Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > William Makepeace Thackeray >

Jahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1

William Makepeace Thackeray: Jahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1 - Kapitel 29
Quellenangabe
pfad/thackara/2jahrma1/2jahrma1.xml
typefiction
authorWilliam Makepeace Thackeray
titleJahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1
publisherprojekt.gutenberg.de
editorHella Reuters
year2012
firstpub2012
translatorChristoph Friedrich Grieb
senderreuters@abc.de
created20120915
Schließen

Navigation:

27. Kapitel / Chapter 27

In dem Amelia zu ihrem Regiment stößt / In Which Amelia Joins Her Regiment

Das erste Gesicht, das Amelia erkannte, als Josephs vornehmer Wagen vor dem Gasthaus in Chatham hielt, war das freundliche Antlitz Hauptmann Dobbins, der schon über eine Stunde in Erwartung seiner Freunde die Straße auf und ab gegangen war. Der Hauptmann, Militärknöpfe am Rock, mit Degen und roter Schärpe, bot einen so militärischen Anblick, daß Joe ganz stolz war, einen solchen Bekannten zu haben, und der dicke Zivilist begrüßte ihn mit einer Herzlichkeit, die sehr von dem Empfang abstach, den Joe seinem Freunde in Brighton und in der Bond Street zuteil werden ließ.

 

When Jos’s fine carriage drove up to the inn door at Chatham, the first face which Amelia recognized was the friendly countenance of Captain Dobbin, who had been pacing the street for an hour past in expectation of his friends’ arrival. The Captain, with shells on his frockcoat, and a crimson sash and sabre, presented a military appearance, which made Jos quite proud to be able to claim such an acquaintance, and the stout civilian hailed him with a cordiality very different from the reception which Jos vouchsafed to his friend in Brighton and Bond Street.

An der Seite des Hauptmanns ging Fähnrich Stubble, der, als die Kutsche sich dem Gasthof näherte, in den Ausruf: »Beim Zeus! Was für ein hübsches Mädel!« ausbrach und damit Osbornes Wahl billigte. In der Tat sah Amelia mit den rosa Bändern und dem Hochzeitsumhang, das Gesicht gerötet von der schnellen Fahrt in der frischen Luft, so frisch und hübsch aus, daß das Kompliment des Fähnrichs vollkommen am Platze war. Dobbin schloß ihn ins Herz dafür. Als er vortrat, um der Dame beim Aussteigen zu helfen, sah Stubble, was für ein hübsches Händchen sie ihm gab und was für ein reizendes zierliches Füßchen sie auf den Tritt setzte. Er wurde scharlachrot im Gesicht und machte seine allerschönste Verbeugung, worauf Amelia, als sie die Nummer des ...ten Regiments auf seiner Mütze eingestickt sah, errötend lächelte und mit einem Knicks dankte – da war es um den jungen Fähnrich auf der Stelle geschehen. Dobbin war von Stund an sehr freundlich gegenüber Stubble und ermunterte ihn, bei ihren Spaziergängen oder im Quartier von Amelia zu sprechen. Bald wurde es bei allen ehrlichen jungen Burschen des ...ten Regiments Mode, Mrs. Osborne zu bewundern und anzubeten. Ihr schlichtes, ungekünsteltes Wesen und die ihr eigene bescheidene Freundlichkeit gewann alle diese natürlichen Herzen. Diese Einfachheit und Lieblichkeit lassen sich nicht in Worte fassen. Wer hat das aber noch nicht bei Frauen gefunden und alle möglichen Vorzüge bei ihnen bemerkt, wenn sie einem auch nichts weiter gesagt haben, als daß sie die nächste Quadrille bereits vergeben haben oder daß es sehr heiß ist? George, schon immer der Liebling seines Regiments, stieg noch mehr in der Achtung der jungen Leute, weil er dieses vermögenslose junge Geschöpf so edelmütig geheiratet und sich eine so hübsche, freundliche Lebensgefährtin auserkoren hatte.

