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Jahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1

William Makepeace Thackeray: Jahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1 - Kapitel 12
Quellenangabe
pfad/thackara/2jahrma1/2jahrma1.xml
typefiction
authorWilliam Makepeace Thackeray
titleJahrmarkt der Eitelkeit/Vanity Fair. Band 1
publisherprojekt.gutenberg.de
editorHella Reuters
year2012
firstpub2012
translatorChristoph Friedrich Grieb
senderreuters@abc.de
created20120915
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10. Kapitel / Chapter 10

Miss Sharp beginnt Freundschaften zu schließen / Miss Sharp Begins to Make Friends

Nachdem Rebekka in diese liebenswürdige Familie aufgenommen war, deren Porträt wir auf den vorhergehenden Seiten skizziert haben, machte sie es sich natürlich zur Pflicht, sich, wie sie es ausdrückte, ihren Wohltätern angenehm zu machen und nach bester Kraft deren Vertrauen zu gewinnen. Muß man nicht unbedingt dieses Dankbarkeitsgefühl bei einer armen Waise bewundern; und muß man nicht zugeben, daß ihre Berechnungen eventuell etwas selbstsüchtig waren, ihre Klugheit aber durchaus gerechtfertigt war? Ich stehe allein in der Welt, sagte sich das freundlose Mädchen. Ich werde nie etwas anderes besitzen, als was ich durch meiner eigenen Hände Arbeit verdiene. Während das junge Ding mit den roten Wangen, diese Amelia, nur die Hälfte von meinem Verstand hat und ihr trotzdem zehntausend Pfund und glänzende Aussichten sicher sind, muß sich die arme Rebekka (und meine Figur ist viel besser als ihre) auf sich selbst und ihren Verstand verlassen. Nun, wir wollen abwarten, ob mein Verstand mir nicht einen anständigen Unterhalt verschaffen kann und ob ich nicht eines Tages Miss Amelia meine wahre Überlegenheit zeigen kann. Nicht daß ich etwas gegen die arme Amelia hätte: wer könnte etwas gegen ein harmloses, gutmütiges Geschöpf wie sie haben? Aber es wird doch ein schöner Tag sein, wenn ich meine Stellung über ihr in der Gesellschaft einnehmen kann, und warum sollte ich das auch nicht? In solchen Zukunftsträumen wiegte sich unsere kleine romantische Freundin, und wir dürfen keinen Anstoß daran nehmen, daß in allen ihren Luftschlössern ein Mann der Hauptbewohner war. Woran sollten junge Damen sonst denken als an Männer? Woran sonst denken ihre lieben Mütter? Ich muß meine eigene Mutter sein, meinte Rebekka, nicht ohne ein stechendes Gefühl der Niederlage, wenn sie an ihr kleines mißliches Abenteuer mit Joe Sedley dachte.

 

And now, being received as a member of the amiable family whose portraits we have sketched in the foregoing pages, it became naturally Rebecca’s duty to make herself, as she said, agreeable to her benefactors, and to gain their confidence to the utmost of her power. Who can but admire this quality of gratitude in an unprotected orphan; and, if there entered some degree of selfishness into her calculations, who can say but that her prudence was perfectly justifiable? “I am alone in the world,” said the friendless girl. “I have nothing to look for but what my own labour can bring me; and while that little pink-faced chit Amelia, with not half my sense, has ten thousand pounds and an establishment secure, poor Rebecca (and my figure is far better than hers) has only herself and her own wits to trust to. Well, let us see if my wits cannot provide me with an honourable maintenance, and if some day or the other I cannot show Miss Amelia my real superiority over her. Not that I dislike poor Amelia: who can dislike such a harmless, good-natured creature? — only it will be a fine day when I can take my place above her in the world, as why, indeed, should I not?” Thus it was that our little romantic friend formed visions of the future for herself — nor must we be scandalised that, in all her castles in the air, a husband was the principal inhabitant. Of what else have young ladies to think, but husbands? Of what else do their dear mammas think? “I must be my own mamma,” said Rebecca; not without a tingling consciousness of defeat, as she thought over her little misadventure with Jos Sedley.

Sie beschloß daher weise, ihre Stellung bei der Familie in Queen's Crawley angenehm und sicher zu gestalten, und nahm sich zu diesem Zwecke vor, alle um sie her, die irgendwie zu ihrem Glück beitragen konnten, zu Freunden zu machen.

