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Jahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1

William Makepeace Thackeray: Jahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1 - Kapitel 24
Quellenangabe
pfad/thackara/2jahrma1/2jahrma1.xml
typefiction
authorWilliam Makepeace Thackeray
titleJahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1
publisherprojekt.gutenberg.de
editorHella Reuters
year2012
firstpub2012
translatorChristoph Friedrich Grieb
senderreuters@abc.de
created20120915
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22. Kapitel / Chapter 22

Eine Heirat und ein Teil der Flitterwochen / A Marriage and Part of a Honeymoon

Die hartnäckigsten und mutigsten Feinde vermögen dem Hunger nicht auf lange Zeit standzuhalten, und so war denn der alte Osborne unbesorgt um seinen Gegner in dem Kampf, den wir gerade beschrieben haben. Er erwartete zuversichtlich, daß George sich auf Gnade und Ungnade ergeben würde, sobald ihm das Geld ausgehen würde. Zwar war der Junge unglücklicherweise gerade am Tage des ersten Gefechts mit Proviant versehen worden, allein der alte Osborne dachte, er würde nicht lange reichen und Georges Unterwerfung höchstens etwas verzögern. Einige Tage lang hörten Vater und Sohn nichts voneinander. Der Alte war über das Schweigen aufgebracht, aber nicht unruhig, denn er wußte, wo er George die Daumenschrauben anzusetzen hatte, und wollte daher bloß das Resultat dieser Operation abwarten. Er teilte den Schwestern den Ausgang des Streites mit, befahl ihnen aber gleichzeitig, von der Sache keine Notiz zu nehmen und George bei seiner Rückkehr zu begrüßen, als ob nichts vorgefallen wäre. Wie üblich wurde für ihn jeden Tag gedeckt, und der alte Herr erwartete ihn wahrscheinlich sehnsüchtig. Aber George ließ sich nicht blicken. Man erkundigte sich nach ihm bei Slaughters und erfuhr, daß er und sein Freund, Hauptmann Dobbin, die Stadt verlassen hätten.

 

Enemies the most obstinate and courageous can’t hold out against starvation; so the elder Osborne felt himself pretty easy about his adversary in the encounter we have just described; and as soon as George’s supplies fell short, confidently expected his unconditional submission. It was unlucky, to be sure, that the lad should have secured a stock of provisions on the very day when the first encounter took place; but this relief was only temporary, old Osborne thought, and would but delay George’s surrender. No communication passed between father and son for some days. The former was sulky at this silence, but not disquieted; for, as he said, he knew where he could put the screw upon George, and only waited the result of that operation. He told the sisters the upshot of the dispute between them, but ordered them to take no notice of the matter, and welcome George on his return as if nothing had happened. His cover was laid as usual every day, and perhaps the old gentleman rather anxiously expected him; but he never came. Some one inquired at the Slaughters’ regarding him, where it was said that he and his friend Captain Dobbin had left town.

Es war an einem stürmischen, unfreundlichen Tag Ende April, der Regen peitschte das Pflaster der alten Straße, in der einst Slaughters' Kaffeehaus lag – da betrat George Osborne das Kaffeezimmer. Er war ungemein verstört und bleich, obgleich er einen eleganten blauen Frack mit Messingknöpfen und eine nette bräunliche Weste trug, wie es damals gerade Mode war. Sein Freund, Hauptmann Dobbin, war schon anwesend, gleichfalls in Blau und Messing. Diese Kleidung ersetzte den Militärrock und die grauen Beinkleider, mit denen er seinen schmalen Körper sonst bedeckte.

 

One gusty, raw day at the end of April — the rain whipping the pavement of that ancient street where the old Slaughters’ Coffee-house was once situated — George Osborne came into the coffee-room, looking very haggard and pale; although dressed rather smartly in a blue coat and brass buttons, and a neat buff waistcoat of the fashion of those days. Here was his friend Captain Dobbin, in blue and brass too, having abandoned the military frock and French-grey trousers, which were the usual coverings of his lanky person.

Dobbin war schon über eine Stunde im Kaffeezimmer. Er hatte alle Zeitungen zur Hand genommen, konnte aber nicht lesen. Er hatte unzählige Male auf die Uhr gesehen und auf die Straße geblickt, wo der Regen niederprasselte und wo die Leute in Holzschuhen vorbeiklapperten und sich in den glänzenden Steinen widerspiegelten. Er trommelte auf dem Tisch, kaute gründlich an den Nägeln und biß sie fast bis zum Fleisch ab (er war gewohnt, seine großen Hände auf diese Weise zu zieren), er balancierte den Teelöffel geschickt auf dem Milchkännchen, stieß es um und so weiter und so weiter. Kurz gesagt, er zeigte alle Symptome von Unruhe und machte all die verzweifelten Versuche, die Zeit totzuschlagen, die die Menschen gewöhnlich unternehmen, wenn sie sehr ängstlich, erwartungsvoll und unruhig sind.

 

Dobbin had been in the coffee-room for an hour or more. He had tried all the papers, but could not read them. He had looked at the clock many scores of times; and at the street, where the rain was pattering down, and the people as they clinked by in pattens, left long reflections on the shining stone: he tattooed at the table: he bit his nails most completely, and nearly to the quick (he was accustomed to ornament his great big hands in this way): he balanced the tea-spoon dexterously on the milk jug: upset it, &c., &c.; and in fact showed those signs of disquietude, and practised those desperate attempts at amusement, which men are accustomed to employ when very anxious, and expectant, and perturbed in mind.

