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Ithaka der Peloponnes und Troja

Heinrich Schliemann: Ithaka der Peloponnes und Troja - Kapitel 9
Quellenangabe
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typereport
authorHeinrich Schliemann
titleIthaka der Peloponnes und Troja
publisherWissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt
printrun2., unveränderte Auflage
editorErnst Meyer
year1963
firstpub1869
correctorfranka.antenne@gmx.de
senderwww.gaga.net
created20090522
projectid27d10210
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Siebentes Kapitel

In den Wohnungen auf dem Lande lebt das klassische Alterthum wieder auf. – Wildheit der Hunde, welche man dadurch besänftigt, dass man sich vor ihnen demüthig zeigt. – Muster eines alten Landmannes von Ithaka; sein Patriotismus, sein Nationalstolz, seine Wissbegierde. – Nächtliches Bad. – Alter Weg von der Arethusa nach dem Palaste des Odysseus. – Identität des östlichen Abhanges des Berges Paläa-Moschata mit der Baustelle der Homerischen Hauptstadt.

Dienstag den 14. Juli machte ich mich um 5 Uhr Morgens zu Pferde mit meinem Führer auf, um den südöstlichen und südlichen Theil der Insel, auf der linken Seite der Arethusa, zu erforschen. Aber die Terrainschwierigkeiten waren so gross, dass wir bald das Pferd auf einem Felde stehen lassen und den übrigen Theil der Excursion zu Fuss machen mussten.

In jedem Bauernhause auf der Insel Ithaka sieht man das klassische Alterthum wieder aufleben, und unwillkürlich wird man an die Beschreibung erinnert, welche Homer vom Gehöfte des göttlichen Sauhirten Eumaios giebt (Od. XIV, 5–12):

Τὸν δ᾽ ἄρ᾽ ἐνὶ προδόμῳ εὗρ᾽ ἥμενον, ἔνθα οἱ αὐλή
Ὑψηλὴ δέδμητο, περισϰέπτῳ ἐνὶ χώρῳ,
Καλή τε μεγάλη τε, περίδρομος · ἥν ῥα συβώτης
Αὐτὸς δείμαθ᾽ ὕεσσιν, ἀποιχομένοιο ἄναϰτος,
Νόσφιν δεσποίνης ϰαὶ Λαέρταο γέροντος,
῾Ρυτοῖσιν λάεσσι, ϰαὶ ἐθρίγϰσεν ἀχέρδῳ,
Σταυροὺς δ᾽ ἐϰτὸς ἔλασσε διαμπερὲς ἔνθα ϰαὶ ἔνθα,
Πυϰνοὺς ϰαὶ θαμέας, τὸ μέλαν δρυὸς ἀμφιϰεάσσας.

»Er fand ihn auf der Schwelle seines Hauses sitzend, da, wo auf einer Hochfläche er einzelnstehende hohe, grosse und schöne Ställe errichtet hatte; der Sauhirt hatte sie selbst gebaut für die Schweine, in Abwesenheit des Königs, ohne Hülfe der Gebieterin und des Greises Laërtes, aus Steinen, die er selbst herbeischaffte; er hatte sie mit einer Dornenhecke eingeschlossen und von aussen eine fortlaufende Reihe starker und zahlreicher Pfähle eingerammt, die aus dem schwarzen Kernholze der Eiche geschnitten waren.«

Die Wohnungen sind immer auf Hochflächen erbaut; sie befinden sich stets in der Mitte eines Viehhofes und sind von einer Mauer aus nachlässig übereinander geschichteten Kieselsteinen umgeben; der obere Theil dieser Mauer ist stets mit einer Hecke von dürren Dornen und einer Palissade von spitzen Pfählen versehen.

So oft ich mich diesen auf den Feldern einzeln liegenden Wohnungen näherte, um Weintrauben zu kaufen, oder Wasser zu trinken, wurde ich von Hunden angefallen. Bisher war es mir immer gelungen, sie in ehrerbietiger Entfernung zu halten, indem ich Steine nach ihnen warf oder nur that, als wollte ich sie werfen. Als ich aber an diesem Tage in einen Bauerhof im Süden der Insel eintreten wollte, stürzten mit aller Wuth vier Hunde auf mich los und liessen sich weder durch Steine noch durch Drohungen einschüchtern. Ich rief laut um Hülfe; aber mein Führer war zurückgeblieben, und es schien, als wenn kein Mensch im Hause wäre. In dieser schrecklichen Lage fiel mir zum Glück ein, was Odysseus in einer ähnlichen Gefahr gemacht hatte (Od. XIV, 29–31):

Ἐξαπίνης δ᾽ Ὀδυσῆα ἴδον ϰύνες ὑλαϰόμωροι ·
Οἱ μὲν ϰεϰλήγοντες ἐπέδραμον · αὐτὰρ Ὀδυσσεὺς
Ἕζετο ϰερδοσύνῃ, σϰῆπτρον δὲ οἱ ἔϰπεσε χειρός.