 

So she wisely determined to render her position with the Queen’s Crawley family comfortable and secure, and to this end resolved to make friends of every one around her who could at all interfere with her comfort.

Da Lady Crawley nicht zu diesem Personenkreis gehörte und da sie außerdem eine gleichgültige und charakterlose Frau war, die in ihrem eigenen Hause nicht das mindeste zu sagen hatte, so entdeckte Rebekka bald, daß es durchaus nicht notwendig sei, sich um ihre Zuneigung zu bemühen – ja daß es überhaupt unmöglich sei, sie zu gewinnen. Mit ihren Schülerinnen pflegte sie von der »armen Mama« zu sprechen; und obwohl sie diese Dame mit allen Anzeichen kühlen Respekts behandelte, richtete sie doch ihr Hauptaugenmerk wohlweislich auf die übrigen Familienmitglieder.

 

As my Lady Crawley was not one of these personages, and a woman, moreover, so indolent and void of character as not to be of the least consequence in her own house, Rebecca soon found that it was not at all necessary to cultivate her good will — indeed, impossible to gain it. She used to talk to her pupils about their “poor mamma”; and, though she treated that lady with every demonstration of cool respect, it was to the rest of the family that she wisely directed the chief part of her attentions.

Gegenüber den Kindern, deren Beifall sie völlig gewann, benutzte sie eine ganz einfache Methode. Sie stopfte die jungen Köpfe nicht mit allzuviel Gelehrsamkeit voll, sondern ließ ihnen lieber viel Freiheit, sich selbst zu erziehen; denn welche Erziehung ist wirksamer als die Selbsterziehung? Die ältere hatte eine Vorliebe für Bücher, und da die alte Bibliothek in Queen's Crawley eine beträchtliche Menge französischer und englischer Unterhaltungsliteratur aus dem vergangenen Jahrhundert beherbergte (die Bücher hatte der Sekretär des Schnur- und Siegellackamtes erworben, als er in Ungnade gefallen war) und da sich keiner außer Rebekka um die Bücherregale kümmerte, so konnte sie Miss Rose Crawley auf angenehme Weise und sozusagen spielend eine Menge Kenntnisse beibringen.

 

With the young people, whose applause she thoroughly gained, her method was pretty simple. She did not pester their young brains with too much learning, but, on the contrary, let them have their own way in regard to educating themselves; for what instruction is more effectual than self-instruction? The eldest was rather fond of books, and as there was in the old library at Queen’s Crawley a considerable provision of works of light literature of the last century, both in the French and English languages (they had been purchased by the Secretary of the Tape and Sealing Wax Office at the period of his disgrace), and as nobody ever troubled the book-shelves but herself, Rebecca was enabled agreeably, and, as it were, in playing, to impart a great deal of instruction to Miss Rose Crawley.

So lasen sie und Miss Rose viele reizende französische und englische Schriftsteller zusammen, von denen wir nur einige erwähnen wollen: den gelehrten Doktor Smollett, den geistreichen Mr. Henry Fielding, den anmutigen und phantastischen Monsieur Crebillon den Jüngeren, den unser unsterblicher Dichter Gray so sehr bewunderte, sowie den universellen Monsieur de Voltaire. Einmal, als Mr. Crawley fragte, was die Mädchen lasen, antwortete die Gouvernante: »Smollett.« – »Oh, Smollett«, rief Mr. Crawley völlig befriedigt. »Seine Geschichte ist zwar langweiliger, aber keineswegs so gefährlich wie die von Mr. Hume. Sie lesen also Geschichte?« – »Ja«, antwortete Miss Rose, ohne jedoch hinzuzufügen, daß es die »Geschichte von Mr. Humphry Clinker« sei. Bei anderer Gelegenheit nahm er Anstoß daran, in der Hand seiner Schwester einen Band französischer Schauspiele zu finden; als aber die Gouvernante erklärte, sie lasse das ihre Schülerin lesen, um ihr die französische Konversation beizubringen, so mußte er sich wohl oder übel zufriedengeben. Als Diplomat war Mr. Crawley nicht wenig stolz auf seine Fertigkeit im Französischen (denn noch gehörte er dieser Welt an), und er fühlte sich durch die Komplimente, die ihm die Gouvernante deswegen beständig machte, sehr geschmeichelt.