 

Along with the Captain was Ensign Stubble; who, as the barouche neared the inn, burst out with an exclamation of “By Jove! what a pretty girl”; highly applauding Osborne’s choice. Indeed, Amelia dressed in her wedding-pelisse and pink ribbons, with a flush in her face, occasioned by rapid travel through the open air, looked so fresh and pretty, as fully to justify the Ensign’s compliment. Dobbin liked him for making it. As he stepped forward to help the lady out of the carriage, Stubble saw what a pretty little hand she gave him, and what a sweet pretty little foot came tripping down the step. He blushed profusely, and made the very best bow of which he was capable; to which Amelia, seeing the number of the the regiment embroidered on the Ensign’s cap, replied with a blushing smile, and a curtsey on her part; which finished the young Ensign on the spot. Dobbin took most kindly to Mr. Stubble from that day, and encouraged him to talk about Amelia in their private walks, and at each other’s quarters. It became the fashion, indeed, among all the honest young fellows of the — th to adore and admire Mrs. Osborne. Her simple artless behaviour, and modest kindness of demeanour, won all their unsophisticated hearts; all which simplicity and sweetness are quite impossible to describe in print. But who has not beheld these among women, and recognised the presence of all sorts of qualities in them, even though they say no more to you than that they are engaged to dance the next quadrille, or that it is very hot weather? George, always the champion of his regiment, rose immensely in the opinion of the youth of the corps, by his gallantry in marrying this portionless young creature, and by his choice of such a pretty kind partner.

In dem Wohnzimmer, das die Reisenden erwartete, fand Amelia zu ihrem großen Erstaunen einen an Frau Hauptmann Osborne adressierten Brief vor. Es war ein dreieckiges Billett auf rosa Papier, mit einer Taube und einem Olivenzweig und einer Unmenge hellblauen Siegellacks verschlossen und mit einer großen undeutlichen weiblichen Handschrift beschrieben.

 

In the sitting-room which was awaiting the travellers, Amelia, to her surprise, found a letter addressed to Mrs. Captain Osborne. It was a triangular billet, on pink paper, and sealed with a dove and an olive branch, and a profusion of light blue sealing wax, and it was written in a very large, though undecided female hand.

»Das ist Peggy O'Dowds Klaue«, sagte George lachend, »ich sehe es am verklecksten Siegellack.« Und in der Tat war es ein Billett von der Majorin O'Dowd, worin sie Mrs. Osborne bat, ihr noch am gleichen Abend das Vergnügen zu machen, an einer kleinen Gesellschaft im engsten Freundeskreis teilzunehmen. »Du mußt gehen«, sagte George. »Du wirst dort mit dem ganzen Regiment bekannt werden. O'Dowd kommandiert das Regiment, und Peggy kommandiert O'Dowd.«

 

“It’s Peggy O’Dowd’s fist,” said George, laughing. “I know it by the kisses on the seal.” And in fact, it was a note from Mrs. Major O’Dowd, requesting the pleasure of Mrs. Osborne’s company that very evening to a small friendly party. “You must go,” George said. “You will make acquaintance with the regiment there. O’Dowd goes in command of the regiment, and Peggy goes in command.”

Ihre Freude über Mrs. O'Dowds Brief hatte aber noch nicht lange gedauert, als die Tür aufflog und eine stattliche, muntere Dame im Reitkleid, gefolgt von ein paar Offizieren des Regiments, das Zimmer betrat.

 

But they had not been for many minutes in the enjoyment of Mrs. O’Dowd’s letter, when the door was flung open, and a stout jolly lady, in a riding-habit, followed by a couple of officers of Ours, entered the room.

»Wirklich, ich konnte nicht bis zum Tee warten. George, mein lieber Junge, stellen Sie mich Ihrer Gemahlin vor. Madame, es freut mich unendlich, Sie zu sehen und Ihnen meinen Mann, Major O'Dowd, vorstellen zu können.« Bei diesen Worten drückte die muntere Dame im Reitkleid herzlich Amelias Hand, und diese wußte sofort, daß die Dame vor ihr stand, über die ihr Mann so oft gelacht hatte. »Ihr Mann da hat Ihnen gewiß oft genug von mir erzählt«, sagte die Dame sehr lebhaft.

 

“Sure, I couldn’t stop till tay-time. Present me, Garge, my dear fellow, to your lady. Madam, I’m deloighted to see ye; and to present to you me husband, Meejor O’Dowd”; and with this, the jolly lady in the riding-habit grasped Amelia’s hand very warmly, and the latter knew at once that the lady was before her whom her husband had so often laughed at. “You’ve often heard of me from that husband of yours,” said the lady, with great vivacity.

»Gewiß oft genug von ihr erzählt«, echote ihr Mann, der Major.

 

“You’ve often heard of her,” echoed her husband, the Major.