Einige seiner gerade anwesenden Kameraden zogen ihn wegen seines glänzenden Aufzuges und seines aufgeregten Benehmens auf. Einer fragte ihn, ob er wohl heiraten wolle. Dobbin lachte und erwiderte, er würde seinem Kameraden (Major Wagstaff von den Genietruppen) ein Stück Kuchen schicken, wenn es soweit wäre. Endlich erschien Hauptmann Osborne, wie gesagt sehr elegant, aber ungemein blaß und aufgeregt. Er wischte sich das bleiche Gesicht mit einem großen gelben, stark parfümierten Taschentuch ab, schüttelte Dobbin die Hand, blickte auf die Wanduhr und bestellte bei John, dem Kellner, Curaçao. Er schüttete ein paar Gläser von diesem Likör mit nervöser Hast hinunter. Sein Freund fragte mit einiger Teilnahme nach seinem Befinden.

 

Some of his comrades, gentlemen who used the room, joked him about the splendour of his costume and his agitation of manner. One asked him if he was going to be married? Dobbin laughed, and said he would send his acquaintance (Major Wagstaff of the Engineers) a piece of cake when that event took place. At length Captain Osborne made his appearance, very smartly dressed, but very pale and agitated as we have said. He wiped his pale face with a large yellow bandanna pocket-handkerchief that was prodigiously scented. He shook hands with Dobbin, looked at the clock, and told John, the waiter, to bring him some curacao. Of this cordial he swallowed off a couple of glasses with nervous eagerness. His friend asked with some interest about his health.

»Habe bis Tagesanbruch nicht ein Auge zugetan, Dob«, sagte er. »Höllisches Kopfweh und Fieber. Stand um neun auf und ging ins Bad. Ich sage dir, Dob, es ist mir gerade so zumute wie an dem Morgen in Quebec, als ich mich mit Rocket schlug.«

 

“Couldn’t get a wink of sleep till daylight, Dob,” said he. “Infernal headache and fever. Got up at nine, and went down to the Hummums for a bath. I say, Dob, I feel just as I did on the morning I went out with Rocket at Quebec.”

»Mir geht es ebenso«, antwortete William. »Ich war aber an dem Morgen verteufelt nervöser als du. Du hast damals noch tüchtig gefrühstückt, wie ich mich entsinnen kann. Iß jetzt auch etwas.«

 

“So do I,” William responded. “I was a deuced deal more nervous than you were that morning. You made a famous breakfast, I remember. Eat something now.”

»Du bist ein guter, alter Kerl, Will. Ich trinke auf dein Wohl, alter Junge, und dann adieu dem...«

 

“You’re a good old fellow, Will. I’ll drink your health, old boy, and farewell to — ”

»Nein, nein. Zwei Gläser sind genug«, unterbrach ihn Dobbin. »Hier, John, bringen Sie den Likör weg. Nimm ein bißchen Cayennepfeffer zu deinem Huhn. Aber beeil dich ein wenig, denn es wird Zeit, daß wir hinkommen.«

 

“No, no; two glasses are enough,” Dobbin interrupted him. “Here, take away the liqueurs, John. Have some cayenne-pepper with your fowl. Make haste though, for it is time we were there.”

Es war ungefähr halb zwölf, als dieses kurze Gespräch zwischen den beiden Hauptleuten stattfand. Eine Kutsche, in der Hauptmann Osbornes Diener das kleine tragbare Briefpult und den Toilettenkasten seines Herrn verstaut hatte, wartete schon einige Zeit. Und nun eilten die beiden Herren unter einem Regenschirm eilig auf die Kutsche zu und stiegen ein, während der Diener den Bock bestieg und den Regen sowie die dampfende Feuchtigkeit des Kutschers neben ihm verwünschte. »Wir werden an der Kirchtüre eine bessere Kalesche finden als die hier«, sagte er, »das ist ein Trost.« Und nun ging es weiter, Piccadilly entlang, wo das Apsley-Haus und das Sankt-Georgs-Hospital noch rote Jacken trugen, wo es noch Öllaternen gab, wo der Achilles noch nicht geboren war und man den Pimlico-Bogen noch nicht gebaut hatte und auch nicht das abscheuliche Monstrum von Reiterstandbild, das die ganze Umgebung jetzt überragt. Und so fuhren sie durch Brompton auf eine bestimmte Kapelle in der Nähe der Fulham Road zu.

 

It was about half an hour from twelve when this brief meeting and colloquy took place between the two captains. A coach, into which Captain Osborne’s servant put his master’s desk and dressing-case, had been in waiting for some time; and into this the two gentlemen hurried under an umbrella, and the valet mounted on the box, cursing the rain and the dampness of the coachman who was steaming beside him. “We shall find a better trap than this at the church-door,” says he; “that’s a comfort.” And the carriage drove on, taking the road down Piccadilly, where Apsley House and St. George’s Hospital wore red jackets still; where there were oil-lamps; where Achilles was not yet born; nor the Pimlico arch raised; nor the hideous equestrian monster which pervades it and the neighbourhood; and so they drove down by Brompton to a certain chapel near the Fulham Road there.

Dort wartete eine vierspännige Kutsche und noch eine vornehme, die man damals Glaskutsche nannte. Nur sehr wenige Müßiggänger waren in Anbetracht des abscheulichen Regenwetters dort versammelt.

 

A chariot was in waiting with four horses; likewise a coach of the kind called glass coaches. Only a very few idlers were collected on account of the dismal rain.

»Zum Henker!« rief George. »Ich habe doch gesagt, zwei sind genug.«

 

“Hang it!” said George, “I said only a pair.”

»Mein Herr wollte vier haben«, sagte Mr. Joseph Sedleys Diener, der dort wartete. Er und auch Mr. Osbornes Diener waren der Ansicht, während sie George und William in die Kirche folgten, daß es »wirklich eine schäbige Veranstaltung sei, wo es kaum ein Frühstück oder eine Hochzeitsschleife gebe«.