 

She and Miss Rose thus read together many delightful French and English works, among which may be mentioned those of the learned Dr. Smollett, of the ingenious Mr. Henry Fielding, of the graceful and fantastic Monsieur Crebillon the younger, whom our immortal poet Gray so much admired, and of the universal Monsieur de Voltaire. Once, when Mr. Crawley asked what the young people were reading, the governess replied “Smollett.” “Oh, Smollett,” said Mr. Crawley, quite satisfied. “His history is more dull, but by no means so dangerous as that of Mr. Hume. It is history you are reading?” “Yes,” said Miss Rose; without, however, adding that it was the history of Mr. Humphrey Clinker. On another occasion he was rather scandalised at finding his sister with a book of French plays; but as the governess remarked that it was for the purpose of acquiring the French idiom in conversation, he was fain to be content. Mr. Crawley, as a diplomatist, was exceedingly proud of his own skill in speaking the French language (for he was of the world still), and not a little pleased with the compliments which the governess continually paid him upon his proficiency.

Miss Violets Neigungen dagegen waren rauher und geräuschvoller als die ihrer Schwester. Sie kannte die abgelegenen Orte, wo die Hennen die Eier legen. Sie konnte auf einen Baum klettern, um in den Nestern der gefiederten Sänger gefleckte Beute zu machen. Ihr größtes Vergnügen war es, auf den jungen Füllen zu reiten und wie Camilla die Ebene zu durchstreifen. Sie war der Liebling ihres Vaters und der Stallknechte. Sie war auch der Günstling und gleichzeitig der Schrecken der Köchin, denn sie entdeckte die Marmeladentöpfe im dunkelsten Versteck und machte sich darüber her, sobald sie in ihre Reichweite kamen. Sie lag sich mit ihrer Schwester ständig in den Haaren. Entdeckte Miss Sharp solch eine Schandtat, so erzählte sie Lady Crawley nichts davon, die sie sonst dem Vater oder, noch schlimmer, Mr. Crawley mitgeteilt hätte, sondern versprach, nichts zu verraten, wenn Miss Violet ein artiges Mädchen sein und ihre Gouvernante liebhaben wollte.

 

Miss Violet’s tastes were, on the contrary, more rude and boisterous than those of her sister. She knew the sequestered spots where the hens laid their eggs. She could climb a tree to rob the nests of the feathered songsters of their speckled spoils. And her pleasure was to ride the young colts, and to scour the plains like Camilla. She was the favourite of her father and of the stablemen. She was the darling, and withal the terror of the cook; for she discovered the haunts of the jam-pots, and would attack them when they were within her reach. She and her sister were engaged in constant battles. Any of which peccadilloes, if Miss Sharp discovered, she did not tell them to Lady Crawley; who would have told them to the father, or worse, to Mr. Crawley; but promised not to tell if Miss Violet would be a good girl and love her governess.

Mr. Crawley gegenüber zeigte sich Miss Sharp respektvoll und unterwürfig. Sie zog ihn zu Rate, wenn sie französische Stellen nicht verstand, obgleich ihre Mutter eine Französin gewesen war; er konnte sie stets zu ihrer Zufriedenheit auslegen. Neben dieser Hilfe bei der weltlichen Literatur war er auch so gütig, Bücher ernsteren Charakters für sie auszuwählen. Er richtete oft das Wort an sie, und sie bewunderte über die Maßen seine Rede vor der Gesellschaft zur Unterstützung der Quashimabu, interessierte sich für seine Malz-Broschüre, war oft bis zu Tränen gerührt von seinen Abendandachten und versicherte dann: »Ach, ich danke Ihnen, Sir.« Dabei seufzte sie und schickte einen Blick zum Himmel, der ihn bisweilen bewog, ihr die Hand zu drücken. »Schließlich ist das Blut doch alles«, pflegte der aristokratische Frömmler zu sagen. »Wie ist Miss Sharp doch von meinen Worten gepackt, während niemand von den Leuten hier ergriffen wird. Ich bin zu fein für sie – zu zart. Ich muß meinen Stil populärer machen – sie aber versteht mich. Ihre Mutter war eine Montmorency.«

 

With Mr. Crawley Miss Sharp was respectful and obedient. She used to consult him on passages of French which she could not understand, though her mother was a Frenchwoman, and which he would construe to her satisfaction: and, besides giving her his aid in profane literature, he was kind enough to select for her books of a more serious tendency, and address to her much of his conversation. She admired, beyond measure, his speech at the Quashimaboo-Aid Society; took an interest in his pamphlet on malt: was often affected, even to tears, by his discourses of an evening, and would say — "Oh, thank you, sir,” with a sigh, and a look up to heaven, that made him occasionally condescend to shake hands with her. “Blood is everything, after all,” would that aristocratic religionist say. “How Miss Sharp is awakened by my words, when not one of the people here is touched. I am too fine for them — too delicate. I must familiarise my style — but she understands it. Her mother was a Montmorency.”