»Sobald die bellenden Hunde den Odysseus sahen, kamen sie heulend herbeigelaufen; Odysseus aber setzte sich kluger Weise auf die Erde und liess seinen Stab aus der Hand fallen.«

Ich folgte also dem Beispiele des weisen Königs, indem ich mich getrost auf die Erde setzte und mich ganz still verhielt. Sogleich schlossen die vier Hunde, die mich soeben noch hatten verschlingen wollen, einen Kreis um mich und fuhren fort zu bellen, rührten mich aber nicht an. Bei der geringsten Bewegung würden sie mich gebissen haben; aber dadurch, dass ich mich vor ihnen demüthig zeigte, besänftigte ich ihre Wildheit.

Diese Eigenthümlichkeit des Hundecharakters findet man bei Plinius bestätigt (VIII, 61 ed. F. Didot): Impetus canum et saevitia mitigatur ab homine considente humi (man hemmt den Ungestüm und die Wuth der Hunde, wenn man sich auf die Erde setzt). Auch Aristoteles sagt (Rhet. II, 3): »Ὅτι δὲ πρὸς τοὺς ταπεινουμένους παύεται ἡ ὀργὴ ϰαὶ οἱ ϰύνες δηλοῦσιν οὐ δάϰνοντες τοὺς ϰαθίζοντας« (dass der Zorn sich legt gegen diejenigen, welche sich demüthig zeigen, wird auch durch die Hunde bewiesen, welche den nicht beissen, der sich auf die Erde setzt).

Mein Führer, welcher meine verzweifelte Lage sah, brachte durch lautes Rufen den Hausherrn herbei, der nicht weit von seiner Wohnung in einem Weinberge beschäftigt war. Sofort rief er die Hunde und befreite mich aus meiner Lage. Er war ein siebzigjähriger Greis mit sanften Zügen, grossen, intelligenten Augen und einer Adlernase; sein schneeweisses Haupthaar bildete einen sonderbaren Contrast zu seiner von der Sonnenglut geschwärzten Gesichtsfarbe. Nach der Gewohnheit der Bauern ging er barfuss und trug die weisse, baumwollene Fustanella, welche um den Leib herum über dem Bauche befestigt wird und in unzähligen Falten bis auf die Knie herabreicht.

Die Fustanella ist eine ursprünglich albanesische Tracht und von den Griechen erst seit der Revolution angenommen. In Albanien hat sie sich seit dem fernsten Alterthume erhalten; man findet sie häufig an alten Statuen, namentlich der des Königs Pyrrhus von Epirus im Museum zu Neapel.

Ich machte dem alten Manne heftige Vorwürfe wegen der Wildheit seiner Hunde, die mich zerrissen oder wenigstens grausam gebissen haben würden, wenn ich mich im Augenblicke der drohenden Gefahr nicht des Mittels erinnert hätte, das der grosse König von Ithaka unter ähnlichen Umständen anwandte.

Er bat mich tausendmal um Entschuldigung und sagte, seine Hunde kennten die Bewohner der Umgegend ganz genau und bellten kaum, wenn dieselben näher kämen; so lange er denken könne, sei niemals ein Fremder an seine mitten in den Feldern, fast am Ende der Insel liegende Wohnung gekommen, und er habe daher eine solche Gefahr gar nicht voraussehen können.

Auf meine Frage, warum er trotz seiner sichtlichen Armuth vier Hunde hielte, die wenigstens ebensoviel wie zwei Menschen verbrauchen müssten, antwortete er fast zornig: sein Vater, sein Grossvater und alle seine Ahnen bis auf Telemach, Odysseus und Penelope hätten ebensoviel Hunde gehalten, und er werde sich lieber Entbehrungen unterwerfen, als sich von einem seiner treuen Wächter trennen.