Amelia antwortete lächelnd, daß das stimme.

 

Amelia answered, smiling, “that she had.”

»Und bestimmt hat er Ihnen nicht viel Gutes von mir erzählt«, erwiderte Mrs. O'Dowd und fügte noch hinzu, George sei ein böser Teufel.

 

“And small good he’s told you of me,” Mrs. O’Dowd replied; adding that “George was a wicked divvle.”

»Dafür kann ich mich verbürgen«, sagte der Major und versuchte eine schlaue Miene anzunehmen, worüber George lachen mußte. Aber Mrs. O'Dowd bedeutete dem Major mit einem leichten Schlag ihrer Reitpeitsche, still zu sein, und bat nun, der Frau Hauptmann Osborne in aller Form vorgestellt zu werden.

 

“That I’ll go bail for,” said the Major, trying to look knowing, at which George laughed; and Mrs. O’Dowd, with a tap of her whip, told the Major to be quiet; and then requested to be presented in form to Mrs. Captain Osborne.

»Dies, meine Liebe«, sagte George gravitätisch, »ist meine gute, liebe und vortreffliche Freundin Aurelia Margareta, sonst Peggy genannt.«

 

“This, my dear,” said George with great gravity, “is my very good, kind, and excellent friend, Auralia Margaretta, otherwise called Peggy.”

»Meiner Treu, da haben Sie recht«, fiel der Major ein.

 

“Faith, you’re right,” interposed the Major.

»Sonst Peggy genannt, Gemahlin von Major Michael O'Dowd aus unserem Regiment und Tochter von Fitzjurld Bersford de Burgo Malony von Glenmalony, Grafschaft Kildare.«

 

“Otherwise called Peggy, lady of Major Michael O’Dowd, of our regiment, and daughter of Fitzjurld Ber’sford de Burgo Malony of Glenmalony, County Kildare.”

»Und vom Muryan Square, Dublin«, sagte die Dame ruhig und überlegen.

 

“And Muryan Squeer, Doblin,” said the lady with calm superiority.

»Ja natürlich, auch Muryan Square«, flüsterte der Major.

 

“And Muryan Square, sure enough,” the Major whispered.

»Dort war es, wo du mir den Hof gemacht hast, mein lieber Major«, sagte die Dame. Und der Major stimmte zu, wie er jeder in Gesellschaft gemachten Behauptung zustimmte.

 

“’Twas there ye coorted me, Meejor dear,” the lady said; and the Major assented to this as to every other proposition which was made generally in company.

Major O'Dowd, der seinem König in allen Teilen der Welt gedient und jede Beförderung durch mindestens eine kühne und ritterliche Tat erkauft hatte, war der bescheidenste, schweigsamste, harmloseste und sanfteste kleine Mann und seiner Frau so gehorsam, als wäre er ihr Laufbursche. Am Offizierstisch war er stets schweigsam und trank viel. Hatte er genug Alkohol zu sich genommen, schwankte er schweigend nach Hause. Wenn er sprach, dann nur, um jedermann in jedem Punkt recht zu geben. So ging er in vollkommener Ruhe und Zufriedenheit durchs Leben. Die heißeste Sonne Indiens hatte ihn nie hitzig gemacht und das Tropenfieber ihn nicht erschüttert. Er näherte sich einer Batterie ebenso gleichgültig wie einem Mittagstisch. Mit gleichem Appetit aß er Pferdefleisch und Schildkrötensuppe, und er hatte eine alte Mutter, Mrs. O'Dowd von O'Dowdstown, der er nur zweimal im Leben ungehorsam gewesen war, nämlich, als er davonlief und zu den Soldaten ging und als er darauf bestand, diese schreckliche Peggy Malony zu heiraten.

 

Major O’Dowd, who had served his sovereign in every quarter of the world, and had paid for every step in his profession by some more than equivalent act of daring and gallantry, was the most modest, silent, sheep-faced and meek of little men, and as obedient to his wife as if he had been her tay-boy. At the mess-table he sat silently, and drank a great deal. When full of liquor, he reeled silently home. When he spoke, it was to agree with everybody on every conceivable point; and he passed through life in perfect ease and good-humour. The hottest suns of India never heated his temper; and the Walcheren ague never shook it. He walked up to a battery with just as much indifference as to a dinner-table; had dined on horse-flesh and turtle with equal relish and appetite; and had an old mother, Mrs. O’Dowd of O’Dowdstown indeed, whom he had never disobeyed but when he ran away and enlisted, and when he persisted in marrying that odious Peggy Malony.