In der Tat stammte Miss Sharp mütterlicherseits offenbar von dieser berühmten Familie ab. Natürlich erzählte sie nicht, daß ihre Mutter auf der Bühne gestanden hatte; es hätte nur Mr. Crawleys religiöse Skrupel geweckt. Wie viele adlige Emigranten hatte die abscheuliche Revolution ins Elend gestürzt! Noch ehe sie ein paar Monate im Hause war, hatte sie schon verschiedene Geschichten über ihre Ahnen parat; einige davon fand Mr. Crawley zufällig in d'Hoziers Lexikon, das in der Bibliothek stand, und so sah er sich in seinem Glauben an deren Echtheit und an die vornehme Geburt Rebekkas bestärkt. Sollen wir oder unsere Heldin aus dieser Neugierde und den Nachforschungen im Lexikon schließen, daß Mr. Crawley sich für sie interessierte? Nein, seine Teilnahme war rein freundschaftlicher Natur. Haben wir nicht bereits gesagt, daß Lady Jane Sheepshanks seine Angebetete war?

 

Indeed it was from this famous family, as it appears, that Miss Sharp, by the mother’s side, was descended. Of course she did not say that her mother had been on the stage; it would have shocked Mr. Crawley’s religious scruples. How many noble emigres had this horrid revolution plunged in poverty! She had several stories about her ancestors ere she had been many months in the house; some of which Mr. Crawley happened to find in D’Hozier’s dictionary, which was in the library, and which strengthened his belief in their truth, and in the high-breeding of Rebecca. Are we to suppose from this curiosity and prying into dictionaries, could our heroine suppose that Mr. Crawley was interested in her? — no, only in a friendly way. Have we not stated that he was attached to Lady Jane Sheepshanks?

Ein paarmal machte er Rebekka Vorstellungen, wie wenig schicklich es sei, daß sie mit Sir Pitt Puff spiele; er nannte dieses Spiel einen gottlosen Zeitvertreib und setzte hinzu, daß sie weit besser daran täte, »Thrumps Vermächtnis« oder »Die blinde Waschfrau von Moorfields« oder irgendein Werk ernsteren Charakters zu lesen; allein Miss Sharp bemerkte, ihre liebe Mutter habe dieses Spiel oft mit dem alten Comte de Trictrac und dem ehrwürdigen Abbé du Cornet gespielt, und fand so eine Entschuldigung für diese und andere weltliche Belustigungen.

 

He took Rebecca to task once or twice about the propriety of playing at backgammon with Sir Pitt, saying that it was a godless amusement, and that she would be much better engaged in reading “Thrump’s Legacy,” or “The Blind Washerwoman of Moorfields,” or any work of a more serious nature; but Miss Sharp said her dear mother used often to play the same game with the old Count de Trictrac and the venerable Abbe du Cornet, and so found an excuse for this and other worldly amusements.

