Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > William Makepeace Thackeray >

Jahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1

William Makepeace Thackeray: Jahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1 - Kapitel 13
Quellenangabe
pfad/thackara/2jahrma1/2jahrma1.xml
typefiction
authorWilliam Makepeace Thackeray
titleJahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1
publisherprojekt.gutenberg.de
editorHella Reuters
year2012
firstpub2012
translatorChristoph Friedrich Grieb
senderreuters@abc.de
created20120915
Schließen

Navigation:

11. Kapitel / Chapter 11

Arkadische Einfachheit / Arcadian Simplicity

Neben diesen ehrlichen Schloßbewohnern, deren Einfachheit und holde ländliche Unschuld gewiß die Vorteile des Landlebens gegenüber dem Stadtleben beweisen, müssen wir den Leser mit ihren Verwandten und Nachbarn im Pfarrhause, mit Bute Crawley und Frau, bekannt machen.

 

Besides these honest folks at the Hall (whose simplicity and sweet rural purity surely show the advantage of a country life over a town one), we must introduce the reader to their relatives and neighbours at the Rectory, Bute Crawley and his wife.

Ehrwürden Bute Crawley, ein großer, stattlicher, lustiger Mann mit einem breitkrempigen Pfarrershut, war in seiner Grafschaft weitaus beliebter als sein Bruder, der Baronet. Während seiner Universitätsjahre hatte er im Christchurch-Boot als Schlagmann gerudert und die besten Boxer der Stadt besiegt. Er nahm seine Freude am Boxen und an der Athletik mit ins Privatleben, und es gab auf zwanzig Meilen in der Runde keinen Boxkampf, kein Rennen, keine Hetzjagd, keine Regatta, keinen Ball, keine Wahl, keinen Empfang oder ein gutes Gastmahl überhaupt in der ganzen Grafschaft, dem beizuwohnen er nicht Mittel und Wege fand. Wo auch immer eine Gesellschaft gegeben wurde  – in Fuddleston oder Roxby oder in Schloß Wapshot oder bei den hohen Lords der Grafschaft, mit denen er samt und sonders auf vertrautem Fuße stand – überall im Umkreis von ein paar Dutzend Meilen konnte man seinen Braunen und seine Giglaternen erblicken. Er hatte eine schöne Stimme, sang »Ein Südwind und der Wolkenhimmel« und gab das »Hollahe« im Refrain zu jedermanns Beifall wieder. Bei Hetzjagden erschien er in einem Pfeffer-und-Salz-Rock. Er war auch einer der geschicktesten Angler der Grafschaft.

 

The Reverend Bute Crawley was a tall, stately, jolly, shovel-hatted man, far more popular in his county than the Baronet his brother. At college he pulled stroke-oar in the Christchurch boat, and had thrashed all the best bruisers of the “town.” He carried his taste for boxing and athletic exercises into private life; there was not a fight within twenty miles at which he was not present, nor a race, nor a coursing match, nor a regatta, nor a ball, nor an election, nor a visitation dinner, nor indeed a good dinner in the whole county, but he found means to attend it. You might see his bay mare and gig-lamps a score of miles away from his Rectory House, whenever there was any dinner-party at Fuddleston, or at Roxby, or at Wapshot Hall, or at the great lords of the county, with all of whom he was intimate. He had a fine voice; sang “A southerly wind and a cloudy sky”; and gave the “whoop” in chorus with general applause. He rode to hounds in a pepper-and-salt frock, and was one of the best fishermen in the county.

Mrs. Crawley, die Pfarrersfrau, war eine lebhafte kleine Person, die dem würdigen Geistlichen die Predigten schrieb. Da sie einen häuslichen Sinn hatte und mit ihren Töchtern das Haus fast ganz allein führte, so herrschte sie unumschränkt im Pfarrhause, ließ aber ihrem Manne draußen volle Freiheit. Er konnte kommen und gehen und auswärts speisen, wann immer es ihm beliebte, denn Mrs. Crawley war eine sparsame Frau und kannte den Preis des Portweins sehr genau. Von dem Tage an, als Mrs. Bute den jungen Pfarrer von Queen's Crawley heimführte (sie war aus guter Familie, die Tochter des verstorbenen Oberstleutnants Hector MacTavish, und sie und ihre Mutter hatten sich in Harrowgate um Bute die Hacken abgelaufen und ihn bekommen), war sie ihm stets eine umsichtige und sorgliche Ehefrau gewesen. Trotz all ihrer Fürsorge aber steckte er stets in Schulden. Es kostete ihn mindestens zehn Jahre, um die noch zu Lebzeiten seines Vaters auf der Universität gemachten Schulden zu bezahlen. Im Jahre 179..., als er eben damit fertig geworden war, wettete er zweitausend gegen zwanzig, daß Känguruh verlieren würde, aber das Pferd gewann das Derby. Der Pfarrer sah sich gezwungen, das Geld zu Wucherzinsen aufzunehmen, und hatte seit jener Zeit stets mit Schulden zu kämpfen gehabt. Dann und wann half ihm seine Schwester mit einem Hunderter aus; seine große Hoffnung aber ruhte natürlich in ihrem Tode – wenn, »zum Henker« (so pflegte er zu sagen), »Matilda mir ihr halbes Vermögen hinterlassen muß«.

 

Mrs. Crawley, the rector’s wife, was a smart little body, who wrote this worthy divine’s sermons. Being of a domestic turn, and keeping the house a great deal with her daughters, she ruled absolutely within the Rectory, wisely giving her husband full liberty without. He was welcome to come and go, and dine abroad as many days as his fancy dictated, for Mrs. Crawley was a saving woman and knew the price of port wine. Ever since Mrs. Bute carried off the young Rector of Queen’s Crawley (she was of a good family, daughter of the late Lieut.-Colonel Hector McTavish, and she and her mother played for Bute and won him at Harrowgate), she had been a prudent and thrifty wife to him. In spite of her care, however, he was always in debt. It took him at least ten years to pay off his college bills contracted during his father’s lifetime. In the year 179-, when he was just clear of these incumbrances, he gave the odds of 100 to 1 (in twenties) against Kangaroo, who won the Derby. The Rector was obliged to take up the money at a ruinous interest, and had been struggling ever since. His sister helped him with a hundred now and then, but of course his great hope was in her death — when “hang it” (as he would say), “Matilda must leave me half her money.”

Der Baronet und sein Bruder hatten somit alle Gründe, die zwei Brüder nur haben können, um sich ständig in den Haaren zu liegen. In unzähligen Familienangelegenheiten hatte Bute gegenüber Sir Pitt das Nachsehen gehabt. Der junge Pitt ging nicht nur nicht auf die Jagd, sondern gründete auch noch ein Bethaus vor der Nase seines Onkels. Rawdon sollte bekanntlich den Löwenanteil von Miss Crawleys Vermögen erben. Solche Geldangelegenheiten, Spekulationen über Tod und Leben, stille Kämpfe um Erbbeute verursachen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit heiße Liebe unter Brüdern. Ich selbst bin Zeuge gewesen, wie eine Fünfpfundnote zwischen zwei Brüdern einer fünfzigjährigen Liebe den Garaus machte; ich muß nur staunen, wenn ich bedenke, wie schön und dauerhaft doch die Liebe unter den Menschen ist.

 

So that the Baronet and his brother had every reason which two brothers possibly can have for being by the ears. Sir Pitt had had the better of Bute in innumerable family transactions. Young Pitt not only did not hunt, but set up a meeting house under his uncle’s very nose. Rawdon, it was known, was to come in for the bulk of Miss Crawley’s property. These money transactions — these speculations in life and death — these silent battles for reversionary spoil — make brothers very loving towards each other in Vanity Fair. I, for my part, have known a five-pound note to interpose and knock up a half century’s attachment between two brethren; and can’t but admire, as I think what a fine and durable thing Love is among worldly people.

Es stand zu erwarten, daß die Ankunft einer Person wie Rebekka in Queen's Crawley und ihr allmähliches Einschleichen in die Gunst sämtlicher Schloßbewohner Mrs. Bute Crawleys Aufmerksamkeit nicht entging. Mrs. Bute, die wußte, wie lange ein Lendenbraten im Schlosse reichte, was bei der großen Wäsche alles gewaschen wurde, wie viele Pfirsiche an der Südwand hingen, wieviel Arznei die Lady einnahm, wenn sie krank war – solche Dinge sind für gewisse Personen auf dem Lande Gegenstand von tiefschürfendem Interesse –, Mrs. Bute also konnte nicht an der Gouvernante im Schloß vorbeigehen, ohne gründliche Nachforschungen über ihre Vergangenheit und ihren Charakter anzustellen. Zwischen den Dienstboten vom Pfarrhaus und denen vom Schloß herrschte stets bestes Einvernehmen. In der Pfarrküche gab es stets ein gutes Glas Ale für die Leute vom Schloß, deren gewöhnliches Bier sehr dünn war – und tatsächlich wußte die Pfarrersfrau aufs Haar genau, wieviel Malz auf jedes Faß Bier im Schloß kam. Es bestanden auch zwischen den Dienstboten des Schlosses wie zwischen den Herrschaften verwandtschaftliche Bande, und durch diese Kanäle war jede Familie genau mit dem Leben und Treiben der anderen unterrichtet. Man kann hier beiläufig eine allgemeine Beobachtung festhalten: Stehst du mit deinem Bruder auf gutem Fuße, so interessiert dich das, was er tut, nicht; hast du dich dagegen mit ihm verzankt, so weißt du alle seine Schritte, als ob du sein Spion wärst.