Peggy war eins von fünf Mädchen und elf Kindern des edlen Hauses von Glenmalony. Ihr Gatte war ihr leiblicher Vetter mütterlicherseits und hatte demnach nicht den unschätzbaren Vorteil, mit den Malonys verwandt zu sein, die sie für die vornehmste Familie der Welt hielt. Nachdem Miss Malony neun Saisons in Dublin und zwei in Bath und Cheltenham einen Lebensgefährten gesucht und nicht gefunden hatte, befahl sie mit ungefähr dreiunddreißig ihrem Vetter Mick, sie zu heiraten. Der ehrliche Bursche gehorchte und nahm sie mit nach Westindien, wo sie den Vorsitz der Damen des ...ten Regiments übernahm, in das er soeben versetzt worden war.

 

Peggy was one of five sisters, and eleven children of the noble house of Glenmalony; but her husband, though her own cousin, was of the mother’s side, and so had not the inestimable advantage of being allied to the Malonys, whom she believed to be the most famous family in the world. Having tried nine seasons at Dublin and two at Bath and Cheltenham, and not finding a partner for life, Miss Malony ordered her cousin Mick to marry her when she was about thirty-three years of age; and the honest fellow obeying, carried her off to the West Indies, to preside over the ladies of the — th regiment, into which he had just exchanged.

Mrs. O'Dowd war noch keine halbe Stunde in Amelias Gesellschaft (wie überhaupt in jedermanns Gesellschaft), als die liebenswürdige Dame ihrer neuen Freundin auch schon alles mitgeteilt hatte, was mit ihrer Herkunft und ihrem Stammbaum zusammenhing. »Meine Liebe«, sagte sie gutmütig, »es war eigentlich meine Absicht, daß George mein Schwager würde, und meine Schwägerin Glorvina hätte auch gut zu ihm gepaßt. Na ja, vorbei ist vorbei, und da er schon mit Ihnen verlobt war, so habe ich mich entschlossen, Sie statt dessen als Schwester zu betrachten und Sie wie ein Glied meiner Familie zu lieben. Meiner Treu, Sie haben so ein hübsches, gutmütiges Gesicht und Wesen, daß wir uns gewiß gut vertragen werden, und Sie werden ein netter Familienzuwachs sein.«

 

Before Mrs. O’Dowd was half an hour in Amelia’s (or indeed in anybody else’s) company, this amiable lady told all her birth and pedigree to her new friend. “My dear,” said she, good-naturedly, “it was my intention that Garge should be a brother of my own, and my sister Glorvina would have suited him entirely. But as bygones are bygones, and he was engaged to yourself, why, I’m determined to take you as a sister instead, and to look upon you as such, and to love you as one of the family. Faith, you’ve got such a nice good-natured face and way widg you, that I’m sure we’ll agree; and that you’ll be an addition to our family anyway.”

»Das wird sie sicher«, sagte O'Dowd mit beistimmender Miene, und Amelia fühlte sich nicht wenig belustigt und dankbar, plötzlich in eine so große Verwandtschaft aufgenommen zu sein.

 

“’Deed and she will,” said O’Dowd, with an approving air, and Amelia felt herself not a little amused and grateful to be thus suddenly introduced to so large a party of relations.

»Wir hier sind alles gute Kerle«, fuhr die Majorsfrau fort. »Es gibt kein Regiment, wo Sie eine einträchtigere Gesellschaft und eine angenehmere Offiziersmesse finden werden. Bei uns gibt es keinen Zank und Streit, keine Verleumdungen und keinen Klatsch. Wir lieben uns alle.«

 

“We’re all good fellows here,” the Major’s lady continued. “There’s not a regiment in the service where you’ll find a more united society nor a more agreeable mess-room. There’s no quarrelling, bickering, slandthering, nor small talk amongst us. We all love each other.”

»Ganz besonders Mrs. Magenis«, sagte George lachend.

 

“Especially Mrs. Magenis,” said George, laughing.

»Frau Hauptmann Magenis und ich haben uns wieder ausgesöhnt, obgleich sie mich so behandelt hat, daß sie mich beinahe mit grauen Haaren ins Grab gebracht hätte.«

 

“Mrs. Captain Magenis and me has made up, though her treatment of me would bring me gray hairs with sorrow to the grave.”