Aber die kleine Gouvernante machte sich bei dem Baronet nicht bloß durch das Puffspiel angenehm. Sie fand mancherlei Mittel, um ihm nützlich zu sein. Sie las mit unermüdlicher Geduld die Prozeßakten durch, mit denen er vor ihrer Ankunft in Queen's Crawley versprochen hatte, sie zu unterhalten. Sie erbot sich, viele seiner Briefe abzuschreiben, und änderte dabei geschickt die Orthographie, um sie mit dem gegenwärtigen Stand in Einklang zu bringen. Sie interessierte sich für alles, was mit dem Besitz zusammenhing, den Ackerbau, den Park, den Garten und die Stallungen; und sie wußte sich zu einer so angenehmen Gesellschafterin zu machen, daß der Baronet seinen gewöhnlichen Morgenspaziergang selten ohne sie (und natürlich auch die Kinder) machte. Sie erteilte dann gute Ratschläge betreffs der Bäume, die gekappt, der Beete, die umgegraben, des Getreides, das geschnitten, der Pferde, die für den Wagen oder den Pflug bestimmt werden sollten. Sie war noch kein Jahr in Queen's Crawley und hatte das Vertrauen des Baronets bereits in vollstem Maße gewonnen, und das Tischgespräch, das früher zwischen ihm und Mr. Horrocks, dem Butler, geführt wurde, fand jetzt fast ausschließlich zwischen Sir Pitt und Miss Sharp statt. Sie war beinahe Herrin im Hause, wenn Mr. Crawley abwesend war; dabei benahm sie sich aber in ihrer neuen, hohen Stellung mit so viel Umsicht und Bescheidenheit, daß sie die Autoritäten in Küche und Stall, denen gegenüber sie sich auch äußerst bescheiden und freundlich gab, nicht beleidigte. Sie war ganz verschieden von dem hochmütigen, scheuen, unzufriedenen kleinen Mädchen, das wir früher kennengelernt haben; und diese Wesensänderung bewies große Klugheit, den aufrichtigen Wunsch, sich zu bessern, oder jedenfalls doch viel moralischen Mut. Ob dieses neue System der Gefälligkeit und Demut, das unsere Rebekka anwandte, vom Herzen diktiert wurde, wird ihre spätere Geschichte beweisen. Ein System der Heuchelei wird selten jahrelang von einer Einundzwanzigjährigen befriedigend praktiziert. Unsere Leser werden sich jedoch erinnern, daß unsere Heldin, obwohl jung an Jahren, doch alt an Lebenserfahrung war. Unsere Geschichte hat ihren Zweck verfehlt, wenn Sie nicht bereits entdeckt haben, daß Becky ein sehr gescheites Mädchen war.

 

But it was not only by playing at backgammon with the Baronet, that the little governess rendered herself agreeable to her employer. She found many different ways of being useful to him. She read over, with indefatigable patience, all those law papers, with which, before she came to Queen’s Crawley, he had promised to entertain her. She volunteered to copy many of his letters, and adroitly altered the spelling of them so as to suit the usages of the present day. She became interested in everything appertaining to the estate, to the farm, the park, the garden, and the stables; and so delightful a companion was she, that the Baronet would seldom take his after-breakfast walk without her (and the children of course), when she would give her advice as to the trees which were to be lopped in the shrubberies, the garden-beds to be dug, the crops which were to be cut, the horses which were to go to cart or plough. Before she had been a year at Queen’s Crawley she had quite won the Baronet’s confidence; and the conversation at the dinner-table, which before used to be held between him and Mr. Horrocks the butler, was now almost exclusively between Sir Pitt and Miss Sharp. She was almost mistress of the house when Mr. Crawley was absent, but conducted herself in her new and exalted situation with such circumspection and modesty as not to offend the authorities of the kitchen and stable, among whom her behaviour was always exceedingly modest and affable. She was quite a different person from the haughty, shy, dissatisfied little girl whom we have known previously, and this change of temper proved great prudence, a sincere desire of amendment, or at any rate great moral courage on her part. Whether it was the heart which dictated this new system of complaisance and humility adopted by our Rebecca, is to be proved by her after-history. A system of hypocrisy, which lasts through whole years, is one seldom satisfactorily practised by a person of one-and-twenty; however, our readers will recollect, that, though young in years, our heroine was old in life and experience, and we have written to no purpose if they have not discovered that she was a very clever woman.

Der ältere und der jüngere Sohn des Crawleyschen Hauses waren, wie der Mann und die Frau im Wetterhäuschen, nie gemeinsam zu Hause – sie haßten einander von ganzem Herzen. Rawdon Crawley, der Dragoner, hegte eine gewaltige Verachtung gegen das ganze Haus und kam fast nur dahin, wenn seine Tante ihren jährlichen Besuch abstattete.

 

The elder and younger son of the house of Crawley were, like the gentleman and lady in the weather-box, never at home together — they hated each other cordially: indeed, Rawdon Crawley, the dragoon, had a great contempt for the establishment altogether, and seldom came thither except when his aunt paid her annual visit.