 

It cannot be supposed that the arrival of such a personage as Rebecca at Queen’s Crawley, and her gradual establishment in the good graces of all people there, could be unremarked by Mrs. Bute Crawley. Mrs. Bute, who knew how many days the sirloin of beef lasted at the Hall; how much linen was got ready at the great wash; how many peaches were on the south wall; how many doses her ladyship took when she was ill — for such points are matters of intense interest to certain persons in the country — Mrs. Bute, I say, could not pass over the Hall governess without making every inquiry respecting her history and character. There was always the best understanding between the servants at the Rectory and the Hall. There was always a good glass of ale in the kitchen of the former place for the Hall people, whose ordinary drink was very small — and, indeed, the Rector’s lady knew exactly how much malt went to every barrel of Hall beer — ties of relationship existed between the Hall and Rectory domestics, as between their masters; and through these channels each family was perfectly well acquainted with the doings of the other. That, by the way, may be set down as a general remark. When you and your brother are friends, his doings are indifferent to you. When you have quarrelled, all his outgoings and incomings you know, as if you were his spy.

Sehr bald nach ihrer Ankunft fing Rebekka an, in Mrs. Crawleys Bulletin vom Schloß einen ständigen Platz einzunehmen. So ein Bulletin hatte folgenden Inhalt: »Das schwarze Schwein ist geschlachtet – wog soundso viel Kilo – die Seiten eingesalzen – Wurst und Schweinskeule zum Mittagessen. Mr. Cramp aus Mudbury bei Sir Pitt, wegen John Blackmores Gefängnisstrafe – Mr. Pitt im Bethaus (nebst den Namen aller Anwesenden) – Lady Crawley wie gewöhnlich – die jungen Damen bei der Gouvernante.«

 

Very soon then after her arrival, Rebecca began to take a regular place in Mrs. Crawley’s bulletin from the Hall. It was to this effect: “The black porker’s killed — weighed x stone — salted the sides — pig’s pudding and leg of pork for dinner. Mr. Cramp from Mudbury, over with Sir Pitt about putting John Blackmore in gaol — Mr. Pitt at meeting (with all the names of the people who attended)- -my lady as usual — the young ladies with the governess.”

Dann kam wieder ein Bericht, etwa folgenden Inhalts: »Die neue Gouvernante eine ganz Gerissene – Sir Pitt sehr nett zu ihr – auch Mr. Crawley – liest ihr Traktate vor.« –»Was für eine lockere Spitzbübin!« rief die böse, geschäftige, brünette kleine Mrs. Bute Crawley aus.

 

Then the report would come — the new governess be a rare manager — Sir Pitt be very sweet on her — Mr. Crawley too — He be reading tracts to her — "What an abandoned wretch!” said little, eager, active, black-faced Mrs. Bute Crawley.

Schließlich lauteten die Berichte, die Gouvernante habe jedermann »eingewickelt«, schreibe für Sir Pitt Briefe, erledige seine Arbeiten, führe seine Rechnungen, beherrsche das ganze Haus, die Lady, Mr. Crawley, die Mädchen, überhaupt alles – worauf Mrs. Crawley erklärte, die Gouvernante sei ein verschlagenes Weibstück und habe fürchterliche Absichten. So gaben die Vorgänge im Schloß den Gesprächen im Pfarrhaus immer neue Nahrung, und Mrs. Butes helle Augen spionierten alles aus, was im feindlichen Lager geschah – alles, und noch manches andere.

 

Finally, the reports were that the governess had “come round” everybody, wrote Sir Pitt’s letters, did his business, managed his accounts — had the upper hand of the whole house, my lady, Mr. Crawley, the girls and all — at which Mrs. Crawley declared she was an artful hussy, and had some dreadful designs in view. Thus the doings at the Hall were the great food for conversation at the Rectory, and Mrs. Bute’s bright eyes spied out everything that took place in the enemy’s camp — everything and a great deal besides.

Mrs. Bute Crawley an Miss Pinkerton, The Mall, Chiswick

Pfarrhaus, Queen's Crawley, ...ten Dezember

 

Mrs. Bute Crawley to Miss Pinkerton, The Mall, Chiswick.

Rectory, Queen’s Crawley, December — .

Meine sehr verehrte Dame. – Obgleich viele Jahre verflossen, seit ich Ihren köstlichen und unschätzbaren Unterricht genoß, habe ich doch nie aufgehört, für Miss Pinkerton und das teure Chiswick die innigste Liebe und Hochachtung zu empfinden. Hoffentlich geht es Ihnen gesundheitlich gut. Die Welt und die Sache der Erziehung können Miss Pinkerton noch auf Jahre hinaus nicht entbehren. Als meine Freundin, Lady Fuddleston, mit gegenüber erwähnte, daß ihre lieben Töchter eine Erzieherin brauchten (ich bin zu arm, um für die meinigen eine Gouvernante einzustellen; aber bin ich nicht in Chiswick erzogen worden?), rief ich sogleich: »Bei wem können wir besseren Rat einholen als bei der vortrefflichen, der unvergleichlichen Miss Pinkerton?« Mit einem Wort, teure Madame, haben Sie auf Ihrer Liste Damen, deren Dienste meine liebe Freundin und Nachbarin in Anspruch nehmen könnte? Ich versichere Ihnen, daß sie nur eine Gouvernante Ihrer Wahl nehmen wird.

 

My Dear Madam, — Although it is so many years since I profited by your delightful and invaluable instructions, yet I have ever retained the fondest and most reverential regard for Miss Pinkerton, and dear Chiswick. I hope your health is good. The world and the cause of education cannot afford to lose Miss Pinkerton for many many years. When my friend, Lady Fuddleston, mentioned that her dear girls required an instructress (I am too poor to engage a governess for mine, but was I not educated at Chiswick?) — "Who,” I exclaimed, “can we consult but the excellent, the incomparable Miss Pinkerton?” In a word, have you, dear madam, any ladies on your list, whose services might be made available to my kind friend and neighbour? I assure you she will take no governess but of your choosing.

Mein lieber Mann sagt immer, daß er an allem, was aus Miss Pinkertons Schule kommt, Gefallen finde. Ach, wie gern möchte ich ihm und meinen lieben Mädchen die Freundin meiner Jugend und die bewunderte Freundin des großen Lexikographen unseres Landes vorstellen! Mr. Crawley bittet mich, zu schreiben, daß er hofft, wenn Sie einmal nach Hampshire kommen sollten, daß unser ländliches Pfarrhaus dann mit Ihrer Gegenwart geziert werden wird. Es ist das bescheidene, aber glückliche Heim

Ihrer liebevoll ergebenen Martha Crawley.

 

My dear husband is pleased to say that he likes everything which comes from miss Pinkerton’s school. How I wish I could present him and my beloved girls to the friend of my youth, and the admired of the great lexicographer of our country! If you ever travel into Hampshire, Mr. Crawley begs me to say, he hopes you will adorn our rural Rectory with your presence. ’Tis the humble but happy home of

Your affectionate Martha Crawley

PS: Mr. Crawleys Bruder, der Baronet, mit dem wir leider nicht ganz so einig sind, wie es Brüdern geziemt, hat für seine kleinen Mädchen eine Gouvernante, die, wie ich erfuhr, das große Glück hat, in Chiswick erzogen worden zu sein. Man erzählt verschiedenerlei über sie, und da ich das zärtlichste Interesse für meine kleinen Nichten fühle und sie, ungeachtet aller Familienstreitigkeiten, gern meinen eigenen Kindern zuführen möchte – und da ich das sehnlichste Verlangen habe, mich gegen jede Ihrer Schülerinnen aufmerksam zu erweisen –, so bitte ich Sie, meine teure Miss Pinkerton, mir die Geschichte dieser jungen Dame mitzuteilen, der ich um Ihretwillen von ganzem Herzen Freundschaft erzeigen möchte. – M. C.

 

P.S. Mr. Crawley’s brother, the baronet, with whom we are not, alas! upon those terms of UNITY in which it becomes brethren to dwell, has a governess for his little girls, who, I am told, had the good fortune to be educated at Chiswick. I hear various reports of her; and as I have the tenderest interest in my dearest little nieces, whom I wish, in spite of family differences, to see among my own children — and as I long to be attentive to any pupil of yours — do, my dear Miss Pinkerton, tell me the history of this young lady, whom, for your sake, I am most anxious to befriend. — M. C.

Miss Pinkerton an Mrs. Bute Crawley
Johnson-Haus, Chiswick, im Dezember 18..

 

Miss Pinkerton to Mrs. Bute Crawley.
Johnson House, Chiswick, Dec. 18 — .

Sehr geehrte Dame. Ich habe die Ehre, den Empfang Ihres freundlichen Schreibens zu bestätigen, und beeile mich, dasselbe zu beantworten. Es ist höchst erfreulich für eine Person in meiner mühevollen Position, festzustellen, daß meine mütterliche Sorgfalt eine entsprechende Liebe erweckt hat, und in der liebenswürdigen Mrs. Bute Crawley meine vortreffliche Schülerin aus früherer Zeit, die lebhafte und talentvolle Miss Martha MacTavish, wiederzuerkennen. Ich schätze mich glücklich, die Töchter vieler Ihrer ehemaligen Mitschülerinnen in meiner Anstalt jetzt unter meiner Obhut zu haben. Welches Vergnügen würde es mir bereiten, wenn auch Ihre lieben jungen Damen meiner Aufsicht und Belehrung bedürften.

 

Dear Madam, — I have the honour to acknowledge your polite communication, to which I promptly reply. ’Tis most gratifying to one in my most arduous position to find that my maternal cares have elicited a responsive affection; and to recognize in the amiable Mrs. Bute Crawley my excellent pupil of former years, the sprightly and accomplished Miss Martha MacTavish. I am happy to have under my charge now the daughters of many of those who were your contemporaries at my establishment — what pleasure it would give me if your own beloved young ladies had need of my instructive superintendence!

Ich spreche Lady Fuddleston meine respektvollsten Komplimente aus und habe die Ehre, der gnädigen Frau brieflich meine beiden Freundinnen, Miss Tuffin und Miss Hawky, vorzustellen.