»Wo du doch so schönes schwarzes hast, meine liebe Peggy«, rief der Major.

 

“And you with such a beautiful front of black, Peggy, my dear,” the Major cried.

»Halt 'n Mund, Mick, du Dummkopf. Die Ehemänner stehen einem immer im Wege, meine liebe Mrs. Osborne. Und wie oft habe ich meinem Mick schon gesagt, daß er den Mund nur zum Kommandieren und Essen und Trinken aufmachen soll. Ich werde Ihnen alles über das Regiment erzählen und Sie warnen, wenn wir einmal allein sind. Stellen Sie mich nun Ihrem Bruder vor. Das ist ja fürwahr ein gewaltig hübscher Mann und erinnert mich an meinen Vetter, Dekan Malony (Malony von Ballymalony, meine Liebe, wissen Sie, der Ophelia Scully von Oystherstown, eine leibliche Cousine von Lord Poldoody, geheiratet hat). Mr. Sedley, es freut mich unendlich, Ihre Bekanntschaft zu machen. Vermutlich speisen Sie heute in der Offiziersmesse. (Denk an den verflixten Doktor, Mick, und vor allem, bleib nüchtern für meine Gesellschaft heute abend.)«

 

“Hould your tongue, Mick, you booby. Them husbands are always in the way, Mrs. Osborne, my dear; and as for my Mick, I often tell him he should never open his mouth but to give the word of command, or to put meat and drink into it. I’ll tell you about the regiment, and warn you when we’re alone. Introduce me to your brother now; sure he’s a mighty fine man, and reminds me of me cousin, Dan Malony (Malony of Ballymalony, my dear, you know who mar’ied Ophalia Scully, of Oystherstown, own cousin to Lord Poldoody). Mr. Sedley, sir, I’m deloighted to be made known te ye. I suppose you’ll dine at the mess to-day. (Mind that divvle of a docther, Mick, and whatever ye du, keep yourself sober for me party this evening.)”

»Das Hundertfünfzigste gibt uns heute ein Abschiedsessen, meine Liebe«, fiel der Major ein, »aber wir werden für Mr. Sedley leicht eine Karte bekommen.«

 

“It’s the 150th gives us a farewell dinner, my love,” interposed the Major, “but we’ll easy get a card for Mr. Sedley.”

»Laufen Sie, Simple (Fähnrich Simple, von unserem Regiment, meine liebe Amelia, ich habe vergessen, ihn vorzustellen), rennen Sie zu Oberst Tavish, grüßen Sie ihn von Majorin O'Dowd, und Hauptmann Osborne hätte seinen Schwager mitgebracht und würde ihn Punkt fünf zur Messe des Hundertfünfzigsten mitbringen. Sie, meine Liebe, und ich werden hier etwas essen, wenn es Ihnen recht ist.« Mrs. O'Dowd hatte noch nicht ausgeredet, da trabte der junge Fähnrich bereits die Treppe hinab, um seinen Auftrag auszuführen.

 

“Run Simple (Ensign Simple, of Ours, my dear Amelia. I forgot to introjuice him to ye). Run in a hurry, with Mrs. Major O’Dowd’s compliments to Colonel Tavish, and Captain Osborne has brought his brothernlaw down, and will bring him to the 150th mess at five o’clock sharp — when you and I, my dear, will take a snack here, if you like.” Before Mrs. O’Dowd’s speech was concluded, the young Ensign was trotting downstairs on his commission.

»Gehorsam ist die Seele der Armee. Wir wollen unserem Dienst nachgehen, während Mrs. O'Dowd bei dir bleibt, um dich aufzuklären, Emmy«, sagte Hauptmann Osborne, worauf die beiden Hauptleute jeder einen Arm des Majors ergriffen und mit ihm abmarschierten, wobei sie sich über seinen Kopf zugrinsten.

 

“Obedience is the soul of the army. We will go to our duty while Mrs. O’Dowd will stay and enlighten you, Emmy,” Captain Osborne said; and the two gentlemen, taking each a wing of the Major, walked out with that officer, grinning at each other over his head.