Ich konnte den Gründen des biedern Greises nichts entgegenhalten, den im Uebermasse seines Patriotismus und Nationalstolzes schon der Gedanke empörte, in seinem Hause weniger Hunde zu halten, als seine glorreichen Vorfahren zur Zeit des Trojanischen Krieges. Nachdem er mich, wie er glaubte, durch seine Erklärungen zufriedengestellt hatte, brachte er einen Korb voll Pfirsiche und Weintrauben, und, ein abermaliger Beweis seines Stolzes und seiner Eigenliebe, weigerte er sich entschieden, irgend eine Belohnung dafür anzunehmen. Gewiss wollte er durch diese Früchte mich für die Angst entschädigen, welche ich unter seinen Hunden ausgestanden hatte. Da ich ihn aber um jeden Preis für seine Gastfreiheit zu entschädigen wünschte, so las ich ihm die 113 ersten Verse des vierzehnten Gesanges der Odyssee in der alten Sprache vor und übersetzte sie in seinen Dialekt. Er hörte mir mit grosser Aufmerksamkeit zu, und als ich nach Beendigung meines Vortrags gehen wollte, bestand er darauf, dass ich ihm auch etwas aus der Iliade erzählen sollte, von der er nur eine unklare Vorstellung habe. Ich glaubte indess meine Schuld hinreichend abgetragen zu haben und liess mich nicht zurückhalten. Die Neugierde des Greises war aber zu sehr wach geworden, als dass er die Gelegenheit hätte vorübergehen lassen sollen, die Ereignisse des Trojanischen Krieges zu erfahren; er begleitete mich daher den ganzen übrigen Theil des Tages zu Fuss und liess mir keinen Augenblick Ruhe, bis er den Hauptinhalt der vierundzwanzig Gesänge der Iliade gehört hatte.

Wir durchwanderten den südlichen und südöstlichen Theil der Insel und fanden auf zwei kleinen Hochflächen an dem steilen Meeresufer die Ruinen mehrerer Gebäude aus Backsteinen, Kiesel und Cement, welche, nach ihrer Bauart zu schliessen, recht wohl bis ans Ende der römischen Republik, oder bis zum Anfang des Kaiserreichs hinaufreichen mögen; aber trotz alles Suchens fand ich keinen einzigen Stein cyklopischer Bauart.

Da ich bei meinen Nachforschungen mich von dem Felde, wo mein Pferd geblieben war, zu weit entfernt hatte, schickte ich meinen Führer hin, um es nach der Stadt zu bringen, während ich zu Fuss mit dem Eigenthümer der wilden Hunde dahin zurückkehrte, der eine Lust zum Lernen zeigte, wie man sie selbst bei der Jugend nur selten findet. Er blieb in Vathy zu Mittag bei mir und verliess mich erst, als ich mich niederlegte und that, als ob ich schliefe. Endlich ging er, gab aber murmelnd zu verstehen, er werde nicht verfehlen, am Tage meiner Abreise wiederzukommen und mir ein letztes Lebewohl zu sagen.

Die Nacht war eine der heissesten, welche ich jemals in Europa erlebt habe, und obgleich ich die Fenster auf beiden Seiten geöffnet hatte, zeigte mein Thermometer doch um Mitternacht auf 35 Grad. Ich konnte vor Hitze nicht schlafen; vielleicht war auch der Wein daran schuld, den ich in Folge des Durstes in fast zu reichlichem Masse getrunken hatte. Ich stand deshalb um 2 Uhr Morgens auf, verliess das Haus im Schlafrock, den ich am Ufer dicht unter meinen Fenstern ablegte, und sprang ins Meer, dessen Temperatur nicht unter 31 oder 32 Grad war. Bei solcher Temperatur ist nichts angenehmer als ein Bad in einem tiefen, ruhigen, 6 Procent Salz enthaltenden Meere, in dem man schwimmen kann, fast ohne sich zu bewegen. Ich schwamm durch den prachtvollen Meerbusen hinüber und zurück und es war 4 Uhr, als ich in mein Zimmer zurückkehrte.

Meine reizenden Wirthinnen hatten schon mein Frühstück bereitet, und um halb 5 Uhr brach ich mit meinem Führer auf, um nochmals das kleine Plateau über der Arethusa mit den Ruinen vom Hofe des Eumaios zu besichtigen, und von da aus auf dem alten Wege den nördlichen Theil der Insel zu besuchen.