 

Presenting my respectful compliments to Lady Fuddleston, I have the honour (epistolarily) to introduce to her ladyship my two friends, Miss Tuffin and Miss Hawky.

Jede der beiden jungen Damen ist bestens befähigt, im Griechischen, Lateinischen und in den Anfangsgründen des Hebräischen, in Mathematik und Geschichte, im Spanischen, Französischen, Italienischen und in Geographie, in der Vokal- und Instrumentalmusik, ohne Unterstützung eines Tanzmeisters im Tanzen sowie in den Grundlagen der Naturwissenschaften zu unterrichten. Beide sind im Gebrauch des Globus wohlbewandert. Außerdem kann Miss Tuffin, die die Tochter des verstorbenen Ehrwürden Thomas Tuffin (Professor im Corpus College, Cambridge) ist, in der syrischen Sprache sowie in den Grundlagen des konstitutionellen Rechts unterrichten. Da sie aber erst achtzehn Jahre alt ist und ein besonders hübsches Äußeres hat, so dürfte diese junge Dame vielleicht für Sir Huddleston Fuddlestons Familie nicht ganz geeignet erscheinen.

 

Either of these young ladies is perfectly QUALIFIED to instruct in Greek, Latin, and the rudiments of Hebrew; in mathematics and history; in Spanish, French, Italian, and geography; in music, vocal and instrumental; in dancing, without the aid of a master; and in the elements of natural sciences. In the use of the globes both are proficients. In addition to these Miss Tuffin, who is daughter of the late Reverend Thomas Tuffin (Fellow of Corpus College, Cambridge), can instruct in the Syriac language, and the elements of Constitutional law. But as she is only eighteen years of age, and of exceedingly pleasing personal appearance, perhaps this young lady may be objectionable in Sir Huddleston Fuddleston’s family.

Miss Letitia Hawky dagegen glänzt nicht durch persönliche Reize. Sie ist 29 Jahre alt, und ihr Gesicht hat ziemlich viele Pockennarben. Sie hinkt etwas, hat rote Haare und schielt ein wenig. Beide Damen sind mit allen moralischen und religiösen Tugenden ausgestattet. Ihre Gehaltsansprüche stehen natürlich im Verhältnis zu ihren vielen Talenten. Mit den dankbarsten Empfehlungen an Ehrwürden Bute Crawley habe ich die Ehre, zu zeichnen, sehr geehrte Dame,

Ihre ergebenste und gehorsamste Dienerin Barbara Pinkerton.

 

Miss Letitia Hawky, on the other hand, is not personally well-favoured. She is-twenty-nine; her face is much pitted with the small-pox. She has a halt in her gait, red hair, and a trifling obliquity of vision. Both ladies are endowed with every moral and religious virtue. Their terms, of course, are such as their accomplishments merit. With my most grateful respects to the Reverend Bute Crawley, I have the honour to be,

Dear Madam,
Your most faithful and obedient servant, Barbara Pinkerton.

PS: Miss Sharp, die Sie als Gouvernante bei Sir Pitt Crawley, Baronet und Parlamentsmitglied, erwähnten, war eine Schülerin von mir, und ich habe nichts Nachteiliges über sie zu berichten. Ihr Äußeres ist zwar unangenehm, aber wir können doch das Walten der Natur nicht hindern; und obgleich ihre Eltern einen schlechten Ruf hatten (der Vater war Maler und machte mehrere Male Bankrott, und ihre Mutter war, wie ich später zu meinem Entsetzen erfuhr, Ballettänzerin), besitzt sie doch beachtenswerte Talente, und ich brauche es nicht zu bereuen, sie aus Barmherzigkeit in mein Haus aufgenommen zu haben. Ich befürchte nur, die Grundsätze der Mutter – wie man mir schilderte, eine französische Gräfin, die durch die Schrecken der Revolution zum Auswandern gezwungen wurde, in Wirklichkeit aber, wie ich inzwischen entdeckte, eine ganz ordinäre und sittenlose Person – könnten sich auf das unglückliche junge Mädchen, das ich als Vagabund auflas, vererbt haben. Bis jetzt aber sind ihre Grundsätze (wie ich glaube) untadelhaft gewesen, und ich bin überzeugt, daß in den vornehmen und gebildeten Kreisen des hervorragenden Sir Pitt Crawley nichts sie verderben wird!

 

P.S. The Miss Sharp, whom you mention as governess to Sir Pitt Crawley, Bart., M.P., was a pupil of mine, and I have nothing to say in her disfavour. Though her appearance is disagreeable, we cannot control the operations of nature: and though her parents were disreputable (her father being a painter, several times bankrupt, and her mother, as I have since learned, with horror, a dancer at the Opera); yet her talents are considerable, and I cannot regret that I received her out of charity. My dread is, lest the principles of the mother — who was represented to me as a French Countess, forced to emigrate in the late revolutionary horrors; but who, as I have since found, was a person of the very lowest order and morals — should at any time prove to be hereditary in the unhappy young woman whom I took as an OUTCAST. But her principles have hitherto been correct (I believe), and I am sure nothing will occur to injure them in the elegant and refined circle of the eminent Sir Pitt Crawley.

Miss Rebekka Sharp an Miss Amelia Sedley

 

Miss Rebecca Sharp to Miss Amelia Sedley.

Viele Wochen habe ich meiner geliebten Amelia nicht geschrieben; denn was konnte ich Dir schon von dem Leben und Treiben aus Schloß Einerlei, wie ich es getauft habe, berichten? Und was würde es Dich auch interessieren, ob die Rübenernte gut oder schlecht war, ob das Mastschwein fünfundsiebzig oder fünfundachtzig Kilo wog und ob das Rindvieh bei Rüben gedeiht? Seit ich Dir das letztemal schrieb, ist ein Tag wie der andere vergangen. Vor dem Frühstück ein Spaziergang mit Sir Pitt und seinen Sprößlingen, nach dem Frühstück Unterricht (was man eben so nennt) im Schulzimmer; nach dem Unterricht Lesen und Schreibereien für Sir Pitt (dessen Sekretärin ich geworden bin) wegen Advokaten, Pachtkontrakten, Bergwerken und Kanälen; nach dem Abendessen Mr. Crawleys Predigten oder Puff mit dem Baronet – beiden Belustigungen sieht die Lady mit der gleichen Ruhe zu. Sie ist in der letzten Zeit durch ihre Unpäßlichkeit etwas interessanter geworden, denn das hat in der Person eines jungen Doktors einen neuen Besucher ins Schloß geführt. Weißt Du, meine Liebe, junge Mädchen brauchen niemals zu verzweifeln. Der junge Doktor gab einer gewissen Freundin von Dir zu verstehen, daß sie, wenn sie Mrs. Glauber werden wolle, sehr gern die Zierde seiner Praxis werden könne! Ich antwortete auf seine Unverschämtheit, daß vergoldete Mörser und Stößel wohl Zierde genug seien – als ob ich zur Frau eines Landarztes geboren wäre! Mr. Glauber ging nach diesem Korb ernstlich mitgenommen nach Hause, trank dort etwas Kühlendes und ist jetzt wieder vollkommen hergestellt. Sir Pitt billigte meinen Entschluß entschieden; ich glaube, er würde seine kleine Sekretärin nur ungern verlieren, und ich bin der Ansicht, der alte Schuft hat mich so gern, wie er nur überhaupt jemanden gern haben kann. Heiraten, mein Gott! Und noch dazu einen Landarzt, nachdem ... Nein, nein, man kann alte Verbindungen nicht so schnell vergessen, aber davon will ich nicht mehr sprechen. Kehren wir nach Schloß Einerlei zurück!

 

I have not written to my beloved Amelia for these many weeks past, for what news was there to tell of the sayings and doings at Humdrum Hall, as I have christened it; and what do you care whether the turnip crop is good or bad; whether the fat pig weighed thirteen stone or fourteen; and whether the beasts thrive well upon mangelwurzel? Every day since I last wrote has been like its neighbour. Before breakfast, a walk with Sir Pitt and his spud; after breakfast studies (such as they are) in the schoolroom; after schoolroom, reading and writing about lawyers, leases, coal-mines, canals, with Sir Pitt (whose secretary I am become); after dinner, Mr. Crawley’s discourses on the baronet’s backgammon; during both of which amusements my lady looks on with equal placidity. She has become rather more interesting by being ailing of late, which has brought a new visitor to the Hall, in the person of a young doctor. Well, my dear, young women need never despair. The young doctor gave a certain friend of yours to understand that, if she chose to be Mrs. Glauber, she was welcome to ornament the surgery! I told his impudence that the gilt pestle and mortar was quite ornament enough; as if I was born, indeed, to be a country surgeon’s wife! Mr. Glauber went home seriously indisposed at his rebuff, took a cooling draught, and is now quite cured. Sir Pitt applauded my resolution highly; he would be sorry to lose his little secretary, I think; and I believe the old wretch likes me as much as it is in his nature to like any one. Marry, indeed! and with a country apothecary, after — No, no, one cannot so soon forget old associations, about which I will talk no more. Let us return to Humdrum Hall.

Seit einiger Zeit ist es nicht mehr Schloß Einerlei. Stell Dir vor, meine Liebe, Miss Crawley ist angekommen mit ihren dicken Pferden, ihren dicken Bedienten und ihrem dicken Schoßhund – die bedeutende, reiche Miss Crawley, mit siebzigtausend Pfund in fünfprozentigen Papieren, die – nicht Miss Crawley, sondern eher das Geld – ihre zwei Brüder anbeten. Sie sieht sehr apoplektisch aus, die gute Seele; kein Wunder also, daß ihre Brüder ängstlich um sie besorgt sind. Du solltest nur sehen, wie sehr sie miteinander wetteifern, wenn es gilt, ihr die Kissen zurechtzurücken oder den Kaffee zu reichen! »Wenn ich aufs Land fahre«, sagte sie (denn sie hat Sinn für Humor), »lasse ich meine Speichelleckerin, Miss Briggs, zu Hause. Hier sind meine Brüder meine Speichellecker, und wahrhaftig, ein hübsches Paar!«

 

For some time past it is Humdrum Hall no longer. My dear, Miss Crawley has arrived with her fat horses, fat servants, fat spaniel — the great rich Miss Crawley, with seventy thousand pounds in the five per cents., whom, or I had better say which, her two brothers adore. She looks very apoplectic, the dear soul; no wonder her brothers are anxious about her. You should see them struggling to settle her cushions, or to hand her coffee! “When I come into the country,” she says (for she has a great deal of humour), “I leave my toady, Miss Briggs, at home. My brothers are my toadies here, my dear, and a pretty pair they are!”