Und nun, da die temperamentvolle Mrs. O'Dowd mit ihrer neuen Freundin allein war, fing sie an, eine Unmenge von Geschichten herauszusprudeln, die der Kopf einer armen kleinen Frau niemals behalten konnte. Sie erzählte Amelia tausend Einzelheiten über die zahlreiche Familie, deren Mitglied die verwirrte junge Dame nun war. »Mrs. Heavytop, die Frau des Obersten, starb in Jamaika am gelben Fieber und an gebrochenem Herzen, denn der schreckliche alte Oberst, kahlköpfig wie eine Kanonenkugel, machte einem Eingeborenenmädchen schöne Augen. Mrs. Magenis, obwohl ungebildet, ist eine gute Frau. Sie hat aber eine Teufelszunge und würde ihre eigene Mutter beim Whist betrügen. Die Frau des Hauptmanns Kirk schlägt schon beim Gedanken an ein ehrliches Spiel ihre Hummeraugen zum Himmel auf (dabei spielten mein Vater, ein so frommer Mann, wie nur je zur Kirche ging, mein Onkel, Dekan Malony, und unser Cousin, der Bischof, jeden Abend in ihrem Leben Whist oder Loo). Keine von ihnen geht diesmal mit dem Regiment mit«, setzte Mrs. O'Dowd hinzu. »Fanny Magenis bleibt bei ihrer Mutter, die, wie man erzählt, in Islington-Town, ganz in der Nähe von London, Kohlen und Kartoffeln verkauft, obwohl sie ständig mit den Schiffen ihres Vaters prahlt und sie uns zeigt, wenn sie den Fluß hinauffahren. Und Mrs. Kirk wird mit ihren Kindern hier am Bethesda Place bleiben, um in der Nähe ihres Lieblingspredigers, Doktor Ramshorns, zu sein. Mrs. Bunny ist in interessanten Umständen (das ist sie immer), sie hat dem Leutnant schon sieben geschenkt. Und Fähnrich Poskys Frau, die zwei Monate vor Ihnen zu uns kam, meine Liebe, hat mit Tom Posky schon ein paar dutzendmal Streit gehabt, daß man es durch die ganze Kaserne hört (man sagt, es hätte schon zerbrochene Teller gegeben, und Tom hat nie erzählt, wo er sein blaues Auge herhatte). Sie geht zu ihrer Mutter, die in Richmond eine höhere Töchterschule hat – schadet ihr nichts, warum ist sie von dort weggelaufen? Wo sind Sie zur Schule gegangen, meine Liebe? Ich muß sagen, bei mir haben sie keine Kosten gescheut, ich bin im Pensionat von Madame Flanahan, Booterstown bei Dublin, Ulysses Grove, erzogen worden, wo wir eine Marquise hatten, die uns den echten Pariser Akzent beibringen sollte, und einen pensionierten französischen Generalmajor, um uns bei den Aufgaben zu helfen.«

 

And, now having her new friend to herself, the impetuous Mrs: O’Dowd proceeded to pour out such a quantity of information as no poor little woman’s memory could ever tax itself to bear. She told Amelia a thousand particulars relative to the very numerous family of which the amazed young lady found herself a member. “Mrs. Heavytop, the Colonel’s wife, died in Jamaica of the yellow faver and a broken heart comboined, for the horrud old Colonel, with a head as bald as a cannon-ball, was making sheep’s eyes at a half-caste girl there. Mrs. Magenis, though without education, was a good woman, but she had the divvle’s tongue, and would cheat her own mother at whist. Mrs. Captain Kirk must turn up her lobster eyes forsooth at the idea of an honest round game (wherein me fawther, as pious a man as ever went to church, me uncle Dane Malony, and our cousin the Bishop, took a hand at loo, or whist, every night of their lives). Nayther of ‘em’s goin’ with the regiment this time,” Mrs. O’Dowd added. “Fanny Magenis stops with her mother, who sells small coal and potatoes, most likely, in Islington-town, hard by London, though she’s always bragging of her father’s ships, and pointing them out to us as they go up the river: and Mrs. Kirk and her children will stop here in Bethesda Place, to be nigh to her favourite preacher, Dr. Ramshorn. Mrs. Bunny’s in an interesting situation — faith, and she always is, then — and has given the Lieutenant seven already. And Ensign Posky’s wife, who joined two months before you, my dear, has quarl’d with Tom Posky a score of times, till you can hear’m all over the bar’ck (they say they’re come to broken pleets, and Tom never accounted for his black oi), and she’ll go back to her mother, who keeps a ladies’ siminary at Richmond — bad luck to her for running away from it! Where did ye get your finishing, my dear? I had moin, and no expince spared, at Madame Flanahan’s, at Ilyssus Grove, Booterstown, near Dublin, wid a Marchioness to teach us the true Parisian pronunciation, and a retired Mejor-General of the French service to put us through the exercise.”

