at Rebecca’s request to get her her scarf and flowers: it was no more than he had done twenty times before in the course of the last few days; but now it was too much for her. “William,” she said, suddenly clinging to Dobbin, who was near her, “you’ve always been very kind to me — I’m — I’m not well. Take me home.” She did not know she called him by his Christian name, as George was accustomed to do. He went away with her quickly. Her lodgings were hard by; and they threaded through the crowd without, where everything seemed to be more astir than even in the ball-room within.

George war schon ein paarmal ärgerlich gewesen, als er, von einer Gesellschaft nach Hause gekommen, seine Frau noch auf fand. Sie legte sich daher bald ins Bett, aber obgleich sie nicht schlief und der Lärm und das Getöse und das Pferdegetrappel kein Ende nahm, so hörte sie doch nichts von alldem, da ganz andere Aufregungen sie wach hielten.

 

George had been angry twice or thrice at finding his wife up on his return from the parties which he frequented: so she went straight to bed now; but although she did not sleep, and although the din and clatter, and the galloping of horsemen were incessant, she never heard any of these noises, having quite other disturbances to keep her awake.

Unterdessen ging Osborne, ganz berauscht in seinem Hochmut, an einen Spieltisch und fing an, wie wild zu setzen. Er gewann wiederholt. »Heute abend gelingt mir alles«, sagte er. Aber nicht einmal das Glück im Spiel heilte ihn von seiner Ratlosigkeit.

 

Osborne meanwhile, wild with elation, went off to a play-table, and began to bet frantically. He won repeatedly. “Everything succeeds with me to-night,” he said. But his luck at play even did not cure him of his restlessness, and he started up after awhile, pocketing his winnings, and went to a buffet, where he drank off many bumpers of wine.

Er sprang daher nach einer Weile auf, steckte seinen Gewinn ein und ging an ein Büfett, wo er mehrere Gläser Wein hinunterstürzte. Hier fand ihn Dobbin, als er mit den Umstehenden überschäumend vor Lebhaftigkeit schwatzte und laut lachte. Er hatte seinen Freund schon an den Spieltischen gesucht. Dobbin war so blaß und ernst, wie sein Kamerad rot und lustig war.

 

Here, as he was rattling away to the people around, laughing loudly and wild with spirits, Dobbin found him. He had been to the card-tables to look there for his friend. Dobbin looked as pale and grave as his comrade was flushed and jovial.

»Hallo, Dob! Komm und trink, alter Dob! Der Wein des Herzogs ist famos. Geben Sie mir noch etwas, mein Herr«, und er streckte sein zitterndes Glas aus.

 

“Hullo, Dob! Come and drink, old Dob! The Duke’s wine is famous. Give me some more, you sir”; and he held out a trembling glass for the liquor.

»Komm mit raus, George«, sagte Dobbin, immer noch ernst. »Laß das Trinken!«

 

“Come out, George,” said Dobbin, still gravely; “don’t drink.”

»Das Trinken! Es gibt nichts Besseres auf der Welt. Trink selbst, damit deine Wangen ein bißchen Farbe bekommen, alter Junge. Auf dein Wohl!«

 

“Drink! there’s nothing like it. Drink yourself, and light up your lantern jaws, old boy. Here’s to you.”

Dobbin trat ganz nahe an ihn heran und flüsterte ihm etwas zu, worauf George hochfuhr, ein wildes Hurra ausstieß, sein Glas austrank, es klirrend auf den Tisch stellte und sich am Arme seines Freundes eiligst entfernte. »Der Feind hat die Sambre überschritten«, sagte William, »und unser linker Flügel kämpft bereits. Komm fort. In drei Stunden müssen wir marschieren.«

 

Dobbin went up and whispered something to him, at which George, giving a start and a wild hurray, tossed off his glass, clapped it on the table, and walked away speedily on his friend’s arm. “The enemy has passed the Sambre,” William said, “and our left is already engaged. Come away. We are to march in three hours.”

George ging mit Dobbin davon, und seine Nerven zitterten vor Aufregung über die so lange erwartete Nachricht, die doch so plötzlich kam. Was bedeuteten jetzt Liebe und Intrigen? Er dachte, während er mit eiligen Schritten seinem Quartier zustrebte, an tausend andere Dinge – an sein vergangenes Leben und seine Aussichten für die Zukunft, an das Schicksal, das ihn erwarten konnte, an die Frau, vielleicht an das Kind, von dem er, ohne es gesehen zu haben, scheiden mußte. Ach, könnte er doch die Ereignisse des Abends ungeschehen machen und dem zarten und reinen Wesen mit ruhigem Gewissen Lebewohl sagen, dessen Liebe er so geringgeachtet hatte!

 

Away went George, his nerves quivering with excitement at the news so long looked for, so sudden when it came. What were love and intrigue now? He thought about a thousand things but these in his rapid walk to his quarters — his past life and future chances — the fate which might be before him — the wife, the child perhaps, from whom unseen he might be about to part. Oh, how he wished that night’s work undone! and that with a clear conscience at least he might say farewell to the tender and guileless being by whose love he had set such little store!