Wenn sie zu uns aufs Land kommt, so hat unser Schloß offene Türen, und mindestens einen Monat lang könnte man sich einbilden, der alte Sir Walpole sei wieder lebendig geworden. Wir geben Gesellschaften, fahren vierspännig aus, die Diener tragen das neueste Kanariengelb, wir trinken Rotwein und Champagner, als ob wir nie etwas anderes bekämen. Im Unterrichtszimmer haben wir Wachskerzen und Feuer, um uns aufzuwärmen, Lady Crawley muß das schönste Erbsengrüne anziehen, das ihre Garderobe aufzuweisen hat, und meine Schülerinnen legen ihre dicken Schuhe und engen alten Schottenkittel ab und tragen seidene Strümpfe und Musselinröcke, wie es sich für Baronetstöchter von Welt schickt. Rose kam gestern übel zugerichtet heim – die Wiltshire-Sau, ihr erklärter Liebling, hatte sie umgerannt und war auf ihrem hübschen, lilageblümten Seidenkleid herumgetrampelt. Wäre dies vor einer Woche geschehen, so hätte Sir Pitt greulich geflucht, das arme Ding tüchtig geohrfeigt und sie einen Monat lang auf Wasser und Brot gesetzt. Alles, was er jetzt sagte, war: »Warte nur, bis deine Tante fort ist«, und dabei lachte er über den Vorfall, als sei es etwas ganz Unbedeutendes. Wir wollen hoffen, daß sein Zorn verflogen ist, wenn Miss Crawley abreist. Ich hoffe es sehr um Miss Roses willen. Was für ein bezaubernder Versöhner und Friedensstifter doch das Geld ist!

 

When she comes into the country our hall is thrown open, and for a month, at least, you would fancy old Sir Walpole was come to life again. We have dinner-parties, and drive out in the coach-and-four the footmen put on their newest canary-coloured liveries; we drink claret and champagne as if we were accustomed to it every day. We have wax candles in the schoolroom, and fires to warm ourselves with. Lady Crawley is made to put on the brightest pea-green in her wardrobe, and my pupils leave off their thick shoes and tight old tartan pelisses, and wear silk stockings and muslin frocks, as fashionable baronets’ daughters should. Rose came in yesterday in a sad plight — the Wiltshire sow (an enormous pet of hers) ran her down, and destroyed a most lovely flowered lilac silk dress by dancing over it — had this happened a week ago, Sir Pitt would have sworn frightfully, have boxed the poor wretch’s ears, and put her upon bread and water for a month. All he said was, “I’ll serve you out, Miss, when your aunt’s gone,” and laughed off the accident as quite trivial. Let us hope his wrath will have passed away before Miss Crawley’s departure. I hope so, for Miss Rose’s sake, I am sure. What a charming reconciler and peacemaker money is!

Eine weitere wunderbare Wirkung Miss Crawleys und ihrer siebzigtausend Pfund zeigt sich in dem Betragen der beiden Brüder Crawley. Ich meine den Baronet und den Pfarrer, nicht unsere Brüder. Die beiden, die sich das ganze Jahr über hassen, werden zu Weihnachten ganz liebevoll gegeneinander. Ich habe Dir im vergangenen Jahre geschrieben, wie der abscheuliche Pferderenn-Pfarrer uns in der Kirche andauernd mit plumpen Predigten auf den Leib rückt und wie Sir Pitt mit Schnarchen antwortet. Sobald aber Miss Crawley kommt, hört man nichts mehr von Zank und Streit, das Schloß besucht das Pfarrhaus und umgekehrt, der Pfarrer und der Baronet unterhalten sich freundschaftlich ohne jeglichen Zank beim Wein über Schweine und Wilddiebe und Grafschaftsgeschäfte. Miss Crawley will tatsächlich nichts von ihren Streitereien wissen und schwört, sie werde ihr Geld den Shropshire Crawleys hinterlassen, wenn man sie ärgere. Wenn diese Shropshire Crawleys nur ein bißchen schlau wären, so könnten sie wahrscheinlich alles bekommen; der Shropshire Crawley ist jedoch Geistlicher wie sein Hampshire-Vetter und hat Miss Crawley durch seine engstirnigen Moralauffassungen tödlich beleidigt, als sie einmal in einem Wutanfall gegen ihre widerspenstigen Brüder zu ihm geflohen war. Er wollte, glaube ich, zu Hause das Beten einführen.

 

Another admirable effect of Miss Crawley and her seventy thousand pounds is to be seen in the conduct of the two brothers Crawley. I mean the baronet and the rector, not our brothers — but the former, who hate each other all the year round, become quite loving at Christmas. I wrote to you last year how the abominable horse-racing rector was in the habit of preaching clumsy sermons at us at church, and how Sir Pitt snored in answer. When Miss Crawley arrives there is no such thing as quarrelling heard of — the Hall visits the Rectory, and vice versa — the parson and the Baronet talk about the pigs and the poachers, and the county business, in the most affable manner, and without quarrelling in their cups, I believe — indeed Miss Crawley won’t hear of their quarrelling, and vows that she will leave her money to the Shropshire Crawleys if they offend her. If they were clever people, those Shropshire Crawleys, they might have it all, I think; but the Shropshire Crawley is a clergyman like his Hampshire cousin, and mortally offended Miss Crawley (who had fled thither in a fit of rage against her impracticable brethren) by some strait-laced notions of morality. He would have prayers in the house, I believe.

Unsere Predigtbücher werden zugeklappt, wenn Miss Crawley kommt, und Mr. Pitt, den sie verabscheut, findet es besser, nach London zu fahren. Statt seiner erscheint dann der junge Geck – Stutzer nennt man so einen wohl –Hauptmann Crawley, und wahrscheinlich willst Du wissen, was für ein Mensch er ist.

 

Our sermon books are shut up when Miss Crawley arrives, and Mr. Pitt, whom she abominates, finds it convenient to go to town. On the other hand, the young dandy — "blood,” I believe, is the term — Captain Crawley makes his appearance, and I suppose you will like to know what sort of a person he is.

Nun, er ist ein langer, junger Geck, sechs Fuß groß und spricht sehr laut; er flucht viel und kommandiert die Dienstboten herum, die ihn aber trotzdem anbeten, denn er ist nicht knauserig mit seinem Geld, so daß sie alles für ihn tun. Vergangene Woche haben die Wildhüter beinahe einen Gerichtsdiener und seinen Gehilfen umgebracht, die von London gekommen waren, um den Hauptmann zu verhaften. Sie wurden ertappt, als sie an der Parkmauer entlangschlichen – die Wildhüter verprügelten sie, tauchten sie und hätten sie als Wilddiebe erschossen, wenn sich der Baronet nicht ins Mittel gelegt hätte.

 

Well, he is a very large young dandy. He is six feet high, and speaks with a great voice; and swears a great deal; and orders about the servants, who all adore him nevertheless; for he is very generous of his money, and the domestics will do anything for him. Last week the keepers almost killed a bailiff and his man who came down from London to arrest the Captain, and who were found lurking about the Park wall — they beat them, ducked them, and were going to shoot them for poachers, but the baronet interfered.

Der Hauptmann zeigt gegenüber seinem Vater eine abgrundtiefe Verachtung, nennt ihn einen alten Tropf, einen alten Blödian, einen Bauerntölpel und belegt ihn mit zahllosen anderen hübschen Namen. Er hat ein schreckliches Ansehen bei den Damen. Er bringt seine Renner mit nach Hause, verkehrt mit den Squires der Grafschaft, ladet zum Essen ein, wen er will, und Sir Pitt wagt keinen Mucks, aus Angst, Miss Crawley zu beleidigen und um seinen Anteil zu kommen, wenn sie am Schlaganfall stirbt. Soll ich Dir ein Kompliment erzählen, das mir der Hauptmann gemacht hat? Ich muß, es ist zu hübsch. Eines Abends war doch tatsächlich Tanz bei uns; es waren Sir Huddleston Fuddleston mit Familie, Sir Giles Wapshot mit seinen Töchtern, und ich weiß nicht, wer noch alles, anwesend. Ich hörte ihn sagen: »Beim Zeus, das ist aber ein hübsches, kleines Füllen!«, womit er Deine ergebene Dienerin gemeint hat; er tat mir auch die Ehre an, zwei Contretänze mit mir zu tanzen. Er kommt mit den jungen Squires gut aus, trinkt mit ihnen, reitet und unterhält sich vom Jagen und Schießen; die Landmädchen aber findet er langweilig, und ich glaube wirklich, damit hat er nicht ganz unrecht. Du solltest nur sehen, mit welcher Verachtung sie auf mich armes Wesen herabblicken. Wenn sie tanzen, sitze ich ganz bescheiden am Klavier und spiele; als er aber neulich abend ziemlich erhitzt aus dem Speisesaal hereinkam und mich so beschäftigt fand, beteuerte er laut, daß ich die beste Tänzerin des Abends sei, und schwor bei seiner Ehre, daß er Musikanten aus Mudbury kommen lassen würde.