Die großartige Eigenschaft dieser alten Dame ist bereits erwähnt worden. Sie besaß siebzigtausend Pfund und hatte Rawdon so gut wie adoptiert. Ihr älterer Neffe war ihr außerordentlich zuwider, und sie verachtete ihn als einen Milchreisjüngling. Dieser wiederum zögerte nicht, ihre Seele für unrettbar verloren zu erklären und auch seinem Bruder in jener Welt keine Chance zu geben. »Sie ist eine gottlose weltliche Frau«, pflegte Mr. Crawley zu sagen, »sie verkehrt mit Atheisten und Franzosen. Meine Seele schaudert, wenn ich an ihr furchtbar schreckliches Los denke und wenn ich erwäge, daß sie, bereits am Rande des Grabes, noch so der Eitelkeit, gottlosen Ausschweifungen und der Torheit frönt.« In der Tat lehnte die alte Dame durchaus ab, seiner Abendandacht zu lauschen, und wenn sie allein nach Queen's Crawley kam, mußte er seine gewohnten frommen Übungen einstellen.

 

The great good quality of this old lady has been mentioned. She possessed seventy thousand pounds, and had almost adopted Rawdon. She disliked her elder nephew exceedingly, and despised him as a milksop. In return he did not hesitate to state that her soul was irretrievably lost, and was of opinion that his brother’s chance in the next world was not a whit better. “She is a godless woman of the world,” would Mr. Crawley say; “she lives with atheists and Frenchmen. My mind shudders when I think of her awful, awful situation, and that, near as she is to the grave, she should be so given up to vanity, licentiousness, profaneness, and folly.” In fact, the old lady declined altogether to hear his hour’s lecture of an evening; and when she came to Queen’s Crawley alone, he was obliged to pretermit his usual devotional exercises.

»Behalt deine Predigten für dich, Pitt, wenn Miss Crawley herkommt«, sagte sein Vater, »sie hat geschrieben, daß sie das Salbadern nicht vertragen kann.«

 

“Shut up your sarmons, Pitt, when Miss Crawley comes down,” said his father; “she has written to say that she won’t stand the preachifying.”

»Oh, Sir! Denken Sie doch an die Dienstboten!«

 

“O, sir! consider the servants.”

»Zum Henker mit den Dienstboten!« sagte Sir Pitt, und sein Sohn dachte, daß ihnen noch weit Schlimmeres als das Hängen widerfahren würde, wenn man sie der Gnade seiner Unterweisungen beraubte.

 

“The servants be hanged,” said Sir Pitt; and his son thought even worse would happen were they deprived of the benefit of his instruction.

»Zum Henker, Pitt!« antwortete der Vater auf seine Vorstellungen. »Hoffentlich bist du nicht so blödsinnig und willst der Familie jährlich dreitausend Pfund durch die Lappen gehen lassen?«

 

“Why, hang it, Pitt!” said the father to his remonstrance. “You wouldn’t be such a flat as to let three thousand a year go out of the family?”

»Was ist alles Geld verglichen mit unserem Seelenheil?« fuhr Crawley fort.

 

“You mean that the old lady won’t leave the money to you?" — and who knows but it was Mr. Crawley’s meaning?

»Du meinst vielleicht, daß die Alte dir das Geld sowieso nicht hinterläßt?« – Und wer weiß, ob das nicht wirklich Mr. Crawleys Meinung war?

 

“What is money compared to our souls, sir?” continued Mr. Crawley.

Die alte Miss Crawley gehörte bestimmt zu den Verdammten. Sie hatte ein hübsches Häuschen in der Park Lane, und da sie während der Saison in London viel zuviel aß und trank, so ging sie während des Sommers nach Harrowgate oder Cheltenham. Sie war gewiß die gastfreundlichste und jovialste aller alten Vestalinnen und war, wie sie sagte, in ihrer Jugend eine Schönheit gewesen. (Wir wissen gut, daß alle einmal Schönheiten gewesen sind.) Sie war ein bel esprit und für jene Zeit schrecklich radikal. Sie war in Frankreich gewesen (wo Saint-Just in ihr eine unglückliche Leidenschaft erweckt haben soll) und liebte seither französische Romane, französische Küche und französische Weine. Sie las Voltaire und kannte Rousseau auswendig, sprach sehr leichtfertig über Ehescheidungen und sehr energisch über Frauenrechte. In jedem Zimmer ihres Hauses hingen Bilder von Mr. Fox. Ich bin nicht sicher, ob sie nicht mit diesem Staatsmann in Verbindung stand, als er in der Opposition war; und als er ins Ministerium kam, tat sie sich nicht wenig darauf zugute, daß sie Sir Pitt und seinen Kollegen von Queen's Crawley auf seine Seite gebracht hatte, obwohl Sir Pitt von sich aus auch ohne Bemühungen der ehrlichen Dame zu ihm übergegangen wäre. Ich brauche hier wohl kaum zu bemerken, daß Sir Pitt sich veranlaßt sah, nach dem Tode des großen Whig-Ministers seine Ansicht wieder zu ändern.