 

“My master would have four,” said Mr. Joseph Sedley’s servant, who was in waiting; and he and Mr. Osborne’s man agreed as they followed George and William into the church, that it was a “reg’lar shabby turn hout; and with scarce so much as a breakfast or a wedding faviour.”

»Da seid ihr ja«, sagte unser alter Freund Joe Sedley und trat hinzu. »Du kommst fünf Minuten zu spät, George, mein Junge. Was für ein Tag, nicht? Verdammt noch mal, es ist wie beim Beginn der Regenzeit in Bengalen. Ihr werdet aber merken, daß mein Wagen wasserdicht ist. Kommt, kommt, meine Mutter und Emmy warten in der Sakristei.«

 

“Here you are,” said our old friend, Jos Sedley, coming forward. “You’re five minutes late, George, my boy. What a day, eh? Demmy, it’s like the commencement of the rainy season in Bengal. But you’ll find my carriage is watertight. Come along, my mother and Emmy are in the vestry.”

Joe Sedley sah prachtvoll aus. Er war dicker denn je. Sein Hemdkragen war noch höher, sein Gesicht noch röter, seine Hemdkrause prangte in vollem Glanze auf seiner bunten Weste. Lackstiefel waren damals noch nicht erfunden, aber die Reitstiefel an seinen schönen Beinen glänzten so, daß es das gleiche Paar sein mußte, vor dem der Herr auf dem alten Bild sich zu rasieren pflegte. Und auf seinem hellgrünen Frack prangte eine schöne Hochzeitsschleife wie eine große vollerblühte weiße Magnolie.

 

Jos Sedley was splendid. He was fatter than ever. His shirt collars were higher; his face was redder; his shirt-frill flaunted gorgeously out of his variegated waistcoat. Varnished boots were not invented as yet; but the Hessians on his beautiful legs shone so, that they must have been the identical pair in which the gentleman in the old picture used to shave himself; and on his light green coat there bloomed a fine wedding favour, like a great white spreading magnolia.

Mit einem Wort, George hatte den großen Wurf getan. Er war auf dem Wege zur Hochzeit. Daher seine Blässe und Nervosität, die schlaflose Nacht und die Aufregung am Morgen. Ich habe Leute, die dasselbe durchgemacht haben, bekennen hören, daß ihnen ebenso zumute gewesen sei. Nach drei oder vier dieser heiligen Handlungen gewöhnt man sich zweifellos daran, aber jedermann gesteht, daß es beim ersten Mal schrecklich ist.

 

In a word, George had thrown the great cast. He was going to be married. Hence his pallor and nervousness — his sleepless night and agitation in the morning. I have heard people who have gone through the same thing own to the same emotion. After three or four ceremonies, you get accustomed to it, no doubt; but the first dip, everybody allows, is awful.

Die Braut trug einen braunseidenen Umhang (wie Hauptmann Dobbin mir später berichtet hat) und einen Strohhut mit rosa Band. Um den Hut hatte sie einen Schleier aus weißen Chantillyspitzen geschlungen – ein Geschenk von ihrem Bruder, Mr. Joseph Sedley. Hauptmann Dobbin hatte gebeten, ihr eine goldene Kette mit einer Uhr schenken zu dürfen, womit sie sich bei dieser Gelegenheit geschmückt hatte. Ihre Mutter hatte ihr ihre Diamantbrosche geschenkt – fast das einzige Schmuckstück, das der alten Dame geblieben war. Während der Trauung saß Mrs. Sedley heftig weinend in einem Kirchenstuhl, während das irische Dienstmädchen und Mrs. Clapp, eine Hausbewohnerin, sie trösteten. Der alte Sedley wollte nicht kommen. Joe vertrat seinen Vater und gab die Braut zur Ehe, während Hauptmann Dobbin Georges Brautführer war.

 

The bride was dressed in a brown silk pelisse (as Captain Dobbin has since informed me), and wore a straw bonnet with a pink ribbon; over the bonnet she had a veil of white Chantilly lace, a gift from Mr. Joseph Sedley, her brother. Captain Dobbin himself had asked leave to present her with a gold chain and watch, which she sported on this occasion; and her mother gave her her diamond brooch — almost the only trinket which was left to the old lady. As the service went on, Mrs. Sedley sat and whimpered a great deal in a pew, consoled by the Irish maid-servant and Mrs. Clapp from the lodgings. Old Sedley would not be present. Jos acted for his father, giving away the bride, whilst Captain Dobbin stepped up as groomsman to his friend George.

Außer dem Pfarrer und seinen Helfern, dem Brautpaar und ihren Begleitern war niemand in der Kirche. Die beiden Bedienten hatten sich hochmütig in den Hintergrund verzogen. Der Regen trommelte gegen die Fenster. In den Pausen beim Gottesdienst konnte man ihn und das Schluchzen der alten Mrs. Sedley im Kirchenstuhl deutlich hören. Die kahlen Wände gaben die Stimme des Pfarrers traurig zurück. Osbornes »Ja« ertönte in tiefem Baß. Emmys Antwort schwebte zitternd vom Herzen zu den Lippen, wurde aber von kaum jemandem außer Hauptmann Dobbin vernommen.

 

There was nobody in the church besides the officiating persons and the small marriage party and their attendants. The two valets sat aloof superciliously. The rain came rattling down on the windows. In the intervals of the service you heard it, and the sobbing of old Mrs. Sedley in the pew. The parson’s tones echoed sadly through the empty walls. Osborne’s “I will” was sounded in very deep bass. Emmy’s response came fluttering up to her lips from her heart, but was scarcely heard by anybody except Captain Dobbin.

Als die Trauung vorüber war, trat Joe Sedley vor und küßte seine bräutliche Schwester nach vielen Monaten zum erstenmal. Georges düstere Miene war verschwunden, und er sah stolz und strahlend aus. »Nun bist du dran, William«, sagte er und legte die Hand liebevoll auf Dobbins Schulter. Und Dobbin trat hinzu und berührte Amelias Wange.