 

The Captain has a hearty contempt for his father, I can see, and calls him an old put, an old Snob, an old CHAW-BACON, and numberless other pretty names. He has a dreadful reputation among the ladies. He brings his hunters home with him, lives with the Squires of the county, asks whom he pleases to dinner, and Sir Pitt dares not say no, for fear of offending Miss Crawley, and missing his legacy when she dies of her apoplexy. Shall I tell you a compliment the Captain paid me? I must, it is so pretty. One evening we actually had a dance; there was Sir Huddleston Fuddleston and his family, Sir Giles Wapshot and his young ladies, and I don’t know how many more. Well, I heard him say — "By Jove, she’s a neat little filly!” meaning your humble servant; and he did me the honour to dance two country-dances with me. He gets on pretty gaily with the young Squires, with whom he drinks, bets, rides, and talks about hunting and shooting; but he says the country girls are BORES; indeed, I don’t think he is far wrong. You should see the contempt with which they look down on poor me! When they dance I sit and play the piano very demurely; but the other night, coming in rather flushed from the dining-room, and seeing me employed in this way, he swore out loud that I was the best dancer in the room, and took a great oath that he would have the fiddlers from Mudbury.

»Ich will einen Contretanz spielen«, erbot sich Mrs. Bute Crawley bereitwillig (sie ist eine kleine brünette Alte mit funkelnden Augen, geht ziemlich krumm und trägt einen Turban), und als der Hauptmann und Deine arme kleine Rebekka miteinander getanzt hatten, tat sie mir doch wirklich die unglaubliche Ehre an, mir über mein Tanzen Komplimente zu machen! So etwas war noch nicht dagewesen. Die stolze Mrs. Bute Crawly, älteste Cousine des Grafen von Tiptoff, die sich nur dann herabläßt, Lady Crawley zu besuchen, wenn ihre Schwägerin auf dem Lande ist. Die arme Lady Crawley! Während dieser Vergnügen hockt sie meistens oben und schluckt Pillen.

 

“I’ll go and play a country-dance,” said Mrs. Bute Crawley, very readily (she is a little, black-faced old woman in a turban, rather crooked, and with very twinkling eyes); and after the Captain and your poor little Rebecca had performed a dance together, do you know she actually did me the honour to compliment me upon my steps! Such a thing was never heard of before; the proud Mrs. Bute Crawley, first cousin to the Earl of Tiptoff, who won’t condescend to visit Lady Crawley, except when her sister is in the country. Poor Lady Crawley! during most part of these gaieties, she is upstairs taking pills.

Mrs. Bute hat plötzlich eine große Vorliebe für mich entwickelt. »Meine liebe Miss Sharp«, sagte sie, »warum kommen Sie nicht einmal mit Ihren Schülerinnen ins Pfarrhaus? Die kleinen Cousinen würden sich so freuen, sie zu sehen.« Ich weiß schon, was sie damit bezweckt. Signor Clementi hat uns nicht umsonst Klavierspielen gelehrt: Mrs. Bute aber möchte für ihre Kinder eine Lehrerin umsonst. Ich durchschaue ihre .Pläne, als ob sie sie mir verraten hätte, aber ich werde hingehen, weil ich mich angenehm machen will. Ist das nicht die Pflicht einer armen Gouvernante, die in der ganzen weiten Welt auch nicht einen Freund oder Beschützer hat? Die Pfarrersfrau machte mir auch Dutzende Komplimente über die Fortschritte meiner Schülerinnen und dachte zweifellos, das könnte mein Herz rühren – das arme, einfältige Landei! Als ob mich meine Schülerinnen auch nur einen Pfifferling scherten!

 

Mrs. Bute has all of a sudden taken a great fancy to me. “My dear Miss Sharp,” she says, “why not bring over your girls to the Rectory? — their cousins will be so happy to see them.” I know what she means. Signor Clementi did not teach us the piano for nothing; at which price Mrs. Bute hopes to get a professor for her children. I can see through her schemes, as though she told them to me; but I shall go, as I am determined to make myself agreeable — is it not a poor governess’s duty, who has not a friend or protector in the world? The Rector’s wife paid me a score of compliments about the progress my pupils made, and thought, no doubt, to touch my heart — poor, simple, country soul! — as if I cared a fig about my pupils!

Dein indisches Musselinkleid sowie Dein Rosaseidenes, liebste Amelia, sollen mir sehr gut stehen. Sie sind schon recht abgetragen; aber Du weißt, wir armen Mädchen können uns des fraiches toilettes nicht leisten. Ach, wie glücklich, wie unendlich glücklich bist Du! Du brauchst nur zur St. James' Street zu fahren, und eine gute Mutter schenkt Dir alles, worum Du bittest. Lebe wohl, teuerstes Mädchen.

Deine Dich liebende Rebekka

 

Your India muslin and your pink silk, dearest Amelia, are said to become me very well. They are a good deal worn now; but, you know, we poor girls can’t afford des fraiches toilettes. Happy, happy you! who have but to drive to St. James’s Street, and a dear mother who will give you any thing you ask. Farewell, dearest girl,

Your affectionate Rebecca.

PS: Schade, daß Du nicht die Gesichter der beiden Miss Blackbrook (Admiral Blackbrooks Töchter, vornehme junge Damen, mit Kleidern aus London) sehen konntest, als Hauptmann Rawdon mich armes Ding zum Tanzen aufforderte.

 

P.S. — I wish you could have seen the faces of the Miss Blackbrooks (Admiral Blackbrook’s daughters, my dear), fine young ladies, with dresses from London, when Captain Rawdon selected poor me for a partner!

Als Mrs. Bute Crawley (der unsere scharfsichtige Rebekka so schnell auf die Schliche gekommen war) von Miss Sharp das Versprechen eines Besuches erlangt hatte, bewog sie die allmächtige Miss Crawley, Sir Pitt um die nötige Erlaubnis dafür anzugehen; und die gutmütige alte Dame, die selbst gern lustig war und stets alles um sich her froh und glücklich sehen wollte, war ganz entzückt und gleich bereit, zwischen ihren beiden Brüdern eine Versöhnung herbeizuführen und sie wieder zu Freunden zu machen. Es wurde daher vereinbart, daß die jungen Leute beider Familien sich in Zukunft häufig besuchen sollten. Die Freundschaft währte natürlich nur so lange, wie die joviale alte Vermittlerin da war, um den Frieden aufrechtzuerhalten.

 

When Mrs. Bute Crawley (whose artifices our ingenious Rebecca had so soon discovered) had procured from Miss Sharp the promise of a visit, she induced the all-powerful Miss Crawley to make the necessary application to Sir Pitt, and the good-natured old lady, who loved to be gay herself, and to see every one gay and happy round about her, was quite charmed, and ready to establish a reconciliation and intimacy between her two brothers. It was therefore agreed that the young people of both families should visit each other frequently for the future, and the friendship of course lasted as long as the jovial old mediatrix was there to keep the peace.

»Warum hast du bloß diesen Halunken, den Rawdon Crawley, zum Essen eingeladen?« fragte der Pfarrer seine Eheliebste, als sie durch den Park nach Hause gingen. »Ich will den Kerl nicht. Er sieht auf uns Leute vom Lande herab, als wären wir Mohren. Er gibt sich nie zufrieden, bis er meinen Gelbsiegelwein bekommt, der mich zehn Shilling pro Flasche kostet; zum Henker mit ihm! Außerdem hat er einen teuflischen Charakter – er spielt, säuft und ist durch und durch ein Bruder Liederlich. Er hat einen Menschen im Duell getötet, steckt bis über die Ohren in Schulden und hat mich und die Meinen um den größten Teil von Miss Crawleys Vermögen gebracht. Waxy sagt, sie habe ihn« – hier schüttelte der Pfarrer die Faust zum Mond empor und stieß etwas aus, was einem Fluche nicht unähnlich klang; dann fügte er melancholisch hinzu – »in ihrem Testament mit fünfzigtausend bedacht, so daß nicht mehr als dreißigtausend zum Teilen übrigbleiben.«

 

“Why did you ask that scoundrel, Rawdon Crawley, to dine?” said the Rector to his lady, as they were walking home through the park. “I don’t want the fellow. He looks down upon us country people as so many blackamoors. He’s never content unless he gets my yellow-sealed wine, which costs me ten shillings a bottle, hang him! Besides, he’s such an infernal character — he’s a gambler — he’s a drunkard — he’s a profligate in every way. He shot a man in a duel — he’s over head and ears in debt, and he’s robbed me and mine of the best part of Miss Crawley’s fortune. Waxy says she has him" — here the Rector shook his fist at the moon, with something very like an oath, and added, in a melancholious tone, “ — , down in her will for fifty thousand; and there won’t be above thirty to divide.”

»Ich glaube, sie macht nicht mehr lange«, meinte die Pfarrersfrau. »Sie war schrecklich rot im Gesicht, als wir vom Essen aufstanden. Ich mußte sie aufschnüren.«

 

“I think she’s going,” said the Rector’s wife. “She was very red in the face when we left dinner. I was obliged to unlace her.”

»Sie hat sieben Gläser Champagner getrunken«, sagte der ehrwürdige Herr leise, »und dabei ist es entsetzlicher Champagner, mit dem uns mein Bruder vergiftet – aber ihr Weiber habt ja keine Ahnung.«

 

“She drank seven glasses of champagne,” said the reverend gentleman, in a low voice; “and filthy champagne it is, too, that my brother poisons us with — but you women never know what’s what.”

»So muß es wohl sein«, erwiderte Mrs. Bute Crawley.

 

“We know nothing,” said Mrs. Bute Crawley.