Dieser Weg ist nur 66 Centimeter bis 1 Meter breit und geht um den Berg Neïon (jetzt St.-Stephans-Berg genannt) herum, in einer Höhe von ungefähr 66 Meter über dem Meeresspiegel. Er ist fast ganz in den Felsen gehauen, und man erkennt auf den ersten Blick, dass er sehr alt ist. Nach der Aussage der ältesten Einwohner war dieser Weg früher der einzige Communicationsweg zwischen dem Norden und Süden der Insel, während der neue Weg erst vor ungefähr 30 Jahren von den Engländern angelegt worden ist.

Ohne Zweifel war dies der Weg, welchen Homer (Od. XIV, 1) » τρηχεῖαν ἄταρπον« (rauher Pfad) und (Od. XVII, 204) »ὁδὸν παιπαλόεσσαν« (holprige Strasse) nennt, auf welchem Odysseus nach seiner Ankunft im Phorkys-Hafen zu dem treuen Hüter seiner Heerden ging, derselbe Weg, auf welchem sich der König und Eumaios zusammen nach dem Palaste auf dem Aëtos begaben. In der That entspricht er vollkommen den Benennungen rauh und holprig, die ihm der Dichter giebt, denn er ist an manchen Stellen so steil, uneben und schlüpfrig, dass man ihn zu Pferde nicht passiren kann.

Nach einem dreistündigen Marsche kamen wir am Fusse des Aëtos an, wo der alte Weg sich ehemals in zwei spaltete, von denen der eine auf der Ostseite zum Palaste des Odysseus, der andere in den nördlichen Theil der Insel führte. Von diesem letztern ist durch den neuen Weg, welcher in derselben Richtung geht, jede Spur verloren gegangen; von dem ersteren aber habe ich, als ich vom Aëtos hinabstieg, zahlreiche Reste entdeckt.

An der Stelle der alten Gabelung befindet sich eine reichlich fliessende Quelle, deren inneres Mauerwerk ein hohes Alterthum bezeugt. Auf sie passt genau, was Homer (Od. XVII, 204–211) sagt:

Ἀλλ᾽ ὅτε δὴ στείχοντες ὁδὸν ϰάτα παιπαόεσσαν
Ἄστεος ἐγγὺς ἔσαν, ϰαὶ ἐπὶ ϰρήνην ἀφίϰοντο
Τυϰτὴν, ϰαλλίροον, ὅθεν ὑδρεύοντο πολῖται,
Τὴν ποίησ᾽ Ἴθαϰος ϰαὶ Νήριτος ἠδὲ Πολύϰτωρ ·
Ἀμφὶ δ᾽ ἄρ᾽ αἰγείρων ὑδατοτρεφέων ἦν ἄλσος,
Πάντοσε ϰυϰλοτερές, ϰατὰ δὲ ψυχρὸν ῥέεν ὕδωρ
Ὑψόθεν ἐϰ πέτρης · βωμὸς δ᾽ ἐφύπερθε τέτυϰτο
Νυμφάων, ὅθι πάντες ἐπιῤῥέζεσϰον ὁδῖται.

»Als sie aber auf dem rauhen Pfade nicht weit von der Stadt an die schön fliessende, wohleingefasste Quelle kamen, wo die Bürger ihr Wasser schöpften, ein Werk des Ithakos, Neritos und Polyktor – rings um sie herum war ein Hain von wasserliebenden Pappeln; von der Höhe des Felsens floss kaltes Wasser herunter und über der Quelle war ein Altar der Nymphen erbaut, auf welchem alle Wanderer zu opfern pflegten.«

An dieser Quelle also begegneten Odysseus und Eumaios dem Ziegenhirten Melanthos, dem Sohne des Dolios (Od. XVII, 212–216).

Hierauf bestiegen wir den Berg Paläa-Moschata, die unmittelbare nördliche Fortsetzung des Aëtos. Für 50 Centimes hatten wir im Thale von einem Bauern zwei Hacken gemiethet und stellten an verschiedenen Orten auf dem Gipfel und am Abhang des Hügels bis zum Meeresufer Nachgrabungen an.