Er dachte über sein kurzes Eheleben nach. In diesen wenigen Wochen hatte er sein kleines Kapital furchtbar verschwendet. Wie wild und rücksichtslos war er doch gewesen! Was blieb ihr, wenn ihm ein Unglück zustieße? Wie unwürdig war er ihrer. Warum hatte er sie geheiratet? Er war nicht für die Ehe geboren. Warum hatte er seinem Vater nicht gehorcht, der doch stets so großmütig gegen ihn gewesen war? Hoffnung, Reue, Ehrgeiz, Zärtlichkeit und egoistisches Bedauern erfüllten sein Herz. Er setzte sich nieder und schrieb an seinen Vater, dabei fiel ihm ein, was er schon einmal gesagt hatte, als er vor einem Duell stand. Die Morgendämmerung warf bereits ihre zarten Streifen über den Himmel, als er den Abschiedsbrief beendete. Er versiegelte ihn und küßte die Aufschrift. Er dachte daran, wie er diesen großzügigen Vater verlassen hatte, und an das viele Gute, das ihm der strenge alte Mann erwiesen hatte.

 

He thought over his brief married life. In those few weeks he had frightfully dissipated his little capital. How wild and reckless he had been! Should any mischance befall him: what was then left for her? How unworthy he was of her. Why had he married her? He was not fit for marriage. Why had he disobeyed his father, who had been always so generous to him? Hope, remorse, ambition, tenderness, and selfish regret filled his heart. He sate down and wrote to his father, remembering what he had said once before, when he was engaged to fight a duel. Dawn faintly streaked the sky as he closed this farewell letter. He sealed it, and kissed the superscription. He thought how he had deserted that generous father, and of the thousand kindnesses which the stern old man had done him.

Er hatte einen Blick in Amelias Schlafzimmer geworfen, als er nach Hause kam. Sie lag ruhig, ihre Augen schienen geschlossen, und er war froh, daß sie schlief. Vom Balle zurückgekehrt, hatte er seinen Burschen schon inmitten der Vorbereitungen für den Abmarsch angetroffen. Der Diener hatte sein Signal, kein Geräusch zu machen, verstanden und tat seine Arbeit schnell und ruhig. Sollte er nun hineingehen und Amelia wecken, überlegte er, oder sollte er ihrem Bruder ein Briefchen zurücklassen, daß der ihr die Nachricht von dem Abmarsch mitteilte? Er ging hinein, um sie noch einmal zu sehen.

 

He had looked into Amelia’s bedroom when he entered; she lay quiet, and her eyes seemed closed, and he was glad that she was asleep. On arriving at his quarters from the ball, he had found his regimental servant already making preparations for his departure: the man had understood his signal to be still, and these arrangements were very quickly and silently made. Should he go in and wake Amelia, he thought, or leave a note for her brother to break the news of departure to her? He went in to look at her once again.

Sie war wach gewesen, als er zum ersten Male in ihr Zimmer trat, hatte aber die Augen geschlossen gehalten, damit er ihr Wachsein nicht als Vorwurf betrachten sollte. Als er aber so kurz nach ihr selbst zurückkam, fühlte sich das furchtsame Herzchen etwas erleichtert. Sie drehte sich ihm zu, als er leise aus ihrem Zimmer ging, und fiel in einen leichten Schlummer. George trat nun noch leiser ein und betrachtete sie wieder. Bei dem bleichen Nachtlicht konnte er ihr liebliches, blasses Gesicht sehen – die rosigen Augenlider mit den langen Wimpern waren geschlossen, und ein runder Arm, glatt und weiß, lag auf der Decke. Guter Gott! Wie rein war sie, wie anmutig, wie zart und wie einsam! Und er, wie egoistisch, wie brutal und wie verbrecherisch! Schuldbewußt und tief beschämt stand er am Fußende des Bettes und sah auf das schlafende Mädchen. Wie konnte er es wagen – wer war er, für eine so Reine zu beten! Gott segne sie! Gott segne sie! Er trat neben das Bett und blickte auf die Hand, die kleine, weiche Hand, die schlafend dalag. Dann beugte er sich lautlos über das Kissen mit dem sanften blassen Gesicht.

 

She had been awake when he first entered her room, but had kept her eyes closed, so that even her wakefulness should not seem to reproach him. But when he had returned, so soon after herself, too, this timid little heart had felt more at ease, and turning towards him as he stept softly out of the room, she had fallen into a light sleep. George came in and looked at her again, entering still more softly. By the pale night-lamp he could see her sweet, pale face — the purple eyelids were fringed and closed, and one round arm, smooth and white, lay outside of the coverlet. Good God! how pure she was; how gentle, how tender, and how friendless! and he, how selfish, brutal, and black with crime! Heart-stained, and shame-stricken, he stood at the bed’s foot, and looked at the sleeping girl. How dared he — who was he, to pray for one so spotless! God bless her! God bless her! He came to the bedside, and looked at the hand, the little soft hand, lying asleep; and he bent over the pillow noiselessly towards the gentle pale face.

Zwei schöne Arme schlangen sich zärtlich um seinen Hals. »Ich bin wach, George«, sagte das arme Kind mit einem tiefen Seufzer, der beinahe das kleine Herz gebrochen hätte, das sich so fest an das seine anschmiegte. Sie war wach, die arme Seele, und warum? In diesem Augenblick ertönte vom Waffenplatz der helle Ton eines Horns und wurde überall aufgenommen. Und von den Trommeln der Infanterie und den schrillen Pfeifen der Schotten erwachte die ganze Stadt.

 

Two fair arms closed tenderly round his neck as he stooped down. “I am awake, George,” the poor child said, with a sob fit to break the little heart that nestled so closely by his own. She was awake, poor soul, and to what? At that moment a bugle from the Place of Arms began sounding clearly, and was taken up through the town; and amidst the drums of the infantry, and the shrill pipes of the Scotch, the whole city awoke.

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