»Nach dem Essen hat sie Kirschbranntwein getrunken«, fuhr Seine Ehrwürden fort, »und dann zum Kaffee Curaçao. Ich würde nicht für fünf Pfund ein Glas trinken, das Sodbrennen würde mich umbringen. Das kann sie nicht mehr lange aushalten, Mrs. Crawley, sie wird bald das Zeitliche segnen, Fleisch und Blut können das nicht überleben. Ich wette fünf gegen zwei – noch ein Jahr, und Matilda liegt im Grabe.«

 

“She drank cherry-brandy after dinner,” continued his Reverence, “and took curacao with her coffee. I wouldn’t take a glass for a five-pound note: it kills me with heartburn. She can’t stand it, Mrs. Crawley — she must go — flesh and blood won’t bear it! and I lay five to two, Matilda drops in a year.”

In diese ernsthaften Erwägungen vertieft, schritt der Pfarrer mit seiner Frau eine Weile dahin und dachte an seine Schulden, an seinen Sohn James auf der Universität, an Frank in Woolwich und an die vier so wenig hübschen Mädchen, die armen Dinger, die außer dem, was ihre Tante ihnen hinterlassen würde, keinen Pfennig zu erwarten hatten.

 

Indulging in these solemn speculations, and thinking about his debts, and his son Jim at College, and Frank at Woolwich, and the four girls, who were no beauties, poor things, and would not have a penny but what they got from the aunt’s expected legacy, the Rector and his lady walked on for a while.

»Pitt kann doch kein so teuflischer Schurke sein und die Anwartschaft auf die Pfründe verkaufen. Und der methodistische Weichling von einem ältesten Sohne möchte gern ins Parlament«, fuhr Mr. Crawley nach einer Pause fort.

 

“Pitt can’t be such an infernal villain as to sell the reversion of the living. And that Methodist milksop of an eldest son looks to Parliament,” continued Mr. Crawley, after a pause.

»Sir Pitt Crawley kann man alles zutrauen«, sagte die Pfarrersfrau. »Wir müssen in Miss Crawley dringen, daß sie ihn dazu bringt, die Pfründe James zu versprechen.«

 

“Sir Pitt Crawley will do anything,” said the Rector’s wife. “We must get Miss Crawley to make him promise it to James.”

»Pitt wird alles versprechen«, erwiderte der Bruder. »Er versprach mir, meine Universitätsschulden zu bezahlen, als unser Vater starb; er versprach, den neuen Flügel an das Pfarrhaus zu bauen; er versprach mir, daß er mir Jibbs Feld sowie die sechs Morgen Wiesenland überlassen wollte – aber wie hat er seine Versprechungen gehalten! Und dem Sohn dieses Mannes, diesem Spitzbuben, Spieler, Schwindler, Mörder Rawdon Crawley, hinterläßt Matilda den Löwenanteil ihres Vermögens. Ich sage, es ist unchristlich. Beim Zeus, das ist es. Der infame Hund hat alle Laster, außer der Heuchelei, und die besitzt sein Bruder.«

 

“Pitt will promise anything,” replied the brother. “He promised he’d pay my college bills, when my father died; he promised he’d build the new wing to the Rectory; he promised he’d let me have Jibb’s field and the Six-acre Meadow — and much he executed his promises! And it’s to this man’s son — this scoundrel, gambler, swindler, murderer of a Rawdon Crawley, that Matilda leaves the bulk of her money. I say it’s un-Christian. By Jove, it is. The infamous dog has got every vice except hypocrisy, and that belongs to his brother.”

»Still, Liebster! Wir sind auf Sir Pitts Grund und Boden«, fiel ihm seine Frau ins Wort.

 

“Hush, my dearest love! we’re in Sir Pitt’s grounds,” interposed his wife.

»Ich sage, er hat jedes Laster, Mrs. Crawley. Bitte, Madame, überschrei mich nicht. Hat er nicht Hauptmann Firebrace erschossen? Hat er nicht den jungen Lord Dovedale im ›Kakaobaum‹ ausgeraubt? Hat er nicht den Kampf zwischen Bill Soames und dem Cheshire As hintertrieben, wodurch ich vierzig Pfund verlor? Das weißt du alles ganz genau. Und was die Weiber betrifft, nun, so hast du das ja in meiner eigenen Gerichtsstube gehört...«

 

“I say he has got every vice, Mrs. Crawley. Don’t Ma’am, bully me. Didn’t he shoot Captain Marker? Didn’t he rob young Lord Dovedale at the Cocoa-Tree? Didn’t he cross the fight between Bill Soames and the Cheshire Trump, by which I lost forty pound? You know he did; and as for the women, why, you heard that before me, in my own magistrate’s room.”

»Um Himmels willen, Mr. Crawley«, rief die Dame, »erspare mir Einzelheiten I«

 

“For heaven’s sake, Mr. Crawley,” said the lady, “spare me the details.”

»Und diesen Schuft lädst du dir ins Haus!« fuhr der empörte Pfarrer fort. »Du, die Mutter von kleinen Kindern, die Frau eines Geistlichen der Kirche von England. Beim Zeus!«

 

“And you ask this villain into your house!” continued the exasperated Rector. “You, the mother of a young family — the wife of a clergyman of the Church of England. By Jove!”

»Bute Crawley, du bist ein Narr«, sagte die Pfarrersfrau verächtlich.

 

“Bute Crawley, you are a fool,” said the Rector’s wife scornfully.

»Schön, Madame, Narr oder nicht – und ich behaupte ja auch nicht, Martha, daß ich so klug bin wie du, und habe es nie behauptet. Aber Rawdon Crawley will ich nicht sehen, damit du Bescheid weißt. Ich will zu Huddleston hinüber, ja, ganz bestimmt, und mir seinen schwarzen Windhund ansehen, Mrs. Crawley; und ich wette um fünfzig Pfund, daß Lancelot besser läuft als der oder jeder andere Hund in England. Beim Zeus, das will ich. Aber das Biest Rawdon Crawley will ich nicht sehen.«

 

“Well, Ma’am, fool or not — and I don’t say, Martha, I’m so clever as you are, I never did. But I won’t meet Rawdon Crawley, that’s flat. I’ll go over to Huddleston, that I will, and see his black greyhound, Mrs. Crawley; and I’ll run Lancelot against him for fifty. By Jove, I will; or against any dog in England. But I won’t meet that beast Rawdon Crawley.”

»Mr. Crawley, du bist wieder einmal betrunken«, erwiderte seine Frau. Und als am nächsten Morgen der Pfarrer aufwachte und Dünnbier verlangte, erinnerte sie ihn an sein Versprechen, am Sonnabend Sir Huddleston Fuddleston zu besuchen, und da er wußte, daß es ein feuchter Abend werden würde, so beschloß man, daß er erst am Sonntagmorgen zurückgaloppieren sollte, um noch rechtzeitig zum Gottesdienst zu kommen. So kann man sehen, daß die Pfarrkinder von Crawley sich gleichermaßen zu ihrem Gutsherrn wie zu ihrem Pfarrer Glück wünschen konnten.

 

“Mr. Crawley, you are intoxicated, as usual,” replied his wife. And the next morning, when the Rector woke, and called for small beer, she put him in mind of his promise to visit Sir Huddleston Fuddleston on Saturday, and as he knew he should have a wet night, it was agreed that he might gallop back again in time for church on Sunday morning. Thus it will be seen that the parishioners of Crawley were equally happy in their Squire and in their Rector.

Miss Crawley hatte sich noch nicht lange im Schlosse aufgehalten, da hatten Rebekkas Reize schon das Herz der gutmütigen Londoner Müßiggängerin erobert wie früher das der unschuldigen Landleute, von denen wir sprachen. Als sie eines Tages ihre gewohnte Spazierfahrt machen wollte, hielt sie es für angemessen, zu befehlen, daß »die kleine Gouvernante« sie nach Mudbury begleiten solle. Noch ehe sie zurück waren, hatte Rebekka sie erobert, da sie die alte Dame viermal zum Lachen gebracht und während der ganzen kleinen Reise amüsiert hatte.

 

Miss Crawley had not long been established at the Hall before Rebecca’s fascinations had won the heart of that good-natured London rake, as they had of the country innocents whom we have been describing. Taking her accustomed drive, one day, she thought fit to order that “that little governess” should accompany her to Mudbury. Before they had returned Rebecca had made a conquest of her; having made her laugh four times, and amused her during the whole of the little journey.

»Miss Sharp nicht mit an der Tafel teilnehmen lassen?« entrüstete sie sich gegenüber Sir Pitt, der einen offiziellen Empfang arrangiert und alle benachbarten Baronets dazu eingeladen hatte. »Glaubst du denn, du holdes Wesen, ich könne mich mit Lady Fuddleston über Kinderstubentratsch unterhalten oder mit dem alten Dummkopf, Sir Giles Wapshot, Friedensrichterprobleme diskutieren? Ich bestehe darauf, daß Miss Sharp dabei ist! Lady Crawley kann ja oben bleiben, wenn kein Platz mehr da ist. Aber die kleine Miss Sharp! Ja, die ist die einzige in der ganzen Grafschaft, mit der man ein vernünftiges Wort reden kann!«

 

“Not let Miss Sharp dine at table!” said she to Sir Pitt, who had arranged a dinner of ceremony, and asked all the neighbouring baronets. “My dear creature, do you suppose I can talk about the nursery with Lady Fuddleston, or discuss justices’ business with that goose, old Sir Giles Wapshot? I insist upon Miss Sharp appearing. Let Lady Crawley remain upstairs, if there is no room. But little Miss Sharp! Why, she’s the only person fit to talk to in the county!”

Auf einen so entschiedenen Befehl hin wurde Miss Sharp, die Gouvernante, natürlich aufgefordert, mit der vornehmen Gesellschaft unten zu speisen. Und als Sir Huddleston mit großem Gepränge und vielen Zeremonien Miss Crawley zur Tafel geführt hatte und sich eben anschickte, neben ihr Platz zu nehmen, rief die alte Dame mit schriller Stimme: »Becky Sharp! Miss Sharp! Kommen Sie, setzen Sie sich neben mich und amüsieren Sie mich. Sir Huddleston kann sich ja neben Lady Wapshot setzen.«

 

Of course, after such a peremptory order as this, Miss Sharp, the governess, received commands to dine with the illustrious company below stairs. And when Sir Huddleston had, with great pomp and ceremony, handed Miss Crawley in to dinner, and was preparing to take his place by her side, the old lady cried out, in a shrill voice, “Becky Sharp! Miss Sharp! Come you and sit by me and amuse me; and let Sir Huddleston sit by Lady Wapshot.”