In einer Tiefe von 20–40 Centimeter fanden wir überall Trümmer von Ziegeln und Töpferwaaren, ein deutlicher Beweis, dass hier eine Stadt gestanden haben muss, und zwar, wie ich behaupten zu können glaube, die Homerische Hauptstadt, von der Od. XVI, 471; XVII, 205; XXIII, 137 und XXIV, 205 die Rede ist.

Wie ich schon oben gesagt habe, lag eine Stadt im Thale von Polis, und auf sie beziehen sich jedenfalls die Worte des Ptolemäus (III, 14): »Ἰθάϰη, ἐν ᾗ πόλις ὁμώνυμος« (Ithaka, mit einer gleichnamigen Stadt) und die des Skylax in dem Abschnitt über Akarnanien: »Νῆσος Ἰθάϰη ϰαὶ πόλις ϰαὶ λιμὴν « (die Insel Ithaka nebst Stadt und Hafen); aber unmöglich kann damit die Homerische Hauptstadt gemeint sein, denn das Thal von Polis liegt am Meeresufer und ist von Bergen eingeschlossen. Folglich musste man von Polis aus, von welcher Seite her man auch kam, nothwendiger Weise »ἀναβαίνειν hinaufsteigen, und nicht »ϰαταβαίνειν« hinuntersteigen. Aber Odysseus, Telemachos und die beiden Sclaven »ϰατέβαν« (stiegen von der Stadt hinunter) (Od. XXIV, 205 und 206).

Auch aus den Versen (Od. XVI, 471–473):

Ἤδη ὑπὲρ πόλιος, ὅθι θ᾽ Ἑρμαῖος λόφος ἐστίν,
Ἦα ϰιών, ὅτε νῆα θοὴν ἰδόμην ϰατιοῦσαν
Ἐς λιμέν᾽ ἡμέτερον · πολλοὶ δ᾽ ἔσαν ἄνδρες ἐν αὐτῇ.

»Ich war schon über die Stadt hinaus, dort wo der Hügel des Mercur ist, als ich ein schnelles Schiff mit vielen Männern in unsern Hafen segeln sah«,

ergiebt sich wohl mit Sicherheit, dass die Stadt auf einer Anhöhe lag.

Ausserdem liegt der Weinberg, welchen die Tradition als »ἄγρος Λαέρτου« (Feld des Laërtes) bezeichnet, zwölf Kilometer von Polis, aber nur zwei Kilometer vom Berge Paläa-Moschata, den ich als die Stelle der Homerischen Hauptstadt bezeichne. Da nach XXIV, 205–206 Odysseus und seine Gefährten schnell von der Stadt aus das Feld des Laërtes erreichten, so können sie unmöglich von Polis gekommen sein. Endlich setzen die Verse XXIII, 135–148; 370–373 ausser Zweifel, dass der Palast des Odysseus in der Stadt selbst oder in ihrer Nähe gewesen ist, und wenn die Tradition, die Anspielung in der Odyssee II, 140–160, das Zeugniss Cicero's (de Oratore I, 44) und die grossartigen Ruinen, welche einunddreissig Jahrhunderten getrotzt haben, uns mit aller Sicherheit darauf führen, dass sich der Palast des Königs auf dem Berge Aëtos befand, so kann die Homerische Hauptstadt nur auf dem Gipfel und dem Abhange des Berges Paläa-Moschata gelegen haben.

Die Erforschung dieser Ortslage hatte fast den ganzen Tag in Anspruch genommen und es war bereits 7 Uhr Abends, als ich wieder in Vathy ankam. Obgleich es Mittwoch und somit ein Fasttag war, so bekam ich doch ein reichliches Mittagsmahl von prächtigen Fischen; denn die Fräulein Triantafyllides hatten mit ausserordentlicher Zuvorkommenheit eigens für mich einen Fischer ausgeschickt, mit der Versicherung, ihm abzukaufen, was er fangen würde.

Da ich die vorige Nacht nicht geschlafen und das lange Nachtbad und die Anstrengungen am Tage bei einer furchtbaren Hitze mich ausserordentlich ermüdet hatten, so schlief ich bei Tische ein, noch ehe ich meine Mahlzeit beendigt hatte, und blieb in dieser Stellung bis 5 Uhr Morgens, wo mich die Sonne weckte, die mir grade in die Augen schien. Schnell nahm ich ein Bad, frühstückte und brach auf, um noch einmal den ganzen nördlichen Theil der Insel zu besuchen.

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