 

When the service was completed, Jos Sedley came forward and kissed his sister, the bride, for the first time for many months — George’s look of gloom had gone, and he seemed quite proud and radiant. “It’s your turn, William,” says he, putting his hand fondly upon Dobbin’s shoulder; and Dobbin went up and touched Amelia on the cheek.

Dann gingen sie in die Sakristei, wo sie sich in das Register einschrieben. »Gott segne dich, alter Dobbin«, sagte George und ergriff seine Hand, während etwas Feuchtes in seinen Augen schimmerte. William antwortete nur mit einem Kopfnicken. Sein Herz war ihm zu voll zum Sprechen.

 

Then they went into the vestry and signed the register. “God bless you, Old Dobbin,” George said, grasping him by the hand, with something very like moisture glistening in his eyes. William replied only by nodding his head. His heart was too full to say much.

»Schreib gleich und komm, sobald du kannst, ja?« sagte Osborne. Nachdem Mrs. Sedley bewegt von ihrer Tochter Abschied genommen hatte, ging das Paar zur Kutsche. »Aus dem Wege, ihr kleinen Teufel«, rief George einigen durchweichten Gassenjungen zu, die sich an der Kirchentür herumtrieben. Der Regen schlug dem Brautpaar ins Gesicht, als sie zum Wagen schritten. Die Hochzeitsschleifen der Postillione baumelten an ihren triefenden Jacken. Die wenigen Kinder riefen ein trauriges Hurra, als der Wagen schmutzspritzend davonfuhr.

 

“Write directly, and come down as soon as you can, you know,” Osborne said. After Mrs. Sedley had taken an hysterical adieu of her daughter, the pair went off to the carriage. “Get out of the way, you little devils,” George cried to a small crowd of damp urchins, that were hanging about the chapel-door. The rain drove into the bride and bridegroom’s faces as they passed to the chariot. The postilions’ favours draggled on their dripping jackets. The few children made a dismal cheer, as the carriage, splashing mud, drove away.

William Dobbin stand in der Kirchentür und sah ihnen nach – eine seltsame Figur. Das kleine Zuschauerhäuflein lachte über ihn, aber er beachtete weder sie noch ihr Gelächter.

 

William Dobbin stood in the church-porch, looking at it, a queer figure. The small crew of spectators jeered him. He was not thinking about them or their laughter.

»Kommen Sie mit, wir wollen einen kleinen Imbiß einnehmen, Dobbin«, rief eine Stimme hinter ihm, und eine fette Hand legte sich auf seine Schulter. Die Träumerei des ehrlichen Burschen war unterbrochen. Aber dem Hauptmann stand der Sinn jetzt nicht nach einem Festessen mit Joe Sedley. Er half der weinenden alten Dame und ihren Begleitern in Joes Kutsche und verließ sie ohne ein weiteres Wort. Auch diese Kutsche entfernte sich, und die kleinen Gassenjungen riefen noch ein Hurra, sehr sarkastisch.

 

“Come home and have some tiffin, Dobbin,” a voice cried behind him; as a pudgy hand was laid on his shoulder, and the honest fellow’s reverie was interrupted. But the Captain had no heart to go a-feasting with Jos Sedley. He put the weeping old lady and her attendants into the carriage along with Jos, and left them without any farther words passing. This carriage, too, drove away, and the urchins gave another sarcastical cheer.

»Hier, ihr kleinen Bettler«, sagte Dobbin und verteilte ein paar Münzen unter ihnen. Dann ging er allein durch den Regen davon. Alles war vorbei. Sie waren verheiratet und glücklich, darum betete er zu Gott. Seit seiner Kindheit hatte er sich noch nie so elend und so einsam gefühlt. Mit schmerzhaftem Sehnen wünschte er, daß die ersten Tage vorüber wären, damit er sie wiedersehen könnte.

 

“Here, you little beggars,” Dobbin said, giving some sixpences amongst them, and then went off by himself through the rain. It was all over. They were married, and happy, he prayed God. Never since he was a boy had he felt so miserable and so lonely. He longed with a heart-sick yearning for the first few days to be over, that he might see her again.

Etwa zehn Tage nach der beschriebenen Feier genossen drei junge Männer aus unserer Bekanntschaft den herrlichen Anblick von Erkerfenstern auf der einen Seite und blauer See auf der anderen, den Brighton dem Reisenden bietet. Bisweilen schaut der Londoner entzückt zum Meer, wenn es mit zahllosen Grübchen lächelt, mit weißen Segeln gesprenkelt ist und Hunderte von Badekarren den Saum seines blauen Gewandes küssen. Manchmal dagegen, wenn er lieber die menschliche Natur als irgendwelche Aussichten studieren will, dann wendet er sich den Erkerfenstern und dem Menschengewimmel zu, das sich dort zeigt. Aus einem Fenster dringen die Töne eines Klaviers, auf dem eine lockige junge Dame zum großen Entzücken der Hausgenossen sechs Stunden täglich übt. An einem anderen steht das Kindermädchen, die hübsche Polly, die den kleinen Master Omnium auf den Armen wiegt, während man ein Fenster tiefer Jakob, seinen Papa, zum Frühstück Garnelen essen und die »Times« verschlingen sieht. Drüben halten die Misses Leery Ausschau nach den jungen Kürassieroffizieren, die höchstwahrscheinlich an den Klippen Spazierengehen. Oder dort hält ein Londoner Kaufmann, wie ein Matrose ausstaffiert, ein Teleskop von der Größe einer Sechspfünderkanone auf das Meer gerichtet, um jedes Vergnügungsboot, jedes Fischerboot und jeden Badekarren, die ans Ufer kommen oder hinausfahren, auszumachen. Aber haben wir Zeit für eine Beschreibung von Brighton? Von Brighton, dem sauberen Neapel mit eleganten Lazzaronis, von Brighton, das immer lebhaft, heiter und bunt wirkt wie eine Harlekinsjacke, von Brighton, das zur Zeit unserer Geschichte sieben Stunden von London entfernt ist, jetzt nur noch hundert Minuten, und uns noch wer weiß wieviel näher rücken mag, wenn nicht Joinville kommt und es zur Unzeit bombardiert.