Unsere erstaunte Amelia war also plötzlich Mitglied dieser bunten Familie, und Mrs. O'Dowd war ihre ältere Schwester. Ihren übrigen weiblichen Verwandten, auf die sie einen angenehmen Eindruck machte, weil sie ruhig, gutmütig und nicht zu hübsch war, wurde sie beim Tee vorgestellt. Als aber die Herren von der Offiziersmesse des Hundertfünfzigsten kamen und sie alle bewunderten, fanden ihre Schwestern natürlich bald etwas an ihr auszusetzen.

 

Of this incongruous family our astonished Amelia found herself all of a sudden a member: with Mrs. O’Dowd as an elder sister. She was presented to her other female relations at tea-time, on whom, as she was quiet, good-natured, and not too handsome, she made rather an agreeable impression until the arrival of the gentlemen from the mess of the 150th, who all admired her so, that her sisters began, of course, to find fault with her.

»Hoffentlich hat Osborne sich nun die Hörner abgelaufen«, meinte Mrs. Magenis zu Mrs. Bunny. »Wenn ein gebesserter Wüstling ein guter Ehemann wird, so hat sie fürwahr mit George die besten Aussichten«, bemerkte Mrs. O'Dowd zur Posky, die nun ihre Stellung als Jüngste im Regiment eingebüßt hatte und natürlich über die Verdrängung böse war. Und Mrs. Kirk, die Schülerin von Doktor Ramshorn, stellte Amelia wichtige religiöse Fragen, um zu sehen, ob sie erweckt sei, ob sie eine gute Christin sei und so weiter, und als sie aus Mrs. Osbornes einfältigen Antworten schloß, daß diese noch in tiefster Finsternis wandle, so steckte sie ihr drei bebilderte kleine Traktätchen zu, und zwar »Die heulende Wildnis«, »Die Waschfrau von Wandsworth« und »Das beste Bajonett des britischen Soldaten«. Da Mrs. Kirk sich in den Kopf gesetzt hatte, Amelia noch vor dem Einschlafen zu erwecken, bat sie die junge Frau, sie vor dem Schlafengehen zu lesen.

 

“I hope Osborne has sown his wild oats,” said Mrs. Magenis to Mrs. Bunny. “If a reformed rake makes a good husband, sure it’s she will have the fine chance with Garge,” Mrs. O’Dowd remarked to Posky, who had lost her position as bride in the regiment, and was quite angry with the usurper. And as for Mrs. Kirk: that disciple of Dr. Ramshorn put one or two leading professional questions to Amelia, to see whether she was awakened, whether she was a professing Christian and so forth, and finding from the simplicity of Mrs. Osborne’s replies that she was yet in utter darkness, put into her hands three little penny books with pictures, viz., the “Howling Wilderness,” the “Washerwoman of Wandsworth Common,” and the “British Soldier’s best Bayonet,” which, bent upon awakening her before she slept, Mrs. Kirk begged Amelia to read that night ere she went to bed.

Alle Männer aber, gute Burschen, die sie waren, sammelten sich um die hübsche kleine Frau ihres Kameraden und machten ihr mit militärischer Galanterie den Hof. Sie feierte einen kleinen Triumph, der ihre Stimmung belebte und ihre Augen leuchten ließ. George war ganz stolz auf ihre Beliebtheit und freute sich darüber, wie munter und graziös und trotzdem naiv und etwas schüchtern sie die Aufmerksamkeiten der Herren entgegennahm und ihren Komplimenten antwortete. Und er in seiner Uniform – wieviel hübscher war er als alle im Zimmer Anwesenden! Sie fühlte, daß er sie liebevoll beobachtete, und strahlte vor Freude über seine Güte. Ich will zu allen seinen Freunden nett sein, beschloß sie in ihrem Herzen. Ich will alle lieben, die ihn lieben. Ich will mir Mühe geben, immer munter und gut gelaunt zu sein, um ihm ein glückliches Heim zu schaffen.