Wenn die Gesellschaften vorbei und die Wagen davongerollt waren, sagte die unersättliche Miss Crawley stets: »Kommen Sie mit mir in mein Ankleidezimmer, Becky, wir wollen die Leute von heute abend ein bißchen durchhecheln«, und das gelang diesem Frauenzimmer prächtig. Der alte Sir Huddleston keuchte entsetzlich beim Essen, Sir Giles Wapshot hatte eine besonders geräuschvolle Art, seine Suppe zu schlürfen, und seine Lady zwinkerte ein wenig mit dem linken Auge, und all das karikierte Becky bewundernswürdig. Ebenso wie die Einzelheiten der Abendunterhaltung, Politik, Krieg, die vierteljährlichen Sitzungen der Friedensrichter, das berühmte Rennen und all die schwerwiegenden und ermüdenden Themen, worüber Landedelleute sprechen. An den Toiletten der beiden Miss Wapshot und dem berühmten gelben Hut von Lady Fuddleston ließ Miss Sharp keinen guten Faden, zur unendlichen Belustigung ihrer Zuhörerin.

 

When the parties were over, and the carriages had rolled away, the insatiable Miss Crawley would say, “Come to my dressing room, Becky, and let us abuse the company" — which, between them, this pair of friends did perfectly. Old Sir Huddleston wheezed a great deal at dinner; Sir Giles Wapshot had a particularly noisy manner of imbibing his soup, and her ladyship a wink of the left eye; all of which Becky caricatured to admiration; as well as the particulars of the night’s conversation; the politics; the war; the quarter-sessions; the famous run with the H.H., and those heavy and dreary themes, about which country gentlemen converse. As for the Misses Wapshot’s toilettes and Lady Fuddleston’s famous yellow hat, Miss Sharp tore them to tatters, to the infinite amusement of her audience.

»Meine Liebe, Sie sind ja eine wahre trouvaille«, pflegte Miss Crawley zu sagen. »Ich wollte, Sie könnten zu mir nach London kommen. Aber ich könnte Sie nicht wie die arme Briggs zur Zielscheibe meines Spottes machen, nein, nein, Sie gerissenes kleines Geschöpf, Sie sind zu schlau dazu. – Nicht wahr, Firkin?«

 

“My dear, you are a perfect trouvaille,” Miss Crawley would say. “I wish you could come to me in London, but I couldn’t make a butt of you as I do of poor Briggs no, no, you little sly creature; you are too clever — Isn’t she, Firkin?”

Mrs. Firkin (die gerade damit beschäftigt war, die wenigen Haarreste auf Miss Crawleys Schädel zu frisieren) warf den Kopf in den Nacken und sagte mit mörderischem Sarkasmus: »Ich glaube, Miss ist wirklich sehr schlau.« Mrs. Firkin besaß jene natürliche Eifersucht, die eine Haupteigenschaft jeder ehrlichen Frau ist.

 

Mrs. Firkin (who was dressing the very small remnant of hair which remained on Miss Crawley’s pate), flung up her head and said, “I think Miss is very clever,” with the most killing sarcastic air. In fact, Mrs. Firkin had that natural jealousy which is one of the main principles of every honest woman.

Nachdem Miss Crawley sich Sir Huddleston Fuddlestons entledigt hatte, befahl sie, daß Rawdon Crawley sie jeden Tag zu Tisch führen und daß Becky ihr mit dem Kissen folgen sollte, oder aber sie nahm Beckys Arm und ließ Rawdon mit dem Kissen folgen. »Wir müssen zusammen sitzen«, erklärte sie. »Wir sind die drei einzigen Christen in der Grafschaft, meine Liebe«; wenn das der Fall war, durfte es allerdings zugegebenermaßen in der Grafschaft Hampshire mit der Religion nicht eben zum besten stehen.

 

After rebuffing Sir Huddleston Fuddleston, Miss Crawley ordered that Rawdon Crawley should lead her in to dinner every day, and that Becky should follow with her cushion — or else she would have Becky’s arm and Rawdon with the pillow. “We must sit together,” she said. “We’re the only three Christians in the county, my love" — in which case, it must be confessed, that religion was at a very low ebb in the county of Hants.

Miss Crawley war aber nicht nur eine fromme Christin, sie war auch, wie bereits erwähnt, von ultraliberaler Einstellung und ergriff jede Gelegenheit, ihre Ansichten offen zu verkünden.

 

Besides being such a fine religionist, Miss Crawley was, as we have said, an Ultra-liberal in opinions, and always took occasion to express these in the most candid manner.

»Was ist schon Geburt, meine Teure?« pflegte sie zu Rebekka zu sagen. »Sehen Sie sich meinen Bruder Pitt an, sehen Sie sich die Huddlestons an, die schon seit Heinrich II. hier wohnen, sehen Sie sich den armen Bute im Pfarrhause an – kann es einer von denen mit Ihnen in bezug auf Verstand und Erziehung aufnehmen? Es mit Ihnen aufnehmen? Ach du großer Gott, die können es nicht einmal mit der armen lieben Briggs, meiner Gesellschaftsdame, oder Bowls, meinem Butler, aufnehmen. Sie, meine Liebe, sind wirklich ein Musterexemplar, ein kleiner Edelstein. Sie haben mehr Verstand als die halbe Grafschaft. Würde Vortrefflichkeit belohnt, so müßten Sie eine Herzogin sein – nein, es sollte überhaupt gar keine Herzoginnen geben, aber Sie dürften niemanden über sich haben, und ich betrachte Sie, meine Liebe, in jeder Hinsicht als mir ebenbürtig; und... würden Sie bitte ein paar Kohlen nachlegen, und würden Sie bitte dieses Kleid nehmen und es ändern, wo Sie es doch so gut können?« So ließ diese alte Philanthropin die, die sie als Gleichgestellte betrachtete, ihre Aufträge ausführen, betraute sie mit ihren Näharbeiten und ließ sich von ihr jeden Abend mit französischen Romanen in den Schlaf lesen.

 

“What is birth, my dear!” she would say to Rebecca — "Look at my brother Pitt; look at the Huddlestons, who have been here since Henry II; look at poor Bute at the parsonage — is any one of them equal to you in intelligence or breeding? Equal to you — they are not even equal to poor dear Briggs, my companion, or Bowls, my butler. You, my love, are a little paragon — positively a little jewel — You have more brains than half the shire — if merit had its reward you ought to be a Duchess — no, there ought to be no duchesses at all — but you ought to have no superior, and I consider you, my love, as my equal in every respect; and — will you put some coals on the fire, my dear; and will you pick this dress of mine, and alter it, you who can do it so well?” So this old philanthropist used to make her equal run of her errands, execute her millinery, and read her to sleep with French novels, every night.

Wie ältere Leser sich vielleicht noch erinnern werden, war damals die vornehme Welt in beträchtliche Aufregung versetzt worden durch zwei Vorfälle, die geeignet waren, wie die Zeitungen sich ausdrücken, den Herren in den langen Roben Beschäftigung zu verschaffen. Fähnrich Shafton war mit Lady Barbara Fitzurse, Tochter und Erbin des Grafen von Bruin, entlaufen; und der arme Vere Vane, ein Herr, der bis in sein vierzigstes Lebensjahr in bestem Rufe stand und zahlreiche Kinder großgezogen hatte, verließ mit einemmal schändlicherweise sein Haus wegen Mrs. Rougemont, der fünfundsechzigjährigen Schauspielerin.

 

At this time, as some old readers may recollect, the genteel world had been thrown into a considerable state of excitement by two events, which, as the papers say, might give employment to the gentlemen of the long robe. Ensign Shafton had run away with Lady Barbara Fitzurse, the Earl of Bruin’s daughter and heiress; and poor Vere Vane, a gentleman who, up to forty, had maintained a most respectable character and reared a numerous family, suddenly and outrageously left his home, for the sake of Mrs. Rougemont, the actress, who was sixty-five years of age.

»Das war der schönste Zug an Lord Nelsons teurem Charakter«, sagte Miss Crawley, »daß er für eine Frau zum Teufel ging. In einem Mann, der das tut, muß Gutes stecken. Ich liebe alle unklugen Heiraten. Am schönsten finde ich, wenn ein Adliger eine Müllerstochter heiratet, wie Lord Flowerdale es getan hat. Das macht alle Frauen so wütend. Ich wollte, ein Mann liefe mit Ihnen davon, meine Liebe, hübsch genug sind Sie.«

 

“That was the most beautiful part of dear Lord Nelson’s character,” Miss Crawley said. “He went to the deuce for a woman. There must be good in a man who will do that. I adore all impudent matches. — What I like best, is for a nobleman to marry a miller’s daughter, as Lord Flowerdale did — it makes all the women so angry — I wish some great man would run away with you, my dear; I’m sure you’re pretty enough.”

»Zwei Postillione! Ach, das wäre entzückend!« gestand Rebekka.

 

“Two post-boys! — Oh, it would be delightful!” Rebecca owned.

»Und am zweitbesten gefällt mir, wenn ein armer Kerl mit einem reichen Mädchen durchbrennt; es wäre herrlich, wenn Rawdon irgendeine entführte.«

 

“And what I like next best, is for a poor fellow to run away with a rich girl. I have set my heart on Rawdon running away with some one.”

“A rich some one, or a poor some one?”