 

Some ten days after the above ceremony, three young men of our acquaintance were enjoying that beautiful prospect of bow windows on the one side and blue sea on the other, which Brighton affords to the traveller. Sometimes it is towards the ocean — smiling with countless dimples, speckled with white sails, with a hundred bathing-machines kissing the skirt of his blue garment — that the Londoner looks enraptured: sometimes, on the contrary, a lover of human nature rather than of prospects of any kind, it is towards the bow windows that he turns, and that swarm of human life which they exhibit. From one issue the notes of a piano, which a young lady in ringlets practises six hours daily, to the delight of the fellow-lodgers: at another, lovely Polly, the nurse-maid, may be seen dandling Master Omnium in her arms: whilst Jacob, his papa, is beheld eating prawns, and devouring the Times for breakfast, at the window below. Yonder are the Misses Leery, who are looking out for the young officers of the Heavies, who are pretty sure to be pacing the cliff; or again it is a City man, with a nautical turn, and a telescope, the size of a six-pounder, who has his instrument pointed seawards, so as to command every pleasure-boat, herring-boat, or bathing-machine that comes to, or quits, the shore, &c., &c. But have we any leisure for a description of Brighton? — for Brighton, a clean Naples with genteel lazzaroni — for Brighton, that always looks brisk, gay, and gaudy, like a harlequin’s jacket — for Brighton, which used to be seven hours distant from London at the time of our story; which is now only a hundred minutes off; and which may approach who knows how much nearer, unless Joinville comes and untimely bombards it?

»Was für ein unheimlich hübsches Mädchen, das dort in der Wohnung über der Putzmacherin ist«, meinte einer der drei Spaziergänger zu den anderen. »Bei Gott, Crawley, haben Sie das Zeichen gesehen, das sie mir gab, als ich vorüberging?«

 

“What a monstrous fine girl that is in the lodgings over the milliner’s,” one of these three promenaders remarked to the other; “Gad, Crawley, did you see what a wink she gave me as I passed?”

»Brechen Sie ihr nicht das Herz, Joe, Sie Schurke«, sagte ein anderer. »Spielen Sie nicht mit ihrem Gefühl, Sie Don Juan!«

 

“Don’t break her heart, Jos, you rascal,” said another. “Don’t trifle with her affections, you Don Juan!”

»Kommt, weiter!« sagte Joe Sedley hocherfreut und warf dem betreffenden Dienstmädchen einen unwiderstehlichen Blick hinauf. Joe war in Brighton noch großartiger ausgeputzt als bei der Trauung seiner Schwester. Er hatte prächtige Westen an, von denen schon eine ausgereicht hätte, einen gewöhnlichen Stutzer aus jemandem zu machen. Er trug einen militärischen Überrock mit Säbelösen, Quasten, schwarzen Knöpfen und reichen Stickereien verziert. Er hatte in der letzten Zeit militärische Gewohnheiten und ein militärisches Äußeres angenommen; und er schritt sporenklirrend neben seinen beiden Freunden, die diesem Stande angehörten, gab ungeheuer an und schoß tödliche Blicke auf alle Dienstmädchen ab, die es wert waren, erjagt zu werden.

 

“Get away,” said Jos Sedley, quite pleased, and leering up at the maid-servant in question with a most killing ogle. Jos was even more splendid at Brighton than he had been at his sister’s marriage. He had brilliant under-waistcoats, any one of which would have set up a moderate buck. He sported a military frock-coat, ornamented with frogs, knobs, black buttons, and meandering embroidery. He had affected a military appearance and habits of late; and he walked with his two friends, who were of that profession, clinking his boot-spurs, swaggering prodigiously, and shooting death-glances at all the servant girls who were worthy to be slain.

»Was fangen wir an, Jungs, bis die Damen zurückkommen?« fragte der Stutzer. Die Damen hatten in seinem Wagen eine Spazierfahrt nach Rottingdean gemacht.

 

“What shall we do, boys, till the ladies return?” the buck asked. The ladies were out to Rottingdean in his carriage on a drive.

»Wir wollen eine Partie Billard spielen«, sagte einer seiner beiden Freunde, der große mit dem gefärbten Schnurrbart.

 

“Let’s have a game at billiards,” one of his friends said — the tall one, with lacquered mustachios.

»Nein, verdammt, nein, Hauptmann«, antwortete Joe etwas beunruhigt. »Kein Billard heute, Crawley, mein Junge. Gestern hat es gereicht.«

 

“No, dammy; no, Captain,” Jos replied, rather alarmed. “No billiards to-day, Crawley, my boy; yesterday was enough.”

»Sie spielen sehr gut«, sagte Crawley lachend. »Nicht wahr, Osborne? Hat er nicht die fünf Punkte großartig gemacht, wie?«

 

“You play very well,” said Crawley, laughing. “Don’t he, Osborne? How well he made that-five stroke, eh?”