 

But all the men, like good fellows as they were, rallied round their comrade’s pretty wife, and paid her their court with soldierly gallantry. She had a little triumph, which flushed her spirits and made her eyes sparkle. George was proud of her popularity, and pleased with the manner (which was very gay and graceful, though naive and a little timid) with which she received the gentlemen’s attentions, and answered their compliments. And he in his uniform — how much handsomer he was than any man in the room! She felt that he was affectionately watching her, and glowed with pleasure at his kindness. “I will make all his friends welcome,” she resolved in her heart. “I will love all as I love him. I will always try and be gay and good-humoured and make his home happy.”

Das Regiment nahm sie wirklich mit Jubel auf. Die Hauptleute freundeten sich mit ihr an, die Leutnants spendeten Beifall, die Fähnriche bewunderten sie. Der alte Cutler, der Arzt, machte ein paar Witze, die wir nicht wiederholen wollen, weil sie in sein Fach schlagen, und Cackle, der assistierende Doktor der Medizin aus Edinburgh, ließ sich herab, sie in Literatur zu prüfen, und stellte sie mit seinen drei besten französischen Zitaten auf die Probe. Der junge Stubble ging von einem zum anderen und flüsterte: »Beim Zeus, ist sie nicht ein nettes Mädel?« und wandte seine Augen nur von ihr ab, wenn der Glühwein serviert wurde.

 

The regiment indeed adopted her with acclamation. The Captains approved, the Lieutenants applauded, the Ensigns admired. Old Cutler, the Doctor, made one or two jokes, which, being professional, need not be repeated; and Cackle, the Assistant M.D. of Edinburgh, condescended to examine her upon leeterature, and tried her with his three best French quotations. Young Stubble went about from man to man whispering, “Jove, isn’t she a pretty gal?” and never took his eyes off her except when the negus came in.

Hauptmann Dobbin sprach den ganzen Abend fast kein Wort mit ihr. Er brachte jedoch mit Hauptmann Porter vom Hundertfünfzigsten den bezechten Joe ins Hotel. Dieser hatte mit großem Erfolg sowohl in der Offiziersmesse als auch bei der Soiree Mrs. O'Dowd in ihrem Turban mit dem Paradiesvogel seine Tigerjagdgeschichte zum besten gegeben. Nachdem Dobbin den Steuereinnehmer den Händen seines Bedienten überantwortet hatte, ging er die Straßen auf und ab und rauchte vor der Gasthaustür noch seine Zigarre. Mittlerweile hatte George seine Frau sorgfältig in den Schal gehüllt und sie nach allgemeinem Händedrücken von Mrs. O'Dowd weggeführt. Die jungen Offiziere begleiteten sie an den Wagen und ließen sie hochleben, während die Kutsche sich entfernte. Beim Aussteigen reichte Amelia ihm ihr kleines Händchen und machte ihm lächelnd Vorwürfe, weil er sie den ganzen Abend nicht beachtet habe.

 

As for Captain Dobbin, he never so much as spoke to her during the whole evening. But he and Captain Porter of the l50th took home Jos to the hotel, who was in a very maudlin state, and had told his tiger-hunt story with great effect, both at the mess-table and at the soiree, to Mrs. O’Dowd in her turban and bird of paradise. Having put the Collector into the hands of his servant, Dobbin loitered about, smoking his cigar before the inn door. George had meanwhile very carefully shawled his wife, and brought her away from Mrs. O’Dowd’s after a general handshaking from the young officers, who accompanied her to the fly, and cheered that vehicle as it drove off. So Amelia gave Dobbin her little hand as she got out of the carriage, and rebuked him smilingly for not having taken any notice of her all night.

Der Hauptmann überließ sich noch lange, nachdem das Gasthaus und die Straße zur Ruhe gegangen waren, dem köstlichen Vergnügen des Rauchens. Er beobachtete, wie die Lichter in den Fenstern von Georges Wohnzimmer verschwanden und im daranstoßenden Schlafzimmer wieder auftauchten. Es war fast Morgen, als er in sein eigenes Quartier zurückkehrte. Er konnte die hellen Zurufe von den Schiffen im Fluß hören, wo sie ihre Ladung aufnahmen, ehe sie die Themse hinabglitten.

 

The Captain continued that deleterious amusement of smoking, long after the inn and the street were gone to bed. He watched the lights vanish from George’s sitting-room windows, and shine out in the bedroom close at hand. It was almost morning when he returned to his own quarters. He could hear the cheering from the ships in the river, where the transports were already taking in their cargoes preparatory to dropping down the Thames.

 << Kapitel 28  Kapitel 30 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.