 

Old Miss Crawley was certainly one of the reprobate. She had a snug little house in Park Lane, and, as she ate and drank a great deal too much during the season in London, she went to Harrowgate or Cheltenham for the summer. She was the most hospitable and jovial of old vestals, and had been a beauty in her day, she said. (All old women were beauties once, we very well know.) She was a bel esprit, and a dreadful Radical for those days. She had been in France (where St. Just, they say, inspired her with an unfortunate passion), and loved, ever after, French novels, French cookery, and French wines. She read Voltaire, and had Rousseau by heart; talked very lightly about divorce, and most energetically of the rights of women. She had pictures of Mr. Fox in every room in the house: when that statesman was in opposition, I am not sure that she had not flung a main with him; and when he came into office, she took great credit for bringing over to him Sir Pitt and his colleague for Queen’s Crawley, although Sir Pitt would have come over himself, without any trouble on the honest lady’s part. It is needless to say that Sir Pitt was brought to change his views after the death of the great Whig statesman.

Diese würdige alte Dame faßte eine Vorliebe für Rawdon Crawley, als derselbe noch ein Knabe war, schickte ihn nach Cambridge (in Opposition zu seinem Bruder, der in Oxford war) und kaufte ihm, als die Behörden der erstgenannten Universität dem jungen Mann nach zwei Jahren nahegelegt hatten, das Studium aufzugeben, ein Offizierspatent für die Grüne Leibgarde.

 

This worthy old lady took a fancy to Rawdon Crawley when a boy, sent him to Cambridge (in opposition to his brother at Oxford), and, when the young man was requested by the authorities of the first-named University to quit after a residence of two years, she bought him his commission in the Life Guards Green.

Der junge Offizier wurde als stadtbekannter Stutzer gefeiert. Boxen, Jagen, Fünferball und Vierspännigfahren waren damals bei unserer britischen Aristokratie hoch im Schwange, und in allen diesen edlen Wissenschaften war er Meister. Obgleich er zu den Gardetruppen gehörte, die sich um den Prinzregenten scharen mußten und deshalb ihre Tapferkeit noch nicht vor dem Feind bewiesen hatten, so war doch Rawdon Crawley wegen des Glücksspiels, das er über alles liebte, schon in drei blutige Duelle verwickelt gewesen, in denen er seine Todesverachtung bewiesen hatte.

 

A perfect and celebrated “blood,” or dandy about town, was this young officer. Boxing, rat-hunting, the fives court, and four-in-hand driving were then the fashion of our British aristocracy; and he was an adept in all these noble sciences. And though he belonged to the household troops, who, as it was their duty to rally round the Prince Regent, had not shown their valour in foreign service yet, Rawdon Crawley had already (apropos of play, of which he was immoderately fond) fought three bloody duels, in which he gave ample proofs of his contempt for death.

»Und auch für das, was nach dem Tode kommt«, pflegte Mr. Crawley zu bemerken und heftete seine stachelbeerfarbenen Augen auf die Zimmerdecke. Er dachte beständig an die Seele seines Bruders oder an die Seelen derer, die anderer Ansicht waren als er; dies ist oft eine Art Trost für die Frommen.

 

“And for what follows after death,” would Mr. Crawley observe, throwing his gooseberry-coloured eyes up to the ceiling. He was always thinking of his brother’s soul, or of the souls of those who differed with him in opinion: it is a sort of comfort which many of the serious give themselves.

Die törichte, romantische Miss Crawley war weit entfernt, über den Mut ihres Lieblings entsetzt zu sein, und bezahlte jedesmal nach dem Duell seine Schulden. Sie wollte auch nicht ein Wort von dem hören, was man über seinen schlechten Lebenswandel munkelte. »Er wird sich schon noch die Hörner ablaufen«, pflegte sie zu sagen, »aber er ist jedenfalls tausendmal mehr wert als sein winselnder Heuchler von Bruder.«

 

Silly, romantic Miss Crawley, far from being horrified at the courage of her favourite, always used to pay his debts after his duels; and would not listen to a word that was whispered against his morality. “He will sow his wild oats,” she would say, “and is worth far more than that puling hypocrite of a brother of his.”

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