»Prachtvoll«, sagte Osborne. »Joe ist ein Teufelskerl beim Billard und überhaupt bei allem. Ich wünschte, es gäbe hier Tigerjagden. Dann könnten wir vor Tisch noch einige erlegen. (Dort geht ein hübsches Mädchen! Was für Fesseln, was, Joe?) Erzähl uns doch die Geschichte von der Tigerjagd und wie du die Bestie im Dschungel erledigt hast – eine wundervolle Geschichte, Crawley.« Hier gähnte Osborne. »Es ist doch verdammt langweilig hier«, sagte er. »Was können wir bloß anfangen?«

 

“Famous,” Osborne said. “Jos is a devil of a fellow at billiards, and at everything else, too. I wish there were any tiger-hunting about here! we might go and kill a few before dinner. (There goes a fine girl! what an ankle, eh, Jos?) Tell us that story about the tiger-hunt, and the way you did for him in the jungle — it’s a wonderful story that, Crawley.” Here George Osborne gave a yawn. “It’s rather slow work,” said he, “down here; what shall we do?”

»Wollen wir ein paar Pferde ansehen, die Snaffler gerade vom Markt in Lewes mitgebracht hat?« fragte Crawley.

 

“Shall we go and look at some horses that Snaffler’s just brought from Lewes fair?” Crawley said.

»Wie wäre es, wenn wir zu Dutton Gelee essen gehen würden«, fragte der Schalk Joe, der zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollte. »Ein verteufelt hübsches Mädchen haben sie bei Dutton.«

 

“Suppose we go and have some jellies at Dutton’s,” and the rogue Jos, willing to kill two birds with one stone. “Devilish fine gal at Dutton’s.”

»Wie wäre es, wenn wir uns ansehen, wie der ›Blitz‹ kommt? Es ist gerade die rechte Zeit«, sagte George. Dieser Vorschlag trug den Sieg über Stall und Gelee davon, und sie gingen zum Postkutschenbüro, um die Ankunft des »Blitzes« zu sehen.

 

“Suppose we go and see the Lightning come in, it’s just about time?” George said. This advice prevailing over the stables and the jelly, they turned towards the coach-office to witness the Lightning’s arrival.

Unterwegs trafen sie den Wagen – Joseph Sedleys offenen Wagen mit seinem prachtvollen Wappenschmuck –, das glänzende Gefährt, in dem er majestätisch einsam mit Dreispitz und verschränkten Armen oder, glücklicher, in Damengesellschaft herumzukutschieren pflegte.

 

As they passed, they met the carriage — Jos Sedley’s open carriage, with its magnificent armorial bearings — that splendid conveyance in which he used to drive, about at Cheltonham, majestic and solitary, with his arms folded, and his hat cocked; or, more happy, with ladies by his side.

Im Augenblick saßen zwei Personen in dem Wagen: die eine war klein, mit hellem Haar und in modischer Kleidung, die andere in einem braunseidenen Umhang und einem Strohhut mit rosa Bändern, mit rosigem, rundem, glücklichem Gesicht, dessen Anblick einem guttat. Sie ließ den Wagen anhalten, als er sich den drei Herren näherte. Nach diesem Autoritätsbeweis schien sie ziemlich nervös und errötete seltsamerweise. »Die Spazierfahrt war wunderschön, George«, sagte sie, »und – und wir sind so froh, daß wir wieder da sind. Und Joseph, sorg dafür, daß er nicht zu spät zurückkommt.«

 

Two were in the carriage now: one a little person, with light hair, and dressed in the height of the fashion; the other in a brown silk pelisse, and a straw bonnet with pink ribbons, with a rosy, round, happy face, that did you good to behold. She checked the carriage as it neared the three gentlemen, after which exercise of authority she looked rather nervous, and then began to blush most absurdly. “We have had a delightful drive, George,” she said, “and — and we’re so glad to come back; and, Joseph, don’t let him be late.”

»Verführen Sie unsere Männer nicht, Mr. Sedley, Sie schlimmer, schlimmer Mann, Sie«, sagte Rebekka und drohte Joseph mit einem hübschen kleinen Finger in den zierlichsten französischen Wildlederhandschuhen. »Kein Billard, kein Rauchen, keine Dummheiten!«

 

“Don’t be leading our husbands into mischief, Mr. Sedley, you wicked, wicked man you,” Rebecca said, shaking at Jos a pretty little finger covered with the neatest French kid glove. “No billiards, no smoking, no naughtiness!”

»Meine liebe Mrs. Crawley – ach, oh, bei meiner Ehre!« war alles, was Joe als Antwort hervorbringen konnte, aber er bewahrte doch leidlich Haltung; mit schiefem Kopf lächelte er zu seinem Opfer hinauf, die eine Hand hielt er auf dem Rücken, den er auf den Spazierstock stützte, mit der anderen (der Hand mit dem Diamantring) fingerte er an seiner Hemdkrause und an seinen Westen herum. Als der Wagen sich entfernte, warf er den schönen Insassinnen Diamantenhandküsse zu. Er wünschte, ganz Cheltenham, ganz Chowringhee, ganz Kalkutta würde ihn in dieser Stellung sehen, da er in Gesellschaft eines so berühmten Stutzers wie Rawdon Crawley von der Leibgarde solch einer Schönheit nachwinkte.

 

“My dear Mrs. Crawley — Ah now! upon my honour!” was all Jos could ejaculate by way of reply; but he managed to fall into a tolerable attitude, with his head lying on his shoulder, grinning upwards at his victim, with one hand at his back, which he supported on his cane, and the other hand (the one with the diamond ring) fumbling in his shirt-frill and among his under-waistcoats. As the carriage drove off he kissed the diamond hand to the fair ladies within. He wished all Cheltenham, all Chowringhee, all Calcutta, could see him in that position, waving his hand to such a beauty, and in company with such a famous buck as Rawdon Crawley of the Guards.