»Eine Reiche oder eine Arme?«

 

»Ei, ei, Sie Gänschen! Rawdon hat keinen Shilling, außer dem, was ich ihm gebe. Er ist criblé de dettes – er muß sein Glück reparieren und Erfolg in der Welt haben.«

 

“Why, you goose! Rawdon has not a shilling but what I give him. He is crible de dettes — he must repair his fortunes, and succeed in the world.”

 

»Ist er sehr klug?« fragte Rebekka.

 

“Is he very clever?” Rebecca asked.

»Klug, meine Liebe? Ei, er hat keine Ahnung von etwas anderem als von Pferden, seinem Regiment, seiner Jagd und seinem Spiel; aber er muß Erfolg haben – er ist so entzückend lasterhaft. Wissen Sie nicht, daß er einen Mann getötet und einem beschimpften Vater nur durch den Hut geschossen hat? Bei seinem Regiment beten sie ihn an, und alle jungen Leute bei ›Wattier‹ und im ›Kakaobaum‹ schwören auf ihn.«

 

“Clever, my love? — not an idea in the world beyond his horses, and his regiment, and his hunting, and his play; but he must succeed — he’s so delightfully wicked. Don’t you know he has hit a man, and shot an injured father through the hat only? He’s adored in his regiment; and all the young men at Wattier’s and the Cocoa-Tree swear by him.”

Als Miss Rebekka Sharp ihrer geliebten Freundin den kleinen Ball in Queen's Crawley beschrieb und schilderte, wie Hauptmann Crawley sie zum ersten Male ausgezeichnet hatte, war ihr Bericht seltsamerweise nicht in allen Stücken genau. Der Hauptmann hatte sie schon oft zuvor ausgezeichnet. Der Hauptmann war ihr ein dutzendmal auf Spaziergängen begegnet. Der Hauptmann hatte sie fünfzigmal in Korridoren und Gängen getroffen. Der Hauptmann hatte sich abends wohl zwanzigmal über das Klavier gelehnt, wenn sie sang (die Lady war krank und hielt sich oben auf, und niemand kümmerte sich um sie). Der Hauptmann hatte Rebekka Briefchen geschrieben (die schönsten, die der große, ungeschickte Dragoner ersinnen und aufs Papier bringen konnte, aber mit Dummheit kommt man bei den Frauen ebenso weit wie mit allen anderen Eigenschaften). Als er aber sein erstes Briefchen in die Noten des Liedes gesteckt hatte, das sie gerade sang, erhob sich die kleine Gouvernante, sah ihm fest ins Gesicht, ergriff das dreieckige Briefchen, schwenkte es hin und her, als ob es ein Dreispitz wäre. Dann schritt sie auf den Feind zu und warf das Briefchen ins Feuer, und nach einem tiefen Knicks ging sie an ihren Platz zurück und sang lustiger als je weiter.

 

When Miss Rebecca Sharp wrote to her beloved friend the account of the little ball at Queen’s Crawley, and the manner in which, for the first time, Captain Crawley had distinguished her, she did not, strange to relate, give an altogether accurate account of the transaction. The Captain had distinguished her a great number of times before. The Captain had met her in a half-score of walks. The Captain had lighted upon her in a half-hundred of corridors and passages. The Captain had hung over her piano twenty times of an evening (my Lady was now upstairs, being ill, and nobody heeded her) as Miss Sharp sang. The Captain had written her notes (the best that the great blundering dragoon could devise and spell; but dulness gets on as well as any other quality with women). But when he put the first of the notes into the leaves of the song she was singing, the little governess, rising and looking him steadily in the face, took up the triangular missive daintily, and waved it about as if it were a cocked hat, and she, advancing to the enemy, popped the note into the fire, and made him a very low curtsey, and went back to her place, and began to sing away again more merrily than ever.

»Was ist los?« fragte Miss Crawley, die durch das plötzliche Aufhören der Musik in ihrem Nachmittagsschläfchen gestört wurde.

 

“What’s that?” said Miss Crawley, interrupted in her after-dinner doze by the stoppage of the music.

»Es war eine falsche Note«, lachte Miss Sharp; Rawdon Crawley dagegen platzte vor Wut und Ärger.

 

“It’s a false note,” Miss Sharp said with a laugh; and Rawdon Crawley fumed with rage and mortification.

Wie gut war es doch von Mrs. Bute Crawley, nicht eifersüchtig zu werden, als sie Miss Crawleys offensichtliche Vorliebe für die neue Gouvernante entdeckte, sondern die junge Dame ins Pfarrhaus einzuladen, und mit ihr zusammen auch Rawdon Crawley, ihres Gatten Rivalen in den fünfprozentigen Papieren der alten Jungfer. Sie fanden viel Gefallen aneinander, Mrs. Crawley und ihr Neffe. Er gab das Jagen auf, folgte nicht mehr den Einladungen nach Fuddleston und speiste nicht mehr in der Offiziersmesse im Hauptquartier des Regiments in Mudbury; sein größtes Vergnügen war, nach dem Pfarrhause von Crawley hinüberzuschlendern, wohin sich auch Miss Crawley begab, und warum nicht auch Miss Sharp mit den Kindern, da doch deren Mutter krank war? So kamen denn auch die Kinder (die herzigen Kleinen!) mit Miss Sharp, und abends gingen gewöhnlich einige aus der Gesellschaft zu Fuß zurück. Nicht Miss Crawley – sie zog ihre Kutsche vor; aber für zwei Liebhaber des Malerischen wie den Hauptmann und Miss Rebekka war der Spaziergang im Mondschein über die Felder des Pfarrers und durch das Parkpförtchen zu den dunklen Bäumen und durch die Allee nach Queen's Crawley hinauf bezaubernd schön.

 

Seeing the evident partiality of Miss Crawley for the new governess, how good it was of Mrs. Bute Crawley not to be jealous, and to welcome the young lady to the Rectory, and not only her, but Rawdon Crawley, her husband’s rival in the Old Maid’s five per cents! They became very fond of each other’s society, Mrs. Crawley and her nephew. He gave up hunting; he declined entertainments at Fuddleston: he would not dine with the mess of the depot at Mudbury: his great pleasure was to stroll over to Crawley parsonage — whither Miss Crawley came too; and as their mamma was ill, why not the children with Miss Sharp? So the children (little dears!) came with Miss Sharp; and of an evening some of the party would walk back together. Not Miss Crawley — she preferred her carriage — but the walk over the Rectory fields, and in at the little park wicket, and through the dark plantation, and up the checkered avenue to Queen’s Crawley, was charming in the moonlight to two such lovers of the picturesque as the Captain and Miss Rebecca.

»Oh, die Sterne, die Sterne!« rief Miss Rebekka jedesmal aus und schlug ihre grünen funkelnden Augen auf. »Ich fühle mich fast wie ein Geist, wenn ich sie anschaue.«

 

“O those stars, those stars!” Miss Rebecca would say, turning her twinkling green eyes up towards them. “I feel myself almost a spirit when I gaze upon them.”

»Oh – ah – Gott – ja, ich genauso, Miss Sharp«, antwortete der andere Enthusiast. »Meine Zigarre stört Sie doch hoffentlich nicht, Miss Sharp?« Miss Sharp liebte Zigarrenduft im Freien über alles – und sehr zierlich probierte sie selbst mal eine, paffte ein wenig, stieß einen kleinen Schrei aus, kicherte ein wenig und gab die Köstlichkeit dem Hauptmann zurück; der zwirbelte seinen Schnurrbart, paffte so heftig, daß rote Glut zwischen den dunklen Bäumen aufleuchtete, und schwor: »Beim Zeus – ah  – Gott – ah – das ist die beste Zigarre, die ich je geraucht habe – ah«, denn seine Unterhaltung war ebenso brillant wie sein Verstand und einem schwerfälligen jungen Dragoner angemessen.

 

“O — ah — Gad — yes, so do I exactly, Miss Sharp,” the other enthusiast replied. “You don’t mind my cigar, do you, Miss Sharp?” Miss Sharp loved the smell of a cigar out of doors beyond everything in the world — and she just tasted one too, in the prettiest way possible, and gave a little puff, and a little scream, and a little giggle, and restored the delicacy to the Captain, who twirled his moustache, and straightway puffed it into a blaze that glowed quite red in the dark plantation, and swore — "Jove — aw — Gad — aw — it’s the finest segaw I ever smoked in the world aw,” for his intellect and conversation were alike brilliant and becoming to a heavy young dragoon.

Der alte Sir Pitt, der pfeiferauchend, sein Bier vor sich, mit John Horrocks über ein Schaf sprach, das geschlachtet werden sollte, erspähte vom Fenster seines Arbeitszimmers aus das solcherart beschäftigte Paar und schwor unter entsetzlichen Flüchen, daß er, wenn Miss Crawley nicht da wäre, Rawdon ergreifen und hinausschmeißen würde, wie es einem Spitzbuben seines Schlages gebühre.

 

Old Sir Pitt, who was taking his pipe and beer, and talking to John Horrocks about a “ship” that was to be killed, espied the pair so occupied from his study-window, and with dreadful oaths swore that if it wasn’t for Miss Crawley, he’d take Rawdon and bundle un out of doors, like a rogue as he was.

»Er ist schon schlimm«, bemerkte Mr. Horrocks; »sein Diener Flethers aber ist noch schlimmer. Er hat im Zimmer der Haushälterin einen solchen Skandal wegen Essen und Bier aufgeführt, wie kein Lord es tun würde. Aber ich glaube, Miss Sharp ist ihm gewachsen, Sir Pitt«, setzte er nach einer Pause hinzu.

 

“He be a bad’n, sure enough,” Mr. Horrocks remarked; “and his man Flethers is wuss, and have made such a row in the housekeeper’s room about the dinners and hale, as no lord would make — but I think Miss Sharp’s a match for’n, Sir Pitt,” he added, after a pause.

Und das war sie auch – dem Vater mitsamt dem Sohn.

 

And so, in truth, she was — for father and son too.

 << Kapitel 12  Kapitel 14 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.