Unser junges Brautpaar hatte Brighton als Aufenthaltsort für die ersten paar Tage nach der Hochzeit ausersehen und lebte nun dort sehr behaglich und ruhig im »Schiffshof«, bis Joe zu ihnen kam. Er war aber nicht der einzige Gesellschafter, den sie dort fanden. Wen sollten sie eines Nachmittags, als sie von einem Strandspaziergang zum Hotel zurückkamen, treffen als Rebekka und ihren Mann? Sie erkannten sich augenblicklich. Rebekka flog ihrer lieben Freundin in die Arme. Crawley und Osborne schüttelten sich herzlich die Hand. Becky fand im Laufe weniger Stunden den Weg, um George den kleinen unerfreulichen Wortwechsel zwischen ihnen vergessen zu machen. »Erinnern Sie sich noch an damals, als wir uns bei Miss Crawley sahen? Ich war damals sehr grob zu Ihnen, mein lieber Hauptmann Osborne. Ich glaubte, Sie vernachlässigten die liebe Amelia, und deshalb war ich so böse, so schnippisch, unfreundlich und undankbar. Vergeben Sie mir doch!« sagte Rebekka und streckte ihm ihre Hand mit so freimütiger, gewinnender Anmut hin, daß Osborne sie einfach ergreifen mußte. Du hast keine Ahnung, mein Sohn, wieviel Gutes du erreichen kannst, wenn du offen und bescheiden dein Unrecht zugibst. Ich kannte einmal einen Herrn, einen recht würdigen Kenner des Jahrmarkts der Eitelkeit, der seinen Nächsten absichtlich ein kleines Unrecht zufügte, um sich später offenherzig und mannhaft dafür zu entschuldigen – und was geschah? Mein Freund Crocky Doyle war überall beliebt. Man hielt ihn zwar für etwas heftig, aber doch für einen sehr ehrlichen Kerl. So nahm auch George Osborne Beckys Demut ernst.

 

Our young bride and bridegroom had chosen Brighton as the place where they would pass the first few days after their marriage; and having engaged apartments at the Ship Inn, enjoyed themselves there in great comfort and quietude, until Jos presently joined them. Nor was he the only companion they found there. As they were coming into the hotel from a sea-side walk one afternoon, on whom should they light but Rebecca and her husband. The recognition was immediate. Rebecca flew into the arms of her dearest friend. Crawley and Osborne shook hands together cordially enough: and Becky, in the course of a very few hours, found means to make the latter forget that little unpleasant passage of words which had happened between them. “Do you remember the last time we met at Miss Crawley’s, when I was so rude to you, dear Captain Osborne? I thought you seemed careless about dear Amelia. It was that made me angry: and so pert: and so unkind: and so ungrateful. Do forgive me!” Rebecca said, and she held out her hand with so frank and winning a grace, that Osborne could not but take it. By humbly and frankly acknowledging yourself to be in the wrong, there is no knowing, my son, what good you may do. I knew once a gentleman and very worthy practitioner in Vanity Fair, who used to do little wrongs to his neighbours on purpose, and in order to apologise for them in an open and manly way afterwards — and what ensued? My friend Crocky Doyle was liked everywhere, and deemed to be rather impetuous — but the honestest fellow. Becky’s humility passed for sincerity with George Osborne.

Die beiden jungen Paare hatten einander viel zu erzählen. Sie besprachen ihre Heiraten und die Aussichten für das Leben mit großer Offenheit und lebhaftem Interesse. Georges Heirat sollte sein Freund Hauptmann Dobbin dem alten Osborne mitteilen, und der junge Osborne wartete ängstlich auf das Ergebnis dieser Eröffnung. Miss Crawley, auf der alle Hoffnungen Rawdons ruhten, hatte sich immer noch nicht erweichen lassen. Da es ihrem lieben Neffen und seiner Frau nicht gelungen war, sich zu ihrem Haus in der Park Lane Zutritt zu verschaffen, waren sie ihr nach Brighton gefolgt. Nun belagerten ständig Kundschafter die Tür der alten Dame.

 

These two young couples had plenty of tales to relate to each other. The marriages of either were discussed; and their prospects in life canvassed with the greatest frankness and interest on both sides. George’s marriage was to be made known to his father by his friend Captain Dobbin; and young Osborne trembled rather for the result of that communication. Miss Crawley, on whom all Rawdon’s hopes depended, still held out. Unable to make an entry into her house in Park Lane, her affectionate nephew and niece had followed her to Brighton, where they had emissaries continually planted at her door.

»Ich wollte, du könntest einige von Rawdons Freunden sehen, die unsere Tür ständig belagern«, sagte Rebekka lachend. »Hast du schon einmal einen ungeduldigen Gläubiger gesehen, meine Liebe, oder einen Gerichtsdiener mit seinem Gehilfen? Zwei von diesen abscheulichen Kerlen haben die ganze Woche gegenüber beim Gemüsehändler Wachposten bezogen, und wir konnten daher erst am Sonntag raus. Was sollen wir bloß tun, wenn Tantchen unerbittlich bleibt?«

 

“I wish you could see some of Rawdon’s friends who are always about our door,” Rebecca said, laughing. “Did you ever see a dun, my dear; or a bailiff and his man? Two of the abominable wretches watched all last week at the greengrocer’s opposite, and we could not get away until Sunday. If Aunty does not relent, what shall we do?”

Rawdon erzählte unter schallendem Gelächter ein Dutzend lustige Anekdoten von seinen Gläubigern und wie geschickt Rebekka sie behandelte. Mit einem kräftigen Eid beteuerte er, daß es in ganz Europa keine Frau gebe, die es so gut wie sie verstehe, einen Gläubiger einzuwickeln. Gleich nach der Hochzeit hatte ihre Praxis begonnen, und ihr Mann hatte festgestellt, wie wertvoll doch so eine Frau war. Es mangelte ihnen nicht an Kredit, aber ebensowenig mangelte es ihnen an unbezahlten Rechnungen, und es fehlte ihnen an Bargeld. Hatten diese Geldschwierigkeiten einen Einfluß auf Rawdons gute Laune? Nein. Jedermann auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit wird schon bemerkt haben, wie gut diejenigen leben, die bis über die Ohren in Schulden stecken, wie sie sich nichts versagen und wie lustig und unbekümmert sie sind. Rawdon und seine Frau hatten in Brighton die besten Zimmer im Gasthof, der Wirt verbeugte sich vor ihnen wie vor seinen reichsten und vornehmsten Gästen, wenn er ihnen das erste Gericht hereinbrachte, und Rawdon schimpfte über Essen und Wein mit einer Unverschämtheit, die kein reicher Mann hätte übertreffen können. Lange Übung, eine männliche Erscheinung, tadellose Stiefel und Kleider und ein glückliches Temperament sind oft einem Menschen ebenso nützlich wie ein großes Bankkonto.

 

Rawdon, with roars of laughter, related a dozen amusing anecdotes of his duns, and Rebecca’s adroit treatment of them. He vowed with a great oath that there was no woman in Europe who could talk a creditor over as she could. Almost immediately after their marriage, her practice had begun, and her husband found the immense value of such a wife. They had credit in plenty, but they had bills also in abundance, and laboured under a scarcity of ready money. Did these debt-difficulties affect Rawdon’s good spirits? No. Everybody in Vanity Fair must have remarked how well those live who are comfortably and thoroughly in debt: how they deny themselves nothing; how jolly and easy they are in their minds. Rawdon and his wife had the very best apartments at the inn at Brighton; the landlord, as he brought in the first dish, bowed before them as to his greatest customers: and Rawdon abused the dinners and wine with an audacity which no grandee in the land could surpass. Long custom, a manly appearance, faultless boots and clothes, and a happy fierceness of manner, will often help a man as much as a great balance at the banker’s.

Die beiden jungen Ehepaare besuchten sich häufig auf ihren Zimmern. Nach zwei oder drei Abenden spielten die Herren ein bißchen Pikett, während ihre Frauen sich zum Plaudern zurückgezogen hatten. Dieser Zeitvertreib sowie die Ankunft Joseph Sedleys, der in seinem prächtigen offenen Wagen erschien und einige Partien Billard mit Hauptmann Crawley spielte, füllten Rawdons Börse wieder einigermaßen und verhalfen ihm zu dem flüssigen Geld, ohne das oft auch die größten Geister nicht mehr weiterwissen.

 

The two wedding parties met constantly in each other’s apartments. After two or three nights the gentlemen of an evening had a little piquet, as their wives sate and chatted apart. This pastime, and the arrival of Jos Sedley, who made his appearance in his grand open carriage, and who played a few games at billiards with Captain Crawley, replenished Rawdon’s purse somewhat, and gave him the benefit of that ready money for which the greatest spirits are sometimes at a stand-still.

Die drei Herren gingen also hinab, um die Ankunft des »Blitzes« zu beobachten. Pünktlich auf die Minute kam die Postkutsche, innen und außen vollbesetzt, die Straße herabgerattert; der Postillion blies seine gewöhnliche Melodie, und der »Blitz« hielt vor dem Büro.

 

So the three gentlemen walked down to see the Lightning coach come in. Punctual to the minute, the coach crowded inside and out, the guard blowing his accustomed tune on the horn — the Lightning came tearing down the street, and pulled up at the coach-office.

»Hallo! Da ist ja der alte Dobbin«, rief George erfreut, als er seinen alten Freund auf dem Dach thronen sah. Dieser hatte seinen versprochenen Besuch in Brighton bis jetzt hinausgezögert. »Wie geht's dir, alter Bursche? Schön, daß du endlich gekommen bist. Emmy wird sich freuen, dich zu sehen«, sagte Osborne und schüttelte die Hand seines Kameraden, sobald er herabgestiegen war. Dann setzte er leiser und erregter hinzu: »Was gibt's Neues? Bist du am Russell Square gewesen? Was sagt der Alte? Erzähl mir alles.«

 

“Hullo! there’s old Dobbin,” George cried, quite delighted to see his old friend perched on the roof; and whose promised visit to Brighton had been delayed until now. “How are you, old fellow? Glad you’re come down. Emmy’ll be delighted to see you,” Osborne said, shaking his comrade warmly by the hand as soon as his descent from the vehicle was effected — and then he added, in a lower and agitated voice, “What’s the news? Have you been in Russell Square? What does the governor say? Tell me everything.”

Dobbin war sehr bleich und ernst. »Ich war bei deinem Vater«, sagte er. »Wie geht es Amelia – Mrs. Osborne? Ich werde dir gleich alles erzählen. Aber vorher habe ich noch eine viel wichtigere Nachricht, und zwar...«

 

Dobbin looked very pale and grave. “I’ve seen your father,” said he. “How’s Amelia — Mrs. George? I’ll tell you all the news presently: but I’ve brought the great news of all: and that is — ”

»Heraus damit, alter Bursche«, sagte George.

 

“Out with it, old fellow,” George said.

»Wir haben Marschbefehl nach Belgien erhalten. Die ganze Armee geht dahin – die Garde und alle. Heavytop hat die Gicht und tobt, weil er sich nicht bewegen kann. O'Dowd hat das Kommando übernommen. Nächste Woche schiffen wir uns in Chatham ein.« Diese Kriegsnachricht war für unsere Liebenden ein schwerer Schlag, und alle Herren sahen mit einemmal sehr ernst aus.

 

“We’re ordered to Belgium. All the army goes — guards and all. Heavytop’s got the gout, and is mad at not being able to move. O’Dowd goes in command, and we embark from Chatham next week.” This news of war could not but come with a shock upon our lovers, and caused all these gentlemen to look very serious.

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